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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vderhesseil)

Samstag, 21. septemver J924

Ur. 228 Zweites Blatt

außerordentlich

gen Entlohnung und

yppel- toons- cchanik»

Deutsche Auswandererexpedition nach Persien.

Die Schwierigkeiten der Reise. Gefahren und Enttäuschungen in Klein-Asien. Wie die Deutschen in der Türkei und in Persien ausgenommen wurden.

Don Hauptmann a D. Volles Schmu de.

Der durch seine SiedelungSuntemehm-an- gen In Völpke bekanntgewordene Hauptmann a D. Dolles Schnrude Hal vor ci tigc 1 Mo­naten mit einigen Auswandeiern eine Er- pedition noch Persien unternommen, um dort dem deutschen Export neue Wege zu öffnen. Die Reise nach Persien ist für die Auswanderer mit außerordentlich groben Schwierigkeiten verbunden gewe'en Menn der . Artikel auch angesichts der herzlichen Aufnahme in der Türkei und in Persien einen bewundern ngswüröi-en Optimisinus verrät, wird man im allgemeinen doch der deutschen Auswanderung nach Dorderaiieir schon allein deshalb mit einiger Skepsis gegenüberslehen, weil cs den deutschen Ein­wanderern schwer werden wird, bei der

Union. Heute abend Kneipe im Hindenburg. Erschtinenunbedm-tt

Jugend und Bühne.

Lieber die in diesen Tagen in Frankfurt vom Zentralinstilut für Erziehung und Unterricht veranstal­tete TagungJugend und Dühne" geht uns folgender Bericht zu: Der verstorbene Leiter der Hamburger Kunst- Halle, Alfred Lichtvark, äuherte einmal in einem Dort rag. es habe noch niemals, zu keiner Seit, eine Gesellschaft gegeben, die so ohne Kultur gewesen sei, wie die Gesellschaft der Gegenwart. Hatte er recht? Schaut man rückwärts, sagen, wir bis zu jenem Markstein unserer politischen Geschichte, zur Reichsgründung, die auch kulturell ein Grenzstein bedeutet, da hebt die Gründerzett mit all dem an, was uns eine Schamwelle nach der anderen ins Gesicht steigen läßt: in der Gegen­wart Versuche von allen Seiten, eine Kultur zu schassen". Hnd weil man Kultur machen will, geraten wir so ins Verderben. Kultur ist ßeben, wächst organisch im und mit dem Volk. Aber bei uns klafft ein Rist mitten durch das Volk, trennt die Dollsgenossen, trennt Jugend und Aller, oft Mann und Weib. Langsam fängt es an zu dämmern. In der Jugendbeweg u ng sucht sich der neue Mensch ein neues Leben. Sucht nach der Einheit von Mensch urrd Ratur, Mensch zu Mensch, Mensch zu Gott. Die Jugend sucht und fragt, findet eigene Wege, aber erhielt keine Antwort von 5er älteren Generation. Lind wie dieser Jugend das Volkslied als ein Reues ward, so entdeckte sie den Tanz, den Volkstanz oder eigene Bewegungen als ein Dar- stellungsmittel des neugewonnenen Körper- g e f ü h l s, als eine Einheit von Blut, Seele und Bewegung' und so ist ihr auch das Spiel eine neue, eigene Form jenes universellen Willens. Damit schuf sie eine neue Geistigkeit und Gesellig­keit, denn die innere Bindung an das Spiel, eine religiöse Inbrunst, ist für die Spielgemein de alles. Die Jugend spielt ihre Fragen, die ihr auf der Seele brennen.

mende Küste von der dunklet ßinic Kleinasiens ab. Am 24. Juni begann die wrch.nlange, schwie­rige und entsagungsreiche Rei e durch das Land. Zunächst ging cs mit einem Lastkoaftwag.n über Dciburt bis nach Erze rum. Das Thermometer zeigte 47 Grad Celsius. In dieser Hitze ging es dauernd bergan bis zu einer Höhe von 1800 Meter. Dann ging cs wieder in die Tiefe. Die Talfahrt war des schlechten, stellen und steinigen Weges wegen sehr gesährlich Ein rorausgefah- renes Auto, das nicht zu unserer Expedition ge­hörte, war in die Tiefe gestürzt und hatte sämt­liche 24 Insassen tot unter den Trümmern be­graben. Am 27. Juni gelang es uns nach schwie­rigen Fahrten, auf dem Plateau von Erzerum zu landen. Heberall in der Türkei wurden wir als Deutsche herzlich auf genommen. Qllan ahnt in Deutschland nicht, welche tiefwurzelnden Sym­pathien und Bewunderung der Orient den Deut­schen entgegenbringt. Auf Schritt und Tritt füh­len und sehen wir das. mehr noch fast als in der Türkei hier in Persien. Hirfere Herzen sind voll von Freude über die uns gebotene Gast­freundschaft. In Persien wurden wir mit grober Spannung erwartet: Kapitän Schrnude kommt aus Deutschland mit 5000 Mann. Bald wurden es 50 000 Mann. Der Orient liebt die üebertrei- bung. Aus ein paar Rullen kommt cs dabei nicht an. Das Gerücht mochte in recht starker Betonung bis an die Ohren der englischen Bot­schaft jn Teheran gekommen sein. (Sie entsand e ihren Militärattache an die türkische Grenze, wo wir in voller Bewaffnung bereits stehen soll­ten. Sv wildromantisch und voll prickelnder Ge­fahren die Reise bis Erzerum war, wir waren froh als wir die zahlreichen Minaretts dieser im Kriege so heistumstritlenen anatolischen Festung im roten Schein der untergehenden Sonne aus­tauchen sahen. In Erzerum hat uns als einziger dort lebender Europäer, der russische General­konsul, ein lebhafter Verfechter der Freundschasts- id:e zwischen Deutschland und Ruhlanö mit Rat und Tat bestens unterstützt. Auch die türkischen Behörden haben uns gefördert. Zwischen dem rasch vorwärtsschreitenden klug geleiteten Per­sien und her neuen Türkei herrscht offenbar eine gewisse Eifersucht. So viel steht für den die beiden Länder? bereisenden Europäer fest, haft kurz über lang Persien die führende Rolle im Orient zufallen wird Am 8. Juli brachen wir von Erzerum in östlicher Richtung auf. 40 Kilo­meter wollten wir marschieren, wir haben cs aber nicht auf 30 am Tage gebracht. Schwer war die Berg- und Talfahrt über den hoben Delibaba-Pah in Kurdifan. Wegen der räube­rischen Kurden muhten wir mit türkischer ©en» barmeriebegleitung reifen. Es übersteigt euro­päische Begriffe, was auf dieser schwierigen Reise türkische Pferde zu leisten vermochten. Auch wir hatten bei einer rasenden Talfahrt Pech. Mit einigen leichten Verletzungen für die Wagenin- sassen unb zerstörtem Material kamen wir davon. Am 13. Juli bereits sahen wir die schneebedeckte Kuppe des Ararat (5100 Meter) zu uns herüber- grüben. Erst am 17. Juli waren wir bei Bachasid bis auf 30 Kilometer an ihn herangerückt. Tage­lang sieht man diesen gewaltigen Bergrie'en irrs Land hineinschauen. In Dahasid begann eine arge Leidenszeit für uns. Hnfer Geld war aus- gegangen. Auf telegraphischem Wege Geld zu beschaffen, war unmöglich. Im Lager von Kisi° laife, zwei Wegstunden von Täbris, trafen wir mit einem türkischen Generalkonsul zusammen, der uns half, dne Reise bis zur ersten persischen Stadt fortzusetzen. Am 29. Juli konnten wir unsere Reise fortsehen. Run ging es am Ararat vorbei. Der Tag war einer unserer heißesten Marschtage. Sechs Stunden ofmc Wasser und dazu eine Hitze von 55 Grad Celsius in der Sonne und 47 Grad im Schatten. Leider aber fehlte uns der Schatten gänzlich, außer dem Schatten unserer Pferde und Wagen. In einem Kurdenlager, vor dem man uns in Bayasid gewärmt hatte, machten wir Mit­tagsrast. Ms die Kurden hörten, daß wir Deut­sche seien, freuten sie sich und erklärten, sie wären mit den Deutschen gute Freunde. Aber in der Hauptsache kam es ihnen wohl auf unsere Waffen

der Genügsamkeit der eingeborenen Arbei­ter mit diesen die Konkurrenz mit einiger Aussicht auf Erfolg aufzunehmen Cs sei deshalb allen Auswanoerungslustigen in ihrem eigenen Jnteoefse dringend geraten, vorher bei den zustärrdigen deutschen Ge­sandtschaf iSkonsulaten oder dem Reichswan- berrrngsamt in Berlin genaue Erkundungen einzuziehen, wenn sie vor bitteren Enttäu­schungen bewahrt bleiben wollen.

Die Red.

TäbriS, 1. Sept.

Länger als wir alle gedacht hatten, dauerte Unsere Reise von der Hermat bis hierher. Am 4. Juni trug uns ein elegantes Schiff über die Donau nach Budapest. Belgrad und Rustschuk in Bulgarien. Von hier ging es am 7. Juni mit der Bahn nach Varna, dem ersten größeren Hasen Bulgariens am Schwarzen Meer. Von Cöama reiften wir am 9. Juni über Burgas nach Konstantinopel. In Bulgarien begegneten wir überall herzlichen Sympathien, stellenweise sogar spontaner Begeisterung. Ms man hör e daß wir Deutsche seien, war der Jubel groß. Ain 12. Juni fuhren wir bei Regenwetter durch den Bosporus ins Goldene Horn, dem einzigen Hafen Konstan­tinopels. Eigenartig berührte es mich, nach acht Jahren all die Stätten wiederzusehen, die ich während 'des Krieges erstmalig betreten hatte. Wo ehedem stolz die deutsche Kriegsflagge von den Masten der deutschen Kriegsschiff wehte, da sah man jetzt nur Handelsschiffe fremder Län­der Kein deutsches Schiff grüßte unser suchendes Auge. Verlassen lag die lauschige Bucht von Stvnia. wo einst die®ocben und dieBreslau" Hnlerschlupf nach ihren vom gesamten Orient be­wunderten Heldentaten im Schwarzen und Acgäi- schen Meere suchten und fanden. Verlassen auch die Stelle, wo einst derKvrkovada" und der General" gelegen. Das war die alte Drücke zwischen Stambul unZ> Pvva.

24 Stunden kamen wir mit unserem Dampfer zu spät in Kvnstantdnopel an. Der Dampfer, der uns nach Tvapezunt bringen sollte, war schon fort. Das war für uns ein Verlust von sechs Tagen. Wir nutzen die Zett zur weiteren Aus­rüstung und zu Ausflügen im Bosporus und im Marmarameer. Im Goldenen Hom wimmelte es von Handelsschiffen. Traurig war der Anblick der vielen arbettslosen türkischen Schiffe. Infolge der inneren Wirren des Landes liegt der Handel still. Seit der Verlegung des Regierungssitzes von Konstantinopel nach Angora und der Auf­hebung des Kaiserreiches und des Kalifats liegt Konstantinopel wie von düsterer Schwermut und Traurigkeit befallen da. Das Leben ist dieser Stadt genommen. Dahin ist die Pracht, die das uralte mach'ige Stambul unter feinen osmanischen Kaisern entfaltet hat, dahin das farbenreiche orientalische Gepräge, dahin, was Stambul zu Stambul gemacht. Verödet, zum Teil verbrannt liegen die Paläste des einstigen Kaiserlichen Hcarses. Die Hohe Pforte gehört der Geschichte und der Vergangenheit an.

Am 18. Juni ging es auf einem türkischen Dampfer recht und schlecht nach Tvapezunt, dem östlichen größeren Handelsplatz der Türkei am Schwarzen Meer. Wunderschön hob sich die schau-

Diese Andeutungen werden genügen, um za zeigen, daß die TagungJugend and Bühne", die in Gemeinschaft mit dem Dühnen» vollsbund, dem Rhein-Meinischen Verband süo Vollsbildung, der Hessischen Zentrale für Volks­bildung und Jugendpflege in Foankpart vom Zentralinstitut für Erziehung and Unterricht (Berlin) veranstaltet worden war, vor einer Fülle von Problemen stand, deren Abgrenzung voneinander man wohl näher kam,, nicht aber ihrer Lösung.In Vorträgen und Aus­führungen sollte gezeigt werden, Wiedas hi über­lieferten Stoffen und Formen erstarrte Schüler» und Laienspiel neu belebt werden kann, and wie sich aus dem Gemerirschstsgeaist der Jugend neue, der Zeit angemessene Ziele für dramatische Dar- stellungen ergeben können." Es zeigte sich schnell, daß die Tagung dreierlei darstellte, ein psycho- logisch-pädagogisches Seminar, einen Kursus, über das Wie und Was des Spieles und zum Dritten eine Tagung über das ProblemJugend mb Bühne", das sich bald in den Vordergrund stellte und die Frage des Laienspiels und des Der iss» th«tters, beide als Kulturfaktoren, in die Ver­handlungen einbegriff.

HeberMöglichkeiten unb Grenzen des Jugendspiels" sprachen GeorgGöksch (Derlin) unb der Dichter Leo Weis man tel. Die Grenzen finb das Berufstheater einerseits und derLebensraum" der Spielenden anderer» seits. Das heißt, die Jugend will und maß das spielen, was ihrem Mter unb ihremGerstes­raum" gemäß ist. So spielt die christliche Jugend nicht die alten Sagen und Legenden, sondern sre wlll in ihrem Christgeburtsspiel Christus fin­den, in ihrem Passionsspiel die Erlösung er­leben, die der heutige Mensch sucht. Der J rgend- kpieler spielt sich unb feine Probleme, er spielt aus einer Gesinnung mb feiner Rot heraus, einer Gesinnung, die zum Glauben sich weiten kann. . .

Auf den notwendigen Kontakt des Laien­spielers mit dem Zuschauer wies Direktor M e 1 ß -

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Die Mitglieder des Gießener BerkehrS- oereinS haben ju den Vorführungen des Heimatfilms Jm Tale der Lahn" Im Mtivielbaus, Babnboiitraßc, : iDienStag dis Ton- > nerstagnächsterM t chel Zutritt zu dem - ermäßigten Preise , vonMPs.vro Per­lon. Eintrittskarten , find zu haben bei 1 Herio.Plotfitrabt hrnj) Dgj Fon luil

an, die sie uns abzukaufen versuchten. Rach vier weiteren Marschstunden tarnen wir zur türkischen Grenzstation. Hier wurden wir von dem türki­schen Oberleutnant Reschmedia-Essendi überaus herzlich empfangen. Er war in Sibirien mit deutschen Kriegsgefangenen züammen und batte leidlich Deutsch gelernt. Dci ihm hatten wir für einige Tage Gastfreundschaft. Es toanem er» quidenbe Tage nach schweren Strapazen, die an die Ausdauer der an der Exp<chitivn beteiligten Personen große Anforderungen stellten. Rach kurzem Aufenthalt ging es zur persischen Grenz­station tßafiglton, wo er uns wertvolle Dol­metscherdienste erwies.

Endlich hatten wir das langersehnte Land des goldenen Löwen erreicht. Welcher Hnterschied zur Türkei. Rach fast sechs Wochen mühevoller Wanderung sahen wir hier zum erstell Male wieder Gärten mit üppigem Baumbestand. Am 31. Juli wurde unter persischer Kosalenbegleitung der Marsch nach Maku lortgesetzt. älnfere Waffen wurden uns vorläufig abgenommen, da den Aus­ländern in Persien das Tragen von Waffen ver­boten ist. Das Verbot erfolgte durch den energi­schen und im Dienste seines Landes rücksichts­losen Kriegsminister Riza Khan, ein ausgezeich­neter Mann, über dessen hervorragendes Wirken später zu berichten fein wird. In Maku wurden wir vom dortigen Gouverneur überaus herzlich empfangen. Durch das Eintreten des deutschen Gesandten beim Kriegsminister Riza Khan er­hielten wir auch unsere Waffen wieder zurück. Riza Khan hatte an dm Oberbefehls laber von Asscrbeidschan die Weisung ergehen lasen: Die Expedition des Hauptmanns Schrnude ist mit Respekt unb allem En'.gegen kommen zu behandeln, eine Weisung, die allerorts in Aserbeidschan, von Maku bis Täb äs, auf das forg amfte b folgt wurde. Heber die Reise von Maku nach Täb.is und über den Empfang b im Oberkommandan en wird später noch zu berichten sein. Rur eines soll noch zum Schluß gesagt fein: Wir alle find glücklich, in Persien zu fein. Wir erfreuen uns in der Sonne Persiens und in dem überaus ge­funden Klima Persiens bester Gesundheit. De vor uns liegenden Aussichten zur Betätigung unserer Kräfte zu Ehren unserer Heimat und zum Wohle unseres Gastgeberlandes, Persiens, erfüllen unS mit Stolz und mit großer Zuver­sicht. Hafer Blick ist in die hoffnungsreiche Zu­kunft gerichtet.

Aus der Provinz.

Landkreis Gictzen.

£ Wieseck, 25. Sept. In der heutigen Gemein de ratssitzung tourben die Reu- anfdxiffungen für die neuerrichtete Schul k ü ch e der Fortbildungsschule in der von der Schulleitung angesorderten Höhe genehmigt. Als Schulküche kommt ein Schulsaal in der Alicestraße in Betracht. Es sollen darin drei Herde, drei Küchmschränke, drei Tische und 24 Schemel Auf­stellung finden,- so daß jede Klasse in drei Ab­teilungen unterrichtet werden karm. Der in einer früheren Sitzung gefaßte _ Beschluß, Sprunggeld und W iegeg e büh re n in Gvldmark zu erheben, machte es in Verfolg einer Reviftonsbernerkung zum Voranschlag 1924 notwendig, die Hohe dieser Abgaben festzufetzen. Rach dem Beschluß des Gemeinderats beträgt das Sprunggeld für Rindvieh 5 Goldmark, für Ziegen 75 Pfg- Die Wiegegebuhren behalten die jetoeiligen Sätze der Stadt Gießen, für die Be­nutzung der Diehwage im Faselstall soll für Kleinvieh 50 Pfg., für Großvieh pro Zentner 20 Pfg. erhoben werden. Das Kreis bau amt beantragte seinerzeit die Kanalis ation eines Stückes Geländes in der Gießener Straße, was damals vom Gemeinderat abgelehnt wurde. In einem Schreiben teilte das Kreisbauamt nun mit, daß es die Gründe, die den Gemeinderat zur Ablehnung veranlaßten, anerkennt und dem ab­lehnenden Beschluß beitritt. Die Erneuerung von sieben Fenstern im Hause der Bürger­meisterei wurde genehmigt. Die Vergebung der Anfertigung soll, ebenfo auch die Lieferung der Kochschuleinrichtung, auf dem Submissions- Wege erfolgen. Rach eingehendem Für und Wider fand sich auch heute im Gemeinderat keine Mehrheit dafür, eine Qlenberung in dem be­stehenden kommunalisierten Destat- tungswesen eintreten zu lassen, der Ge- meinderat beschloß, es bei der setther* geübten Art und Weise zu belassen. Wie alle der­artigen Beamten, mußten die Gemeinde-

ner vomFrankfurter Kunsttheater" (das n in auch für Hessen als Landes-Wanderbühne ge- wonnen ist) m fernem ReferatJugendfpiel und Derufsbühne" hin. Das Der tfs- theater braucht zu feinem Spiel besondere ime, seine Schauspieler müssen Künstler fein, deren Spiel Arbeit an dem Werk der Zeit sein sollte. Die Derufsbühne sei Werk des Mannes, er solle auf das Drängen der Jugend horchen, d h. zei t- gemäß müsse die Bühne fein. Die Bühne müsse Wege zeigen.

Dr. Frankenberger (Frankfurt) wies in dem VortragDramaturgie des Laien­spiels" ebenfalls wieder daraus hin, daßSpiel Dienste am Geiste fei, und zeigte an einigen Dramen, was von der Jugend- und der Laien­bühne gespielt werden kann, nämlich Stücke, denen ein großes Pathos fehlt, leichter in der Substanz ftnb und eine kräftige Fabel haben. Er empfiehlt den jungen Shakespeare, der jedoch im Laienspiel getrost umgestaltet werden Emre, ferner den Dell" von Winrich, ben jungen Goethe u. a.

HeberDarstellungsmittel be« Jugenbfpiels" sprachen Lothar Schreyer (Berlin) unb Direktor Duserke (Wickersdorf). Schreyer betonte die innere Gebundenheit des Spielers mit dem Wort, der Geste und der Be­wegung, daß nur aus einer ethischen Harmonie die künstlerische Harmonie aus gelöst werden kann.

An praktischen Regieprvben zeigte Dr. Ignaz Gentges (Bonn), wie man es nicht machen soll, denn er drängte den Spielern ausschließlich seine Auffassung aus und ließ ihnen nicht die freien Enthattungsmögllchketten.

Die Rachmittage waren Aufführungen gewidmet Hier zeigte sich noch mehr, als bei ben Vorträgen, daß die Tagung (mtt wenigen Ausnahmen) das Muster der Gegenbei­spiele war. Eine Vergewaltigung der Kinder war eine AufführungReineke Fuchs" der Frankfurter Reformschule. Hier hatte es ein Volksschullehrer fertig gebracht, alles Kind­liche im Kinde zu ersticken und sie Worte reden

reiner bei Dienstantritt eine in Wrtpapieren hinterlegte Kaution stellen, die natürlich infolge der Geldentwertung im vergangenen Jahr ver­loren ist. Dort, wo SicherungShypotheken auf Grundbesitz eingetragen werden können, ist baÄ Stellen einer neuen Kaution leichter, schwieriger da, wo solcher Sachwertbesitz nichk vorhanden ist. Für diese Fälle (dies trifft auch für Wieseck zu), sind besondere Verhandlungen vorgesehen. Der Gemeinderat nahm Kenntnis von dieser Mittei­lung und muß das Ergebnis der nun gepflogenen Verhandlungen abwarien 8 .

der Dien st Wohnung des von hier verzogenen Lehrers Braunewell wurde genehmig In nichtöffentlicher Sitzung lehnte der Geincmde- rat den gestellten Antrag auf Beschlagnahme verschiedener Wohnungen ab.

t Grünberg, 26. Sept. DaS Zeppelin- Luftschiff war gestern mittag auch von hier aus in Richtung über den Göbelnroder Wall» vortrefflich zu sehen. Im biciigen Dahn - hvfshotel ist ein Lj ch t s p i e l t h ea t e r ein­gerichtet worben, welches sich durch gute Cr ß- stad tprog ramme die Gunst der Einwohnersch st von Grünberg unb Hmgegcnb bereits erworbeu hat. Gegenwärtig zeigt es den ausgezeich: e ea, auch in Gießen mit bestem Erfolg vorgeführien FilmMutter".

Hrcis Fried berg.

VW. D u h b a ch , 26. Sept. Wie man ver­nimmt, geben zur demnächstigen Stadtrats- -w a h l die verschiedenen Parteien Stimm­zettel aus. Außerdem soll noch ein neutra­ler Stimmzettel erscheinen. Butzbach erhält vom 1. Januar 1925 ab Sladtrech'e. Gegen 1 - . llhr nachmittags überflog Der amerikanische, von Deut­schen in Friedrichshafen erbauteZeppelin", von Frankfurt kommend, die Richtung nach Gießen cin- schlagend, unsere Stadt. Ganz gewiß gibt es ein Wirken in manchen Vereinen, das ohne viel Aufhebens doch zum Wohle der Gesanttheit ge­schieht. Dazu gehört unftreifig Die Tätigkeit un­seres Geschichtsvereins. Durch Heraus­gabe von Zeitschriften und Büchern, Die im Dienste Der HeirnatkunDe stehen, durch Hnterhaltung von Museen und Büchereien, Die von Den Mitglie- Dern benutzt werben können, toirD viel Gutes ge­stiftet. HnD wenn sich nun Die benachbarten ©c- fchichtsvereine, beispielsweise Die von Gießen, Als­feld, Friedberg, Butzbach, in Die Hände arbeiten würden durch Ausiausch von Gegenständen, die in Die eine oder andere Gegend gehören, bzw. aus derselben kommen, durch gegenseitige Heberwei- fung von Schriften, Die sich auf Gießens, Als­felds, Friedbergs, Butzbachs^ Verhältnisse be­ziehen, durch gemeinsame Tagungen und Be­sprechungen allgemein interessierender Fragen, durch Abhalten von Vorträgen aus dem einen für den anderen Verein usw., so würde das füT jeden Verein von Vorteil fein. Einen glücklichen Anfang Damit machte Der Geschichtsverein Fried­berg, Der, wie schon berichtet, am vorigen Sonn­tag feinen Bruderverein in Butzbach mit einer Anzahl feiner Mitglieder besuchte.

* Bad Rauheim, 26. Sept. Zur Ver- befferung, Ergänzung und Erw'tterung der ge­samten Anlagen und technischen Ein­richtungen unseres Bad- und Kur- Hnternehmens beantragt de Regierung beim Landtag die sofortige Dewillvgung von 39 1 5 00 Mark. Die Herstellungen, die cckS dringlich bezeichnet ftnb, sollen alsbald in An­grift genommen und bis zur nächsten Kurzeit fertiggestellt werden. Cs handelt sich nach Der Vorlage der Regierung um eine ganz umfassende Außen- und Jnnenaufbcsserung des Dadebetr'ebS.

25. Bad Ola u beim, 26. Sept. In der heutigen Sitzung der Stadtverordneten w^rde bic Errichtung eines städtischen Schwimm­bades endgültig beschlossen Die dazu nötige Summe von etwa 56 000 Mk. wurde bewilligt. Es ist em Zementbecken mit neuzeitlich herge- richteten Hmkleidehallen vorgesehen.

sf. Friedberg, 26. Sept In der gest­rigen Stadtverordnetenversammlung wurde nach mehr als fünfstündiger Beratung endlich di. An­gelegenheit des Stadtv. Jakob lAngriffe gegen das Stadtbauamt, den Dauausschuß und de Friedberger Handwerker, erledigt. Wi- in dem früheren Berichte miigeteilt, hatte sich Der Stadtv. Jakob mtt dem Gutachten des Stadtbaudirek­tors Braubach von Gießen nichi beruß gt. son­dern die Ernennung eines von ihm gewählten Sachverständigen verlangt. Es war deshalb be­schlossen worden, beiden Parteien einen neuen Sachverständigen zu gewähren. Stadtv. Jakob

zu Taffen, die unnatürlich und verlogen toirf* mußten, weil sie nicht der Sprache Der Kinder entnommen waren. Ein erfreuliches, künstlerifches Ereignis war ein TanzspielSneewittch e n" einer Hamburger Mädchenvolksschulllassel Hier war eine kleine, innerlich engtoerbunbene Ge­meinschaft, die f 0 spielen konnte. Die Mäd­chen waren alle Freundinnen, das Sneewittchen ihre Führerirr, auch jetzt noch, nachdem sie Ostern d. Js. aus der Schule entlassen waren. Erne Sünde wider den Geist Der Tagung war Das Spiel Der Schillerschule (Frankfurt)Der arme Heinrich". Eine gute Schüleraufführung mit theaters Pi elenden höheren Töchtern. 5>ie Spiel« schar Der JugenD-Hochschulgemeinde zeigte in demGevatlser Tod" (von K. Mirbt) em charakteristisches Spiel Der Jugend mit seinen Fragen ohne Arttwort. Ein ftisches, lebendiges Stück, aus Der Jugendbewegung ent­standen, künstlerisch wertlos, aber lebcnDig spielte die Frankfurter ArbeiterjugenD: Spiel- manns Schuld. Bon hier aus führen Wegc zu eigenen Stücken der Jugend. Ein von Sym­bolik triefendes SpielMedia vita" der Frank­furter Quickborner und Jungborner, wollte einen neuen Glauben (oder Den alten katho­lischen in neuer Form?) zeigen. Es wurden Dabei alle MarienlieDer und Sterbelieder aus Dem Zupfgeigenhansl gesungen. Der Sinn blieb rätsel­haft. 2lls Abschluß sah man von Frankfurter und Offenbacher Reudeutschen lebendig, ohne Pose gespielt, denTeil" von Weinrich. Es ist der Teil Der heutigen Generation und Det? $eU der Jugend: aus Schiller bereichert, mit Sprechchören des Bolles, einfach und wuchtig und ohne das Schillersche Pathos, das nur Der Be­rn fsschauspieler sprechen kann.

Wenn auch die Tagung wenig Positi­ves brachte, im Regativen war sie um so wert­voller, und hieraus sind die neuen Wege ersicht­lich, die hinführen zu einer neuen Bühnen- fultur und Damit hoffentlich zu einer neuen deutschen Kultur. Hch. R. Proschold.