Nr. 255 Zweites Blatt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Mittwoch, 29. Oktober 1924
Aus dem Reiche der Frau.
Haus und Persönlichkeit.
Don Clara Prieb.
Je mehr der Mensch eine in sich gefestigt« Persönlichkeit ist, um so mehr ttnrö e seiner Umgebung seinen Stempel aufbrüden. Da ober in jedem von uns ein Stück Eigenart steckt, nxr- den wir alle mehr oder weniger, beaxifjt oder unbewußt, auf unsere Umwelt einwirten.
Bei unS Frauen ist nun die allernächste Ausstrahlung unteres W?fenS. unserer Solle. die auf unser Heim. Jedes Haus w:rb vor ollem den Charakter der Haussrau, Gattin und Mutter widerspiegeln, beten Obhut eS anvertraut ist Das alte Sprichwort sagt richtige „Der Monn ist des Houses Stopf, die Frau des Hau'es Hertz."
Tiele F auen ahnen gar nicht, welche Möglichkeiten ihnen hier gegeben sind Sie meinen, daß die Schönheit unb Behaglichkeit des Heims vor allem vom Geldbeutel, vom Werte bec Einrichtung abhängig sei Bet näherem Rachdeitten werden sie selbst finden, dah die Rechnung nicht stimmt. Gewiß, der Geldwert der Aussteuer, der Geschmack des Dekorateurs oder Innen-Archi'.e'- ten können sehr fühlbar sein, aber je mehr sie vorherrschen, um so mehr wird man auf Mangel an Eigenart im Geschmack und auf selbständigen Schönheitssinn bei der Frau des Hauses schließen müssen — ihre Seele muh arm sein, wenn sie sich nicht selbständig äußern kann
Man denke an ein anderes Heim — an eine landläufige, bescheidene Mobiliar-Ausstattung. 11 nb doch lann's uns beim Eintreten in d.e Zimmer wie Armut und Eigenart entgegen uneben. Sauberkeit, gefällige Ordnung, die d.ch vom Behagen und Bewohntheit der Räume spricht — gepflegte Blumen, Bücher, bi? gelegen werden, Decken und Kissen, die eine persönliche Rote geben, gute, wenn auch iricht kostbare Bilder, ilebenein- stimnrung der Farben ein Unwägbares an Leben, das den toten Gegenständen eüigehaucht ist, karn stark von der Seele der- Frau dieses Hauses sprechen. Wer zu lesen versteht, wird mancherlei Eintzeltzüge richtig batten. Pietät, die alte Fami- lienandenken und liebe Tote ehrt, die geistige Art und Beschäftigung der Bewohner, das Streben nach Sauberkeit, Ordnung und Fleiß und vieles andere können wir aus dem Eindruck erfahren, den ein Heim auf uns macht. Und verantwortlich dafür ist uns vor allem die Seele der Hausfrau.
Gerade heute, wo das eigene Heim eine Kostbarkeit und für viele unendlich schwer zu erringen ist, sollten wir Frauen uns dieser Berantwortung bewuht fein. In den reichlichen Jahren vor dem Krieg ist auch hier viel zu viel Luxus erstrebt worden, jeher schielte nach oben und wollte möglichst „erstklassig" und „modern" eingerichtet fein. Harte ist vieles aus dem Erstrebten und Errungenen weder schön noch den Zeitverhäl kniffen, den Einkünften, den Rärunen, der Arbeitskraft entsprechend, vieles wird verkauft, vieles als eine Art Belastung weiter geschleppt. Dabei tar.rt kZtch dann schwer die FreLhoit und Anmut in der seelischen Einwirkung der Frau auf ihr Heim auÄrürten.
ES gilt auch hier, unser Anngewordensein ehrlich einzugeftehen, sich nach den Einkünften und Räumen richten, auch hier nicht über unsere Kraft hinaus zu wollen. In der Beschränkung zeigt sich erst der Meister — das Wort kann gerade hier und heute feine Wahrheit zeigen.
In dem bescheidener gett>?rb?nen Heim, das nicht mehr „dekoriert" und auf Ge'elligkeit und Eleganz hin eingerichtet wird, in dem jedes Glück wirklich wertvoller ist als früher, wird die Serie der Hausfrau sich mehr zeigen können, als in den nach berühmtem Muster übernommenen Ln xusei n rkfvtu ngen der Dorkriegsjahre Wir Frauen müssen uns nur bewußt werden, welche schöne Pflicht und Freude hier für uns liegt. Mehr wie je sind Mann und Kinder aufs Haus angetotefen. viel mehr als früher brauchen die Freunde des Hauses nicht die so teuer gewordenen materiellen, aber die seelischen und geiftigen Gaben. Ihre ilcbermittlerin ist vor allem die Hausfrau möge ihre Seele wachten, damit sie ihrem Heim viel sein und geben sann.
In wie einfacher Umgebung höchste geistige Werte gedeihen können, sehen wir in Weimar an G oethes Gartenhaus, Schillers Wohnhaus. Dor mehr als hundert Jahren während und mich der napoleonischen Zeit, war äußerlich ein ganz einfacher, ärmlicher Zu'chnitt. Bei eine? Kerze sah man in dem einzigen Wohnzimmer und hatte trotzdem Raum und Herz für seine Freunde. Wir wissen, dah gerade in dieser Zeit Frauen wie die Rahel, Bettina von Arnim, Caroline Schlegel, Henriette Herz, ihr Heim zu einer Wohltat für viele.
Herbstmodenfiir die reifere Frau
Roch immer ist die Mod? der reiferen Frau nicht gHnstig gesinnt. Sie nimmt auch feine Rück- sich: daraus dah die erleichterte Ernährungswelse dem Schtan'kblc.benwollen oft ziemlich rasch ein Ende bereitet. Dennoch kann sich auch die reifere Frau völlig modegerecht kleiden, wenn sie unter den Modeneuheiten ablehnt, was ihre Fülle noch besonders betonen würde. Sv sollte sie am modernen Herbstlleid immer dem langen tzlermel vor dem halblangen oder gar kurzen den Dorzug geben. Auch der runde Halsausschnitt daran, der sich vielfach mit dem kurzen Aermel eint, sollte von ihr immer verworfen werden. da er einem Doppelkinn ober starkem Halsansay keinesfalls günstig ist. Aeuherst kleidsam ist aber neben dem langen Aermel ein kleiner, 1 förmig?r Ausschnitt, von feinem <5pit3c.rt.agen aus S*let°j Klöppel- ober ferner Strickspfee umrahmt, bet üppigem Halle auch noch durch ein fernes Spitzen-, Seiden- oder Trikotlätzchei oder Einsäychen aus- gefüllt. Die reifere Frau mit vollen Formen tollte auch den vorderen oder seitlichen Knop'- fchluh, senkrecht laufmbe Diesen- oder Stuften- gamituren am Leibchen, oder ebensolche Blenden oder Stickereibordenbesätze, vor allem quer an- geordnete 'Gam.turen bciroinugen, zumal auch die ersteren völlig modegerecht sind. 'Weiter sollten quer- oder sehr breit senkrecht gestreifte sowie alle lebhaft getönten, wie gemusterten Stoffe von ihr gemieden werden, da alle diele Modeneii- h-iten leicht das 2luge auf sich lenken und rach fcur Kritik der Figur ihrer Trägerin Veranlassung
einer Bereicherung des geistigen Lebens jener Jahre machten
Jeder nach feiner Art, nach feiner Kraft — möchten viele Frauen so viel Seele haben. so viel Anmut und Eigenart, dah sie ihrem He.m diesen Eigenstempel geben, dah für die 2läch ten und darüber hinaus für viele, ine kein Heim in b e cm Sinne hoben, hier Werte geschaffen werden, die kostbarer find als alle käuflichen.
Zwei Rezepte zum „Glücklichwerden"!
Don Marie Reuter.
Da habe ich mal „die Kleinsten" um mich versammelt und versuche ihnen das Sprüchlein zu erklären: „Glücklich sein, ist glücklich machen!" finde aber schließlich, dah das für sie doch wohl zu hoch und unverständlich gewesen ist. Ein wenig später gehe ich in den Garten, um die ersten reifen Kirschen zu holen. EinÄ der kleinen sechsjährigen Bürschlein steht noch am Gartenzaun „Äomm herein, ich schenk' dir etwas!" Mit strahlenden Augen empfängt er einige der fußen Früchte, — sucht sich aber ein Blatt und — wickelt sie ein. „Run," frage ich, „warum ißt du sie denn nicht?" „Die bring' ich nach Haus", erklärt er mir, — und als ich ihn verwundert ansehe, sagt er behutsam: „Weiht du nicht? Du hast doch gesagt: Glücklich sein, ist glücklich machen!" — Der liebe kleine Kerl, — ich mußte ihn umarmen! — Möchte er das Mittel zum „Glücklichwerden" nie mehr vergessen!
Und nun das zweite. In meiner Großmutter Raritäten sand ich als Mädchen eine Kreidezeichnung, einen Hasen, der eifrig an einem Kohlblatt nagt, — und darunter die Worte geschrieben: „Glücklich, wer sich mit Kohlblättern begnügen kann." Da wurde mir plötzlich meiner geliebten, so über die Maßen anspruchslosen Großmutter Sinn und Wesen verständlich! Ich habe ihren Wahlspruch auch zu dem meinen gemacht und danke ihr heute nach 50 Jahren noch herzlich dafür. Der Wahlspruch aber lautet: „Richt her ist glücklich, ber viel hat, sondern der wenig braucht!"
Vie Zrauenbewegung in ihren modernen Problemen.
Don GertrudWittstock.
Dor uns liegt die dritte, von der Derfasserin Dr. Helene Lange neu umgearbeitete Auflage dieses Buches, das im Derlage von Quelle u. Meyer, Leipzig, erschienen ist. (Preis Mk. 1.60.) Die gesamte Frauenbewegung — worunter wir alle die Frauen verstanden wissen möchten, die sich der 2lufgaben ihrer Zeit und der Forderung, dah sic gehört loecben müsse, bewußt sind, — wird mit besonderer Freude und tiefem Dank dieses neue Werk Helene Langes entgegennehmen. Immer wieder hört man beglückte Aeuheiangen über die fortgesetzte neue Stellungnahme dieser allseitig verehrten, betagten Dorkämpferin und Führerin der deutschen Frauenbewegung zu den Problernen unserer Zeit.
Jede Zeit flellt ihre Aufgaben, die irgendwie fast immer eine Fortentwicklung des Vorauf» gegangenen sind. Die verhängnisvolle Frage und das wesentlich Entscheidende für eine erfolgreiche Fortentwicklung ist dabei, ob die neue Generation die Ausgaben ihrer Zeit erkennt, ob sie die Kraft hat, das Errungene festzuhalten und entsprechend ihrer Zeit nicht nur for^uführen, sondern um- und neuzugestalten. — In dieser umgearbeiteten Reuauslage ihres Buches gibt Dr. Helene Lange uns allen, den jüngeren und älteren der Frauenbewegung, ein Musterbeispiel, wie man die Entwicklung seiner Zeit zu verfolgen und mit ihr mitzugehen hat! Soviel und von wem wir auch über die Frauenbewegung gelesen und gehört haben mögen, keine Ausführung erreicht die Klarheit und Uebersichtlichkeit der Darstellung wie in diesem Buch.
Der Inhalt des Buches in acht Kapiteln und einem Anhang gegliedert, behandelt folgende Probleme: 1. „Die wirtschaftlichen Ursachen der Frauenbewegung": 2. „Die geistigen Triebkräfte der Frauenbewegung": 3. „Die Wirkung des Krieges": 4. „Probleme der Frauenbildung": 5. „Die Stellung der Frauenbewegung zu Ehe und Familie": 6. „Beruf und Mutterschaft": 7. „Die Konkurrenz der Geschlechter": 8. „Die Stellung der Frau in Gesellschaft und Staat": und im Anhang: „Die Declaration of Sentiments von 1848". Ein reiches Literaturverzeichnis erhöht noch den Wert des Buches.
Wir können es uns nicht versagen, wenigstens eine Stelle, und zwar den Schluß des letzten Ka-
geben. Dennoch bleibt für die reifere Frau von den jetzt bevorzugten Farben eine reiche Anzahl zur Auswahl übrig. Erlaubt ist ihr vor aLLm das immer schlank machende ncküvarz, ferner Braun, vorn Rost- bis zum Kaffeebraun, Grün in allen stumpfen, aber dennoch kräftigen Farbtönen bis zum Flaschen-, Oliv- und Dunkelgrün. Alle roten Töne mit violettem Einsch'ag, vom Buchen- bis .zum Burgunderrvt oder tiefen satten Rotbraun. Don den Tönen steht ihr ein dunkles Tüten-, Marine-, Dunitl- und ein dunstes Graublau in weichem Pastellton und weichem, stiebenden Stoff w:e Tuch, D?lour de Iain? und Trepe Maroein zu Gebote. Dafür sollte fie öde anfallenden Garnituren, namentlich am Halle, m.iden, da sie in starkem Gegensatz zu ihrem bfe.chen Teint stehen. E. M.
Pelz und Pelzbehandlung.
Daß in diesem Winter noch mehr als bisher Pelz zur Garnierung von Mänteln u.ti> Jacken verarbeitet wird — ganz abgesehen von den Pelzkragen, Krawatten und Schals — zeigt jeder Dll-ck in die Schaufenster der Modehäuser. Wirklich — wer sich keinen Pelz an schaff en kann, w rd sich ganz unangezogen vorkommen. Zum Glück ist die Kunst fertigleit unserer Kürschner im Grade der Rachfrage gestiegen, und sie verstehen es heute sehr gut, aus den bescheiden Irin Fellen unserer bescheidensten Haustiere — Kanllr, Z-ege usw. - sehr schone kleidsame, in Haar- bchandlung und Farbe wb.rstandsfähig. Pelzwaren herzustellen. Ratürlich bleibt aber ein
pitelS zu zitieren: „Wo die Maste der Frauen durch das Stimmrecht auf die Gesetzgebung Einfluß gewinnt, da sind eben doch die Mütter in der Majorität, und die großen allgemeinen Fraucnintereffen, nicht etwa die der einzelnen Derufsgruppen, stehen im Vordergrund.
Und zwar setzt das Frauenstimmrecht das Mutter- und Haussraueninteresfe nicht nur direkt und unmittelbar in politisch? ?lLnd>t um, auch in einem mittelbaren und weiteren Sinne ist die selbständige Staatsbürgerin die Dertreterin des Mütterlichen in der Gesetzgebung Denn die Frauen sind die eigentlichen Vertreterinnen doS sozialen Gedankens und aller Forderungen, die sich daraus entwickeln. Der soziale Mittlerdienst aller Bildungssragen und der Sozialpolitik ist das. was ihnen am nächsten liegt, denn beides dient unmittelbar der Pflege des Menschen, nicht der bloßen Sache, der Güteranhäufung und Derwaltung.
Dielleicht kann man geradezu sagen: die große Bestimmung, die allerletzte und zentralste Mission des weiblichen Etaatsbürgertums ist es. jenen Grundsatz zur Geltung zu bringen, den Ruskin in das Wort faßt: „Es gibt keinen größeren Reichtum als das Leben." Und man kann sagen: Keine Zeit hat das Gegengewicht dieses Gedankens nötiger gehabt als die unsere. Keine ist so sehr in Gefahr gewesen, die objektiven Mächte: den Staat, den Handel, die Technik, den Derkehr zum Selbstzweck zu machen, bem die Menschen als Mittel und Werkzeuge untergeordnet werden. Keine 3eit hat es nötiger, die großartige Frage der Bibel: ob nicht das Leben mehr sei als seine Mittel, wieder besser zu beherzigen. Wenn ein politischer Frauen Wille entsteht, wirklich aus dem Wesen der Frauen selbst heraus als selbständige Kraft, so wird er der Träger dieses Gedankens fein."
Möchte daS Buch von jeder Frau, die überhaupt bewußt in und mit ihrer Zeit lebt, gelesen werden!
Die elektrische Hausgehilfin.
In einem der vornehmsten Möbel- und Aus» stattungsgeschäste, Londons war kürzlich eine Musterwohnung ausgestellt, die zeigen feilte, wieviel Arbeit erspart, wieviel Schmutz vermieden, wieviel Behaglichkeit Derbreitet werden könnte, wenn die Elektrizität ordentlich ausgenützt würde. Es war eine Zweizimmerwohnung mit Badezimmer und Küche. Im Speisezimnier stand der Tisch zum Frühstück gedeckt. Da war der elektrische Tee- und Kaffeelocher. Der eine war ein einfaches Aluminiumtöpfchen, in dnn man auf dem Tisch das Wasser rasch zum Sieden bringen konnte. Die elektrische Kaffeemaschine hatte eine Dorrichtung, durch die bewirkt wurde, dah daS heiße Wasser in regelmäßigen Abständen auf den gemahlenen Kaffee tröpfelte; auf der anderen Seite floh der starke schwarze Kaffee heraus. In ein paar Minuten war er fertig, ohne daß die Mutter vor dem Herd stehen muhte, um ewig nachzugießen. Auf dem Anrichtetisch stand eine elektrisch betriebene Pfanne für Spiegeleier, die zu jedem englischen Frühstück gehören. Sie war gleichfalls aus Aluminium und hatte einen automatischen Ausschalter, der betätigt wurde, wenn die Eier fertig waren. Ratürlich ronnte man auch die Pfanne für alle möglichen Bäckereien verwenden und die Ausschaltung dann erst später wirken lassen. Im Kamin war ein Kohlenfeuer täuschend nachgeahmt: ein elektrischer Ofen, der je nach der Källe verschieden reguliert werden konnte. Oberhalb davon war ein elektrischer Fächer angebracht, der im Sommer Kühlung zu- wcht. Dor dem Kamin stand ber Apparat für drahtlose Telephonie, der bald in feinem englischen Haus mehr fehlen wird. Wenn die Familie abends gemütlich zu Hause sitzt, wird er eingeschaltet, und man kann Konzerte, Opern, Dorträge, Predigten hören. Im Schlafzimmer war auf dem Rachitisch die Stehlampe. Unter dem Polster lag an der Schnur der Ein- und Ausschalter, so dah der Liegende nicht einmal die Hand von der Decke heben muhte, um auf- unb abzudrehen. Eine elektrisch beleuchtete Uhr zeigte während ber ganzen Rächt die Zeit. Auf dem Antte.detisch lag ein Apparat für elektrische Gesichtsmassage, der jeden Morgen fünf Minuten ange wendet werden soll, um das Gesicht jung und frisch zu erhalten. Ein Aluminiumkamm, der mit der Leitung in Verbindung ist, massiert und erwärmt während des Frisierens die Kopfhaut und verhindert so vorzeitigen Haarausfalll An den Seiten der Betten war eine Vorrichtung, mit der der elektrische Ofen vom Bett aus ein- und ausgeschattet werden konnte. Das Badezimmer hatte elektrisch erwärmtes fliehendes Wasser: ein elektrischer Handtuchtrockner and
etter Pelz dadurch in seinem Wert ungeschmälert, und er ist und bleibt ein Wertobjett aus sich heraus, das über die Mode hinaus seine Kostbarkeit bewahrt. Diesen, den echten Pelzen gegenüber den gewissermaßen „künstlichen" Fellen eigenen Vorzug ins rechte Licht zu rücken, unternahm kürzlich eine große, pelzverarbeitende Fabrik in Amerika mit einer praktischen Vorführung. Es wird unsere Leserinnen imercitiercn. über das Prüfungsverfahren und ferne Erg-bnisse etwas zu erfahren, um für sich eine Ruhanwendung daraus zu ziehen.
Die Prüfung in der amerikanischen Fabrik erstreckte sich auf die Dauerhaftigkeit der verschiedenen Pelzsorten beim Tragen, und zwar wurde diese Prüfung mit einer kleinen neuem Cpezialmaschine vollzogen, die folgendermaßen arbeitet: . .
Gin elektrisch betriebener Puffer wird in entsprechender Enge an das zu prüfende Pelzwerk angelegt, und ber Puffer wird über eine Fläche von brei Zoll mit ber Bewegungsschnelligkelt von 150 Zügen per Minute hin und her bewegt. Die Prüfung eines jeden einzelnen Pelzmusters wurde dann in der Dauer von zwei Stunden untemrnnnen, aber nach je fünfzehn Minuten wurde eine Paule gemacht und das Reibungsergebnis dieser Zeiträume ver^ichnet. Rach zwei Stunden wurden sämtliche Pelz stücke sorgfältig geklopft, durchgi-kämml und gebürstet und so gut als megi ch wieder instand gesetzt. Die sachkundigen Prü-'er fanden nun, dah gewöhnlicher Fisch- ottar:>,'U. sich mit 100 Prozent als am bauer- zeigte, da dieses Pelzwerk nach ber
-wärmer sorgte dafür, daß die Badetücher und •mäntcl immer trocken und gut durchwärmt waren. In einer Viertelstunde ist man gereinigt und erfrisch: für dm ginyn Tag In einer Ecke stand ein elektrischer Staub'augeapparat. Kein mühseliges Klopfen der Teppiche im Hof. fein gefapiliebes Einatmen von Äranf bei t•?errsgem, kein atemloses Hinauslchleppen über viel« Treppen. Jeden Tag fährt die -Hausfrau mit der befenartigen Vorrichtung über den Fußboden. in die Ecken, über die Teppiche und reinigt so gründlicher die Wobn. ng, alS es daS beste Klcpfen lonnte Die Küche war zierlich Nein, aber so praktisch in der R an maus Nutzung, dah sie gleichzeitig Koch-, Wasch- und Bügel- raum unb zur Rot auch Eßzimmer sein könnte In der einen Ecke war der elektrisch« Herd untergebracht, ter kocht, brät und backt unb dessen Heizung bis auf einen Grad genau reguliert werden kann. Daneben an der Wand ein kleiner elektrischer Wärmer, darüber ein elektrischer Teller- und Schüsselwärmer. In der anbern Ecke stand die elektrische Waschmaschine, die durch einen Vorhang vom andern Raum abgetrennt war Sie kocht und schwemmt bie Wasche. Gin abschließender Rebenraum. dessen Wände lauter eingebaute Wirtschastskästen waren, komtte elektrisch durchwärmt werden und dient« als Trockenkammer. Reben der Waschmaschine war das Bügelbrett, das zusammengelegt al3 Siegelogenheit benutzt werden kann, und die elettri- schen Bügeleisen in drei Größen. Eine Vorrichtung an der Wand, ähnlich dem Teller- wärmer, nur etwa dreimal so groß, diente zum Trocknen des Geschirrs.
Praktische Ratschläge für Haus und Küche.
Weiße ungestrichene Küchentischplatten zu behandeln. Die un gestrichenen weißen und glatten Tischplatten, der Stolz so mancher HauSsrau, verlieren meist schon nach kurzer Zeit ihr schneeiges Weiß. Man sollte auf ihnen keine Hantierung ohne Auflegen eines Schuhbrettes vornehmen, um Rinne von heiß aufgeftcUlcn Topfen, Schüsseln, Ruyränder usw. zu vermeiden. DaS übliche Scheuern mit Sodaoder Seisenwasser macht sie mit der Zeit unansehnlich grau und beraubt sie ihrer Weiße. Man sollte daher zu ihrer Reinigung nur laues, llaoeS Wasser nehmen und mit einer alten Strumpfsocke oder Lufahlappen scheuern, die man mit Ata (Drogerie) bestreute. Rachwaschen mit klarem Wasser und Rachtrocknen, erhält sie jahrelang in ihrem unverändert guten Aussehen.
Schn ell fertiges Pfannen-Toma- tengemüse.2 Scheiben m Würfel geschnittenem Speck werben zusammen mit einer walnußgroßen, ebenfalls würflig geschnittenen Zwiebel goldbraun angebrnten unb darin 1—IV, Pfund Tomaten in Scheiben oder Viertel geschnitten gedünstet. Run läßt man es noch 15 Minuten zugedeckt dämpfen, worauf man es mit Salz und Paprika, einige» Tropfen Zitronensaft und einer Messerspitze Butter pikant abschmeckt. Der Saft wird mit V$ Teelöffel Kartoffelmehl verdickt. SHefefi Tomatengemüse schmeckt sehr gut za Pellkartoffeln al« Abendgericht.
Falsche Ochsenschwanzsuppe. (Für vier Personen.) Pfund in Stifte zerschnittene Möhren, eigroß Sellerie, Porree, Kohlrabi und eine nußgrohe Zwiebel röstet man mit Speck von allen Seiten kräftig braun an, fügt ein Liter Wasser, etwas Salz und eine Prise Pfeffer bet läßt alles völlig weich kochen, treibt das Gemüse durch ein Haarsieb, gibt in 40 Gramm zerlassenes Fett 25 Gramm frische Hefe, verrührt beides, fügt zwei Löffel Mehl bei, läßt die Einbrenne hellbraun werden, verkocht fie nun mtl der Suppe recht sämig und fügt zum Schluß einen EUöfsel voll Kochwein bei, ehe man tte Suppe an richtet.
Speisezettel.
SamStag: Linsensuppe mit Rvtwurst. Ap felauflauf.
Sonntag: Fleischbrühe mit ReiS, Hammelbraten, Kartoffelnudeln, Estdiviensalat. Karamel- kreme.
Montag: Brotsuppe, falscher Hase, Schwarzwurzelgemüse.
Dienstag: Kartoffelluppe, HammelreiS (vom Srnntagsoraten) mit Tomatensalat.
Mittwoch: Apfelsuppe, gebackene fieber, Kartoffelsalat.
Donnerstag: Grießsuppe, Kartoffeln und Aepfel mit Speck und Zwiebeln, Düchsenfleisch.
Freitag: Getnüsesuppe, Schellfisch mit Senftunke.
Prüfung keinerlei Reibungsspuren zeigte. Am wenigsten widerstandsfähig erwies sich das bekannte Chinchilla, besten Haarbestand schon nach einer Prüfung von einer Viertelstunde fast gänzlich verschwunden war. Bemerkenswert ist, dah Waschbärpelz, der allgemein als ungemein dauerhaft gilt, sich bei der Prüfung als weit weniger dauerhaft zeigte, als zum Beispiel Alaska-Seais- fin und Hudson-Sealskin und aobere weiche, samtartige Felle, die sonst als minder haltbar im Tragen gelten. Die Prüfungskommission, bie biefe Ergebnisse veröffentlicht, klärt das pelztragende Publikum auch über die Bedeutung und den Wert des regelmäßigen Klopfens von Pelzen im Hinblick auf die Erhaltung der Dauerhaftigkeit auf. Richts erhält den Pelz besser als tüchtiges Klopsen. Das Kleidungsstück muß flach auf einer Tischplatte ausgebreitet und mit einem biegsamen, elastischen Städhen gründlich unb lange geklopft werden. Rur bie zarten Pelzsorten leiden unter dieser Prozedur: für alle anderen bedeutet das Klopfen fiebensverlängerung. Auch das Kämmen mit Kämmen, wie sie von Pelzaibeitertt benutzt werden, ist zur Erhaltung des Pelzes unentbehrlich. Auch vor Mottengefahr schützt das Klopsen. Dies sollt? wöchentlich regelmäßig zweimal geschehen
Wenn auch viel? Pelzsorten freute nur Modeartikel find, dessen Anschaffungspreis nicht mit einer langen Lebensdauer rechnet, so sollten doch die Trägerinnen etter Pelze um so bedachter auf Schrnung unb Erhaltung ihres wertvollen Materials fein


