Landwirtschaft und Gartenbau.
Nochmals: Don der Zubereitung des Kartoffelackers.')
Ei» sehr bemerkenswerter Versuch in Larrg-SönS.
Die vorige Samstag-Rummer Des „Gießener Anzeigers" brachte eine Schilderung der Art und Weise, in der ein bekannter Landwirt seine Star» toffelschlage vorbereitet. 3m Anschluß an diese Ausführungen soll nachstcchend über einen Versuch berichtet werden, bei dem die dort vertretenen Grundsätze und Erfahrungen mit den in hiesiger Gegend allgemein üblichen Borbereitungs- Methoden in Vergleich gesetzt wurden. Der Versuch wurde in einem praktischen Betriebe der Umgebung Dietzens (bei Albert Brücke! in Lang-Go ns) vvm hiesigen Landwirtschaftlichen Institut im verflossenen Jahre durchgeführt.
Vorfrucht war W.-Weiten. Die für den Versuch ausgewählte Fläche wurde sofort nach der Ernte flach geschalt und die Schälfurche ein» geschleppt. 3m Spätherbst erfolgte die tiefe, schmale Wintersturzfurche. Anfang Januar Warden die Kali- und Pbvsphvrsäuredüngemlttel auf die rauhe Furche gestreut. Dann, ebenfalls Anfang Januar, wurde mätzig verrotteter, ziemlich kurzer Stallmist auf gefahren und sofort gleich» mäßig gebreitet Jetzt wurde die Dersuchsfläche in zwei gleiche Hälften geteilt War die bisherige Bearbeitung und Behandlung für die gesamte Dersuchsfläche gleich, so gestalteten sich die jetzt folgenden Maßnahmen für die beiden Hälften verschieden:
Die Bearbeitung der Fläche I erfolgte 'm ortsüblich« Weise. Ihre Durchführung war dem Dersuchsansteller überlassen und wurde von ihm sorgfältig ausgeführt Der Stallmist wurde nach dem Auffahren im Januar sofort flach unter» gepflügt Aach Abtrocknung des Ackers im Frühjahr wurde als Vorbereitung zum Auspflanzen der Kartoffeln geeggt gewalzt, aufgeeggt, gepflügt geeggt geschleift.
Auf der Fläch? 11 blieb der Stallmist den Winter über gebreitet liegen. 3m Frühahr bestand die ganze Vorbereitung in einem dreimaligen Bearbeiten der mist bedeckten Flache mit dem Kultivator. Der erste Arbeitsgang war zunächst flach Der zweite tiefer, der dritte so tiefgreifenb, all Der Kultivator gestattete. Mit stumpf gehängter Egge wurde noch leicht abgeeggt. Sämtliche Be° arbeitungsmatznahmen folgten sich unmittelbar Ihre Durchführung, wie auch die der später fol genden Pflegearbeiten bereitete bei obenauf gebreitetem Stallmist keinerlei Schwierigkeiten.
Hierauf wurden Flache 1 und II in 63 Zentimeter Entfernung markiert, der zugedachte Stlck-
*) Anmerkung der Redaktion. Die» tenigen Landwirte, die ihre Kartoffelacker bereits fertig hergerichtet haben, werden gut tun, diesen Aufsatz sorgsam aufzuheben, um dann für da- nächste Wirtschaftsjahr aus ihm Ratzen zu ziehen Die übrigen, die ihre Aecker ähnlich wie bei dem Versuch vorbereiteten und mit der Arbeit noch nicht wert vorgeschritten find, sollten diese Anleitung zur Gewinnung höherer Erträge schon jetzt befolgen.
fivffdünger gestreut und die Kartoffeln (Lembkes Industrie Original) gelegt Gegen Abend wurden sie mit dem Werrdepflug gedeckt Die später folgenden Pflegearbeiten mit Walze. Egge, Handhacke Hack- und Häufelpflug wurden in dec hier üblichen und allgemein bekannten Weise auf beiten Flächen gleichmäßig sorgfältig ausgefuh.t
Die Fläche II, auf welcher der Stallmist den Winter über gebreitet gelegen hatte und wel'che Im Frühjahr nur mit dem Kultivator bearbeitet tourte, ließ schon bei der Bestellung die belanntcn @aretf(Meinungen in ausgeprägter Form hcrvor- treten. Sie zeigte sich auch die ganze Entwicklungszeit hindurch in dieser Beziehung der Fläche I überlegen. Der Stallmist war zum größten Teil innig mit der Oberkrume vermischt, der Heinere Teil lag deckend obenauf. Die Versuchsfrucht se.bst Uetz in der ersten Hälfte der Vegetation zwischen Fläche I und Fläche II keine Unterschiede in der Entwicklung erkennen. 3n der zweiten Vegetationsperiode. etwa v)n Mitte Juli ab, trat auf Fläche II eine zunächst geringe lleberlegenheit h r° vor. die sich jedoch immer mehr beriläette und sich schliesslich im September und Oktober deutlich in Wuchs und Färbung des Krautes ausprägte. Wahrend der Trockenperioden im Juli und Aug. zeichnete sich stets Fläche II der Fläche 1 gegenüber aus durch einen gesunden, normalen Feuchtigkeitsgehalt Bei der Ernte war auf Fläche I daS Kraut fast vollständig abgestorben, auf II zeigte die Versuchs frucht noch eine üppige und kräftig grüne Farbe.
Ausschlaggebend für den praktischen Landwirt ist natürlich der Erfolg. Am 16. und 17. Oktober wurden die Kartoffeln geerntet Der Ertrag der beiden Hallten wurde mit der Wage genau fest gestellt Bei vollständig gleicher Düngung mit Stallmist, bei gewichtsmätzlz gleicher Versorgung der beiden Hälften mit künstlichen Düngemitteln und bei gleichmätzlg sorgfältig ausgefüh.ten Pflegearbeiten, aber bei einer unterschiedlichen Verwendung des Stallmistes und bei einer unterschiedlichen Vorbereitung der beiden Flächen, lieferte die Fläche II einen der Fläche 1 um 36 Zentner Kartoffeln pro Morgen überlegenen Ertrag.
Fläche I war also in ortsüblicher Webe virbereitet: flaches tlntecpflügen des Stallmistes und im Frühjahr Vorbereitung des Ackers durch tixn- benbe Pflugarbeit Aus Fläche II blieb der Mist den Winter über gebreitet liegen, die unmittelbare Vorbereitung erfolgte unter Verzicht auf eine wendende Pflugfurche nur mit bodenlockern- den. aber möglichst tiefgreifenden Geräten. Wenn nun die Gründe für den auf Fläche II bewirkten Mehrer trag gefunden werden sollen, s) dürften etwa folgende Momente in erster Linie verantwortlich gemacht werden:
1. Das sofort nach der Ernte erfolgte Schälen der Stoppeln, gefolgt von dem EinscSeppen der Schälfurche, erhielt und erhöhte die Dodengare.
2. Die tiefe Winterfurche schuf die in der Kartoffelkultur so wichtige tiefgehend Lockerung.
Diese beiden Momente kämen Fläche I u. II in gleicher Weise zugute. Mit der Ertragssteigerung auf Fläche II stehen vor allem die folgenden Punkte in ursächlichem Zusammenhang:
3. Der obenauf gebreitete und durch Me spatere Bearbeitung nur mit dem Kultivator ganz flach untergebrachte Mist erfuhr unter dem ungestörten Zutritt ter Luft und der Riederschlage eine schnelle und energische Umsetzung. Sine schnelle und sichere Bereitstellung toirt.amer Dak- tetiennabrung. sowie leicht aufnehmbarer Pflan- zennährstosfe war die Folge.
4. Die tiefgreifende Bearbeitung mit dem Kultivator ohne wcncende Frühjahlssurche schuf der in. hohem Matze luftbedürftigen Kartoffel erwünschte Lockerung und störte autzerdem in keiner Weise die Dodengare. die als das Ergebnis der Tätigkeit der Ratur aufzufassen ist.
5. Ein weiteres forderndes Moment ist die durch den Stallmist geschaffene Bedeckung des Bodens. Sie wirkte in erster Qinie_ feuchtlakeits- erhaltend, wärmekonservierend — gärebesöroernd.
Die dem Versuch zugrunde liegende Bear- beitungsmethode stimmt mit den in der vorigen Samstag-Rummer vorgeschlagenen Massnahmen im Prinzip überein. Sie ist nur in ihrer Durchführung vereinfacht unter besonderer Berücksichtigung des dem Mittel- und Kleinbetriebe immerhin nur in beschränktem Umfange zur Verfügung stehenden Gerätematerials. So düriten doch w)hl nur die wenigsten bäuerlichen Wirtschaften über Scheibenegge und Sack- schen Sief grubber verfügen. Immerhin zeigt das Dersuchsergebnis, datz die Dearbeitungsmethoden. tote sie in manchen auf dem Gebiete der Kartosfel- erzeugung fuh.enden Grotzbetrieben geübt werden. auch in Heineren Betrieben mit hohem Vorteil für den Ertrag zur Anwendung gelangen können.
Der die Kartofsellultur beherrschende Grundsatz lautet: Lockerer Kopf und lockerer Fuß! Die Kartoffel ist die Pflanze des leichten Bodens. Sollen auch auf schwereren Böden gute Kartoffelernten erzielt werden, so muh eine zweckentsprechende Bodenbearbeitung diesen die Struktur der leichten Böden, insbesondere deren vorzügliche Durchlüftbarkeit, geben. Im Gegensatz hierzu verlangt der Komerfruchtbau lockeren Kopf und festen Fuh. Bei Getreide, Hülsenfrüchten. Raps und auch bei Rüben soll der ebenfalls gut und tief durchgearbeitete Boden möglichst durch natürliches Abruhen in der HnterErume wieder eine gewisse Festigkeit und Dichte besitzen; er soll „Schluß" haben, d. h. die kapillare Verbindung zwischen Ackerkrume und Hintergrund soll wieder hergestellt sein. Es werden hier bei den Vorberel- tungsmahnahmen also gewisse grundsätzliche Unterschiede zu beachten fein. Dr. Kl.
Mehr düngen!
Wer ein Stück Land zu bebauen hat, sorge, bevor er zur Arbeit schreitet, zunächst für den notwendigen Stalldung. Mag das Land noch so gut btflellt und die Saat oder die Pflanzen von bester Beschaffenheit sein, die Mühe ist so gut wie vergebens, wenn es am Dünger fehlt. Das klingt so einleuchtend und jeder Gang durchs Gärten und Felder predigt es so eindringlich, datz dieser Hinweis eigentlich überflüssig sein mützte. Wenn man aber sieht, wie magerer ausgehungerter Boden, auf dem als llnfraut die Hungerblümchen wachsen, mit gehaltloser Asche oder mit trockenem Laub gedüngt wird, so mutz man sich fragen, ob es recht sei, datz man solchen Leuten Land
ürtbertraut, Vas unter lacygtzmatzer DerocrrKW» tung einen vielfach reicheren Ertrag abwerfe« wurde. Wer keinen Diebstand besitzt, um Dünger selbst In ausreichender Rkenge erzeugen zu können, auch nicht in der Lage Ist. welchen zu taufen, der lasse die Hand vom Gartenbau.
Der Rosenkohl,
eines unserer feinsten Gemüse, wird, da sein Der» brauch in die gemüsearme Zeit des Winters fällt und der Preis ein lohnender ist, noch zu wenig gebaut, und wo man ihn baut, werden häufig Fehler begangen, welche den Ertrag in Frage stellen. Er ist njcht anspruchslos und verlangt: 1. Reichlich Zeit zur Ausbildung. Die Spc-vssen- ober Rosenbildung seht nämlich erst dann ein, wenn die Pflanze bereits den Höhepunkt ihrer Entwicklung überschritten hat. Tritt dieser Zeitpunkt zu spät ein, so wird die Sprossenbildung entweder ganz unterbleiben ober doch nur unvollkommen v)r sich gehen können. Man matz also Rosenkohl gleich mit den ersten Gemüsepflanzen säen und Pflanzen, keinesfalls später als Frühkohl. 2. Braucht er viel Rahrung. Man gebe ihm da nur reichlich frisch gedüngtes, in alter Kraft stehendes Land, ähnlich wie dem Blumenkohl, denn in magerem Boden bekommt man nur Blätter, aber keine Rosen. 3. Verlangt er, was häufig übersehen wird, zu seiner Ausbildung im Spätsommer und Herbst viel Platz. Der Abstand der einzelnen Pfl<mzen-"sollte nicht unter 70 Zentimeter sein. Bester ist ein svlcher von 1 Meter. Es wird daher empfohlen, Rosenkohl durch Zwifchenpflanzung von anderen Gemüsen, die bald verbraucht werden, wie Ober» kvhlrabi, Salat usw. rentabler zu machen. Man kann ihn aber auch zwischen Frühkartoffeln bauen. Die Kartoffeln sind im August meist schon ver» braucht. Er wird bann nochmals Behäufelt und gejaucht. Er hat nun reichlich Luft und Licht, um ^zahlreiche, feste Rosen auszubilden. Meist schneidet man im September bie oberen Spitzen der Pflanzen aus. Es gibt aber auch Sorten, bei welchen das Kappen der Pflanzen nicht nötig ist. In strengen Wintern erfriert der Rosenkohl Man hebt ihn darum im Spätherbst aus, schlägt ihn siegend ein und deckt ihn mit Reisig zu. Bester noch ist ein frostfreier, Heller Raum, wo jederzeit geerntet werden kann.
Fragekasten.
Frage 15: Welchen künstlichen Dünger tanit man jetzt noch für Obst, einschl. Beerensträucher, Gemüse und Blumen im Hausgarten anwende» und wieviel braucht man auf 100 Quadratmeter?
Antwort: Ist das Land im Herbst oder jetzt mit viel Stalldünger gedüngt, so wird eine Zugabe von künstlichem Dünger wahrscheinlich wirkungslos fein. Wenn das aber nicht oder nur unvollkommen der Fall war. empfehlet wir Ihnen Prof. Wagners Gactendünger. Man rechnet da? von auf 100 Quadratmeter 4 bis 5 Kilogramm, hie man gleichmätzlg ausstreut und beim Graben mit unterbringt
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