Oer Alte auf Topper.
Ttomtm von HannS von Zvbeltitz.
2. Fortsetzung. (Nachdruck verbstön.)
Un5 schon weichen auch Friedrichs Grenadiere. Zurück durch den tiefen, leichenübersäten Kuhgrund, zurück über die um die Mittagsstunde mit so teurem Blut erstrittenen Mühlbecge. Geschlossen zuerst, in wachsender Auflösung dann. Zurück — die Preuhen!
Auf dem Mühlberg hält der König. Stemmt sich der Fürcht entgegen, ergreift eine Fahne der Prinz Heinrich-Füsiliere: „Mer ein braver Svl- i>at, der folge mir!" Ein kleines, kleines Häuflein sammelt sich um ihn. Auf Augenblicke nur, wird er gleich auch in den wilden brandenden Strudel hineingerissen. Rette sich — wer kann!
Schon schweigen die preuhischen Geschütze. Aber die russischen Kanonen hageln in die Flüchtenden; allerorten brechen Laudons, Saltykows Bataillone aus ihren Aetranchements, stosten nach mit Kleingewehr und Bajonett. In dichten, dicken Schwärmen stürzt sich die zahllose leichte Kavallerie auf die Fliehenden. Dom linken Flügel her stürmen die serbischen Husaren, die Ungarn heran, die braunen Reiter vom Don. Der Schreckensruf „Kosaken!" gellt über das Feld —
Hält noch immer an der Bäckermühle, der König. Starrt auf die wüst flutende Flucht, starrt auf die dunkel auf wirbelnden Staubballen, starrt auf die feuerspeienden Berge dort drüben. Wie versteinert starrt er: gibt es denn keine Kugel
für ihn? Sind sie wirklich gefeit, die Gesalbten des Herrn? r .
Bur eine winzig kleine Schar Zietenhusaren ist bei ihm unter dem Rittmeister von Prittwitz.
Da brechen aus den Staubwolken, aus dem Pulverdamps Lschugujew-Kvsaken hervor.
Eines Atemzugs Länge, und der König, der König ist gefangen — , . . ,,
Wenn der Prittwih nicht wäre! Der teuft sich mit seinen wenigen dem Schwarm entgegen. Hunt ein, dah sie stutzen, stocken, Raum lassen und Zeit. Zum letzten Male heut schallt das „ Fridericus Rex" über das Dlachfeld, den Siegern zum Abschiedsgrust. Mit dem Säbel in der AMt bahnt der Prittwih seinem Kriegsherrn ren Weg.
Aber hinter ihm ist das Ehaos. Aufgelöst alle Bande der Manneszucht. Zerbrochen alle Ver- bände. Wirr durcheinander gewürfelt die Trüm- mer von Bataillonen, Schwadronen, Backenen. Uebersät die weiten, weiten Wälder mit Flüchtlingen, Versprengten. Tausende gefangen, fast kein Geschütz gerettet. Dis zum HühnerfliA hin, dem der Strom der unaufhaltsamen »iucht sich zuwälzt, der Leichtblessierte, der sich hoch sort- schleppen kann, neben dem Heilen, dem die Wahn- sinnssurcht den todmüden Füy beflügelt: überall, überall weggeworfene Gewehre, Patronentaschen, krepierende Gäule, Kanonen, vor oenen d.e Stränge abgeschnitten, Munitions'arren, Weg und Steg versperrend. Und hinterdrein überall Totlebens Kosaken wie Höllenbrut mit Lanze und Kantschu: Pascholl! Pascholl!
Hoch oben in den Wolken aber der schwarze
Ew?ld Christian von Kleist Maror vom Regiment Haust. Wollte ein wackerer Feldscher ihn verbinden noch mitten im Kanipfgewuhl doch den traf beim Samariterwerk die tödliche Kugel. Ka men die Kosaken, raubten dem Kleist alles, rissen ibm die Kleidung vom wunden Leibe, liehen ihn liegen. Dis ilm In her Dacht -in paar mitleidige Husaren fanden, auf ein Bund Stroh an ihrem Wachtfeuer lagerten, too ihn am Mor- qen ein wackerer russischer Offizier, der Baron von Stackelberg, entdeckt hat und weitere Fürsorge traf. Zwölf Tage darauf ist er zu Frankfurt seinen Wunden erlegen. t
War von vielen, vielen nur einer, der bei Kunersdorf für seinen König blutete. Und ging dennoch ein besonderes Wehklagen um ihn durch die deutschen Lande. Denn der Ewald Ehrtstian von Kleist war des jungen Lessing Freund, war der Dichter des „Frühlings" und der „Ode an die preussische Armee". Also wurde seinem Wunsche Erfüllung:
Auch ich, ich werde noch, vergönn es mir, " o Himmel!
Einher vor wenig Helden ziehn;
Ich seh' dich, stolzer Freund, den kleinen Haufen flieh'n
Und finde Ehr' und T'vd im rasenden Getümmel!"
Weit jenseits des Schlachtfeldes, unweit Dtvrf- kow, Mitten sich drei in einer Grube mitten im Unterholz der Forst verkrochen: zwei vorn Regiment Prinz Heinrich, einer vom Regiment Knobloch. Kuschten langhingestreckt auf dem Bauch, mit zerschlagenen, zitternden Gliedern, keuchender Brust: wagten kaum einen Ton, immer nur die Todesangst im Herzen vor den Erbarmungslosen, den Kosaken. Lauschten in Wald und Rächt hinaus, schraken vor jedem Laut zusammen. Zerfetzt und 'zerlumpt war die Montierung, leer die Patronentasche. Aber die Kuhfüste hatten sie noch, hielten sie dicht am Leibe.
Hungerten und dursteten arg, schier zum Verzweifeln. Um Mitternacht waren sie im Lager vom kurzen Schlafe ausgestöbert worden, hatten noch die Locken drehen müssen und einmehlen, denn die Korporale verstanden keinen Späh und die Kapitäns noch weniger. Auch wo eine Schlacht bevorstand, muhte der Bursche propre sein, sonst drohte die Fuchtel. Dann kam der lange, lange Marsch durch Sand und Gestrüpp und dann das stundenlange, furchtbare Morden. Und immer brannte die Augustsonne auf dem märkischen Sand, beizten Staub und Pulverdampf Augen und K< h e. Da waren die paar Krümel Brot bÄd verzehrt und der letzte Schluck aus der Flasche vertan. Dah dich! Was halfen die Blätter, die sie abgerissen und zwischen die Zähne geschoben hatten? Was half's, dah sie den Sand unter sich mit gierigen Händen aufwühlten bis zum kühleren Untergruirde und die glühenden Gesichter dagegen preßten? Arme Bursche! (Forts, folgt.)
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Markt
Wiesecker Weg . . . Friedhof
Bahnhof
Markt
Wiesecker Weg . . .
Friedhof
Straßenbahn der Stadt Gießen.
Sommer-Fahrpian 1924. Gültig ab 29. Jaaaii
Grüne Linie.
Bahnhof - Markt - Wiesecker Weg - Friedhof
Friedhof
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Bahnhof - Markt - Siechenanstait - Schützenhaus
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