Nr. 280 Swetter Blatt
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für TveryeMn) Donnerstag, 2' . rrovemver s92f
3» b;n Kampf um di Gleich-
zukünftigen Reick
5 aß ein Llrnfturz
bered) tigung a!ki '4?ariden.
den
der Inschrift im Jahre 1533 gemalt. Holbein war ein Jahr vorher zum zweitenmal aus der Schweiz, in der er nicht mehr lohnende Arbeit fand, nach London gekommen. Die Beziehungen zum Hose, die ihm seinen ersten Aufenthalt so glänzend gestaltet hatten, fehlten ihm diesmal, und er muhte sich begnügen, die deutschen Handelsh-erren im Stahlhof, der großen Riederlassung der Hansa in London, im Bildnis festzuhalten. Eine stattliche Anzahl 'dieser Hansa-Kaufherren und anderer Mitglieder der deutschen Kolonie in London hat er damals gemalt, darunter auch den Dietrich Born. Der Zwanzigmarkschein ist mit dem weiblichen Bildnis des Haager Museums geschmückt, in dem man nach der Ähnlichkeit mit anderen Bildern ein Porträt von Holbeins Frau vermutet, dessen Echtheit aber durchaus nicht über alle Zweifel erhaben ist. Verschiedentlich ist das Bild wegen seiner weichen tonigen Malerei für eine Kopie oder das Werk eines Zeitgenossen erklärt worden. Die Frau, die aus ihrer Haube ernst und nachdenklich hervorschaut, hat dieselbe Gesichtsform, dieselben matten, unter schweren Lidern hervorblickenden Augen, sog. Schürzenaugen, wie die vergrämte Frau auf dem berühmten Familienbild von 1528, deren Augen nun freilich, wie vom vielen Weinen, noch trüber und schwerer aussehen. Gewiß hat die Witwe des Baslers Ulrich Schmid, Elisabeth. die kurz nach 1520 den unruhigen, viel auf Reisen befindlichen Maler heiratete, fein sehr glückliches Los gezogen. Das Bildnis im Haag muß in der ersten Zeit der jungen Ehe gemalt sein.
das Mammut and der Auerochs im ilrtoalö weideten und das Riesenslußpferd zu finden ttxrc. Man hieß au' Wirbelknochrn von Riesenfluh- Pferden und Auerochsen sowie auf ein Stück von dem Hauer eines Mammut. Außerdem wurde eine uralte Flasche mit Wein gesunden, deren Inhalt aber die Arbeiter enttäuschte, denn er war ganz fauer und übelschmeckend Die Fossilien geböten nach dem Urteil des Geologen $ej\. Sir Arthur Keith einer älteren Periode der Eiszeit an, und man kann aus ihnen erkennen, daß das Riesenfluh- pserd und das Mammut Gefährten des vorgeschichtlichen Menschen waren.
tragen.
Hussein, der als Vasall Englands
Auf dem Fünfzigmarkschein begegnen wir einem wundervollen Werk aus seiner letzten Reifezeit, dem Bildnis eines jungen Mannes im Wiener Museum. Das Werk stammt aus dem. Jahre 1543, und in dieselbe Zeit etwa ist da.1 ebenfalls im Wiener Museum befindliche Bildnis einer englischen Dame zu sehen, das unseren neuen Hundertmarkschein zieren soll. Kurz nach der Schöpfung dieser in ihrer Schlichtheit und Gröhe unübertrefflichen Werke starb er im besten Mannesalter, kaum 46 Jahre alt, 1543, wahrscheinlich ai der Pest. Für den Tausend- mar k s ch e i n hat man sich das berühmteste Hol- beinwerk der Dresdner Galerie ausgesucht, das ganz in Frontalstellung gegebene Porträt des Morette. wohl aus dem Jahve 1534. Man hat in diesem Bilde zunächst die Darstellung des Goldschmieds Hubert Morette gesehen: aber auf Grund einer Medaille, die ihm im selben Alter und derselben Kleidung zeigt, ließ sich feststellen, biß es sich um eine viel höhere Persönlichkeit Handels nämlich um Charles de Solier Sieur de Morette, der 1534 französischer Gesandter am englischen Hof war. Wer also das Glück hat, einen neuen Tauu sendmarkschein sein eigen zu nennen, der bekommt noch einen französischen Gesandten in der reichen Hoftracht der Zeit gratis dazu.
Mvcie Schotten.
_j Laubach. 26.Rov. Der Wahlkampf, bat nun auch bei uns eingesetzt Nachdem in vorletzte: Woch. die Deuts ch - Dölkis che Partei eine c' .ntlidx Wa iriver,ainmlulw ab- geholten palt«. wobei Hauptmann Fleck den Standpunkt dieser "Partei b; handelte und wobei ein Vertv.ter der D e m o t rat i I chc n Partei lrideciprach, fand vorgestern eine Wablvrarnn lu. g der Deutschen VolksparIei statt. 2H8 Vertreter dieser Partei sprach Re chsminister a D. Dr. Becker. Er erklärte eis die Ausgabe des
Vorsintflutliche Funde im Herzen Londons.
Bei Ausschachtungen am Trafalgar-Square mitten im Herzen Londons ist man auf Fossilien gestoßen, die in eine 3eit imüctoeifnn. L' hier
Der Me ster unserer neuen Banknoten.
Die neuen Banknoten, die uns zum erstenmal wieder eine richtige Goldwährung bringen sollen, zeigen in ihren höheren Werten von 10 Mk. bis 1000 Mk. lauter Bilder von Hans Holbein dem Jüngeren. Während man bei früheren Serien neben dem Großmeister Dürer auch andere altdeutsche Maler berücksichtigte, hat man sich diesmal ganz auf Holbein beschränkt, den Sohn des Augsbr^ger Malers Hans Holbein, der zuerst in der Schweiz, in Basel, und dann in England heimisch wurde. Für die Auswahl der Bllder, die alle Porträts sind, dürsten wohl weder fünft- noch kulturgeschichtliche Gründe maßgebend gewesen sein, sondern man wird gewiß diejenigen bevorzugt haben, die sich technisch am besten wieder-» geben lassen, denn irgendein System ist in diese kleine Holbein-Galerie, die wir hoffentlich in recht zahlreichen Eremplaren in unserer Brieftasche herum tragen werden, nicht zu bringen; es sind sowohl Arbeiten aus seiner früheren Zeit wie aus seinen Cpättagen, männliche und weibliche Köpfe, Bildnisse von deutschen Kaufleuten und französischen Gesandten. Von dem Zehnmarkschein grüßt uns das jetzt in Schloß Windsor befindliche Porträt des Kaufmanns Dietrich Born, der im Dienst der Han'a nach London ging und dort in den Jahren 1542 bis 1548 urkundlich nachweisbar ist. Der eindrucksvolle Kopf, der von Holbein auch auf einer Miniatur festgehalten wurde, ist natf)
zum König des Hedschas gekrönt wurde, von seinem Verrat keine bleibenden Früchte geerntet Solange alles nach Wunsch ging, unter-
König Hussein und seine Söhne
Von General Schlee -Pascha.
Aus der Provinz.
Landkreis Gießen.
£ Wiesecf, 27. Rov. Di: WahlPropaganda in unserer Gemeinde hat sich bis jetzt in verhältnismäßig engen Grenzen gehalten. Erößne: wurde der Wahlkampf von der Sozialde m o - kratifch en Partei mit dem Landtagspräfi- benten Adelung als Referent. Es folgte c.nc Verhältnis mäßig gut besuchte Versammlung dec Demotratischen Partei, während am Dienstagabend die Sozialdemokratische Partei abermals auf den Plan trat. R ferent .var Re chsminister a. D. Dr. David. Die Dei-sanun- lung fand Im überfüllten Braunschen Saale statt und war von Kommunisten, besonder aus Gießen, stark durchsetzt mit der bestimmt erkennbaren Abs.cht, Tumult zu machen. Di: Ausführungen Dr. Davids fanden starken Beifall, die kommunistischen Zwischenrufer waren durch die Schlagfert gleit Davids bald zur Raß: gebracht; übrigens s.rhen sich die Kommunisten dui-ch die Anwesenh it einer Saalfchutzabteilung des Reichsbanners Schwarz-Rot-G.'Id in ihrem Konzept gefrört. 3n der Diskussion sprach zunächst eine Frau Schlag, die sich als fvmmunisttsche sächsische Landtagsabgeordnele vorstellte. 3hr folgte ein weiterer kommunistischer Redner, Schmidt aus Sinn, der auf die aus der Mitte der Versammlung an ihn gestellte Frage, wie sich die Kommunistische Partei die Wiederaufrichtung Deutschland denke und was die K. P. D. eigentlich wolle, keine Antwort wußte. Unter stärkst em Beifall der Versanunlung widerlegte Dr. David die politischen Sophistereien der Svwietleute.
V Londorf, 25. Rov. Gestern abmd fand bei Gastwirt Borger eine von der Deutschen Volkspartei einbe.tfcne Versammlung statt, in welcher Geschäftsiüh.er Baier in sehr sachlicher Weise die Ziele und die Politik te; Deutschen Dollspart ei barltgte. Besonders hob er das Verd.enst des Frhrers, Reichs außenmtnislers S t r e 1 e m a n n, um das Zustanbetommem des Londoner Vertrages hervor. Eine eigentliche Dis- fussion sand nichc statt, nur wurden nach Schluß der Versammlung noch über vecsch ebene Punkte der hohen Politik, über Beamtengehälter usw. Meinungen ausgelauscht.
f G r ün berg , 26. Rov. 3n einer Verfügung des Kreisamts Gießen wird bestimmt, daß die hieiige Bü r g er me i ste r wa hl in der Zeit vom 18. Januar bis 1. Februar 1925 stattfinden soll.
z L ich, 24. Rov. Der Totensonntag war in unserer Gemeinde ein Tag stillen emften Gedenkens. Am Vormittagsgottesdienst nahmen sämtliche Vereine mit ihren Fahnen teil. Rach bem Gottesdienst fand am Ehrenmal an der Stiftskirche eine erhebende Gedenkfeier für die im Weltkrieg gefallenen Söhne Lichs statt. Die tiefempfundene Gedächtnisrede des Stiftsdechanten Lenh war umrahmt von weihevollen Chören des Arbeitergesangvereins und des Gesangvereins „G-äcilia". Wuchtig ertönte als gemeinsamer Gesang der großen Trauergemeinde das alte „Ein feste Burg ist unser Gott" über den weiten Kirchplah. Am Rachmittag nahmen Tausende ihren Weg nach dem Friedhöfe, wo nach dem Rachmittagsgottesdienst nochmals eine Totenfeier stattfand. Stiftspfarrer S ch o r l e m er sprach am Kriegerdenkmal für die Helden von 1870 71 weihevolle Worte. Der Arbtttergesang- verein, der Gesangverein „Cäcilia" und der Klub „Gemütlichkeit" ließen in ergreifenden Chören die Stimmung des Totentages erleben. Rach der gemeinsamen Feier fang die „Cäcilia" noch am Grade ihres früheren langjährigen Dirigenten Wilhelm Zimmer. So verlief der Totensonntag in unserer Stadt altem Brauche gemäß weihevoll und erhebend.
Trais-Horloff, 26. Rov. Gestern abend fand hier eine von der Demokrat i- schen Partei einberufene Versammlung statt, die recht gut besucht war. Ministerialdirektor II r ft a b t sprach über Reichs- und Land- tagswahl. Beherzigenswert war sein Hinweis, daß es jetzt vor allem darauf ankomme, eine große Richtlinie in unserer Politik sestzu- legen, und daß deshalb die Wöhler alle Einel- fragen mehr beiseitestellen müßten. 3n der Diskussion kam er noch auf die Frage der Zölle zu sprechen.
Kronzeuge Foch.
Dem französischen Generalissimus Foch, der seit einigen Wochen eine cifric.e Propaganda für die Beibehaltung der Militärkontrolle in Deutschland entfaltet, ist dieser Tage einem Korrespondenten der „Chicago Daily Rews" gegenüber d.is Geständnis entschlüpft, Deutschland habe matei irtt tatsächlichabgerüstet. Diese Aeuherung des französischen Marschalls rönnen wir noch dahin ergänzen, daß die Abrüstung bereits im Jahre 1922 vollzogen und die deutsche Heeresmacht damals schon auf den im Versailler Diktat vorgesehenen Stand gebracht war De f üh.w. Obe beseh sh der iTe amer fa= nischen Beiahungsarmer im Rheinland, General Allen, veröffentlicht i.i feinem Rheinland-Tagebuch < Verlag Reimar Hobbing, Berlin) weiteres Material über die schon lange durchgesühtte Abrüstung Deutschlands und teilt a. a. mit, daß der amerikanische Militärattache Oberft So j den Inhalt eines Briefes bestätigt habe, nach dem die französische Abteilung dep Kontrollkommission unter dem Vorsitz des Generals Rollet, des jetzigen französischen Kriegsministers, anerkannt hatte, daß Deutschland enttoaf f riet fei. Wie die gegenwärtige Ausrüstung der Reichswehr beschaffen ist, darüber äußerte sich im Mai 1922 der englische General D i r ch a m, der feststellte, die Londoner Polizei wäre eher imstande, einen Krieg zu führen, als die Reichswehr. Wem von französischer Seite heute auf das heftigste die Fortführung der
MUitärkontrvlle gefordert wirb, so gibt über die Gründe General Aliens Rheinland-Tagebuch weiteren Ausschluß. Der ©cacial schreibt nämlich, daß General Rollet auf dem Standpunkt stand, politischeGründeerfordern die Auf- in düng versteckter Waffen, seien lic and) noch so gering ober unbedeutend. Staub- reich sucht also nach wie vor mit Hilfe einiger aufgcfunDcner verrosteter Pistolen das Ausland von der angeblich noch nicht durchgeführten )ld- rüftung Deutschlands zu überzeugen
Wieviel Schiffe verkehren auf dem Rordatlautik'
Eine Statistik der regelmäßigen Linien, bis zwischen den Hären Großbritanniens und des Kontinents von Brrdeaur bis Hamburg ctnerfdW und den Hären der Vereinigten Staaten und Kanadas von Rorrolk bis Montreal andererseits verkehren, wird in „Werft, Reederei, Hasen" nnt- geteift. Man kann daraus ersehen, wieviel Schiffe den regelmäßigen Dienst über den Rorcatlanti- schen Ozean versehen. An der Spitze lieht Groß- britannien mit 135 Schiften, die 1 424 297 T. Gehalt haben, dann kommen 'bie r e \n t g tza Staaten mit 71 Schissen und o<6460 An dritter Stelle steht D e u t s ch l a n d mit 16 schiffen und 172 465 T Dann folgen Frankreich und Holland mit je 8 Schissen, dann Aor» wegen mit 7, Belgien mit 6, IapoH mit 5 _
weitgehenden verlockenden Versprechungen Albions folgend 1916 von der Türkei abfiel und zum König des Hedschas gekrönt wurde, hat
stützten ihn die Engländer mit Geld und Waffen. Sobald cs aber zu einem Religionskamvfe zwischen Hussein und den ftrcngq’äubtgen WaHabiten kam. ließ England den Vasallen im Stich, wollte letzteres doch nicht auch noch die ungeheuren Verwicklungen lösen, welche ein mohammedanischer Religionskrieg mit sich bringen mußte.
Ibn Saud, der Führer der W a b a b i - tc n, hat im unwiderstehlichen Anprall die Truppen des Königs über den Hausen geworfen; am 13. Oktober zogen die Wahabiten in Mekka ein. woselbst die Ruhe und Ordnung wieder her- gestellt sein soll. Anscheinend haben sich unter der Führung von Ibn Saud die gesamten zwischen den beiden Schienensträngen Aleppo—Bagdad und Damaskus—Medina nvmad sierenden Anese- Schamai- und Wahabiten-Beduinen bereinigt, um Hussein, bzw. dessen Sohn Ali zu bekämpfen. Weder vor dem Kriege noch viel weniger während desselben war es der türkischen Regierung gelungen, diese Beduinen der Kullur bienftbar zu machen; im Gegenteil, die entlang der Hed- schasbahn wohnenden Beduinenstämme konnten nur durch Gewährung eines jährlichen Wacht- geldes vor ileberfällen und Störungen der Dahn zurückgehallen werden. E.ne Unter tütjung Alis durch die zwischen Ieddah und Medina lebenden Beduiaenstämme dürste ausg<schlos ei sein. Sie- selben werden eher mit den Wahabiten gemeinsame Dache machen, als daß sie zu Gunsten Alis denselben in die Flanke fallen werden. Mit ber, Herrlichkeit des ehemaligen Groh- scherifen "unb seines ältesten Sohnes bürste es endgültig vorbei sein. Der Traum eines Groh- kalisats aller Araber, einschließlich der von Palästina, Trans; ordanien, Syrien und der großen Wüste zwischen Syrien und Mesopotamien dürste airögeträumt sein, gleichgültig, ob dies nunmehr dem alternden Hussein oder einem seiner Söhne durch Englands Macht übertragen werden sollte.
Auch mit Faisal hat England wenig Glück gehabt. Im Jahre 1919 wurde derselbe unter dem geheimen Schuhe Englands zum König des unabhängigen und geeinigten Syriens aus- gerufen. wobei Faisal zunächst sich der Zustimmung des französischen Mandatars von Syrien erfreute. Bald aber änderte Faisal seine Taktik gänzlich, er setzte sich an die Spitze der syrischen älnabhängigkeitsbewegung, stellte den Franzosen Ende März 1920 ein Ultimatum auf Räumung Syriens mit dem ver- blüsfenden Erfolg^ daß die französischen Truppen ihn am 2. Iuli^aus seinem Lande hi naus - warfen. Als Trost hierfür setzte ihn bann Albion als König im Irak ein; gleichzeitig würbe Palästina geteilt, bas 2anb westlich des Jordans unter das Mandat von England direkt gestellt, das Land ösllich des Jordans als Transjvrdanien als Königreich dem dritten Sohne Husseins, dem Emir Abdullah zu- geteilt. Aber auch int Irak ging es den Engländern mit König F.iisal nicht ganz nach Wunsch, wozu allerdings der Konslitt mit der türkischen Regierung wegen der Petroleuntguellen und der Grenzregulierung, namentlich wegen des Verbleibens des Stadt Moss ul, eine große Rolle spielten.
General Schier, der vor dem Kriege Generalinspekteur der Feldartillerie in her türkischen Armee und während des Weltkrieges Feldmunitionschef der gesamten türkischen Armee im Großen Hauptquartier war, hat uns leine Erinnerungen an fünf Jahre unter bem türkischen Halbmond zur Veröffentlichung übergeben. Wir bringen nachstehend ein anschauliches Bild von König Husseins Gluck und Ende.
Dieser Tage erschien in der Presse die lakonische Aotiz, daß der Palast des früheren Königs Hussein in Mekka für die labelhafte Summe von 120 Pfund versteigert worden sei. So . nbigt die Herrlichkeit eines Königs, der als tür- ckischer Derwaltungsbeamter von seinem rechtmäßigen Äalifcn Ab d u l Hamid seinerzeit zum Scherifen (geistlicher Schirmherr) von Mekka und Rledina bestellt, 1916 König vom Hedschas und QJemen von Englands Gnaden geworden, der kurze Zeit den Traum eines Großkalisen der gesamten moyammedan.scheu Welt ge.räunti hat, von den anftürmenben Wahabiten vom Thron -verjagt worden ist und nunmehr in der Hafen-- jftabt Ieddah am Roten Meer sitzt und über die Vergänglichkeit alles Irdischen seine geistigen De- trachkungen anstellen kann. Kismet!
ES durfte nicht uninteressant sein, sich mit König Hussein unb dessen Söhnen näher zu beschäftigen. Hussein, der ehemalige Großscherif von Mekka. Wächter der heiligen Stätten von Mekka und Medina, bet entthronte König vom Aedschb hat das biblische Alker von 70 Jahren erreicht. Don fernen Söhnen war Le; älteste, der Emir 211 i, Befehlshaber der Hedschastruppen, feit der Abdankung Husseins sein Aachsolger auf dem Thron Arabiens. Mit seinem Vater weilt nunmehr Ali in Ieddah; zwei Söhne haben es iin Soldo Englands als dessen treue Vasallen noch weiter gcbr.xfct; der eine, Faisal. ist König von M c= fopotamicn, der andere, Abdullah, König von Transjordanien. Der jüngste Sohn Emir Z e i d - wurde von seinem Vater zu wichtigen diplomatischen Missionen, vornehmlich nach England und Aegypten, verwandt. Die Emire Ab- dullah und Faisal spielten bei Beginn des Weltkrieges eine recht wenig rühmliche Rolle; sie waren im Stabe des Großen DschemalPaschas, des ungekrönten Königs von Syrien und Führers der vierten türkischen Armee, bis sie nach dorn'. Qfbfall ihres Vaters, des Grohscheriss, aus Damaskus verschwanden. Sie hatten ihre Zeft im türk scheu Hauptquartier recht gut crusgenuht, genaue Auszeichnungen über den Standort, Ausrüstung unb Stärke der türkischen Truppen gemacht und die vorhandenen Pläne von Palästina, Syrien und Arabien mitgenommen. Hierdurch erworbene genaue Kenntnis des Landes, der militärischen Streitkräfte, der Trassen und Bahnhöfe der Hedschasbahnen gaben diesen schlauen Arabern den Ansporn zu manch kühnem, mit Erfolg unternommene Reiterstücke. Häufige nächt- liche Zerstörungen der 3380 Kilometer langen Hed- schasbahn Damaskus—Medina, zahlreiche Heber- fälle auf vorgeschobene türkische Postierungen und Stellungen in Palästina und entlang der Bahn brachten die Spionentätigkeit der Fürstensöhne lebhaft in Erinnerung.
Die türkische Herrschaft auf der arabischen Halbinsel stand allerdings von jeher auf recht schwachen Füßen. 3n der ganzen Provinz Hedschas war auf einem Gebiete doppelt so groß wie ganz Deutschland nur eine Division als militärische Besatzung vorhanden. Diese setzte sich nicht aus Arabern zusammen — die Regierung in Konstantinopel traute den Eingeborenen nicht —, sondern bestand aus Albanesen und Anatoliern. Die Division war weiterhin in den größeren Städten und Ansiedlungen des Redjd verteilt und nit einem recht minderwertigen Material ausgerüstet. Fortge'etzl kam es zu Aufständen und Angriffen auf die türkischen Truppen. Waren diq arabischen Stämme für kurze Zeit einig, so be-l agerten sie die vereinzelten türkischen Truppen ihrer Garnison, wobei letzteren wegen Pro- -iantmangcld in der Regel nichts anderes übrig '•lieb, als sich zu ergeben. Manchmal kam es dann oei Heranziehung von Ersatztruppen zur Vergeltung und Bestrafung der aufrührerischen Stämme, meist aber mußte jede Strafmaßregel aus Mangel an verfügbaren Truppen unterbleiben. Kurz, die türkische Herrschaft bestand eigentlich n u r a u f dem Papier. Der Verlust des Hedschas ist deshalb von der Türkei am leichtesten von all dem im Weltkriege verloren gegangenen Provinzen zu
der jetzigen SkaatSsorrn zu befürchten sei, wäre unzutreffend. Gl.ictzeitig kemrzeicharte er die Ziele der Links- und Rechts^rte.en unb ihre Leistungen. Eine längere Aussprache war unmöglich, da bei Redner nach Be.iin ab teilen mußte Gestern .\bc.ib fand eine WaIriver amm- lung der Demokratischen Partei statt, n ccci Fabrikant Büchner die rc.trcbungev. seiner Partei lespiach. Ein: Aussprache fand nickt statt, da die hiesige Bevölkerung die er politischen Rich una im allgemeinen ferner stehl. Als i:cr Redner erklärte, daß die Deam en eine revu- bllkanische Gesinnung hab.m müßten, hörte man ein kräftiges ..Oho!".
Schotten. 26. Rov. Bei der Einsüh« rungdesWerkunke nichts in den Schulen tößt man allenthalben auf den Widerstand der ländlichen Bevölkerung. Ei 7 ist -für das „Reue" schwer zu begeiftem, sieht in dieser Art Betätigung der Kinderhind nutzlose Beschäs' tigung, unfruchtbare Spielerei, und der Hanb- tocrler schaut das schwarze Gespenst drohender Konkurrenz. Es ist aber nicht zu fürchten, daß bei Werkunterricht auf seinem Wege, den ihm der Ze tgeist gewiesen, straucheln wird. Weim erst fach! che Auftlarung in das Volk bincing.tragen ist und die 3eit die Widerstände überwunden, so wird die Einsicht sich Bahn brechen, daß gerade dieser Linkenichtszweig wert ist, gelehrt zu werden — obwohl der Großvater in seinen Äiitbtr- jähren nichts davon gehört.
O b e r ° S ch rn i 11 e n , 25. Rov. Die er st e W a h l v e r s a n m l u n g in diesem Wahl arnpse wurde am Sonntagabend von der Svzialde- mokratifchen Partei abgchalten. Ein De> ncr aus Vilbel sprach über das Wirken seiner Partei in der Rachkriegszeit und ihre Ei.istellung zu den verschiedensten politischen Tagcsfragen. Eine^TiSkussion sand nicht statt.
ftrciö Büdingen.
Ri dd a. 26. Rov. Um den Sparsinn der schulpflichtigen Kinder yi telegen und zu fördern, sind die Sparkassen jezr dazu überg-ga. g ... Schulsparkassen in den einzelnen Oittchastrn ins Leben zu rufen. Unter Mitwirkung der Lehrerschaft weriren in den Schulen wöchentlich Sparkarten ausgegeben, die bis zum Betrag von 20 Pf. herunter e worben werden können. Die Rücklage kann zu jeder Zeit bei den Sparkassen wieder abgehoben werben. Im Interesse der Wiederbelebung des Spar» sinns möchte man wünschen, daß diese segensreiche Einrichtung in allen Schulen des Lande- Eingang fände.
Mrei* Alsfeld.
* Ehringshausen, 26. Rov. Hier Wardeine Spar- und Darlehnskasse e. G. m b. H. gegründet, die sich dem Hessischen Genossen, schaftsverband in Darmstadt angeschlossen hat. Zum Direttor wurde Zimmermeister H. Reih und zum Rechner Landwirt H. Diegel III. gewählt. Die neue Kasse zählle bei der Gründung 30 Mitglieder.
Areis Lauterbach.
:: Lauterbach. 26. Rov Eine öffentlich« Stadtvorstandssihung färb gestern statt. Zwei Gesuche um ileberlalung von Bauplätzen Mir Errichtung von Wohnhäusern wurden genehmigt und der Kaufpreis auf 1,50 bzw. 1 Mk. für den Quadratmeter festgeseßt. Der Sanitätskolonne vom Roten Kreuz wuroc ein einmaliger Beitrag von 40 Mk. bewilligt. Dem Schneidermeister Konrad Henning. Marktplah, wurde zu einem Wohnhausneubau das erforderliche Gelände, den Quadratmeter zu 2 Mk., genehmigt. Die Unter ft ütjung derSozial- unb Kleinrentner wurde je nach der Be- dürstigkeit auf 30, 40 und 50 Mk. pro Monat erhöht, auch sollen denselben 10 Ztr. Braunkohlen- briketts zugewiesen werden. Die Wach- uni SchließgesellschaN Fulda will hier eint Filiale unterhalten; der Stadtvorstand stimmte diesem Ansuchen zu; der Anschluß der städtischen Gebäude wurde vorerst abgelehnt, da diese sämllrch bewohnt sind. Die Bautätigkeit der letzten Jahre macht die Reubenennung verschiedener Straßen ersordeilich. Eine Kommission wurde mit der Ausarbeitung der Vorschläge beauftragt. Eine Wohnuogsbeschlagnahme und di< Genehmigung zwei:r^lnterstühangi>gesuche b.ldeter den Schluß der Versammlung. Das Wasser-


