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Ste aceicySmintfter Dr. Strefemann und Dr. Jarres sowie der bayerische Ministerpräsident von Knilling, die am Erscheinen verhindert waren, hatten Glückwunschtelegramme gesandt. Der badische Kultusminister Dr. Hellpart be­fand sich ebenfalls unter den Festgästen. Den Ab- schluh der Tagung bildete eine Festansprache des preußischen Kultusministers Dr. Bölih über das Thema:Sie geistigen Beziehungen zwi­schen Heimats- und Auslandsdeutsch lum", wobei er auch einen Rückblick über den Stand des deut­schen Auslandschulwesens und Winke für seine Reubelebung gab.

Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches imNuhrkonflikt

Berlin, 28. Mai. (WTB.) In der Streitsache im Rheinisch-westfälischen Stein- kohlen-Dergbau hat heute die vom Reichs­arbeitsministerrum gebildete Schlichtungskam­mer einen Schiedsspruch gefallt, wonach hinsichtlich des Rahmentarifvertrages der Schiedsspruch vom 16. Mai 1924 gilt. Die Mehrarbeit wird, von einigen Abänderungen abgesehen, gemäß Anlage 2 des Schieds­spruches vom 16. Mai 1924 geregelt. Maß­regelungen finden nicht statt. Die ausgefalle­nen Maischichten gelten nicht als Unter­brechung des Arbeitsberhaltnisses. Soweit wie möglich werden die Zechen den auf das Ur­laubsjahr 1924/25 entfallenden Urlaub durch entsprechende Lohnzahlung baldmöglichst ab- jflelten. Der Verband der Berg­arbeiter Deutschlands hat in einer Revier­konferenz den Schiedsspruch mit 107 gegen 83 Stimmen abgelehnt. Auch der Zechen­de r b a n d hat ihn nicht angenommen. Der Reichsarbeitsmini ft er hat daher den Schiedsspruch von amtswegen für ver­bindlich erklärt, da dies als der ein­zige Weg erscheint, um die im Interesse der Volkswirtschaft erforderliche sofortige Wie­deraufnahme der Produktion im Ruhrbergbau herbeizuführen.

Das deutsche Handwerk.

Berlin, 28. Mai. (WTB.) Die offizielle Kundgebung des Reichsverbandes des deutschen Handwerks fand am Mittwoch im Reichswirt­schaftsrat statt. Nachdem der Vorsitzende des Reichsverbandes, D e r l i e n - Hannover-Kirch- rode, die Kundgebung eröffnet hatte, ergriff Reichswirtschaftsminister Hamm das Wort und überbrachte Grüße der Reichsregierung, die für eine verständige Aenderung der Steuer­gesetze. sowie die Anpassung der sozialen Be­lange an die gegenwärtigen Verhältnisse ein­treten werde. Des weiteren schulde die Reichs­regierung dem Handwerk Freiheit der Wirt­schaft. Die Reichshandwerksordnung werde hoffenllich bild zum Abschluß kommen. Dr. M e u s ch, Generalsekretär des deutschen Hand­werks- und Gewerbekammertages, behandelte die Stellung und Bedeutung des Handwerks im Rah­men der deutschen Gesamtwirtschaft. In der ab­gelaufenen Zeit seien die Lebensinteressen des gewerblichen Mittelstandes sowohl in der Gesetz­gebung wie in der Verwaltung nicht genü­gend berücksichtigt worden.

Das Handwerk fei keineswegs ein zurückgeblie­bener Teil der Industrie, sondern ein selbstän­diger Berufsstand mit erheblicher eigener pro­duktionspolitischer Bedeutung.

Die Rentenbank habe zwar dem Handwerk eine Belastung gebracht, aber keine Bete i- l i g u ü g an der Verwaltung und keine Milderung feiner Kreditnot. Zur Behebung der älebergangs- schwwngteiten der Kreditgenossenschaften fei aber staaxt l i che Hilfe unerläßliche Das Handwerk wolle mit der Idee der Berufsstandspolitik nicht das -tfreie Spiel der Kräfte aus der Wirtschaft ausschalten, sondern lediglich den Kampf aller gegen alle auf rein egoistischer Grundlage ein­schränken. Don Teilen des Handwerks sei die Auf- -stellung einer eigenen Berufspartei des Hand- ckverks gefordert worden, aber eine berufspartei- »sche dlmgestaltung des Parlaments würde den xrugenbsicktichen Interessenkampf nur nodji ver­schärfen. Man gebe dem Handwerk endliche die von ihm verlangte leistungsfähige, geschlossene Fach- vrganisation. . Alsdann sprach Generalsekretär Hermann - Berlin über das Handwerk in der deutschen Mirtschafts- und Finanzpolitik. Wenn das Handwerk die Währungspolitik des Reichs­wirtschaftsministeriums und der Reichsbank grund­sätzlich billige in der Erkenntnis, daß jedwede Art von I n f la 1 i v n vermieden' werden müsse, insbesondere eine Kreditinflation, müsse gleichzeitig aber an die Reichsbank seitens des Handwerks die dringende Forderung gerichtet werden, inner­halb der festgelegten Kreditmenge zugunsten des Handwerks bzw. seiner Kreditgenossenschaften

(Siebener Stadttheater.

Lilienfein: Eagliostro.

Das Leben des italienischen Abenteurers Graf Eagliostro" und seiner Frau Lorenza Feliciana bildet den historischen Hintergrund des neuen Dühnenwerkes Heinrich Lilienfeins.Caglrostro", dessen Gestalt auch Goethe imGroßkophta" und Schiller in seinemGeisterseher" benutzt hat, hält unter dem Schein seiner überirdischen und ge­heimen Kräfte alles in seinem Dann: Die Damen Der vornehmen Welt vergöttern ihn, die hohe Obrigkeit huldigt ihm, die große Menge drängt sich zu ihm, um durch ferne Kunst Heilung zu finden. Unter diese schwachen, von dem Scheine seiner magischen Operationen geblendeten Gemü­tern gehört auch ein krankhaft-schwärmerischer Sonderling, den er, bis zum Wahnsinn getrieben, auf die Pilgerfahrt nach Medina schickt. Auch dessen Tochter Serena, die durch den Tod ihres Verlobten schwermütig geworden war, versucht er, zu dem gefügigen Werkzeug seiner Künste zu machen. Aber als seine Leidenschaft durch­bricht, da erkennt sie sein wahres Gesicht und entzieht sich dem verführerischen Einfluß feiner falschen Magierspiele. Seine Lügenherrlichleit scheint vollkommen zusammenzubrechm, als seine durch das Abenteuerleben seelisch überreizte Frau bei der Behörde sein trügerisches Spiel aufdeckt. 2wch ihrem Mann gegenübergestellt, um ihre Aus­sagen zu wiederholen, zwingt dieser sie wieder tn seinen Bannkreis zurück, sie widerruft alles Md der Weg zur Flucht ist ihm wieder frei.

eine DcJYere und gerechtere Verrei- l u n g sofort eintreten zu lassen.

Aus dem Hessischen Landtag.

Von unserer Darmstädter Redaktion.

D a r m st a d t, 28. Mai. Der Finanzaus­schuß erledigte in den heutigen Beratungen die Kap. 57 und 58 (Dolksschulwese n). Die Vorstellung eines Turnvereins auf Wiederher­stellung des Postens eines Landesturnin- s p e t t v r s wurde gegen 3 Stimmen der Regie­rung als Material überwiesen. Bei Kap. 66 (Förderung der Kunst) wurde beantragt, zur Ausbildung hessischer Künstler statt der voige- febenen 1500 Mk. 3000 Mk. in den Staatshaus­halt einzustellen. Die Regierung wird voraus­sichtlich hiergegen keinen Widerspruch erheben. Bei dem KapitelHöhere Schulen" tour e die Angelegenheit der Söhne des Grvßher- z o g s aufgeklärt, die ohne Prüfung in die Unter* prima des Darmstädter Realgymnasiums ausge­nommen worden sind. Es wurde festgestellt, daß dies dem üblichen Brauche entspricht und daß alle arideren Schüler, bis auf drei, deren Kenntnisse nicht ohne wei eres festzustellen waren, in derselben Weise ausgenommen worden sind. Die Aufnahme ist nur aufProbe, wie dies auch in allen anderen Fällen ist. Bon der Regierung wurde zugegeben, daß dies Ver­fahren korrekt ist, aber es wurde für nicht am Platz gehalten, daß die Prinzen in die Kla.se kamen, in der ihre Privatlehrer tätig sind, das sei ein Mißgriff.

Der Briefwechsel Poincare Macdonald.

Paris, 29. Mai. (Wolff.) Die Korrespon­denz, die nach den französischen Kam­merwahlen zwischen Poincare und dem eng­lischen Premierminister Ma.donald gewechselt wurde, ist nun veröffentlicht worden. ®er Brief, den Poincare am 14. Mai an Macdonald geschrieben hat, beginnt damit, daß Poincare er­klärt, daß er zu Beginn der neuen parlamenta­rischen Session die Demission seines Mini­steriums überreichen werde und daß er die Ein­ladung, nach Chequers zu kommen, infolge- dessen ^icht annehmen könne. Dec Brief fährt dann fort: Die Regierung, der ich Vorsitze, hat ohne Einschränkung und Hintergedanken die Be­schlüsse der Sachverständigen angenommen und erflärt, daß sie bereit fei, die wirtschaftliche Einheit Deutschlands wiederherzustellen, soweit Deutschland das von der Reparations­kommission aufgestellte Programm ausgeführt habe. Wir sind also mit Ihnen über diesen Punkt vollkommen einig, daß sie den be[gi= fd^en Ministern erklärt haben, daß der wirtschaft­liche Druck an dem Tage a u f h ö r e n muß, an dem der Plan der Sachverständigen in Kraft tritt, aber daß dieser Tag wohlverstanden nur dann gekommen sei, nachdem die deutsche Regie­rung, was sie anbetrifft, die Vorschläge der Sachverständigen angenommen und ihren Vorschriften Genüge geleistet habe. Die Sachverständigen haben in ihrem Bericht gesagt, daß die Wiederherstellung der toirtschaftlick^n Einheit den

Verzicht auf die militärische Besetzung des Ruhrgebietes

in sich schließe. Ich weiß sehr wohl, daß keine britische Regierung die Besetzung gebilligt hat^ obwohl sie für uns niemals Zweck, sondern nur ein Mittel war. Wir haben immer er­klärt daß' wir das Ruhrgebiet nach Maßgabe der deutschen Zahlungen räumen werden und daß wir wünschen, es baldmöglichst verlassen zu kön­nen: aber wir glauben, daß es Lug ist, Ga­rantien zu behalten und in der Lage zu bleiben, wieder Pfänder zu nehmen für den Fall, der unglücklicherweise nicht unmöglich ist: daß später von Deutschland neue Verfehlungen seiner Reparationspflichten erfolgen werden. Es scheint Ihnen schwierig, schon jetzt die Art der Garantien, die in einem derartigen Fall ge­schaffen werden mühten, nach einem gemeinsamen ülebereinkommen zu bestimmen. Es versteht sich von selbst, daß Frankreich immer den Maß­nahmen, die es allein ergreift, Maßnahmen vor­ziehen wird, die die Alliierten gemeinsam geprüft haben. Wir werden also die Wiederaus­beutung der derzeitigen Pfänder nur für den Fall ins Auge fassen, daß wir, was ich für un­möglich halten möchte, im gegebenen Augenblick uns nicht über die notwendigen Garantien eini­gen könnten.

Ich hätte auch gern mit Ihnen über das Sicherheitsproblem gesprochen, das heute einen wirtlich ernsten Charakter trägt. Es scheint nicht zweifelhaft, daß Deutschland beabsich­tigt. die Bestimmungen des Versailler Vertrages zu verletzen und fein Kriegsmaterial und seine militärischen Formationen toiederherzustellen.

Der Brief Macdonalds.

Ich habe erfahren, daß Sie wegen der poli­tischen Lage in Frankreich am Sonntag nicht nach Chequers kommen wollen. Ich weih, daß Sie eben-

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Diesen^ herrisch-entschlossenen, rücksichtslosen Ma­gier, für den es keine Gesetze und Schranken gibt, um unter dem Mantel seiner überirdischen Kräfte seiner Abenteurerlust zu fröhnen, verstand Karl Lambe rtin vortrefflich zu charakterisieren. Eine ebenso anerkennenswerte Leistung brachte Else Koop als Serena. Karl Volck gab die Figur des alten schwärmerischen Sonderlings, Herrn von Meyern, überzeugend wieder und Fred Schüler fand sich mit seiner Rolle als unent­behrlicher Gehilfe des Handwerks seines hohen Herrn gut ab. Auch die übrigen mitwirkenden Kräfte gaben ihr Bestes und verhälfen der Auf­führung, die unter der umsichtigen Spielleitung von Adolf Teleky stand, zu einem vollen Er- fvlg. so-.

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Wieland der Schmied".

Friedrich Lienhard und sein Werk.

Friedrich Lienhard, ein geborener Elsässer, muh uns als Deutscher, der bewußt und bitteren Anfeindungen bestimmter Kreise, auch Literaten, zum Trotz seine kerndeutsche Gesinnung an den, Tag legte, besonders wert erscheinen. Seine Heimat kam 1870 zu Deutschland und durch den Versailler Vertrag wieder zu Frankreich. Lien­hard war immer und ist auch heute noch ein Ver­fechter des Deutschtums in der Westmark. Hah blieb ihm darum nicht erspart: aber dah seinem Dichterwerk deswegen durch scharfe Kritik der Zugang zum Volke erschwert wurde, ist unver­zeihlich. Denn Lienhard ist ein Dichter, der wie

solches Unterere Daran haben, wie ich, den Versuch einer vorherigen Verständigung zu ma­chen, damit der Sachverständigenbericht zur Aus­führung gelangen kann, um so einen befriedigenden Stand der Dinge in Europa herzustellen. Sarf ich deshalb die Frage stellen, ob bis zum nächsten Monat alles in dem gegenwärtigen Zu - st an d bleiben soll oder ob es ohne De^tvh gegen die parlamentarische oder konstitutionelle Praxis Frankreichs möglich wäre, wenigstens versuchs­weise, die Erörterung unseres Programms fort» zusehen. damit, wenn der offizielle Meinungs­austausch zwischen unseren Regierungen wieder re­gelrecht ausgenommen werden kann, Zeit gespart und ein befriedigender Abschluß erzielt wird.

Auf den Dries Macdonalds vom 14. QHai erwiderte Poincare am 15. Mai: Sie haben verstanden, daß es für mich sehr schwer war, meine Zusage aus recht zu erhalten, nachdem ich dem Präsidenten der Republik meine Absicht mil- geteilt hatte, bei der Eröffnung des neuen Par­lamentes die Gesamtdemission meines Kabinettes zu überreichen. Aber ich bin gleich Ihnen der Ansicht, daß die ülnterredung, die durch die Vermittlung unserer gemeinsamen Foeunde einen so günstigen Anfang genommen hat, durch­aus fortgesetzt werden kann, wenigstens in der Form von Vorbesprechungen, ohne daß wir bis zum nächsten Monat warten und ehe wir die Grundlag eines Abkommens schaffen, das die europäischen Be hültnisse wieder normal gestalten soll. Die gegenwärtige Regierung ist zwar ent­schlossen .nichts zu unternehmen, was deren Rach- folgerin in der Llltwn behindern Kirnte, aber trotzdem qualifiziert, gemeinsam mrt Ihnen die Eivr-terung so dinglicher F.agen fortzusetzen, so daß keine Zeit verloren un) eine Lösung herbei- geführt werde, die ich persönlich meinen Rach­folgern zu empfehlen in der Lage bin. Ich bin übrigens überzeugt, daß in auhenpolitischen Fra­gen nichts geändert wird. Es steht also nichts im Wrge. trenn Sie mir unmittelbar ober durch Vecmit.elung des französischen Bot- schasteis in London die sachlichen Bemerkungen Mitteilen.zu denen mein gestriges Schreiben Sie veranlaßt. ,

Die Militärkontrolle.

Paris, 30. Mai. (Wolff.) Havas teilt mit, daß dieDotschafterkonferenz nunmehr die letzte deutscheRote in der Frage der Militär­kontrolle von Anfang April beantworten werde, in der vorgeschlagen würde, eine von den Alliierten geforderte Untersuchung, die sich auf fünf verschiedene Punkte erstreckte, nicht der inter­alliierten Militärkontrollkommission zu überlassen, sondern auf Grund von Artikel 213 des Versailler Vertrages dem Völkerbund zu übertragen. Havas hält es für sicher, dah die Botschafterkonfe- ienz den deutschen Vorschlag einstimmig zurück- weisen werde, und daß andererseits die fünf For­derungen der Alliierten aufrechterhalten werden.

Die Sozialisten gegen Millerand.

Paris, 30. Mai. (WTB.) Der sozialistische Kongreß des Seine-Departements hat mit 1784 gegen 666 Stimmen die Beteiligung an der Regierung abyelehnt. Der Partei­tag hat ferner einstimmig eine Resolution an­genommen, in der erklärt wird, der Präsident der Republik Millerand, der sich zugunsten der Kräfte der Reaktion an dem öffentlichen Kampfe beteiligt habe, habe dadurch die Pflich­ten seiner Stellung verkannt. Die parlamen­tarische Kammergruppe werde daher aufgefordert, jedem Ministerpräsidenten die Stimme zu ver­weigern, der sein Amt aus den Händen M i l l e r a n d s entgegennehme.

Auch der geschäftsführende Ausschuß des r e - publikanisch-sozialistischen Blockes des Loire-Departements hat gestern in St. Etienne die Demission des Präsidenten der Republik vor der Bildung des neuen Ministeriums ver­langt. Es haben sich gestern noch mehrere wei­tere sozialistische Föderationen mit der Frage der Beteiligung an der Regierung beschäftigt. Die sozialistische Vereinigung des Rorddepartements hat sich gegen die Beteiligung ausgesprochen, aber erklärt, daß sie eine radikale Regierung unterstützen werde, wenn diese die wirtschaflliche Wiederherstellung Europas und die Reparationen sicherstelle, die man gerechterweise verlangen könne. Die Vereinigung des Departements älnterrhein in Straßburg und die Vereinigung des Departe­ments Isere haben sich für die Beteiligung ausgesprochen, ebenso auch das Departement Charente-Inferieure unter der Bedin­gung, daß Millerand demissioniert. Ein Sieg Macdonalds im Unterhaus.

London, 29. Mai. (WTB.) älnterhaus. Der konservative Antrag auf Herabsetzung des Gehalts des Arbeitsmini st ers wurde mit 300 gegen 252 Stimmen abgelehnt. Die Beratung über den Etat des Arbeitsmini­steriums wurde auf unbestimmte Zeit ver­tagt. Der Premierminister hatte deutlich zu verstehen gegeben, dah die Regierung die Auf­lösung des'Haufed beantragen werde, wenn sie bei der Abstimmung eine Rieder läge erleiden würde.

kein zweiter Germanentum und Christentum in echt dichterischem Feingefühl zu verbinden weiß und dem deutschen Volke besonders in seinen Dramen die deutsche älrkraft der Sage nahe bringt und Führer sein kann zur Gesundung aus der Lebenssinnenlosigkeit, die unser Volk er­griffen hat und es an den Abgrund unglückseliger Zeiten zu bringen droht.

Bei des Dichters 50. Geburtstag rafften sich seine Freunde zusammen und brachten die Gröhe von Lienhards dichterischem Schaffen zur Gel­tung, und überall jubelte man dem Dichter zu, der sich stets in Bescheidenheit zurückgezogen. Lien­hard ist der Verfasser einer Reihe von lyrischen Gedichten, Epen, Romanen und nicht zuletzt einer Reihe wirklich guter Dramen, denen sich leider auch die deutschen Bühnen aus obengenannten Gründen zu sehr verschlossen. Was gibt es An­mutigeres und doch Tiefsinnigeres unter deut­schen Komödien als sein RarrenspielTill Eulen­spiegel" ?. Den größten Bühnenerfolg hatte zweifelsohne seine dramatische DichtungWie­land der Schmied". Sie wird zu einem mächtigen Sang deutscher Kraft und deutscher Denkungs­art. Wieland ist der Deutsche in feiner ewigen Sehnsucht nLch dem Hohen, Schönen, oft Uner­reichbaren. Irn Kampf mit Tücke und Hinterlist schmiedet er sich in siegreichem Emporsteigen fein Glück, schasst er sich die Sonne, wenn sie sich ver­hüllen will. Kraft seines urtümlichen Glaubens an eine allwaltende Gottheit ringt er sich durch, ge­lautert in der ilebertoinbung menschlicher Zweifel, zum ewigen Licht«

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 30. Mai 1924.

Aenderungen in den Postgebühren-

Vom 1. (Juni ab werden für Pakete, Wert- und Einschreibsendungen, sowie für Drucksachen folgende Gebühren erhoben:

Pakete: bis zu 5 Kg. kosten in der l.Zone (bis 75 Km.) 0,40 ,in der 2. Zone (bis 375 Km.) 0,80 und in der 3. Zone (über 375 Km.) 0,80 Goldmark. Die Gebühren steigen für jedes weitere Kg. bis zu 10 Kg. in der 1. Zone um je 5 Pf. und von 11 bis 20 Kg. um je 10 Pf., in der 2. Zone bis zu 7 Kg. um je 10 Pf., sodann bis zu 20 Kg. um je 20 Pf. und in der 3. Zone für jedes Kg. über 5 Kg. um je 40 Pf. Die Gebühr beträgt daher beispielsweise in der 1., 2. und 3. Zone für 10 Kg. 0,65, 1,60 und 2,80 Goldmark und für 20 Kg. 1,60, 3,60 und 6,80 Goldmark. Für sperrige dringende Pakete wird künftig auch der Sperrgutzuschlag erhoben.

Bei Wert - und Einschreibsendun­gen beträgt die Versicherungsgebühr im inner­deutschen Verkehr für je 100 Rentenmark Wert­angabe 5 Goldpf., mindestens 10 Pf. (bisher 50 Pf. für je 100 Mk.). Außerdem wird für jede Wertsendung eine Behandlungsgebühr erhoben. Sie beträgt für Wertbriefe und versiegelte Wert­pakete bis 100 Mk. 40 Goldpf., über 100 Mk. 50 Goldpf., für unversiegelte Wertpakete 25 Gold- Pfennig. Die Einschreibgebühr ist auf 30 Pf. festgesetzt.

Im Drucksachen verkehr toeiSen vorn 1. 3uni an unterschieden: 1. Drucksachen, .bei de­nen handschriftlich ober mechanisch nur Firma, Rainen, Stand und Wohnort nebst Wohnung des Absenders, seine Fertvfpvechnummer, die Te­legrammanschrift und der Telegrammschlüssel so­wie sein Postscheck- und BanKvnto nachgetragen oder geändert ist (Volldrucksachen). 2. Duucksac^n, welche außerdem noch bestimmte weitere Aende- rungen oder Zusätze aufweisen (Teildracksachen). Bei allen Drucksachen ist es gestattet, eine innere, mit der äußeren übereinstimmende Aufschrift handschriftlich oder mechanisch an^ugeben. Die Volldrucksachen werden in der untersten Gewichls- stufe (bis 50 Gr.) gegen eine Gebühr von 3 Pf., die Teildruckfachen gegen eine Gebühr von 5 Pf. befördert. Die Gebührenfähe in den übrigen Ge­wichtsstufen bleiben für beide Klassen unverän- deit. Bei den Teildrucksachen ist es gestatte^ handschriftlich oder mechanisch offensichtliche Druckfehler zu berichtigen, Stellen des Drucks zu streichen, Worte oder Teile des Druckes durch Anstriche hervorzuheben und zu unterstreichen, Ziffern an offen gelassenen Stellen des gedruckten Wortlauts nachzutragen, Ziffern zu ändern, son­stige Aenderungen im Wortlaut, sowie Rachtra- gungen an beliebiger Stelle vorzunehmen. Diese Aenderungen und Rachtragungen dürfen jedoch zusammengezählt nicht mehr als 5 Worte usw. umfassen und müssen in leicht erkennbarem sach­lichen Zusammenhang mit der gedruckten Mit­teilung stehen. Weggefallen sind die bisherigen Ausnahmebestimmungen über den Versand von Besuchskarten usw. Mittels StempelabdrucL her- gestellte Vervielfältigungen sind zur Versendung gegen die Drucksachengebühr nicht mehr zuge­lassen. Die Abmessungen für Drucksachen in Kar­tenform sind aus bettieblichen Gründen auf die Größe der Postkarten beschränkt worden .

** Die Invaliden* und Llnfallren» ten. Das Postamt teilt uns mit: Die Zahlung der Renten aus der Invaliden- und älnsallver- sicherung für Iuni erfolgt am Montag, 2. Zuni. Die amtliche Beglaubigung der Quittungen ist erst zum 1. Juli erforderlich und kann bereits vom 17. Juni an durch die Behörden öorgemm- men werden. Die Quittungen der Invaliden­renten sind in Gvldmark, die der UnfaHrenten in Papiermark auszustellen.

** Einbruch. In der Nacht vom Diens­tag auf Mittwoch gegen 1 Ahr drang ein Ein­brecher in den zweiten Stock eines in der Stephanstraße gelegenen Hauses, der von einer 78jäh-:igen Witwe, ihrem Enkel und zwei Stu­denten bewohnt wird, ein. Er öffnete an­scheinend mit einem Rachfchlüffel die Dorplatz­türe. Durch das hierbei entstandene Geräusch wurde der Enkel wach, der annahm, dah es sich um einen verspätet nach Hause kommenden Studenten handelte und einen Namen rief. Da der Einbrecher merkte, daß ihm ein ungestörtes Arbeiten unmöglich war, verließ er schleunigst den Dorplatz, in den er bereits eingetre­ten war. Der im Schlaf gestörte junge Mann konnte am Fenster nur noch den davoneilen­den Menschen sehen, der einen grauen Schlapphut und einen dunkln Anzug trug.

** Kindesaussetzung. Am Mitt­woch nachmittag gegen 3 Ahr wurde unter einer Hecke am Nahrungsberg ein etwa 14 Tage altes Mädchen von einer in der Nähe wohnenden Frau aufgefunden. Der Säugling

Deutsche Sage im deuffchen Wald, nicht auf kleinlich hergerichteter Bühne, in dumpfem Saal: Auf der Gießener Waldbühne! Götter und Geister schweben rm deutschen Tann und raunen von Heldenkraft, Schmerzen und sieghaftem Steigen zur Sonne, zum Glück. Durch das Spielerlebnis zurück zur deutschen Arkraft! So will ein Kreis von Menschen, getragen von hohen Idealen zu deutschem Kulturtheater, der Sache des Volkes dienen. I. W. D.

Kunst und Wissenschaft.

Tagung der Deutschen Zoologi­schen Gesellschaft. Die Deutsche Zoologische Gesellschaft hält ihre diesjährige Tagung in der Zeit vom 11. bis 13. Iuni in Königsberg i. Pr. ab. Es sind bis heute 20 Vorträge über die verschiedensten zoologischen Thematas an­gemeldet.

Deutscher Gelehrten-Bohkott in Toronto. Im August findet in Toronto (Kanada) ein internationaler Mathmateker- Kongreß statt, von dem die Deutschen offiziell ausgeschlossen werden.Der Vorsitzende des Kon­gresses, Prof. F i e l d s," bemerken dazu dieMit­teilungen der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Aerzte",reift augenblicllich in Europa herum, um Propaganda für diesen Boykott-Kon­greß zu machen, für welchen zahlreichen nicht- deutschen Mathematikern große Summen als Reiseunterstühung angeboten werden.