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Dach dem Kriege !imd Industrie auch einen lebhaften Auffc

Turnen. Sport und Spiel.

Ein neuer Schwimm-Weltrekord.

München. 23. März. (P-.-iv.-Tel.) Brr dem zweitäg gen internationalen Schwimm-Wrttkarnpf des Männer-Schwlminve^eurs München stellte dec deutsche Meister Rademacher im 100-QIle- ter-Brust schwimmen mit 1 Ulin. 15 Sek. einen neuen Weltrekord auf.

Schweizer Fußballsieg über Frankreich.

Genf, 23. März. (WB.) 3m Fuß^llwett» karnpf SchweizFrankreich siegte die Schweiz mit 3:0 Loren.

Vermischtes.

Ein gelungener Streich eine- Obdachlosen.

P a r is, 23. März. (WB^ Wie die Morgen- blätter berichten, ist es einem Obdachlosen ge­lungen, in den für den bevorstehenden Besuch des rumanischenKönigspaareS bereirgestell- ten Räumen des Ministeriums für aus­wärtige Angelegenheiten zwei Rächte unangefochten zuzubringen. Erst in der vergange­nen Rächt wurde er von Polizeibeamten a u S de m Schlafe geweckt.

$0 Jahre Kaufmännischer Verein zu Gießen.

Don Prokurist Karl Heinrich Kuhl.

- ' ' * tn>n 1870/71 nahmen Handel

_ in der Stadt Gießen ___Schwung, so taft sich bei einer IflCofjen Anzahl von hiesigen jungen Kaufleuten das Bedürfnis geltend machte, sich zu einem Verein zusammenzuschließen. 3n einer Bersamm- tung am 24. September 1873 wurde von 17 Ham>° lungsgehilfen der kaufmännische Verein zu Gießen gegründet. Man stellte sich als Mrfgabe, durch gemeinsames Wirken die Inter­essen des Kausmannstandes zu wahren and ten iaenüfsenschaftlichen Sinn, sowie dte Geselligkeit unter den Mitgliedern angemessen zu pslegen. Der Vorstand setzte sich zusammen aus Gdm. Wetter als erster Vorsitzender, Heinrich Wallach als dessen Stellvertreter, Emil Schmal! als Schriftführer und Ernst Haas als Kassierer. Am Schluß des ersten Rechnungs­jahres zählte der Verein bereits 4Y Mitglieder. Man beschloß, auch die selbstärckigen Kaufleute Gießens um ihre Unterstützung durch den Beitritt zum Verein zu bitten. Diese Einladung hatte den Erfolg, daß bis zum 1. April 1875 bereits 24 Prinzipale dem Verein als unterstützende Mit­glieder angehbrten.

Sein Hauptaugenmerk richtete der j unge Ver­ein auf die Hebung der Ausbildung und die Er­weiterung des Gesichtskreises der Kaufleute. Zu diesem Zwecke wurden zahlreiche Vorträge ge­halten über Wechsellehre, einfache und doppelte Buchführ-ung, Handelsrecht, Volkswirtschaftslehre ufw. Eine eigene Bibliothek wurde eingerichtet und mehrere Zeitschriften laufend von dem Ver­ein aehalten, die jedem Mitglied zur Verfügung ftanten. Aus gediegenen Schriften wurden Vor­lesungen gehalten und in gemeinsamen Besprech­ungen Fragen des kommerziellen und industriellen Lebens berührt. Auch öffentliche pvpulürwissen- fchaftliche Vorträge wurden von tüchtigen Kräften gehalten. Es seien hier nur aus den ersten Jahren' folgende Damen von gutem Klang ge­nannt: Professor Dr. Georg Zimmermann über Faustsage, die älteren Faustdichtungen, Grethes Faust, über ^Ihland, über Ribelungen- sage und Ribelungenlied, über Wilhelm Meisters Wanterjahre von Goethe, über den Kaufmann von Venedig von Shakespeare: ferner Professor Robert von Schlagintweit über seine großen Reisen in Rordamerika und über die von ihm mit seinen zwei Brüdern gemachte Er­forschung des Himalaja Gebirges: der Kandidat der Thwlogie Krüger aus Bützow gab Vor­lesungen aus Fritz Reuters Dichtungen: Pro­fessor Dc. S e u f s e r t hielt einen Vortrag über die Reichsjustizgesetze und stud. math Müller erteilte vielen Dereinsmitgliedern Unterricht in der Gabelsbergerschen Stenographie. Die Vor­träge fanden auf dem Lahnstein (Rordanlage 9) und im Hotel Prinz Earl statt. Sie wurden nicht allein von den Mitgliedern, sondern auch von dem übrigen Gießener Publikum, das nur ein mäßiges Eintrittsgeld zu bezahlen brauchte, gut besucht.

Reben dieser ernsten Dereinstätigkeit fehlte es aber auch nicht an der Würze eines heiteren Vereins lebens. So pflegte man unter Leitung des Herrn Gröninger noch den Gesang und hot den Mitgliedern auch Unterhaltung durch Konzerte und Tanz. 2lm 28. Juli 1876 wurden Emil Schma ll und Ernst Haas in Anerken­nung ihrer besonderen Verdienste um den Verein zu Ehrenmitgliedern ernannt. Am 8. April 1878 zählte der Verein 68 ordentliche, 34 unterstützende

Und zwei Ehrenmitglieder. Die Handelskammer äußerte sich in ihrem Jahresbericht für 1876 über den kaufmännischen Verein wörtlich:ES wäre wünschenswert, daß das gute und nützliche Streben, welches hier verfolgt wird, immer mehr Anerkennung und Förderung In weiteren Kreisen finden möchte."

Als Vereinslokal diente daS CafZ Klein (jetzige Wirtschaft Postkeller, Wagengasse 9), dann das Restaurant Bavaria (Sonnenstraße 2), hier­aus das Safe Ebel (Durggraben 9) und später wieder der Postkeller. Die Leitung deS Vereins ging von Göm. Wetter auf W. K ö s e r und von diesem auf Fr. Roese Über. Bri seinem 20. Stiftungsfeste, welches am 8. Oktober 1893 tmSafe Leib" stattfand, zählte der Verein be­reits 220 Mitglieder.

Die günstigen Erfolge, welche mit den Vor­trägen und änterrichtskursen erzielt wurden, führten dahin, daß bei die em Stiftungsfest die Gründung einer kaufmännischen Fach­schule näher erörtert wurde. Der damalige Vorsitzende des Vereins K. O r b i g und der Mitbegründer W. K ö s e r erwarben sich um dre Errichtung der Fachschule besonder« Verdienst«. Dem Verein wurden von dem bei der Feier an­wesenden Oberbürgermeister Gnauth zu diesem Zweck 400 Mk. zur Verfügung gestellt, und ferner spendete Fabrikant L. Emmelius 400 Mark. Weiter bewilligte die Spar - und Leihkasse 200 Mk., so daß es mit Unterstützung der Gr o h- herzoglichen Handelskammer möglich war, am 27. Äovember 1893 in 3 Zimmern im 2. Stock desCafe Ebel" die kaufmännische Fach­schule zu eröffnen, der auch ein Lehrlings'hllm angegliedert wurde. Es meldeten sich zu dieser Schule gleich 85 Kaufmannslehrlinge, so daß die Räume im Eafs Ebel zu klein toareit und der Unterricht am 6. Januar 1894 in die oberen Räume der WirtschaftZum Postkeller" verlegt wurde. Der Unterricht wurde von den Lehrern Knauß und Plaut erteilt. Da die Entwick­lung der Schule einen überaus günstigen Ver­lauf nahm, faßte man den Plan, ein eigenes Vereins Haus zu erbauen und die Schule dorthin zu verlegen. Die Stadt Gießen stellte einen geeigneten Bauplatz in der Rordanlage zur Verfügung und die Großherzogliche Regie­rung bewilligte für die Inneneinrichtung der Schulräume 1000 Mk. Die Großherzogliche Han­delskammer. welche dem Verein und der Schule immer ihre wärmste Sympathie bekundete, er­klärte sich bereit, zwei Zimmer in dem zu er­richtenden Vereinshius für ihre amtlichen Zwecke für 400 Mk. jährlich zu mieten. Der kaufmäirnische Verein hatte nur ein Baukapital von 2000 Mk. zur Verfügung und erließ deshalb einen Auf­ruf an die Kaufmannschast zu Stiftungen für den Hausbau. Diese Aufforderung hatte den schönen Erfolg, daß 14 190 Mk. gespendet wurden, so daß es möglich war, den Gedanken der Er­bauung eines eigenen Vereins Hauses in die Tal umzusetzen. Am 22. August 1596 fand die G.und- steinlegung und am 10. und 11. Juli 1397 die feierliche Einweihung statt. Am 17. Juli konnte die Fachschule mit 59 Schülern des Sommerkurses in die neuen und gesunden Räume ihren Ein­zug halten. Bis auf den heutigen Tag wird der kaufmännische Llnterrrlcht noch dort erteilt. Der stattliche Reubau hat tm Erdgeschoß neben den Kellerräumen eine große Küche. 3n das Obergeschoß zog die Handelskammer ein, die dort wirkte, bis sie am 20. September 1913 in das neue Handelskammergebäude in der Lonystraße übersiedelte. Das Diblrothekzimmer, das Vor­standszimmer und ein großer Wirtschaftsraum be­finden sich ebenfalls tm Obergeschoß. Den Restau­ratic nsbetrieb übernahm Johannes Rinn, der

DaS Lehrlings heim wurde mit dem Uever- gang der Schule an die Stadt auf gehoben. Während der älnterricht in den ersten Jahren der kaufmännischen Fachschule abends stattfand, ging man später zu Rachmittagskursen über. Hetzt wird auch vormittags Unterricht erteilt, und jeder Schüler muß in der Woche entweder an zwei Vormittagen oder zwei Rachmittagen die Schule besuchen, wenn er nicht den Rachweis des lOjätä­tigen Besuchs einer Schule erbringen kann.

Um die Entwicklung des kaufmännischen Ver­eins und seiner Fachschule hatten sich tm Laase der Jahre eine Anzahl Mitglieder große Ver­dienste erworben, so daß sie zu Ehrenmitgliedern ernannt wurden. Es waren dies außer den be­reits genannten noch E. Wetter, W. K ö s e r und W. Wagner. An Stelle des langjährigen ersten Vorsitzenden Emil Horst leitet seit 1919 Heinrich Erle in anerkennenswerter Weise dtc Geschicke des Vereins. Zur Zeit zählt der Ver­ein 335 Mitglieder.

Während der verflossenen 50 Hahre hat der kaufmännische Verein eine emsige und segens­reiche Tätigkeit entfaltet und mit dazu beige­tragen, daß Deutschland einen so großen wirt­schaftlichen Aufstieg nehmen konnte. 3n viele junge Kaufleute, die hinaus gezogen sind als Pioniere der deutschen Kaufmannschaft, wurde hier das Samenkorn kaufntännischen Wissens gelegt, das sich draußen in der Welt so herrlich ent­faltet hat und den deutschen Kaufmann die große Achtung aller Kulturvölker gewinnen ließ. Wenn auch der Reid anderer Hantelsvölkr, denen diese hervorragende Rolle des deutschen Kaufmanns ein Dorn im Auge war. es fertig gebracht hat, durch den Friedensschluß von Versailles das deutsche Wirtschaftsleben wieder auf viele Jahre zurückzuwerfen, so wird sich doch der gute Geist, der im deutschen Kaufmanns stand steckt, die Ach­tung gebietende Stelle tm Welthandel durch be­harrlichen Fleiß und Tüchtigkett wieder zu er­ringen wißen. Das wird auch das ernste Ziel des kaufmännischen Vereins von 1873 in Gießen sein, und er wird Mitwirken, daß in nicht allzu ferner Zeit wieder der deutsche Kaufmann Fäden nach al.en Erdteilen spinnt, eingedenk des Kauf­mannsspruches:Die Welt ist mein Feld".

heute noch als Hausverwalter und Wirt tätig ist. Die vier Säle des ersten Stocks wurden der Schule und dem Lehrlingsheim überlassen. 3m zweiten Stock befinden sich die Wohn- und Schlaf-- räume des Hausverwalters. Eine schone Terasse führt nach dem Garten. Dieser wurde durch einen Zubruf später noch bedeutend erweitert, so daß darin größere Sommerfeste und Konzerte abgehalten werden können. Unter der tatkräftigen Leitung deS HauptlehrerS Knauß hat die Fach­schule einen sehr großen Aufschwung genommen, denn nicht allein junge Leute aus Gießen, son­dern auch aus den benachbarten hessischen und preußischen Orten suchten mit Vorliebe diese Bil­dungsstätte auf. Die Kosten wurden bestritten von dem Verein, dem Staat, der Stadt, der Sparkasse und der Handelskammer. Außerdem wurde ein Schulgeld erhöbet», das in vielen Fällen von den Geschäftsherren den Lehrlingen bezahlt wurde.

Der Verein entwickelte sich unter der Lei­tung seines späteren 1. Vorsitzenden Emil Horst immer weiter und erwarb sich eine große Wert­schätzung und Anerkennung durch seine vielen lehrreichen Vorträge, die immer gut besucht waren. Alm in diesen Vorträgen recht Gutes bieten zu können, schloß er sich mit dem Ortsgewerbeverein zu dner Vor trag-Vereinigung zusammen, der sich vor einigen Zähren noch der Gvethebund zugesellte. Die reichhaltige Bibliothek, deren Be­nutzung für die Mitglieder kostenlos ist, wird sehr rege in Anspruch genommen. Am 28. September 1913 feierte ter Verein in Steins Saalbau sein 40jähriges Stiftungsfest in größerem Rahmen, zu welchem neben een Spitzen der Behörden zahlreiche Mitglieder und Gäste erschienen waren. Dr. Gustav Stresemann, D-erlin-Dresden, unser voriger Reichskanzler und jetziger Minister des Aeutzern, hielt batet einen Vortrag über das Thema:Der Kaufmann und die Weltwirtschaft". Geh. Kommerzienrat Heichelheim und Haupt­lehrer Knauß wurden zu Ehrenmitgliedern er­nannt und 19 Mitglieder, die schon viele Jahre ihre Treue dem Pevein bewahrt hatten, durch Uctetteldjung von Diplomen geehrt. Außerdem erhell ter erste Vorsitzende Emil Horst eine kesontere ilrJunte.

Der Krieg forderte auch von dem Verein große Opfer. Viele Mitgl.etec wurden zu den Fahnen eingezogen, und mancher kehrte nicht mie­tet- zurück. Das Vereinshaus wurde während des Krieges zu Lazarettzwecken beschlagnahmt und der älnterricht daher in die Stadtknabenschule verlegt. Rach Beendigung des Krieges mußten die Räume innen erneuert werten, bevor fe wieder zu Schulzwecken benutzt werten fcnntui.

Da die Stadt Gießen auf Grund des neuen Schulgesetzes die Schule in eigene Ver­waltung übernahm, so mußte ter Verein, wenn auch schweren Herzens, die ihm so lieb gewordene und ans Herz gewachsene Fachschule abtreten. Er sicherte sich aber im Schulvorstand durch Ver­tretung des Vereins und ter Kaufmannschaft Ein­fluß auf die Führung der kaufmännischen Fortbildungsschule, wie sie seit dem .lletergang am 1. Oktober 1922 heißt. Rektor Knauß leitete auch die Schule noch kurze Zeit als städtische Anstalt und trat am 1. April 1923 nach 30jährigem treuen, segensreichen Wirken von der Leitung zurück. Lausende von jungen Leuten haben unter seiner Führung mit Hilfe eines tüchtigen Lehrerkollegiums in ter kaufmännischen Fachschule eine ausgezelchttete Vorbildung für ihren Berus genossen. Eine Anzahl ter guten und bewährten Lehrkräfte von ter alten Fach­schule ist in die neue kaufmännische Fortbildungs­schule mit übernommen Worten. Die neue Schule wird jetzt von Hantelslehrer Dr. Feld t geleitet.

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