avmmen worden feien, ist unrktyttg. Haftbefehle sind vom Untersuchungsrichter des StaatSgerichtShofeS zum Schutz der Republik erlassen worden gegen Ruth Fischer, Glhlewicz, Scholem und Iwan Katz. Außerdem schweben einige Haftbefehle aus anderen Gründen.
Ein Kommunistennest ausgehoben.
Weimar, 25. Oft. (TU.) Ein guter Fang ist der hiesigen Polizei geglückt. Sie hat hier zwei bekannre Kommunisten, den an der kommunistischen „Reuen Zeitung" beschäftigten 0 ß w a l d und einen gewissen T r o w - nitz, festgenvmmen, die beide inzwischen in Untersuchungshaft in Weimar eingeliefert worden sind. Besonders bei dem letzten wurde reichliches Material beschlagnahmt, das insofern äußerst wertvoll und von größtem Belang ist, als es sich dabei um die militärische Organisation, des Planes der Vorbereitung des Aufruhrs, um geheime Zeichnungen von Maschinengewehren, Handgranaten usw., geheimzuhaltende militärische Instmktionsbücher usw. handelt, worauf näher einzugehen nicht im Interesse der eingeleiteten Untersuchung liegt. IedenfallS geht aber auch hieraus wieder hervor, daß die Kommunisten ihre Berichterstatter an Stellen haben, an denen man sie nicht vermuten würde, wenn man chre Praktiken nicht zur Genüge kennte.
Beschlagnahme einer kommunistischen Zeitung. Hamburg, 24. OEt (WTD.) Die Polizei hat gestern die „Hamburger Volksztg." wegen dringenden Verdachts der Vorbereitung einer Aufforderung zum Hochverrat beschlagnahmt. Außerdem hat die Polizei die Staatsanwaltschaft ersucht, gegen das Blatt wegen der gestrigen Veröffentlichung etn- zuschretten.
Die Plädoyers im Prozeß gegen die Organisation C.
Leipzig, 24. Oft. (WTD.) Zum Plädoyer im Prozeß Hoffmann und Genossen nimmt erst Reichsanwalt Riethammer das Wort: Die Verteidigung ergab das gleiche Bild wie die Anklage es festgeftellt hat. Es ist verständlich, daß di« Ehrhardtofsiziere ihrePflicht zurTreue über alles gestellt haben. Die ganze Sache ist erst bedenklich geworden, als es in Oberschlrsien polnische Ausstände abzuwehren galt. Da haben Verhandlungen stattgesunden mit dem Ergebnis, daß Hoffmann und Killinger sich für berechtigt hielten, für den erwarteten Po len ausstand ein A'bwehrregtm e n t zu bilden und die Vor- bereittrngen hierzu durchaus geheim zu halten. Für eine militärische Gliederung brauchte man aber kerne Satzungen. Die Satzungen haben kämpfen wollen gegen Einrichtungen, die . die Angeklagten als antinational ansahen. Man wollte bei inneren Unruhen das Gewicht der Organisation m die Wagschale Wersen. Diesen 'Zweck hielt man vor der Regierung g e h e r m. , Das ist ein strasbares Merkmal. Dte Angeklagten ' hätten größtenteils den Rebenzweck der O. E. ge- - tarnt, der den Tatbestand der Geheimbündlerei nach § 128 des StGB, verwirkliche. Dre Ange- r klagten haben aber auch glauben dürsen, daß sie berechtigt waren, ein Regiment Süd cruszustellen. Insoweit die Angeklagten den geheim zu haltenden Zweck, daß die Organisation eine Macht im Staate sein sollte, gekannt haben, sind sie schuldig.
Bezüglich des Strafmaßes darf, nachdem die Haltlosigkeit der Angriffe gegen die O. C. geklärt ist, der Meinung in der Oesfentlichkeit, daß es sich um eine M'örderorganrsation gehandelt habe, nicht Rechnung getragen werden.
Für polittsche Zwecke ist nichts geschehen als daß eine toenig gelesene Zeitschrift herausgegeben wurde, die schwerlich aus reizend gewirkt hat. — Die Strasanträge lauten aus 1 bis 2 Monate G e s ä n g n i s, die sämtlich in Geldstrafen umzuwandeln sind und durch die Untersuchungshaft als verbüßt gelten. Die Angeklagten Hossmann, Killinger, Müller, Kautder, Siebes, Henkel, Krebs und Wegelin werden davon betroffen, die übrigen sollen freigesprochen werden.
Der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Lütge- brunn führte u. a. aus: Der Prozeß hatte zum Ergebnis, daß die Anschuldigungen gegen die O. E. in nichts zerfallen sind. Der Beweis für eine politische Einstellung ist nicht erbracht Worten. Richt mit einer Silbe ist den Ange legten widerlegt worden, daß zur damaligen Z.it die Organisation noch im Stadium der Gründung war. Die Statuten haben niemals Gülttgkeit gehabt. Die Ziele, die nach Ansicht A des Reichsanwalts geheimc-ehal en werden sollten, sind ja in der Zeitschrift „Wiking" öffentlicherörtert worden. — Rechtsanwalt Bloch erinnerte an die Verdienste der Ehrhardtbr'ga^e. Die Angeklagten feien Schützer und Schirme der Republik gewesen. — Justizrat Hahn erklärte, das wichtigste Erlebiris des Proze ses sei die Erledigung der Behauptung von tem Bestehen einer Mordzentrale.
Der Abbau bei der Nepko.
Pa ris, 25. Oft. (TU.) Die Reparations-- rommission setzte ihre Beratungen über eine beträchtliche Verminderung des Etats urd- des Personals der Reparationskommission fort. Die Reuregclung des gesamten Repara- kionsplans auf Grund des Londoner Protokolls bringt eine erhebliche Verringerung der Aufgaben der R?parationstommis!ion nil sich. Aufgaben, die früher von öcr Reparationskommission zu erfüllen waren, werden jetzt durch den Agenten für Reparationszahlungen und durch die verschiedenen Kommissare für die Reichsbanbant, die Eisenbahn, die Einnahmen Deutschlands usw. erledigt. Da li- .Kosten der Reparaftonskommission, der interalliierten Kon- trolltommissionen und bet Besatzung-Kirmse aus der von De utfch l a n £> ?hlenden Summ b <- ü r i .* : tc werden naNch n, sollen die Konen oi 0r gewaltig ang?schwollenen Der waltungsorga: isakkon so ftarl wie möglich per- ri ng c r t werden-
Die Kolonialmandate.
Die englische Herrschaft in Kamerun.
Genf, 24. OEt. (WTD.) Die Mandatskommission des Völkerbundes prüfte heute in geheimer Sitzung die Berichte über das japanische Mandat in den Südseeinseln, über das englische Kamerunmandat. Der Vertreter der japanischen Regierung, S u g i m o r a. und der englische Vertreter, T o m l i n s o n, ergänzten die Berichte ihrer Regierungen durch Angaben über die Sklaverei, die Arbeitsbedingungen, den Handel mit alkoholischen Getränken, das Unterrichtswesen, die Gewissensfreiheit und die Zivil-, Finanz- und Justizverwaltung in den betreffenden Gebieten. Die Mandatstommission interessierte sich besonders für die gesundheitlichen Verhältnisse in Kamerun und regte eine Vermehrung der Aerzte an eventuell durch die Hinzuziehung fremder Aerzte. Ferner erörterte er eingehend die Frage, ob die unmittelbare oder mittelbare Verwaltungsmethode vorzuz ch:n sei und Wie man die zivilisatorischen Aufgaben der Mandatsmächte mit der Beachtung der lokalen Einrichtungen in Einklang bringen könne. Die Kommission legte endlich Wert auf die Feststellung, daß England, indem es Kamerun wie einen Bestandteil des benachbarten R i g e r i a verwalte, durchaus im Sinne des Mandats handele und damit keineswegs beabsichtige, die Inte g r i t ä t des Mandats über Kamerun anzutasten und daß dieses Gebiet laut Pakt weiter im Ramen des Völkerbundes verwaltet werde, dem England regelmäßig Bericht über seine Tätigkeit erstatte. In den beiden nächsten Sitzungen wird sich diese Kommission mit dem Mandat über Togo unD Samoa befassen.
DeuLsch-fronzöffsche Differenzen in der Kohrentransporlsrage.
Berlin, 25 OEt. (T. II.) Vom 21. bis 24. d. Mts. haben in Essen zwischen Vertretern der deutschen Regierung und Vertretern der ftanzösischen, belgischen und italienische Reg erungen Verhandlungen über die Kohlenlieferangen stattgefunden, die nach Ablauf der Micumverträge vom 28. Oktober ab von der deutschen Regierung auszusühren siird Die Verhandlungen bezweckten die Schaffung eines provisorischen Verfahrens bis zur endgültigen Reg Ung der Angelegenheit durch das im Londoner Abkommen vorgesehene Organisationskomitee. Da besonders in der Transports rage eine Einigung nicht erzielt werden konnte, erklärten die Vertreter der alliierten Regierungen weitere Verhandlungen für zwecklos und wollen die Entscheidung des Orga-nisationskomitees abwaven, das am 3. Ro- vember in Paris erstmalig Zusammentritt
(Bin britisch-russischer
Konflikt.
Maedonald protestiert gegen die bolschewistische Propaganda.
London, 25 Oft (TA.) Maedonald Hal an den Geschäftsträger der Scwjet-Repub.ik Ra k o w s k i ein Schreiben ger edet, lern die Abschrift eines von Sinowjew unterzeichneten DRe- fes an das Zentral-Komitee der engli chen kommunistischen Partei b.ngefügl ist, der Instruktionen zur gewaltsamen Beseitigung der englischen Staatseinheit und zur Zersetzung der Königs. Armee enthielt. Das „ Foreign Office" erklärte, die bri- ttsche Regierung könne eine solche Proyaga dcr nicht dulden und müsse sie als eine Einmischung in die inneren Derhi.iltnis'e Englands anseten. In dem Sch.eiben des „Fooeig.r Office" he ßt es Wetter: Die Handln ngsweie de- Präsidu.ns der dritten Internationale stellt nicht nur ei', e erhebliche Abw.ichung von den R.-g lr des i •= ternationalen Herkommens dar, sondern auch et e Verletz ung einer bestimmten und in feie licher Weise mehrfach wiederholten Z u s i che r u n g.
Die britische Regierung könne es sich nicht gestatten, daß eine politische Körperschaft die ebenso mächtig sei wie sie selbst, Propaganda triebe und mit Geld und in Verletzung abgeschlossener Verträge solche Propaganda unterstütze. Entweder habe die Svwsettegierung die Macht, solche Vereinbarungen abzuschliehen oder sie habe sie nicht. Wenn die Sowjetregierung die Macht habe, dann Habs sie auch die Pflicht, solche Verträge aus- z u f ü h r e n und darüber zu wachen, daß keine Täuschungen Vorkommen. Wenn aber die Sowjetregierung diese Macht nicht habe und wenn die Verantwortlichkeiten, die in andern Ländern dem Staate gehören, in Rußland privaten undunverantwortlichenKörperschaf- ten zufallen, so sollte die Sowjetregierung keine Vereinbarungen treffen, von denen sie ganz ge- nau wisse, daß sie sie doch nicht ausführen könne. 1
Die britische Presse zur Note
an die Sowjets.
London, 25. Oft. (WB. Funkspruch.) Das Schreiben des „Foreign Offtce" an Rakowski bildet die Sensation tes Tages und wird von der Presse eingehend b.handett. Die Blätter sprechen von einem K o m p l o 11 gegen G r o ß brita r- n i e n. Rakowski dagegen erklärte zu der ganze i Angelegenheit^ er Hal e das der Rote des „Foreign Office" b:igefügte Schreiben Sinowfes für eine große Fälschung Das in London befindliche englische Mitglied der f mmuni" i <f,e/i Internationale Mc. Manus, dessen Unter,d) ist das Moskauer Dokumertt ebenfalls trägt, erklärte, er habe dieses Dokument niemals unter
zeichnet.
Der Führer der kommunistischen Partei Großbritanniens äußert, die Partei habe das Dokument nicht erhalten. „Daily Telegraph" hält es andererseits nicht für möglich, daß das „Foreign Office" das Schreiben Sinowjews veröffentlicht und einen so scharfen Protest an dis Sowjet-Regierung gerichtet hätte, ohne vollständige Sicherheit über die Echtheit des Dokumentrs zu haben. „Daily Expreß" bezeichnet di? Verö, senil chung als Wahl-Manifest des
, Foreign Office", das zwei Wirkungen auf die Wcihier haben könnte. Es könnte die öffentliche Meinung noch mehr gegen die Russen und daher gegen d c Sozialisten, die für eine russische Anleihe eintraten, entflammen und andererseits
fetten der sozialistischen Regierung uni eis dafür gedeutet werden, daß die brb
gierung nicht unter dem Stiefel Moskaus
könnte es als schöne Geste britischer Unabhängig- feit von feiten der sozialistischen Regierung und als Beweis dafür gedeutet werden, daß die bri
tische R stehe.
In politischen Kreiselt nimmt man allgemein an, daß die Sozialisten diese Sache als Vorwand
ergriffen patten, um weitere Erörterungen mit der Sowjet-Regierung über die Anleihe zu verhindern. „Datty Mail" teilt mit, daß das Schreiben Sinow- lews bereits seit einiger Zeit in London bekannt sei und daß das Blatt selbst gedruckte Vervielfältigungen an die anderen Londoner Morgenblätter verteilt habe. „Daily Mail" meint, wenn ein solches Dokument bis zum letzten Augenblick des Wahlfeldzuges zurückgehalten worden sei, so müsse dies als ein neuer Beweis für das schlechte Gewissen der sozialistischen Regierung angesehen werden.
Der Diplomalenschub in Frankreich.
Paris, 25. Oft. (S.U.) Das „Journal offiziell" macht folgende Ernennungen bekannt: Dre Ernennung des Gesandten de Fleur ia u zum Botschafter in London, Peretti dellaRoc- cas zum Botschafter in Madrid, Rene Bes- nards zum Botschafter in Rom, Does chners zum Botschafter in Washington, Jean He- n ess Hs zum Dotschchter in Bern, de Cham- b r u n s zum Gesandten in QI t b e n und deMar - cillys zum Gesandten im Haag.
Belgien vor einer Regierungs- Krisis.
Brüssel, 25. Oft. (TU.) Gestern tagte ein KabinettSrat, um sich über die evtl. Folgen der feindlichen Haltung eines Teil der Rechtsparteien gegen die in Aussicht genommenen Steuern schlüssig zu werden. Die Regierung meint, daß es unmöglich sei, die Erhöhung der Deamtengehälter durchzuführen, ohne neue Hilfsquellen zu erschließen, sie beschloß einstimmig trotz der ungünstigen Sttmmung eines Teils der Majorität 120 Millionen neue Steuern auszuschreiben. Die Möglichkeit einer Ministerkrisis und eines endgültigen Rücktritts des Kabinetts Theunis ist vorhanden.
Der Kampf gegen den Fafzismus in Italien.
Rom, 25. Oft. (TU.) Das am Donnerstag zusammengetretene Kartell der Oppositionsparteien, dessen Entschließung mit Spannung erwartet wurde, hat den früheren Beschluß, an den kommenden Parlamentsarbeiten nicht teilzunehmen, bestätigt. Ferner wurde ein kommunistischer Vorschlag auf Schaffung eines oppositionellen Rebenparlaments a b g e I e b n t. In der Mitteilung an das italienische Volk wird erklärt: Die Wiederherstellung der rechtlichen und politischen Ordnung auf Grund Der Verfassung sei durch die Regierung immer noch nicht vorgenommen. Die Partei- miliz ist immer noch nicht entfernt Sie soll im Gegenteil neu befestigt wer e r und die Gegner der Faszisten seien als Feinde der Regierung erklärt worden, ©dt der Ermordung Matteottis habe sich die ttmerpoli rsche Lage Jta- liens wesentlich geändert und die Regierung und der Faszisrnus hüten stark an Anhängern verlöre w Oluf den ll.Rcvemter ist eine Vollversammlung der Opposttivnspar.e en (Sozialisten, Demokraten, Kathott ch? Vvlkspar.ei und Okationalisten) einberufen worben.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 25. Oft. 1924.
Liewer guber Zerdungsoukel.
Vor e’ Par Tag hat unser Herr Lehrer in der Schul gefragb, wie dann e' Zeidung zustand komme dhät. ilnn da hat der annere Kalkigesagt, der Buchdrucker dhät se drucke umr der Schorsch hatt gesagt, die Deppelers Anna aus der Kvdw- rinegafj die dhät se erumdcage. Ihm da hat unser Herr Lehrer gesägd, so ähnlich wär's ja, awwer net ganz so, unn dann hat er gesngd, die gescheide Leut schriwe in die Zeidung, was se wißte, unn er dhät aach als e’nin schreiwe. Siehste, liewer guter Zeidungsvnkel, das Wort hab ich nämlich gebeert, wie neulich der am Bahnhof, der, wo die Zeidunge verkaafe dhud, von e’me Reisende so genannd wor'n is, woruff nemlich ter am Bahnhof gleich zum annere Reise onkel gesagt hat, urm too Druff se alle zwaa ganz geheerig gelachd hawwe: also siehste, liewer Zeidungsankel, unn weil der Herr Lehrer zu mer gesagd hat, allzedumm wär ich ja aach net, wann eich nor in tere Räächtschreivung net so miserowel wäre, so will ich der aach em»l schreiwe unn will emol morje im Kaste an tere Schulstraß gucke, ob ich aach teirm abgedruckt toom sei. Eich kann nämlich schon sehr gut lese, do brauch mer aach nett so die Buchstawe all so ze schreiwe, wie unser Herr ßebrer se immer verlangt. Uff lateinisch hot er mer neulich gesagd, eich stind mit tere Odro- grafie uff eme verdammt schlächte Fuß. Ro, ich sein e* Gäißer Bub, urm will mich beim Zeidungsvnkel nett gleich unbeliebt mache unn schreib und schwätz deshalb gradso, wie mer de Schnawwel gewachst is. Also d) will ich ter zu- inichst emol schreiwe, daß mer die Dildercher, die jetz im Anzeiger immer im Famillieblädche komme, immer sehr guö gefalle dhu. Die Kirche wor'n zwoar e' bißche klaa, awwer fier die Dörfercher gewiß noch groß genungk. Awwer die Wetterfahne, wo im Blädche abgebildt gewese warn, ter Rachd- wächter, der Jäger mit sti'rn Hund, die Hex unn ter Schdorch unn die viele annem, die hawwe mich sehr gefreud, wirklich, unn ich bin aach iwwer- zeugd, daß sie sich schee im Wind erum drehe könne unn es nett so mache, wie ter Kerchegickel uff tere Johanneskirch', ter wo sich gar nett erumdrehe faim unn immer nach Wehelar guckt, von wo doch ter Rege herkommt, wie mein Vadter mer erklärt hat umr die QKubter gesagd hat, der Rege fäm aus de Wolke unn net aus Wetzelar unn mein Vadter sollt mich Bub nix schebbes nett lerne. Awwer ich mein, mein Vadter unn mei’ Mudder hädte zesamme recht. Unn weil mer in dem Sommer so vil Rege hadde gehabbt, sinn mer aach gar net recht zum schbiele gefomme, die große Dube hawwe zwar uffem Rarungsberg um de ahle Friedhof erum, wo mei Großmudter begrawe liegt, immer Räuwer urm Schandarmches geschbielt, awwer mir kleine Duwe haw>ve iwwer- hcrupt in der Schdadt gar fei’ Schbielpläh nett unn da will ich e'rnol sehe, ob jetz beim Harde Hof, den wo die Schdadt doch getauft hat, wie mer im Blädche geles? hawwe, e'n Schbielblatz for uns Duwe tebei is. Mer hawwe ja doch so fiele freie Dlätz aach in ter Schdadt, Da wo ter ahle Dirchermerster die Häuser all abgeriffe hatt,
awwer ka' annere nie nett mehr hingebaut T>att Unn da mein ich, mir Kinner brauchte lang nett so viel uff Dem Sälderswägk umr in ter eng’ Mäuh- burg, umr in der Kadarinegah, unn in der Sinne» gaß herumzelaase, wenn mer so all die fiele freie Dlähercher uns Kinner gönne dhät unn dhät uns da uff die freie Dlähcher von dem billige Sand aus dem Schdadtwald hinfahre, ter wo nett so klebrig is. Mer käme Dann aach nett so unnec Die Elektrisch unn Dhäde te große Oeut nett De Wägt verschbärrn. ünn iwwerhaubt unn so mein ich, mer sollt mehr for uns Kimrer dhu, Damit mer mehr als bihher enaus komme, wo mer jetz die Drache steihe lasse kann. Mein Vadter hat mer aach ein gemacht unn des Kordel hatt er beim Rebhudd an Der Lah gefaaft, awwer wie mer am vorige Sa ms da g nachmiddag erruff uff De Tribb sinn, do hadde mer dem Drach sein Schwanz dehaam liege losse, umr wie ich e’n hab hole misse, Da hatt mei' Schwester, Die Öltet, mit dem Drach sei'm Schwanz dehaam Feuer a'gemacht, unn ich hawwer aber da tefier e paar in die Seit geboxt. Da hatt se geflennt unn se mußt mer awwer en neue Dracheschwanz mache, toeiC ich aach geflennt hatt. ünn uff De Somrdag freu ich mich, weil unser Vadter gesagd hatt: Kimrer, hatt er gesagd, am nächste Somrdag mache mer all uff die Wisst himrer's Gerichd umr gucke nach te Fliecher, awwer es Derf faner nett herunnerfalle. Also, liewer Zeidungsonkel, vergeh das nett von Wege tene Schbielblätz unn em Sand, unn komm’ aach uff Die Wisse, ilrm ich schreib d'r bald Widder, wie's gewäse is.
Sei Kallche aus ter Zotzelsgah.
^liegergedenktag.
Am 28. Oktober werden es 8 Iahre, daß Hauptmann Oswald Dölcke, ter Meister des Luftkampfes, nach 40 Siegen einem Anfälle in ter Luft zum Opfer fiel. Der Deutsche Luftfahrt-Berband hat alle seine ihm angeschlossenen Vereine geteten, den morgigen Sonntag als Fliegergedenktag ter Erinnerung an diesen und all die anderen Helden Der Luft, die in Feinteslante ruhen, zu weihen. Wenn wir uns in diesen Tagen zum ersten Male wieder in Gießen an dem wundervollen Spiele unserer künstlichen Riesenvögel erfreuen können, so wollen wir gleichzeitig unsere Gedanken auch in jene KamPfeSxahre zurückwAndern lassen und uns in staunender SanEaarLit dieses allerpe sönlichsten Heldentums vergegenwärttgen, das diese Kühnsten der Kühnen einst auf ihren Maschinen betätigt haben. Die schönste Ehrung, die man ihrem Andenken erweisen kann, ist die Fortführung dessen, was sie einst im Welttriege zu so hohem Ansehen gebracht haben, die tatkräftige Förderung der deutschen Fliegerei jetzt im friedlichen Wettkamps ter Völker.
Der Flngtag in Gießen.
3m Anzeigenteil unseres heutigen Dlatt«^ geben die Veranstalter des morgigen Flugtages auf den Wiesen hinter Dem Gericht noch einmal bekannt, was sie Den Besuchern Der Veranstaltung beten wollen. Maa Darf wohl annehmen, Daß unsere Mttbürger in Stadt und Land Die seltene Gelegenheit, einer so außerordentlichen sportlichen ’VeranstaltU!,g bei3 wohnen zu können, nützen werden. Als ganz besondere fportliche Sensation Dürften neben Den Kunstfl ü gen Die Fallschirmabfprünge anzusehen sein, Die aus beteutenber Höhe vor- genömmen werten sollen. Sie Zahl Der Freiflüge ist von Dem Ausschuß gestern festgesetzt worden; Die Bekanntgabe ter tetr. Karten nummern erfolgt auf dem Flugplatz in Der Weise, daß nach einem Trompetensignal Die Rnmmern ausgerufen unD Dann auf einem Plakat kenntlich gemacht im Publikum herumgetragen werden.
Heute Samstag, nachmittag werten Die Flugzeuge hier ankommen. Morgen, Sonntag, vormittag von 10 Uhr ab sollen außer Der Flugzeug-Besichtigung auch bereits Rund- f I ü g e auSgesührt werten, wobei man ins- tesc ndere an Die Karten Denkt, die im Vorverkauf abgegeben wurden.
-Um Unfälle zu vermeiden, wird die Absperrung streng gehandhabt. Das Publikum möge einsehen, daß diese Maßnahme in erster Linie seinem Besten dient, und es möge den Anweisungen Der Schuhmannschaft und ter Ordnungsmannschast en bereitw lligst nachkommen.
Im übrigen empfehlen wir, Das heutige Inserat aufmerksam zu beachten.
Offensten der Ladengeschäfte am Gießenet Flugtag.
Das Polizeiamt weist hiermit Darauf hin, daß anläßlich des morgigen Gießener Flugtages sü r alle Geschäftsz weige Des Hantelsgewer- bes Dxr Gewerbebetrieb in offenen Verkaufsstellen und die Deschäfttgung von Gehilfen, Lehrlingen und Arbeitern Des HanDrls- gewertes von 12 bis 6 Uhr nachmittags zu gelassen ist. Sie Lebensmittelgeschäfte Dürfen ihre Verkaufsstellen a u Herdern von U/2 bis 91/3 Uhr und von 11 bis 12 Uhr vormittags offen halten.
Gießener Wochenmarktpreise
am 25. Oktober 1924 (Händlerpreise).
Cs kostete das Pfund: Butter 200, Matte 30, Käse 75, Wirsing 8, Weißkraut 5—6, Rotkraut 8—9, Gelte Rüben 8—10, Rote Rüben 10, Spinat 30, Römischkohl 5, Grünkohl 15, Rosenkohl 40, Feldsalat 40, Tomaten 50, Zwiebeln 12—13, Meerrettich 30—40, Schwarzwurzeln 50, Kürbis 5, Kartoffeln 5, Aepfel 10—20, Dirnen 10—15, Brombeeren 50, Zwischen 20, Junge Hahnen 100, Suppenhühner 100, Gänse 90—110, Russe 55. Sas Stück: Eier 17, Blumenkohl 30—150, Salat 10 bis 20, Endivien 10—20, Ober-Kohlrabi 8, Lauch 10-15, Rettich 10, Sellerie 20-35. Das Bund Rateeschen 8.
Wettervoraussage.
Rur zeitweise schwächer bewölkt, Winde aus südlicher Richtung, Darcmeter fallend, wärmer, mit geringen Rieder,ch.ägen ist zu rechnen.
" Die Wählerlisten und Wahlkarteien für die Landtagswahl sind nach einer neuen Anordnung des hessischen Gesamtministeriums vom 16. bis e i n s ch l. 2 3. November auszulegen.
** Wichtig für öie Ar beitgebe r ausländischer Landarbeiter. Sie für 1924 von Den Lande sä intern für Arbeitsvermittlung erteilten Genehmigungen zur Beschäftigung


