Nr. 99 Zweites Blatt
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Die gefährdete deutsche Landwirtschaft.
Don Dr. Erone-Münzebrock, Mitglied des RWR.
Verband^direkdor des Zentralverbandes der Dauernvcreins-Organisatio.aen Deutschlands.
Vizepräsident der Deutschen Rentenbank.
Während der Kämpfe um die Zwangswirtschaft und um den Abbau der Zwangswirtschaft haben führende deutsche Landwirte schon dauernd darauf hingewiesen, dah die Lage der Landwirtschaft ernstlich bedroht sei und daß es verkehrt sei, die Beurteilung ihrer Lage von augenblicklichen Verhältnissen aus zu betrachten. Bedauerlicher- weise haben aber andererseits maßgebliche Kreide die Rettung der Landwirtschaft in der Lösung von Augenblicksfragen zu finden gehofft. Selbst in landwirtschaftlichen Kreisen hat man zeitweilig geglaubt, die Lage sei gut oder sogar besser als die anderer Berufsstände und hat sich durch die Papiergeldmengen, welche der Landwirt in die Hände bekam, täuschen lassen. Die Stabilisierung der deutschen Währung durch die Gründung der Dentenbank hat inzwischen weitesten Kreisen Die Augen geöffnet. Aber nunmehr gilt es, die Lage richtig zu erkennen und nicht wiederum unsach- gemäß vorzugehen, wie das bedauerlicherweise bei Dem Abbau der Zwangswirtschaft der Fall war. Der Abbau der Zwangswirtschaft muhte zum Ruin dec Landwirtschaft führen, weil er ungleichmäßig erfolgte und bestimmte Wirtschaftszweige einseitig belastete. Das hat zum groben Teil zu dem Tempo, in dem der Riederbruch der deutschen Landwirtschaft erfolgte, beigetragen.
Man sagt heute allgemein, die Landwirtschaft befinde sich in einer Kreditkrise, tn einer Steuerkrise und in einer Agrarkrise. Ich habe bereits an anderer Stelle darauf hingewiesen, daß die Beurteilung der Landwirtschaft allein von diesen Gesichtspunkten aus sal. ch ist. Dietan wirtschaft le- findet sich nicht in einer vorübergetynren Stockung, wie dies bei früheren Krisen der Fall war entweder durch unterbundenen Absatz oder unterbundenen Kredit. Die Landwirtschaft befindet sich vielmehr in einem systematisch voran» schreitenden Riedergang. Die Schaffung der Rentenbank hat nur plötzlich weitesten Kreisen die trostlose Lage der Landwirtschaft vor Augen geführt, während tatsächlich der Riedergang systematisch von Hahr zu Jahr vorangcgan- gen ist. Die Rentenbankgründung hat nur plötzlich diesen Schleier gelüftet. Das hat bei weitesten Kreisen den Anschein erweckt, als wenn es sich um einen unerwartet schnell eingetretenen Riederbruch der Landwirtschaft handele. Bei sachlicher Beurteilung ist jedoch festzustellen, daß der Rieder- gang sich seit Jahren auf einer absteigenden Kurve befindet. Darauf hat der Vorstand der deutschen Bauernvereine immer und immer wieder die Regierung und Parlamente aufmerksam g macht. Die mangelnde Futtcrmckteleinfuhr und der Raubbau während und nach dem Kriege haben die Roherträgnisse der Landwirtschaft von Jahr zu Jahr sinken lassen. Die Roggenerträgnisse auf den Hektar in Doppelzentner sind in den letzten zehn Jahren allmählich um 16 Proz. gesunken, die Weizenerträgnisse um 12 Proz., die Gersteerträgnisse um 16 Proz. und Hafer um 7 Proz., obgleich der Aufwand dauernd zugenommen hat. Einmal wurden die Arbeiterverhältnisse durch die nachrevo- tutionären Arbeitergesehe erschwert, und andererseits haben die Landwirte selber gleichwohl erhöhte Produktionskosten aufgewendet, um die geminderten Erträgn sse gewaltsam zu steigern. So wurden im Wirtschaftsjahr 1913/14 210 000 Sonneri künstlicher Stickstoff aufgewendet, während im Wirtschaftsjahr 1922 '23 288 000 Tonnen oufgetoen- öet wurden. An Kali wurden 257 000 Tonnen Arbraucht im Wirtschaftsjahre 1913/14 gegenüber 675 000 Tonnen im Wirtschaftsjahre 1922/23 Aus diesen wenigen Zahlen ist schon ersichtlich, dah die Rentabilität sinken muh und so ist auch nach objektiven Berechnungen die Spanne zwischen Aufwand und Rohertrag seit 1914 auf i/3 gesunken, d. h. die Roherträgnisse sind gegenüber dem Aufwand in jedem Jahre weniger geworden bis zu einem Drittel. Somit kann bei schlechten Böden, insbesondere bei Sandböden und ferner bei kleinen Betrieben bis zu 50, teilweise bis zu 75 Morgen. überhaupt von einem Reinerträge nicht mehr die Rede sein. Das tritt in die Erscheinung tn der offensichtlichen Unmöglichkeit, den Betrieb werter aufrecht zu erhalten, weitere Düngemittel zu kaufen und Steuern zu zahlen, ferner tritt es in die Erscheinung auf dem Gütermarkt. Landwirtschaftliche Güter wer"en täglich mehr auf den Markt geworfen zu Preisen, die die Preise der Dorki-iegs- zeit tpjit unterschreiten.
Die Lösung dieser Frage kann nun einmal um ein kurzes Stück vorangebracht werden durch Lösung der srgenannten Kreditkcise. Ich habe in
Eletzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
einer Eingabe an den Herrn Reichskanzler vom 10. Januar 1924 bereits zu der Ren.enmarksrage und der damit zusammenhängenden Kreditfrage folgendes auCflefütyrt: . . Bolkswirtschrit.ch
handelt es sich nun an erster Stelle um die Frage, wodurch eine erhebliche Dertru.rung d.s Geld s eintritt, da die deutsche Wirtschaft nur bei billigem Gelte sich wieder entwickeln kann. Landwirte u,w. zahlen neben der übernommenen Bürgschaft von 4 Proz. des Wertes ih.er Betriebe 6 Prozent Goldzinsen von diesem 'Betrage an die Renten- banf. Die Reichsbant berechnet einen Zinssatz von 10 Prozent (die beantragte Erhöhung auf 18 Prozent wurde zurückgestellt), so Lai} cu.ch Dentenbank-Reichsbant eine Terte.ue.ung toi 16 Prozent eintritt. Falls demnach l der belüft't:n Landwirtschaft usw. eine Di inende vo < einig n Prozenten gezahlt werden f^Lte, so würde l ch dadurch der Unkostensatz um einige Prozente ermäßigen. Die Groh.anken berechien 13 Prozent, so dah die Eesamtunkosten auf 24 Proz. steigen. In Wirllichkeit wird cs aber nur Wenigen vergönnt sein, ein Rentrnmarkdarlehrn zu 13 Proz. zu bekommen, da die Danken oft neben bim Rcichsbank.'.iskont 12—24 Proz. Provi.ion nehmen. In der Provinz waren übrigens auch in den letzten sechs Wochen Rentenmail rcb.te kan n za erlangen, dagegen gab es Papiwmarlkred te zu täglichen Zinsen. Wenn nun i<mn .ch t riefe hohen täglichen >nb monatlichen Zinssätze auch verschwinden and zu dem Zinssatz der Großbanken von 18—23 Proz. Gel za bekommen se n wird, so bedeutet das immerhin eine Terteueruag für die Wirtschaft um 24—34 Pro;., dzw für zwei Institute (Rentenbank Reichsb .nl un^ Großbank) eine Zinsspanne von 24—34 Proz. Ohne Einschiebung einer Bank wird es selb! bei b.r besten Sicherheit meist schwierig sein. Wich el ie. Reichs bank unterzubringen. Die Bank muß e st ihre Provision erhalten. Diese Zinspol.tik ist um so gefährlicher, als sich auch die übrigen Zinssätze in Deutschland meh. ober w.niger nach diesen Zinssätzen richten. Es kommt noch hinzu, daß Rentenmarkkredite nur in wertbestänolg r Form gegeben werden und der Da lletzaasw hm> r hierdurch auch noch ein gewisses klein.s Ri ilo zu tragen hat. Hätte die Rententxmkv rordnung entsprechens meinem früh ren Dorsch age le tim nt, neben der Reichs bank auch den p.ovi azi.llen und einzelstaatlichen Zentralen ter K.m.nunal n Kassen, der Prcußenkasse und den Banken der berussständigcn Organisationea und vielleiä.t noch einigen größeren öffentlichm Anstalten, also vielleicht dreißig bis vierzig Stellen, bi .eit Kred.te zu etwa 3 Pvez. zu überlassen (evtl, noch mit der Verpflichtung, die Det.äge im Höchstfal e mit einem Zuschlag von 2—3 Proz. weiter auszuleihen), so hätten sich solche Zinssätze alb.in schön infolge der Konkurrenz n.ena.s ei Wickeln lixincn. Sllöst wenn die Rentenbant sodann auf die bprvzentige Za büße, die die W i tschaf t zu der übernommenen Bürgschaft zu zahlen hat, vcr; ch ; t hätte, so hätte sie bei einem 3prozentigen Zins uß bei einem Kapital von 2,4 Milliar.Pi 72 Millionen für die Verwaltung und Einrichtung zur Verfügung gehabt, einen Betrag, der sicherlich für die Einncharng und den Geschästsverkehr mü vielleicht dreißig Konten ausgereicht hätte. Heute haben wir offiziell Zinsen von 18 Proz., wäh end in Wirklichkeit viel höhere Zinsen berechnet werden. Wenn in den letzten Jahren ein kleiner Kaufmann den Wiederd-oschafsungspreis für seine Ware nahm, so wurden schwer Strafen verhängt. .Um diese Zinspolitik, die für die Zukunft der deutschen Wirtschaft und damit des deutschen Volkes mit ausschlaggebend ist, kümmert sich die Regierung nicht . . ."
An der Lösung der Kreditfrage wird ja seitdem in erhöhtem Maße gearbeitet, ohne ab-r daß etwas Ersprießliches dabei tzerauskvmmt De Evlddiskontbank, welche eben gegründet ist, sch int der Landwirtschaft billige Kredite auch nicht zu geben.
Weiter ist die Landwiickschaft dadurch in eine ungleiche Lage gebracht worden, daß die Lebensmittelzölle Anfang des Kr.eges suspendiert wurden und heute noch nicht wieder in Kraft gesetzt sind. Es wird vielfach behauptet, der Friedens- Vertrag lasse solche Zölle nicht zu. Dies ist jedoch nicht der Fall. Auch trotz des Frieden svertragrs können die Zölle wieder in Kraft gsteht werden, genießt t-och die Industrie in w.sttgehmlein Maße Zölle. Außerdem will ich roch auf lie ungleiche Belastung ter Landwirtschaft hinwei en. die dadurch geschieht, daß in den letzten Monaten die Freiliste für Einfuhr ausländischer landw.r schaft- licher Erzeugnisse ganz erheblich erweitert wurde, während die Einfuhr von Maschinen nach wie vor Einsuhrverboten unterliegt.
Ich toarne also nie maßgeblichen Kreise nachdrücklichst davor, wiederum wie bei dem Ab bau der Zwangswirtschaft nach Ge ihtspunkt n vvrzugehen, die einseitig einen Wirtsstaftszw.ig in schärfster Weise benachtelligen. Es i,t an der
Zeit, nach rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten die Wirtschaft zu leiten und zu führen und bie erforderlichen Mahn h.nen wsttschauend ernzu- flellen. Wird die Landwirtschaft noch weiter dem Ruin entgegengeführt, so leidet nicht nur diese darunter, sondern das gesamte deutsche Vaterland.
„Französische Mildtätigkeit".
Als ter Erzbischof von Köln im vergangenen Herbst an die Katholiken der Welt einen Aufruf zur Linie ung der Rot in den bstützten Gebieten erlassen hatte, erschien bald darauf eine Antwort seitens Frankreichs in der Form einer Propagandaschrift, betitelt „La oerite für la mifere allemanbe dans les rsgions occupees (Die Wahrheit über das deutsche Elend m den besetzten Gebieten) 2?. Oktober 1923. Dieses Pamphlet sucht vor allem die französische Wohl- lä ig.eit im besten Lichte darzustellen und zu beao.isen, iii: die Besatzungsmächte gerate im Rutzrgeb.et von sich aus alles getan hätten, um der deutschen Rot zu steuern und in selbstloser Weise ihrem Drang nach Betätigung christlicher Nächstenliebe zu genügen. Aus Seite 32 dieser Schrift wird zum Bew.il des Behaupteten insbesondere hervcrgchoben, baß im Ruhrgebiet 77 Berteilungs st eilen für Lebensmittel aus militärischen Magazinen eingerichtet seien unJ daß allein im Oaober 1923 38 433 Supl e p r innen an 9,4 Fami.ien verteilt worden seien, wovon 75 v. H auf deutsche, 15 v. H auf polnische und 10 v. H. auf Familien anbe.:er Ra.ionalitäten entfielen. Wiegen diese 38 433 Suppenprr.ionen nicht die Härte Der Aus- we.sung von 15)000 Deu schen und die Hundert und e.l.che Tooe3opfer au,! Wer wagt noch von französischen Darbmren zu sprechen bei dieser of. ersichtlichen Mildtätigkeit des französischen S.aates und der Heeresleitung!
Welche Summen hat Frankreich in seiner M l tätick.il f r diese „Soupes populaires" auf- geixm.t ? Wir er.t: e'men die Ziffern den fran- zösi che i Et t3 für L23 und 1921 (Franz. Drucksache Rr. 6485, Budget Special pour l'exercice 1924 S. 310), in denen unter dem Heeresetat als Zif er 32 „Volksküchen im Ruhrgebiet" für 1923 1 175 0.0 und für 1924 1 320 000 Franten ausgesetzt sind. Zieht man den Stand des Franken zur Zeit der jeweiligen Etatsberatung in Betracht, so bebeu'et die e „Mildtällgleii" eine Belastung des fta zö i chen Hausha.ts mit jeweils 414 000 bzw. 335 000 Goldmark! Unö doch ist das ganze eine gerne in e Heuchelei der französischen Propaganda! Denn wie aus den Ve.handlungen der französtschen Kammer (Franz. Drucksache Rr. 4840 Chambre des deputes, 2e feance du 8 juillet S. 196 97) klar heroorgoht, gehören diese Ausgaben zu den Be- sahungskosten, die Deutschland zu tragen verpflichtet i st, und für deren Bcg eichung Frankreich zur Befriedigung seines Anspruchs ein Prioritätsrecht gegenüber allen Alli erten und vor allen anderen Verpflichtungen aus den deutschen Reparati.nsseistungen zusteht! Die Kosten der Volksspeisungen werden also dem Deutschen Reich nachträglich als „depenses recouv- rables" in Rechnung gestellt. Frankreich treibt Propaganda und übt Mildtätigkeit durch Belastung des deutschen Staatssäckels: wahrhastig der Gipfel der Gemeinheit und Heuchelei! Dr. G. Sch-r.
Wirtschaft.
Rcichsbankattstveis vom 15. April.
Der Ausweis der Reichsbank vom 15. April läßt in der Verlangsamung der Anlagevermehrung die Wirkung der in der Berichtswoche aufgenommenen Kredit-Restriktionsmahnahmen er- Fennen. Die gefamte Kapitalsanlage nahm um 31 6 (£8 8 in der Vorwoche) auf 2031,5 Trillionen Marl zu. Die Zunahme ist im wesentlichen auf die Erteilung besonders dringender landwirt- chaf liste- Kredite zur ickzu ühren. Im einzelnen tieg der Portefeuillebestand an Papiermarkwech» ein um 25 8 auf 736,3 Trillionen Mk.. an Renten- markwechseln um 7,2 auf 1163,9 Millionen Rm. Die Re .tenmarklrmbardforderungen erhöhten sich um 0,1 auf 108,1 Millionen Rm. Das Papier- marklombardkonto g ng weiter um 1,6 auf 22,6 Trillionen Mk. zurück. Der Anlagevermehrung steht auf der Passivseite eine Zunahme der fremden Gelder um 34 6 auf 850 Trillionen Mk. gegenüber. Gleich'.eilig weist der Banknotenumlauf eine neue Verminderung um 5,4 auf 678,3 Trillionen Mk. auf. Der Umlauf der Renten- bankscheine weist nach den Bewegungen bei der Reich'bank eine kleine Erhöhung um 3,2 auf rund 1 23 M.'ll cnen Rentenmark auf. Der Umlauf an Ro'geld ist um 85 Mlllionen Goldmark zurück- gegangen. Der Bestand der Bank an Rentenbankscheinen weist eine Abnahme um 3,2 auf 260 Mil-
Montag, 28. April 1924
Honen Rentenmark auf. Die Bestände der Dank an Da lehnkasfenscheinen verminderten sich um 0,5 Trillionen. Der Goldbestand ist insgesamt um 5,1 auf 459,8 Millionen Goldmark zurück- gegangen. Die Verminderung steht im Zusam- me.Hang mit der Einzahlung der Reichsbank auf die von ihr übernommenen 5 Millionen Aktien der Deutschen Golddiskontbank.
Wirksamkeit des Haftnngsansschlnsses für Versehet» Von Bankangestellten.
Zu dieser Frage li gt ein n u rrliches Urteil der 2 5. Kammer fürHandelssachen des Landgerichts I, Berlin, ivm 7. März 24 — 87,0,36,24 — vor, welches die Rechtswiikam- keit der von der Reichsbaw vorgenomm.nrn Frei- zeichnungs-D^kanntmastu. g b.jalft. Das Gericht stellt erneut fest, daß die Entscheidungen des Reichsgerichts, w.lche g genüber e n m solchen Hastungsaustschluß den Einwand der Sit^enwid- rigfeit zuhissen, sich lediglich auf den Fall beziehen, wo sich ein Unternehmen von der Haftung für das Ve schulden leitender Angestellten frei» zuzeichnen sua)t, baf). dagegen der Haftungsaas- schlust für Berschen untergevrdn:ter Ange,testier auch Lxrnn zulässig ist, wenn es,sich, was im vorliegenden Fall streitig war, um efrren mono» p?lartigen Bet.ieb handelt. Auch wird die Tatsache, daß die Veröffentlichung des Haftungsausschlusses in ben Zeitungen erfolgt war, für genug.n> erachtet, ohne daß ein b fanderer Aushang in den Schalter räumen der Bank erforderlich gewesen sei. Da die Rechtmäßigkeit des regle» mentar.schen Haftungs-ausschdus es für Äugestell- tenverfchen innerhrl a der Post-, Posts steck- und Telegrrcphrnverwaltung bisher trotz dem unitrei.ig dieser De.waltung zusiehcnden Mvarpai von keiner Seite bestritten ist, wird man in der Tat der Reichsbank und den üb.igen Danken das gleiche Recht zugcslehm musstn. Die e3 Recht wird übrigens auch von ausländischen Banken in Anspruch genommen, was z. B. aus ben in der „Industrie- und Handelszcitung" vom 3. Aplll 1924 veröffentlichten Desstäsis eMngungen der neuen Bank von Danzig ersichtlich ist.
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Die Förderung des Wol;nnngsbanes i» Braunschweig.
Die Braunschweiger Staatsbank will den Wohnungsbau nach neuartigem Muster finanzieren Z ir Förderung des Wohnung ba.e, ich t i Depositenbücher ein. Dir c jt? Einzahl rng auf ein Wohnungsbau- depositenb. ch muß 203 Marl betragen. Spätcrc Einzahlungen müssen mindestens im Betrage von 10 Mark gel iitet weidm. Wrnn 50 Proz. des zum Bau e ne3 Eigenhaus es notwendigen Kapitals angcfammclt sind, gibt die Bank (frühestens nach drei Jahren) 50 Proz. des normalen Friedenswertes des Baues a's erststell ge Hypothek auf das Grundstück, zahlbar bei Fertigstellung des Hauses zu den bei der Staatsbank alsdann gültigen Hypothekenbedingungen. Der Inhaber des Baudepositenbuches kann den Betrag einschließlich Zinsen usw. nach drei Jahren zurück- verlangen. Der Staatsbank steht das Recht zur Kündigung der Einzahlungen nur zu, wenn die
Xüiseiies
DER BEVORZUGTE LIKÖR DER DAME landauerß Macholl
HEILBRONN
Vertreter: Ernst Krnnsc.Gießen«Ittühlstr.20
Telephon 1591. )Me8S
MUurSesWW-khW.
Ein Roman aus dem 21. Jahrhundert von Hans D»mini?.
81. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Er drehte sich um . . . und wollte . . . wollte den 2Sefehl widerrufen. Se n Blick fiel auf die angstverzerrten Gesichter der Mannschaften. Zu spät! Das Schiff geh).chte nicht mehr . . . toefr-'r dem Steuer noch den Prop?llern. Wie ein Fetzen Papier vom Wirbel gegriffen, wurde es toiber- flartbßlcg nach vorwärts gerissen.
Wie in schwerer Dünung schwankte das ächzende Schiff. Bald wurde es tausend Meer tn die Höh: gerissen, bald schoß es jäh in die Tiefe, alss olle es an der Erdkruste zerschellen.
Ein neues fremdartiges Geräusch übertönte das Tosen der 01--mente. Starr standen die Insassen. • Ihre Hände umklammerten krampfhaft jeben greifbaren Stützpunkt.
Es klang wie das Prasseln von Schrot gegen Stahl. Es Hang, als ob Millionen von Sch.ot- löinern gegen Stahlschaufeln geschleudert würden . . . wie schwerer Hagel, der auf ein Wellblechdach prasselt.
Es hämmerte auf das Hirn des Toghon- Khan . . . hämmerte ihm die Gewißheit des un- abwendbaren Untergänge^ ein . . . und da hatte er sich wied^rgefunden . . . ganz toiebergefunien.
Mit voller Klarheit übersah er Entstehen und Ende der Katastroph'. Sein geschulter G.ist beherrschte auch die physikalischen und technischen Erundbedingungen d.r Gesch hasse um ih i. M t Klarheit sah er jetzt alle Handln 'g n seines Gegners sich in logischer Folge entwickeln.
Der hatte das Mittel das dem Dynotherm entgegengescht wirkte! Das Mittel, das ebenso ungeheure Energiemengen band, wie das Dyno- therm sie freimachte. Der hatte dann überall im Zuge des einbrechenden Heeres gestreut, wo immer nur Wasser war.
So entstanden jene Kältepole, die infolge der Zusammenziehung der darüber lagernßen Lust barometrische Minima ergaben, denen die entferntere Luft von allen Sei er zuströmcn mußde. Dabei gab cs eine Ausd.chrung der zuströmenden Winde, die naturnottoenöig mit einer Abkühlung verbunden war.
So kamen jene Schneefälle zustande. So ergab sich jener Maischnee in Peking. So der Schneesturm des vorgestrigen Tages. So die Kälte.
Das unaufhörliche Fallen des Thermometers, das jetzt auf 170 Grad unter Rull stand, bew es ihm überzeugend, daß das Schiff einem dieser extremen Kältepole zugerissen wurde. Der große Saisan-See mußte in der Tat nach Einstreuung dieses Mittels einen Kältepol von ungeheuerster Stärke ergeben.
Dieser unwiderstehliche rasende Luft ström, dieses Prasteln der Propeller, die gegen die flüssig werdende und in Tropfen nieder allende Luft anschlugen, gaben ihm die Gewißheit. Es war so weit!
Hier stürzte die Atmosphäre selbst verflüssigt zu Boden. Hier drang von allen Seiten her die Luft mit Riesengewalt wie in einen lu Heeren Raum ein und riß jeden Körper, der sich in ihr befand, bis zum Kältepol hm.
Mit bclltommener Klarheit des Geistes erwartete Taghon-Khan das Ende.
Ausgcträumt der Traum vom besiegten Abendland! . . . Verweht die Spur des Dschin- gis-Khan!
Die Hände an die Fenstergriffe gellammert, starrte er dem Untergänge entgegen.
Roch einmal erhob sich das Schiff. Die (Scbirgätämme im Osten des Sa son-Ror schufen ein komprimiertes Luftkissen, welches das kraftlos ' Fahrzeug nach oben schleuderte. Dann, über der endlosen gefrorenen Fläche des riesigen Sees, senkte es die Spitze nach unten . . .
Dann stellte es sich jach auf den Kopf und ftmvte mit rasender Wucht auf das Gismassiv des bis zum Grund gefrorenen Sees. Tief drang sein metallener Sporn ein. Ein Funkenstrom umsprühte das einhauende Metall. Der Zünder für dir fürchterliche Fackel, die im selben Augenblick gegen den Himmel stand. Sprühend verbrannte das Metall des Schiffsrumpfes im flüssigen Sauerstoff . . . Verbrannte das Schiff mit allem an und in ihm in Sekunden zu nichts...
Dann ging die Natur ihren Gang weiter, wie es der Meister befohlen . . . bis der Tag sich neigte . . . und die Nacht die Fesseln löste.
Linder wurde der Frost. Die Macht des Sturmes ließ nach. Dichte Nebel.krochen über die eisbedeckte Erde . . . und sie hoben sich . . . und d. hüten sich . . . und stiegen an und fanden milde Südwinde und fielen nieder in leisen, warm n Tropfen und weckten das tote Land.
D r Schnee schmolz. Von den Bergen schossen die Wasser. Krachend fuhr der Frost aus den gebannten Stämmen. Immer stärker wurde das Wehen des Südwindes, immer größer seine Wärme. Wie im Spiel zerbrach er die Decke
des Saisan-Sces. Wo lebendige Wesen noch ihr Leben bewahrt, frohlockten die Herzen.
Der Morgen kam und mit ihm die Sonne. Sie fand ein Werk getan, in den Stunden einer Nacht ein Werk vollbracht, das ihre Kraft zu leisten nicht vermag in den Tagen eines Mondes.
Ein Werk, getan durch eines Menschen Geist!
Das Siedlerland war gereitet, das Abendland vom .Untergang bewahrt. Mit Sturmes- schnllle eilte die Kunde von der Katastrophe im Herzen Asiens über die ganze Welt hin.
Verhältn'smähig lange blieb man in Peking selbst über das Schicksal der großen dsnngarischen Armee im ungewissen. Im tödlichen Froste waren auch die Formationen der Rachrichtentruppen zug'-unde gegangen, die sonst wohl jene Schreckenskunde in den Aether gefunkt hätten. Und die es sonst noch wußten, die der Katastrophe entronnen waren, die wollten nicht, dah die schlimme Botschaft früher als sie selbst in das Gllbe Reich kam.
Als Toghon-Khan in jenen letzten Stunden rastlos vorwärtsstürmte, nur noch von dem einen Wunsche beseelt und getrieben, das warme Sied- ler'and zu erreichen, sein Syrer der todbringenden Umarmung des Frostes zu entreißen, da waren dir beiden Besten und bis zu jener Stunde die Treuesten seiner Getreuen zurückgeblieben. In jener Stunde sahen B atu-Khan und Ug tai°Khan d'n Stern des Reg'nten rettungslos sinken, und alter, so lange mühsam gedämpfter Ehrgeiz gewann neue Kraft in ihren Syrien.
(Fortsetzung folgt.)


