Er. Zweites Blatt
Donnerstag, 27. März 1924
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger fürGberhesfen)
Schüler besonders angehalten hat. Allerdings hat Hoffmann seinem Meister die „Maske" wohl niemals zur Durchsicht und Korrektur unter» breitet: sonst wäre es unverständlich, test zahllos« dilettantisch: Satzfehler in der übrigens recht originellen, zuweilen schon romantisch angehauchten und jedenfalls beachtenswerten Musik nicht beseitigt worden sind.
* Gin einheitliches Devisengesetz. 3m Aeichswirtschastsministerium wird, wir der „Dörsen-Courier" berichtet, ein Gesetzentwurf vorbereitet, der die Devisenverordnungen einheitlich zusammensaht. Obwohl die Regierung gewisse Sr-
Lschechen genau so angetan wie den Polen und den Franzosen. Sie versuchen fte mit Stumpf und Stiel auszurotten.
3m übrigen führt der Tscheche den Kampf gegen das Deutschtum vor altem aus wirtschaftlichem Gebiet. Zunächst hat er es auf den deutschen Grundbesitz abgesehen, gegen den er mit rigc rosen Entergnungsgcseten vorgeht. Ge^en das übrige deutsche Wirtschaftsleben arbeiten die tschechischen Behörden mit dein ungeheuerlichsten Steuerdruck. Dazu koinmt noch eine deutschfeindliche Personalpolitrk und ein geradezu grotesk wirkender Kampf gegen die deutschen Ortsnamen.
Der Tscheche macht also seiiiem französischen Auftraggeber rechte Freude, wenn er skrupellos gegen bad Deutschtum kämpst. Ob sich dieser Kamps nicht eines Tages doch einmal bitter rächt?
geschrieben, aber seine Handschrift findet sich in Verbesserungen und Anmerkungen. Dagegen hat der junge Künstler für die Ausschmück-ing selbst gesorgt und sowohl den Ginband des Textbuches wie die Einbände der drei Partituvakte mit Originalzeichnungen in Sepiamanier versehen und die Deckel schön bemalt. Diese reizenden Verzierungen, die die Begabung Hoffmanns als Zeichner im besten Licht zeigen, dienen auch zum reichen Schmuck her neuen Ausgabe. Der Text Hoffmanns ist hauptsächlich von Goethes Singspielen abhängig, llieben „Claudine von Billa Bella", an die sich die Handlung anschlfestt, ist der „Triumph der Ernpsindsarnkeit" benutzt. Für die Schilderungen von Sizilien und Athen, wo l:as Werk spielt, benutzte Hoffmann eine Reiseschilderung. die 1778 von Bernhard Reith aus bem Englischen übersetzt wurde, äleberhaupt fälll die Begeisterung des Dichters, der später einer ter Hauptsührer der Romantik werden sollte, für die Antike auf. Der „teutsche Waler" Treuenfels, in dem Hofsmann sich selbst dargestellt hat, schwärmt nur für die griechische Kunst.- „Wo könnte wohl ein Künstler lieber sein, als hier aus dem llafsischen Boden der Kunst — ich fühle mich begeistert, so oft ich in den Ruinen wandle und die Basreliefe studiere — alle meine Madonnen und Helligen habe ich weggeworfen aber Grazien — Heroen wlll ich hier zeigen." Die Musik ist ohne Mozart unb Gluck nicht zu lenken. „Don Giovanni" hat zweifellos die stärksten Spuren hinterlassen: die Airllänge daran sind zahllos. Glucks Etnfluh zeigt sich besonders in der 'Ballettmusik, auf deren straffen Rhythmus hinzuarbeiten Hoffmanns Lehrer Reichard! seinen
Die Agrarkrise.
Der Reichsausschuh für Landwirtschaft der Deutschen Volkspartei hat sich eingehend mit der gesamten Wirtschaftslage und namentlich der bestehenden Krise der deutschen Landwirtschaft beschäftigt. Als Ergebnis dieser Aussprache sind folgende Richtlinien aufgestellt worden:
1. Es ist Aufgabe der Reichsregierung, eine Steuerpolitik zu betreiben, die im Gegen- 1 sah zur bisherigen den Landwirt auf seiner Scholle erhält und bie Erzeugung nicht gefährdet. Rar durch gegenseitige Anpassung der Finanzpolitik des Reiches und der Länder erscheint es möglich, eine gleichmäßige und tragbare Belastung herbeizuführen. Rücllehr zu den bewährten früheren Grundsätzen der Dezentralisation, sowie dec individuellen Veranlagung und Belastung unter Berücksichtigung der tatsächlichen Bermögens- und Einkommensverhällnisse unter gleichzeitiger weitgehender Mitwirkung der De- rufsvertretungen ist geboten.
2. Die Leistungsfähigkeit der Landwirtschaft und bamit die Sicherung der Vollsernährung ist nur bei ausreichenden Preisen gewährfeistet. Der Grundsatz des Schutzes der nationalen Arbeit der anderen Gewerben gegenüber gilt, must auch für die Landwirtschaft wieder zur Geltung kommen.
3. Die durch die schwierige Lage der Landwirtschaft herbeigeführte Kreditnot bedarf dringend und schleunigst der Abhilfe, insbesondere durch Zuführung langfristigen, umfangreichen Kredits. Der der Landwirtschaft zustehende Rentenbankkredit muh sofort und in voller Höhe flüssig gemacht und zu erträglichen Bedingungen bereitgestellt werden. Die gegenwärtige H'ltung der Reichsbanlleitung hinsichtlich der Zinsbe- blngungen für die Landwirtschaft ist zu verwerfen. Eine ausreichende Zuführung vvn Hypo- thllenkredit erschrint nur möglich, wenn die Gewähr besteht, daß die Landwirischaft von weiteren Vorbelastungen befreit bleibt, zumal auch nur unter dieser Dovaussehung die Möglichkeit der Heranziehung von ausländischem Kapital gegeben erscheint.
4. Die Gestaltung der Eisen babntarife für landwirtschaftliche Erzeugnisse unb Bedarfsstoffe ist von höchster Bedeutung und daher im Sinne einer großzügigen, die Rahrungsmittel- erzeugung fordernden Regelung zu betreiben.
Ein Recht zum unbeschränkten Verkauf hat der neue Besitzer selbstverständlich nicht, er hat ja nur einen Teil der wirklichen Baukosten erlegt. Das Anwesen ist Heimställe im Sinne des Heim- ställengesetzes, das jede Spekulation verhindert und der Stadt Gelegenheit gibt, jederzeit ein» zugreisen.
Die Organisation und die Leitung des Feldzugs gegen die Wohnungsnot, sie sind Sache der Stadtverwaltung. Wird er mit Ernst und Eifer betrieben, so wird der Erfolg nicht aus- bleiben. Die Stadt Glesien ist in der Lage, ulten deutschen Städten ein Beispiel zu geben, wie die schlimmste Krankheit unserer Zeit, das Woh ungselend, bekämpft und überw-nden wer' den [ann. Regierungsbaurat Derth.
Wirtschaft.
Vom Wcltgetreidrmarkl.
3m allgemeinen blieben die Preise am Pro» buEtenmarlt in der vorigen Woche ziemlich stabil. Doch machten sich bereits am Ende der Woche kleinere Rückschläge bemerkbar, die insbesonder-: auf bie auherordentliche Gelddrappheit zurückzuführen sind. Wenn die Preise nicht stärker zurück- gingen, so mag dies wohl in erster Linie darauf zurückzuführen sein, bah bie Einfuhr von Getreide in letzter Zell burch bie scharfe Devisenrepartierung ziemlich stark eingeschränkt worden ist Auch bie Wetteraussichten aus ben verschiß teuften Teilen Deutschlands lauten recht ungünstig. Der Boten ist teilweise noch stark zugefroren, unb verschiedene Gegenden klagen über Auswinterung ter Saat. Ein dritter Faktor tritt noch hinzu Die Lanbbunbgenossenfchaften nehmen zur Zeit auf Grund von Vorschüssen der Reichsgetreidestelle große Vorräte auf, was eigentlich in Archetracht der Talfache, das) sich bie R. G. bemüht, ihre eigenen Vorräte teilweise mit Verlust loszuschlagen, recht seltsam erschein. 3n Händler- kreisen redet man in diesem Zusammenhang von einer „Attacke gegen den Berliner Hantel". Wie weit dies ben Tatsachen entspricht, mag dahingestellt bleiten.
De Verhältnisse Ruhlands in bezug auf die Getreideausfuhr liegen noch reichlich unklar. E.cklärte Kamenew noch kürzlich, test zur Stablli- slerung der russischen Valuta unb zur Senkung ter Preise bie Ausfuhr von Getreide ganjj eingestellt werden soll, so führte Krassin kürzlich in einer Rete aus, bah die Aufträge Ruhlands nahezu erfüllt Worten feien. Er erwähnte, dah bie bereits ausgeführte Getveibemenge für das Rechnungsjahr vom 1. Oktober ab, sich über 100 Millionen Pub beziffere, wahrend die noch zu liefernde Menge nur noch 10 Millionen Pub betrage. Dies dürfte ziffernmäßig Wohl richtig sein, bietet ater keine Handhabe, um die wirkliche Ausfuhrmenge Rußlands festzu stellen. Wie man sich erinnern dürfte, sind bereits feit längerer Zell an den deutschen Märkten erhebliche Rückkäufe für russische Rechnung erfolgt, die bie von Krassin angeführie Zahl beträchtlich herabmindert.
Die Lage am Weltmarkt erscheint im übrigen zur 3eit recht flau. Die Vorräte Amerikas und Kanadas sind noch ziemlich grob und drücken änderst stark auf den Markt. So verlautet aus Kanada, dah sich der Gxportüberschuh zur Zeit auf 20 Millionen Quarters Weizen beliefe Die Zahl dürfte, allem Anschein nach, wohl zu hoch gegriffen sein, doch verbleiben selbst bä einem Abzug von 25 Prozent von ter genannten Zahl noch ansehnliche Vorräte, _ die sich _ auch weiterhin drücken) auf ten europäischen Märkten bemerkbar machen werten. Der einzige Ausweg bleibt zur Zeit Japan, das immer noch sehr aufnahmefähig ist. Allerdings beginnen sich auch dort bie Aussichten für die Zukunft zu trüben, da man in mahgebenten japanischen Kreisen die Absicht hegt, 3mportzölle für Getreide einzuführen. & 1
Die Grotzhandelsindexziffer.
Die auf den Stichtag, 2 5. März, berechnete Grohhandelsindexziffer des Stall stischen Reichsamtes lautet 120,8. Sie ist gegenüber dem Stand vom 18. März (121,4) um 0,5 v H zurückgeaangen. Don ben Hauptgruppen sanken in dem gleichen Zeitraum Letens- millel von 107,4 auf 106,2 oder um 1,1 v. H, tennm die Gruppe Getreide unb Kartoffeln von 86,7 auf 85,2 ober um 1,7 v. H., während 3n- du'striestoffe von 147,4 auf 148,1 ober um 0ch v. H-, davon die Gruppe Kohle unb Eisen von 137,7 auf 139,0 ober um 0,9 v. H anzogen. 3nlanbs- waren gaben von 109,1 auf 108,3 ober um 0.7 v. H nach: Einfuhrwaren sllegen von 182,7 auf 183,4 oder um 0,4 v. H
Das neuentdeckte Erstlingswerk E. T. A. Hoffmanns.
Die Kunde von ter Auffindung eines bisher ganz unbekannten Erstlingswerkes von E. T. A Hoffmann, bie durch die Blätter ging, hat begreifliches 3ntereffe erweckt, tenn unser Wissen über bie Hugenteutwicklung dieses großen Dichters, der erst verhältnismäßig spät zur Reise gelangte, ist sehr spärlich. Run liegt Hoffmanns Erstlingswerk in einer schönen, beim Verlag für Kunstwissenschaft in Berlin hrrcrusgegetenen Ausgabe vor, unb zwar ist dieses Singspiel in 3 Akten „Die Maske" von dem Entdecker Friedrich Schnapp veröffentlicht Worten, indem er bas Textbuch ganz ungekürzt bavbietet, über bie Musik durch reichliche Proten orientiert unb alles Wissenswerte in den Erläuterungen mit» teilt. Der 23jährige Kammergecichts-Referen- teirius, ter bie Arteit im März 1799 vollendet Halle, schickte sie am 4. Januar 1800 an teil Direktor des Berliner Rationaltheaters 3 f f - la n b mit einem Bries, in tem es hriht: „Bor kurzer Zeit erhielten 3hro Majestät bie regierende Königin die vollständige Partitur, unb vor wenigen Tagen hallen sie bie G.iate, mich ausdrücklich auffordern zu lassen, Sw. Wohlgeboren die Bestellung des Singspiels vvrzuschlagen. Fern von jedem Eigendünkel, fern von jeder Vorliebe für mein Werk wage ich tefrar, Ew. Wohlgeboren vorderhand bloh zu bitten, den Text durchzusehen und mir dann zu sagen, ob, Denn er mit einer guten Musik vereinigt wäre, ixifl Singspiel einer Vorstellung auf dem hie-
zweckmäßige Art, wie hier die Baracken des < von ter Stabt erworbenen früheren Gefangenen- i lagers sich in Dauerbauten umsetzten, ist ter An- i erkennung des Fachmannes sicher. Die Stadt will ■ jetzt eine weitere Anzahl von Reubauten errichten. Gut, aber bas, was geplant ist, genügt bei weitem nicht! Es must eine ttx.it gröbere Zahl von Reubauten erstellt tvcrten unb berufen dazu ist, weil die private Bautätigkeit zur Zell ja aus bekannten Grünten versagt, die Stadt. Es fehlt an Geld! Gewist! Aber teenn man kein Geld hat, so must man andere Werte ein» sehen, über die man verfügt. ilni> die Stadt Gießen hat derartige Werte in ter Hand, es sind das Baumaterialien, vor allem das Holz des Stadtwiltes und bie Arbells- unb Kapital- traft ter Bürgerschaft.
Hinsichtlich des Stabllvalbes hat bie Stabt diesen Weg schon beschritten. Er wirb, wie wir lasen, das Gelb für einen Teil ter jetzt zur Ausführung fommenten Reubauten liefern. Der Weg kann ttxeiter ausgebaut werden. Es lassen sich — ter Staat hat das bei seinen Reubauten der letzten Hahre mit Erfolg versucht — Sägewerke in Oberhessen, vielleicht schon in nächster Rähe Giehens, ftnten, die ter Stabt bas erforderliche Bau- unb Schreinerholz aus ihren De- stänten baufertig verzimmert unb geschnitten liefern, wenn tue Stadt die entsprechende Menge Runbholz in den nächsten Jahren aus ihrem W<lld tem Sägettxerk zurückgibt. Die Stabt erhält so, ohne den Stadtwald allzusehr zu be- ] lasten, sofort das erforderliche Holz, und das Sägewerk hat Arbeit. Man baue Fachwerkhäuser auf Bruchsteinsockel, bie Gefache mit Fihgerten unb Lehm oder Lehmsteinen gefüllt, 3nnentt>änbe unb Decken mit Lehmmörtel verputzt — alles heimische Baustoffe zu großem Teile im Besitz ter <5.abt. „2lber wie sollten die Mittel für die Materialien, bie ter Stadt fehlen, aufgebracht toerten — Bruchstein, Kalk, vielleicht auch Lehm, Dachteckungs-, Schlosser-, 3nstallatrons-, Kanali- sa tipnsmatLrialie.i, Glas, Fenstevteschläge, Oes en? Woher bie Mittel für bie Löhne nehmen? Es । fehlt an Gelb! Es must Geld auf genommen werten, ter hohe Zinslast wirb trotz aller bei den Materialien erzielter Ersparnisse die Baukosten und bamit auch bie Mieten so hoch schrauben, dast nur Wohlhabrnbe für bie Reu bauten in Betracht kommen." Diese Einwände sind berechtigt. Aber es bäht sich ihnen begegnen. Die G eheuer Erwerbslosen müssen restlos zu b'.e'en Arbeiten zugezogen, die probuktlve Erwerbslosenfürsorge rach Möglichkeit in Anspruch genommen inerten. So lassen sich bie Kosten schon wesentlich erniedrigen. Unb das Hauptmittel hierzu ist oben genannt: Die Arbeits- und Kapitalkraft ter Bürgerschaft. Ungewöhnlichem must man mit
I Ungewöhnlichem begegnen! Man fente Listen von Haus zu H«us. Richt um einmalige Beiträge, nein, allmonatlich möge jeder, ter über ein Heim
I verfügt, für bie im Elend sitzenden Volksgenossen so viel zahlen, als er irgendwie aufbringen kann. Eine freiwillig übernommene Pflicht, bie jedem entbehrlichen Genust vorangehr-n must. Deutsch- j lanb hat im Januar 1924 für 14 Millionen Goldina rk Südfrüchte eingeführt. Aus dieser Ziffer kann man auch in biefem Zusammenhang gewisse Schlüsse ziehen, ilnb tver sich rüstig fühlt unb einigermasten Zeit hat, ter stelle ter Stabt seine Arbeitskraft zur Verfügung, benenne bie Zahl I von Stunden, die er allmonatlich leisten will.
Es gibt auf ter Baustelle Arbeiten genug, bie Ungelernte mit etwas gutem Willen versehen können. 3hr national Gesinnten, 3hr sozial Den- kenrren, 3hr kirchlich Gerichtete::, hier ist ein Felb, auf tem man seine vaterländische Gesinirung, seine Rächstenliete in bie Tat umseht und be- ttoeist! Sport- unb Turnvereine, h er kann körperliche Ertüchtigung mit einem edlen Zweck verbunden werten, die Schaufel des Erdarbeiters werde zum Uebungsgerät. Studenten, frier ist ein Tummelplatz für bie überschüssige Kraft. Hub die Reichswehr, wäre ihre Beteiligung an ben Dauausiührungen nicht zu ermöglichen? Sie hat in ihren Reihen zahlreiche gelernte Handwerker.
Von allen Kanzeln teerte ter Kreuzzug gegen I bie Wohnungsnot eindringlich unb ; naolassg ausgerufen: jeder Einsichtsvolle kläre Zttoeifelnte aus, hämmere Gleichgültigen bie unbedingte Rotwendigkeit des edlen Werkes ein! So muh das Ziel zu erreichen sein, das Ziel: ein neuer Stadtteil mit einfachen, gesunden unb ausreichend groben Wohngebäuden, in ter Hauptsache wohl Doppelhäuser, jedes Gebäude zum Alleinbewohnen. Die Mieten sind gering, tenn es find nur die ter Stadt erwachsenen Selbstkosten zu verzinsen, alle von ter Bürgerschaft aufgebrachten Mittel, alle ohne Entgelt geleistete Arbeit, sie dürfen die Bauten und damit die Mieten nicht belasten. So I ist jeder Bewohner in der 2age, nach und nach durch W'-ahluna feine Wohnung in den eigenen Besitz überzuführen, ein eigenes Heim zu gewinnen: es must übrigens einem jeden Gelegenheit gegeben sein, sich von vornherein für sein Haus mit Geld und Arbeitskraft zu betätigen.
Das Wohnungselend in (Stehen.
Wir tvcrten um die Aufnahme der folgenden Ausführungen gebe len.
Die Red.
Es sind sicher nicht tecnigc aetoefen, die vorgestern abend den „Giestener Anzeiger" entsetzt aus ter Hand legten. „Unmöglich, in unserem guten Gieren ein Wohnungselend derart." Unb doch, es ist so, bie traurige Tatsache ist wahr, test frier in (Sieben eine Menge Menschen in jämmerlichen Höhlen an Leib unb Seele verkommen! Was nützen alle Fürsorgematznahmen, Unterstützungen und dergleichen, toer.n das Haupt- übel, die elende Wahrung, bleibt Man bekämpft Symptome, bie Krankheit aber wuchert weiter. Es must endlich etwas ülmfassenteS von Grund auf gegen diesen Krebsschaden geschehen! Das ist eine soziale und deshalb auch nationale Pflicht, eine Pflicht die wir unserer Kinder halber nicht ernst genug nehmen können. Sie werten ernten, was jetzt gesät wird. Es ist doch klar, test jene, bie das Vaterland in Höhlen auf wachs en lästt, ihm das einst entsprechend tenfen werden. Vater» landslose Gesellen, sehr ricfr'ig, aber doch deshalb, weil bas Vaterland sie im Stich gelaßen hot.
Wie kann geholfen toerten? Rur durch Errichtung von Reuwohnungen. Die Stabt Gehen hat, das wird gern zugegeben, in dieser Hinsicht in ben letzten 3ah.cn ja schon viel getan. Die Häuserreihe" in ter Kaiserallee, in der Gnauthstiaste sind tüchtige Leistungen und die
figen Theater wert fein würde. Sollte das der Fall sein, so bin ich, da ich bas Gewicht meiner Obturität in ter musikalischen Well nur zu sehr fühle, bereit, meine Partitur einer gewisseichaften Beurteilung zu unterwerfen. Sind künftig Ew. Wohlgeboren jtur Annahme des Werks geneigt, fo übergebe ich in einer zu bestimmenten Zell dem Theater eine korrekte saubere Abschrift des Textes unb ter Partitur, wobei es sich von selbst versteht, test ich babei nicht auf den kleinsten Vorteil rechne." Des weiteren bittet ter junge Dichter 3fflanb, „mich nicht in die erbärmliche Klasse kunstpfuschcnter Dilettanten zu setzen, welche man, ohne sich auf ben Wert oder ilnircrt ihrer Produkte einzulassen, unbedingt abtveist und meinem Werk — mir selbst — Aufmerksamkeit zu schenken. Ew. Wohlgeboren hoffe ich bann noch zu überzeugen, test unerachtet aller Ausfor- terung nur eine gewissenhafte kritische Vergleichung meiner Komposition mit ten Werken groster Meister mich bestimmen konnte, einen Versuch, mich als Komponist bekannt zu machen, zu wagen." Zum Schlust bittet er, seinen Ramen zu verschweigen.
Wenn Hoffmann auf dieses Gesuch Überhaupt eine Antwort erhielt, so tourte er jedenfalls abschlägig beschieten und erhielt ten Text zurückgeschickt. Dagegen blieb bie der Königin Luise übersandte Reinschrift ter Partitur und des Textbuches im Besitz teö Königshauses unb schlummerte In der Musikbibliothek ter tgL Haus- bibliothek im Berliner Schlost 123 Jahre, bis es Schnapp als teS bisher verschollene Iugend- toerf HcsfmannS feststellte. Zwar sind weder Text noch Partitur von Hoffmann eigenhändig
Die Deutschen in der Tschechoslowakei.
Soeben haben bie Deutschen tes Halisch i n e r Ländchens durch die Wahl zu den Gemeintevertretungen vor ter Welt und tem Döllecbund zisfernmästig betoiefen, dah rfrre ditta- torische Abtrennung vom deutschen Mullerlante und zttxrngsweise Angliederung an die Tschechoslowakei nicht nur ein himmelschreiendes Unrecht, sondern geradezu ein Verbrechen gegen bas im Völkerbund angeblich so frelltg gehütete Selb.t- bestimmungsrecht der Völler darstellt. Wahrend ter sogenannten Friedensverhandlungen in Versailles hat Wilson einmal das Wort ausgesprochen: „Die Bevölkerung eines Landes darf nicht wie Figuren aus dem Schachbrett hin und her geschoben werden!" Trotzdem hat Wilson das Versailler Diktat unterschrieben, das ohne Volksbefragung Millionen von Deutschen in die Gewalt sremder Staaten brachte. Und nicht nur das im Versailler Diktat wurde die brutale Vergewaltigung von Millionen von Deutschen im Osten und Westen unb im Süten des Reiches durch regelrechte Raubstaaten betvustt verankert, ter Terror gegen die unterdrückten Deutschen tourte darin geradezu zu einem Rechtsmittel gestempelt.
Polen sollte man hierbei eigentlich ganz aus dem Spiel lassen: es steht seit seiner Begründung abseits jeglicher Gesittung und Kultur, abseits jeglichen Rechtsgefühls, abseits aller Rechts- ftaaten. Es ist tes durch Blut- und Siegesrausch unzurechnungssäfrige Frankreich im größten Urzustand. Von diesen beiten Staaten ist bis aus weiteres ein normales Rechtsempfinden gegenüber allem roaS deutlich ist, nicht zu erwarten, um so weniger als sie die Reattion ihrer Schandtaten gegen alles, was deutsch ist. wie ten jüngsten Tag fürchten.
Es ist ausfallend, test alle Staaten, bie in enger Verbindung mit Frankreich stehen, mehr und mehr die Rechtsbahnen bei ter Behandlung deutscher Minderheiten verlassen und in finn- lcser Wut alles Deutsche zerstören. Zu diesen Staaten gehört in erster Linie die Tschechoslowakei ein Staat, ter im 3ntereffe seiner wirtschaftlichen Entwicklung mit seinen deutschen Minderheiten zusammenarbeilen und auf gute Beziehungen zum Deutschen Reiche Wert legen sollte. Nichts von alledem, das Gegen.eil von tem ist der Fall, tvas so ost von ter tschechischen Regierung unb 'seinem rüfrrfamen Außenminister D. Bene s ch behauptet tvorden ist. Seine Worte wird man in Zukunft überhaupt nicht mit einem sondern mindestens mit drei Fragezeichen versehen müssen, nachdem durch die Beiössentlichu ig del französisch- tschechischen Geheimrertrages bckannt geworden ist test tatsächlich ein Militärverttag zwischen beiten Staaten besteht, ter sich in erster Linie gegen Deutschland richtet.
Run haben im Hultschiner Ländchen endlich die Gemeindewahlen ftat gefunden, nachdem sie im vorigen 3a fr re von dec tschechischen Regierung abgebrochen und sür ungültig erklärt worden waren, als sich ergab, test sie einen glänzenden deutschen Wohlsie; erbringen warten. Angeblich sollte unlauierS Wahlpropaganda vor ben Wahllokalen getrieben worden sein. Das war selbstverständlich ausgemachter Scharindel. Schin die Tatsache, test man die Reuwahlen entgegen allen versassungS- und gesehmastigen Vorschriften säst ein 3ahr hinauszögerte, erbringt ten Beweis, test man damit politische Ziele verfolgte: man wollte es in ter Welt nicht i-uchbar werden lassen, test das Hultschiner Ländchen ein rein deutsches Gebiet mit einer kleinen tschechischen M nderheit ist, tes man ohne die geringste Rechtsgiundlage der Tschechei angeglie- bert hat. 3n ter Zwischenzeit glaubte man durch Verpflanzung zahlreicher tschechischer Beamten unb Solbaten und durch entsprechende, den Deutschen in ben abgetrennten Gebieten nur zu bekannten Schikanen und Drohungen tes Wahlergebnis fälschen zu können. Eme verfehttr Spekulation: 3n allen Ortschaften Haden bie Deutschen einen überwältigenden Sieg errungen. 3n Deutsch-Kra warn z. B. erhalten die Deutschen 23 Sitze, bie Tschechen 7, In Kathen 19 Sitze, die Tschechen nur 5.
Aus den unteren Orten liegen die Endzahlen noch nicht vor, doch ist tes Verhältnis etaoa überall tes gleiche.
An sich überrascht bie Tatsache nicht: ietem Kenner ter Verhältnisse ist bekannt, test tes Hultschiner Ländchen trotz ter Terrorakte, bie gegen die Deutschen von ben tschechischen Behörden ausgeübt ttoerten, feinen völlig deutschen Charakter behalten hat, unb test dir Hu tschmer Deutschen um ihr Deutschtum einen verzw.ifeltcn Kamps führen. 3st es nicht geradezu absurd, wenn man angesichts tes eben bekannt w rteilten Wa' l ergebnisses hört test es im ganzen Hult- fchiner Ländchen nicht eine deutsche Schule gibt? Die deutsche Schule hat es den
Die ideale Klembibliothek.
Der Verein Dresdner Buchhändler hat in einem Preisausschreiben b'e Frage auf- gestellt: „Welche 20 Bücher bilden tee beste Grundlage für eine Hausbibllothek?" Wie im Börsenblatt für ten deutschen Buchhandel mllge- tcilt wird, ist eine vollständig genügende Antwort auf diese Frage nicht gegeben worden. Preisgekrönt tourten die Antworten, dir der folgenden Zusammenstellung am nächsten kamen: Geschichte: Bork v. Warienburg, Weltgeschichte in Umrissen: Gustav Fvetztag, Bilder aus deutscher Vergangenheit. Geographie: Seydlitz, Handbuch der Geographie, Westermarnz Atlas. Literatur: Schcrer- Walz-el, D -utsche Literatur Diegler Weltliteratur. Ku stgesLichte: Wi t nhage i Kunstgeschichte (auch Mufügeschichtc). Griundhell: Boa, Bach vom gesunden und kranken Menscheii. Rechts- Wissenschaft: Bürgerliches Gesetzbuch; Frietens- Devtrag. Wörterbuch: Duden. Klassiker: Goethe, 6d)rller, Hebbel, Shakespeare kAuswahl in je vier Bänden). Verschiedenes: Bibel: Aveaarius, Hausbuch deutscher Lyrik; Busch, Humoristischer Hausschah; Grimm. Märchen: Kürichners Lerikon.


