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Nr. 226 Zweites Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen) Donnerstag, 25. September (924

Der Rist im Londoner Pakt.

Don Rudolf Scheld.

Es ist oft das Mistgeschick kluger Menschen, dast sie <m kleinen Dingen scheitern, und cs wird vielleicht toä Schidsal des von ganzen Stäben Sachverständiger zusammengestellten Gutachten­planes, dah alle Theorien und alle Wcishett dieser- Erde das Faktum niemals werden meistern können, dast man von dem Huhn, das man am Abend in die Psanne legt, am nächsten Tage nicht wieder Eier verlangen kann. Deutschland jeden­falls müstte, wenn London für weite Zukunst entscheiden sollte, ein solches Musterhuhn fein. Wenngleich das Gutachten in vielen Punkten über das Versailler Diktat hinausgeht, so ist es doch im wesentlichen als cm Ausführungs- gesehzu ihm gedacht, für das eben andere Aus- sührungsmöglichieiten schlechthin nicht mehr be­standen, seitdem deutsche Währung zu einem Phantom geworden war. Das ist denn auch der ganze Sinn, den dieser Plan für unsere Gegner trägt und um deswillen auch Frankreich, der Rot gehorchend, sich zu ihm bekannt hat: Seine Zahlungsverpflichtungen aus dem Diktat soll Deutschland auch weiterhin erfüllen, aber damit diese Erfüllung möglich wird und bleibt, soll diese Abwicklung in einer Form geschehen, durch die der deutschen Währung keine Gefahr droht. Mit anderen Worten: Seine eigenenbe­rechtigten" Bedürfnisse soll Deutschland ourd). seine Produktion befriedigen, und erst aus den U e ber­sch üssen sind dann die für Reparationszah­lungen angesehten Summen aufzubringen.

Und hier klafft nun der Rist: 3n England steigt die Arbeitslosigkeit, nachdem vor­übergehend ein Stillstand, ja eine leichte Reise- rung ernaetreten war (die Rervosität in diesem Punkte ist schon soweit gestiegen, dast man heute deutschen Angestellten, selbst wenn es sich um deutsche Unternehmen in England und um Ver­trauensposten handelt, mit dem Hinweis auf die Zahl der arbeitslosen Kaufleute Schwierigkeiten bei ihrer normalen geschäftlichen Betätigunz be­reitet): die Verhältnisse in Frankreich und der neue Franlsturz im besonderen, an dessen Einhall bezeichnenderweise augenblicklich selbst Frankreichs Schuhgott Morgan nicht allzusehr interessiert scheint, sind bekannt. 3n diese De­pressionen hinein hat das Gutachten die Rot- wendigieit und die Möglichkeit einer erhöhten Produktivität Deutschlands gestellt. Denn ohne sie sind keine Ueberschüsse Lenkbar. Aber wenn sie Wirklichkeit wird, dann müssen die 2ctb tragenden naturnotw.ndig die anderen Industriestaaten sein, und so,ist plötzlich tragisch und lächerlich zugleich,!,- während man das eine Gespenst, das da hiest: ^Unfriede und Anarchie der Weltwirtschaft", gebannt glaubt? und schon verschwinden sah, ein neues aufgesahren, dessen Gefährlichkeit man schon aus eigenen drückenden Erfahrungen kannte und das da hiest:Reue Ar­beitslosigkeit und neue staatliche Zuschüsse für die Brotlosen", und daneben sah man wohl auch als Folge dieser wirtschaftlichen Beklemmungen neue politische Gefahren innerer Art, von denen wir in Deutschland nicht recht wissen, ob wir sie über- oder ob wir sie nicht doch sehr unter­schätzen.

So geschah das Widersinnige: Während in Deutschland ein wilder Kampf für und wider tobte und während wir hier alle in dem Wahn gehalten wurden, als läge es nur an uns, ob London Wirklichkeit würde, da war die erste Antwort auf unser mühsam und mit -tausend Hintermittelchen herausgeschundenes 3a das Streben nach Sabo­tage des Londoner Paktes von selten derer, die ihn uns erst angeboten hatten. Das Wirt­schaftsprinzip, das der geboren? und eklatanteste Gegensatz zum Londoner Patt und Londoner Geist" sein muTl, nämlich ein scharf hervor- gekehrter Protektionismus wurde von England und Frankreich auf den Schild gehoben. England führte die bekannte 26-Prozent- Sonderabgabe gegen die Einfuhr deutscher Waren wieder ein, ein Verhalten, das zwar nicht irocndemer Stelle im Wortlaut des Paktes, wohl aber dem Gei st und Sinn des Pro­gramms in einer Weise widerspricht, wie fte augenfälliger nicht gedacht werden kann. (Es ist überhaupt ein für uns ungemein gefähr­licher älmstand, dast, so sehr wir durch das Gutachten politisch und wirtschaftlich gebun­den sind, so wenig die anderen durch die ihnen ge­lassene wirtschaftliche Freiheit der Möglichkeit ent­behren, jederzeit durch privat-kcmm:rzielle Mast^ nahmen größeren Stiles das Londoner Programm kaltzustellen.) Offensichtlich noch viel stärker als in England sind die privaten widerstrebenden Mo­mente in Frankreich. Die überraschend ange» kündigte Erhebung einer 26-Prozent-Abgabe auch durch Frankreich, die durch einen in London einge­fügten Zusatz, der den deutschen älnterhändlern vielleicht zunächst entgangen sein mag, im Ge­setz ihre älnterlage sindet, bringt die Durchfüh» rungsmöglichkcit des Gesetzes ernstlich in Frage. Denn schließlich bleibt cs doch dabei, daß alle Re­parationsleistungen von Deutschland durch Ausfuhrüberschüsse geleistet werden sol­len. Diese müssen aber doch erst festgestellt sein. Folgen nun noch andere Staaten dem Beispiel von Frankreich und England, so wird Deutschland den größten Teil des anzusammelnden Reparations­fonds anfordern müssen, um den deutschen Expor­teuren die in Fakturenbeträgen gekürzten 26 Pro­zent zurückvergüten zu können. Wo dann die vollen 2 , Milliarden jährlicher Leistungen Herkommen sollen, ja was dann London üb e r - hauptnoch f ü r einen Sinn haben soll, das weiß kein Mensch zu sagen.

Aber harmonisch und für uns günstig! schließt sich in diesen Riß der am 10. 3anuar 1925 erfolgende Abschluß des vertragslosen Zustandesin derHandelspolitik. Bis­her ist uns wirtschaftlich angefaßtes Verhandeln noch immer zum Verhängnis geworden. Aus un­seren wirtschaftlichen Röten erpreßte man po­litische Zugeständnisse von uns. Dies- hal haben wir es in der Hand, mit der Wirtschaft die Politik zu schlagen. Denn der Riß in der durch London gekennzeichneten Wirtschaft findet seine Parallele in der durch London gekennzeichneten Politik. Richt etwa ein Riß in dem Sinne: Hie Poincare! und Hie Völkerfriede! 3mperialisten und Deutschenhasser sind sie alle, soweit sie et­was zu sagen haben, und daß Herriot dabei nicht aus der Reihe tanzt, davon hat er uns erst jüngst in einer seiner Reden überzeugt, in der es hieß: j

Der Hervstfeldrug des Gießener Anzeigers zur Werbung neuer Freunde und zur Wiedergewinnung alter, infolge der mißlichen Wirtschaftsvcrba'ltnisse zum Verzicht auf ihr Heimatblatt gezwungen gewesener, soll nunmehr geführt werden. Unser Rüstzeug sei der seitherige stete Ausbau des Teftteiles und der drucktechnischen Ausstattung nach der für die presse besonders schwierigen Kriegs- und Entwertungszeit, unsere H offnu ng die Anerkennung, die wir bei unserer Leserschaft gefunden haben. Sie drückt sich aus in der von Monat zu Monat gestiegenen Auslage.

Immer mehr wollen wir den Gießener Anzeiger ausgesialten zu einem Provinzblatt, das selbst sehr hohen Anforderungen genügt.

Sn dev PolMS

gilt cs uns darum, klar und für jedermann verständlich Stellung zu nehmen zu allen wichtigen politischen Fragen, die die Welt bewegen, unter besonderer Berücksichtigung der Vorgänge in unserem unter dem Friedensvertrag niedergehaltenen deutschen Vaterland. Unbeeinflußt werden wir unsere Meinung vertreten, auch im politischen Leben unserer hessischen Heimat, der Provinz und der Stadt Gießen.

Dev völkische Kachvichiendrenst

hat schon seither letzte wichtige Meldungen schneller in das Verbreitungsgebiet des Gießener Anzeigers gebracht, als es den großen Tageszeitungen möglich war. Ein ausgedehnter Tele­gramm-, Telephon- und Nadiodienfl arbeitet auch in der Folge auf diesem wichtigen Gebiete.

Bee attssmskne Teil

des Gießener Anzeigers soll an Vielgestaltigkeit noch gewinnen und so Unterrichtung und An­regung geben auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens.

Derr LMstMaMistt

des Gießener Anzeigers, den wir durch eigene Orahtberichte über den Börsen- und Markt­verkehr bereits weitgehend entwickelt haben, soll ständig bereicheft werden durch schnelle und zuverlässige Berichterstattung aus allen einschlägigen Gebieten.

Dev KachvirhierZterS arrs Stadt rmd Land wurde von jeher mit besonderer Sorgfalt ausgcstattet. Es sind Vorbereitungen getroffen, um die Berichterstattung aus der Provinz noch lebhafter zu gestalten und so ein anschauliches Bild zu bieten aus dem Kultur- und Wirtschaftsleben unserer engeren Heimat. Dieser außerordentlich wichtige Teil des Gießener Anzeigers soll ein starkes Bindemittel mit seiner Leserschaft sein.

Auf allen oberhessischen und benachbarten Bahnstrecken fahren täglich unsere Sonder­boten und vermitteln unter Mitwirkung von über 200 eigenen Zweigstellen die denkbar nach­drücklichste Verbreitung unserer Zeitung noch am Ausgabetage. Vom d. Oktober an kommen weitere 60 Zweigstellen neu dazu, so daß eine noch ausgiebigere Verbreitung des Gießener Anzeigers in der Provinz gewährleistet wird. Diese Vertriebsmaßnahmen, die wir ununter­brochen ausbauen werden, sind von Wichtigkeit für jeden einzelnen und für die Geschäftswelt im besonderen. Ze größer die Leserzahl des Gießener Anzeigers, desto gewichtiger sein Einfluß auf alle Vorgänge im öffentlichen Leben, desto eindringlicher aber auch die Wirkung aller ge­schäftlichen Empfehlungsmaßnahmen in unserer Zeitung.

Dem Gvovi

soll weiterhin unter Berücksichtigung des sportlichen Lebens in Oberhessen und in den benach­barten preußischen Gebietsteilen ein angemessener Naum im Gießener Anzeiger gewidmet sein.

LandLvzvtMM und M.singavtenbau

werden im Gießener Anzeiger je nach Jahreszeit und den davon abhängigen Arbeitsgebieten einen beratenden Helfer haben. Hier konnten wir eine Reibe anerkannter, sachverständiger Mit­arbeiter gewinnen, die die Bearbeitung der oberhessischen Erde aus eigener Anschauung kennen, und die somit wirklich praktische Ratschläge und Fingerzeige geben werden. Ein Frage­kasten, der bisher schon viel Zuspruch gesunden hat, wird von erfahrenen Fachleuten bearbeitet. Oie Beantwortung der Fragen erfolgt schnellstens und kostenlos.

Dem bildenden und «niesbalienden Lett des Gießener Anzeigers mußten wir in einer Zeit wirtschaftlicher Notlage weiter Kreise unsere Aufmerksamkeit in verstärktem Maße zuwenden. Für viele ist das gute Buch unerreichbar ge­worden, so daß uns die Pflicht erwächst, eine vorbildliche geistige Kost zu bieten. Daß wir in dieser Hinsicht auf dem rechten Wege sind, beweisen zahlreiche Anerkennungen aus der Stadt und namentlich aus den Landgemeinden unseres Verbreitungsgebiets.

Neben dem Noman in täglichen Fortsetzungen und dem Feuilleton sind es insbesondere die dem Gießener Anzeiger beigefügten

Gietzenev SarnMenblätiev

die eine sorgfältig und verständnisvoll ausgewählte literarische Unterhaltung bieten. Um höher gesteckten Zielen noch näher zu kommen, werden vom ä. Oktober an die Gießener Familien- blättcr außer Samstags auch noch Dienstags dem Gießener Anzeiger beigefügt sein.

3 tim Bilde

drängt der Zug der Zeit. Auch wir möchten deshalb mit dem Bild vor unsere Leserschaft hin­treten, aber nicht mit beziehungslosen Darstellungen, wie sie in zahlreichen Bilderbeilagen zu sehen sind, sondern mit ausgewählten Aufnahmen aus unseren Heimatgebieten und mit knapp und klar geschriebenen Textbeiträgen dazu. Zeweils am Donnerstag werden die Leser des Gießener Anzeigers eine in unserem eigenen Betriebe bearbeitete und gedruckte neue Beilage zum Gießener Anzeiger erhalten, die

Heimat im Bild

betitelt wird. Hier soll das Heimatgefühl gestärkt und die Heimatliebe gepflegt werden durch Wiedergabe von Bauten, Landschaften und Menschen des Hessenlandes, namentlich Ober­hessens und der Nachbargebiete.

Dev Gietzerrev Anzeige«

soll eben eine Provinzzeitung im besten Sinne sein, und hat es schon seither erreicht, daß er als Blatt der Familie in weiten Kreisen seiner Leserschaft anerkannt wird. Die Spalten unserer Zeitung sollen rein gehalten werden von allen Dingen, die irgendwie anstößig wirken könnten.

Dev Anzeigenteil

des Gießener Anzeigers ist von jeher frei gewesen von Ankündigungen schwindelhafter oder sittlich bedenklicher Art. Damit üben wir einen öffentlichen Schutz zum Bssten unserer Leser aus und helfen wirtschaftliche und sittliche Schäden hindern durch Verzicht auf Einnahmen aus abgelehnten Anzeigenausträgen, die sich jährlich auf Zehntausende belaufen. Auch von diesem Gesichtspunkt aus muß die Wirksamkeit und Werbekraft des Anzeigenteils des Gießener Anzeigers beurteilt werden. Eine Zeitung, die mehrere Menschenalter hindurch so in einem Vertrauensverhältnis zu ihrer Leserschaft gestanden hat im nächsten Zahre werden es 175 Zahre sein übt auch mit ihren Empfehlungsanzeigen einen bestimmenden Einfluß aus.

Durch Verwirklichung des vorsiehenden Programms

sind wir gewiß, daß wir von Monat zu Monat einen stärkeren Leserzuwachs zu verzeichnen haben werden. Wer noch nicht Bezieher des Gießener Anzeigers ist, bestelle zum 1. Oktober vom Tage der Bestellung bis dahin wird die Zeitung kostenlos geliefert in Gießen bei der Geschäftsstelle oder bei den Trägerinnen, auswärts bei den Zweigstelleninhabem oder bei derpost.

Oer Geschäftswelt erwächst während der Werbezeit gegen Ende dieses Monats und im Oktober eine außerordentlich günstige Gelegenheit für ihre Ankündigungszwecke, auf die wir nachdrücklichst Hinweisen.

Verlag und Redaktion des Gießener Anzeigers.

Man erlaubt Deutschland zu leben, und das ift viel: man erlaubt ihm, ein wenig Ordnung in seine Angelegenheiten zu bringen, und das ist enorm: man gestattet ihm, seinen Platz in Europa wieder einzunehmen, und das ist beträchtlich, aber e s i st auch das 3ntcresse von uns allen. Gerade diese letzten Worte sind typisch für den Rist in der Politik. Alles Vorhergehende wäre uns eine gewohnte Melodie gewesen aus dem Munde des Deutschland hassenden 3mperialisten Poin- care: dieser Zusatz aber ist kennzeichnend für den Deutschland nicht weniger hassenden 3mperialisten Herriot. Dort der Schlachtruf: Vernichtung Deutschlands um jeden Preis! Hier die kluge Be­rechnung: Rein, soweit leben lassen, dah wir noch Macht aus ihm saugen können! Derselbe Wider­spruch wie in den Londoner WirtschaftSplänen. älm Poincare hier und Herriot dort aber scharen sich die französischen 3ntere!sengruppen mit ihren aus ihren verschiedenen Wirttchaftsintcrefsen sich ergebenden, geteilten politischen Einstellungen. Auf feiten Poincares der Teil der 3ndustrie, der in Deutschland an erster Stelle nicht den Kontrahen­ten, sondern den Konkurrenten erblicken muh. äleberall Widersprüche, die sich bewegen inner­halb und hin und her zwischen Wirtschaft und Politik einerseits, die sich sortsetzen von logischen und wirtschaftlichen Unmöglichkeiten unfererfeits zu direkten inneren Gegensätzen im anderen Lager andererseits, aber alles in allem ein Zustand, in dem sich Machtsaktoren aus der Gegen- feite, wenn auch zähneknirschend und mit ge­ballten Fäusten, notwendig als unsercBun- desge u offen fühlen müssen, wenn wir poli­tische Erleichterungen und politischen Aufstieg er­streben als den untrennbaren Bestandteil einer sich festigenden deutschen Wirtschaft.

Das; dies der 3nhalt des Risses im Lon­doner Wirtschaftspakt und der aus ihm fol­genden Politik ist, wie wir ihn in unserem Sinne aufzufafsen und zu verwerten haben, dafür ist uns ein deutlicher kaum noch mögliches Zeichen durch die gegen Strescmann und den Bürgerblock gerichteten Ausfälle des Herriotschen LeibblattesOeuvre" g:ti>D den, d e wir seinerseits auch led.glich in Verbindung mit diesen Zusammenhängen richtig erfa fe i. 21.i f.d) nämlich könnte gerade Herriot in seinen Schwie­rigkeiten gegen die sjSoincarerld;lunq nach fran­zösischer Mentalität in nichts ine beisere Hilfe vermuten als in einem streng nationalen deutschen Kurs, aus dem er vielleicht aus Mi tei und Vor­wande zu Räumungsver;ögerungen, Kontrollvcr- längcrungcn u. a. hoffen könnte, mit denen er der Opposition entg gcnkomn en könnt:. Es müs­sen schw:rwicgente Gründe sein, wenn man selbst schon zu so plumpen Mitteln greift, um eine deutsche Regierung unter dem Einflust sozialisti­scher und pazifistischer Hanswürste, wie sie sich in Gens als würdelose Rarren vor aller Wett getummelt haben, ans Ruder schwindeln zu helfen. Denn mir von dieser Sorte kann man erwarten, dah sie die dicken Trümpfe, die Deutschland für die Zukunft in der Hand halt, freiwillig von dannen werfen. Aber da st diese Trümpfe g u t sind und dah drüben Notwendigkeiten drücken, die dem politischen Fanatismus ins Gesicht schla­gen, das eben ist uns gerade durch die Manöver desOeubre" von der anderen Seite selbst un­freiwillig bewiesen worden. Hier ist der Punkt, wo der Rist von London seine innerpolitische Bedeutung gewinnt. Run geradeerst rechtmuhderDürger» block zustandekvmmen. Für den Augen­blick ist angesichts der sozialistifchen Tendenzen und der aus ihnen erwachsenden Gefahren das Zusammengehen ter grvsten Rechtsparteien und der Rechts kreise des Zentrums eine unabweisbare Rotwendigkeit für den. der nach einer Möglich­keit sucht, die Trümpfe, die Deutschland heule dank des Risses im Londoner Pakt in der Hand hält, mit voller Schwere in die Wagschale der bcvorstch nden internationalen Auscina idersetzun-

Pech über Pech.

Die Sozialdemokratie hat in der letzten Zeit wirklich ein Pech, um das man sie nicht gerate beneiden kann. Da war zunächst einmal der Falk des Herrn Leinert, der b.danntlich gcostmüttg auf die Ausübung seiner Tätigkeit als Ober­bürgermeister von Hannover verzichten wollte, wenn man ihm fein volles Gehalt auf Lebenszeit weiter bezahlte, und ter, als die bürgerliche Presse diesen allen guten ©ttten hohn- sprechenden Vertrag in das rechte Licht rückte, prompt einen Rervenchot erlitt und das Sana­torium aussuchte, was allerdings nicht gehindert hat, dast der Magistrat der Stadt Hannover nun­mehr gegen Herrn Leinert die Einleitung eines Disziplinarverfahrens beantragt !'*». Für denVorwärts", der vorher selbst den Ver­trag Leinerks mit den städtischen Behörden von Hannover als einigermafcn unterständlich und höchst bedenklich bezeichnet hatte, sieht es natürlich fest, dast Herr Leinert das Opfer einer wüsten bürgerlichen Hetze geworden sei, die den so kräftig aussehenden Mann ins innerste Mark getroffen habe. Lieber diesen Fall ist noch kein Gras gewachsen, und schon ist ein anderes her­vorragendes Mitglied der sozialdemokratischen Partei auf das schwerste kompromittiert. Es handelt sich um den Präsidenten der Thüringi­schen Staatsbank Loeb. Dieser, ein Mann Anfang der Dreistiger, war in seiner Eigenschaft als Sozialdemokrat von der sozial! «lisch-kommu- nistischen thüringischen Regierung fernerzett zum Präsidenten der Lantesbank ernannt worden nachdem er vorher in Frankfurt in einem Bank­geschäft tätig gewesen war. Er hatte sich sofort als äußerst geschäftstüchtig erwiesen, wenigstens soweit seine eigen: Person in Frage kam, und als infolge der Reichst ei utive eine bürgerliche Regierung in Thüringen ans Ruder kam, erfuhr man mit Staunen, welche Einkünfte sich Herr Loeb auf lange Zeit hinaus zu sichern ge- Wust! hatte. Seine Amtsführung gab im übrig:n zu schweren Bedenken Anlah und wurde in der Oeff entließt eit und im Parlamente mehrfach sehr scharf kritisiert, wobei natürlich tee Sozialdemo­kraten und ihr Anhang sich schützend vor Loeb stellten, trotzdem man zuvor immer versichert hatte, dast Herr Loeb reiner Fachmann und keineswegs parteipolitisch belastet sei. Herr 2oeb hat jetzt fein Amt von sich aus niedergelegt und die wozialdemokratte kündete an, dast sich ein Skandal sondergleichen aus dieser Affäre ergeben werte. Der Skandal ist nun da Allerdings etwas anders, als terVorwärts es behauptet hatte, denn der brave Herr Loeb ist