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Er. 302 Zweiter Blatt

Dienstag, 23. Vezemder 1924

GtehenerAnzelger (Generot-Anzetger für Tderhefsen)

Die Not im Elsaß.

Don unserem -p-Zrorrespondenten. (Rochdcuck, auch mit Quellenangabe verboten!)

Mülhausen, den 16. Dezember 1924.

Der Zeiger der Colmarer Bahnhossuhr zeigt <m. daß der Perfonenzug nach. sau'en kommen muh. Lind im lauen Dezemberw nd des Ober- Elsaß erwarte ich ihn aus dem Bahnste g. 3um Greifen nahe liegen die Berge des.istertales t>or mir, Hohlandsburg und P lixbucg. Drei- Aehren und Hohnac grüßen uns Der Letzen- berg bei Jngershelm liegt winterlich grau und braun. Die Weinberge haben ihren Schmus abgelegt und schlafen einem neuen Ernte fahr entgegen. Fast versessen sind die ersten Treffen die sich hier oben zu Beginn des groben Krieges abgespielt haben. Bur die unmittelbar Be­troffenen jener beißen Augusttage w ssen vom Lehenberg gar viel noch zu sagen. D.e damals den "Notwendigkeiten des Krieges zum Opfer gefallenen Anlagen sind wieder vollständig her­gestellt. CS wächst hier oben ein guter Tropfen wenn eS die Sonne einigermaßen besser meint, alS in diesem Jahre. Ein arbeitsames Boll ist s. daS hier den Kampf führt gegen alle Schädlinge die unseren Weinbau bedrohen. Aber gar viele sind diese« Kampfes bald müde. Jahr um Jahr dieselbe Mühe und qualvoll ängstliche Sorge des Winzer« um seine Ernte! und wenn die Ernte daheim im kühlen Keller geborgen liegt, beginnt rft recht die Sorge.Wer kaust uns den Segen ab?" Das ist nun schon tm sechsten Herbst das­selbe Leib. Und diese Sorge wird an Ernst zu- uehmen tm kommenden Jahre, wo Deutschland nicht mehr so ohne weiteres der bequeme, durch den Vertrag von Versailles gezwungene Ab­nehmer unserer Weine fein wird. D^fe Sorge aber, die täglich vor unseren Bauern steht, hat viele mürbe gemacht.Warum sich sch nden Som­mer und Winter und keinen Erfolg haben? Sehen wir nicht, wie unzählige andere viel bequemer ihr Brot verdienen? Und sollten wir nicht auch wie sie Verdienst suchen, wo man seine acht oder Jiar nur sechs Stunden arbeitet und dann wieder rei über sich verfügen kann?"

Der Zug fährt ein. Dutzende von Männern aus den Weinorten westlich von Dolmar be­steigen ihn tm ArbeitSanzug. Hunderte solcher benutzen ihn schon von Schlettstadt her, 22 Kilo­meter weiter nördlich. Kaum noch ein Stehplatz läßt sich finden. Und dann geht es weiter dem Landstrich des oberen Elsaß zu, der bis vor etwa zwanzig Jahren als da S elsässische Sibirien gego.ten hat. der nur kümmerliche Ernten nach unendlicher Mühe auf seinem steini­gen Boden hervorbringen konnte, der in der Hauptsache als Viehweide d'ente und unter dem Namen ..Ochsenfeld' dem elfä sischen Bauern ein bedauerliches Achselzucken entlockte, manch an­derem auch historische Erinnerungen an längst vergangene Tage wachrief, ihn an blutige Schlach­ten und Verrat erinnernd. Dieser Landstrich, der so wenig Segen verriet, wurde dann aber in seinen Tiefen erforscht und unendliche Schätze an Kalisalzen wurden festgestellt. War es nicht gerade um jene Zeit, daß die französischen Ansprüche auf unser volkhaft deut­sches Land auf einmal stärker und lauter wur­den. daß Maurice Ba rr 6 s und sein Anhang, unterstützt von einem gewissenlosen Klüngel des Landes, die gallo-keltische Abstammung unsere« Stamme« erfanden und denBefreiungskrieg" psychologisch vorbereiteten in einer zielsicheren Propagandatätigkeit?

Hier arbeiten heule mehr als 6000 Männer hunderte von Meiern tief in der Erde und heben Schätze, die in alle Welt gehen. Deutscher Organisationskvaft verdankt das Gebiet seine wirtschaftliche Erschließung vor allem. Milliarden­werte gingen Deutschland hier verloren, und un­sere elsässischen Arbeiter, die ihren väterlichen Weinbergen Valet gesagt haben, hantieren heute halbnackt bei 3) bis 40 Grad Wärme mit Pickel und Schaufel und Hunden, arbeiten tm Dienste des französischen Großkapitals, das sich hier vollsaugt am elsässischen Reichtum. Es war nämlich der Müde wei t, daß man h er ein ..Befreiung »werk' vo lbrachte. es hat sich gelohnt, Platz zu nehmen am elsässischen Tisch um hier die Rosinen aus dem K.ichen zu naschen. 6.0) Arbeiter hat dieses Kaligebiet bis heute an­gezogen. hat sie absorbiert aus den landwirt^ sthaftlichen Kreisen des Landes, aus den durch Mißernten und sch'echten Absatzbedingungen ge­schädigten Reihen des Weinbaues. Täglich rt dte Dahn Tausende von Arbeitern aus allen Gegenden des oberen, sogar des unteren Elsaß auf das Ochsenseld. Es gibt Leute, die tag.ich säst 80 Kilometer zurücklegen, um an ihre Ar­beitsstätte zu gelangen und wieder 80 Kt.ometer Reiseweg machen, um nach Hause zu Hunnen.

Die bäuerlichen Eigenschaften dieser Gruben­arbeiter sind noch kaum verwischt be. die'en Leuten, die wir auf der Fahrt zur 2l-beitsstatte begleiten bür,ei. Jeder ha. auch noch fe n iletnes Besitztum, se nen We nberg seinen Garten, fernen Kleinviehstall, sein Feld daheim. Fnru und Kin­dern liegt es ob. da für den Haushalt so viel

al« möglich herauszuarbeiten, während der Vater in Gefahr für fein Leben unter der Erde das kostbare Salz im Dienste welscher Kapitalisten brncht

Diesen Leuten ist heute der Friede genommen. Schrantenlole Ansprüche der Unternehmer an die Arbeiter so llen die Krast noch mehr als bisher auSnutzen. Vom 1. Dezember ab sollten die Un er- tagsarbeller 8. und dre Uebertagsarbeiter wenig­stens 10 Stunden arbeiten. D.e sogenannten ..Sequestergruben" früher d utsches Eigentum, nun von Frankreich sequestriert forderten durch ihre Direktoren nicht weniger al« eine tägliche Arbeitsleistung von 16 dis 18 Stunden! Rach echt französischer Art wurden an diese Anforderungen eine Fülle von Ver­sprechungen gekrüpst. von denen man nach ben vielen Crsahrungen der vergangenen Jahre weiß, dah sie niemals erfüllt werden. Da>u kam dann der Kampf der Arbeiter gegen die Anforderungen der Direktionen, und in feiner Folge Müh egelungen einzelner Arbeiterführer. Und so kam es tm Kaligebiet zum Ge­nera l st r e-ik. der über eine Woche lang in aller Schärfe durchgelührt wurde. Der Arbeits­minister Godard hatte einen höheren B am­ten an Ort und Stelle entsandt! die Arbeits­aufnahme wurde unter folgenden Bedingungen für den 8. Dezember vereinbart i Keine Ent­lassungen! in jedem Betrieb werden die Arbeiter­forderungen in Gegenwart von Vertreten, des Personals geprüft, um einen neuen Kollektiv­vertrag ab^uschließen; die Sekretäre de. Berg­arbeiterverbände werden an den entscheidenden Verhandlungen teilnehmen. Die Angelegen­heit ist damit natürlich nur vertagt.

Und noch ein Anderes hat die Arbeiter in die Bewegung hineingetrieben: die ober- elsässischen Bergarbeiter sind verbittert, daß der von den Dirett.onen angeworbene Stamm aus­ländischer Arbeiter immer mehr vergrößert wird. Polen und Tschechv-Slowaken sollen als Lohndrücker hier ihre Rolle spielen. Man weigert sich, ihnen das Syndikatsrecht zu geben. Diese Ausländer stehen in keiner bcnc&en«- toerten Situation, denn die einheimischen Ar­beiter erkennen in ihnen mit Recht ein Hinder­nis in ihrem berechtigten Kamps um die elemen­tarsten Rechle. Dor Wochen schon kam es zwischen beiden Lag rn zu heftigen Auseinandersetzungen. Schon wiederholt gab es blutige Händel, und auch Menschenleben wurden in diesem Jnter- essenkampf zwischen Zugewanderten und Ein­heimischen geopfert.

Der neue Präfekt des Obereifaß, Gasser (von dem man beruhigend versichert, er wäre ein Landeskino, von dun man aber nicht sagt, daß er fein ganzes Leben in Janerfvankreich zu­gebracht hat und sich von Jnnerfvanzosen in nichts unterscheidet), versuchte kürzlich eine Dele­gation der Streikenden zu beruhigen und gab auch in manchen Fragen bindende Erklärungen ab. Dor allem versprach er. daß er einen Druck ausüben werde, damit die D rektionen der Werke auch endlich bie gesetzlichen Bestim­mungen beachteten. Es ist nämlich so in Frank­reich, daß die Gesetze nur für die Dummen da sind, und daß andere, die klüger sind, gar leicht die Gesetze zu umgehen vermögen Die Kali­arbeiter klagen mit Recht immer wieder über die Mißachtung der Werfleitungen, z. D. den UnfallverlütungSvv,schicksten gegenüber. Täg'iche Todesopfer in den Kaligruben klagen die fran­zösischen Direktionen an, ohne Rücklicht auf die Arbeiter eine Politik hoher Dividenden und tief­ster Arbeitermihachtung. verbunden mit rohester AuSbeuterwillkür zu treiben. Ich b n weder Kom­munist noch Sozialist. Aber ich sehe täglich, daß unsere elsässischen Arbeiter zu weiter nichts ge­braucht und ausgenuht werden, als den inner- französischen Kapitalisten zu ihrem ruhigen Rentnerdasein zu verhelfen. Damit jene dort in Paris ihr Prasserleben führen und Ma treffen halten können, wird Leben und Kraft der El­sässer. derlieben, befreiten Brüder" geopfert und geraubt Der blutgetränkte Hart - mannsweiler Kopf fchaut im Aoendcot auf dieses auegebeutetc Land und Dolk, und ange­sichts die'es zerfetzten Walde« und seiner tausend Toten fragen wir uns, ob nicht da noch eine Befreiung fällig wäre. e:ne Befreiung nicht allein des m ßdrauchten Dolkes von feinen unwürdigen neuen Herren, sondern auch eine Be­freiung des Reichtums unserer elsässischen Erde aus den Krallen des französischen Kapitals.

Die Seele der deutschen Ostmark.

Don Werner Schulz, Oliva.

Da« tiefinnerftc Lebensrecht eines Dolkes ist das Bekenntnis zu seiner Eigenart, seiner sonderheit. die Betonung seines na.nrlichen We­sens. seines seelischen Besitztums. Aus dieser Wurzelung in Geschichte und Bolls tum wächst der lebenoige Zusammenhang von D?rgangenheit unb Zukunft, ersteht die Gemeinschaft geistigen GleichNanges, selbstverständlicher Zusammenge-

peter Cornelius hundertjähriger Geburtstag.

(24. Dezember 1924.)

Am 24. Dezember 1824 wurde in Mainz Peter Cornelius acboreu. Grohnesfe des berühmten Malers. Dich!er-Kom-on.st der mel- sterhaften Komischen Oper ..De r Dae r von Bagdad" und anderen Orcm; ein feinsinnig« ßhriier von großer Innigkeit und Lauterkeit pe« Empfindens, dem d.e Lied- und Chorlitera ur viele ihrer besten Stücke verdankt: einer der liebens­wertesten Musiker des 19. Jahrhundert

Cornelius hat es immer schwer gehabt, war zeitlebens arm an Mitteln und an Grtolg. uno der verspätete Ruhm, den sein Meisterwerk fanb, konnte ihm selbst keine Genugtuung mehr bereitem Die größten seiner Zeitgenossen -

Liszt waren seine Freunde, in ihrem Schat- ten lebte er. und blieb doch in den Grenzen feines Raturells. ein Eigener.

3n Berlin war er von 1845 bis 1850 Schu­ler von Dehn und fühlte sich dann von der Persönlichkeit Franz Liszts, so angezogen daß ar 1852 nach Weimar ging. Ä^r gehörte « (toie Sra.fdc. ^rmrCKt, XÜlet. TWf.

Lassen) dem historischen K r etf e am Liszt an. von dem die befruchtende TDctte> bern e u - Deutsche n Musik" ausging, und deren Zu­

kunftswillen in dem 1859 gegründetenAllge­meinen Deutschen Musikverein" noch heute fortlebt und im Geiste des Fortschreitens wirkt Zu den jugendlichen Himmelsnürmern gehörte Cornelius nickt rem Opus 1. ein be­scheidene« Helt mit sechs kleinen gefälligen, sicher geformten Liedern schrieb er erst mit 29 Jah­ren: Aber allmählich entwickelt er 'ich der SyclusTrauer und Trost' (Ov. 3) enthält tie­fere Ansätze und ein kleines Meisterstück:6m Ton". Roch weit überzeugender wirkt Ov. 4; hier zeigt das echte inspirierte Lied .Komm, wir wandeln" seine Lyrik als voll entfaltete ^^Diese Jahre machen ihn zum Meister: der Darbier von Bagdad" wird Im Februar 1858 vollendet Ende des Jahres bereits un Weimarer Hoftheater von Liszt fdbft zur Uraufführung gebracht - und erleb dank den 3ntnguen einer Liszt feindlichen Clique eine glatte Ao- lehnung mit Pfeifen und Zischen.

Liszt birig.erte fortan keine Oper mehr: Cor­nelius aber b^ab sich nach Wien, um dort in engen Verhältnissen mühselig mit Stundengeben Öen nötigsten Lebensunterhalt zu verdienen und weiter zu schaffen. Die Hebbellieder .entstanden, sowie eine neue OperC i d", die 186o tn Weimar heraus kam.

Seine Lage besserte sich etwas, als er nun­mehr Wagner nach München folgte und dort Lehrer an der Königlichen Musikschule wurde.

Hörigkeit imb gegenseitigen Verstehen-, die ein Volk zu einer untrennbaren Einheit verbinden.

Deutschland ist nicht das von willkürlichen Grenzen eingeengte Stont«gebiIde unterer Tage, es ist und bleibt für immer weit borüber hinaus die geistige und seelische Macht, die ihre Brücken hinüberbaut über Grenzen und Staaten, alle« deutsche Doll um fas lend und vereinend zu dem großen Begriff unferer Liebe und unse res Glau­bens. Dieses größere, umspannende Deutschland schließt das österreich sche und das fchleSwigische Land in sich ein. daS alte umkämpfte Straßburg und dte verlorene Ostmark, alles was deutsch war und deutsch bleibt. Dieses Deutschland weiß nichts von Grenzen. eS ist das Land des deutschen Menschen, das Land der deutschen Seele.

Cs hat einmal Zeiten gegeben, da war e« nicht so. Da wühle der Rheinländer nichts von dem Ostdeutschen unb der Schleswiger nichts von dem Südmär.er. gegen, tilge« Rickwe ftc.;cn. ge- genseit.geS Richtversteyenwollen stau zwischen den deutschen Grenzen. Es fehlte das Einende, das Bindende, es fehlte da« groß: gemeinsame Erleben, die gemeinsame Rot. Unb wenn es ein deutiches Land war. das in jenen Tagen innerer nat.onaler Fremdheit ganz besonders un­ter diesem gegenfc.t gen Richtkennen. Richtver­stehen leiben mußte, so war es die deutsche Ost­mark. das Land um Weichsel- unb Memcllftrom.

Der ostmärkische Mensch ist in seinem Wesen von jeher anders geartet gewesen als der Süd­oder Mitteldeutsche. Die ernste Schweigsamkeit seiner ostdeutschen Heimat, die Verschlossenheit feiner Wälder und Seen ist in ihm und macht ihn toort.o.g. zurückhaltend und abweisend. Der ununterbrochene Kamps, den er gegen slawische Anslutung kämpfen mußte - und ewig wird kämpfen müssen hat seinem Wesen etwas Rauhe«, Trotzig-Hartnäckiges gegeben, und Io erschien er dem freien und frohen Süddeutschen gegenüber fa t unb freudelos. 2lus di sen Gegen­sätzen der äußeren Lebensform, des äußeren Men­schen wurde eine fast unüberbrückbare Schranke. Es war ein fremdes Land für den Deutschen, bie deutsche Ostmark, ein Land. daS nach Straf­versetzungen aussah unb von dem man nur wußte, dah eS an Rußland grenze, wohl also ziemlich kalt unb unfreundlich fein muffe. Der ewige Zug des Deutschen nach den südlicheren Landern bracht: eS außerdem mit sich, dah man Italien unb die Schweiz in und auswendig kannte, aber niemals daran dachte, nach dem deutschen Osten zu gehen. Das alle, schöne, deutsche LiedRach Ostland wollen wir reiten" schien vergessen und ein nicht zu kleiner Teil unseres Dolkes sah in jener Zeit oberflächlicher Materialisierung in dem Ostland nicht viel mehr als eine Art deutscher Kolonie in halbkultivierten Gegenden.

Run hat feindliche Gewalt das Ost land zu einer deutschen Kolonie werden lassen, der ein­zigen deutschen Kolonie. Durch urdeutsches Land hindurch hat man die Grenzen gezogen, das Pose­ner unb Westpreuhenland unter polnische Herr­schaft gebracht, bie Stadt der deutfchen Hansa, das alte Danzig, vorn deutschen Dcrt er lande loS- gerifsen unb die Provinz Ostpreußen so zu einer Insel gemacht, um die rings der Ring fremder Macht geklammert ist. an deren Grenzen der An­sturm fremden Volkstums brandet.

Diese tiefe, heilige Rot des deutschen Dolkes, deutschen Landes im bedrohten Osten, hat im aroyen deutschen Daterlande die Wandlung ge­schaffen. die Wandlung de« Erkennens und Ver­stehens. Das deutsche Volk hat begriffen, daß man ihm hier Millionen deutscher Menschen entrissen und fremder Gewalt ausgeliefert hat, es bat er­kannt. dah man urewig deutsche« Land. daS deutscher Geist und deutsche Arbeit der Wildnis obrang, zur leichten Beute landhungriger Doller und Staaten machte, die in sich selbst nie die Kraft zu schaffender organisatorischer und kultu­reller Entfaltung trugen. Run. wo die we ß- roten Grenzpfähle Polens zwischen Ostpreußen und dem Reich stehen, geht der Blick Deutschland« hinüber in das deutsche Ostland, ist daS deutsche Volk seelisch einsgeworden mit den bedrohten Brüdern in der Ostmark. Mehr und mehr um­schlingt das deutsche Dolk seinen verlorenen Osten mit Banden der L.ebe und Treue, starker und inniger erkennt der ostdeutsche Mensch, daß das ganze deutsche Dolk seine Rot miterlebt, seinen Kampf mit kämpft, mit der Kraft der Seele und des Glaubens.

Diese Gewißhe t ist dem ostdeutschen Menschen die Quelle feiner geistigen Widerstandskraft gegen slawische Ueberftutung. sie ist für ihn eine innere Rctwendigkeit. Bitter genug ist es dem Ostmärker früher gewesen, wenn er nur zu oft sehen muhte, wie wenig Der stehen unb Verstehen wollen ihm sein Dolk entgegen brachte, heute fühlt er um so dankbarer bie Anteilnahme ber jenseitigen Brüder an seinem Schicksal. Unb hart ist dieses Schicksal, härter und schwerer als viele, viele es glauben mögen.

Aber ber Ostmärker trägt das Bewußtsein in sich, daß et nicht nur für seine Heimat, bah er für das ganze große Deutschland den Kampf ber deutschen Seele kämpft, bah ihm die Aufgabe wurde, bas Lanb im Osten deutsch zu erhallen bis zum Letzten unb schlicht und selbst­

verständlich wie d in seiner Art liegt, tn ZÜher ununterbrochener Verteidigung aus den Tag zu warten, der einem größeren Deutschland feine natürlichen Grenzen w edergibt. Im Mittelpunkt dieses stillen, heimlichen Kampfe« um deutsche» Volk und deutsche« Land steht Danzig, die alte Hanlastadt an ber Wcichleimünbuna. in ber schot' früher sich die Kultur unb Wirtschaft de« ge­samten Ostens konzentrierte unb deren Sch Ife einst die Ostsee beherrschten Bei der Aufteilung bei Ostprovinzeii hatte es selbst ber Feinbbund nicht gewagt, diese Stabt, bas stolze und erhabene Denkmal deutsch, i Kultur unb Arbeit, den polnb schen Machthabern auozuliefern unb fo wurde sie losgelöst vom alten Vaterlanbe. zu einem Freistaat gemach unb unter den Schutz bei Völkerbundes gestellt.

Es waren ihrer nicht wenige, bie damals dem neuen Staatswesen in kurzer Zeit eine ge waltsame Polonllierung ooraue^agten. unb es waren das muß offen getagt werden - ihrei nicht wenige, bie Danzig verliehen und nach dem Reich bciübergingcn. Auch Po^en selbst glaubte zu jener Zeit in Danzig leichtes Spiel zu haben unb feinen allen Wunsch auf irgend eine Art zur Wirklichke t werd." zu lasten den Wwtsch. ber nie vordem Erfüllung ward und es nie werben wirb aut Danzigs Türmen den weihen Adler zu hissen In dieser Bedrängnis, wr es um daS enbgu.tige Schicksal Danzig« mehr ale ungewiß stand, entwickelte abci auch die Be­völkerung Danzigs eine bewundernswerte innere Kraft, einen starten und unbezwingbaren Willen zu deutscher Kultur und deutschem Zunftglauben Unb es fonben sich deutsche Männer, die klug unb geschickt boj Schiff de« kleinen Staate« durch ungeahnte Schwierigke len unb Hindernisse bin' durch zu steuern wußten unb bie nationale unb staut.iche Selbständ.gleit Danzig« auf eine sichere Grundlage stellten unb ihr in bei ganzen W^t Ge.tung und Anerkennung verschafiten. Was die Danziger Regierung unter ihrem Präsidenten Sahnt in diesen Jahren für DanzigS Deutschtum, für das Deutschtum deS OstenS überhaupt, ge­leistet Hal. w.rd eine spätere Zeit würdigen.

So wurde bie Freie Stadt Danzig der Brenn­punkt des Kampfes um den deu.schen Osten zu­gleich aber auch ber Brennpunkt deS deutschen Widerstandes gegen daS vor drängende Slawen­tum. Das ist die große, geistige Bedeutung Danzigs für den Osten, für das ganze Deutsch­land. Danzig ist das Schicksal des Osten«, die Hochburg, mit der der deutsche Osten steht und fällt. Solange von den Türmen Danzig« die weihen Kreuze unb die goldene Krone Im roten Felde wehen, solange bie Glocken der alten Kirchen ihr Lied über die Stadt fingen und der Wahlspruch der Danziger Hansa ..R« temerc nee limibe" noch Geltung hat. solange bleibt Danzig deutsch und mit ihm das Ost land.

Grenzen kann man über Rächt setzen, aber sie können auch über Rocht fallen, wenn sie gegen be« Volke« heiligste« Recht sind. GS gibt Gesetze, die kreisend sich erfüllen müssen. Wo« deutsch war und deutsch ist. toirb rf wieder werden Ihr aber, über den Grenzen, grabt ruch den Ramen Danzig« tief hinein in die Herzen, wie einst den Romen Straßburg, unb was euch einst ber ragende Münster war, fei euch nun Danzig« schlanker RathauSturm.

Brücken gehen hinüber, herüber, Drücken be» Liebe und Drücken deS Glauben«. Vergiß ei nie, deutsche« Dolk! Burgen trauern an Rbein und Weichsel. Laß deine Sehnsucht herüber­strömen in bas verlorene Land nach West und Oft. daß e« wieder das werde, was feine Seel» ist: deutsche Heimat.

Der deutsch-russische Handelsvertrag.

Don unserem V-Korrespvndenten.

(Rachbruck verboten.)

Moskau. Anfang Dezember

Schon seit ungefähr einem Jahre sind üt Berlin Vorbesprechungen über einen deutsch-russle schen Handelsvertrag gepflogen worden. Das Gr gebni« derselben war. dah man bei ber Eröffnung Der offiziellen Verhandlungen in Moskau bereits über die grundsätzliche Anerkennung des russischen Außenhandelsmonopols durch Deutschland kein Wort mehr zu verlieren braucht. Trotzdem blieb ein großer Komplex in der bisherigen Geschichte ber Handelsverträge noch nie aufgetauchter Fra­gen zu lösen. Es galt, eine Basis für geregelte wirtschaftliche Beziehungen zwischen zwei ihrer ganzen politischen und wirtschaftlichen Struktur grundverschiedenen Staatswesen zu finden. Dir Verhandlungen werden Mitte Dezember unter« brochen, um der deutschen Delegation Gelegen­heit zur Fühlungnahme mit den heimischen Be­hörden unb zu einer Weihnachtspause zu geben. Ob die Verhandlungen im Januar in Moskau oder Berlin fortgesetzt werden, sicht noch dahin In den bisherigen Verhandlungen, die von beiden Seiten in freundschastlichstem Geiste geführt wur­den, lag d i e Initiative auf deutscher Seite, während die Russen sich zunächst darauf

Seine fruchtbarste Schaffenszeit hebt an; die wert­vollsten Chorkomponisten und die reifsten Liederzyklen entstehen, die ,W eihnachtS- lieber" unb die ..Brautlieder": diefe an Berta Jung gerichtet, d.e er 1867 heiratete. Eine dritte OverG u n l ö d" (aus der ,.E>da"). zu der er sich wie stets den Tert selbst dichtete, konnte er nicht mehr vollenden. Am 26. Oktober 1874 starb er, noch nicht 50 Jahre alt.

Die Rachwell hat sich große und wiederholte Mühe gegeben, um Cornelius seiner Bedeutung entsprechend zur Anerkennung ;u verhallen. Das ..Gunlöd- Fragment wurde mehrfach ll>on Hoff­bauer. Laßen, v. Bauhnern) ergänzt bzw instru­mentiert. ohne daß es weitere Verbreitung zu finden vermochte. Auch der ..Cid" hatte fein besseres Schicksal Um so erfolgreicher aber war die Auferweckung des ..Darbier von Bagdad". Felix Mottl hat die Partitur, acht Jahre nach des Komponisten Tode, neu bearbeitet und instrumentiert unb die Anerkennung des Werke« durchgefetzt. Spätere «Max Haffe) Haden wieder auf die Originalpartitur zurückgegriffen und Mottls Zutaten für eine ftilw brige Verwagne- rung erklärt. Leider vernachlässigen heute bie Opernbühnen wieder das köstliche Werk, eins ber ent ückendsten Stücke der deu schen Opernliteratur, mufikal sch reich unb eigenwüchiig unb noch auf Jahrzehnte hinaus Anregung spendenb und Ein­fluß ausübend auf bie Komponisten ber heiteren Oper. »

Bilder-Derlosung in Darmstadt.

Darmstadt. 21. Dez. (Eigener Bericht.) 3n der Kun st Halle am Rheintvr hatte vor einigen Wochen eine Ausstelluna von Ge­mälden ftattgefunben. die von der Ortsgruppe Darmstadt ber Allgemeinen Deutschen Kunftaenossenschaft Derinftal e war. Je­der Besucher erhielt beim Lölen her Eintritts­karte einen Schein, der zur Teilnahme an einer Verlosung berechtigte, wenn auf einem Z^tel bie Ramen der sechs Künstler und bie Bilder bezeichnet waren, die nach seiner Meinung als die vorzüglichsten zu gelten hätten. Wr 26 Teilnehmer an dieser Verlosung, die min­destens drei ber am meisten genannten Kunst­werke aufgeschrieben hatten, waren Preise (Oef- gemä'be. Hol schnitte S einzeichnun;en ufto.) aus- gefetzt. Die Auswahl ber besten Kunstwerke hatte nachstehendes Ergebnis: ..^o t ä1 mei-te« Sohnes" von Prof. Fritz Erler in München ..An der Mümling bei Reustadl" von Prof. H. R. Kröh in Darmstadt: Mensch in Landschaft" von Franz Martin Lünstroth in D?rl n-Dahlem:Rote Ginnten von Prof. Adolf Beyer in Darmstadt: ..Oberhessische Landschaft" von Prof. Adolf Beyer in Darmstadt:Fvau mit Ziegen" von Prof. Rudvff Schramm- Zittau ht München