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Kraft und Stoff".

kZu ßubnrig Büchners 100. Geburtstag am 28. März.)

Wenn man vor einem Dierteljahrhundert von Büchner sprach, so dachte jeder Mensch natürlich an den «berühmten Büchner", an den Derfassec jener um die Mitte des 19. Jahrhunderts er­schienenenBibel des Materialismus", des Buches Kraft und Stoff". Wenn man heute pon Büchner spricht, so denkt jeder natürlich an den Dichter Georg Büchner, dessen geniale Kunst eine s) stolze Wiederauferstehung erlebt hat. 0> wandelt sich dasZufallsspiel des Ruhmes", und an seinem 100. Geburtstag ist der einst in dec ganzen Welt genannte Raturphilvs )ph schon säst ver­gessen, während der ältere Bruder, dessen An­denken Ludwig so heilig gehalten, einen Ruhm gesunben, den auch der erste Herausgeber feiner Werke nicht ahnte. Heute wirb Ludwig Büchner wegen dieser Bewahrung der Schriften des Bru­ders vor dem Untergang und der warmherzigen Würdigung, die er der Ausgabe voraasstellts, mehr genannt als wegen all seiner eigenen Schrif­ten. ßubtotg Büchner stammt aus einem reich begabten Haus: er war dec fünfte von den sieben Kindern des Darmstädter Medizinalrates Büchner: das älteste war Georg Büchner: die älteste Tochter war Luise die sich durch ihre Arbeiten auf dem Gebiet der Frauenfragen ini> durch manche Dichtung bekannt gemacht hat: auch dec jüngste Sohn Alexander ist ein geistreicher Schriftsteller gewesen. Ludwig, der das revolutio­näre Abenteuer des älteren Bruders und seine Flucht schon ziemlich bewußt erlebte, hatte wie

Mtag, 28. Närz <924

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Unter

6kte rin naturtotnen.fdx.mi^unb p°. Wen »ÄS

Gerichtssaal.

Girr Polizeiprozetz.

buch jener Zeit. Büchner ging als Arzt nach seiner Vaterstadt Darmstadt und wirkte dort bis an sein Lebensende, in Dorträgen, die ihn auch nach den Bereinigten Staaten führten, und in zahlreichen Schriften seine Lehre immer wieder verteidigend. Diese Lehre hat sich rasch überlebt, und ihr umutkivegter- Bvr-ümpfer stand in den

einem verlorenen Pasten, aber um die Mitte des Jahrhunderts haben seine Gedanken feine Zeit entschieden beeinflußt.

Grüningen, 26. März. Bei dem tn Butzbach abgehaltenen Frühjah röwald- lauf der Gruppe Gießen-Butzbach über 5 Km. belegte die Mannschaft des Sportver­eins 1921 Grüningen mit den 4 Teilneh­mern Jakob Becker, Wilhelm Lei dich, Wil­helm Krämer und Christian Decker vor Sp.-> Da. 1904 und S. C. 1900 Gießen den ersten Platz. Besonders ist der Lauf des 3. Decker >u bewerten, welcher mit kurzem Abstand hinter dem mehrmaligen Waldlaufsieger Gersten- Hauer, 6. C 1900 Dieben, als zweiter durchs Ziel lief.

mmgShgnale nicht sofort die Fahrbahn für den Betrieb freigemacht zu haben. Er wird jedoch mangels Beweises sreigesprochen.

Et. 75 Zweit« Blatt

richtungen auf einen mächtigen Kohlenlichtbogen übertragen werden. 1000 solcher Scheinwerfer, auf hohen Bergen und in zehn regelmäßigen Reihen zu je 100 Bogenlichtern errichtet, sind nach seiner Ansicht vonnöten, um unter günstigen Bedin­gungen auf der dunklen Erdoberfläche eine so starre Helligkeit zu erzeugen, daß auf dem Mars ein schwacher Lichtschein gesehen werden tann. Auf der Eiche mutz dazu Rächt, auf dem Mars eine Stunde nach Sonnenuntergang sein. Rimmt man nun an, dah der Beobachter auf dem Mars, dec natürlich ein guter Physiker sein muß, ein mächtiges Fernrohr auf die Erde richtet, dann sieht er auf der bunflen Erdoberfläche einen schwachen Lichtschimmer und wird eine photo- elektrische oder andere lichtempfindliche Zelle in den Bremrpunkt des Fernrohrs einsetzen. Da dec elektrische Lei tu ngswider stand einer solchen Zelle sich bei Belichtung ändert, so bringen die Bestrah­lungen Strvmschwanlungen hervor, und dies« könnte der Marsbewohner mit Hilfe geeigneter Apparate wieder tn Töne umsehen. Gernsback hält es für nicht unmöglich, daß die Marsbewohner schon heute ein solches Fernsprechsystem uns gegen­über anwenden, aber unsere Instrumente sind mxb zu unentwickelt, um einen solchen schwachen Licht­schimmer auf der dunklen Fläche des Mars zu bemerken, klebrigen« haben schon verschiedene Astronomen schwache Lichtflecken auf der dunklen Oberfläche des Merkur beobachtet, wenn dieser vor der Sonne vvrüberging. Vielleicht sind also schon auf dem Merkur irgendwelche Wesen, die uns Lichtsignale zu geben suchen.

litisches Interesse. Seine glänzende Begabung ließ ihn das Gymnasium rasch durchfliegen: er studierte dann Medizin und Raturwissenschaften und beteiligte sich schon lebhaft an den Refrrm- bestrebungen tn der deutschen Studentenschaft. Der seiner Doktorprüfung verteidigte er den Satz, der für ferne ganze Denkrichtung maßgebend wurde:Dre persönliche Seele ist ohne materielles Substrat unvorstellbar." Drese kühne Behauptung stellte er tm Sturmjahr 1848 auf und wurde zu- glerch in die revolutionäre Bewegung verwickelt, aus der er sich dann aber durch eine Reise nach Würzburg und Wren herauszog. Damals setzte er dem Bruder ein Ehixnidenkmal In, der Herausgabe derRachgelassenen Schriften' und wurde in Würzburg besonders von Virchow be­einflußt. Dann hielt er als Privatdozent in Tübingen Vorlesungen namentlich über gericht­liche Medizin, und die Schrrften Moleschotts ga­ben ihm bte Anregung zu seinem 1855 erschienenen BuchStraft und Stoff", in dem er fein matena- listisches Glaubensbekenntnis ablegte. Das Buch rief einen wahren Sturm von Anfeindungen her- vor, die ihn zwangen, seine Lehrtätigkeit in Tü­bingen auszugeben; es erlebte aber Auflagen über Auflagen wurde in llebersetzungen über die ganze Welt verbreitet und das beliebteste 2lusklärungs-

Das alte Lied.

-Die englische Regierung hat begriffen, baß fte ] mit der Hilfeleistung englischer Finanzkreise bet der Frankenstabilisierung arg in die Resseln gesetzt worden ist. Aus die Anfrage im Parlament ,

sie scheint bestellt gewesen zu sein, ob seitens der feitt) der Rat der britischen Regierung eingeholt wordor sei, antwortete der Schatzkanzler mit einem offenenRein". Auch der englischen Presse mutet das selbständige Vorgehen der beteiligten Danken sehr sonderbar an, und es scheint Tatsache zu sein, daß Macdonald über die ganze Operation erst orientiert wurde, als er sie in der Zeitung las. Jedenfalls geht daraus hervor, daß die Dank von England mit alledem nichts zu tun hat und baß der Besuch ihres Präsidenten in Paris nur zufällig mit dem Höhepunkt der Frankenkrise zusammenfiel.

Die Folgen der Frankenstühung sind für Eng­land höchst unangenehm. Frankreich zeigt sich, nachdem es bisher manchmal geschienen hatte, als wolle es einlenken, in demselben Moment wieder unnachgiebig, wo es sich durch Beseitigung des Druckes, den der Frankensturz ausübte, freie Hand geschaffen hat. Es verweigert seine Zustimmung zu den Boten der Sachverständigenausschüsse und ver­harrt auf all den unmöglichen Forderungen, die wir schon längst zur Genüge kennen: von un­geheuren Sachleistungen während des Morato­riums, von unmöglichen internationalen Anleihen zu deren Deckung, von unerträglich hohen Zah- ümgen nach dem Moratorium. Die deutsche Börse wollte sich damit trösten, daß die Mehrheit des Komitees die Meinung vertreten hatte, daß eine beträchtliche Herabsetzung der deutschen Zahlungen notwendig sei. Aber Optimismus ist keineswegs am Platze. Was wir vor allem zu fürchten haben, ist dies, daß die Kommission das Bestreben haben wird, em Gutachten zu erstatten, das die Zustim­mung aller Beteiligten findet und daß, wenn die Franzosen nicht nachgeben (wofür die Wahr- ^Peinlichkeit' spricht), die Mehrheit sich Kompro­missen geneigt zeigen wird. Da es sich aber hier um wirtschaftliche Dinge handelt, bei denen es nun einmal eine Regelung durch Kompromiß nicht gibt, sondern nur ein Sichorientieren an nüchternen, sachlichen Rotwendi^eiten, so werden dabei Forde­rungen herausspringen, die wir mit gutem Ge­wissen niemals annehmen können, und wir würden sicher in die Sage versetzt fein, die Annahme der Sachverständigengutachten zurückweisen zu müssen. Dann wären wir genau so weit, wie im Frühjahr 1920, vor dem Londoner Ultimatum.

Man fragt sich: Wird nicht London sein ganze« Gewicht in die Wagfchale werfen, sich von Frank­reich nicht abermals unterkriegen zu lassen? (Denn davon hängt ja unser ganzes Schicksal ab!) Es ist selbstverständlich daß das englische Auswärtige Amt alles versuchen wird, aber ob es gegen die gerissene Schlauheit eines Poincars ankommen wird? Ja, es gibt Leute, die sich vorstellen, daß Frankreich mit seiner Luftflotte hrvhen werde, wenn andere Mittel, sich England nachgiebig zu machen, versagen sollten. Es ist weiterhin zu be­rücksichtigen, daß Paris ein ganz gefährliches Parkett ist, auf dem schon andere ausglitten, auf dem sich aber bie französischen Diplomaten vor­züglich zu bewegen verstehen. Diesmal treiben sie zuerst die Politik des Mürbemachens: die aus­ländischen Mitglieder des Sachverständigenaus- schusses, die jetzt ihr einziges Augenmerk darauf gerichtet haben müßten, unter gar keinen Um­ständen nachzugeben, drängen heimwärts, denn sie haben schon weit länger getagt, als vorgesehen war. Die Franzosen (die sich zu Hause sehr wohl fühlen und viel Zeit haben) suchen den Abschluß der Derhandlungen hinauszuziehen. Augenblicklich finden keine Sitzungen statt, und da ist die Ge­legenheit für die hierin so bewanderten Franzosen erst recht günstig, imponderabile Einflüsse spielen zu lassen (cherchez la femme!). Und schließlich ist noch zu bedenken, daß für Frankreich diesmal mehr auf dem Spiel steht als für England. Die Bündnis- Politik, die es betrieb, um seinen Einfluß tm Orient zu verstärken, hat es mit England, den Bereinigten Staaten, Italien und Rußland verdorben und dagegen Staaten ohne politische und militärische Bewährung eingetauscht: Polen, die Tschechoslo­wakei, von Jugoslawien gar nicht mehr zu reden. Gelingt es Frankreich diesmal nicht, die auswär- tigen Gutachten zu seinem Standpunkt zu be­kehren, so ist es auch moralisch wieder einmal völlig isoliert: hält es dagegen seine Stellung Durch, dann steht Deutschland allein da und Frankreich triumphiert (innerlich), die Kardinal­frage seiner Politik:Renten haben ober nicht haben" für einige Zeit gelöst zu haben.

Es ist eine der ganz schweren Entscheidungen, der wir entgegensehen, und sie kann unser Schicksal endgültig bestimmen. Fällt sie zu unseren iln- gunsten, so kann niemand sagen, welche dunklen Mächte dann über das deutsche Dolk Herr werden. Finanzierung von Reparationsleistungen durch Inflation ist deshalb unmöglich, weil keine Trager

der Geldentwertung mehr da sind. Eine tatsächliche Erfüllung ist im Rahmen einer natürlichen Wirt­schaftsgestaltung ebenso unmöglich, solange die Prvdukliritat der Wirtschaft schon ohne Repara­tionsleistung zur Ernährung des Dolles nicht aus­reicht. Frankreich hat noch immer das Ruhrgebiet fest in der Hand. Es ist kaum anzunehmen, daß es hier den Ertrag der Produktion der deutschen Dolkswirtschast zugute kommen ließe; aber ohne dieses reichste Wirtschaftsgebiet kann die deutsche Wirtschaft niemals den Gegenwert des notigen Konsums produzieren, wie wir aus bitterster Er» fahrung wissen. Auch aus der englischen Publizistik spricht ernste Besorgnis um die Entwicklung der Dinge, wir Deutschen aber haben gar keinen Einfluß darauf, wir spielen unsere alte Rolle noch immer: Zusehen und mit-sich-geschehen-lassen.

Wirtschaft.

Die Steinkohlengewinnnng der Welt im Jahre 1923.

DaS Jahr 1923 brachte, nach dem Stati­stischen Reichsamt, für die Industrie der meisten Länder bessere Beschäftigung und damit einen höheren Kohlenbedars. Außerdem bedeutete der Produktionsaussall des Ruhrgebietes für die Förderung anderer Länder eine gesteigerte Ab­satzmöglichkeit. Die Wirkung der Ruhrbesehung bestand aber nicht mir in der höheren Produktion einiger Rachbarländer, sondern auch darin, daß der Produktionsanreiz sich nur mit Hilfe ge­steigerter Preise durchsetzen konnte, wodurch die gesamte europäische Kvhlenwirtschaft in Beun­ruhigung versetzt wurde.

Rach 6er Ruhrbesehung entfielen in Deuts chla n d etwa 84 Proz. der deutschen Steinkohlengewinnung und 27.3 Prvz. her deut­schen Draankchlenproduktion (nach dem Ergebnis von 1922) auf das besetzte Gebiet. In den übrigen deutschen Kohlengebieten wies die Förderung sehr starke Schwankungen auf. Mehrfache Arbeits­streitigkeiten und Absatzschwierigkeiten nach dem besetzten Gebiet beeinflußten die Produktion. Da die unbesetzten Gebiete keinen Ersatz für die aus­gefallene rheinisch-westfälische Kohle zu liefern bzw. abzusehen vermochten, liegt das Gesamt­ergebnis des deutschen Kohlenbergbaues für Stein­kohlen um 47,8 Prvz.. für Koks um 56.4 Proz., für Braunkohle um 13,7 Prvz. unter den Pro- teiktionsergebnissen des Dorjahres. Reben den wirtschaftlichen Hemmungen ist vor allem das Ginstellen der Reparationslieferungen für das

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Die Lichtbotschaft zum MarS.

Die Entwicklung der Radiotechnik mit ihren staunenerregenden VecbindungsmöglicUeiten über weite Fernen hat auch Den seit langem gehegten Plan wieder neu belebt, mit dem Planeten Mars in Derbindung zu treten. Doraussehung dafür ist natürlich, daß dieser Stern von denkenden Wesen bewohnt ist. Zu gleicher Zeit tritt auch ein Ame­rikaner H. Gernsback mit einem andern kühnen Projekt auf, das den Marsbewohnern durch Licht­signale sich bemerkbar machen will. Der Gedanke, riesenhafte Lichtsignale auszusenden, die man regelmäßig unterbricht, erscheint Gernsback zwar einleuchtend, aber er weist einen nach seiner An­sicht viel einfacheren und weniger kostspieligen Weg. Gvaham Bell, der Erfinder des Telephons, hat noch in hohem Alter das erste Photophon ausgeführt, das auf dem Prinzip beruht, Schall- schwingungen durch Lichtstrahlen zu übertragen. Dec Deutsche R u h m e r leitete auf biefc Weise ein Gespräch über 100 Meilen weit. Eine größere Ent­fernung ist auf der Erde für ähnliche Versuche nicht mehr möglich, da die Lichtstrahlen der Krüm­mung der Erdoberfläche nicht folgen. Gernsback bedient sich nun derselben Methode, um eine Ver­ständigung mit dem Mars vorzuschlagen, und zwar sollen durch Schallwellen verursachte elektrische Stromschwankungen mit Hilfe eines Mikrophons, eines Lautverstärkers und elektromagnetischer Dor­

Kirche Mnb Schule.

X Die Oberhessische Provinzial- versammlung des Evang. Pfarrver­eins fand am Dienstag bei gutem Besuch im Hotel Dittoria zu Gießen statt. Rach Eröffnung mit Gebet und erbaulicher Ansprache durch Pfr. . Kalb Henn- Großen-Buseck begrüßte der Dor- sihende, Pfarrer Bern deck - Okarben. Eine leb­hafte Aussprache entspann sich über die besonderen Röte der hessischen Pfarrhäuser im letzten Jahre, die Frage der Regelung der Pachtverträge; über- letztere Sache soll eine weitere Versammlung am 7. Mai Vorschläge an die am 21. Mai in Darm­stadt tagende Hauptversammlung ausarbeiten: diese wird sich auch mit der Frage des Abbaus weiter beschäftigen. Der Deu t s che P f ar rer- tag soll vom 22.-24. September in Gießen stattfinden. Ein vorbereitender Ausschuß, be­stehend zunächst aus den Pfarrern Becker und Dechtolsheimer - Gießen. Fritsch- Rup­pertsburg, Dekan Gußmann - Kirchberg und Pfarrer Sattler- Wieseck wurde gebildet. Die Pfarramts kandidaten haben sich zuisaanmenge- schlossen und die Versammlung war einmütig dec Meinung, daß Mittel und Wege zu ihrer Beschäftigung als Gehilfen der Dekane, der Pfarrer in Stadt- und Dorortgemeinden (Jugend­arbeit!) gefunden werden müßten.

Turnen, Sport und Spiel.

Mittelrhemischer Meisterschaftswaldlauf der D. T. in Darmstadt.

Am 6. April kommt in Darmstadt dec Mittel- rheinische Meisterschastswaldlauf zum Austcag. Start und Ziel befinden sich auf dem Sport­platz der Technischen Hochschule an der Rieder Ramstädter Straße. Außer dem Meisterschafts­laus über 5000 Meter für Männer der Jahrgänge 05 und älter ist noch ein Lauf für die männ­liche Jugend (Jahrgang 06, 07, 08) vorgesehen. Bride Läuse werden gleichzeitig als Ginzel- und Mannschaftskampf durchgeführt. Die Strecken ver­laufen durch den süd- und südöstlich vom Hoch- schulsportplah gelegenen Hochwald. Es werden vc. raussichtlich die Gaumeister von über 20 Gauen starten. Der Sieger im Meisterschaftslauf erhält den Titel: Mittelrheinischer Meister im Früh­jahrswaldlauf 1924.

Feuerwehr-Verbandslag des Kreijes (Sieben.

Am Sonntag nachmittag fand im Gewerbe- hru« zu Gießen der Frühjahrsver­bandstag der Freiwilligen Feuer­wehren des Kreises Gießen statt. Der Dcisitzende, Drandinspektor Fritz Wenzel, er­öffnete um 2 Uhr die Tagesordnung des 4. 75ei> bandstageS mit der Begrüßung der zahlreich er­schienenen Kameraden. Insbesondere begrüßte er den Der-treter des Kreisamts Gießen, Regierungs­rat Dr. Heß. den städt. Branddirektor Baurat Braubach und den Kreisfeuerwehrinspektor D i ck o r 6.

Brr Eintritt in die Tagesordnung stellte der Dorsitzende fest, daß die Wehren Birk­lar und Grvßen-Linden nicht vertreten seien, alle übrigen waren mit 22 Stimmen an» wesend. Auch der grichäftsführente Ausschuß war mit 7 Stimmen vollzählig erschienen.

Der Vorsitzende brachte sodann den Geschäfts­bericht zur Verlesung, der Rechner. Kommandant Heinrich-Lollar, den Rechnungsbericht. Letz­terem wurde von der Versammlurvg Entlastung erteilt

Zur Festsetzung der Beiträge für 192 4 wurden pro Feuerwehrmann im Kreise Gießen 10 Pf. bestimmt. Gin Vorschlag, einen Sonder- beitrag zur Stärfung der Kasse zu erheben und nochmals eine Eingabe um Bewilligung eines Zuschusses an das Kreisamt zu richten, fand keine Annahme, zumal zur letzteren Anregung Regierungsrat Dr. Heß bemerfte. daß unter den gegenwärtigen Verhältnissen, in denen man nicht wisse, wo die Mittel für die aller dringend­sten Bedürfnisse des Kreises herzunehnv.m seien, es nicht ratsam erschein. eine neue Euraate zu machen. Bei ehret Besserung ter Verhältnisse werde es bei dem großen Interesse, welches die Kreisverwaltung den Bestrebungen ter Feuer­wehren entgegenbringe, ganz selbstverständlich sein, daß ein Deitvag auch wieder vH» weiteres be­willigt werte.

Der Herbstverbandstag wurde durch da« Los Grvßen-Linden übertragen.

Der Kommandant ter Gälischen Weht. Karl Wenzel, begründete einen von ihm etngc- 'oachtt""Antrag tetr, die Schaffung einer staa t- Lcben iu/e»u-ng für im

Lienst t« Feuerwehrmän-

n> r. Aussprache yrb Branddirektor

Cßvavb««) jcfttmmuTgeu ter Lantesfener- lofdj8aflejK?Trztt und regte die Srnen mn i einer KommMon an, bie die.e Angelegenheit bei ter Regierung Sarfteltcn und Schritte unternehmen solll daß hier ein gutes, die Sicherheit ter Feuer­wehrleute gewährleistendes Gesetz geschaffen wird. In die Kommission wurden gewählt: Brand­direktor Braubach. Kommandant der Gail- schen Wehr Kari Wenzel und Hauptmann ter Klein-Lindener Wehr Klein.

Aus ter Reuwahl des geschäftsfüh­renden Ausschusses gingen als gewählt hervor als 1. Vorsitzender der seitherige Vor­sitzende Drandinspekwr Fritz Wenzel, 2. Vor­sitzender Kommandant 6e if art- Grünterg. Der' seitherige Schriftführer, Müller- Gießen, lehnte aus Gesundheitsrücksichten die Wiederwahl ab; an seiner Stelle wurde Dr e i t he r - Gießen ge­wählt. 3um Rechner wurde Heinrich -Lollar wietecgewähtt. Als Beisitzer teftimmte man Kommandant Schäfer- Lang-Göns. Der städt. Branddirektor Braubach - Gießen und Kreis­feuerwehrinspekwr D i ck o r 6 sind ständige Mit­glieder des geschäftsführenden Ausschusses.

Zum Schluß wurden noch einige fletnere An­gelegenheiten erledigt. Am Ende ter Tagung sprach der Vorsitzende dem aus dem geschäfts­führenden Ausschuß scheidenden Schriftiührer Müller- Giesen für ferne mustergültige Amts­führung herzlichsten Dank aus.

unter einmal als 18jähriges Mädchen wegen Tot- schlagsversuchz und Raubes. Alle anderen Zivil- angedagten sind mehr oder minder vorbestraft. Unter den angenagten Polizeibeamten befinden sich einige, die schon nahezu 20 Jahre In Polrzei- diensten stehen Einige sind erst als sozialtemo- kratische Parteigenossen nach ter Staatsumwäl­zung in den Polizeidienst gekommen. Der am schwersten Beschuldige ist ter Polizei-Detriebs- assistent Franz Kappe, ter mit ter Wiggers­häuser die schlimmsten Durchstechereien verübt ha­ben soll. Der Polizeiwack/meicher Heinrich Reitz, ter bei dem Polizeipräsidenten eine persönliche Vertrauensstellung einnahm, soll bei ter Beschaf­fung gefälschter Papiere sich besonders beteiligt haben. In ter heutigen Sitzung, die wegen Er- k.aakung eines R.ch ers ml: erh tticher Verspätung begann, fand zunächst die Aafcufuirg ter Ange­klagten. von denen sich acht schon seit Juni In Haft befinden, statt. Zeugen waren noch nicht geladen. Dann folgte die Per\onenstandsarfnähme ter An­geklagten und die Verlesung des umfangreiche., Ecöfftiungsbeschlusses. Der Antrag einiger Ver­teidiger auf Abtrennung be& Falles Kappe und Verweisung desselben an ein anderes Gericht wurde abgriehnt.

Sin Todesurteil.

Derltn, 27. Mär-r Der Händler Erich Wetß. ter in seiner Berliner Wohnung die Krankenpflegerin Plettig ermortet und dann die Lerche in der Rähr des Friedhofes in Remickrn- dvrf bei Berlin verscharwt hatte, wurde wegen Mortes zum Tode verurteilt.

Schöffengericht.

. °f llgung an eiwem öffentlichen

C-»(3 | Qt^ Hefigen Wirtschaft wurde ein hier wohnhafter Hammerschmied aus Wieseck zu einer Geldstrafe von fünf Goldmark ver­urteilt.

Da» Fahren mit Handleiterwagen auf den nur dem Fußgängerverkehr bestimmten Bürgersteigen ist verboten. Es wurde dishalb eine Frau von hier, dre mit ihrem Handleiterwagen Koh en holte und trotz wleterhottec Abmahnung durch einen Wachtmeister damit auf dem Bürgersteig tn ter Cicbigftraöe fuhr, zu einer Geldstrafe von einer G o l d m a r k verurteilt.

Ein Ibjähriger Lehrling von hier stahl seinen Eltern eine silberne Herrenuhr, einen goltenen Herrenring, eine gelbe Reisetasche, einen Fahrrad­mantel und einen Revolver und verkaufte die Sachen an einen Friseur, einen Kaufmann und einen Musiker. Diese sind jetzt wegen Hehlerei angeklagt. Der Friseur erhielt deshalb zwei Wochen Gefängnis, während die beiden andern mangels ausreichenden Be­weises freigesprochen werten mußten.

Wegen Beleidigung des Bürgermeisters von Klein-Llnten ist ein Schneidermeister von dort angeflagt. Die Sache wird, vorbehaltlich ter Zu­stimmung des Kreisamts Gießen, dahin ver- g ließen, daß ter Angeklagte die ihm zur Last gelegten Aeußerungen mit Bedauern zurücknimmt, ebenso ter Bürgermeister einen von ihm ae- bvauchten Ausdruck, daß der Angeklagte die Kosten übernimmt und daß ter Vergleich drei Tage an ter Ortstafel In Klein-Linden angeschlagen wird.

Ein Fuhrmann von hier ist beschuldiat, mit einem Rollwagen auf den Geleisen ter städtischen Straßenbahn gefahren zu fein und auf die von dem Wagenführer terselben gegebenen War-

fpd. Frankfurt a. HL, 27. Marz, dem Vorsitz des Landgerichtsdirektors Langes begann heute vormittag vor ter Strafkammer ein auf etwa 5 bis 6 Tage berechneter Strafprozeß ge­gen 18 Angeklagte, in deren Mittelpunkt nicht we­niger als fünf Polizeibeamte stehen. Die umfangreiche Anklageschrift wirst den angeklagten Polizeibrantten vor. D i e b e n b e 11 h r e m licht­scheuen Handwerk Vorschub geleistet, ihnen und ihren Hehlern falsche AuSweispaprere beschafft und die Diebsbeute sogar mit verkauft za haben: also Beschuldigungen, wie sie schlimmer ge­gen einen Polizeibeamten nicht erhoben werten können. Die Sache kam im Juni 1923 durch die Verhaftung ter 22jährigen Kontoristin Thea W,g° gershäuser aus Württemberg ans Tageslicht. Das Mädchen stand im Drdacht, in süddeutschen Städten begüterte Personen, bei denen es bedien­stet war, bestohlen zu haben, namentlich nahm sie Silbersachen mit. Bei ter Festnahme führte sre falsche Papiere bei sich, die sie von den beschuldig­ten Frankfurter Kriminalbeamten erhalten haben wollte. Die Angaben fanden sich bestätigt. Dre betreffenden Poltzeibeamten haben dann aus dem Erlös ter Silbersachen Ruhen gezogen. In der heutigen Verhandlung wurde festgestellt, daß die Wiggerhäuser bereits schwer vorbestraft ist. dar-