Nr. 150 Drittes Blatt
Das Zriedensdiktat von Versailles und Deutschlands Binder.
Wenn man auf den Fernbahnhöfen in Der- lin die durchgehenden Züge nach dem Westen und Osten beobachtet, so sieht man das uns nun seit Jahren gewohnte Dild der Kindertransporte nach dem Ausland, nach Holland zumal luib der Schweiz. Zwar sind diese Transporte wesentlich kleiner und nicht mehr so häufig, wie In den vergangenen Jahren, aber immerhin werden durch dre Freundlichkeit unserer Nachbarn doch noch einer ganzen Reihe von deutschen Kindern ein paar frohe, schöne Wochen der Erholung geschenkt, die im Winter ihre Früchte tragen. So dankbar wir für dieses Geschenk an sich sein müssen, so wird sich doch nur allzu leicht in die Freude darüber das bittere Gefühl mischen, daß wir es nötig haben, unsere Kinder als Gäste in ein anderes Land zur Erholung au schicken. Immer wieder drängt sich der Gedanke auf, muhte es so weit kommen? War dieser Aushungerungskrieg, der sich mit seinen verheerenden Wirkungen vor allem bei den Kindern und Alten fühlbar machte, nötig? Hätte nicht em Wutschrei der Empörung durch die ganze Welt hallen sollen und müssen? Statt dessen mehrten sich unsere Feinde, und die wenigen Stimmen derjenigen. die für Deutschland sprachen, verhallten im Kriegsgetümmel. Warum kommt die Einsicht so spät? Vielleicht kann man bei Holland und der Schweiz sagen, dah die Möglichkeiten für diese beiden Länder, uns im Kriege wirtschaftlich stärker beizustehen, durch die Bedrohungen Frankreichs eingeschränkt wurden: wenn aber heute in Amerika die grobzügigsten Sammlungen für die deutschen Kinder veranstaltet werden, so müssen sich doch, so sehr man die Tat an und für sich anerkennen mag. der Gedanke der Sinnlosigkeit dieser Handlungsweise aufdrängen.
In dieser Woche jährt sich zum fünftenmal der Tag des Friedensvertrages von Versailles, dieses Friedensvertrages, der mit bewuhten Absicht ein oVlk von 60 000 000 Menschen erdrosselt und der nach einem jahrelangen Aushungerungskriege die Billigung der gesamten gesitteten Welt gefunden hat! Dieser Krieg, das kann kein Mensch leugnen, ist zugunsten unserer Feinde einzig und allein entschieden worden durch das Eintreten Amerikas. Es wäre falsch, zu behaupten, dah der gebildete Amerikaner an seine gerechte Sache geglaubt hätte, aber dem Volk wurde eS erzählt, und es glaubte, im übrigen, „bufineh is busineh", und da man leider versäumt hatte, Amerika finanziell an einem für Deutschland günstigen Aus-, gang des Krieges zu interessieren, sondern in biederem Stolz seine Mittel für die Kriegführung selbst aufgebracht hat, so folgte man dort seinem geschäftlichen Scharfblick.
Aun ist bei dem Amerikaner bekanntlich neben dem ausgezeichneten Geschäftssinn eine jtarte Gefühlsseligkeit vorhanden, und so weih man sich heute nicht genug zu tun mit Schilderungen der Not der deutschen Kinder. In allen Distrikten haben sich, meistenteils mobilisiert durch General Allan, dem Kommandanten der amerikanischen Rheinarmee, Komitees gebildet, die grvhzügige Sammlungen für Deutschland veranstalten. Man ist sich in Amerika vollkommen über die Wirkungen des Krieges klar. Man spricht von den 7 000 000 hungernden Kindern, von der entsetzlichen Sterblichkeitsziffer, dem erschreckenden Geburtenrückgang. Man weih, dah Tuberkulose und Knochenerkrankungen schlimmster Art in Deutschland grassieren, und man will helfen, genau wie man einst Armenien, Syrien, Sowjetruyland und Oesterreich geholfen hat. And genau wie diese Länder es dankbär annahmen, müssen auch wir die Wohltat annehmen und müssen dankbar sein dec Hand, die uns einst geschlagen! Sollte aber das amerikanische Volk so bar jeder Phantasie sein, dah erst der Augenschein es lehren konnte, was diese Art der Kriegfü-Hrung, was der Friedensvertrag für Wirkungen im Lande Hervorrufen muhten? Man wollte augenscheinlich nicht sehen und begreifen, so lange wir noch als konkurrenzfähiges Volk auf der Weltbühne standen und- jetzt erst, wo wir scheinbar für immer geschlagen am Boden liegen, wie die Shrier und Armenier, erst da besinnt man sich seiner Menschlichkeitspflichten. Man erweist uns Wohltaten von feiten unserer früheren Feinde, denn auch England bemüht sich schwach, das zu tun; es hat sogar schon im vergangenen Jahre eine Reihe von deutschen Kindern aus dem besetzten Gebiet zur Erholung ausgenommen.
„Vom Rechte aber, das mit uns geboren, von dem ist leider nie die Rede." And das ist es gerade, was wir verlangen müssen. Wir dürfen uns nicht damit begnügen, uns Wohltaten erweisen zu lassen, wir müssen immer und immer wieder auf unser gutes Recht pochen, das allerdings erst dann Geltung gewinnen kann, wenn die Lüge von Deutschlands Schuld am Kriege verschwinden wird. ' Der deutscke Frauenausschuh zur Bekämpfung der Schuldlüge, der seine Hauptaufgabe, wie der Rame sagt, in dem Kampf gegen die Lüge von Deutschlands Kriegsschuld sieht, hat den schönen Gedanken gehabt, zum Jahrestage der Anterzeichnung des Friedensvertragrs, am 28. und 29. Juni, einen Opfertag im ganzen Reich zu veranstalten. Die Sammlungen sollen deutschen Kindern, der kommenden Generation, zugute kommen. Es ist zu hoffen, dah das deutsche Volk in seiner Opferwilligkeit nicht hinter dem Ausland zurückstehen wird. Reben dem Geldopfer sollte aber jeder Deutsche an diesem Tage das Opfer eines großen inneren Entschlusses bringen: Richt immer gedanken-, tat- und mutlos an den Tatsachen, wie sie nun einmal sind, vvrbeizugehen, sondern Kopf und Herz zu stärken, um jederzeit sich mutig einzusehen für unser gutes, altes, deutsches Recht.
H. MargiS.
Spielplan der Frankfurter Theater.
Opernhaus. Sonntag, 29. Juni: Lohen- grin. Montag, 30.: Frasquita. Dienstag, 1. Juli: Aida. Mittwoch, 2.: Madame Butterfly. Donnerstag, 3.: Der Troubadour. Freitag, 4.: Fras-> guita. Samstag, 5.: Tannhäuser. Sonntag, 6.: Operrrferien: von Sonntag, 6. Juli bis einschlieh- lich Samstag, 16. August. — Schauspielhaus. Sonntag, 29. Juni: Im weihen Röhl. Montag, 30.: Rath an der Weise. Dienstag, 1. Juli: Dame Kobold. Mittwoch, 2.: Bummel- studenten. Donnerstag, 3.: Die Braut von Messina. Freitag, 4.: Anarchie in Sillian. Samstag, 5.: Im weihen Röhl. Sonntag, 6.: Bummel- istudenten.
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Samstag, 28. Zuni (Y2H
Wirtschaft.
Wirtschaftliche Wochenschau.
Börse und Geldmarkt.
Anmittelbar vor dem Quartalsultimo trat merkwürdigerweise eine gewisse Entspannung der Geldmarktlage ein. Die Ar- fachen diesec EZchünung sind wohl hauptsächlich m der beginnenden Mobilisiei-ung der Warenlager m den re.minderten Ge.dansprächen der Industrie, die ja bei den jetzigen Sätzen überhaupt nicht mehr mit Leihkapital arbeiten kann, und bis zu einem gewilsen Grade auch in den Ausleihungen der Golddiskontbank zu suchm. Geld» flüifigkit war vor dem Kriege eine typi che Be- gleiieischeinung der Wirtschaftskrise. Wi haben noch keine eigentliche Geldslwsigkeit, aber im Vergleich zu den vergangenen Wochen doch immerhin eine gewisse Eileichterung Es zeigt sich, jetzt sehr deutlich, dah die verzwafelte Lage zahlreicher Unternehmungen, vor allem solcher des Dankgewerbes und des Warenh-rnde s in den ver ,an» genen Wochen zu ganz ung sunden Verhältnissen am Geldma.kt geführt hat. Es ist ein? Art Kette n h a n d e l mit Leihkapital e t.tanben, bei dem naturgemäß die geringen verfügbaren Mittel unter fortge eht steigenden Zins,ätzen von Hand zu Hand geschoben tour-.'et, ohne dah es möglich gewe.en wäre, diese flüssigen Gelder dorthin zu lenken, wo sie hätten pcoduknv wirken können. In dem Maße, wie die mocichen Unter- nehmungen der Geschättsaufsicht und drm völligen Zusammenbruch anheimfielen, hat sich natürlich auch diese Nachfrage und dieser Kettenhandel verringert. Trotz alledem sind wir von normalen Zuständen am Geldmarkt noch sehr wert entfernt; es besteht noch gar feine Aussicht, dah Industrie und Landwirtschaft zur Finanzierung ihrer Produktion hinreichende Mittel erhallen konnten. An der Börse hat die eingetretene geringe Entspannung .der Lage die Spckulationslust etwas angeregt. Hu lebhaftem Geschäft käm es vor allem am Anleihemärkte. Trotz verschiedener Erklärungen der Reichsbank erhält sich mit Hartnäckigkeit das Gerücht, dah diese große Bestände an Kriegsanleihen aufkaufe. Was hier borge!)t, ist vorläufig noch sehr unklar. Es besteht die Vermutung dah amtliche Stellen die augenblickliche Geldflüssigkeit der Reichsregierung benutzen, um im Hinblick auf einen den Reichstag vorliegenden Antrag, der die Aufwertung der Reichsanleihen bezweckt, so viel als möglich von diesen Papieren aufzukaufen. (Das Wolfsbureau veröffentlicht gegenüber diesen Vermutungen die folgende Rach- richt: „Die neuerliche Bewertung der Kriegsanleihe auf dec Börse hat zu Gerüchten über eine anleihen auf der Börse hat zu Gerüchten über eine Anlaß gegeben. Es muh festgestellt werden, dah diese Gerüchte jeder Grundlage entbehren.")
Wirtschaft und Politik.
In einer ganz verzweifelten Situation befinden sich jene Industrien der besetzten Gebiete, auf denen die Micumverträge lasten. Die Hoffnung, dah nach der angeblichen Wendung der französischen Politik nunmehr Verhandlungen über die Micumverträge von Regierung zu Regierung geführt werden könnten, ist bitter enttäuscht worden. Die französische Regierung hak die direkten Verhandlungen mit der Begründung abgelehnt, daß die Verhandlungen von der Micum geführt werden sollen. Man will offenbar auf französischer Seite eine weitere Verlängerung dieser Verträge erzwingen. Die Rühr- industrie ist gegenüber diesem neuen Erpressungsversuch beieits völlig machtlos. Bestehen die Franzosen auf ihrer Absicht, so ist unübersehbares An- glück zu erwarten. Wie katastrophal die Lage ist, ergaben die Verhandlungen in der Generalversammlung der Dergwerksgefellschaft Alte Haase Es handelt sich hier um ein Anternehmen, das noch in neuester Zeit einen vielversprechenden Schacht abgeteuft und wertvolle Reuanlagen geschaffen hak. Aus Mangel an Betriebskapital und unter dem Drucke der Micumlasten droht dieses Anternehmen völlig zu erliegen. Die Regierung le'hnt es ab einzugreifen, da sie keinen Präzedenzfall schaffen will. Es besteht die Gefahr, daß allein auf den Zechen Alte Haase in wenigen Wochen 2000 Arbeiter brotlos werden, und dah man die Schächte ersaufen lassen muß. Sind die Schächte aber erst einmal ersoffen, so besteht keine Möglichkeit, sie in einem späteren Zeitpunkt wieder in Gang zu setzen. Die Anlagen über Tage können dann größtenteils nur nmh als Schrott und Abbau verwendet werden. Es handelt sich hier nicht um einen Einzelfall. Andere Zechen befinden sich in der gleichen Lage. Derartige Vorgänge zeigen aber, wohin unsere Ruhcindastrie durch die Micumverträge gekommen ist.
*
• Geschäftsaufsichten in Offenbach. Das Amtsgericht Offenbach gibt bekannt, daß in der Zeit vom 13. April bis 15. Juni über 13 Firmen seines Bezirks Geschäftsaufsicht angeordnet wurde. Die Betriebe befinden sich mit einer Ausnahme in Offenbach, 8 von ihnen sind Lederwarenfabriken, Lederhandlungen. Anter Geschäftsaufsicht befindet sich auch die Hansabank, deren Zweigstelle in Offenbach zur Hauptstelle erklärt wurde.
Dr. C. Schleußner AG., Frankfurt a. M. Die Generalversammlung genehmigte die Regularien und den Vortrag des Reingewinns von 82 481 Dill. Mk. auf neue Rechnung. Rach Mitteilung der Verwaltung war der Geschäftsgang im allgemeinen befriedigend, abgesehen von den letzten Monaten, in denen eine erhebliche Geschäftsstille eintrat. Angaben über die Aussichten des laufenden Geschäftsjahres sind unter den derzeitigen Verhältnissen nicht möglich.
• Norddeutscher Lloyd, Bremen. Der Aeberschuh von 150 240 Dill. Mk. wird auf neue Rechnung borget ragen. Die Flotte hat sich im Jahre 1923 erfreulich vergrößert. Es ist gelungen, sie auf über ein Drittel ihres Vorkriegs- bestandes zu bringen. 44 Seedampfer mit 286 327 Tonnen befinden sich in Fahrt, 6 weitere Seedampfer mit insgesamt 66 500 Tonnen sind noch im Dau. Das Passagiergeschäft war auf allen Linien lebhaft. Das Frachtgeschäft wurde wegen des Tonnageüberflusses der Welt und der wirtschaftlichen Verhältnisse ungünstiger. Doch konnte die Gesellschaft ihre immer noch verhältnismäßig geringen Frachträume im Durchschnitt gut beschäftigen. Gläubiger werden mit 49 177 924 Dill. Mark, Schuldner mit 22 961 491 Billionen Mark auSgewiesen.
* Beantragte Verlängerung der G eschä f t s a u f s i ch t beim Stahlwerk Becker. Die Verwaltung des Stahlwerk Becker A. G. hat beim Gericht um Verlängerung der Geschäftsaufsicht ersucht, da die angestrebte Sanierung des Werkes bisher noch nicht durchführbar war.
* Oberschlesische Eisenbahnbedarfs- A G., Gleiwiy. Die bereits crwähn- ten Veikau.sve.Handlungen to gen dec Frie e s butte sollen derart beiqjleu.iig. wercen, dah | e spätestens Mitte Juli erledig- sind Es haben sich inzwischen verschiedene neue Res ek-anten g - meldet, so daß mit einem Verkauf des Wer.es bestimmt gerechnet wird.
* Z u der Frage derMagdeburger Zuckernotierungen hört die „Magdeb. Zig." von zuständiger Seite, dah die zur Regelung der Frage eingesetzte Kommission beschlossen hat, künftig fortlaufende Notierungen über jedes abgeschlossene Geschäft zu veröffentlichen. Außerdem soll ein amtlicher Tendenzberichl yerausgegcben werden. Diese Beschlüsse unterliegen noch der Genehmigung der Hand.lskammer.
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Norwegische Noten Deuksch-Oesterr, ä ioo Kronen Rumänische Noten......
Schwedische Noten Schweizer Noten Spanische Noten ...... Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten .......
Frankfurt a. M., 27. Juni. Tendenz: Behauptet, Anleihe schwächer. — Das Anleihegeschäft ist heute stark reduziert. Es wird angenommen, daß die Dlankvkäufe zum größten Teil Deckungen erfahren haben, so daß die stürmische Nachfrage einem normalen Geschäftsgang Platz machte. Die Notizen liegen daher heute auch für alle Anleihen etwas schwächer, besonders für Schuhgebietsanleihen. Der Ren enmarkt dagegen ist gut behauptet, wenn auch hier und da leichte Kurseinbuhen festzustellen sind. Ein lebhafter Handel findet immer noch auf Zolltürken, Bagdad 1 und II statt. Gut gehalten ist der Markt für industrielle Papiere, frier macht besonders die Veröffentlichung der Erklärung der französischen Regierung guten Eindruck!, dah jetzt ein großer Teil der aus dem besetzten Gebiet Ausgewiesenen wieder in ifrre Heimat zurückkehren dürfe. Man erwartet noch weitere Erleichterungen für die Bewohner des besetzten Gebietes, namentlich auch hinsichtlich der Zollschranken, so dah ein lebhafter Geschäftsverkehr mit dem besetzten Gebiet sich entfalten werde. Das Geschäft in industriellen Werten war allerdings flein. Doch wurde das zu etwas erhöhtem Kurse herauskommende Material ziemlich leicht ausgenommen. Wohl sind frier und da kleine Kurseinbuhen zu verzeichnen, doch sind diese so flein und fo selten, daß sie kaum Erwähnung verdienen. Sehr klein ist das Geschäft auf dem freien Markte geworden. Dort geht fast gar nichts mehr um. Api 21Decker- Stahl 2, Becker-Kohle 472» Denz 21/a, Drown Doveri l7/a, Grvwag 0,175, Hansa Lloyd 0,500, Kunstseide 45, Tiag 0,750, Asa 4^2- 21uf dem Devisenmarkt ist das Geschäft ganz still. Das Angebot ist wieder im Zu nehmen begriffen. Paris ist gegen London vollkommen unverändert, 81,5. Beide sind aber gegen Reuyork etwas fester.
Berliner Börse.
Berlin, 27. Juni. (WTD.) Rach wie vor vereinigt sich das Interesse der gesamten Börse aus die aufsehenerregende Kursbewegung der Kriegsanleihe. Auf das Sementi, in dem angebliche Aufwertungsabsichten energisch in Abrede gestellt werden, trat zunächst eine gewisse Ernüchterung bei der Spekulation ein, die von einem Rückschlag des Kurses bis 220 begleitet war. Da aber weiterhin die geheimnisvollen Käufe anhielten, über deren Arsprung die Börse sich den Kopf zerbricht und die auch den Grund für die umlaufenden verschiedenartigsten Kombinationen gegeben haben, kam die rückläufige Bewegung bald wieder zum Stillstand. Der Kurs setzte amtlich mit 238 ein und schwankte dann zwischen 220 und 250 und 275. Das Geschäft trug zwar nicht mehr den stürmischen Charakter wie gestern, war aber noch umfangreich genug, um auch die anderen Börsenbe- sucher aus den geschäftsstillen Sälen hierher zu locken. Aehnlich war die Bewegung auch bei den alten Reichsanleihen und preußische Konsols, die von ihren gestrigen Gewinnen einen ansehnlichen Teil wieder bergeben muhten, später aber wieder anzogen. Die Spezialbewegung in Reichsbankanleihen, die am gestrigen Schluß gegenüber dem Kassakurs von 311/4 mit 37 notierten, ist wieder abgeflaut; der Kurs hielt sich bei kleinen Am- sähen ungefähr auf 36. Wie schon gestern blieb auf den anderen Marktgebieten die bisherige hoch- S obige Geschäftsstille unverändert bestehen, wo- i die Kurse mit wenig Ausnahmen fast überall mähige und nur bei einigen Papieren eine Billion Prozent erreichende Abbröckelungen erfuhren, die mit den Schwierigkeiten bei der Erneuerung
der Micum-Berträge zu begründen versucht wurden. Sonst verlief die Börse vollkommen uninteressant. In den Verhältnissen am Geld- und Devisenmarkt hat sich nichts geändert.
Börsenkurse.
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Schluß
Datum:
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Märkte.
Berliner Produktenbörse.
De r l i n, 27. Juni. (Wolff.) Die Befestigung am Produktenmarkt machte freute besonders für Roggen Fortschritte. In letzterem waren die inländischen Forderungen bei sehr knappem Angebot auf baldige Abladung höher. Die Mühlen Mitteldeutschlands und anderwärts zeigen anhaltenden Bedarf. Die Forderungen für Roggen neuer Ernte haben sich etwas erhöht. Die Weizenpreise zogen bei Heinen Amsätzen etwas an. Das Geschäft in Weizenmehl zeigt nur geringe Besserung, wogegen Roggenmehl bei erhöhter Nachfrage weiter befestigt war. Für Hafer sind bet den hiesigen Verbrauchern lohnende Preise nur schwer zu erzielen. Die amerikanische Hausse hat in den letzten Tagen manche Nachfrage für das Ausland hervvrgerufen. Futterartikel waren bei vermehrtem Begehr für spätere Lieferung befestigt Es wurden notiert für je 1000 Kilo: Weizen, märt., 136 bis 141 (fester), mitteldeutsch 140 bis 144 (fester), Roggen, märt., 120 bis 129 (fest), pvmm. 116 bis 124 (fest), Braugerste 138 bis 146 (befestigt), Futtergerste 127 bis 1.35 (befestigt), Hafer, märt. 121 bis 131 (fester), Raps 220 (rufrg), Leinsaat 260 bis 280 (ruhig); für je 100 Kilo: Weizenmehl 20,50 bis 23,25 (fester), Rvggenmehs 18 bis 20,75 (fest), Weizenkleie 8,— (ruhig), Roggenlleie 8,— (ruhig), Viktvriaerbsen 19 bis 20, kleine Erbsen 13 bis 15, Futtererbsen 12 bis 13, Peluschken 10 bis 11, Ackerbvhnen 13 bis 14, Wicken 11 bis 12, Lupinen blau 9 bis 10, gelb 13 bis 14, Rapskuchen 8,60 bis 8,70, Leinkuchen 17 bis 18. Trockenschnihel 6 bis 6,20, Kartoffel- flocken 15; für je 50 Kilo: Weizen- und Roggon- strvh, drahtgeb. 0,45 bis 0,60, Haferstroh, draht- gepreßt 0,35 bis 0,50, Gerstenstroh 0,35 bis 0,50, Häcksel 0,70 bis 0,80, Wiesenheu, gut, gesund und trocken 1,75 bis 1,95, handelsübliches Heu 1,15 bis 1,35.
Frankfurter Getreidebörse.
Frankfurt a. M, 27. Juni. Es notierten für je 100 Kilo: Wetterauer Weizen 16,25 bis 16,75, Roggen 15,25 bis 15,75, Braugerste 16,50 bis 17, Hafer, inländ., 15,50 bis 16, Weizenmehl, südd. Spezial 0, 27,25 bis 28,50, Roggenmehl 22,75 bis 23,50, Weizen- und Roggenlleie 8,25 bis 8,75.
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