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23.12.1924
 
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174. Jahrgang

Dienstag, 25. Dezember 192-

General-Anzeiger für Oberhessen

trvt und vkr!ag! vrühi'sch, UniversitSIr-Siich. und Sttinirudertl B. £«me in «ietzkn. Sdiriftltitnng und 6e[if)5ftoKtnt: SdjnnfraV 7.

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Die Pariser Wirtschaftsverhandlungen.

Kein Ergebnis. Die Sonderstellung Elsatz-Lothringens und des Saarlandes.

1. Die dolle Anerkennung der Dorkrieg-- schulden.

2. Die Schadloshaltung der fran­zösischen Untertanen, deren Tefih in Rußland der Beschlagnahme anhetmsielen

Wenn nicht alle Zeichen trügen, legt bad- jenige Land, das als erstes (schon auf der Londoner RepararionZkonferenz- auf ein Ent­gegenkommen Deutschlands beim kommenden Abschluß von Handelsverträgen drang, Frankreich der Erzielung einer Ver­ständigung mit dem früheren Gegner dir größ­ten Hindernisse in den Weg. Während das deutsch-englische Handelsabkom­men bereits vor einigen Wochen fett g formu­liert Derben konnte, steht in den deutsch-fran­zösischen Verhandlungen eine Verständigung über die wichtigsten Punkte aus. Während der Weihnachtsfeiertage bleioen die Verhandlun­gen unterbrochen; wenn dann bald nach Neu­jahr die deutschen Delegierten nach Paris zn- rückkehren werden, wird der Termin, an wel­chem die neuen Vereinbarungen in Straft treten sollten, der 11. 3amiar 1925, unmittelbar vor der Tür stehen.

Ohnehin ist es für einen wirtschaftspoli­tischen Laien nicht ganz leicht, bei kvnchlizienen wirtschafte politischen Verhandlungen das We­sentliche h.rauszufinden. Bei den 'Beratungen, die zwilchen deutschen und französischen Ver­tretern feil vielen Wochen in Paris stattsinden, ist die Orientierung für den Nichteingeweih len noch schwieriger, da wicht ge private Ver­handlungen nebenher laufen und zu einem gewissen Abschluß g fuhrt haben müssen, ehe die Formulierung ci.ieS SjanbelSbertrag Lj.eS ticlingen kann. Besonderes Znteresse haben in her deutschen Oeffenllichkeit die Verhandlungen gefunden, die zwischen Vertretern der beider­seitigen Schwerindustrie stattgefunden haben. Daß eine im Wahlkampf oft behauptete Durchkreuzung allgemeiner politischer Richtli- nien des Reiches durch die Onrriguen von Großverdienern- nicht in Betracht kommt, hat der Führer der deutsche Delegation Staats­sekretär Trendelenbur g bereits in der vorigen Woche festgestellt. Aus naheliegenden Gründen müssen die Pariser Verhandlungen, und zwar die amtlichen genau so wie die privaten hinter verschlossenen Türen statt-- sinden, damit nicht ein etwaiges zu gegensei­tigem Vorteil getroffenes Abkommen der bei­den Länder durch Geg.nnraßnahmen D Itter In ihrer Wirksamkeit ab geschwächt werden können.

Da die französische Warenein­fuhr nach Deutschland erheblich grö­ßer ist als die deutsche Warenausfuhr nach Frankreich, so sollte man erwarten, daß den Franzosen besertderS um den baldigen Ab­schluß eines HandelSverttageS zu tun wäre. Am 10. Januar hören die Vergünstigungen auf, Toelche die ehemaligen Rcicbslatrde Elsaß - Lothringen im Warenve.lehr mit den benachbarten suddeutschen Gebieten ge­nießen. Gleichzeitig wird das Saargebiet zollpolitisch in das Gefüge Frankreichs einge­reiht. Praktisch würde dies die Folge haben, daß beide Gebiete für Deutschland in jeder Beziehung zollpolttischeS Ausland werden. Bei aller Anhinglichk.it und Sym­pathie, die wir für die überwiegend von Deut­schen bewohnten Landestelle liegen müssen, t't doch nicht einzusehen, warum wir dazu bei­tragen sollen, dem fran.zösischen WittschaftS- körper die geraubten Bissen verdaulich zu machen. Wer die Lage der Dinge unvorein­genommen prüft, muß zugeben, daß Elsaß- Lothttngen sowohl wie das Saar gebiet wirt- ,chaf tspolitis ch zum DeutschenReich und nicht .zu Frankreich gehören. Eine Revi­sion der Annektion von Elsaß--Lothringen steht nicht in naher Aussicht; wohl aber soll nach zehn Jahren die Entscheidung darüber fallen, wohin das Saargebiet künftig staallich ge­hören wird. Es ist daher verständlich, daß d.e deutschen Unte.httvdler der P.lege der Wi.1- schaftsbeziehungen mit dem Saargebiet beson­dere Aufmerksamleit widmen. Durch die Art, wie Frankreich bisher die WittschastSve.ha.'.d- lungen mit Deutschland geführt fjat, ist klar geworden, daß man In Paris trotz über­wiegenden französischen Interesses am Zu­standekommen eines deutsch-ftanzösischen Han­delsvertrages günstigeBedingungen für die französische Warenausfuhr nach Deutschland zu erreichen glaubt, ohne Deutsch­land dafür auch nur em einigermaßen entsprechendes Entgelt zu gew. hrcn. Die deutschen Waren sollen für die Märkte in Frankreich und in den französischen Kolo­nien keine Meistbegünstigung erfahren.

Wan würde die Deoeutuna der deutsch- französischen WittschaftsverhandlungeTl verken­nen, wenn man außer Bewacht ließe, daß beide Länder an einer Art Arbeitsgemein­schaft interessiert sind. Mit El.-Lothringen hat Deutschland nahezu drei Viertel seiner eigenen (Sr^Iagerftitten verloren und ist jetzt saft völlig auf die Zufuhr ausländi­

schen Erzes angewiesen, wenn es seine Hochöfen und Walzwerke voll in Bewicb Hal- ten will. Die neuen Besitzer der lothringischen Erzfelder fühlen sich nicht imstande, das ih.en 5ur Verfügung stehende reiche Rohmaterial ohne fremde Hllfe auszuardeiten. ES fehlt ihnen hierzu die sichere KokSzufuhr und natürlich auch die in du str ielle st u n g. Deutschland ist am ausreichenden und regel­mäßigen Bezug ftanzö'ischer C .ze, Franke eich an der Sicherung deutscher Kohlen- und KokS- Ilcferungen interessiert. Vor Eintritt in die Weihnachtspause hieß eS in Paris, daß die Vertteter der beiderseitigen Montan- und Schwerinduswie zu einem grundsätzlichen Ein­vernehmen gelangt seien.

Dagegen haben aber die Verhandlungen her beiderseitigen Textilinteressenlen bisher keinen günstigen Verlauf genommen. Während der Londoner Verhandlungen haben die deutschen Delegierten geltend gemacht, daß Frankreich unter lehren Umständen die Mög­lichkeit behalten dürfe, ein Entgegenkommen in der Frage derRuhrräumungals Druck­mittel bei den HandelsverttaaSverhandlungen xu benutzen. Die Kapitulation Macdonalds vor der Herriotfchen These hat leider doch Die Ge­fahr heraufbeschworen. Die zu Paris stittsin- denden deutsch-französischen WittschaftZver- handlungen sind ganz erheblich durch die Schwierigkellen beeinflußt, die nach den jüng­sten Aeußerungen Lord Curzons in der Räumungsftage entstanden sind.

Die Verhandlungen der Schwerinduftrie. Unüberwindliche Schwierigkeiten".

Paris, 22. Dez. (WTD.) Der ..TempS" befchattigt sich in einem längeren Leitartikel mit den Derhandlungen. die zw schen d n 'Vertretern der französ schen und deutschen Schwer ndu^tr e geführt wurden, und stellt fest, bab d.e Der- Qant'tung-'n ver letzt n Woche keinen gün­stigen Derlaus g nommen Huben. De deut­schen Vertreter der Schwere sen ndu'lr e hätten erklärt, daß Deutschland, um den D.Wesplan ausführen zu können, seinen Import ver­ringern und seinen Export ver­größern müsse. Sie hätten infolgedeslen ihr ursprüngliches Angebot, der frarz^s schen Me­tall ntuslrie en gewsses Kontingmt a'zrkeufen, errcue t, cb.r quantitativ herabgesetzt. Die ftanzös schen Lochverstand gen hätten aus Ent- gegenlommen die Möglichleit einer derartigen Konzentrat on ins Ange gfaßt. j doch hätten sie zwei Fragen gestellt h nsichtlich der Quan­tität und der Art der zu kaufenden Produk­tion und schließlich auch die Preisfrage auf­geworfen.

Sofort nachdem man die erste Frage in An­griff genommen habe, sei man auf unüber­windliche Schwierigkeiten gestoßen, denn die deutschen Delegierten hätten gefor­dert, daß eine Unterscheidung zwischen der lothringischen Industrie und der 3 n- dustrIe des Saarlandes gemacht werde. Sie hätten erflärt, bei der ersteren (Industrie Dusteisen und Halbfabrikate kaufen zu wollen, währeno der Derkaus von Fettigprodukten, wie Batten, Schienen und Eisenblech, dem Saargebiet Vorbehalten bleiben müsse. Diese Forderungen hätten die französischen Expetten zurückge- wiesen, da nach dem FriedenSvettrag von Dersailles daS Saargebiet dem fran­zösischen Zollgebiet angehött. Man habe also nicht zulassen formen, daß Deutschland eine derartige Unterscheidung mache. Die deutschen Sachverständigen hätten hierauf erflärt, die fran­zösische Regierung habe im Laufe der Der­handlungen .die im August in L o nd o n ge­führt wurden, ein Sonderregime für daS Saargebiet versprochen. Der .TempS" gibt zu, daß mündliche Versprechungen vielleicht ge­macht wurden; aber sie könnten in keiner Welse dazu führen, daß eine Lage geändert werde, die der 5 Hebend »ertrag von Versailles vor- geschrieben habe. Das Blatt stelll fest, daß infolge dieser Meinungsverschiedenheiten die Verhandlungen abgebrochen säen.

Dor einem Handels- provif oriurn mit Frankreich?

Berlin, 23. Dez. (Lokalanz.) Da im Hin­blick auf die zahlreichen Einzelfragen, die noch der Klärung bedürfen, keines, alls bamit tu rech­nen ist, daß die deut ch-sranzö'i chen Har.b.lsver- tragsverhandlungen bis zum 12. Januar abge­schlossen werden können, will man zunächst, um keinen vertragslosen Zustand eintreten »u laften, ein Provtsorium vereinba.en. daS vis Mitte Februar Gültigkeit Haven soll. Dieses Provisorium wird von un ercr Seite fei- ne-falls am Grund des gegenwärtigen Zustande- abge chlolfen werden. De ke.tche.n Unte...d.er werden unbedingt darauf bestehen, daß gegen­seitig die gleichen Dorteile einge­räumt werden. Soweit die elsah-lo thnn- gischen Kontingente vorläufig weiter be­willigt werden, wird das nur unter bei Var-mL-

setzung geschehen, daß kein anderer Meist- begünstigungsstaat unter Berufung auf diese von Deutschland die gleichen Dergünstigun- gen für sich verlangt. Sollte dieser Fall jedoch eintreten, so steht die Regierung auf dem Stand­punkt, daß die Kontingentsbewilligung automa­tisch so lange ruht, bis Frankreich die Forde­rung des einsprucherhrdenden Staats auf dem Verhandlungswege ausgeschaltet hat.

Frankreich und Rußland.

(Ergebnislose

Wirtschqftsverßaiidl»litqe»i.

Paris, 23. Dez. (TU.) Die Abreise Krassins nach Moskau hat ihren Grund in dem Wunsch des russischen Botschafters, die Sowjetregierung über die bestehenden Schwierig­keiten zu unterrichten und von ihr Maßnahmen zur Klärung der Situation zu erbitten. Die Kundgebungen am Tage der Ankunft Kras­sins,. besonders die Flaggenzeremonie unter Mitwirkung eines kommunistischen Orche­sters riefen in rechtsgerichteten Kreisen großes Aussehen hervor. Krassin wurde daraus auf­merksam gemacht, daß Demonstrationen dieser Art die öffentliche Meinung stark er­rege und der Wiederherstellung guter Be­ziehungen zwischen den bstden Ländern schweren Schaden zufüge. Dem russischen Botschafter wurde nabegelegt, in Zukunft von solchen Kundgebungen abzusehen. Weller haben die Besprechungen zwischen de Monzir dem Vertreter der frarv zösischen Regierung, und Krassin bereits gezeigt, daß die Basis zu einer Verständigung zwischen Frankreich und Rußland nicht vorhanden ist. Die Bedingungen bc Monzles ftnb:

Gleichzeitig wurde den Russen unzweideutig zu verstehen gegeben, daß sic auf Kredite nicht rechnen bür en, auf alle Fäl e aber leine Rede davon sein lönne, daß d.e französische Re­gierung irgendwelche Ätcbitoberationen ver­bürge.

Die französischen Danken ver'üaen außer» dem augenblicklich nicht üjer angemellenc G.ld- betrage. Außerdem besteht AtollJj-'u den franfo- amerikanischcn Danken ein 21b crimen, wonach ohne vorhergehe .? gc i t den Sowjets Kredite nicht bewillig, werden dür­fen. Wie schlecht es um die Frage der Waren- k r e d i t e für Rußland beftcili i l. io inte Krassin am besten daraus ersehen, baß einer russischen Wi-.tschaftsdciegation. die vor ein gen Tagen zum Einkauf von 3j0 Omnibussen. 200 Lastautos und 300 A"tomodilen hier eingetrossen war, jeg­licher Kredit verweigert wurde. Sn einem Falle wurde den Mitgliedern dec Delega­tion das Betreten dc> Fabrikräume untersagt. Um diese Schwierigkeiten zu be­heben. nwchte Krassin der Sowjetregierung die Anerkennung der Bvrkriegslchuiden oder wenig­stens eines Teiles Vorschlägen. Durch ein beson­deres Gesetz soll ihre Bezahlung nicht nur durch das von der französischen Regierung beschlag­nahmte Gold (350 Millionen Franken), sondern auch durch den Goldvorrat sich-rgestellt werden, den die russische Regierung in D r e st - L i t o w s k den Deutschen ausyändigte und dec seitdem i n die Hände der Verbündeten über­gegangen ist. Krassin nimmt an, daß diese- Zugeständnis auf die öffentliche Meinung Frank­reichs eine heilsame Wirkung ausüoen uno eine günstigere Atmosphäre für die Wirt­schaftsbesprechungen schassen wird.

Die deutsche Völkerbundsnote.

Berlin. 23. Dez. (TU) Die Reichzregie- rung veröffentlicht die Rote, die fh zur Klärung der Frage der Beteiligung Deutschlands an trte- gerischen Maßnahmen an den Völkerbund ge­richtet hat und bie zugleich den Regierungen der Äatsmächte zugelellet wurde. Die Regierung könne mit Genugtuung feststellen, daß ihr Ent­schluß volle Zustimmung der im Dölker- bundsrat vertretenen Mächte gefunden habe unb daß ihr Wunsch wegen her Beteiligung Deutschlands am Völkerbunds rat Rechnung getragen wurde . Dagegen haben die Antworten in Ansehung deS Art. 16 noch nicht zu dem gewünschten Er o gr geführt Der 21.1.16 regele das Verfahren, caß i m Falle eines Friedensbruches gegen den schuldi­gen Staat zur Anwendung gebracht werden soll. Er verpflichtet d e Dölkeroundsmitglieder zu Maßnahmen, wie sie bisher nur unter Einführung des Kriegszustandes möglich waren. Die Dölkerbu d.satz ng gewähre aber den Mitgliedern nicht das g.öß stmögliche Maß an Sicherheit gegen kriegs­mäßige Handlungen des Friedens­störers. Die Du ch ü runq mit tidjcr Ope a- tio.nen gegen den F.nedenöstörer sei bisher nicht näher geregell und nicht der zentralen Befehls- gcwalt des Völkerbundes unterstellt.

Auch sei der Erfolg des Sanktivnsversahreu- unter Umständen bann in Frage gestellt, wenn eS sich gegen Staaten richtet, bie, wie bas heute noch ber Fall ist, über eine gewaltige KriegSrustung berfügen.

Die Gefahren, die sich hieraus für nahezu alle Mitgliederstaaten ergeben, werden noch uner­träglicher gestaltet für ein Land, das sich wie Deutschland in zentraler Lage befinbet unb vollständig entwaffnet ist. Die 2lote führt dann zur Keinrzeichmmg der einseitigen Entwaffnung Deutschlands an. daß dieses Land mit mehr als 60 Millionen Einwohnern mit einer LandeSgrenze von 5000 Km. und eine Küste von über 2COO Km. über ein Heer von nur 100 000 Mann verfügt. Die allgemeine Wehr­pflicht ist abgeschafft und die Ausbil­dung von Reserven ist nicht gestattet. Dieser Truppe fehlt jede, für eine moderne Kriegführung notwendige 0Iu3rüftung. Die deut­schen Festungen an der W.stgrenz« sind ge­schleift. 3m Westen sind 55 003 Quadratkilo­meter deutschen Gebietes entmilitarisiert zugunsten seiner Nachbarn. Tatsächliche RüstungS- beiriebe sind nicht vorhand.-n. 2klle Movil- machungsmaßnahmen sind verboten. Die Stärke der Flotte liege well unter der Abrüstungs- grenze deS Washingtoner AbkommeTrS. Die Rote vergleicht mit dieser Entwaffnung die mili­tärische Stärke ber Nachbarn Deutsch­lands. deren einer bet 8 Millionen Einwohnern ein stehendes Heer von 80 000. ein Land mit weniger als 40 Millionen Einwohnern em stehen­des Heer von über 700 000 Mann habe. Deutschland befindet sich somll in völliger mili­tärischer Ohnmacht inmitten eines stack bewafi. »eten Europas. SS ist also außersianbe, einem

mil lärilchen Einbruch entgtgenzutreten.

Es wäre völlig auf den Schutz der DundeS- mitglieber angewiesen, ohne bah diese zur Ge- Währung dieses Schutzes gezwungen toerben törtn- ten. 3n den meisten denkbaren Fällen würde Deutschland zum Schauplatz europä­ischer Völker bunds kriege geradezu präbetzi»tert sein. Diese«, fähtt bie 2kote

sott, ist bie notwendige Folge bet Tatsache, daß bie gesamte Organisation deS Völkerbundes kaum vereinbar ist mit dem militärischen Uebergewicht europäischer Staaten, gleichviel, ob sie dem Bunde angehören ober nicht. Auch wenn ber RüstungSstanb aller Staaten im Rahuten bes Völkerbuubprogramms burchgesührt sein würde, das für bie Verringerung der militärischen Machtmittel eine Grenze zieht, würde das R i - veau deS allgemeinen RüstungS- stanbes banach noch immer über dem des deutschen Rüstungsstandes liegen. Aus den Schwierigkeiten bies:s Mißverhältnisfes gebe es nach Ansicht bet b.utscheu Regierung nur einen Ausweg: Dem D utschen Reiche mühte die Möglichkeit belassen werben, d.iS Muh seiner aktiven Terlnahme selbst zu bc'Hmmen. Damll verlange Deutschlanb keine Vergünstigung, son­dern nur bie

Derü-llichtigung seiner besonderen Lage, well e« sonst auf bas letzte Schutzmittel eine? entwaff­neten Dolles, bie D e u t r a l i 1 ä t, zu verzichten gezwungen sei.

Die deutsche R-gisrung gibt sich ber Erwartung bin. daß der Völkerbund die Berechtigung dieser Befürchtungen anerkmncn und einen Weg zu ihrer Beseitigung finden werde.

Das Memorandum erflärt einleitend, daß die deutsche Regierung glaube, daß jetzt nach dem Verlaufe und dem Ergebnis von Lmdon, die Grundlage für ein gedeihliches Zusammen­wirken im Völkerbünde gegeben sei. Sie habe sich deshalb entschlossen, nunmehr den alsbal­digen Eintritt Deutschlands zu er­streben. ES crfd)-ine der deutschen Regierung nicht tunlich, ohne weitere- an den Völkerbund einen Antrag zu richten. Sie wünsche zunächst mit den im VölkerbundSrat Dcrtretcnen Regeenrn- gen mit aller Offenheit gewisse Fragen zu klären, Die für ihre Mitwirkung von entfch iderrder De- deutung seien. Solange die Satzung gewissen Staaten

ba- Recht zu einer ständigen Vertretung im DöfferbnnbSrat

gebe, müsse bie beutfche Regierung daS Recht auf eine solche Vertretung auch für s i ch in Anspruch nehmen. Sie mässe deShilb bei Stel­lung eines ZulasfungsantrageS die Gewlhhell haben, bah Deutschland alsbald nach sei icm Ein, tritt einen ständigen RatSsih erhält. Da. bei nehme sie eine paritätische D?r'.i!lgung an den übrigen Organisationen des Döllerbunde«., insbesondere an dem ®eneralfetretarial ohne wei­teres an.

2. ist die deutsche Regierung bereit, dem Völ­kerbünde ausdrücklich zu bestätigen, bah fie zur Erfüllung ihrer internationalen Verpflicht» ngen entschlossen ist. Diese Erklärung dürfe aber nicht so ausgelegt wer- den, als ob die deutsche Regierung damit die zui Begründung ihrer Verpflichtungen auig-ftellter Behauptungen anerkenne, die eine m v r a l i f ch c Belastung des deutschen Volkes in fich schliehe. Die tatsächliche Erfüllbarkeit der deutschen Dettragsverpflichtungen hänge auch vor allem von ber Durchführung der Lon­doner Vereinbarungen und der be­schleunigten Wiederherstellung ver­trag smäßiger Zustände an Rheir Ruhr ab.

3. erwartet Deutschland, zu gegebener Zell aktiv an dem Mandatsshstem de» Völ­kerbundes beteiligt zu werden.