Samstag, 2\. Mat 1924
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhefsen)
Drittes Blatt
M. 122
Landwirtschaft und Gartenbau
Das Fleifchfuttermehl
Kampf den Stachelbeerraupen
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Die ohne Heim.
Von Ludwig Heine.
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Dausende unseres Volkes wenden sich mit Recht, innerlich angeekelt, ab von dem Gassen- h-auertvn und dem kitschigen Lebensgenuß großer Teile der Jugend, besonders in größeren Städten. Die wenigsten von ihnen aber fragen weiter: muh das so sein? Habe ich aus früheren Zeiten vielleicht mit Schuld daran? Tue ich jetzt alles, um hier zu wandeln und zu bessern? Die schlichte seelische Tiefe der deutschen Volkslieder, das innige und sinnige Empfinden der Märchenwelt ist untrennbar verbunden mit dem Rauschen der Wälder, dem Plätschern des Daches, mit dem lachenden Grün hes schönsten Wiesengrandes oder lvenigstens mit einem Stückchen Garten lande, aas dem man sich im Boden des Vaterlandes wurzeln fühlt. Von den Tausenden Entgleister sind die Mehrzahl die ohne Heim: ihr seichtes und ober’ sachliches, gefährdetes und verkommendes Leben ist eine Anklage gegen die Ration.
Diele treue und gute Deutsche stehen mit verständnislosem Kopf schütteln vor der Religionslosigkeit und Vaterlandslosigkeit weiter Sch.chten
Weidegang der Fohlen.
Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus"" mit dieser Form des Ausschlagens soll sich aber'der Landwirt nicht begnügen, sondern dafür sorgen daß möglichst sein sämtliches Jungvieh, besonders aber die Fohlen, vor Lust und Freude auf ber Weide mit sämtlichen Deinen ausschlagen und sich dort nach Herzenslust tummeln. Denn frische Lust und Bewegung sind allererste Lebensbedingungen für solch ein junges Tier, viel wichtiger sogar als das Futter. Dieses kann das Tier stundenlang entbehren, Luft aber nicht. Ein langes Tier die ganze Jugendzeit im engbegrenzten und womöglich noch dunklen und dumpfigen Stall zubringen zu lassen, ist eben eine Tierquälerei, mit
Es gibt davon zwei Arten. Die häufigste ist die der Stachel beer-Bla ttwespe, Re- matus ventricosus. Sie ist ein gelbliches^ etwa i/2 Zentimeter langes Insekt. Wenn Anfang April die Stachelbeerstrauch?r ihr erstes Grün zeigen, erwachen auch die befruchteten Weibchen aus ihrem Winterschlaf. Jedes legt 100—120 Eier auf die Unterseite der kaum entfalteten Blättchen. Man erkennt sie daran, daß sie kleine Löcher haben. Rach 8—14 Tagen, je nach der Witterung, schlüpfen die jungen Räupchen aus. deren Dasein man gewöhnlich erst dann wabr- nimmt. wenn schon ganze Zweige kahl gefressen sind. Die bläulichgrünen, schwarzköpfigen, zwan- ziqfüß'gen Raupen sind an den Seiten mit schwarzen Bankten versehm. Ende Mai stellen die ausgewachsenen ihren Fraß ejn, lassen sich zu Boden fallen und verpuppen sich in der Erde. 3m Husi •ober Auaust tritt die zweite Generation auf, um die inzwischen wieder grün gewordenen Stachel- boerbüsche abermals abzuweiden. Dabei werden auch die Johannisbeersträucher nicht verschont.
Die andere, weniger häufige, aber ebenso gefräßige Art ist dieses Sta chelbeer span-- n e r s, Abvaxis grossulariata. Der auffallend bunte, weiß, braun und gelb getupfte Schmetterling fliegt in der Dämmerung und legt im August seine Eier in die Blattwinkel der Stachelteer- belaabung ab. Aus diesen kommen hn September die ebenfalls weiß, braun und gvlLbunten Span- nervaupen. Dor Eintritt des Winters häuten sich die Tiere noch einmal und fallen im Spätherbst mit dem Laube ab. Hier überwintern sie als Raupen. Weckt die Frühlingssvnne das junge Grün, dann erwacht auch die Raupe aus dem Winterschlaf, besteigt den Strauch, um hier ihrer Freßsucht weiter zu frvhnen. Sind sie zahlreich, so entgeht ihnen kaum ein Blatt.
Da man gegen das fliegende SnfeEt beider Schädlinge machtlos ist, kann der Kampf sich nur auf die Vertilgung der Raupen beschränken. ileberflreuen der Sträucher mit Kalk, Schwefel, Ofenruß usw. hilft in den seltensten Fällen. Absuchen oder Abklopfen auf ausgebreitete Tücher oder große Papierbogen am frühen Morgen ist eine so mühsame und zeitraubende Arbeit, daß sie nur in kleinen Gärten und bei Hochstämmchen in Frage kommen kann. Man hat daher chemische Mittel hergestellt, welche die Tiere durch ihre ätzende Wirkung toten. Sie sind unter dem Ramen Florisol, Parasit ol, Floria Harzolseise, Solbar usw. in den Samenhandlungen käuflich. Alle diese Mittel sind aber mir dann wirksam, wenn sie in vorgeschriebener Verdün. nung mittels einer Spritze auch von unten her die Schädlinge treffen, so sruh'^itig wie möglich angewendet und wöchentlich wenigstens einmal — bei Regen auch öfters — wiederholt werden, weil mit ständiger Zuwanderung der geflügelten Gäste aus.den Iachbargärten gerechnet werden
Untere tierische Ernährung steht seit ungefähr einem Hahrzehnt unter dauerndem Eiweißmangel, unter dem besonders junge und wachsende Tiere schwer zu leiden haben. Die Tiere wurden bezüglich der Eiweißzusuhr unterernährt und erhielten verhältnismäßig zuviel Kohlehydrate, die aber infolge des Eiweißmangels nicht zur vollen Ausnutzung kamen, sondern zum großen Teil unverdaut in den Mist übergingen, den sie auch nute an pflanzlichen Nährstoffen bereicherten. Während nun in unserer Heimat ein Mangel an Rahrungs- Mitteln und Futterstoffen herrscht, trat, wie Tier- zuchtinspektvr H. Münzberg-Berlin in einem beachtenswerten Aufsatz in Heft 8 der „Mitteilungen der D LG." ausführt, besonders in Südamerika infolge Absatzstockungen ein Überangebot an Rah- rungsmitteln und Futterstoffen zutage und machte den Getreideabbau unrentabel. Man verfütterte das Getreide an Masttiere and verwandelte es dadurch in Fleisch. Inzwischen ist auch diese Der- weitungsmöglichkeit zurückgegangen. Hetzt wird vielfach in den Fabriken das Fleisch durch Behandeln mit warmem Wasser ausgelaugt. Aus dem Auszuge macht man Rährextrakte, und das ausgelaugte Fleisch wird getrocknet, gemahlen und
I als Keischfuttermehl dem Handel zugeführt. 3n- ! felge der Üleberprvduktion ist jetzt dieses Fleischfuttermehl so billig geworden, daß seine Verwendung als Eiweißfuttermittel besondere Beachtung erheischt, zumal es an alle landwirtschaftlichen Rutztiere mit gutem Erfolge verfüttert werden kann. Ein Zentner Fleischfuttermehl enthält ungefähr 75 Pfund hochverdauliches Eiweiß. Dieses Futtermittel erlaubt somit, den Eiweißgehalt einer Ration durch verhältnismäßig kleine Mengen wesentlich zu erhöhen und die Verwertung der Kohlenhydrate besser auszunützen. Infolge seines kräftigen Geruches wird allerdings die Annahme des Fleischfuttermehls in der ersten Zeit, besonders von Schafen und Pferden, verweigert, doch legt sich dieser Widerwille bald, wenn anöere schmackhafte Futtermittel beigefüttert werden.
1 Fleischfuttermehl muß natürlich, damit es nicht
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welcher der Tierbesitzer sich selbst den größten Schaden zufügt. Daß man auf die tägliche Bewegung des jungen Tieres, und besonders des Fohlens, immer noch Hinweisen muß. ist eigentlich tief bedauerlich aber die Tatsache, daß die Tiere vielfach die ersten Lebensmonate im Stall verbringen müssen, zwingt einen immer wieder dazu, darauf aufmerksam zu machen: legt in der Röhe des Stalles eine Koppel für das Jungvieh an, der Platz wird sich dadurch unendlich mehr bezahlt machen, als wenn er mit irgendeiner Kulturpflanze bebaut wird. Auf ihm wird gesundes Vieh wachsen.
Außer den hessischen Künstlern haben auch badische und württembergische die Darmstädter Ausstellung beschickt, so daß hier drei verschiedene Gruppen unter einem Dach vereinigt sind. Es ist also sehr erleichtert, die Kunst Südwestdeutschlands in einem Gesamtüberblick kennen zu lernen. $■
An kahl gefressenen Sträuchern werden die angesetzten Früchte nicht mehr reif und Sträucher welche wiederholt vom Raupenfraß hrimgefucht wurden, sind meist so geschwächt, daß sie ein- gehen. Früchte von gespritzten Sträuchern müssen vor dem Genuß mehrfach gewaschen und mtt reinem Wasser nochgespült werden. ■ R.
Ein internationaler sozialökononnscher Kongreß.
Der 1. internationale svzialökoiwmische Kon- qreß findet Ende September 1924 in Buenos Aires statt, um die gesamten Wohlfohrtsein- richtungen der Welt zum Austausch ihrer Erfahrungen und zur Organisierung ihrer Zusammenarbeit zu vereinen. Der Kongreß le itting gehören an: der Präsident der Argentmischen Ration, Dr. M. T. De Alvar, die früheren italienischen Ministerpräsidenten L u z z a t r und R i 11 i, jher Präsident des Deutschen Reichsgerichts Dr. Walter Simons, ferner die Prof. Guglielmo Ferrero, Enrico Ferri und Leon Bourgeois, der nordamerikanische Staatsmann Elihu Rvot, der englische Hygieneminister H. H. W h i 11 e h u. a. m. Die Arbeitsgebiete des Kon. gresses sind: Wvhlsahrtsmuseen. Arbeiterfragen, soziale Hygiene, ülnterricht, Agrarfragen, Sozial- statistik. — Räheres beim Deutsch-Argentinischen Zentralverband, Berlin W. 15, Kurfürsten- dämm 220-
Treue gilt es aufs neue hochzuhalten, sie zu bekunden im einträchtigen Zusammenwirken aller Deutschen für das mißhandelte und zerrüttete Vaterland und sie einzuprägen in die Herzen der Jugend, denn nur deutsche Treue, Treue zu uns selbst und zu unfern Volke verbürgt diesem bessere Zukunft: ein Volk, das sich nicht selbst liert, bleibt unverloren I
des Arbeiterstandes und jammern über bte entsetzliche Seelen- und Herzensverarmung, die hierin ausspricht. And doch ist auch diese Ev- scheinung nicht zu verwundern. Wir Menschen sind ein erbengängig Volk, dessen innerste und ewige Werte doch nicht ohne Zusammenhang mit irdi- Myen, Formen und Bedingungen sind, ülnd wenn Die Seele-sich im Tiefsten und Wertvollsten des Lebens finden soll, so gehört dazu Sttlle und Sammlung. Leben nicht Millionen in deutschen Grenzen, denen ihr sogenanntes „Zuhause' diese innersten Lebensgrundlagen vorenthält, denen die Wohnung mehr Hölle als Heim ist? Die Bruder und Schwestern mit dem leeren Herzen und ter /verarmten Seele, besonders im Hinblick auf irdi sche und ewige Heimat, sind meistens „die ohne $CUSiefen unseligen Zustand zu überwinden, ist keine politische Parteifrage, sondern einfachi eine Frage der brennenden Volks- und Vaterlandsliebe und der allerselbstverständlichsten Barmherzigkeit mit anderem Menschentum. *- -■
seine Phantasie schweifen läßt Anders verhalt sich darin Karl Deppert-Darrnstadt, in dessen Bild „Taufe" sich Form und seelischer Ausdruck nicht zu einer Einheit gefunden haben; es bleibt em an Karikaturen erinnernder Eindruck zurück. Er stellt ein rückschrittliches Element dar. Eine der erfreulichsten malerischen Leistungen ist eine Darstellung der Hochgebirgswelt des Matterhorns von Roland Anheißer in Hagenheim an der Bergstraße. Durch schlichte Sachlichkeit zeichnen sich die Landschaften von Altheim-Darmstadt, Bantzer-Kassel, Hölscher-Darmstadt, Muller- Tenckhoss in Mainz (Hunsrück), Mathilde Steg- mayer-Darmstatd (Burg Gleiberg) aus. Dem.Pro- blem der Farbe gehen nach und bieten inter- essante Lösungen: FridaRest-Mainz (Stilleben) Hans Hecker-Worms (Fraucnbildnis), MrtthiDe Huber-Mainz (Canbfdxiften), OHaria Delte- Friedberg (Stilleben) und Maria Ziegler-Mamz (Sttlleben).
Sehr reichhaltig sind auf der Ausstellung die graphischen Künste vertreten; sie sind unter tor Betonung ©rifjeltunft un> aBafferfarten in einer Abteilung zusammengefaßt. In mancher Beziehung spiegelt sich hier das Leben der Gegenwart noch getreuer wieder. Zu nennen waren hier a a die Radierung „Der ewige Ruderer von Sofie Grosch-Gonsenheim, Wasserfarbenblatter und ein Holzschnitt von Margit Manz-Alzey, sowie ein Oelpastell und Radierungen von Bruno Pcmitz-Mairz.
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freuen I —
Ihr Deutschen von heute, habt ihr einen ähnlich geschulten Blick einen gleichen freundlichen Willen für das Leben eures Volkes und ferner Glieder? Seid ihr durchdrungen von der Heber- zeugung, daß jeder Deutsche, der geboren wird, ein Lebensrecht an das Vaterland zu stellen bat, um später einmal einen Lebenszweck für das Vaterland zu erfüllen? Was konnten Volk und Datei land heute in deutschen Landen fern wenn lieferet Pflichtbewußtsein und stärkeres Derant- I wortungsgefühl der Volksgenossen füreinander vorhanden wäre! Die furchtbarste Anklage gegen Lauheit und Gleichgültigkeit der öffentlichen Meinung sind heute „Die ohne Herrn!" >
Don tausend Todesfällen hat „die weiße Pest" die Tuberkulose verursacht: im D^vk Beding von Groß-Berlin 217, im Bezirk QHitteJ60, in Zehlendorf 14. Welche erschütternde Anklage liegt in diesen Zahlen! Die Tuberkulose ist eine Heimkrankheit Jedes Elternpaar mit gesunder-, sonniger Wohnung, das sich, an den runden Gliedern und frischen Wangen eines neugeborenen Erdenbürgers freut, sollte daran denken: es gibt viele Tausende anderer deutscher Vater- und Mutterherzen, die ein natürliches, gottgewolltes Anrecht auf die gleiche Freude haben, ülnd sie dürfen sie nicht genießen, weil sie Menschen ohne Stom sind. Wer Dvlksfreude und Vaterlandsliebe von allen Deutschen erwartet, der helfe Millionen Volksgenossen in Wahrheit von der Rächt- und Schattenseite des Lebens erlösen.
Südwestdeutsche Kunstausstellung.
Ein vielgebrauchtes Zitat aus Schill n-s Wallenstein" besagt: „Ernst ist das Leben, heiter iss^ie Kunst." Des Lebens Ernst spüren^wir m der sorgenvollen Gegenwart nur altzu sehr ccher nur von wenigen Kunstwerken der letzt eröffneten Südwestteutschen Kunstausstellung auf ter Mathildenhohe in Darmstadt ge^ elne Wirkung aus, die man als eine Befreiung des Gemüts, «ls Heiterkeit, bezeichnen konnte. Auch die Kunst ist ernst geworden, fast zu ernst, denn ost spurt man. daß die Künstler um Ideen ringen, daß sie mehr der Losung von Problemen nachgehen, als baß sie die sinnlich wahrnehmbare Welt da stellen. Die Kunst soll ja die Vermittlerin des ülnaussprechlichen sein, aber bei manchen Vil- dein fehlt diese Verdeutlichuiig, es bleibt bei dem -Dunkeln und Unaussprechlichen; bas .^eellsche Pro blem ist ungelöst. Damit sind nicht die Bilder ge meint, auf denen nach der Weise der Exprestio- nisten alle Formen aüfgelöft sind und dafür Bil berrätfel geboten werden - solche Gemälde sind aus der Ausstellung kaum vertreten — .sondern Kunstwerke, die ein Spiegel der Zeit sein wollen.
Gegenüber früheren Hahren hat das Pro aramm der Ausstellung aus sinanzlellen Grun- tn eingeengt werden müssen; es smd Künstler nur terf. worden. Gibt eine solche Beschränkung auch
kein Recht, die Bilterschau als ein einigermaßen getreues Spiegelbild unserer Zeit zu bezeichnen, so ist boeß wohl der Schluß erlaubt, von diesem geographisch begrenzten Kunsttez^k auf die gesamtdeutschen Verhältnisse zu schließen. Die Zerrissenheit, die durch die deutsche Seele seit tem Erlebnis der Revolution geht, hat sich noch nutk xu einer seelischen Einheit wieder zuruckgefunden, ab« b't ®=funbung»pro»ef; ist im Madien. Die Bilder sind nicht mehr uferlose Phantasien, wie sie es in der Mehrzahl auf den Ausstellungen der letzten Hahre in Darmstadt waren, nicht mehr die Welt, wie sie nach irgendeiner fern
sott, sondern die Welt, wie sie ist, stellt sich etzt in stärkerem Maße auf der Leinwandtem Betrachter dar. Das ist eme erfreuliche Feststellung, die man machen muß, die der RuWellu'i^ eine besondere Bedeutung gibt und den Besuch lohnend gestaltet.
Am meisten zeigt sich in der hessischen Gruppe der Ausstellung das Bestreben, die Kunst einer neuen Entwicklung zuzuführen; hier sind die Pfadfinder nach dem noch unentdeckten Land der Zukunft. Die Welt der Formen tritt bereits nut Klarheit hervor, das Problem wird mehr auf dem Gebiet der Farbe gesucht. Die stärkste künstlerische Persönlichkeit ist hier Paul Thesing, dem eine Reihe von Darmstädter Künfttern nachstrebt, die sich seiner Farben- und Formensprache bedienen. Thesing ist ein Ringender; er steht mehr auf dem Boden der Wirklichkeit als daß er
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Eine Pflanze kümmert und kränkelt;
Blättchen werden grau und gilben welkend in den Spitzen Die Blüten fallen ab, ehe sie sich -recht ----- ---------- - .
erschlossen haben, ober wenn sie sich entfalten, so verdirbt, trocken aufbewahrt werden. Rach dem fehlt ihnen Glanz und Schöne. Wenn kundiger Vorschläge von H. Münzberg verfüttert man Blick dies kümmernde Leben schaut, dann forscht Fleischfuttermehl anfänglich in Heinen Mengen, er nach den Fehlern, die seine ÜIrsache sind;-dann ^e man mit zunehmendem Alter steigert. So ersucht er Lebensbedingungen für seine Pfleglinge, ^[ten über drei Monate alte wachsende Schweine bte den Lebenszweck einer Pflanze wirklich er- täglich etwa 100 Gramm, welche Gabe mtt fortfüllen' Grünen und Blühen, Gedeihen und Er- schreitendem Alter bis auf 300 bis 400 Gramm ' ’• 1 gesteigert werden kann. Auch Kälber verwerten
diese Mengen mxß gut. Dem Milchvieh kann man mit kleinen Gaben beginnend, bis 1 Kg. täglich geben, ohne daß sich ungünftige Wirkungen auf Milch- und Butter bemerkbar machen. Don Hühnern Enten, Gänsen wird bekanntlich alle Fleisch- nahrung leidenschaftlich gern verzehrt, sie ist geeignet den Eiererttag erheblich zu steigern. Mit Kartoffeln vermischt gibt man diesen Tieren etwa 3 bis 5 Gramm Fleischfutter mehr auf den Lmg und den Kopf. Weil aber bei der Herstellung des Fleischsuttermehles der Hauptanteil der Mineralsalze ausgelaugt worden ist, ist eine terung von kohlensaurem und Phosphorspurem dringend anzuraten. Rk. W.
i ilnb wie unvergänglich schön bleibt des großen Dichters Mahnung:
m An's Vaterland, an's teure schließ dich an,
Don Or. Anton Ohorn. Das halte fest mit deinem ganzen Herzen,
Wi« klingt das Wort so traut und kraftvoll Hier sind die starken Wurzeln deiner Kraft! zugleich: Deutscher Geist! Tausend deutsche Her- Wie mit goldenen Lettern leuchtet es herein in zen sprechen es sttll wie ein heimliches Gebet der unsre Zeit und müßte alles verscheuchen, was un- Sehnsucht lausend Lippen rufen es laut wie eine deutsch ist. Gerade in der deutschen Dichtung muß- Forderung der Zeit an unser niedergebeugtes, wie das Deutsche gelten, wenn unser Gemütsleben gern bange Rächt versunkenes Doll. Wer noch deutsch I sunden und erstarken soll — darum fort mit allem Vüblt der sieht nach ihm wie nach einem Stern, widerwärtigen Schmutz, der so vielfach ter neuen,
ter berausleuchtet aus dem trüben Gewölk, das „deutschen" Literatur, zumal in Romanen
über Deutschland liegt, und der den Weg erhellen und Bühnenwerken anhaftet, ter nicht aus deut- foll in eine bessere Zukunft. schein Gemüt, aus deutschem Fühlen und Empfin-
Deutscher Geist bedeutet deutsche Wesensart, I ben stammt, sondern auf fremden Einfluß zumck- wie sie sich offenbarte in Deutschlands großen Zei- zuführen ist, und der schon das Herz der Hugend ten da die Begeisterung aufflammte in viel tau- vergiftet. Deutfche Dichtung gilt es hochzu- send Herzen, in denen Kraft und Mut und Treue halten, zu hegen und zu Pflegen — das verlangt emportrugen aus Rächt zum Licht. Dieser Geist ter deutsche Geist. r
lebt nicht im denkenden Verstand, sondern er er- Eine gesunde deutsche Dichtung ater besitzen wächst aus dem deutschen Gemüt, und deutschen toir auch im deutschen D olksli e de. Es- ift
Geist hegen heißt das deutsche Gemütsleben warm eine liebliche Blume, die aus dem deutschen Ge-
und kraftvoll erhalten und alles tun,' was dieses müt erblüt, des Volkes Lust und Leid zum schlich-
fortert und alles hüten, was es uns seit langem ten, wirksamen Ausdruck bringt und einen Hort
gegeben. bildet, ten es treu zu hüten gilt. Die alten, guten
Has aber ist vor allem die Liebe zum Lieder haben schon unsere Vorfahren erfreut, ge» Vaterland, die es gilt schon in den Kinder- tröstet, erheitert in guten und schlimmen Stunden herzen zu wecken und zu beleben, auf daß schon die und sie verdinten uns darum mit unfern Vatern Tugend die Scholle lieben lernt, auf ter sie ge- und Kindern zugleich, denen sie als kostbares Erte boren ist und bereit ist, zu ihrer Ehre und.ihrem verbleiten sollen; sie tragen einen Zrredens- und Schuh ihre Kraft einzufetzen und ihr, wenn es gilt, Segenshauch in sich, mahnen auch in ter tferne an auch das Höchste zu opfern, Gut und Blut. Die bie Heimat, und bei ihren Klängen wird uns das Heimat kann nicht ersetzt werten, und ein gerate- Herz weit und warm. Darrrm fort fort mit den zu erbärmliches Wort ist das „ilbi bene ibi patria" schmutzigen und neuen „politifcten Liedern aus wo es mir gut geht, ist mein Vaterland. Schmach, ten Kreisen ter Hugend, die heute bag ®emut baß es deutsch-geborene Männer gibt, die sich mit vergiften und ihm gesunden Frohsinn und teut- | solchem Wort geradezu brüsten und dabei Führer sches Fühlen rauten! , .
des deutschen Volkes sein wollen! Sie sind Der- In ter Liebe zum Vaterland, in ter Errn- räter an dem Wertvollsten, sie verleugnen und nerung an große Zeiten und große deutfche 4üan- vervaten ten Boten, auf dem ihre Wiege stand, ner, in der Freute an ter deutschen Kunst und auf dem ihre Eltern und Voreltern gelebt und Dichtung, in der Pflege des echten dmitscheu Dolks- aeschafft haben unb ter ihnen selbst auch in ber Ar- sieds offenbart sich aber die deutsche L, reue, mut Hütten manches Liebe und Gute geschenkt hat. Sie gehört barum auch vor allmn zu tem teut- Es aibt kein teutsches Gemüt und keinen deutschen schcn Wesen, ja, sie ist deutscher Geist. Alte Sagen Geist ohne Heimatliete. und Lieder Preisen sie, und sie hat sich bewahrt m
In diesem lebt aber auch- als ein hohes Gut unzähligen Fälleii, wie Einzelne, wie ganze die Erinnerung an die deutsche Der- Stämme sie bekundet haben bis m ten ob-. Sie gangenheit, an große Tage und an große ist ein heiliges Erbe, und sie gilt es besonders zu Männer tenn sie erweckt die Begeisterung und wahren und zu hüten auch für das konimmite Ge- die Sehnsucht nach Zeiten, bie jenen vergangenen schlecht. In deutscher- ^.reue wurzelt deutsche Kraft gleich wären. Sie schenkt un5 Vorbilder deutscher — der große Weltkrieg hat es tetuntet Solange Kraft und deutscher Art, die wir heute mehr als die Treue lebte im deutschen Volk und Heer stand ie brauchen. In beklagenswerter Weise tezeich- Deutschland untezwungen einer Welt m -weiften nenb ist es baß man aus deutschen Schulbiblio- gegenüber; als aber die Treue wankte und- ver- tteken Bücher entfernt, bie von großer, deutscher sagte, erfolgte ter schlimme Zusammenbruch. Die Vergangenheit handeln; es ist ein Ausfluß jener «•-------f'Am^.halton sie xu be-
internationalen Gesinnung, bie den gesunden deutschen Geist fürchtet und sich selbst damit verurteilt.
Laßt im deutschen Gemüt, zumal in jenem ter Hu- aenb, ten Stolz fortleben auf unseres Volkes große Taten und Tage, tenn aus tem Gedanken an solche Vergangenheit erwächst ter Drang nach einer gleichen Zukunft. I
Lebendig bleiben tm deutschen Gemüt muß auch die Freute an tem, was deutscher Geist und deutsche Kraft geschaffen haben in Kunst und Dichtung. Schöpfungen deutscher Baukunst Malerei Bildnerei und Musik tragen den Stempel deutschen Geistes, soweit sie nicht von fremden Einflüssen verunstaltet sind, und vermögen die len froh und im Herzen warm zu machen. Mit Ehrfurcht und Stolz sehen wir die.herrlichen Dome die die Vorzeit gebaut, wir bewundern Bilder und Skulpturen alter deutscher Meister, wir lasten durch deutsche Musik uns erheben und erfreuen, und das Verständnis dafür und die Freute an alledem muß fortleben von Geschlecht zu Geschlecht denn es ist ein köstlicher Besitz, auf den unser Volk stolz sein darf, den es zu hüten gilt, ten deutscher Geist geschaffen hat, und der berufen bleibt, deutschen Geist zu erhalten und zu beleben.
Vor allem aber wirkt auf das Gemüt die Dichtung, und die deutsche Dichtung birgt Schätze von unvergänglichem Wert; unsere Klassiker ragen heraus in der Weltliteratur, und teutsche Dichter haben gesagt und gesungen aus des Dolles Herzen für des Dolles Herz. Es sei nur gemahnt an die Zeit der BefreiunEkriege, und wir sehen sie vor uns, die deutschen, Manner, bie Mut und Begeisterung weckten mit ihren Lre- tern' aus dem erregten deutschen Gemüt erwuchs die deutsche Kraft, aus deutscher Kraft ter Auf- ftieg unsers Bolls. Können und dürfen ater Worte verhallen, wie sie unser Schiller gesprochen hat, wenn er sagt: „Roch dürfen wir mit Selbstgefühl auftreten in ber Volker reihe, denn das, was unfern Wert macht, ist nicht verloren, solange deutsches Wesen lebt in unserer Kultur und im Charakter ter Ration. Mögen wir den fremden Waffen unterlegen sein, fremder Geist soll keine Macht über und gewinnen: Väterart und Dätersitte, deutsche Sprache und Kunst werten unsre Retter sein. — In meiner Seele lebt bie äleterzeugung, auch wenn meine Augen es nicht schauen füllten, daß Deutschland zuletzt den großen Prozeß ter Zeit gewinnen wird, denn ein iedes Voll hat seinen $ag in ter Geschichte, doch ter Tag ter Deutschen ist die Ernte ter ganzen Zeit. —2kst bas nicht auch für uns und für heute trostvoll gesprochen?


