Einzelbild herunterladen

) Siehe (Snebentr Anzeiger Ar. 70 ix>or

22. Mär^.

London, 24. Marz. (WTD.) Der bri­tische drahtlose Dienst meldet: Der Premier­minister empfing heute im Ioreign Office den französischen Botschafter Grafen St. Aulaire. Die Unterredung berührte u. a. d-e gegenwär­tige Lage in der P f a l z, die zu erwarten­den Berichte der Sachverständigen, welche, wie man glaubt, bald in den Händen der Reparationskommission sein werden, die Rückwirkung dieser Berichte auf das all­gemeine Problem der Reparationen und die Frage der französischen Sicherheit. Außer >er Tatsache, daß auf beiden Seiten der all­gemeine Wunsch nach Zusammenarbeit zwi- cben Großbritannien und Frankreich zu er- ennen sei, ist keine weitere Information zu erhalten. Die allgemeine Auffassung ist in­dessen, daß ein derartiger Meinungsaustausch im Augenblick nur den Charakter vorläufiger Sondierung habe und daß kein wirklich positiver Fortschritt erwartet werden kann, bevor die Sachverständigen der Reparations­kommission ihre Schlußfolgerungen vorgelegt haben. Der jüngst stattgrhabte Briefwechsel zwischen Po'rncar« und Macdonald, und die Art und Weise, in der die zwischen beiden Ländern schwebenden Fragen behandelt wur­den, hatten zweifellos viel getan um eine At­mosphäre zu schaffen, die die Erörterung der Hauptfragen in einem ruhigen und versöhn­lichen Geiste ermögliche.

Was die Reise der englischen Sachverständigen anbetreffe, so habe Macdonald kategorisch erklärt, das Foreign Office habe sie nicht gerufen. 3m übrigen aber habe die gestrige Unterredung haupt­sächlich der Sicherheitsfrage gegolten.

Aach demMatin" hat die Veröffentlichung des französischen Gelbbuches allein nicht ge­nügen können, den englischen Premierminister über Die französischen Absichten aufzuklaren. Er habe glauben können, daß die französische Regierung sich an die gegenseitigen Alliierten- und Garantie- formeln halten könne, während im Gegenteil sw geneigt sei, mit Rücksicht auf die vitalen Inter­essen Frankreichs die Sicherheitsfrage und alle ihre Absichten wirksam zu prüfen. Wenn Macro- nald hier einer allgemeinen europäi­schen Regelung zustimmen wolle, so tonne man das begreifen und dabei die gute Seite betrachten und sie mit den Aotwendigkeiten der französischen Verteidigung ausgleichen.

«r. 12

Erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags, mit d. Samstagsbeilage: GießenerFamilienb lältet Monalr.vezuorpreis:

2 Goldmark u. 20 Gold- Pfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprech-Anschlüsse: für die Schriftleitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51.

Anschrift für Drahtnach­richten. AnzeigerSiehe».

Postscheckkonto: Frankfurt a. M. 11686.

Die auswärtige Politik des neuen Kurses.

Don Dr. Gustav Rolvff, ord. Professor der Geschichte an der Universität Gießen. )

II.

Ostasien. Die Transvaalfrage.

$te erste große international» Krisis, über dre wir näheres erfahren, ist die Interven­tion in dem chinesisch-japanischen

Die Londoner Besprechung.

Botschafter Gras St. Aulaire bei Macdonald: Die Reparations­und Sicherheitssrage.

25. März 1924 Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejedeVerbindlichkeit.

preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlichS, auswärts 10 Goldpfennig; für Re- klame-Anzeigen d 70nun Breite 35 Goldpfennig, * )lotzvorfchrift 20*% Ans­chlag. - Verantwortlich ür Politik u. Feuilleton )r. Friedr. Will) Lange, ür den übrigen Teil Ernst Blumschein; für der, Anzeigenteil: HansBeck, sämtlich in Gießen.

BesreiungspoMik".

Paris. 24. März. (WD) DerTemps" be­schäftigt sich in fernem heutigen Öcitortitel nut Den gestrigen Reden des Reichskanzlers i)r. QUart in Elberleld, und des beä

Stresernannin Darmstadt. Dre beiden Redner würden den gleichen Gedanken entwickeln, nämlich den, daß man jeh nicht mehr hinausschrelen durle, daß man den Vertrag von Versailles »erreihen wolle, sondern daß man im Gegen- teil sich seiner bedienen müsse, um dre Be­freiung Dcu schlands zu beschleunigen. ©tre,emann w Nicht v-rhUmlicht, D-u«chl-,nd d>- Fm- Densbedingungen andern wolle. Der Reichs kanzler, der Führer des katholischen Zentmims, habe den Erfüllungswillen seiner Partei bis zur Grenze des Möglichen betont und die üebexwu* gurg ausgesprochen, dah auf diese Wllse Deutsch- wnd seine Freiheit rasch zuruckgewrnnen werde, er habe erklärt,

eS handele sich also vielmehr um eine Be- freiungs- als um eine Erfüllungspolitik.

DerTernps" bemerkt ta)u: Wir werden uns wohl hüten, den Fortschritt, den diese Reden aufweisen, zu verkennen, welche Hin ergedanken man auch der deutschen Regierung zuschieben kann. Die Politik, die der Reichskanzler verkündet hat, wendet sich einem Resultat zu. das wir so oft genannt haben, nämlich einer allgemeinen Entent e a l le r europäischen Rationen, oie entschlossen sind, den Grundsatz, ber 1919 aufgestellt wurde, und der sich im Völkerbundssta'ut wiederfindet in voller Freiheit anzueickennen, dah von nun an kein Vertrag durch Gewalt geändert werden kann. Wenn der Äeichskan'ler von einer V es r ei ° ungspolitik sprach im Gegensatz zum Reichs- kanzler W.rh, der von eine'' Grsüllungsvolitik ge- i sproä^en Hut sind diese 'Dorle im Hinblick auf die Reparationspvlitik nicht gleichbedeulend da­mit, dah Deutschland bezahlen wolle, um seine Ge-

Ium Hitlerprozeh.

Bon unserem Münchener Vertreter.

Zu Beginn des Prozesses hatte Hitler alle Verantwortung für das, was geschehen war, aus seine Person übernehmen wollen, und daraus hatte man schlichen dürfen, dah von feiten der Angeklagten durchaus im Sinne Hitlers gehantelt worden war, dah die Angeklagten wenig­stens damals das Gleiche gemeint haben mußten. Gegen Ende der Beweisaufnahme haben sich die Angeklag'en ziemlich auseinandergeredet. Vor allem stellte fich Ludendorfs bei seiner zweiten Vernehmung in völligen Gegensatz gu feinen früheren Aussagen, indem er nun plötzlich an- gaE>, am 8. Aovember keinen Putsch, sondern nur' eben das gewollt zu haben, woraus Kahr lossteuerte, Nämlich Errichtung eines Diiekloriums (diePatentlösung") auf dem Wege eines politi­schen Drucks. Das hiehe also, dah von selten der bayerischen Staatsgewalt und der vaterländi­schen Verbände ein Druck auf Ebert ausgeubt werde, das Direktorium Hitler-Kahr-Lossvw. das irgendwann noch durch Zuziehung von Herren aus dem Rorden ausgebaut worden wäre, anzu­erkennen, auch ohne dah es zu einem Marsch nach Berlin gekommen wäre. Ludendorff scheint also die Erklärung Hitlers von der Absetzung der deutschen wie der alten bayerischen Regierung nicht für ernst genommen zu haben. Er hatte nach seiner zweiten Angabe Über seine eigene Stel­lung nicht die geringste Klarheit, fahle vielmehr seine Aufgabe so hat es sein Verteidiger ßuetgcbi'une formuliert als einenWechsel auf die Zukunft" auf.

Jedenfalls berührt das alles höchst merk­würdig. Cs dürste dies wohl die nachträgliche verstandesmäßige Konstr-uktion eines Handelns fein das wesentlich immer durch den Instinkt orientiert war. Ludendorff hat in seiner großen Verteidigungsrede selbst mitgetalt, daß die Argumente, die er in seinen Büchern für fern Handeln angeführt habe, alle erst hinterher zurecht­gelegt worden seien. Wenn aber nachher der Versuch, die Motive aus verstandesmäßigen Er­wägungen herzuleiten, zu Resultaten führte, die so weit von aller vorstellbaren Möglichkeit ab- lagen, so erscheint dies Verfahren doch als wenig einwandfrei.

Denn: Hitler hatte seinen Putsch ja in der Hauptsache gegen eben dieses Direktorium ge­richtet, s Ü r das Ludendorff jetzt mitgemacht zu haben angibt. Man bann sich schwer vorstellen, dah gerade zwischen diesen beiden, zwischen Hitler und Ludendorfs, keine völlige Klarheit da.über ge- herrscht haben soll, für und gegen was zu

Kriege von 1894/95.

Rußland, Frankr.ich, Deutschland zwangen be- kanntlichIapan, auf cinenT.il sci -erEroberungen, hauptsächlich die Halbinsel Liaotung mit Port Arthur zu verzichten und sich anstatt sestlandischei Erwerbungen mit einer Geldsumme zu begnügen. Die Anregung zur Intervention gab Ru hl a n d . das rn Japan den Ri'oalen um die Beherrschung Pekings und Koreas erkannte; selbst vor einem Kriege wcllte es, wie der Minister Lob an off dem deutschen Eeschäststräger sagte, nicht zuruck- schrccken (17. April 1895). In Deutschland Wirkten mehrere Gründe für die Beteilig tag. Von der Unterjochung Chinas durch Zapa i be­fürchtete man Unruhen in China, die wirtschaft- llche Rachteile mit sich bringen mußten wahrend man durch den Schutz Chinas sich Anspruch auf eine Marinestation an der chinesischen Küste zu erwerben Hof len konnte, und vor allem glauwe man mit Rücksicht aus die europäische Politik sich den russischen Wünschen nicht versagen zu sollen, je mehr man dazu beitrug, daß Rußland sich tu Ostasien engagierte, desto geringer mußte seine Reigung werden, eine Offensive im Westen zu beginnen: es konnte somit ein» Entlastung der deutschen Ostgrenze heibcigeführt werden, wie Marschall betonte. Auch die Beziehungen za Frankreich konnten günstig be.influßt werde.r: hielt es sich von der Allion fern, so lockerte sich ein Verhältnis zu Rußland, schloß es fi$ an, o war es auch gegen Deutschland gebunden. Allerdings wcllte man in Deutschland peDee Krieg sichren noch Japan um dre F.richte seine» Sieges bringen. Rur so weit wollte man die An­sprüche ermäßigen, daß sie für die Europäer erträglich waren. Durch die deutsche Mitwirkang hcsste man die weitgehenden russischen Mstchten zügeln und Japan friedlich zum Einlenken be­stimmen zu können. Auch an Englands Be­teiligung zweifelte man nicht, so daß eine all­gemeine europäische Aktion mit großem morali­schen Gewicht stattfinden sollte. Hier mußte man eine Enttäuschung erleben: England dessen Selb­ständigkeit man unterschätzt hatte, lehnte die Teil­nahme ab, weil seine Interessen nicht hinreichend gefährdet seien. Deutschland stand also _ in Dem cstasiatischen Dreigespann dem Etsch-foansost- schen Zweibund allem gegenüber. Rußland suchte dies Verhältnis fosort auszunutzen und von Deutschland unbedingte Gefolgschaft für seine ast- asiatischen Pläne zu verlangen: es wollte nicht nur wie ursprünglich ausgemacht war, die fest­ländischen Ansprüche Japans, scndrrn auch seine insularen Erwerbungen beschrän.en und dw chine­sische Kriegsentschädigung erheblich herabfetz^i. Mit Mühe wies Deutschland diese einseitige Er­weiterung des Interrentionsprogramms ab aber in der Geldfrage mußte es Rußland in mehreren Punkten nachgeben, und schließlich konnte es nicht hindern, daß Rußland hinter seinem Rücken eine russisch-französische Anleihe mit China abchloh, sich und seinem Dundesfreunde also einen Spezial- btrtdl verschaffte. Kurz, die ganze Ueberhedung der i-ussischen Politik, über die Fürst Bismarck sc ost geklagt hatte, trat beim ersten praktische« Zusammengehen mit dem Zarenreiche wieder zu. Sage, und die Vermutung ist berechtigt. d-M D« russische Anmaßung sich noch weit stärker fühl­bar gemacht hätte, wenn der Rück^rsichermigs« vertrag noch bestanden hätte: schwerlich hall« First Lobanoss der Versuchung widerstanden, durch die Andeutung, England and Oesterrerq davon in Kenntnis sehen zu wollen, einen Drua aus Deutschland auszuüben. Leider schließt rntl dem Ende der Intervention die Behandlung dm cstasiatischen Frage ab, so daß man nicht erfahr^ wie sich Japan in den nächsten Jahren du Den europäischen Großmächten gestellt hat Ebmsc wird nichts über die Erwerbung von Kiautschvi. berichtet, obgleich sie doch von großer Bedeu- hing für Deutschland and die europaiich-ostafiaw scheu Beziehungen war; insbesondere hatte may gern etwas Authentisches über die Stellung Ruß­lands und Englands hierzu erfahren S);erubei xft man auch jetzt noch nur auf Quellen zweite? Hand -angewiesen.

Wenn die ostasiatische Verwicklung die Un- zuverlässigkcit des östlichen Rachbarn handgreif­lich offenbarte, so ließ eine koloniale Differenz mit England, Die Transvaalfrage, un­mittelbar daraus ein grelles Licht auf Frank­reichs unversöhnliche Feindschaft fallen. De« Ursprung des Transvaalkonslikts lag in den inne­ren Verhältnissen der Südafrikanischen Republik Die zahlreichen Ausländer in Transvaal, vor­nehmlich die Engländer, strebten nach völlig« Gleichberechtigung mit Den eingeborenen Suren diese widersetzten sich, weil sie fürchteten, vor den Ausländern allmählich in die Mindertest gedrängt und so unter englische Dotmäßigkei: gebracht zu werden. Die Regierung der Kap- kclonie unterstützte die Wünsche der Auslände, lebendig, und die Londoner Regierung legte ilja kein Hindernis in Den Weg. Schließlich schritt« diese mit Hilfe ihrer kaplänDischen Freunde zur Revolution: Die Pvlizeitruppe einer Handels- kcmpagnie des Kaplandes rückte unter Fühiam, Dr. James ons, des Vertrauten von Ceci

Das Moratorium.

London 24. März. (Wolff.) Der diploma­tische Berichterstatter des »Daily Telegraph be- chästigt sich mit der Rückkehr der britischen Sach­verständigen nach London zur Berichterstattung über die Re p a r a t i o n s f r a ge und fuhrt aus, nach britischer Anschauung sol te em Mora to - tium von etwa zwei I-ahren, das allgemein als für dir Wiederaufrichtung Der Staatsfinanzen unD Der inDuflnellen Wirtschaft Deutschlands un­umgänglich nötig angesehen toirD, ein wirck- liches Moratorium sein, älnfeve Alliierten be­stehen aber darauf, daß während dieser Zeit Sachlieferungen flattfmDen und die Be­satzungskosten bezahlt werden sollen Die briti­schen Sachverständigen würden wohl bereit fein In dieser Beziehung ein übriges zu tun dem zuzustimmen, daß das Deutsche Reich Sach­lieserungen in einem sehr bescheidenen Um­fange ausführe, der feiner zurzeit prekären Lage angemessen wäre.

Dies würde aber unsere Alliierten kaum zu- friedenstellen, die Sachlieferungen in einem Umfange verlangen, dessen Finanzierung, wie man hier glaubt, Deutschland vorderhand un- möglicherweise durchführen könnte, ohne seinen Wiederaufbau zu gefährden.

Den britischen Einwänden zu die'ern Punkte wird von denselben Alliierten entgegengesetzt, daß falls Deutschland nicht in der Lage fei. Die fraglichen Sachlieserungen zu finanzieren fie aus Den Erträgen Der internationalen An- leihe finanziert werden follen Mit an­deren Worten: unsere 211111 r en wurden für sich nicht nur eine Art Prioritätsrecht aus die Reparationen während des Moratoriums ver­langen sondern indirekte f i " n n 5 1 Unterstützung, wc b i England stark in Mi - lei^enschast gezogen würde. Der Benchtoritatteo schließt Wie mir gestern oon-einer in em-r hohen Stellung befindlichen britischen Persönlichkeit ge­sagt wurde sehen wir. daß wir genau Dort stehen wo wir im Januar 1923 standen, als Bonar Laws Plan auf der Pariser Konferenz oocgelegt und verworfen wurde. Freilich ist dabei zu berück­sichtigen. daß die Ruhrbesehung die Schwierig­keiten der Lage erheblich verschlimmerte.

handeln sci.

Hitlers Verteidiger, Rechtsanwalt Roder, be­trachtete in feinem Plädoyer die Tätigkeit seines Mandanten lediglich als Hilfeleistung für Kahr und suchte die Fiktion aufrechtzuerhalten, als ob Hitler geglaubt habe, daß Kahr. Lossow und Seißer durchaus damit einverstanden gewesen seien, daß er fie in dem Kamps gegen Berlin unterstütze. Dabei hat Rechtsanwaft Roder schon gegen Mille Dezember, also lange vor dem Prozeß, erklärt, daß Hitler noch vor dem 8. Rovember Kenntniß bekommen hätte von der Vereinbarung, die Seiher mit Seeckt in Berlin getroffen halle, und die denMarsch nach Berlin" zunächst illu­sorisch machten; daß weiterhin Hitler nunmehr geglaubt habe, Kahr, Lossow und Seiher seien zum Handeln nicht mehr entschlossen; am 13. Marz sagte Hitler selber aus, dah er das Direktorium, wie es Herr v. Kahr ausgeklügelt hatte, für das größte Unglück für Deutschlands gehalten habe und fürDurchsührung seines uifprünglichenPlanes hätte sorgen müfien. Obwohl damit die Brsis für die bis dahin verfolgte Taktik der Verteidigung einigermaßen zufammengestürzt war. sucht sich allem Anschein nach Rechtsanwalt Roder nun doch wieder aus diese verlorene Position zu stützen. Er verneint das Vorliegen einer politischen wie einer jui-istischen Schuld:Hitler hat keinen Hochverat begangen, sondern lediglich Vorschläge gemacht zur Reubildung der Regierung in Bayern und im Reich."

Besser fundiert als diese wirklich schwache Argumentation Roders war die des Verteidigers von Dr. Weber, des Rechtsanwalts Holl. Zweck des Generalstaatskommiisarials im Sinne der Re­gierung sagt er. war Die Abrechnung mit Den Männern. Die DeutschlanD ins Unglück gestürzt haben, der Kampf gegen Berlin. Die einzelnen Kampfhandlungen, die von München aus gegen Das Reich unternommen wurden, ergaben Den Bruch zwischen Bayern und Reich, und Damit die Ze rfchlagung Der Reichs Verfassung, so Daß ein Hochverrat gegenüber Dieser Reichsverfaßung be­grifflich gar nicht mehr denkbar sei. Er sucht dann weiter nachzuweisen, dah Kahr im gleia;en Sinn ohne irgendeinen Unterschied den Marsch nach Berlin" vorbereitet hülle wie Hitler. Smt dem 4. Rovember war Kahr umgeschwenkt (Seihers Reise!), unterließ es aber, den Kampfbund zu in­formieren. So entstand der Putsch vom 8. Ro­vember als spontane Handlung; er sollte Die Träger der legalen Macht nicht etwa stürzen, sondern höher hinaufheben. Zum Schluß finben wir noch ein höchst sänderbares Argument: daß die R e i ch s v e r s a s f u n g in Bayern nie - mals Gültigkeit erlangt habe. Aber selbst wenn sie gegolten hätte, sei das Vorgehen der Angellagten durch die Träger Der bayerischen Staatsgewalt legalisiert worden.

Es hat den Anschein, als seien das die wesenl- lichsteir Punkte von grundsätzlicher Bedeutung, die die Verteidigung anzusühren hat.

biete oder die beschlagnahmten Psänder zu be­freien, und , .

daß es einzig und allem in dem Maße be­zahlen wolle, in dem es Gelegenheit hat, sie zu befreien?

Also Die Formel des Reichskanzlers rechtser- t i g t Die Besetzung des Ruhrgebiets, die Einrich­tung einer inneren Zollbarriere, die Beschlagnahme der Zölle, der Gisendrhnen usw. Um sich von all diesem zu befreien, werde Deutschland zahlen, und es werde n i ch t a n d e r s z a h 1 e n. Auf die terx- tcrialen Bestimmungen der Verträge angewendet was will das WortDefrciungspolitif beDeuten? Soll es nicht besagen, dah Deutschland such be­mühen werde, die Länder, die nach> seiner Ansicht von Deutschen bevölkert sind, wieder zurück­zugewinnen? Und beständen diese Länder nicht aus einem Teil Polens, aus einem Teil Der Tschechoslowakei, aus einem Teil des dänischen Schleswig und aus der- Gesamtheit Oesterreichs, wohin Marx und Stresemann jetzt offiziell gereist seien? DerTernps" will das Verzeichnis nicht vervollkvmmenen, bevor nicht Reichskanzler Marx und Stresemann Zeit gefun­den haben, ihn zu widerlegen.

Beamtenfragen.

Berlin, 24. März. (WTB ) Amt 1 ich Dir durch bte Presse gegangene Mitteilung über die Aufhebung der B e f ö r d e r u n g s s p erre für die Beamten war verfrüht. Ern endgültiger Beschluß liegt noch nicht vor. Auch die Rachricht von einer Revision des Ortsklassen Ver­zeichnisses, durch welche insbesondere Die Vor­orte von Den Großstädten mit diesen fll«v$geftent worden sein sollen, ist unrichtig. Es ist lediglich infolge eines bereits vor längerer Zeit gefaßten Beschlusses eine Reihe eingemeindeter Orte in eine höhere Ortsklasse eingestuft wordm. Eine Rachprüfung des Ortsklassenverzeichnisses auf der Grundlage eines gewissen Systems kommt nach wie vor nicht in Frage.

Die Pariser Morgenblätter drücken sich uäßerst vage über Die Unterredung des franzö­sischen Botschafters mit Macdonald aus. Roch DemMatin" ist außer über Allgernerires nur über eine einzige präzise Frage gesprochen wor­den, nämlich über Die Frage, wann der Be­richt der Sachverständigen der- Repa- rationskvmmissivn überm tte[t werde. Der fran­zösische Botschafter habe von Dem englischen Pre­mierminister verlangt, daß er, we Porncare von den französischTN, von Den britischen Sachver­ständigen verlange, daß sie Die Beendigung der Enquete schnell förderten. Poincare wolle Die interalliierte Diskussion über Die Sichrrhelts- und Reparationsfrage bald anschnlldc-n, vor allen DiiTgen im Laufe des April, denn wahrend dieses Monats hätte er M u h e dazu.

Rach demPetit Pansien" ist auch die Pfalz-Angelegenheit, namentlich die Frage der bayerischen Beamten, angeschnitten worden. Es sei auch sicher, daß der französische Botschafter Macdonald mitgeteilt habe. daß. wenn die französische Regierung sich auch nicht weigere, einer Veränderung im Te'ehungösystem rni Ruhr­gebiet zuzustimmen, Frankreich sich aber zur voll­kommenen Räumung des Ruhrgebiets nicht ent­schließen könne. Jedenfalls hätten die beiden Staatsmänner dabei auch von dem Psändersystem gesprochen.

Der französische Botschafter hatte die Un­möglichkeit zum Ausdruck gebracht, auf die beschlagnahmten produktiven Pfänder zu ver- zichten, es sei denn, die Alliierten würden sich darüber verständigen, ebenso wertvolle Pfänder für die Gesamtregelung zu be­stimmen.

Erst« Blatt U4- Jahrgang Dienstag

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Drnd rmd Verla-: vrühl'sche Univerfitälr-Vuch- und Steinöruderei N. Lange in Giehen. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: §chulfttatze 7.