Rhodes, Dem öTemtenntnqitt,
in Transvaal etw am einen Umsturz herovr- Airufen und die Republik für Sag land mit Beischlag ,iu belegen (6nöc Dezember 1895). Deutschland hatte dies« Entwicklung mit großer Aufmerksamkeit verfolgt, da es aus kommerziellen «Erü.rden hohen Wert auf die Selbständigkeit der Duren legte es hatte England daher schon vor- hec nicht im Zweifel gelassen, daß es in der geivaltfamen Veränderung des augenblicklichen .Zustandes eine unfreundliche Handlung erblicken müsse. Gegen das Vorgehen Iamesoos wurde Laber sofort protestiert, ja, Hatzfeldt erhielt den Desehs, seine Pässe zu fordern, wenn Salisbury tc i Fttcdensbcuch in Südafrika billig (1. Januar 18J6). Indessen brauchte der Botschafter weder dieses noch ein sonstiges Druckmittel anzuwenden. Dem Marquis Salisbury waren offenbar die süü- afrikanische Vorgänge unwillkommen, da er von einem Siege Jamesons Verstärkung der kolonialen Selbständigkeit, ja separatistische Tendenzen in SüdafriKl besorgte, er mißbilligte sofort 3ame” scns Expedition und erließ schleunige Befehle zur Umkehr an ihn. Ehe fie wirksam werden konnten, hatten die Duren bereits selbst die Eindringlinge unschädlich gemacht (1. Januar). In Berlin war aber das Auswärtige Amt mit diesem Ausgang u nd der Haltung Englands nicht zufrieden: man fürchtete, England werde unter irgend einem Vorwand die alten Bestrebungen zur Umgarnuug der Duren sortsetzen, und wünschte deshalb eine
völkerrechtliche Sanktion für ihre Unabhängigkeit, etwa aus einem internationalen Kongreß, zu erreichen. Diesen Gedanken ist das bekannte Telegramm des Kaisers an den Präsidenten Krüger vom 3. Januar das m der deutschen öffentlichen Meinung ebenso stürmisch begrüßt, wie in de: englischen angefeindet wurde, entsprungen. Cs war fein impulsiver persönlicher Akt des Kaisers sondern ein im Auswärtigen Amt erwogene» Schritt zu dem insbesondere der Staatssekretär Marschall, das treibende Element in der Dvrensrage, geraten hatte. Man hoffte damit, die Stellung der Buren moralisch zu stärken, empfahl chnen aber zugleich dringend, sich jeder provokatorischen Handlung zu enthalten, um sich nicht ins Unrecht zu sehen oder gar einen Krieg mit England herbeizusühren. In der Mäßigung, die man den Duren empfahl, ging man mit gu em Deifpiel voran. Jeder Versuch wurde unterlassen, nach eigenem Vorteil bei dieser Gelegenheit zu trachten, und etwa die Delagoabai zu besehen, unter dem Vorwande, die Deutschen in Transvaal schützen zu müssen. Der Kaiser, anschein rnd Unter dem Einfluß kolonialer 5t reife, stand diesem Gedanken zwar ursprünglich nicht fern, ließ ihn aber auf die Vorstellung des Reichskanzlers fallen (7. Januar). England und Frankreich (als Besitzer des benachbarten Madagaskar), sagte Hohenlohe, würden sich hierdurch zugleich bedroitt fühlen und gemeinsame Sache g?gen Deutschlano machen.
Die Hoffnung, die man auf das Telegramm gesetzt hatte, erwies sich trotzdem als eitel. Anstatt die Stellung der 'Duren zu verbessern, erschwerte es vielniehr infolge des Sturms, den es in England entfesselte, die Absicht Salisburys, sich mit den Duren zu verständigen and die Macht der Chartered Company zu vermindern. Da aber Deutschland jede weitere Initiative in der Transvaalfrage auf Hahfeldts Rat vermied, so blieb das Verhältnis zwischen Deutschland und England im allgemeinen unverändert, ja, Salisbury konnte sogar nach einigen Wochen (Mitte Alarz) Hatzfeldt den Wunsch nach größerer Vertraulichkeit aussprechen, woraus der Botschafter allerdings mit dem Hinweise aus das allgemeine Mißtrauen in die Stetigkeit und Zuverlässigkeit der Londoner Politik antworten mußte.
Indessen für Deutschland hatte die Transvaal- »rage noch eine andere Seite. Man hatte in Berlin enf die Popularität der Duren in Europa sowie aus^den Gegensatz Englands zu Rußland und Frankreich gerechnet und erwartet, daß die Der- tretang der Durensache sofort rm Au Stande Beifall finden, werde: anstatt dessen bemühte sich Frankreich wie man bald erfuhr, um eine Annäherung an England und stellte sich sogar für jedes wettere Vorgehen gegen Deutschland »ur Verfügung: vor dem Gedanken an Elfaß- Lothringen mußten alle kolonialen Differenzen mit England zurücktreten. Ja, der französische Drtschaster in London sprach dem Grafen Hatz- seldt ostentativ seine Zustimmung zu dem deutschen Vorgehen aus: osfenbar in der Hoffnung, Hah- feldt hierdurch zu schroffem Auftreten, zu verleiten und den Riß zwischen England und Deutschland unheilbar zu machen. Das Mißlang ihm freilich man erkannte vielmehr schnell, daß ein kontinen- taleä Zusammenwirken gegen England außer dem BerLiche der Möglichkeit lag, daß Dmlfchland also bei etwaigen kolonialen Differenzen mit England äncf,^r?drn^l9Un9 suchen müsse, und in einem Konflikt festländischer Mächte mit England nie an der Spitze stehen dürfe. „Innerhalb zehn S^ren schrieb Fürst Hohenlohe, „haben zwei verschiedene deutsche Regierungen zweimal ver- sucht, ein politisches Zusammenwirken mit Frank
reich verveizufUhren in solchen Fragen, welche außer Verbindung mit dem Frankfurter Frieden stehen. Die Erfahrungen, welche wir jedesmal gemacht haben, find nicht geeignet, uns, wie die Dinge einmal liegen, zu einem dritten Versuch zu ermutigen. Wir müssen aus dem ®r° lebten den Schluß, ziehen, daß Frankreich alle Fragen der einen Reoancheidee unterordnet. ‘ And von Rußland versah man sich nichts bess^ res. es gehe stets mit dem Plan um, Oesterreich zu zerstören, und werde nur durch den Dreibund daran gehindert, das war dis äleberzeugung des beutschen Reichskanzlers.
Der Vortragende Rat v. Holstein, die einslüßreichste.Personlichkeit im Auswärtigen Amt. schrieb am 10. Januar 1896 an seinen F.eund Hatzfeldt, die Transvaalfrage scheine gut zu verlausen. „mit einem kleinen diplomatischen Erfolg für Deutschland und einer kleinen politischen Lektion für England." Tatsächlich hatte durch den Verlauf der Dinge nicht Etigland sondern Deutschland eine Lektion erhalten, und vb Deutschland einen Erfolg davongetragen und die Burenrepubliken gesichert hatte, mußte erst die Zukunft lehren.
Die Plaidoyers im Hitlerprozetz.
München, 24. März. (WTB.f Der heutige (21.) Verhandlung st ag beginnt mit dem Plädoyer des zweiten Verteidigers des Angeklagten Sr. Weber, Aecht?<rnwalt Dr. M 0 Yer - Würzburg, der sich zur Aufgads gefetzt hat, die Theorie von der gelungenen Revolution zu entkräften. Der vorliegende Fall fei der erste und entscheidende, wo die Richter darüber zu urteilen hätten, ob Anrecht und Verrat Recht werden könnten. Die Idee, daß sich die Rechtsgültigkeit der Weimarer Verfassung auf die Volkssouveränität gründe, widerspreche jeder christlichen Sta»itsauffasfung. Die Angeklagten hätten nicht die Absicht gehabt, eine Verfassung zu ändern, sondern nur he - t i m m t e politische Maßregeln herbeim- ühren. Daß sie eine Diktatur ausüb.en, könne nicht trafbar sein, weil ja auch unter der Weimarer Verfassung die Diktatur durchgesührt worden sei. Die Airgeklagten hätten nichts anderes gewollt, als im Verein mit den legitimen Machtmitteln eines Bundesstaates in die Reichsgeschicke einzugreisen. Es habe noch keine Revolution gegeben, die nicht durch einen Staatsstreich beendet worden wäre, und diese Revolution werde davon keine Ausnahme machen. Zum föderalisti- chen Gedanken bemerkte Dr. Meyer, Bayerns. Tradition sei, dem Reiche die Sturmfahne voranzutragen, die es sich nicht aus der Hand schlagen lassen dürfe. Weiter weist der Verteidiger darauf hin, daß die Angeklagten nicht die Weimarer Verfassung, sondern nur die Reichsregierung hätten ändern wollen und betont, daß Kahr nach seiner eigenen Aenßerung
„Diktator von Gottes Gnaden" und ihm die ganze vollziehende Gewalt übertragen worden sei.
Der Verteidiger des AngÄagten K r i e b e l Rechtsanwalt Dr. Gademann bittet für sein Plaidoher die Oefsentlichkeit auszuschließen. Das Gericht beschließt den Ausschluß der Oesfenllich- feit woraus der Saal geräumt wird.
Gegen Mittag wird die Oeffenstichkeit wieder hergestellt. Rechtsanwalt Gademann weist an Hand von Zeugenaussagen nach, daß tatsächlich ein Waffengang gegen den Horben geplant und vorbereitet war. snsbes andere habe Kahr gewußt welche Ziele die Verbände hätten, und sich mit diesen Plänen einverstanden erklärt. Losfow habe im Gerichtssaale den Zwischenfall mit Hitfer benutzt, um die F ucht zu ergreifen. Wenn überhaupt von einem gewaltsamen Vorgehen gesprochen werden könne, so könnte dies vielleicht verfassungswidrig gewesen sein aber niemals Hochverrat. Er erachte es als selbstverständlich daß das Gericht zu einem F eispruch kommen müsse. Es komme aber auch als weiteres Moment noch in Betracht die R o tipe hr gegenüber der Reichs regjeru ng die zum mindesten fahrlässig das Volk in die größte Rot gebracht hob«. - Rach Beendigung der Verteidigungsreden stellt der Zweite Staatsanwalt fest, daß Dr. Gademann in einer seiner Ausführungen: gegen die Staatsanwaltschaft persönlich geworden sei. Es sei behauptet worden, in geschlossener Sitzung sei der Wafsengang nach dem Rorden nachgewiesen worden. Rach Auffassung der Staatsanwaltschaft fei ein derartiger Nachweis weder in öffentlicher noch in geschlossener Sitzung erbracht worden, schon deshalb nicht, weil ein großer Teil der Zeugen nicht vernommen wurde.
Strafantraa gegen die bayerische Regierung.
Berlin, 25. März. (Priv.-Tel.) Der preußische Staatsminister a. D. Konrad H ä n i sch hat als Vorsitzender des Republikanischen Reichs- rundes gegen Ä a h r, Lossow und © e i ß e r,
55. Fortsetzung.
(Rachdruck verboten.)
Jetzt war es so weit gekommen, daß sogar die Verrichtung der Rotstandsarbeilen verhindert wurde. Die Unternehmer sahen darin einen begründeten Anlaß, ein scharfes Vorgehen des Militärs zu verlangen. Wohl oder übel hatte die Regierung diesem Verlangen nachgeben müssen.
Aus dem Zauresschacht kam es zum ersten Zusammenstoß
^ .^^..^"ptmann Möchin von den Marotto- schutzen ließ seinen Zug anlegen.
., einmal eine Aufforderung an die schwarzen Grubenaroeiter, auseinanderzugehen .. Den Platz zu räumen. Die dachten gar nicht M®1« Aufforderung Folge zu (elften. Sie fußltcn- sich in ihrem guten Recht und wollten der Forderung der weißen Direktoren nicht nnch- wmnren Das war ein ganz regulärer und reeller Lohnkampf, wie es deren viele Tausends im Lause der letzten hundert Jahre gegeben hatte. „Gerechtigkeit! . . . Arbeit! . Brot!
Keine Ausnutzung!" schallte es her Truppe aus dem Haufen entgegen.
„Feuer!"
Scharf und abgehackt fiel das Kommando von den Lippen des Hauptmannes.
Kein Finger krümmte sich, kein Schuß krachte. Die Ginget»*:renentruppe stand, als ob das Kommando nicht ihr gegolten hätte.
Der Hauptmann stürzte nach vorn... die gespannte Schußwaffe in der Hand, entschlossen, die ersten Meuterer niederzuschäeßen. Da sah er die Gesichter der schwarzen Soldaten, sah in die Augen der Heiden weißen Offiziere und begriff, daß seine Vlacht hier zu Ende sei.
Don seiner Truppe verlassen... als Offizier entehrt ... mit seiner Sforrteve fertig . .
MWrSesUWs-W
Ein Roman aus dem 21. Jahrhundert von HanS Dominik.
Der Streik im Minengebiet des algerischen Atlas kam überraschend. Man hatte nicht erwartet, daß die Erhöhung der Schichten um eine Stunde täglich bei der schwarzen Bevölkerung auf solchen Widerstand stoßen würde. Zwar hatten sich die schwarzen Arbeiter bereit erklärt, die eine Stunde mehr zu verfahren, aber nur gegen doppelten Lohn. Damit hatten sich die Unternehmer nicht einverstanden' erklären können.
Die Arbeitsniederlegung war die Antwort der schwarzen Bergleute. Die Belegung des Reviers mit Militär hatte daran nichts ändern können.
Die Unternehmer befanden sich in einer Zwangslage. Statt, wie die Regierung verlangte erhöhte Förderung zu liefern, standen die Schächte schon seit einer Woche still. Die französische Regierung drängte zu einer Entscheidung. Sie war mit Rücksicht auf die verwickelte Lage in Asien verpflichtet, dem europäischen Staatenbund beträchtliche Mengen afrikanischer Erze zu liefern. Dabei war der Preis so festgesetzt, daß Oie. Unter- nebmer bei dem verlangten doppelten Lohn ohne Eewiim arbeiten mußten.
Die hatten gehofft, der Widerstand der Ar» b in selbst zusammenbrechen.
k fcentbe Emissäre unbe-
ani Werk, die jedes Rachgeben der Arbeiterschaft verhindertem
een vayertfchen Ministerpräsidenten v. Kntl -- Ung und den Minister des Innern Schweher bet der Staatsanwaltschatt in München Strafantrag gestellt, weil die Genannten dadurch, daß sie den wegen gemeiner Verbrechen verfolgten Kapitänleutnant Ehrhardt nicht verhaftet, sondern ihm sogar Ausweise ausgestellt haben, sich im Sinne des § 346 des Retchsstrafgesetzes strafbar gemacht hätten.
Die Wahlbewegung.
Der Landesausschuß des Wahlkreisverbandes Hessen-Darmstadt der Deutschen Volkspartei stellte unter dem Vorsitz des Abg. D i n g e l d e y den Reichs.agsabgeordneten Reichsminister a. D. Or. B e cl e r.Exz ,als Spitzenkandidaten für Hessen auf. Die weiteren Verhandlungen, die in der Hauptsache organifatorischen Fragen gewidmet Warrn g.'toan ren ganz bepudere Bedeutung durch die Teilnahme des Parteiführers, R ichsaui.enmi.nstersDr.Stresemann. Ineiner besonders anregenden Ausjprache kam immer wieder der starte Glaube an die Partei zum lebhaften Ausdruck: der nachdrücklichen Forderung hinsichtlich der Einheit und Geschlojfenheit der Partei- organisa ton im Reich stimmte der Landesausschuß einstimmig zu.
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Der sozialdemokratische Landesparteitag für Hessen lehnte nach einem Referat des Reichsministers a. D. Dr. Hilf er- ding es ab. die Kandidatur Beckmann an erste oder zweite Stelle zu rücken und stellte mit 14i gegen 76 Stimmen eine Liste aus, die den Staatspräsidenten Ulrich an erster. Re'ichs- minister a. D. Dr. David an zweiter Stelle führt. Deckmann lehnte darauf eine Kandidatur gaz ab.
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Für Hessen-Nassau ist Oberbürgermeister Schetdemann als Spitzenkandidat nominiert.
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Dieneugegiünbete rep ublikan ische Partei nominierte ren Dichter Fritz von Unruh als Spttzenkandida.en.
Kleine politische Nachrichten.
In dem Prozeß gegen mehrere Mitglieder derRoßbach - Organisationen wegen rerbvtener Gründung einer politischen Partei ließ das Gericht cs dahingestellt sein, ob es sich tatsächlich um eine Fortsetzung der verbotenen Vereinigungen gehandelt habe, sondern glaubte den Angetlagten, daß sie an eine wirkliche Reugründung gedacht hatten und sprach sie deshalb frei.
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Der bisherige der demokratischen Partei an- gehörende ReichstagSabg. Cornelius Triesch - mann hat laut der „Zett" seinen Uebertritt zur Deutschen Volkspartei vollzogen.
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Gegen die Führerin der kommunistischen Frauenbewegung, die ehemalige Reichstagsabg. Klara Zetkin hat der Oberveichsanwalt H a s t- besehl wegen Hochverrats erlaßen.Klara Zettin hält sich feit mehreren Monaten in Moskau auf.
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Das amerikanische Repräsentantenhaus nahm eine Entschließung am, 10 Millionen Dollar zum Ankauf von Lebensmitteln für die Kinder und Frauen Deutschlands zu bewilligen.
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Wie von gut unterrichteter Seite verlautet, hat der Völkerbund in seiner letzten Sitzung den Deutschen Dolksbund in Kattvwitz als rechtmäßige Berttetung der deutschen Minderheiten in Pol- Nisch-Obrrschlesien rechtlich anerkannt. Der polnische Vertreter Skirmunt hat diese Entscheidung ausdrücklich angenommen.
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Wie der „Derb Lokalanz." mitteilt, weilt der Präsident des Rates der Volkskommissare der Sowjetrepubliken, R y k o w, der Äachfolger Lenins gegentrörtig in Berlin. Sein Aufenthalt in der Reichshauptstadt wird jedoch nur mit der Konsultation eines ArzteS begründet.
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Der jugoslawische Ministerpräsident Pa- sitsch gab heute, da mehrere Abgeordnete der kroatischen Raditschpartei in der Skupschtina erschienen waren, feine Demission, die vom König angenommen wurde. Man erwartet, daß die Reubildung des Kabinetts dem Führer des oppofittonelfen Blocks, Da Vido witsch übertragen wird.
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Infolge des Widerstandes der Geistlichkeit und des Publikums hat das persische Parlament den Plan, die Republil auszurufen, aufgegeben, es hat aber dLschlossLN, den Schah abzusehen und dessen zweijährigen Sohn auf den Thron zu fetzen. Dis zu feiner Volljährigkeit wird ein Regent ernannt.
Aus stad! unD Land.
Gießen, den 25. März 1924.
Gictzener Wochenmarktpreise
am 22. März 1924 (Händlerpreife).
ES kosteten: Butter Pfd. 180—190 Pf., Matte 20, Käse 65-75, Eier Stück 10-11, Wirsing Pfd. 40—50, Weißkraut 35, Rottraut 40—45, Gelbe Rüben 20, Rote Rüben 30, Blumenkohl Stück 150—200, Salat Kops 60, Endivien Stück 200, ästtter-Kohlrabi Pfd. 8, Grmckohl 60, Rosenkohl 150, Felchalat 300—400, Tomaten 150, Zwiebeln 25, Lauch Stück 10—30, Meerrettich Pfd. 120, Sellerie Stück 70—100, Schwarzwurzeln Pfund 100—120, Kartoffeln Ztr. 550, Aepfel Pfd. 20 bis 30, Dörrobst 30, Suppenhühner 100 Pf.
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** D i e Abgabe der Vermögenssteuererklärungen hat in der Zeit vom 1. bis 15. April zu erfolgen. Die Vordrucke hierzu werden bei den Finanzämtern in den nächsten Tagen eingehen. Eine ausführliche offent liche Aufforderung zur Abgabe der Vermögens- fteuerertlärung wird dann veröffentlicht werden.
** Auszahlung derMil'i t-är vec -- sorgungsgebührnjsse für April durch die Po st. Das Postamt schreibt uns: Die Militärversocgungsgebührnisse für April werden beim hiesigen Postamt am 29. März in der Zeit von 8 Uhr vorm. bis 12 Ahr mittags und 2—6 Ahr nachm. gezahlt. Die bet der Märzzahlung verabfolgten Vordrucke zu Iahresbefcheinigungen müssen ausgefüllt und beglaubigt sein und gelegentlich der April- zahlung bei dem Postamt abgegeben werden. Beim Unterlassen der Abgabe der Beschei-, nigung wird die Weiterzahlung der Versorg gungsgebührnisse bis zur Vorlage derselben ausgesetzt.
** Der ebang. Arberterverein hielt am Sonntag abend tm Markussaal einen gut besuchten Familienabend ab. Im Mittelpunkt der Veranstaltuim stand ein Lichtbildervortrag .Eine Reise ins Polargebiet", wobei Herr Klemmrath zu den von Herrn Engels vvrgesührten Lichtbildern eine sehr interessante Reiseschilderung bot. Der übrige Teil des Programms wurde von Freunden des Vereins in bester Weife ausgefüllt.
** »D i e Insel der verlorenen Schiffe". Unter diesem Titel läuft zur Zell im Lichtspielhaus Bahnhofstraße ein Film, dessen amerikanischer älrsprung nicht allein in der ganz besonderen Merkwürdigfeit der Handlung, sondern auch in der Auswahl 'ber Mittel zur Durchführung des Filmplanes zum Ausdruck tommL (Sin großer, moderner Ozeandampfer, Schiffbruch bei tosender See, Ausbooten der Pastagiere, viele Wracks von gescheiterten Schiffen, die die fugen- haste Insel bilden unb vielen Schiffbrüchigen als Festland dienen, ein richtiggehendes Ll.°M>ot, das die Helden der Handlung zur Flucht benutzen, ein großes Kriegsschiff usw. — alles das ist in sehr geschickter und wirkungsvoller Weise zu einer Dorführung von straffem Zug zusammengesaßt. so daß der Fllm sowohl wegen der glänzenden Darstellung, als auch um der herlx>rragenden technischen Leistung willen einen starken Eindruck bei den Bewchsrn hinterläßt. Diese Film-- schöpfung wird sicherllch auch hier ein sehr interessiertes Publikum finden. Sine vortreffliche Beigabe erfährt das Spielprogramm des Abends durch einen reizenden Tierfilm, der die Babys der verschiedensten Tiere eines Zoos aufmar* schieren läßt.
Bornotizen.
— Tages kalender für Dienstag. Stadttheater: Z älhr „Drei alte Schachteln". — Deutsche demokratische Partei: Sy4 Uhr im Kath. Vereinshaus Vortrag von Geh. Aal Prof. Dr. Mittermaier Über ,Der Vorswß Bayerns gegen die Reichseinhrit". — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Die Insel der verlorenen Schiffe". — Palast-Lichtspiele: „Astes für Geld".
— Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Marcell Salzers „Heiterer Abe.nd", der am 27. März hier stattfindet, ist das einzige Auftreten des Künstlers in unserer Stadt während feiner diesjährigen Vor- tragstournee. Der Abend bringt eine neue Reihe erlesener, besonders heiterer Dichtungen in Vers und Prosa aus der zeitgenössischen Literatur. Dei Rame Marcell Salzers, der jüngst in einem Referat als „Doktor humvris causa" bezeichnet wurde, bedeutet an und für sich ein Programm und sichert aller Voraussicht nach dem Stadt tßeater am Donnerstag ein volles Haus.
— Eine Handwerkerversammlung findet am Samstag, 29. März, 8 Uhr abends im Postkeller statt, in der die verschiedenen Fragen des Handwerks von Handwerkskammershndikus Schüttler behandelt werden. Der 2. Vorsitzende der Handwerkskammer, Herr R o h l' Darmstadt wird zugegen fein.
Ein kurzer Augenblick. . . dann richtete er die Schußwaffe gegen sich selber. Gin Knast. Sterbend sank er nieder. Rur die beiden weißen Offiziere eilten zu jhm, bemühten sich um den Verscheidenden.
Aber der kurze scharfe Knall wirkte auch weiter. Aus die Truppe, die jetzt zu begreifen begann, daß das Blut, das dort in den Sand rann, viel anderes Blut fordern würde. Aus die ft reifenden Grubenarbeiter, unter denen unverkennbar Emissäre tätig waren.
Schon sprxurg einer von denen auf eine um- gestürzte Tonne unb hielt eins donnernde Ansprache. Zum Teil an die Arbeiter. . . mehr noch an die Soldaten gerichtet.
„Bravo! . . . Bravo! . . . Der Weiße Sultan wollte Hunderte von euch ermorden. . . Eure schwarzen Brüder sind ihm nicht gefolgt... 8'u uns gehören sie. . . in unsere Reihen . . .“
Fahnen wurden geschwungen. Reues Geschrei erscholl aus dem Haufen. Viele hundert Arme streckten sich den Soldaten entgegen.
3m Augenblick kam es zur Verbrüderung. Die einzelnen Soldaten wurden umarmt, auf die Schultern gehoben. Hilfreiche Hände nahmen ihnen hie schweren Gewehre, die läftigen Patronen- Ach-en ab, und im Qtu waren die Waffen in der Arbeitermenge spurlos verschwunden... in die Hande ganz anderer Leute übergegangen.
_ Ein schwader Korporal schwang sich im Jugenblid zum Befehlshaber der füßr»doiM -StWe aut In einer kurzen Ansprache wi^s er dfe.Schutzen darauf hin daß ihr Blut nicht den WeißM Ausbeutern und deren selbstsüchtigrn Zwecken, sondern dm schwarzen Brüdern aehore.
Die klirrenden Fensterscheibm des Derwal« tungsgebäudes lenkten die Aufmerksamkeit bei Menge von feinen Worten ab. Durch die Fmster- höhle konnte man schon einzelne Arbeiter beim Plündern beobachten.
-Unwidersfehlich reizte der Anbstck dm gan- 3en Haufen. Ein paar große Schnapsfässer, aus den Kantinenräumen auf ben Hof gerollt, taten das übrige.
Eine halbe Stunde später ergoß sich ein jchlmder unb brüllender Haufen von Arbeitern gemischt mit Soldaten, in das kleine Bergstädtchen. Im Ru waren hier die sämtlichen Läden, soweit sie nicht Schwarzen gehörten, ausgeraubt.
Die Kunde von den Vorgängen auf dem Zechenhvse war bereits vor der Ankunft des Haufens in die Stadt gelangt. Der Major des Schühenbataillons, das auf der Höhe vor der Stadt lagerte, hatte versucht, den Mmterern zwei andere Kompagnien entgegenzuschicken, doch war, wie von unsichtbaren Händen ausgeftreut, die Saat des Aufruhrs auch schon unter diesen Truppen aufgegangen. Um es nicht zum Schlimmsten kommen zu (affen, gab der Major den Befehl zur Garnison zurüchumarschieren
®v selbst hatte sich an die Spitze des Bataillons gestellt. Er gab bat Kommando zum Abmarsch, doch niemanb folgte. Ein paar Offiziere, die mit gezogener Waffe die Leute zu zwingen versuchten, wurden selbst niedergeschlagen sobald fie die Waffe gebrauchten. Andere weiße Offiziere, die rhren Kameraden zu Hilfe kommen wollten, erlitten das gleiche Schicksal.
(Fortsetzung folgt)


