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rtd>f De# XatS, etner gerichlllchen oder einer schiedsgerichtlichen Entscheidung widersetzt, wonach der ©ticifall zwischen beiden Kriegführenden eine Frage des internationalen Rechts berührt, die der ausschließlichen Zuständigkeit des betreffenden Staates unterliegt.

2. Zeder Staat, der eine vürläufige Maß­nahme verletzt, die der Dölkerbundsrat zur Zeit des Verfahrens ergriffen hat.

Außer den in diesen beiden Paragraphen an­geführten Hypothesen hat der Rat, wenn er nicht in kürzester Frist den Angreifer feststellen kann, hie Pflicht, den Kriegführenden einen Waffen- st illstand vorzuschrewen, dessen Bedingungen der Rat mit Zweidrittelmehrheit festseht und über­wacht. Zeder Kriegführende, der den Waffenstill­stand verweigert oder seine Bedingungen ver­letzt, wird als Angreifer betrachtet. Der Dölkerbundsrat wird dann den Signatarmächten zur Kenntnis geben, daß sie unverzüglich die in diesem Protokoll gegen den Angreifer festgesetzten Sanktionen zu ergreifen haben.

Botschafter Dr. Sthamer in Berlin.

(Eigener Informationsdienst.)

Berlin, 24. Sept. (Dvahtmeldung.) Der deutsche Botschafter in London, Dr. Sthamer, der eine kurze ttkrlaubsrei se angetreten ha>t, wird sich einige Tage in Berlin aufhalten, um mit der Reichsregierung die Völkerbunds­frage au erörtern. Er wird in etwa 14 Sagen die Rückreise nach London antreten. Seinen eigentlichen Urlaub verbringt er tu Süddeutsch­land.

Die Getreldezölle.

Veränderte Haltung der Reichsregierung.

(Eigener Informationsdienst.)

Berlin, 24. Sept. (Drahtmeldung.) An­gesichts der hohen Getreidepreise wa­ren schon in den letzten Tagen in Regierungs­kreisen Bedenken entstanden, ob man die Zoll­vorlage in ihrer jetzigen Gestalt unverändert vor den Reichstag bringen solle. Diese Be­denken werden nun wesentlich verstärkt durch die Tatsache, daß die pr eu ßi schen Regie­rungsparteien es einmütig ab gelehnt haben, bei dieser Lage der Dinge hohe Schutzzölle für Getreide einzuführen. Die preußische Regierung hat aus dieser Hal­tung die Anregung entnommen, bei der ReichSregtemng noch einmal vorstellig zu wer­den und auf eine grundlegende Be rände­rn ng der Vorlage zu dringen. Sie hofft um so mehr, daß dieser Schritt Erfolg haben wird, als auch in den ReichstagSfraktionen der Regierungsparteien immer mehr Sttnimen laut werden, die solche Schutzzölle im Augen­blick für unangebracht halten und die Frage der Getreideschutzzöll? auf einen späte­ren Zeitpunkt vertagt sehen möchten. Die Reichsregierung hat noch nicht abschließend Stellung genommen und wird voraussichtlich in einer besonderen Sitzung, die aber erst An­fang des nächsten Monats stattfinden dürfte, sich mit der Frage beschäftigen.

Gegen die dritte Steuernotverordnung.

I DerBert. Lok.-Anz." berichtet, daß in die» Ty Tagen der Fürstbischof von Breslau, Kar- Dl n n ( Vertra m , ein Sprecher der Fuldaer Bischofskonferenz, ehre Eingabe an den Reichs­kanzler gerichte! hat, in der es heißt: Zn den wei­testen Dolkskreisen hat sich die Neberzeugung ge­festigt, daß die dritte Steuernotverordnung nicht an s recht zue r ha l t en ist. Zu groß ist die Zahl der Opfer, die diese Verordnung bereits ge­fordert, zu groß die Erschütterung dos Vertrauens in dieRechtsordnung, die sie gebracht hat, zu groß der Gegensatz, in dem sie zu den A ns or Deiningen der Moral und Gerech- tigkcit stehl. Ra mens' der auf der Fuldaer Bischosskonferenz ncrctnigifen Oberhirten deutscher Diözesen richte ich an Gw. Grzellenz die dringende Bitte, baldigst der Aufhebung der 3. Steuernotverordnung näherzutreten und eine Regelung herbeizuführen, die den Anforderungen dA- Moral und Gerechtigkeit eMspricht.

Der Fall Scheidemann.

Kassel, 23. Sept. (WTB) Die Stadt- veror dnetenversammlung beschäftigte sich gestern abend in vertraulicher Sitzung erneut mit dem Abbau des Oberbürgermeisters Scheide mann und des Stadtrates Rosen- stock, sowie nnl der Beanstandung des letzten Abbauboschlufses durch den Magistrat. Zn einem von der Rechten eingebrachten zum Beschluß er­hobenen Antrag hält die Stadtverordnetenver­sammlung die Beanstandung in sachlicher und formeller Hinsicht für unzulässig und

veyält sich alle Rechtsmittel vor. Zum Utertreter der Stadtverordnetenversammlung, der laut § 92 der Städteordnung die Rechtsmittel in Anwen­dung bringen soll, wurde der deutschnationale Parteisekretär, Stadtverordneter Steuer be­stimmt.

Der Fall Leinert.

Ein kommuliiftischcr Antrag auf Amts­enthebung als Landtagspräsideut.

Berlin, 23. Sept. (Priv.-Tel.).

Zm Preußischen Landtag beantragte Abg. Dr. Meyer-Ostpreußen (Komm.), an erster Stelle einen kommunistischen Antrag zu beraten, der Den Landtagspräsidenten Leinert seines Amtes entheben will wegen des bekannten Pensionsvertrages, den Leinert in sei­ner Eigenschaft als Oberbürgermeister von Hannover mit der bürgerlichen Mehrheit der hannoverschen Stadtverwaltung abschließen wollte.

Abg. Heilmann (Soz.) erftärt, seine Frak­tion wolle keinen Weihwaschungsver­such für Lein e r t unternehmen. Aber sie werde solange nicht über den Fall Leinert ver­handeln, als ßeinert krank ist. Leinerts Zusam- menbruch sei in erster Linie durch die Kom­munisten und ihren Führer Katz verschuldet worden.

Abg Pick (Komm.): Leinerts Krankheit, in die er sich geflüchtet hat, ist sehr jungen Dah­lums. Roch vor kurzem war er im HaushaltsauS- schuß frisch und gesund, als er erklärte, ein Land- tagsboamter könne mit 43 Mk. Monatspension sehr gut auskommen. (Hört, hörtI bei den Kom­munisten.) Sich selbst wolle er freilich eine höhere Pension verschaffen. Die Beratung deö kom­munistischen Antrags scheitert Daran, daß aus dem Hause Widerspruch erhoben wird.

Zu der zweiten Beratung des Gesetzentwur­fes über

die Kostenregelung der evangelischen Landes- lirchenverwaltung

beantragt der Verfassungsausschuß die Annahme der Vorlage mit einigen Aenderungen. Die Kir­chenbeamten sollen in ihren Bezügen den Staatsbeamten völlig gleichgestellt werden. Zn einem vom Ausschuß eingefügten §9a wird ausgesprochen, daß durch die in diesem Ge­setz getroffene einstweilige Regelung der Ablö­sung der bisherigen Staatsbeteiligung für die Kirche gemäß Artikel 138 der Reichsverfassung nicht vorgegrifscn wird. Kultusminister Dr. Boe - l i h erklärt sich namens des Kultusministeriums mit den vom Ausschuß beantragten Aenderungen einverstanden. Die evangelische Kirche müßte anerkennen, in welch großzügiger Welse der Staat die Frage der kirchlichen Verwaltungskosten gelöst und die Sicherstellung der Landeskirchen herbei- hcführt hat. Darüber hinaus ist die Regierung be­reit, der Kirche eine erhöhte Sicherung durch Abschluß einer Vereinbarung zu gewähren, in der eine unparteiische Instanz zum Schieds­richter berufen wird. Zn der ©cfamtabftim» mung wird der Gesetzentwurf in zweiter und gleich darauf auch in Dritter Beratung gegen die Stim­men der Sozialdemokraten und Kommunisten end/- gültig angenommen.

Der Fall Loeb.

Weimar', 23. Sept. (Wolff.) Zn feiner gestrigen Sitzung hat das thstriiigische Staats­ministerium beschlossen, Dem Präsidenten Ooe b der Thüringischen Staatsbank ofjme Einhalt der Kündigungsfrist zu kündigen und ihn aus sei­ner Stellung als leitender Direktor zu entlas­sen. Als Grund für die fristlose Kündigung und Entlassung wird angegeben, daß ßoeb seinen unmittelbaren Vorgesetzten, Den Finanzminister, wiederholt Über angeblich her thüringischen Wirt­schaft zugMhrte Zn- unD Auslandkredite be­wußt irregeführt und gröblich ge­täuscht habe. Dazu komme, daß b'i der Re­vision der Staatsbank durch ©ebeimrat Bastian und den ReichSbankdirektor a. D. Schulz, schwere .Unkorrektheiten und Verstöße gegen das Staatsbankgesetz, sowie die dazu er­lassene Geschäftsordnung festgestellt worden seien, für die Der Staatsbankpräsident verantwortlich sei.

Das thüringische Staatsministerium beschloß ferner, dem Staatskommlsfar Märker ohne Ein­haltung der Kündigungsfrist zu kündigen und ihn aus seiner Stellung als Beauftragter deS Fi- nanzministerirmrs zu entlassen. Als Grund dieser Maßnahme wird angegeben, daß Märker die im Beschluß des Staatsministerilims erwähnten T ä u- schungs versuche des Loeb nicht nur still­schweigend geduldet, sondern trotz präziser Fra­gen deS FinanzministerS mit seiner Person auch g edeck t habe.

Wettervoraussage.

Roch vorwlegeird bewölkt, westliche Winde, kühler mit Regenfällen. Wir werden bei vor­wiegend westlichen, zeitweise srrdlichen Winden für Die nächste Zeit mit veränderlicher, meist trüber und regnerischer Witterung rechnen müssen.

Seltsame Aitterwochen.

Roman von Ariwld Fredericks.

?. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

Grace sah Den Mann an, Der vor ihr stand. DicS war eine Botschaft, deren Wichtigkeit über allen Zweifel erhaben war. Sie wußte: wäre Richard zu Hause, so würde er auf den Brief hin schleunigst nach Paris fahren. Denn Lefevre verdankten sie tatsächlich all ihr Glück. Zhre Hoch­zeit, bei welcher der liebe alte Frairzose den Brautvater vertrat, hatte sie noch in lebhafter Erinnerung. Sie gedachte DeS AbschiedScssens im Hause deS Präfekten und des prächtigen Gcschen- tes, Das er ihr bei Dieser Gelegenl>eit übergeben hatte Offenbar wünschte Lesevre Richard.'An­wesenheit dringend und cbeni» die ihre. Der Ge- bante kam ihr warum sollte sie nicht zu ihm fahren ?

Wohl hatte Richard sie mit Der Besorgung der Angelegenheiten zu Hause betraut aber sie wußte, daß eS für einige Zeit auch ohne sie ginge. Hendricks, Der Aufseher, war ein fähiger und ehrlicher Mann, ihnen beiden ergeben

Sie konnte ihm ruhig die in fein Fach fallen­den Dinge überlassen. Dazu tarn noch der Ge­danke, der sie völlig betörte: Richard auf Dem morgen fahrenden Dampfer zu überraschen Wie würde er staunen, wenn er sie, gemächlich auf Deck ' chlendernd. erblicken würde! Sie wunderte fich. daß Der Gedanke, ihn zu begleiten, nicht früher bestimmte Gestalt angenommen batte Sie wandte fick an Den Mann, der stehend ihre Ent- scheidung abtoartete.

Sie kennen den Znhalt des Schreibens?"

Jawohl, Madame," errwiderte er mit leich­ter Verbeugung, er tarn uns telegraphisch chiff­riert zu."

Um Mitternacht fährt ein Zug imb morgen früh ein Danrpfer?"

Jawohl, QUabamc.

Können Sie mich in Zhrem Wagen nach Washington bringen?"

Zch würde mir ein Vergnügen daraus ma­chen. Madame." Er lächelte zufrieden.

Gut. Herr Duvall ist In Reuyork Zch will ihm Die Rachricht bringen. Ditte warten Sie hier, bis ich einiges gepackt und meiner Diener­schaft Anweisungen gegeben Habel" -

Zn einer halben Stunde war alles erledigt. Hendricks, der Aufseher, Hofe die Anw.ttsungen betreffs des Gutes, das Rötige an Geld usw. und um zehn Uhr, gerade als der Zugang zum Rcuhorler Schlafw.igenzug geöffnet wurde, löste Grace ihre fiabrkirte.

Der zuvorkommende Franzose half ihr bei allem und bot ihrGute Reise", als er ihr in den Zug half. Sie zog sich sogleich zurück und lag, in einer Zeitschrift blätternd, auf ihrem Ruh.'psan. Sie malte sich dabei Richards Stau­nen und Freude bei ihrem Zusammentreffen am andern Morgen aus Zetzt war sie sicher, daß ihre Flitterwochen feine Unterbrechung erleiden würden.

Später schlief sie ein und träumte, daß sie mit Richard in einem schweren, roten Tourenwagen vergnügt Paris zufuhr.

Am Morgen frühstückte sl- in aller Eile am Bahnhof und na hur einen Wagen zum Reite- bureau, wo sie sich noch eine Kabine sichern konnte. Darm ging sie rasch zur Bank, wo sie

Aus aller Wett.

Ei» Hitlerprozch.

München, 23. Sept. (WTB.) Heute be­gann vor dem Amtsgericht München der B e - leidigungsprozeß Hitler gegen Pit­ti n g e r. Hitler hat Klage angestrengt, weil Pittinger gelegentlich einer Dersammlung in Augsburg sich geäußert haben soll, Hiller habe französisches Geld erhalten. Der englische Arbeiterführer Morel habe dies Kahr er­zählt. Zm Laufe der Verhandlung erklärte Der Verteidiger des Angeklagten, daß Morel Kahr gegenüber geäußert habe, er kenne den Mit­telsmann in Paris. Der Geld sammelte und über die Schweiz weiterleitete. Dazu habe Pittinger in der Versammlung bemerkt, er sei überzeugt, daß Hitler nicht wisse, daß es sich um französisches Geld handele. Der Vertreter Hitlers erklärte, Hiller habe schon ge­raume 3eit vor Der Versammlung in Augsburg einen offenen Brief an Morel gerichtet, in Dem er dessen Behauptung als i n f a in c L ü g c und böswillige Verleumdung bezeichnete. Kapitän­leutnant Wenir, der beim Gespräche als Dol­metscher fungierte, sagte aus, Morel habe erklärt, daß ihm in Paris von hochstehenden Persönlich­keiten erklärt worden sei, ein großer Teil Der Gelder, die Hitler bekomme, komme aus Frank­reich. Die Verhandlung wurde zur Vernehmung von Zeugen ausgesetzt.

Dcr Atteutatsplan einer Wahn- sinuigen.

Paris, 24. Sept. (HavaS.) Eine Dame hat gestern nachmittag kürz vor d r Abreise des Mi­nisterpräsidenten aus Rambouillet d.m wachtha­benden Posten einen geladenen Revolver über­geben und erklärt, daß sie die Absicht gehabt habe, a u f Den Ministerpräsidenten zu schießen, daß sie aber im letzten Augenblick nicht den nötigen Mu t habe aufbringen tön.v.n, ihr Vorhaben au Szu führen. Bai ihrer Verneh- nuing erklärte sie, daß sie in Paris woh:e, von ihrem Mann getrennt lebe und Herriot habe töten wollen, weil er die Politik Eailleaux, und Malvy rmterstützt habe. AIS sie aber Her- riot gesehen habe, aus Den sie schon jüngst in Lyon habe schießen wollen, habe sie ihn fo sym­pathisch gefunden, daß sie sich entwaffnet gefühlt habe. Rach Havaö nimmt man an, drh ie Dame geistesgestört Ifi. S.e h'ißt B i - g ot-Po mjea n. Die Dame erklärt : ud), daß ihr Riann sie 1912 habe veranlassen wollen, D r i a n d zu töten.

Die Morgenblätter stellen fest, daß eS sich um eine Person handelt, die kernen guten Leu­mund hat. Sie habe im Zahrs 1922 gewisse Schwindeleien begangen und fei deshalb mit Gefängnis bestraft worden. Sie habe auch schon vor und während des Krieges Be­trug s v c r s u ch e unternommen.

Den Tod in den Flammen.

Zn Der Deckerstraße in Berlin brach ge­stern nachmittag in einem Pser bestall Feuer aus, Das sich so rasch verbreitete. Daß es Dem Kutscher ©ciffert nicht mehr gelang, sich in ,Sicherheit zu bringen. Der Kutscher und die im Stalle untergebrachten sieben Pferde kamen in den Flammen um.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 24. Sept. 1924.

Wohlsahrtsschccks in (ftiefttM.

Dom städtischen Wohlfahrtsamt wird uns ge­schrieben:

Allgemein und berechtigt ist Die Klage über den unerträglichen Umfang, den Die' Bettelei in Gießen angenommen hat. Zehn- und mehr­mals an einem Tage wird die Schalle gezogen. 2luf Den Straßen und in Den Wirtschaften betteln Kiirder, wenn sie dies auch durch das Angebot geringwertiger Waren zu verfchleiern suchen. Es ist an dieser Stelle schon oft Darauf hin gewiesen worden, wie zwecklos und geradezu schädlich für eine geordnete Wohlfahrtspflege es ist, toenn derartige Bettler oft im Verhältnis zur Vor­kriegszeit recht erheblich bemessene Alnrosen er­halten, baut denen sie ein müheloses Faulenzer­leben führen können, besser gestellt, als mancher Arbeiter und Angestellte Zeder Kevner Der Ver­hältnisse weiß, daß es sich bei diesen Hous» und St raßen bet Hern in dm weitaus meisten Fällen um gewerbsmäßige und Gewöhn hei- Id e 11 le r handelt,'die in Wirklichkeit nicht die geringste llnterstühung verdienen, sondern ins Arbeitshaus gehörten. Große Mittel gehen da­durch den wirklich Rotleidenden ver­loren und dienen dazu, unsoziale und vielfach auch noch verbrecherische Elemente zu unterhalten. Wer Bettlern Geld gibt, hat kein Recht, sich über Belästigungen durch Bettler zu beflagen, denn er züchtet dieses Gewerbe selbst heran. ÜnD doch gibt eS sehr viele, die es nicht über das Herz bringen, einen Bettler abzuweisen. Sie lassen I. I . I |

gut bekannt war. versah sich mit Dem nötigen Geld und fuhr zunr Hafen.

Es war noch eine halbe Stunde bis zur Ab­fahrt. Gracc eilte in ihre Kabine und fuchte die Spuren ihrer nächtlichen Reise zu verwischen. Sic wollte frisch sein, wemr sie Richard traf.

Der- große Dampfer hatte den Hafen noch nicht hinter sich, als sie schon an Deck war und sich nach ihrem Gemahl umschaute. Sie wußte, daß cs in diesem Gedränge ziemlich lange- Dauern würde. Rach einer Stunde des Suchens war sie einigermaßen überrascht, ihn nirgends zu sehen. Rach einer weiteren Stunde ging ihre äletec- raschung in Schrecken über.

Ein kurzer Besuch beim Zahlmeister und Die Durchsicht der Passagierliste überzeugten sic, von Der unerwarteten Tatsache: Richard war nicht an Bord!

Zweites Kapitel

Richard Duvall Tarn am Donnerstag ungefähr um halb zwei Uhr morgen« in Reuyrrl an. Hcdgman. Stapletons Sekretär, htttc ihre An­kunft gcdrah'et, und so erwartete sie Der Wex'en Des Bankiers an der 'Bahn. Eine Viertelstunde später fliegen fic in Stapletons Palast in Der fünften Avenue die Treppen hiira.r.

Duvall war nie in dieser Wohnung gcir.f.n. Hatte er früher mit dem Bankte, zu tun. so sah er ihi in dessen Geschäftsräumen am Broadwa). Zotzt bitte er gleichwohl fein: Z:it au D c v.'r» schwrnderische Einrtchtung xu achten Hodgman führte ihn softrt in Die Biblioth.tt und kurz Darauf war Stapleton bei ihnen.

Er begrüßte Duvall mit träfiignn Hände­druck und Danitc ihm für ftin rasches Komme i.

sich durch die so oft mit großem wchauspielev» talent vorgetragene, aber erlogene Leidensge­schichte täuschen, cDer fic möchten nicht einen Ge­rechten tov*gen 99 ttlnger echter leiden lassen. Die­sen Empfindungen Rechnung zu tragen. Dabei ober gleichzeitig die Spender auf wirklich Rvtleidende zu beschränken und G.wohnh-its-b tt(ern das Hand­werk zu verleiden, ist der Wohllahrtsfcheck be­stimmt, der hier in Gießen eingcführt verden soll. ' Auf Die Bekanntmachung in der heutigen Rümmer wird hingewiesen.

Es ist dringend zu wünschen, daß recht viele Einwohner von Der Gewoh'heit Deö trltiflo» fen Almofenspendcas ablasftn, und flott dessen Derartige Wo hl sa h rt ss ch e ck S geben mochten. Die eingehenden Mittel werden voraus­sichtlich, trenn von Der Einrichtung eifrig Georauch gemacht wird, eine Durchgreifende, über Die offen*- liebe Pflichtunterstützung h nausgch.' d. Hilfe er­möglichen, Denn Die Gewöhn hei tsbettler werden beim Wohlfahrtsscheckdienst abgüv'.^ea, mözea sie soviel Schecks verzeigen, als fic* tränten. S:c, Die Die große Mehrzahl alter Bettler bitte i, wer­den überhaupt m:ift darauf verzichten, die Ge­schäftsstelle aufzusucheir. Die Mittel, Die für Die c unbenutzten oder nicht berücksichtigten Schecks ein­gegangen sind, ermöglichen cs, wirklich Bedürftige über Den Betrag hinaus zu unterstützen, Der ihren Schecks entspricht. Der Dienststelle steht da-s gc famte berufliche und ehrenamtliche Per onal d K Wohlfahrtsamtes M Gebote, um einen Fa>'.> gründlich prüfen und beurteilen zu können. Ter Spender des Schecks selbst kann auf Dem Wohl­fahrtsamt erfahren, ob Der Beschenkte sich ge­meldet hat und ob unb In welcher Weise er unterstützt worden Ist, toenn er sich nur die Rüm­mer des hingegebenen Schecks aufschrttbt und bei Der Geschäftsstelle anfragt.

Einige deutsche Städte haben dieses Verfahren bereits cingeführt, und es wird durchweg von ausgezeichneten Erfolgen berichtet. Es tvurde in diesen Städten eine wesentliche Llbnahme des Dcttelunwesens festgestellt Besonders ist Ham­burg bahnbrechend getorfen. Hoffentlich ist Der gleiche Erfolg auch dem Gießeirer Versuch be> schieden.

Die Zcppelinfahrt verschöbe«.

Aus Friedrichshafen wurde heute früh gemeldet:

Bei der- außerordentlich unsicheren Wetterlage, die mit ziemlicher Sicherheit sehr böiges, regnerisches Wetter erwarten läßt, wurde die große Probefahrt des Z. R. IH vorerst auf Donnerstag verschoben.

Wie die Stadtverwaltung uns mittellt, wird die Annäherung des Luftschiffes an un­sere Stadt durch Heulen der Feuersire­nen gemeldet werden.

Von' anderer Seite wird uns noch berichtet, daß außerdem in den nächsten Tagen der Be­such eines Verkehrs lugzeuges der Südwestdeuischen Lu tverkehrSgesellschast (Zunkers-Limoustne) mit dem Direktor dieser Gesellschaft und anderen Passagieren hier in Aussicht steht. Das Flugzeug wird auf dem großen Ackergelände zwischen der Krvsdorfer Straße und der Lahn landen. Vielleicht wird es auch von dort aus einen Rundflug mit Gieße­ner Passagieren ausführen.

Bornotizen.

$a gc^Ta len Der für Donnerstag Zentrumspartei, 8 51 bi im Katholischen Okr elnShaus, Mitglieder Versammlung. Lichtspiel­haus, Bahichosstraße:Die Herrin von Mon­bijou". Hessische Bilderbühne:Der Evan- gellmann". Astoria-Lichtsplele:Das Feuer­schiff. 'f

Bern fsju biläen. Auf eine 2SjährigL Tättgkett bet Der Fiirna Koch & Eichenauer in» Gießen blickte gestern Der Geschäftsreisende Karl Dcmuth zurück. , Es ivurben ihm seitens Der Firma und Der Angestellten reiche Ehrungen zu­teil. - -Heute kann Der Znstall^llivnsvvrarbester bei dem ylesigeir Gas- und Wasserwerk Hein­rich Wagner .iu£ Wieseck sein dreißigstes Dienstjubiläum feiern. Seine Mitarbeiter über­brachten ihm ein Geschenk.

**D erLo tz" gehört untcrDenkmal- s ch n h. Von unserem ^-Mitarbeiter geht unS Die nachstehende energische"Mahnung an Die Oeffent- lichkeit zu: Zn Rr. 28 derGießener Fa­milie n b l ä t t e r" vom 5. Zult d. Z. (6. 110) wird in höchst anziehender Weisevon alten Gießener Schankftätten" erzählt. Hierbei wirb, und zwar mit vollem Recht, in erster Linieder Loh" behandelt. Ebenso bemerft Der Verfasser dieses schönen Aufsatzes ganz richtig, daß diese altehrwürdige Kneipe niemals beim echten GießenerZns Lohe" hieß, sondern stets nur Der L o h". Der alte Gießener StuDent ober Philister gingin den Lotz" oder richtiger nach der Mundart:in'n Loh": er saßInt Loh". Der Schreiber dieses behält sich vor, demnächst

Gr litt augenscheinlich unter schwerem seelischen Druck.

Hodgman hat Zhnen erklärt, worum ich ge­rade Sie wählte, Hetr Duvall?" fragte er un6 ließ sich in einen großen Ledersessel

Zatoohl," nickte Duvall.

Dann begreifen Sie meinen Zu stand" Et schwieg elno Weile und sah betrübt zu Boden.

Gewiß "

Den £eufel auch! Zch würde mich ja nicht grämen, wenn sie mir Eigentum Geld. Wert­papiere oder sonst was gestohlen hätten. Do8 kann ich wieder beschaffen. 'Aber mein Kind! Ste sehen doch Die Wichtigkeit ZhreS Kemmens ein? Gegen diese Spitzbuben Tann ich nicht öffentlich vorgehen Denn das wurden sie mein Kind ent­gelten lassen, ich wäre machtlos. Wis wir machen, muß im Geheimen geschehen. Rieinand Darf wissen, daß Sir sich für mich verwenden. Nie­mand barf Zhre Reise nach Paris auch nuf ahnen. Sie verstehen?"

..Gewiß Diese Burschen können nich! Si< als den älrh.'ber der Rachsorschungcn De: Po^iser Polizei betrachten: damit Haden Sie ja nichts zu hin. Aber sobald Sie von sich au5 Schritt« tun. um Zhrcn Knaben zu entdecken, muh Daj unbedingt im Geh irnen geschehen."

Richtig. Sic wissen also, was Sie zu tun haben?"

..Za Aber erst muß ich Sie bitten, Herr Stapleton, mir Einzelhttten übet Den Fall zu geben. H:n Hodgwan sagte mir nur. d ß Zh.- erf-n g.raubt w den ist. Zw isetto^ h-be i Sie nunmehr De; £:igang ersah..n? '

(Fe-rtsetzung foigi.;