Wirtschaft.
Stiefmütterliche Behandlung des Siegerlandes.
3n den Darlegungen der Notlage des Sie- gerlandes und benachbarter deutscher Erzgebiete, wie des Lahn - und Dillreviers, ist wiederholt ausgeführt worden, wie wenig die Frachtenpolitik der Reichseisenbahnverwaltung der besonderen Lage dieser Gebiete gerecht wird und wie sie, wenn schon einmal etwas für die arg bedrängte Industrie dreser abgelegenen Reviere geschieht, immer wieder mit der einen Hand nimmt, was sie mit der anderen gibt. Neuerdings sind wieder einmal die schlimmsten Klagen und Befürchtungen in dieser Richtung in unerfreulicher Weise bestätigt worden.
Mit Rücksicht auf den Siegerländer Notstand war vor kurzem der Ausnahmetarif für die Q[b- fuhr von Erzen aus diesem und den ähnlich bedrängten benachbarten Erzrevieren um 25 Prozent herabgesetzt worden. Jetzt ist mit dem 18. September die allgemeine Senkung der Gütertarife um 10 Prozent eingetreten. Dem Crzausnahme- tarif wird aber diese Herabsetzung nicht zugebilligt. Die 25prozentige Ermäßigung hatte noch keineswegs genügt, um die Siegerländer, die Lahn- und die Dillgruben und die auf sie angewiesenen Industrien lebensfähig zu machen. Gesteht man ihnen die Vorteile der allgemeinen Tarifherab- setzung nicht zu, so bleiben sie im Hintertreffen gegenüber der Wirtschaft begünstigterer Gebiete. Die Selbstkosten für die Tonne Erz liegen z. V. im Lahnrevier noch etwa um 40 Prozent über dem höchsten erzielbaren Verkaufspreis von 10 Mark für die Tonne. Die Konkurrenz der lothringischen Minette aber wird durch die lOprozentige Fracht - ermähigung, die sie genießt, gefördert und belebt. Man sollte hier wirklich auf die beliebte fiskalische Engherzigkeit verzichten und ganze Arbeit machen, wie sie zur Erhaltung der Lebensfähigkeit des deutschen Erzbergbaues nötig ist.
In noch umfassenderem Mähe erfordert ein anderer Ausnahmetarif die Einbeziehung in die letzte Frachtenherabsetzung. Man hatte ebenfalls schon vor kurzem dem Siegerlande, dem Lahn- und Dillgebiet sowie einigen anderen hüttenmännischen Zentren in Nord- und Süddeutschland einen besonderen Brennstoff-Notstandstarif zugcstanden, weil diese Gebiete gegenüber den bevorzugten Erzeugungsstätten des Eisens, die auf der Kohle sitzen, erheblich in der Hinterhand blieben. Die Einführung oder vielmehr Wiederherstellung dieses Brennstoff-Notstandstarifs ist dankbar be- gritfit und mit frohen Hoffnungen begleitet worden. Aber auch hier kommt die Eisenbahnverwaltung und erklärt, die Wiedereinführung dieses Ausnahmetarifs sei nur eine befristete Notstands- mahnahme gewesen: an der neuen Herabsetzung könne dieser Ausnahmetarif keinen Anteil haben.
Man will nicht sehen, daß auf diese Weise die Spanne zwischen dem allgemeinen Kohlentarif, der die lOprozentige Herabsetzung mit genießt, und dem Nötstandstarif für die ungünstig liegenden Eisenreviere wieder erheblich verengert und damit diesen Revieren der Wettbewerb aufs neue erschwert wird. Der Brennstoffnotstandstarif liegt mit seinen Sähen immer noch etwa 65 Prozent über der Friedensböhe, während der Kohlenpreis den Friedensstand nur etwa um 38 Prozent überschreitet. Die Rrichseifeirbahnverwaltung genießt selbst diesen Preisstand für ihren wichtigsten Rohstoff, erhöht ihn aber in den in Rede stehenden Bezirken durch die Nichtgewährung der allgemeinen Fracht Herabsetzung in wesentlichem Maße. Die schnelle Einbeziehung des Brennstoff-Notstandstarifs in die allgemeine Frachtermäßigung ist also nicht minder dringendes Erfordernis, als die entsprechende Herabsetzung des Erzabfuhrtarifs. Nur eine großzügige Frachtenpolitik kann dazu führen, auf den verödeten Grubev- und Hüttenplähen des Siegerlandes wieder neu-s Leben aufblühen zu lassen und der arg gehandikapten Eisenindustrie an der Lahn, am Harz usw. die unentbehrliche Erleichterung zu schaffen.
*
* StahlwcrkDecker A-G. inWillich. Ter Gläubigerbeirat svll, wie schon mitgeleilt, einem Vergleichsvorschlag zugestimmt haben, nach dem die Gläubiger 35 Proz. ihrer Forderungen erhalten, d. h sie erhallen 35 Proz. ihrer Forderungen an das Stochlwrrt. Ta aber bei den
Wechselglauvigern au Berbern noch die e^cyweUe'. Ratinger Merallwerke und die Industrielle Bc>n - gesellschaft haften, so werden sich insgesamt wohl 60 Proz. ergeben (20 Proz. aus der Ermag und 5 Proz. aus der Indu-Bank). Die Verpflichtungen des Slahlwerkes sollen sich nach der G -D. abermals ganz beträchtlich erhöht haben: u a. infolge von Regreß-Ansprüchen einer Braunkah- lengrube wegen entgangener Lieferungen.
Börsenkurse.
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Berliner Handelsgesellschaft Commerz, und Pnvat-Banl Darmsl- und Naiionaldaut . Deutsche Bank Deutsche BcretnSbank .... DiScorilo ttommanbtt .... Mctnllbank...........
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Hranlfurter Armaturen . . Konservenfabrik Braun . . sv/etallgesellichaft ffrentfart Pet. Union A--G Cchuhlabrtk Herz . . ... Sichel.............
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e) Dom RückzahlungSwert.
Frankfurter Börse.
(Eigener 'Drahtbericht des „Gießener Anzeiger".) Frankfurt a. M.. 24. Sept. Tendenz: Weiter schwach. Tas Geschäft an der Effektenbörse vermochte auch heute feinen geringen Umfang nicht abzuleugnen, da die Zurückhaltung noch foridauert. Die Ätstlosigkeit, die an den Aktienmärkten zu starkem Ausdruck kam, konnte auch nicht durch günstige Momente, wie der bevorstehende Eintritt Deutschlands in den Völkerbund und die angetünbigte nochmalige Ermäßigung der Kohlcnpreise um 12 bis 15 Proz., überwundin werden. Tie schweren am Anleihemarkt letzthin erlittenen Verluste wirken sich immer Wetter aus und um einen Ausgleich hrrberzufühven, sieht sich die Spekulation andauernd zu Abgaben veranlaßt. Die Haltung des Anleihtma-rtlcs war schwankend. Nach anfänglichen neuen Einbußen wurde später in Erwartung des Ausganges der heutigen Sitzung drs Aufwcrtungsausschus es des
FrrTfr, 24. Scpt.
Amerikanische Noten . . . . . vcsgische Noten........ Dänische Noten ....... Englische Noten........ Fraiiiösische Noten ...... Holländische Noten Atalienischc Noten ..... Norwegische Noten......
Deutsch Oellcrr .äioo Kronen Nnmä"ische Noten......
Schwedische Noten Cchweiier Noten .
Spanische Noten.......
Ti'chechchiowakische Noten . . Ungarifche Noten
■ÄciccetageS das Geschäft crw.-s angeregter, ohne indessen zu nennenswerten Kure Veränderungen zu führen. Der Aktienmarkt zeigte hn allgemeinen keine besonderen Veränderungen Am Bankaktienmarkt waren vereinzelte Werte gefallen. Am Markt der Industriepapiere war die Mehrzahl der Kurse unverändert. Der freie Markt hatte wieder unter starker Abgabe zu leiden. Api 2V«, Ufa 11 H, Petroleum 163, h, Becker-Stabl 09, Becker-Kv^c 53J6, Benz 31, , Growag 0,1 <5. Am Geldmarkt bleibt Monatsgeld zu 1' „ bis F/e Prozent unter ersten Adressen unverändert leicht. Tagesgeld 1 i pro Mille. Am Devisenmarkt war das Geschäft im älsancenvrrlehr wieder ruhig, die Kurse haben sich kaum verändert.
Berliner Börse.
(Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeiger".)
Berlin, 24. Sept. (WB.) Dio Börse stand heute im Zeichen völliger Stille aus allen Märkten, sogar auch auf dem Markt der intänoilchen Anleihe. Da heute ber Unterausschuß deS Auf- wertungsausschusses zu einer Beratung zusammentritt, ist man natürlich aus das Ergebnis außerordentlich gespannt, zumal gerüchtweise verlautet, daß die Stimmung im Unterausschuß gegen jegliche Aufwertung wenig günstig ist. Es verlautet weiter, daß die Regierung im Unterausschuß ihren ablehnenden Standpunkt zur Aufw.'rlungsfrage ziemlich genau und sehr deutlich präzisieren werde. Unter diesen Umständen hielt es die Spekulation für geraten, ihre Engagements auf dem Anleihemarkt schleunigst abzubauen Das Geschäft in Industriepa- Pieren lieg! ausnahmslos völlig darnieder. Dci den Banken ist in den letzten Sagen kaum eine größere Order eingegangen. Die Nachricht über das Zustandekommen eines Kredits für den Ruhr- bergbau ergibt sich als eine Falschmeldung, so daß auch diese Hoffnung der Börse enttäuscht wurde Am Geldmarkt machte die Versteifung weitere Fortschritte. Am Deviseirmarkt ist die Lage unverändert.
Devisenmarkt Derli»—Frankfurt <t H.
(In Billionen Mart avSgebnickt. Bnmet-Htrei, London, Neu« dort. Japan. Rio bc (Vannco für eine Linket«. Men nnh Budapest für 100000 (Etnbetltn. aller übrige für 100 kinhettrn.) Lelegrap htsche Auszahlung.
?3. Septbr-
24. Septbr.
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Rindbiehmarkt in Gießen.
h. Gießen, 24. Sept. Zum gestrigen Rindviehmarkt waren insgesamt 625 Stück Groh- und Kleinvieh aufgetrieben, eine große Anzahl mehr als am letzten Markt. Wenn auch die Käufer anfangs etwas zurückhielten, wurde der Handel später doch etwas lebhafter, so daß von lieber- ständen keine Rede sein kann. Bezahlt wurden für prima Zuchttiere 500—550 Mark, weniger
flute» Material mit 300—400 Mark. Schlachtvieh tarn fast nicht über 250 Mark hinaus, während für schöne Rinder biS 150 Mark erzielt wurden. Erfreulich war. daß der Markt auch wieder von Landwirten besucht wurde.
Frankfurter Getreidebörse.
(Eigener Drahtbericht deS .Gießener Anzeiger" ) Frankfurt a. M., 24. Sept. SS wurden notiert: Weizen, Wetterarier 24,50 bis 25. Roggen, mländ. 22.50 bis 23,50, Sommergerste für Stau- zwecke 25,50 bis 27.’ Hafer, inländ. 22.50 bis 24, Mais (gelb) 19,75 bis 20, Weizenmehl, inländ., Spezial 0 36,25 bis 37, Roggenmehl 31.50 bis 32,50, Weizenkleie 12,75 bis 13, Roggenkleie 12,50 bis 12,75 Mk. Tendenz fest.
Berliner Produklenbörse.
Berlin. 24. Sept. Der Getreidemarkt war entsprechend der mmerlichen Erhöhung an den Arrslandmarkten fest. Ti' Notierungen mußten fast ausnahmslos höher gesetzt tverbeu. Für Futtermittel hält die Festigten weiter an Es wurden notiert pro 1000 Kilo: Weizen, mävf. 228 -236, Roggen, märt. 215 219, Gerste, märt 205 - 225, Gerste, neue 200- 210, Hafer, märf. 182- 190. Raps 345 - 350, Leinsaat 44^-450. Es wurdest notiert pro 100 Kilo: Weizenmehl 32,50 35.25. Roggenmehl 31 -33.25. Weizenkleic 15,25, Roggenkleie 13, Biktoriaerbsen 32—36, kleine Erbsen 22 26. Futtererbsen 19-20, Pc luschkcn 17—19, Ackerbohnen 21—23, Wicken 17 bis 17,50 Luvinm. blau 13 15, Lupinen, gelb 16—19, Serradelle, alt 15-18, Rapskuchen 15, Leinkucheit 25,50—26, Trocken schnitzel 13.80 bis 14, Torfmelasse 5, Kartoffelslocken 19—19,25.
Büchcrtisch.
Eine reichhaltige Modeübersicht geben die neuen Ullstein - Mvdealbe n (erhälllich in Duch^ und Papierhandlungen). Di: Vorlagen sind sämtlich zur Sclbstschne dcrei bestimmt und ermöglichen jebem, ohne große Kosten flott und modisch gekleidet zu fein.
Drei neue Bücher aus dem Nach» laß von Hermann Löns. Aus dem umfangreichen literarischen Nachlasse von Hermann Löns hat Dr. Wilhelm D e i ma n n , Werne, mit großer Sorgfalt und seinem Verständnis für Lönsschc Art drei Nachlesen getroffen, die sich in kluger Zurückhaltung auf Arbeiten beschränken, oic das literarische Werk des Dichters nach wenig bc- kannte» Seite hin ergänzen und Wiederholungen von früher' in Buchform Erschienenem vermeiden. So find drei neue Bücher entstanden, die an innerer Geschlossenheit und Stärke den früheren Büchern von Löns nicht nachstehen. Für das erste dieser Bücher hat Löns selbst noch den Titel ,.Mein niedersächsisches Skizzenbuch" gewählt und den Inhalt noch zum größten Teil selbst bestimmt Das Buch bietet nicht zufällig Zusammengerasttes sondern eine geschlossene Reihe von niedersächsischen Städte- und Landschaftsbildern. Die zweite Nachlese nennt sich ..Gedanken und Gestalten". Für viele wird diese« Buch eine Llebervaschung sein, e« zeigt Löns von einer fast unbekannten Seite. Ein anderer als der Heide- und Tiererzähler und doch wiede» derselbe Löns spricht aus dem Inhalt: Gestalten aus der zettgenössischen und älteren Literatur- und Weltgeschichte, Gedanken über Kunst und Kultur. — In „Für Sippe und Sitte" bricht der unerschrockene Vorkämpfer der Heimat- und Naturschuybetoegung manche Lanze für StammeSart, Volkssitte, Heimatbrauch. Erhaltung des Landschaftsbildes und der heimatlichen Tierwelt. — Alle drei Bücher sind im Verlag Adolf Spvnholh G. m. b. H., Hannover, erschienen und sorgfältig au-gestatter worden.
— Dr. Karl Hauser, Ursprung deS Lebens. Lebensforschung und Lebenserkenntnis mit 7 Bildertafeln, in Halbl. geb. 2,40 Mk. (Agentur des Rauhen Hauses, Harnburg 26.) Hier wird allen denen eine praktische Biologie geboten, die nicht Zeit und Muhe haben, sich in dickleibige wissenschaftliche Werke zu vertiefen. Dr. Hauser versteht es, diesen für manchen etwas spröden Stoff in eine Form zu gießen, die den Leser nicht langweitt. Er gliedert den Stofs in vier Ao- schnitte. Organisches und Anorganisches T** griff und Ursprung des Leben« — Zweckmäßigkeit in der Schöpfung — Entwicklungslehre.
Seltsame Flitterwochen.
Roman von Arnold Fredericks.
4. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Ich hibe die Aeberzcugung getomnen, Herr Duvall, daß cs wichtig ist. der Sache unverzüglich äuf den Grund ?u kommen. Wie eS mir meine Frau kabelte, ist die Sache widersinnig — verrückt!" 'Er starrte wieder mit düsterem Blick zu Boden.
„Wirto?" fragte der Detektiv.
„Tas will ich Ihnen sagen. Mein sechsjckh- riger Soh i wurde jeden Morgen, in Begleitung seiner Wärterin, von meinem Haus in dec Avenue Kleber nach dem Bois de Doulogr.e gefahren. Im Bois verlieh er den Wagen und brachte eine Stunde oder länger im Grase spielend und spazieren gehend zu. Ich wollte das so haben, da ihm Bewegung gesund ist und er keine hat, wenn er nur im Kraftwagen fährt."
„Was wurde während dieser Zeit aus dem Wagen?" fragte Duvall. .
„Der Wagenführer war angewteicn. in Seh° und Rufweite zu warten. Ich zweifle nicht dar«,, daß er cs tat."
„Schön, Herr Stapleton. Bitte erzah.en Sie weiter!"
„Am Mittwoch führte die Wartertn Jack — so heitzt mein Sohn — zum Bois, wie gewöhnlich. Si spielte etwa eine ütunte mit ihm. Dann setzte sic sich ins Gras, um auszuruhen. Jack stand in nächster Nähe und spielte mit einem Gummiball. Sic sagt — und meine Frau drahtet, meine Herren, daß das Mädchen es hoch und ' heilig versichert —, daß sie sich einen Augenblick
IHM......■ ■■!■■! >1 ! !!■■■.......■■■IW II II ■ II --------
umwandte, um auf der Straße vorbei fahrende, Gespanne zu betrachten: als sie sich wieder dem Knaben zuwandte, war er verschwunden."
„Verschwunden — aber wie?"
„Tas ist eben das Unfaßbare. Da sitzt das Frauenzimmer mit dcm Kind, hundert Meter von der Straße weg, mitten auf einem Rasenplatz. Niemano in der Nähr. Am nächsten ist noch, nach ihrer Aussage, der Chauffeur, der — hundert Nieter entfernt — auf der Straße wartet. Die Wärterin dreht den Kopf, sicht um sich — und der Knabe ist weg. So erzählt sie der Fall, wie mir meine Frau drahtet. Ist das nicht widersinnig?"
„Freilich." bemerkte Duvall mit grimmigem Lächeln. ..Der Knabe kann doch nicht in die Lust geflogen fein. Die Wärterin lügt."
„Das kann ich eben nicht verstehen, Herr Durall. Ich kann nicht glauben, daß sie lügt. Meine Frau auch nicht. Sie ist bei uns feit des Knaben Geburt und hat ihn sehr lieb; sie soll völlig trostlos sein."
„Aber, Herr Stapleton, trie können Sie eine solche Geschichte glauben; wie kann das Kind geraubt worden sein, trenn alles wahr ist? Das wäre doch wirtlich verrückt!"
„Ich sage nicht, daß die Geschichte wahr ist; nur, daß meiner Meinung nach Mary nicht lügt. Wenn sie lügen wollte, tonnte sie etwas Glaubhafteres erzählen! Sie wandte sich um — der Knabe war verschwunden. So sagt sie aus und ich glaube ihr. Die Frage ist — wie ist das möglich?"
„Es ist unmöglich," brummte Hodgman dazwischen.
„Nichts ist unmöglich," wies ihn der Bankier zurecht. ..Beweis: Tas äcknmvgliche hat sich ereignet. Wir es zuging, kann ich mir nicht vorstellen, aber das offenbar Llnmögliche geschah. Der Knabe ist nicht mehr da!"
„Ist die Wärterin jung?“ forschte der Detektiv.
„Etwa dreißig."
„Amerikanerin?"
„Ja. Die Ettern sind Iren. Sie heißt La- nafjan, Mary Lanahan."
„Neuyorterin?"
„Aus Paterson in Neu-Iersh. Ihre Familie wohnt dort."
„Wissest Sie sonst noch etwas — das irgend daraus Bezug hätte?"
„Soviel ich weih, nein. Ich habe nur berichtet. was meine Frau gekabelt hat. Sie hat natürlich alle Fassung verloren. Don hier aus kann nichts getan werden. Ich wünschte, Sie führen beute. Ich selbst kann leider nicht vor Samstag weg." Erregt strich er mit der Hand über die Stirn. „Nur äußerst schwerwiegende Geschäfte können mich in einem solchen Augenblick zurückhalten, Herr Duvall, aber unglücklicherweise liegen solche gerade vor."
„Haben Sie Grund zu der Annahme. Herr S-taplctvn.“ fragte Duvall, „daß die Tat von jemand diesseits des Ozeans vollbracht wurde? Ist Ihnen in letzter Zett nichts Verdächtiges aufgcfallen?"
Stapleton dachte nach. Plötzlich sagte er: „Ich bin reich, Herr Duvall, sehr reich Leute in meiner Lage erhalten stets Drohbriefe. In der letzten Zeit bekam ich viele."
„War in einem Briefe die Rede von den. Kind? Sind gegen den Knaben Drohungen ausgesprochen worden?"
„In einem Brief war das der Fall." „Wann erhielten Sie ihn?"
„Ten letzten — vielleicht vor sechs Monaten." „Haben Sie den Brief noch?"
„3a.‘
„Kann ich ihn sehen?"
Der Bankier erhob sich, ging zu einem schweren Schreibtisch aus Rosenholz auf einer Seite des Zimmers, schloß ein Schubfach auf und entnahm ihm eine stählerne Kassette, die er mit einem kleinen Schlüssel öffnete. Au3 den Briesen suchte er zögernd einen heraus und übergab ihn schweigend Tuvall.
Der Detettiv prüfte den Brief sorgfältig. Er steckte in einem billigen, weihen Umschlag, wie man ihn bei jeder Poststelle mit au (geklebter Briefmarke lauft. Der Brief war schwerfällig mit Tinte auf einen Bogen billigen liniierten Papiers geschrieben und lautete:
„Wir verlangen fünfzigtausend Dollar, itie am näifften Montag,-ach mittag in Tauseno- Tollar-Schcinen in einer Zigarlenscha-Htel durch Eilboten an John Smith, lagernu b>i der Erpreß Company, Paterson, N. 3., zu senden sind. Der Beauftragte, der am nächsten Dienstag das Päckchen abholen wird, weiß nichts; sollten Sie ihn also verhaften lassen, so erfahren Sie nichts. Behalten Sie das geheim und erfüllen Sie unsere Aufforderung, wenn Ihren an Ihrem Kinde gelegen ist."
(Fortsetzung folgt./


