(74. Jahrgang
Erstes Blatt
ümrf vnd Verlag: vrlihl'fche Universitätr-Vuch- und Ltemdruäerei TL LanZre in Stehen. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulltrahe 7°
fiomittel beraubt und namentlich dadurch.
Premrerminister untei-nehmen soll. Man wrsse in England, so heißt es in drm Artikel, daß Frankreich niemals eine ande-e Absicht gehabt habe, als seine Sicherheit dadurch zu gewähr-
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03 o t f cha s ter bei
dem englischen
Der Völkerbund.
Don Richard P o s s e 11.
Die Frage des Völkerbundes und sein zu stärkender Einfluß zur Regelung und Schlichtung internationaler (Streitfragen hat in letzter Zeit mehrfach im Vordergrund öffentlicher Erörterungen gestanden. In Deutschland hat der Völkerbund bisher, abgesehen von kleinen kaum ausschlaggebenden Kreisen, kaum Sympathien erwecken können, so sehr auch der Völkerbunds- gebaute als solcher auf aufnahmefähigen Boden gefallen ist. An dieser deutschen Einstellung zu dem Völkerbund hätte vielleicht die Erklärung des jetzigen englischen Vertreters im Völkerbund, Lord tP Q r m o o r, bei Beginn der derzeitigen Völkerbundsratstagung etwas ändern können, wenn nämlich den Worten auch die entsprechenden Taten gefolgt wären. Das ist nicht der Fall. Im Gegenteil: Die Beschlüsse, die der Volkerbundsrat in der abgelaufenen Sitzungswoche gefaßt hat, können nur die Lleberzeugung stärken, daß Frankreichs Einfluß im Völkerbund mehr denn je vorherrscht. Alle seine Entscheidungen sind im Sinne und im Interesse Frankreichs gefallen, wiewohl fast alle diese Entscheidungen Wortlaut oder Geist des Versailler Diktate verletzen.
Zunächst die Danziger Frage. Der Volkcrbundsvat stimmt dem Anträge Polens auf Errichtung eines Munitionslagers im Danziger HÜs'<m zu. Er verletzt mit diesem Beschluß nicht nur die Versailler Bestimmungen, sondern auch die internationalen Bestimmungen über die Lagerung und über den Verkehr mit Explosivstoffen in den Handelshäfen. Der Beschluß erhält eine besondere Beleuchtung, wenn man erfährt, daß er erfolgte, um Polen für die tschechisch-polnische Grenzent- | scheidung zu entschädigen, eine Entscheidung, die zugunsten des jüngsten sranzösischen Verbündeten, der Tschechoslowakei und auf Wunsch Frankreichs erfolgt ist. Die übrigen Danziger Fragen hat man einfach von der Tagesordnung abgeseht. weil Polen und Frankreich eine Entscheidung zur Zeit nicht wünschen.
Dann die S a a t f r a g e. Solange der Volker- i bund das (Saatgebiet verwaltet, solange, befindet sich französische Besatzung zu älnrecht an der ! Saar. Die Bevölkerung des Saargebiets hat in | zahlreichen Eingaben Schaffung vertraglicher Der- ; hältnisse gefordert, hat auf die drückenden Lasten, die dem (Saargebiet durch die unberechtigte Anwesenheit französischer Truppen entstehen, verwiesen, hat die zahlreichen Hebergriffe des französischen Militarismus gekenn,->eichnet. Mnb schließlich hat der Dölkerbundsrat erkannt, baß es so nicht weitergeht. Er hat die Regierungskommission des Saargebiets aus gefolgert, die vorgesehene örtliche Gendarmerie beschleunigt auszck- bauen damit das französische Militär zurückgezogen werden könnte. Die Regierungskommission hat sich dagegen gewehrt und ebenso Frankreich, das die Lasten der Besatzung des (Saarqebietd „uneigennützig" aus „eigener Tasche" zahlt Zuerst begrünbete die Saarregterung ihre ablehnende Haltung mit dem im (Saargebiet angeblich nicht vorhandenen geeigneten Personal für die örtliche Gendarmerie. Jetzt sind es die angeblich zu hohen Kosten, die diese Gendarmerie dem Saarbudget verursachen würde. Die in Genf anwesenden Vertreter der Saarbevölke ung erklärten sich in einem Schreiben an den Völkerbundscat wiederholt bereit, diese Kosten willig zu tragen, wenn ihnen die französische Besatzung und damit drückende finanzielle und andere Lasten genommen würden. Sie weisen. auch nach, daß die Regierungskommission die Zahl der im Saargebiet anwesenden sranzösischen Truppen niemals richtig angegeben hat und daß sie höher ist, als im Rat angenommen wird. Vertvagsbestirnmuncen und Vernunst aber schlagen in Genf nicht du ch, lediglich das französische Interesse und der französische Einfluß entscheiden: die französischen Truppen bürfen abermals ein volles Jahr länger im Saatgebiet mit Einverständnis des Völkerbundes vertragswidrig bleiben!
Arn 14. März entschied der Völkerbundsrat über die Ernennung dec Mitglieder der Saar
einer auch noch mit Wehmut an llras alts, stolze Reich zurückdenkrn und der Mewung sein, die Monarchie sei für Deutschland besser und erstrebenswert.
Der Reichskanzler ging darauf in großen Zü» gen auf das Der o r dn u n gswer k der Reichsregierung ein und sagte werter: Erne gesunde Wirtschaft ermöglicht allein bte materielle und kulturelle Wohlfahrt unseres Volkes. Die Förderung der Produktion hat starke Anforderungen an alle Wirtschaftslreise gestellt, insbesondere . an die Arbeitnehmer, die gezwungen sind, manche zur Besserung ihrer harten Lage geschaffenen Erleichterungen vorübergehend preiszugeben. Es ist verständlich, daß sie das schweren Herzens getan haben, aber sie haben ihre Opfer in Würdigung der schweren materiellen Lage Deutschlands gebracht.
Der Kanzler schloß: Lieber lebenswich ige Fra- gen des deutschen Voltes wird der nächste Reichstag entscheiden müssen. Seine Zusammensetzung ist von ausscßlaggebmder Bedeutung. In der Hand der Wählerschaft liegt das Schicksal unseres Reo ches Wenn die radikalen Parteien von rechts oder von links eine starke Vermehrung ihrer Mitglieder erfahren, dann sind die Folgen unübersehbar. Für Poincare wird es nichts willkommeneres geben, als bei den französischen Wahlen auf eine starke Zunahme der deutschvölkischen Abgeordneten im Reichstag Hinweisen zu können. Handelte es sich nicht um das Leben unseres Volkes. dann wäre es inlereffant, den Herren Deutsch- völkischen einmal für eine Zett die Herrschaft zu überlassen. An das deutsche Volk kann nur die Aufforderung ergehen, dafür zu sorgen, daß der Radikalismus links und rech s nicht über Deutsch lands Zukunft bestimme. Die Ruhe im Inner« verbürgt am ersten eine Verständigung nach außen und damit Friede und Froheit, wonach Deutsch land sich seit 10 Jahren f Int
Eine Darmstädter Rede Dr. Stresemanns.
Darmstadt 23.QHäit. (Wolff.) Reichs« Minister Dr. Strefemann hielt auf einer Tagung der Deutschen Volkspartei in ber überfüllten Turnhalle am Woogplatz eine mit fturmi- • schein Beifall angenommene Rede, in der er zunächst aus die Bedeutung der kommenden Wahlen für die weitere innerpolitische Entwicklung unseres Vaterlandes einging, da sie auch die großen weltpo i.ischen Entscheidungen, vor denen wir anscheinend in diesem Jahre stehen, beeinflussen wurden. Der Minister warf zunächst einen Rückblick auf die letzten Jahve, namentlich auf das Jahr 1920 das einen großen älmschwung in £>er Zusammensetzung des Parlaments gebracht und die Deutsche Volks Partei vor die ent- scheidungsvolle Frage gestellt habe, ob sie in der Opposition bleiben oder an der Verant» wortiingder Regierung teilnehmen wolle. Die Partei habe den Weg der verantwortungsvollen Mitarbeit gewählt, während die Deutschnatiönal« Partei dieses und zwar besonders in der letzten Zeit mit Bewußtsein, abgelehnt habe. Den Grundsatz nur dann in die Regierung einzutreten, wenn tie* eigenen Grundsätze Aussicht haben, zu einem ganz großen Teile verwirklicht zu oxrDen, könne eine Partei nur bann vertreten, wenn sie die M e h r h e i t im Reichstage be ihe. Solange dieS nicht der Fall fei. werde jede Politik eine Korn« promißpolitik bleiben müssen.
Was von dem Volk gefordert werden müsse, sei, daß es in dem gegebenen Moment eini große nationale Einheit nach außen darstelle.
Die einzigen (Siege, die wir feit dem verlorenen Kriege erfochten hätten, seien die S i e g e
daß es Deutschland verhiidece, sich des Rheins als militärischer Basis zu bedienen. Die e Sicher» hcit habe man geglaubt, während der Friedensverhandlungen 1919 durch den englisch-ame- rfllanischen Garantiepakt gefunden zu haben. DieRich^ratifikationdes Versailler Ter: ages darch di: Verei igtni Staaten habe es nötig gemacht, neue Formeln zu finden und mangels der amerikanischen Mitarbeit
eine militärische ständige Desensiv-ANianz
zu verlangen. Das habe die fvanzösische Regierung wiederholt, namentlich auf der Konferenz von Capnes, versucht, aber alle diese Verhandlungen seien in einem außerordentlich vagen Meinungsaustausch stecken geblieben, da Lord Curzon den französischen Vorschlägen gegenüber taub blieb und sie mit der Ruhrfrage vermischt habe. Mit dem Auskommen der Qlrbeiterregierung wehe in England eine neue Luft. Von den aufrichtigen Wünschen beseelt, eine friedliche Atmosphäre in Europa zu schaffen, habe Macdonald in seinen Reden und in feinen Briesen an Poincarö sich bereit erklärt, bas Sicherheitsproblem wieder aufzunehmen. Allerdings verstehe er es als eine allgemeine europäische Frage, die eng verbunden sei mit der Abrüstungsfrage und dem allgemei -en Schiedsgerichtsverfahren. Die französische Regierung, die die Sicher- hcitsfrage von einem andern Standpunkt aus betrachte, habe
diese Aenderung in der englisch«» Politik nur billigen
können. Jetzt sei auf beiden Seiten der gute Wille vorhanden und eine offene Aussprache sei iefet mehr als ie opportun geworden. Das fei der
liner Blatt seine Wahl bereits am 11.3. meldete, obwohl sie erst am 14. erfolgte. Daraus ergibt sich, daß der Beschluß schon vorher fest- st a n d und daß er nur durch irgend eine älnvor- sichtigkeit oder durch Indiskretion bekannt würbe. Auck) die übrigen Mitglieder der Suarregierung. nämlich der Franzose Ra ult (als Präsident), der Belgier Lambert und der Kanadier Stephens wurden auf ein weiteres Jahr bestätigt, so daß die französische Vorherrschaft in der Saarregierung bestehen bleibt und damit die fvanzösische Annexionspolitik an der Saar fortgesetzt wird.
Das sind Dinge, die m Deutschland nicht unbeachtet bleiben können. Solange der Völkerbund seine Entschlüsse lediglich faßt nach den Wünschen Frankreichs, solange wird man in Deutschland für diesen Völkerbund keine neuen Sreunbe werben. Die Beschlüsse des Rates in der Danziger Frage richteten sich gegen das Deutschtum in Danzig, die Beschlüsse in den Saar- fragen gegen das Deutschtum an dec Saar. In beiden Fällen war das französische Interesse maßgebend. »
Der Sicherheitspakt.
Paris, 24. März. (WTB.) Der „Petit Parifien" besprich! in einem offenbar beeinflußten Artikel die Demarche, die der französische
standes an der Ruhr ziehen muß, lauschen noch weite Kreise des Volkes auf berauschende Klange von Mannesmut und nationaler Cn.schlossenheit. Man träumt von bewaffnetem Widerstand, obwohl unsere Waffenrüstung zerfetzt und zertrümmert ist, und obwohl auch memanb von Innen, die so gern das Wort national im Munde führen, sagen kann, wie bewaffneter Widerstand für uns möglich fein soll. Weit mehr scheint mir echt nationale Gesinnung zu sein, sich durch ilebernabme schwerer und ernster Pflichten im Dienste des Dolksgcrnzen auszuz-eichnen um Schwereres von ihm fernzuhalten. So sehr es verständlich ist, daß gegen die zahlreichen nationalen Demütigungen, die unser Volk seit 1918 hat ertragen müssen, ein ehrenhafter nationaler Wille und der Wille zu nationaler Freiheit sich ausbäumt, so ist es doch notwendig, mit kühlem nüchternen Verstände die unglückliche Lage unseres Vaterlandes zu betrachten und ohne Parteihaß und Parieileidensch-ft geschlossen den opfervollen und ehrlichen Weg der Erfüllung der unabwalz- baren harten Verpflichtungen zu gehen. Das ist weit eher Befreiungs- als Erfüllungspolitik. Die Wahlbewegung wird den inneren Parteistreit um bie Führung der Außenpolitik wieder verstärkt aufleben lassen. Trotzdem ist es meine Hoffnung und sicherlich die Hoffnung der gesamten Bevölkerung der schwerleidenden besetzten Gebiete, daß das neue Parlament in seiner Mehrheit entschlossen ist, die Reparationsfrage zur endgültigen Erledigung zu bringen. Dies Ziel muh in allernächster Zeit erreicht werden, sollen Deutschland und mit Deutschland Europa und die ganze Welt wieder ein würdiges Dasein führen.
Das deutsche Volk will frei sein, um in friedlicher Arbe't neben den anderen Rationen die chm von Gott gesetzte Aufgabe zu erfüllen. Rach einem Hinweis auf die bevorstehenden Gutachten der Sachverständigen fuhr der Reichskanzler fort: Eine deutsche Partei allein vermag bte ungehmrm Aufgaben, welch: die Zukunft bringen wird, nicht zu meistern. Deshalb muh auch bas Zentrum sich nach Bundesgenossen umsehen, die gemeinsam mit ihm das große Ziel bet Rettung von Volk und Vaterland erstrel^n. Wer sollen diese Bandesg:n s en fein? Wir sind bereit, mit jeder Partei zusammen- zuarbeiten, die mit uns positive Arbeit zum <5'gen des Ganzen und Ein'einen zu leisten gewillt ist. Damit glauben wir, wenn vi-ll icht auch nicht patentnat onal, so doch gern» cea-if*. echt national zum Besten von Reich und Volk tätig zu sein. Rationale Politik ist unserer Heb rzeugung nach auch die Entschlo senheit, die Einheit des 'Reiches zu schütz m und zu sichern auf dem Boden dcr in W.imar beschlossenen Verfassung Un cht ist es, ihc Re-chtsverbindllch- keit ab'.usprechen. Das deutsch: Volk war kraft der Raturrechte berechtigt, nach dem ülrnsturz ter g samten Staats r^n na eine Vertretung zu wähle ', di: eine neue D rsassung bes h'b ße.i sollte. In cw.raubfivier Form ist die Verfassung zu- ftanbeg kommen, bie am 14 August 1919 in Ära ft getreten ist. Don da ab hat das Deutsche Reich eine neue Rechtsgrundlage gefunden, bie nicht nur rechtsverbindlich für jeden Staats- bü ge , sondern auch für jeden im Gewissen verpflichtend ist. Ein Derbrcchen begeht, wer es unternimmt, gewaltsam oder widerrechtlich b;e Ve sassurg zu stü z n Hochverrat ist jeder Versuch, auf richt g.-si-tzmäßigem Wg: urseve versa,surgsmätzig feftgclogte ©taatsfonn zu andern. Wie fett im alten Reich der Staatsautorität mit ihrer monarchist'schen Spitze in Treue gedient haben, so dienen wir auch in gle«k«r Treue der Deutschen Republik. Mag manch
Regierungskommission. Der ßan e^rat hatte in einer Denkschrift um bas winzig kleine Recht gebeten, wenigstens vor der Ernennung bes saarländischen' Mitgliedes gehört zu werden. Diese selbstverständliche Forderung wurde ledig- l sich unterstützt von dem englischen und dem schwedischen Mitglied des Rates, alle übrigen Ratsmitglieder haben wie bisher so auch jetzt wieder das Selbstbestimmungsrecht der Saargrbiets- bevöllerung geleugnet; im Völkerbunds land an der (Saar bleibt also bie selbstterständ^chste Forderung der Demokratie, dte Selbstverwaltung, die Mitbestimmung am eigenen Geschick, verbannt.
Entsprechend war auch der Beschluß des Völkerbundsrates: Mit 8:3 Stimmen wurde der französische Kandidat K o ß m a n n als saarländisches Mitglied gewählt, wäh end an Stelle des zurückgetretenen „Dänen" Moltke-Huitseld der Spanier Espinosta be la Mo nteros gewählt wurde. Don letzterem weiß man vorerst nur, dach er ebenfalls als französischer Kandidat gilt. Eigenartig ist das Verhalten Koßrnanns. Er war bis zum Kriege und während desselben Gewerkschaftsführer, gehörte als Zentrumskandidat dem Reichstage und der Nationalversammlung an. Er wurde bald nach Eintreffen der Saarregierungskommission von dieser in die Zentralverwaltung berufen und setzte sich als solcher mehrfach in Gegensatz zur Bevölkerung. Obwohl Kcßmann wußte, daß die Zentrumspartei als saarländisches Mitglied den Rechtsanwalt Le- vachrr vorschlug, lehnte er das Mandat nicht ab, sondern empfing es aus französischer Hand. Damit setzte er sich abermals in Gegensatz zu der Bevölkerung Die Wahl Koßmwrns erhält noch teilten, daß es Deutschland feiner Offen- badurch eine befördere Bedeutung, als ein Der- u-----u‘ —K----K'x,,e*
Elberfeld, 23. März. (WTB) Reichskanzler Marx sprach hier in der Stadtholle in einer öffentlichen Versammlung, mit der d.e Zentrumspart.i des Wahlkr.isl^s Düsseldorf-Ost, die den Reichskanzler an die Spitze der Kandidatenliste gestellt hat, die WaAbeweaung eröffnete. Die von über 5003 Personen besuchte Versammlung bereitete dem Reichsaizler einen überaus herzlichen Empfang. Der Reichskanzler führte dann etwa folgendes aus:
Der Reichstag ist aufgelöst. Das deutsche Volk soll eine neue gesetzgebende Vertretung geben. Der erste Reichstag der deutschen Republik hat nicht das Ende f in er verfassungsmäßiger Legislaturperiode erreicht, weil er angesichts der großen Rot des Vaterlandes eine Fülle gesetzgeberischer Arbeit, die zur Ablenkung der Katastrophe getan werden mußte, zu leisten nicht mehr imstande war. Diese Feststellung bedeutet nicht einen Vorwurf, denn nie hat ei.i Parlament vor größeren und schwereren Aufgaben gestanden, wie nie ein Volk Größeres geleistet und Schwereres erlitten hat als das Deutsche, das jetzt schon feit 10 Jahren in steter Rot lebt. Wem soll her deutsche Staatsbürger feine Stimme geben? Das ist eine Gewissensfrage, die von uns allen demnächst beantwortet werden muß. ■ileb.rlrgen wir uns ohne Leidenschaft und Cßcreingmommcnbeit: Was ist das Ziel unserer poli isch^a Betätigt ng angesichts der Lage von Volk und Vaterland? Es kann nur Ernes fein: die Aufreckitrrhaltunq der Einheit des Rei^ ches und die Aufrich^rng unseres infolge des Krieges und der Wirren der Revolution ju
Boden geworfenen Volkes.
Dieses Ziel hat dem Zentrum und den von ihm maßgebend beeinflußten R^ierungen der letzten Jahre vorgefchwebt. Alle Kraft hat es für die Erreichung dieses Zieles emgefeht. Wir standen vor der Frage, die auch jetzt noch die ßeiben- schaft in hohem Maße erregt: welche Außen» Politik sollen wir treiben, um das gesteckte Ziel zu erlangen? Daß der Friedensvertrag von Dersailles untragbar ist, ist die klare Ansicht des ganzen Volkes. Insbesondere schmerzt der Vertrag, weil bie in ihm enthaltene Beschuldigung Deutschlands, allein am Ausbruch des Krieges die Schuld zu tragen, durch die objektive wissenschasttiche Forschung Lügen gestraft ist. Kein Wuirc^r, daß ein Teil des Volkes Dellangt: Auflehnung gegen die Bestimmungen dieses Diktats mit aller Macht, keine Rachgiebigkeit und fehle Schwäche, sondern Verweigerung jeglicher Erfüllung. Was toürbe die Folge fein, wenn dieser Weg einge- fdjlagen toürüe? Der Sieger von Versailles ist im vollen Besitz fehler Macht. Rücksichtslos bis zum äußersten toürbe er sie a.vwenden und stets angeD-ambt haben, falls toir mit einer großen Geste ine Erfüllung der uns auferlegte.t Detp,lich'.unge:t abgeleh.tt hätten. Wir sind einwasfenloses Volk. Geradezu Wahnwitz wäre es gewesen, ben Gegner zu äußerster Gewaltanwendung zu reizen.
Das Zentrum hat sich entschlossen, den Der- such zu machen, die schweren Lasten des Versailler Diltttes bis an die ©ren^e der Lei- stungsfäh'igke t zu tragen, erfüllt von dem Gedanken, auf diesem harten Wege am ehesten die Befreiung Deutschlands von den ihm durch den Versailler De t ag auferlegten Fesseln zu erreichen.
Schwer sind die Opfer, die das deutsche Volk iiqolgebenen hat tragen müssen: erhalten gcblkten ist dadurch aber die Einheit des Reiches. Trotz der Leh.en, die jeder einsichtige Deutsche aus den bitteren Erfahrungen des passiven Wider-
Zweck der neuen Demarche des französischen Botschafters. Im Lauf: feiner Untcrrcbang, bie er hrute mit dem englischen Ministerpräs^eitten ha^ ben werde, werde der französische Boschafter, indem er den schon genugsam bekann en französischen Standpunkt wieder h'le, zur Aufgabe haben, in präziser Form den Standpunkt des^Arbeiterkabi- netts kennen zu lernen. Aber man muffe sich hüten, dieser Aussprache eine größere Bedeutung bei- zumesseir und in ihr mehr als ein Förtschoettei, der zwischen Macdonald und Poincare aus- getauschten Korrespondenz und vielleicht den Vorboten einer we i te r g e he n de n Verhandlung zu suchen.
Vlaftimir Tnsar
Berlin, 23. März. (WTB.) Der außer» ordentliche Gesandte und bevollmächtigte Minister der tschechoslowa.i ch:n Republik in De.lin, Tu - f a r, ist Samstagabend einem schweren Herzleiden. an dem er seit einiger Zelt litt, erlegen. Der Verstorbene war als Sozialkemokrat zweimal Präsident eines tschechischen Koalitionsminrste- riums, früher Gesandter in Wien, seit 1921 in Berlin. Er wurde erst vor wenigen Tagen im Zusammenhang mit bem tschechisch-französischen Geheimabkommen häusig genannt. Die Trauer- feier wird am Dienstag im Hause der Gesandtschaft stattsinden. Der Leichnam des Gesandten ttiib nach Prag überführt und auf Staatskosten feierlich bestattet wer en. Die Witwe des ©cfanöten erhielt zahlreiche Kondolmzbesuche und Deilerdstelegramme, darunter solche des Reichspräsidenten, des ReichstanzlerS und des 2lv^nministers.
M. X\ '
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Die Wahlbewegung.
Reden des Reichskanzlers und des Reichsautzenministers.
Montag, 24. März 1924
Amiadme von Anzeigen
GietzemrAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen


