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Donnerslag, 1\. April 1924

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Tberhesien)

ltt. 96 Zweites Blatt

ftronhurtft M.

Frrtln

Un Unionen Prozent

Datum:

den Ttonton-, SchiffahrtS- und Glektrizitatswerten waren besonders Chemische Werte Angeboten. Die Kurseinbufen bewegten sich auf allen Vebie en durchschnittlich zwischen lx/s und 2 Dillwnen Pro­zent, für Harpener betrug der Verlust sogar 4 Billionen (44'/-). für Caro 2'/, Billionen (14.6), Mannesmann 3 Billionen (24). *2Uil wenige Pa­piere vermochten ihren Kursstand zu behaupten, darunter Hirsch-Kupfer. 3m freien Derd.hr zeigte sich Las gleiche Bild. Ts ist kaum mög.ich, das übergrobe Angebot unterzubringen. Api 3, Becker Stahl 57/§, Becker Kohle 6, Drvwag 0,175, KrügcrShall 43/*.

Dörsevkarse.

17, DcnNchr 9lrt®<anlti6e <7, Deutsche Retrh-onlrth« >'///, Deutsche N.lchoanletd« y/n Deutsche Retchsanlelde . Dru'iche Lvarprc.n,Ienauletlx <*i» Preuhtsche Jtonfoli < <*'e Hessen...........

SM:::::::::: Deutsche Wert''. Dollar°?lnl Llo-Toll.-Schatz-Anweisung.') </. yoarurtrn.........

y/e Loldmerikana.....

verltner Handrl-aeseklschaft Commerz und Privat-Bank Darmsl. und Railoualdant . Deutsche Pank.........

Deutsche BereinSdank . . . DlSeonto Tommandtt . . . . MetaUdank...........

Mitteldeutsch, Lreditbank. . eellr! reichliche Lredtttmstall veklbauk vochnmer Oat .....

Buder.s

Caro ..

Deuiich Suremburg......

Belsrutirchener Bergwerk« . Harvener U'rrflhnn......

Kaliwerke -Ilch.rSltbeu. . . . «alttverk Westeregeln Haurabütte......

tbcrdedars. .......

vyöuts Bergbau .....

ßiykiuuahl pl-btit wtontarr........

Lellu« Bergbau ...

Hamburg-Amerika Pake». . «arddeuticher Lloyd ölcramische Werke Sllbta .. Zementwerk Hetdeld«, , . Vdilivv Holiomno ......

Sinako-Tont.-tNuano.....

Badische Anilin Chemische Mayer Alavin- . . Goldschmidt..........

ÄrieShoimer Electron .... Höchster Farbwerke......

Hoilverlohlung RütgerSwerke Schcideaustalt ROp EirkkrtttlStS^eknfchak» vrraniaun ......

Moiiikraitwerk« ....... Lch uiker»............

eituwul A HalU» .....

Rdlerwerke Sley» ..... Daimler Motor«. ...... Heyligenftaedt ....... ill.egum.............

frankfurter Armaturen ... Konservenfabrik Brann . . ° MetaNaesellschaf» Frankfurt. Bt'. Union «-<». ...... ©rt ubfabrit Her».......

Eichel..............

Zellstoff waldbof Zalkeriabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Waghäusel . . -

Derliner Börse.

Berlin, 23. 2lpril. (Wolff.) Die Rot- kvendigkeit, sich Lurch Len Der'aus von Efellcn die notwendigen Geldmittel za beschaffen, führte dem Markt neue Ware zu, die bei der e nge- schränkter Ausn.'hmcföh gkeit eine weitere allge- meine Senkung des Kursniveaus bewirkte. Mon- tanteertc fiellten sich anfänglich durchschnittlich am 12 Bill. Prozent niedriger. Aus den ande­ren Umsatz gebieten erreichten die Abschwächung, n einen ähnlichen Umfang. Die herrschende Beun­ruhigung hinsichtlich der weiteren Gestaltung der Verhältnisse, namenllich auch wegen der angeblich zu Ultimo Mai infolge bet schwebenden Engage­ments in Franken zu erwartenden Schwierigkeiten veranlagt die Kapitalisten zur äubersten Dor- ficht. Vereinzelt ergaben sich ziemlich empfind­liche Rückgänge. So verloren Riebel Montan 31 'n Deutsche Kall und Akkumulatoren 2V-. Nord­deutsche Wolle 3. Stöhr 5y4, Berlin Karlsruher Industrie 5V2 BM. Auch SchiffahrtSak.ien hatten namhafte Verluste, wofür z. T. Gerüchte von Zahlungsschw ecigkeiten einer §amuurger Firma verantwortlich gemacht wurden. Hamburg Sud- ametikanische .Dampfschif'ahrt gingen um 2y4, Deutsch-Llustrol. um 2 Dill, zurück. Auf Lern Ban lenmaakte verloren Berliner Handelsgesell- schaft ziemlich 3 Bill. Prozent. Von ausländi­schen Renten naben Türkische Anleihe nach. Von deutschen Anleihen bröckelten Kriegsanleihe Wei er ab. Rach Feststellung der ersten amtlichen Äurie erwies sich ter Markt widerstandsfähiger. Die ersten Kurse wurden als Geldkurse genannt, es konnten aber nur vereinzelt geringfügige Besse­rungen erzielt werden. Am Devisenmarkt wur­den die Kurse zum größten Teil etwas hoher notiert.

Frankfurter Börse.

Frankfurt a. M., 23. April. Tendei^: Schwach. Rach und nach tritt doch immer mehr in Erscheinung, das) die Verluste der Spekulation in Frankentermlngeschästen bedeutend gröber sind, als es zuerst hinzu stellen versucht worden trat. Die Folge davon sind immer wieder Verkäufe aus dem Aktienbesitz, so dab Las grobe Angebot immer wieder auf die Kurse drückt. Auch hrute waren infolgedessen auf allen Gebieten nur Äui8= ein bub en zu verzeichnen. Auf dem Geldmarkt hält die gespannte Haltung weiter an. Reben

Wirtschaft.

Tic (tzrosthandclsindexziffcr.

Die auf Len Stichtag vom 22. April bereg­nete Gros) Han delsindexziffer ^*s Sta­tistischen ReichSamts gegenüber dem ötante vom 15. April (124,1 Proz.) mit 1243 nahezu unverändert. Die Indexziffern der Haupt" gruppen lauten: Lebensmittel 109,7 (Vor­woche 1C9.4), davon die Gruppe Getreide und Kartoffeln 91,0 Proz. (91,1 Pr)z): In^ustrie- ftvfse 151,7 Proz. (151,4 Proz.), davon die Gruppe Krhll und Eisen 141,9 Proz (141,8 Proz ): Dn- landswaren 112,2 Proz. (112.0 Proz.): Einfuhr­waren 185,1 Proz. (184,4 Proz ).

Die Zinsfrage. Die Vertreter der deutschen Giroverbände kommen, wie das .Ham­burger Fr^.mdenplatt" meldet, am Samstag in Mannheim zusammen und wollen dort inS.eoa- dere die Zmsfrage beraten. Diese ist dadurch akut geworden, taf) seit dem letzten Deschlub der Stempelvereinigung der Zinssatz der Dank n für Gelder bei längerer Frist wesentnch hoher ist, als der der Sparkassen.

'Stillegung von Kaliwerken. Zu der bereits? gemeldeten Schließung einiger Kali- nxite m.Ibet die .Deutsche B.rgweocszeitung" noch bar, nutzer den bereits e-wäh-llen W:rtzm auch das Kaliwerk Krügershall und die ©enerfc schäft Sal(münde ihre Betriebe vorübergehend geschlossen haben.

Die Schwierigkeiten im Metall- Handel. Gestern sand in Stuttgart eine Ver­sammlung der führenden deutschen Mctallhandler statt, die versuchen sollte, die Verbindlichkeiten sämtlicher in F ankenschwterigkeiten geratenen Firmen festzuslellen und durch gcginseitiges Ziu- Hilfekommen die Angelegenheit in Ordnung zu bringen Im rheinisch-westfälischen Metal.hankxl könne von einer Krise nicht die Rede fein, wean­gleich zugegeben werden müsse, Latz auch hier einige Händler in Milleide>aschaft gezogen seien. Von beteiligter Seite erfährt das W. T. B, Latz die mas'gebenden süddeutschen Firmen des Medallhandels in der Lage sind, ih en Verpflich­tungen nachzukommen. lieber die prinzipiellen Fragen, io sie der Feststellung der Hohe ber Verbindlichkeiten, sind die Verhandlungen noch zu keiner Klärung gelangt

) Dom Rückzahlung-wert

Devisenmarkt BerlinFrankfurt a. M.

,x»n Dtlltonen Mark ausaedriickt. vuenoS-AIrr-, London. Nrn. hort Japan. Rio de liavelro für rtne (ttudeit, TOIrn und Budapest für 100000 Qcinbdten. alle« übrige für 100 Etuhetten.) Telegraphische Auszahlung.

(Ohne Gewähr.) __

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Banknoten.

(Ohne C.*>äbr.)

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Ungarisch' Roten.....

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Märkte.

Berliner Produktenbörse.

Berlin, 23. April, (Wolff.) Am Pro- duktenmarkl yat sich nichts geänbeut. Das Geschäft bli.'b sehr still. Mehl konnte nur teerig abgesetzt werden. Hofer war seitens des Konsums und ins. ig Rachsrage für die Küste mshc begehrt. Di. Zufuhren in diesem Arti'el waren In Zu­sammenhang mit dec Geldteuerung und den Frachlllsten nur gering. Für Gerste zeigte sich bei feinem Angebot ebenfalls einige (Nachfrage Mais hatte auf spätere Lieferung festere Tendenz Lok) Jotlcrmais in Donauware war für den Konsum begehrt. Feste Stimmung herrschte ferner für Roggenlleie, Trackenschnitzel und Kartoffel- flocken Es notierten für 1000 Kilo: Wei en (märf.) 170 bis 177, (pomm ) 165' bis 163 ruhig: Roggen (märf.) 132 bis 13$, (pomm.) 123 bis 132 leicht befestigt, Sommergerste 170 bis 193, Wintergn-ste 155 bis 170; Hafer (märt) 127 bis 135, (pomm.) 122 bis 130 fester. Es notierten für 100 Kilo: Weizenmehl 24,50 bis 26.50; Roggen­mehl 20,25 bis 22,50 ruhig: W.nzeickleie 10,20 stetig: Roggenlleie 8,85 bis 9,00 fest. Es notierten für 50 Kilo: Raps 310; Leinsaat 410 still; Vik­toria ubsen 23 bis 29; Kleine Erb'en 16 bis 18; Futtererbsen 13,50 dis 14; Peluschken 1150 bis 13; Ackerbohnen 16 bis 18; Wicken 12 bis 14; Lupinen (blau) 12,50 bis 13; Seradella (alt) 16,50 bis 17,50. (neu) 12 bis 14; Rapskuchen 11,50; Leimuchen 22 bis 23; Trockenschnitzel 9,50 bis 9,60.

Frankfurter Getreidebörse.

Frankfurt a. M., 23. April. 3n den ersten Veschäslsstunden war der Derfehr ruhig und dementsprechend das Geschäft Hein. Es fehl e auch nach Len Feiertagen an der nötigen Kauf­lust, wobei wiederum auf die unsicheren Geld- verhältnlsfe verwiesen wird. 3m allgemeinen haben die Preise keine grötzeren Veränderungen erfahren, zeigen sich aber vorwiegend gut be­hauptet, für Futtermittel fest. Man notierte für je 100 Kilo: Wetterauer Weizen 18,15 bis 18,50, Roggen, inländ. 16 bis 16,50. Braugerste 23 lis 21. Hafer, Inland. 15 bis 15,60. Mais, gelb 19 25 bis 20, Weizenmehl, südd. Spezial 0 2i,50 bis 28.50, Roggenmehl 23.50 bis 24, Weizen- und Rvggenlleie 10 bis 10,75, Heu. füdd., gut, gef., trocken 9 bis 9,50, Weizen- und Raggenstroh, drahtgepr. 6 bis 6,50. Treber, getr. 15 bis 15L5. Tendenz: Geschäftslos.

phologic usw. auf der anderen die vorwiegend körperlichen Wirkungsweisen wie Tischrückea, Wünschelrute, Telekinese. Spuk, Materialisation ebenso gründlich wie kritisch zu untersuchen und zu erllären versuchen Ein gute? Literaturver­zeichnis gibt die Möglichkeit eigenen Weit«» forschens, wozu das fesselnd geschriebene Buch gewltz anregen wird.

X Karl May-Hahrbuch 1 924 , heraus» gegeben von Dr. Max Finke und Dr 5. 2L Schmid. Radebeul bei Dresden. Preis 3 (Sm. Von dem Hahrbuch, über desen Ziele vergangenes Jahr an dieser Stelle gesprochen wurde, ist der 7. Band erschienen. Er enthält, neben einer Reihe timmungsvoller Lichtbllder von Landschaften auS den Vereinigten Staaten von Rordamercka ein« erhebliche Anzahl von Beiträger zum Teil nam­hafter Autoren, von denen he.vorgehoben feien: Prof. Dr. Ourlitt:Karl Mays sittliche Gros^ tat", Llniversitätsprosessor Günther:Ein Pio­nier der Wüstenforschung", Dr Heinrich Lhohky Hellsinnigkeit". Seminaroberleh.er Prüfer Wettlauf, und besonders ein _Dorneben gehal­tener, vnsehnlich aus lingendee ^chiu aufsatz deS Leiters des May-Dellags 'Dr. E. A. Schmid üb« Mays Gegner Avenarius und die 11 e.ariicheo Fchden mit ihm. Allen Freunde r Mays und voo feinen Feinden denen, die nicht entschlossen sind, sich auf ihre vielleicht vorgefatzie Meinung zu versteifen, fei das Jahrbuch empfohlen.

*3n einem Teil der Auslage wiederholt.)

Uebertritt zur

Deutschen Volkspartei.

Berlin, 23. April. (P iv.-Tel) Der bis­herige deutschnalronale Reichstag^abgeorfmete Landcr<richtsdt!.e!tor W a r m u t h teilt der .Ra- tionallibt.Talon Karrefpondenz" mit.Schon durch geraume Zeit halte ich das Gefühl, datz ich, al- altrr Freikonferoattvec. mehr und mehr den Krn- takt mit den in der Deutschnationalen Par ei all­mählich immer fläitci und extremer heroortretrn- den Auffassungen verlor. Die üsteberzeugung vrr» stärkte sich in letzter Zeit und gewann reichlich Rahrung aus der Art und Weise, wie man mich offensichtlich distanzierte. Zch sehe ein, datz mein Platz nicht mehr in der Deutschnationalen Volks- paitei, sondern in den Reihen der Deutschen Dolkspartet gegeben ist." Herr Warmuth gehörte zu den angese'hensten und ihrer sachlichen Ein­stellung wegen geschätztesten Mitgliedern der deutschnationalen Acichstagsfraktion. Vor den» stlmsturz vertrat er eine Reche von Zähren den schlesischen Wahlkreis Landeshut-Zaue.-Bollen­hain als Mitglied der Reichspartei.

Die (5'iitwandernttgsbift.

Washington. 23. Aprfl (WTB) Die neue amerikanische Einwanderungsoill wird voo einem Ausschutz des Senats und des Repräsen­tantenhauses am Freitag erwogen werden. @i wird erwartet, datz die Dill ohne wesent­liche Aenderungen ihrer praktischen B» ffimmungen angenommen werden wird. Ma» glaubt nicht, datz der Präsident sein Vetorecht ausüben werde.

Kunst und Wissenschaft.

Darmstädter Sezession. Südwestdeutsche KunstauSstelkuug.

Darmstadt. 23. April. Die Darm­städter Sezession eröffnete heute ihre des- jährige FrühjahrSausstellung in der Kunst Halle am Rheintor. Sie umsaht Werke der Malerei. Girrphik, Plastik und Architektur. Die Vorbereitungen für die grohe Südwest - deutsche Kunstausstellung in Darmstadt, die im Mai eröffnet wird, sind jetzt so teeit ge­rieben, datz die Einlieferung der Bilder beginnen kann.

Büchcrtisch.

X tEine ausgezeichnet llare und durchaus sachlich gehaltene Einführung in das For­schungsgebiet des Okkultismus, seineTatsachen undProbleme gibt das gleichnamige Werk des Oberregierungsrat Dr. W. Platz- (Sieben (bei Strecker & Schroder in Stuttgart). Bei aller angewandten Kürze ist es dem Verfasser gelungen, ein umfassendes Bild von dem erstaunlich weitverzweigten Gebiet deS Okkultismus zu geben. Einleitend wird das Wesen des Ollultismus und die Ausgabe der Wi senschast tlargclegt, dann die Vorbedingungen und Vor­stufen der okkulten Erscheinungen behandelt, um von hier aus die einzelnen Gebiete, auf der einen Seite die vorwiegend psychischen Wirkungen, wie Prophetie, Astrologie, Alchemie, Telepathle Gra-

Fleischbrühe

Aus dem Leben der Düse.

SD viel teil auch aus der Vergangenheit von groben Schauspielerinnen und ih em Zauber ge­hört haben wir wüssten keine der Düse zu vergleichen. Sie war ein Wunder, das über alle TEe ter Dühnenkunst hinaus ging. Sie ist non der vor einem Vierteliahrhiundert matzgeben- ken Generation vereh t und gefeiert warfen mehr als eine Königin, mehr als die schönste Frau; sie galt als der Inbegriff edler und fühlender Weib­lichkeit. Dann blieb sie viele Jahre in einer stillen und geheimnisvollen Zurückgezogenheit, die sie über alles liebte, und es ist wie der letzte späte Abendglanz eines scheidenden Gestirns, datz sie sich noch einmal in den letzten Jahren der Welt in der unbeschreiblichen Innerlichkeit ihres Wesens zeigte, bevor sie dahmging, unendliche Sehnsucht in den Herzen zurücklassend . . Der Lebens- vornan der Düse ist anders als der der groben Beherrscherinnen ter Bühne. Wohl hört man auch hier viel von glänzenden Triumphen, von Ehrungen, von Leidenschaften, die sie entfessell, von Intrigen, die sich um sie adlpielten. Aber das ist nur die äutzere Schale. Der Kem dieses Lebens ist eine tiefe Traurigkeit, eine dunkle, zärtlich weiche Melodie, die von der Sehnsucht der Seele, dem Leiden und Lieben der Menschen und der kargen, schwer erkämpften Gabe der Schön­heit llagr. Auch die Düse war, wie so viele grotze Künstler der Bühne, ein Schauspielerkind, und mir aus dieser ih gleichsam in die Wiege ge­legten Lebensrichtung ist es zu erklären, datz diese Frau, der alfei Schein und alle Aeutzerlichkeit hentb war, den einzigartigen Reichtum ihrer Per­sönlichkeit in der Well der Kulissen verschwendete. Ihre Biographen erzählen, datz sie, die Tochter und Enkelin von fahrenden Komödianten, in

einem Wagen dritter Klasse, hr dem die Gesell­schaft nach der kleinen Station Vigevano fuhr, das Licht der Well erblickte. Die Eltern gehörten zu einer jener armseligen Hahrmarktstruppen, die in den lleinsten Oertchen ihre dürftigen Künste zeigten, und das Sch-mierenleben, an dem das Kind teilnehmen mutzte und aus dem uns sv viel erzählt wird, hat zweifellos jene Grandlage der Schwermut, des Mitleidens, der Rervosität, ja sogar wahrscheinlich der Krankheit geschaffen, aus der das Zauberwesen ihrer Kunst erwuchs. All ihre Verwandten waren Schauspieler, und der Baker zog später mit einer Art von Familien» tfxMtei herum, auf dem sie schon als Vierjährige zum ersten Mal in Chi-oggia die Bretter betrat, die tatsächlich ihre Welt und damit die ganze Welt des Menschenherzens bedeuten sollten. Don der fleinen Eleonore wird erzählt, datz sie einst­mals auf den Komödiantenfahrten mit ihren Eltern zu guten Leuten kam, die das herumge- stvtzene Äomöbiantenf.nb wie ihr eigenes psl gten und hegten und ihm eine schöne Puppe schenkten. Als dann die Reise weiterging und das Kind wieder auf die Lands!ratze hinaus sollte, da weinte es herzzerreißend. Dann aber legte es die über alles geliebte Puppe auf das Sofa und nahm von ihr gerührten Abschied. Als man ihr sagte, sie dürfe die Puppe rnitnehmen, sagte sie:Hein, sie soll hier bleiben, damit sie es wenigstens gut bat!

Mit 14 Iahrcvr sah Eleonore ihre Mutter im Hospital sterben; sie war zu arm, um sich ein Trauerfleid zu kaufen. Damals spielte sie schon in der Truppe ihres Vaters die Liebhaberinnen und erregte als Julia die Aufmerfsamkeit einiger Kenner. Die kindliche Schauspielerin fiel durch eine müde Verträumtheit auf; wie eine Rachi- wandlerin ging sie durchs Leben, und ihr Va er erzä^te oft, sie sei mit einem sonderbaren Selben

behaftet, das man in Venedig diesmara" nenne, eine ArtSpleen", der in einem tiefen Lebens- übcrdrutz und in Lebensverachtung wurzele. Das Hysterische ihrer Ratur äutzerte sich damals in konvulsivischen Ausbrüchen einer Leidenschaft, die sie erst in der Reife ihres Könnens bänbigle. Die Julia war ihr erster grvtzer Erfolg, als sie in Venedig auftrat. Als 19jährige spielte sie bereits eine grotze Anzahl von Rollen, und das leicht begeisterte Publikum der italienischen Pro­vinzstädte brachte ihr begeisterte Ovationen. Die Triumphe, bte damals Sarah Bernhardt, wie in der ganzen Well, so auch in Italien erntete, sollen ihren Ehrgeiz angestachelt haben. Im Jahre 1880 setzte sie es in Turin durch, datz sie sofort nach der Bernhardt in Dumas'Prin­zessin von Bagdad" die Hauptrolle spielte. Sie erwies sich der französischen Meisterin als voll­kommen ebenbürtig und lenkte damit die Auf­merksamkeit der Bernhardt selbst und des jünge­ren Dumas auf sich Ihr Weltruhm aber ging erst ein Hahrzehnt später von Wien aus, und zwar war es Hermann Bahr, der sie zufällig in St. Petersburg entdeckte. Bahr hat erst kürz­lich in feiner Selbstbiographie erzählt, wie man ihm damals 1890 auf seiner russischen Reise tn Petersburg von einergewissen Düse" erzählte, wie er mit Kainz und Mitterwurzer eines Ab.nds in das Gastspiel der Italiener ging und hier eins der größten Erlebnisse seines Daseins fand. Er schrieb em ziemlich wirres Feuilleton voller Schwärmerei m dieFrankfurter Zeitung", wo­raus ein Wiener Agent bei ihm anfragte, ob es sich dabeinur um ein Feuilleton" oder um eure wirkliche Schauspielerin handle. Ein Gastspiel der Düse kam in Wien 1892 zustande; sie spielte erst vor leeren Hausern; dann wurde sie von den damals jungen Wiener Dichtern, von Bahr, Hof mannsthal. als die .Könwin h®

Träume und der Tränen" entdeckt. Ihre trfd besprochene Beziehung zu d'A n n u n z i o butt hinzu. Mebeiall wurde sie nun als eine Dar­stellerin des Seelenlebens gefeiert, wie sie noch nie erschienen. Freilich gab sie ihr Herzblut in ihrer Kunst, und so zog sie sich früh immer mehr von der Welt und von der Bühne zurück, lebte am liebsten in der Einsamkeit:Die groben Den­ker meine Gesellschafter, mein Leben ein Sich ver­senken ins eigenste Innere, eil Ringen nach Voll­kommenheit" wie sie es selbst einmal ausgcdrückt bat Ihre Liebe gehörte den jungen Bühnen­künstlerinnen, für die sie ihren Florenttner Palast, ihre Bücher und ihre Bilder stiftete, um ihnen e:ne Zuflucht zu gewähren. /Sie schenkte in die ein Künstler heim den Gefährtinnen ihres Schckals das Beste, was sie an Dingen dieser W:lt kannte wie sie selbst gesagt hat:Ein Buch und ein# Blume." *

Die Ueberführmtg Eleonora Duses.

Rach einer Meldung aus Rom erteitertf Mussolini auf das Telegramm d'A nnun- z r o s, in dem dieser verlangt halle datz die sterblichen Heberte der Düse von Dem Staat nach Italien heimgeholt würden, unter dem Hin­weis darauf, datz er her Düse vor einem Jahre ein Ehrengehalt angeboten habe, damit sie Ita­lien nicht üerlaffe: Er habe sofort, nachdem er txm ihrem Tode erfahren habe, den italieni­schen Botschafter in Wa.hingtan angewie­sen, in Pittsburg die Regierung zu ve.tcelen und für die ileberfüfjrung der ste.blichen Hüllk Sorge zu tragen, die auf Staatskosten er­folgen werde. Dienstag abend waren di? Theater in Rom und mehreren Städten Italiens gv schlossen.