Ausgabe 
25.7.1924
 
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Ur. 175 Swettes Blatt

Frankreichs Vorherrschaft an der Saar

Don Dr. Ernst Schröder.

Wer nicht aus gewichtigen Gründen die schwarzweihblauen Gestade an der Saar auf­suchen muffe, halte sich lieber nach wie vor tn respektvoller Entfernung. Seitdem die Völker- bundskommission das Szepter der Regierung schwingt und ihr dabei die importierten Fran- Mosen die nötigen Hilfsdienste leisten selbst­verständlich nur aus reinem Altruismus >md Hin­gebung für die Interessen und die Wohlfahrt der Bevölkerung haben sich die Verhältnisse gegen früher von Grund auf geändert. Zwar sieht man heute nicht mehr soviel französisches Militär aller Gattungen und Schattierungen, wie es anfangs der Besetzung und in den ihr fol­genden Jähren der Fall war. Jedoch sorgen Vie nach und nach eingewanderten Franzosen nach Kräften dafür, daß das urdeutsche Land einen sich ständig steigernden französischen^ Ab­strich erhält. Die blauweihrote Fassade wird schamhaft, aber nur schwer verhüllt durch die von der Saarvegierung verordneten schwarzweiß- blauen Oandesfarben. äleberhaupt ist es sehr eigentümlich, wie die Regierungskommission, der die Ausübung der Regierungsgewalt im Saarge­biet auf 15 Jahre, laut Fri^ensvertrag, durch den Völkerbund übertragen worden ist, mit ihren Rechten und Pflichten umspringt. Parallel mit­einander gehen seit chrem Amtsantritt die Be­strebungen, nach innen wie nach außen hin durch intensive Arbeit und rücksichtsloses Vorgehen eine höchstmögliche Stufe vollendeter Französierung zu Erreichen. Was in der inneren Verwaltung auf diesem Gebiet geleistet worden ist, war eben nur dadurch möglich, daß der französische Ein- slliß an der Saar und unter dem Völkerbunds­regime in den letzten Jahren geradezu vor­herrschend geworden war. Kein Wunder, wenn man bedenkt, daß die maßgebenden Stellen in der Zentralverwaltung fast durch die Dank in den Händen von Franzosen sind.

Das Ressort des Innern hat der Präsident der Regierungskommission, der französische Staatsrat Dictor Ra ult, selbst inne. Ihm zur Seite stehen in erster Linie der Generalsekretär Morize sowie sein Landsmann V i g i e r, ein überaus junger Mensch, der ebenso wie seine Stammes genossen von den Steuergroschen der deutschen Saarbevölkerung lebt und sie dafür In mannigfacher Weise schikaniert. Die Hand­habung der Polizeigewalt liegt in den Händen des Franzosen Adler, dem immerhin der Ruf eines einigermaßen sachlichen Mannes vorausgeht. Der böse Geist in der obersten Polizeiverwaltung ist aber der R e u - franz ose Rollin, der während des Krie­ges noch als deutscher Po st sek re tär in Köln fungierte und jetzt seine Liebe und Treue aur möre-patrie dadurch zum Ausdruck bringt, Daß er seinen sranzöfischen Auftraggebern und Brüdern dabei behilflich ist, Revanche an den verhaken Boches zu nehmen. Was ihn jedoch nicht hindert, sich von den bösen Deutschen an­ständig bezahlen zu lassen. Im allgemeinen kann festgestellt werden, daß die infolge ihrer elsah- lotpringischen Heimatszugehörigkeit zu Franzosen gewordenen Existenzen sich in der Regel deutsch­feindlicher und hinterlistiger gebärden als die aus dem Innern dergroßen Republik" kom­menden, die das Saargebiet mit ihrer Anwesen­heit beehren. Da ist Herr Hauviller, einst tm Hauptquartier des Kaisers be- fchäftigt und Lobredner auf die Vorzüge Kaiser Wilhelms II., wozu er eigens als Metzer Archiv­rat eine Broschüre verfaßte, jetzt Pressechef der Saarregierung. Als würdiges Gegenstück zu ihm der Direktor in der Abteilung des Innern, Heimburger, von dem ebenfalls behauptet wird, er sei während des Krieges im Großen Hauptquartier tätig gewesen. Ein werteres Amts­zimmer in der Regierungskommrssion schmückt ein Regierungsrat Monsieur Keßler: in einer der östlichen preußischen Provinzen beheimatet, seit geraumer Zeit naturalisiert und nach allen Regeln der Kunst bestrebt, sein Renegatentum an den Mann zu bringen und urftanzösisch auf- wutreten. Erwähnungverdient" noch in dieser Beziehung ein ehemaliger preußischer Hauptmann Z i x und der zurzeit des Kaiserreiches in Forbach in Lothringen tätig gewesene und jetzt tm Gene­ralsekretariat Dienst tuende Bürgermeister Stieb, der nut seiner Familie zum Fran- zosenium übertrat. Weitere Exemplare dieser Sorte finden sich auch beim Obersten Gerichts­hof des Saargebietes. Es sei hier nur der Rame Leminery testgehalten, der sich als preußi - s che r Richter während des Krieges als einer

Die Stadt unterm Grafenstem.

600 Jahre Grebenstein im Hessenlande.

Die Stadt Greben st ein liegt an der Esse, einem Wässerchen, das in der weiten Welt so unbekannt ist wie die Stadt, die in den ersten Tagen des August ihr sechshunderjähriges Be­stehn als Stadt feiert, älnd doch. wer. einmal auf der westfälischen Strecke fuhr, die das Rhein­land mit Mitteldeutschland verbindet, sah ge­bannt auf das zwischen Warburg und Kassel vor- Überhuschende Urbild einer mittelalterlichen Stadt mit einem Dutzend fester Rundtürme und wohl­erhaltener Ringmauern, mit Häusch.n, dicht an die Mauer gelehnt, und darüber aus hohem Berg eine stolze Burg. Ihre Dächer sind verfallen, fein Bergfried mehr, doch die Mauern trotzen. Die Zigarrenkiste wird im Volksmunde dieser Vrafenstein genannt, nach der die Stadt ihren Namen führt' Grebenstein!

Ein fürstlicher Sih war diese Burg. Roch sind wunderbar gemeißelte Fensterkreuze da, Ballone und Dogen, in denen in stiller Stunde die Burg­frau sah. Die älteste Burg, die im 12. Jahr­hundert entstand, hat keine Spuren zurückgelassen. Nichts ist von ihr bekannt, es sei denn, dah eine kreiße Frau umgeht, eine Durgdame, deren Ge­mahl erschlagen wurde. Ihr Sehnen nach dem Gefallenen raubt ihr die Grabesruh. Jetzt spukt sie wieder in einem Fest spiel, das ein geborener Grebensteiner, Studienassessor H. Röser in Kassel, schrieb, das von über hundert Bürgerinnen und Bürgern in den Tagen des Stadtjubiläums auf- geführt wird. Eine gewaltige Feier wird's, ob­gleich die Stadt noch unter den Folgen großer Schlammüberschwemmung leidet, die im Mai ein Woüenhruch in die Straßen und Gärten trieb.

Gletzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gdrrheffen) zreltag, 25. Juli (92<

der wilde st en Annektion ist en auf­spielte, nach dem Einzug der Franzosen- sich lang­sam zu ihrem Foeun^ durchmauserte, seinen Landsleuten mehrmalig in den Rücken fiel und schließlich ganz auf die schiefe Ebene des Ab­trünnigen geriet. Unter diese Rubrik fallen noch eine weitere Anzahl unzuverlässiger Elemente, die dem deutschen Saargebiet nur Schaden zufügen und die Arbeit der deutschen Männer sabotieren, die in reiner Uneigennützigkeit, stets die Wohl­fahrt der Devölterung im Auge, durch das Schwergewicht des Ansehens ihrer Person und die zwingende Kraft ihrer Arbeit versuchen, das Los der Einheimischen nach Lage der Dinge bis zu einem gewissen Grade wenigstens erträglich zu gestalten. Insgesamt sind ungefähr zwei Drittel aller oberen Beamten der Zentral­verwaltung französischer Staatsangehörig­keit. 1

Die im Frühjahr in Genf siattgefundene Neu­wahl der Mitglieder der saarländischen Regie­rungskommission durch den Dölterbundsrat ließ die Hoffnung der Bevölkerung auf eine Besse­rung der Verhältnisse wieder von neuem Blüten treiben. Bestärkt wurde sie in ihrem Glauben durch die Tatsache, daß das nur mit dem Rechte der Begutachtung ausgestattete saarländische Schein- panameni nach Den Neuwahlen und dem Aus­scheiden des bisherigen Präsidenten, der. obwohl nicht Mitglied des Hauses, dyn Abgeordneten von der Regierung aufgezwungen worden war, einen Mann aus den eigenen Reihen, den Zentrums­abgeordneten Scheuer zum Vorsitzenden bekam. Allerdings durfte auch der neue Präsident nicht vom Landesrat gewählt werden. Seine Ernennung erfolgte ebxnfal^ wieder durch eine Regierungs­verordnung. Immerhin ist damit ein kleiner Fort­schritt festzustellen. Hauptaufgabe des Parlaments wird es aber nach wie vor sein, mit allen Mitteln darauf hinzuarbeiten, daß der westliche Beamten­apparat, der ohnedies durch die Vorschiebung der französischen Zollgrenze an die saarländischen Grenzpfähle nach dem besetzten Gebiet eine wei­tere Verstärkung erfahren wird, wenigstens in der inneren Verwaltung auf ein Minimum reduziert wird. Es wäre nur zu wünschen, daß denVölker- bund endlich einmal auf die vielfachen Denk­schriften der saarländischen Parteien reagiert. Da- durch würde ja ihm selbst wie den hohen ^Idealen des Friedens und der Versöhnung, der dem Ge­danken der Liga der Nationen eigentlich rnne- wohnt, der größte Dienst erwiesen. Man halte sich immer vor Augen: Bisher waren es nicht die Männer des Völkerbundes, die die Aus­führungsbestimmungen des Saarstatuts des Frie- densvertrages an Ort und Stelle in die Tat umzusetzen bestrebt waren. Im Gegenteil, die deutschen Parteien des Saargebietes waren es, die über Sinn und Buchstaben des Vertrages wachten, indem sie immer und immer wieder in Genf vorstellig wurden, damit von dort aus die Sendlinge an der Saar, die stets nur die >Ge­schäfte Frankreichs besorgten an ihre Pflichten erinnert wurden. Indem so die Saarbevölterung die Autorität des Völkerbundes stutzte, hat sie gleichzeitig den Beweis einer ehrlichen Mitarbeit erbracht. Sie gibt die Hoffnung nicht auf, schließ­lich doch einmal zu einer beiden Teilen, Regie- rungskommission wie Bevölkerung, genügenden Basis einer Zusammenarbeit im Interesse der Wohlfahrt des Landes zu kommen, wenn auch jetzt noch Präsident Rault die letzten Anstren­gungen macht, für die Franzosen herauszuhvlen, was herauszuhvlen ist. Es sind doch nur die letzten Auswüchse einer verfehlten Politik, die dem deutschen Volkstum an der Saar Schaden äi- fügen, ja sogar es vernichten sollte, die aber in letzter Linie auch jede sachliche Mitarbeit zum Nutzen des Ganzen in der Bevölkerung erstickte und so den französischen Belangen nur Abbruch lat. Denn das Ziel, das die F.aazosen sich ge­setzt hatten, ist unerreicht geblieben, trotz aller Drangsalierungen und Schikanen, trotz aller anlideutschen Regierungsverordnungen: die

deutsche Saar ist und bleibt deutsch. Die Be­völkerung läßt sich in der Betätigung ihres na­tionalen Willens nicht hindern, auch nicht vor» schreiben, wohin sie sich wenden soll, wenn ihrem Recht bei der Regierungskommission nicht Ge­nüge geschieht.

Das Grab in der Fremdenlegion.

Die Werbungen für die französische Fremden­legion haben leiber noch immer in unserem Laute Erfolg. Die Werber sind, solange sie sich in Ge­bieten mit unbeschränkter deutscher Pvlizeihoheit aufhalten, derart zurückhaltend and vorsichtig, daß der Polizei fast niemals ein Zugriff gelingt. Meist werden junge Leute mit dem Versprechen, ihren

Wenn dennoch die Stadtfeier vor sich geht, so wird damit der Dürgersinn bekundet, der furcht­bare Fehden und entsetzlichste Greuel im Dreißig­jährigen Krieg überdauert, in dem die Kxoaten wiederholt mordeten und brandschatzten, in dem in einer Nacht auf 200 Häusern der rote Hahn sah und nichts als Asche, Trümmer und hohle Mauern blieben. __

Es sind viel romantische Winkel m der ber­gigen Stadt. Da ist ein Hochzeitsweg und bezeich­nenderweise gleich daneben eine Straße, die den NamenHölte" führt. Durch Wasserdurchlässe, die Musterbeispiele alter Defestigungskunst, rauscht die Esse. Im Iungfernturm soll eine eiserne Jung­frau gestanden haben. Nach anderer Lesart im Dreimännchen", einer ilpibitbung von Drehmänn­chen, einem Drehtor, dessen düsterer Raum Stadt­gefängnis und Folterkammer war. Mancher ist durch eine Oeffnung im Steinboden in das Wasser gelassen worden. Dann fand man irgendwo seinen Leichnam. Ein kleines Abbild vom Londoner Tower l

Vom Jahre 1324 weih man, dah die Stadt Rechte als solche besah, vom Landgraf zu Hessen, dessen Hauptstadt Kassel sie schirmte, verliehen. Daher die Feier. Doch die Siedlung am Fuhe des Grebensteins ist bedeutend älter._ Es war ein bevorzugter Platz, aber auch ein gefährdeter. Die schon kurz erwähnte Chronik bezeugt es: sie ist mit Blut geschrieben!

Aus der wehrhaften Feste wurde ein stilles Landstädtchen, in dem der Handwerker neben dem Landwirt wohnt. Nur die Mauern und ihre Türme erinnern an eine bewegte Vergangenheit. In ihnen und oben in der Burg muh die blaue Blume der Romantik blühen, der Sage nach von der weiten Frau bewahrt. Diese Blume wird jetzt emporgehoben, aller Welt sichtbar. Blickt hin zum Rothenburg des Hessenlandes l

RuLiolf HvhnemKNkk

gut bezahlte Arbeit zu verschaffen, oder mit son­stigen auf die Psyche junger Männer sehr wirk­samen anderen Versprechungen zu einer Fahrt ins besetzte Gebiet oder an die Grenze des.be­setzten Gebiets gelockt und dann mit Zuhilfenahme von Alkohol rasch ihrem Schicksal in die Hände gespielt. Biswellen gehen auch junge Deutsche aus Zuneigung zum Soldatenberuf, den sie in Deutschland wegen der Heeresbeschränkung nicht ergreifen können, fieiwillig hin, um sich für die Fremdenlegion verpflichten zu lassen.

Neuerdings liegt ein derartiger Fall vor, wo ein junger Badenser in die Fremdenlegion eili­ge treten und dann nach kurzer Zeit unter dem mörderischen Klima und der rücksichtslosen Bruta­lität des Dienstes gerade in der Fremdenlegion zugrunde gegangen ist. Die Eltern hoben auf eine Anfrage von deutscher Regierungsstelte geant­wortet, dah ihr Sohn mit ßetb und Seele Soldat war und dah er, nachdem es ihm unmöglich war, wieder bei einem Truppenteil unterzulommen, ver­mutlich durch die Lockungen von Werbern zum Eintritt in die Fremdenlegion veranlaßt worden ist. Nach einjähriger Dienstzeit sei er schon ge­storben, woran und auf welche Weise, darüber ist den Eltern nie möglich gewesen, eine Auskunft zu erhalten.

Die Gefahren des Dienstes bei der Fremden­legion werden allein schon genügend erkennbar daraus, dah nicht einmal die Eltern auf ihre An- fiaae über die näheren älmstände heim Tode ihres Sohnes benachrichtigt worden sind.

Es kann nach allen Erfahrungen nicht dringend und nicht oft genug vor der Fremdenlegion ge­warnt werden.

Turnen, Sport und Spiel.

Prüfung von Schutz-und Polizeihunden

Am Sonntag fand auf dem Trieb bei bestem Wetter die zweite interne Prüfung des Schuh- und Polizeihund-Sportvereins Gießen 1922 statt. Als Richter fungierte Kriminalwachtmeister Jä­ger aus Darmstadt. Don 22 gemeldeten Hunden 'waren 19 zur Stelle, und zwar 10 Rüden und 9 Hündinnen. Die Leistungen können durchweg als sehr gut bezeichnet werden, insbesondere, da viele Iunghunde gemeldet waren. Vor allen Dingen war die Spuren- und Stöbevarbe't fast von allen Hunden eine ganz vorzügliche. Die Gehorsams­übungen und das Arbeiten am Verbrecher zeigten ebenso gute Resultate. Die Bewertung gestaltete sich folgendermaßen:

1. Preis und Diplom:Rolf" (Wagner) P. H., 207 PunkteVorzüglich"; Besitzer Hans P. Pe­te r s en - Gießen.

2. Preis und Diplom:Dona von Vogelsberg", 175 PunkteSehr gut; Besitzer Heinz Gonder- Gießen.

3. Preis:Rolf", 167 Punkte,Sehr gut; Des. O. Deibel- Gießen.

4. Preis:Arkus von Haina", 159 Punkte, Sehr gut; Bes. H. P. Petersen, Führer W. Launspach - Gießen.

5. Preis:Wolti von Bvachenfels", 149 P., Sehr gut; Bes. Dir. Stolte-Gießen, Führer H e i l m a n n - Gießen.

6. Preis:Otto von Eschatzial", 144 P.,Gut; Bes. I. Fricke- Butzbach.

7. Preis:Alice v. d. Munterleh, 123 P., Gut: Bes. K. Steinhäuser -Butzbach.

8. Preis:Afva Seibel", 121 P.,Gut"; Des. A. Sänger - Gießen.

9. Preis:Dolf v. Haina, 107 P.,Gut"; Des. H. Paul- Butzbach.

10. Preis:Bianka v. Hefsenstolz, 104 P., Gut"; Bes. Frau Ian z-Gießen.

11. Preis:Don v. Gleiberg", 103 P.,Gut", Des. Wilh. B i e r a u - Wieseck.

12. Preis:Eitel v. Vogelsberg, 88 P.; Des. Wachtmeister P a h i a n - Gießen.

13. Preis:Harro", 78 P.; Bes. Frau Bald­auf - Gießen.

14. Preis: Frika v. Vogelsberg, 73 P.; Des. Herr Herzberger - Queckbom.

15. Preis:Birke v. d. Lahnlust, 70 P.; Bes. H. Kelter- Gießen.

16. Preis:Arco v. d. Liddhbuvg", 62 P.; Des. Heinrich Kujat- Butzbach.

17. Preis:Zilla", 57 P.; Des. K. Schmidt- Launsbach.

18. Preis:Curt v. Buseckertal, 52 P.; Des. Felds chüh 'Bogel Wieseck.

19. Preis:Clara v. Buseckertal, 49 P.; Des. 211fr. Hahn- Großen-Buseck.

Führerpreise erhielten: 1. Hans P. Pet er- sen-Gießen, 2. Hotelier Fricke-Butzbach, 3. O. Deibel- Gießen.

Don den gerichteten 19 Hunden erhielten durch die BewertungDorzüglich",Sehr gut undGut" 11 Hunde das Schutzhundzeichen, ge-

IdyMsches aus Persien.

Die Nachricht, daß der amerikanische Konsul in Teheran, Major Imbrio, von der Menge er­mordet worden ist, weil sie in dem Photographie­ren eines heiligen Ortes eine Gotteslästerung er­blickte, hat toieber einmal die Aufmerksamkeit auf dieses älteste Königreich gelenkt, in dem man kürzlich, allerdings ohne Erfolg, die Republik einzufiihren versuchte. Man hört aus Persien nur von solchen plötzlichen Ausbrüchen der Volks- leidenschaft, die durch die einheimischen Zeitun­gen genährt werden. Qlber im allgemeinen geht es in diesem Lande sehr gemütlich zu, und das alltägliche Leben vollzieht sich in einer Reihe seltsamer Idyllen, von denen der Teheraner Be­richterstatter derTimes" erzählt. Die oberen Klassen in Persien zeichnen sich durch eine ge­radezu erstaunliche Faulheit aus, und auch die Beamten arbeiten höchstens drei Stunden. Sie kommen erst kurz vor Mittag aufs Bureau, entfernen sich dann sofort wieder zu einem län­geren Frühstück, dem eine kleine Siesta folgt, und um 4 älhr werden schon die Aemter ge­schlossen. Die ivenigen Stunden, die sie im Amte verbringen, werden mit Teetrinken ausgefüllt, denn jeder Besucher muß mit einer Erfrischung ausgenommen werden. 2tm Freitag sind alle Bureaus geschlossen, und außerdem gibt es un­zählige religiöse und nationale Feiertage. Die unteren Klassen bekümmern sich nicht um Poli­tik, und der Mittelstand, der aus den Kauf­leuten besteht, ist von seinen Privatgeschäf- t e n ganz in Anspruch genommen. Das Haupt­leben in Teheran vollzieht sich auf dem Lalazak, wo die größten Läden liegen und sich die Re­daktion' der führenden Zeitungen befinden. Die 3citmHj<i, ; ielen eine große Rolle und erfreuen sich be., gtobten Freiheit, die sie reichlich mih- brauch.rn. Die Meißen Taaeblätter werden von

wih ein schöner Erfolg für den Schuh- und Polizei­hund-Sportvereins Gießen 1922. Diese Hunde sind berechtigt, an der nächsten Polizeihundprüfung des Hessischen Landesverbandes für Schutz- und Po­lizeihunde leilzunehmen.

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Marburger Reit- und Fahrturnier 1924.

Wie aus dem heutigen Anzeigenteil ersicht­lich, findet morgen, Samstag, und übermorgen, Sonntag, das dirsjährtzge große Reit- und Fcwr- tuvntei in Marburg auf dem Stadion der Uni­versität statt. Die Zahl der Nennungen mit bis jetzt 184 Pferden ist eine unvorherge eben hohe. Infolgedessen verspricht das Turnier ein außer­ordentlich gutes Pferdematerial zu zeigen. In der SprinAonkurrenz springen 50 Pferde aus allen Gauen Deutschlands um den großen Preis von Marburg. Besonders sei noch auf die Dor­führung der Fahrschule der Fahrabteilung 5 Kassel aufmerksam gemacht.

Die Dorkämpfe finden Samstag, nachmit­tags ab 3 älhr, auf dem Stadion statt, während die Hauptkämpfi Sonntag, nachmittags 2 Uhr, beginnen. Die Preise sind innerhalb des Sta­dions während der Kämpfe ausgestellt und wer­den Sonntag nach Abschluß der Kämpfe den Sie­gern aus gehändigt. Man beachte die Anzeige im heutigen Blatte.

Wirtschaft.

Zur Preis- und Konjunkturentwicklung.

Nachdem seit Mllte 2lpril durch die allge­meine Beschneidung der Kredite die bis dahin ge­schaffene künstliche Kaufkraft verschwunden ist, Hal der Preisabbau bis auf die Getreideprets-Steige- rungen der letzten Tage stetigen Fortgang ge­nommen. In vielen Artikeln liegen im Großhandel die deutschen Preise tatsächlich schon unter den ausländischen.

Dennoch ist keine Frage, daß für manche Gegenstände weiterer Preisabbau im Klein­handel sehr iyohl möglich ist; das gilt besonders für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse. Getreide und Vieh wird z. B. auch trotz der letzten Preis­erhöhungen vom Erzeuger noch billiger ver­kauft als im Frieden; die Kleinhandelspreise für Brot und Fleisch liegen dagegen immer noch über Vorkriegshöhe. Roggen und Weizen lagen z. D. bis vor einigen Tagen noch ca. 25 Prozent unter Frieden; das Brot kostete zur selben Zeit 20 Prozent mehr als im Frieden. Die Spanne zwischen den Groß- und Kleinhan­delspreisen für Weizenmehl betrug vor dem Krieg 69, jetzt ca. 103 Proz.; bei Rindfleisch war die Spanne früher 50 Proz, jetzt sogar etwa 140 K; für Schweinefleisch lauten die enlsprechen- ylen 40 und 110 Proz. und für Kälbsle.sch 40 und 130 Proz. Nur bei wenigen Waren hat sich die Spanne verringert, wie z. B. bei Kar- toffeln, Butter und Eiern. Dieser so stark ge­stiegene älnterschied läßt sich neben den viel zu hohen Zinslasten zum Teil zwanglos erklären aus den hohen Frachten und Steuern (besonders älmsatz- und Gewerbe­steuer), die vielfach um ein Mehrfache- höher sind als im Frieden. Daneben spielt aber auch eine große Rolle der älmstand. dah zwischen dem Erzeuger und Verbraucher jetzt viel mehr Glieder des Handels be- schäftigt sind als früher. Diese überflüssiger Glieder sind noch eine Folge der Zwangswirtschaft, als die Warenknappheit eine älnzahl parasi­tärer Händler zur Umgebung der ZwangS- vorschriften erzeugt hatte. Je stärker das Waren- angek>t wird, desto eher werden die überflüssigen Existenzen verschwinden. Schließlich bleibt zur Erklärung der über Friedens höhe liegenden Preise noch der älmstand zu erwähnen, dah viele Käufer sich noch nicht an Heine Zahlen gewöhnen können, und dah sie der Ansicht sind, die Warenpreise mühten unbedingt über Friedensh'-he liegen. Et­was mehr Nachdenken und Selbstdisziplin wird zweifellos viel zu einem stärkeren Tempo deS Preisabbaues, wo es nötig ist, bei trugen.

Erscheint so einerseits m manchen Fällen eine weitere Preisverbilligung sehr wohl möglich (sofern allerdings nicht Lohnforderungen, Ar­beitszeitverkürzungen, neue Steuern usw. Rück­schläge bringen), so gibt anderseits aber auch schon Fälle, in denen der Preisabbau den Rah­men des volkswirtschaftlich Gesunden bereits überschritten zu haben scheint. Ein organischer Preisabbau ist notwendig zur 2lufiechterhaltang unserer Konkurrenzfähigkeit und zur Hebung der Konsumkraft der breiten Volksmasse. Wo er aber den Charakter eines zwangsmäßigen, überstürzten Abbaues angenommen Hatz find Bedenken am Platze. Das gilt besonders für die sog.Zwangsveickäufe, die dem Zwange ent­sprungen sind, um jeden Preis auch mit Verlust!

den Ministern und Gouverneuren ober den ein­zelnen Parteien unterstützt und bringen alles, was man von ihnen gegen Bezahlung verlangt. Nur in den seltensten Fällen entschlieht sich ber Premierminister, das Erscheinen eines Blattes zu verbieten. Dabei sind diese Blätter, die Namen führen wieDer Donner",Der Sturm,Der Stern von Perfien,Der Frühling",Die Wahr­heit", vielfach sehr gut geschrieben und enthalten philosophische Aufsätze sowie schone Dichtungen. Einer der bedeutendsten Redakteure ist em be­rühmter Dichter. Dah das Geld eine so große Rolle spielt, gilt für selbstverständlich, beim in Persien herrscht bas Sprichwort:Geld ist alles". Eine viel erzählte Geschichte gibt einen Begriff von der allgemeinenMoral". Ein Missionar fragte seinen Diener, wieviel er ihm monatlich au fier seinem Lohn geben müsse, damit er nicht stehle.6 Tumans" (16 Sh.), antwortete der Diener Husain. Der Missionar versprach ihm die Summe, und Husain ging auch darauf ein. Drei Monate verstrichen, aber als am Ende des vierten der Zahltag herankam, warf sich der Diener vor seinem Herrn nieder und rief:Ich kann es nicht länger tun, Herr!"Ist die Versuchung, zu stehlen, in dir so groh, dah du wirllich nicht widerstehen kannst?" fragte der Missionar. Aber er war über­rascht, als ihm Husain den wirklichen Grund mitteilte. Was er nicht länger ertragen konnte, war, dah jedesmal, wenn er in den Basar kam, seine Freunde mit Fingern auf ihn zeigten und riefen:Seht, seht! Da kommt der einzige ehrliche Mann in Persien." Die Frauenemaustpalion ist in Persien noch sehr wenig fortgeschritten. Die Dame des Hauses ba rf keine männlichen Be­sucher sehen, wenn es nicht ganz nahe Verwandte, sind. Sonst spielt die Gastfreundschaft eine sehr große Rolle, und beim Sorbettrinken und Ziga­rettenrauchen verbringen die persischen Herren lanae Stunden tn würdevollem Gespräch,