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Nr. M Zweiter Blatt

Das Rätsel der Nichterneuerung des Rückverficherungsvettrages. Don Geh. Sustizrctt Dr. Conrad Dorn hak, {proidfpu der Rechte an der Universität Berlin'

DDG. Einer der entscheidenden k Wendepunkte der deutschen Bor-

kriegSpolitik, die Richterneuerung des RückversicherunKSvertoages, ist durch die Große Aftenpublikatton des Aus­wärtigen Amtes erneut in denMittel- punkt der politisch-historischen Er­örterung gerückt worden. Sn dem nachfolgenden Aufsatz aus demAr- chiv für Politik und Geschichte" (Deutsche Derlagsgesellschaft für Po­litik unb Geschichte in Berlin), be­schäftigt sich der angesehene Histori­ker mit den noch immer offenen Räks^fvagen jenes wichtigen Schrit­tes der deutschen Politik. Wir ver­öffentlichen den Auftatz mit Erlaub­nis der Schriftleitung und des Ver­lages.

Seit der auf Fürst Bismarck zurückgehende Aufsatz der Harnburger Rachrichten vom 24. Ok­tober 1896 der Welt Kenntnis gab von dem ge­heimen 1890 nicht erneuerten Einverständnisse zwischen Deutschland und Rußland über die wechselseitige Reutralität rm Falle eines Krieges einer der beiden Mächte mit einer dritten hat sich trotz vereinzelter Stimmen im entgegengesetz­ten Sinne die Richterneuerung jenes Vertrages immer mehr als eine verhängnisvolle Wendung der deutschen Politik erwiesen. Die führende Stellung Deutschlands in der europäischen Poli­tik war damit vernichtet, was Caprivi vptirni- »stisch als die Wiederherstellung des europäischen .Gleichgewichts bezeichnete, der Gegensatz zwischen «Dreibund und Zweibund schied Europa in zwei bewaffnete Lager, neben denen England als dritte Macht stand, um je nach Ermessen sein Gewicht tn die Wagschale des einen oder des anderen zu werfen. innerhalb des Dreibundes selbst drohte Deutschland, da es keinen anderen Rück­halt mehr besaß, mehr und mehr die Leitung aus der Hand zu gleiten. Die weitere Dundes- genossenschaft Italiens erforderte immer neue Zugeständnisse, und auf der anderen Seite war Deutschland in ständiger Gefahr, in das Schlepp­tau der österreichischen Politik zu geraten. Sn» zwischen hat die Veröffentlichung der Akten des 2luswärtigen Amtes den Schleier gelüftet, der bisher über den diplomatischen Verhandlungen

1 lag. Alle Tatsachen liegen offen vor uns. Die stzeheimen Beweggründe und Persönlichkeiten, die Kan bisher hinter der Rich'erneuecung sehen zu Müssen glaubte, werden damit ausgeschaltet. Aber damit stehen wir gleichzeitig ovreinemRätsel.dasdurchdieakten- mäßigen Tatsachen nicht gelöst wird.

Der sogenannte Rückversicherungsvertrag war zunächst nichts anderes als der stehen gebliebene Rest des Dreikaiserbündnisses vom 18 .Sunt 1881, das auf russische Anregung abgeschlossen war, weil Rußland sich durch die englische Auslegung bedroht fühlte, daß die Schließung der türkischen Meerengen nicht eine allsei ig bindende Verpflich­tung sondern nur ein Recht der Türkei sei, auf das sie gegenüber einzelnen Mächten verzichten könne. Bei einer Meinungsverschiedenheit zwi­schen zwei der vertragschließenden Mächte sollte Vermittlung durch die dritte erfolgen. Sm Falle des Krieges einer der drei Mächte mit einer vierten sicherten die beiden anderen wohlwollende Reutralität zu. Die Stellung Oesterreichs in Bos­nien aus dem Berliner Vertrage wurde anerkannt, kQ3ei einem Kriege einer der drei Mächte mit der MTürkei war vorherige Verständigung über die WKriegsziele vorgesehen. Der europäische Eharak- Der der Schließung der Dardanellen wurde an» Gerkannt, die Türkei sollte keine Ausnahme zur Mbegünstigung kriegerischer Dlnteraehmu gen ein- Meiner Mächte machen dürfen. Die es auf drei WZahre abgeschlossene und auf russischen Wunsch Vstreng geheim gehaltene Abkommen war am 27. ^März 1884 auf weitere drei Sahre. vom 18. Sunt 1884 an gerechnet, verlängert worden.

Trotz der zugesicherten strengen Eeheimhal- tmig war das Dreikaiserbündnis doch b.'fann: ge­worden. Sn Rußland hatte es der früh re Bot­schafter in Berlin, Saburow, dem Moskauer Publizisten Katkow verraten, der dagegen Sturm lief und in der russischen Oefsentlichkeit dagegen Stimmung zu machen suchte. Sn Oesterreich sprach sich der frühere Minister des Auswärtigen, Graf Andrassy, in den Delegationen wie in einer Denk­schrift an den Kaiser Franz Joseph dagegen aus. Auf beiden Seiten herrsch!« dabei der Gedanke vor, daß man ohne das Dreikaiserbündnis über die deutsche Dundesgenossenschaft ausschließlich verfügen könne.

Gleichwohl hatte der Minister von Giers schon im Dezember 1886 die Erneuerung des Dreikaiser­bündnisses anregen lassen. Die Verschärfung der russisch-österreichischen Beziehungen infolge der bulgarischen Frage ließen aber die Fortsetzung

Eindrücke von den . Bayreuther Festspielen.

Bayreuth, im August 1924.

Am Mittwoch sind mit einer Aufführung des »Parsifal" die diesjährigen Bayreuther Festspiele bu Ende gegangen. Wegen des Krieges und der Wirkungen der Rachkriegszeit konnten sie bekannt­lich 10 Sahre lang nicht abgehalten werden; man war deshalb darauf gespannt, ob die Fest­spielidee und die Werke Wagners noch die alte Zugkraft bewiesen wie früher, denn es fiel nicht allein ein großes Erlicken in diese Zeit, sondern es hat sich seitdem eine nicht unwesentliche Weiterentwicklung der Musik und der Theater-, tunst vollzogen. Don den Wagnerfreunden frü­herer Zeiten konnten sicher viele aus finanziellen Gründen, infolge der wirtschaftlichen ilmschich- hingen, die Festspielstätte nicht mehr aufsuchen. Wie wirkte nun das alles auf den Verlauf der Festspiele ein? Da ist es erfreulich, festzu stellen, baß der Gedanke der Festspiele nichts von seiner Zugkraft verloren hat, daß der Andrang bis ?um letzten Aufführungstag unvermindert an- !gehalten hatte. Sie Schöpfungen Wagners haben sich somit auch in der Gegenwart als außer­ordentlich lebensfähig ertoiejen. rrohdem die Ent­wicklung des musibalischen Stils andere Dahnen ^ingescKagen hat. Sa, der Festtpielhnusidee kommt KÖX viÄleicht eine größere Bedeutung als früher

Samstag, 23. August (924

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberheffen)

des Verhältnisses mit Deutschland allem für Ruß­land wünschenswert erscheinen. So kam nach längeren Verhandlungen der neue deutsch-russische Vertrag vom 18. Sum 1887 zustande Das. was man gewöhnlich als den Rückvcrsicherungsvertrag bezeichnet, ist also nichts anderes als das alte Dreikaiserbündnis nach Aus cheiden Oesterreichs . .

Auf die Geheimhaltung wurde nur luiisichrr- seits Gewicht gelegt. Rußland wollte sich die Vor­teile des Vertrages sichern, Kaiser Alexander III. aber dadurch nicht an Volkstümlichkeit verlieren, auch die Möglichkeit offen halten, die russische Presse von inneren Mihständey ab und gegen Deutschland zu richten. Selbst Katkow erfuhr da­her bis zu seinem am 1. August 1887 erfolgten Tode von dem neuen Vertrage nichts.

Der Rückversicherungsvertrag sicherte Deutsch, land gegen ein russisch-frarHösisches, Rußland ge­gen ein deutsch-englisches Bündnis, bot Rußland außerdem noch positive Vorteile in der deutschen Gewähr der Schließung der Dardanellen und in der deutscherseits zugesicherten moralischen und diplomatischen Unterstützung Ruhlcnüxs in Bul­garien und bei einer Besetzung der Meerengen. Wenn die anderen Dreibundgenossen allein oder im Bunde mit Englaiü> dagegen einschritten, taten sie es auf eigene Gefahr, hatten jedenfalls auf deutsche Unterstützung nicht zu rechnen, wenn nur die österreichische Großmachtstellung unberührt blieb.

Wie das DveikaiserbüiDnis und sein im Rück- Vers ichcrungsvertrage übrig gebliebener Rest ging auch die Anregung zu seiner Verlängerung von russischer Seite aus. Der russische Botschafter Graf Schuwalow hatte schon am 10. Februar 1887 dar­über mit dem Fürsten Bismarck verhandelt. Rach der Zustimmung des deutschen Kaisers zu der Verlängerung war er nach St. Petersburg gereift und hatte hier die Zustimmung des SfaiferS Alexander III. erholten, den Vertrag als einen dauernden abzuschliehen. Soweit war alles in schönster Ordnung, der Vertrag hätte ohne wei­teres abgeschlossen werden können, wenn nicht die Kanzlerkrisis dazwischen gekommen wäre . . .

Die ersten Schwierigkeiten gegen die Erneue­rung des Rückversicherungsvertragcs gingen vom Staatssekretär Grasen Herbert Bismarck aus, der nach erneuter Verhandlung mit dem Grafen Schuwalow vom 19. März 1890 dem Kaiser offen­bar wahrheitsw.drig beruh eie, Graf Schuwalow habe seine Anerbietungen zurückgezogen, bei der Entlassung des Fürsten Bismarck werde Kaiser Alexander auf die Verlängerung des geheimen Vertrages nicht eingehen, da eine so geheime An­gelegenheit mit Dem neuen Reichskanzler nicht verhandelt werden könne. Tatsächlich hatte Graf Schuwalow am 9./21. März 1890 nur nach Hause berichtet, er habe erklärt, neue Verhandlungsmah- regeln ein holen zu wollen. Der falsche 'Bericht des Gral H r e . isrn rf rscheii v rftä d i . Er wollte damit bei dem Werte des Rückversiche­rungsvertrages für Deutschland die Dlnersehlich- keit seines Vaters für die deutsche Politik bartun.

Die neuen Männer hätten also alle Veran­lassung gehabt, das Gegenteil zu beweisen und darzutun, daß Rußland den Rückversicherungs- Vertrag auch mit ihnen abschliehe, was zweifellos gescheAn wäre. Sie schlugen einen anderen Weg ein und führten damit gegen ihren Willen einen grundsätzlichen älmschwung der bisherigen Politik herbei. Der neue Reichskanzler von Caprivi, früher Chef der Admiralität, zuletzt kommandie­render General in Hannover, und der neue Stacks- sekretär des Auswärtigen Amtes Freiherr von Marschall, früher Staatsanwalt, konservativer Ab­geordneter und zuletzt badischer Gesandter in Ber­lin, besaßen beide auf dem Gebiete der auswär­tigen Politik nicht die geringste Erfahrung, son­dern ließen sich von den Wellen treiben. Es ist die Dureaukratie des Auswärtigen Amtes, die hier einseht, die sich gegen die bisherige Politik Bismarcks, ihres Herrn und Meisters, wendet und die neuen Männer und zuletzt den Kaiser herurn- kriegt. And hier beginnt das bisher nicht gelöste Rätsel, das auch durch die Veröffentlichung der Ak en nicht aufgeklärt, son­dern nur noch schleierhafter wird.

Der Unterflaa ssekretär G>af Dechern to:e die Vortragenden Räte von Holstein, von Kiderlen- Wächter und Raschdau, von denen allein Ra ch- dau noch unter den Lebenden weilt und die da­malige Stellung des Auswär.igen Amtes zu rechtfertigen sucht, waren einstimmig der Ansicht, daß der Rückversicherungsvertrag wenn nich: mit dem Wortlaute, so doch mit dem Geiste des Drei­bundvertrages unvereinbar sei, und daß sein Be­kanntwerden das Vertrauen der Bundesgenossen zu der Ehrlichkeit der deutschen Politik erschüttern müsse. Das ganze Bündnissystem erschien zu ver­wickelt. Es tauchte das Gleichnis des Songleurs mit den verschiedenen Kugeln auf, ein so ge chick- ter Spieler wie Fürst Bismarck habe zwar damit spielen können, seine minder veranlagten Rach­folger vermöchsen das nicht. Der Vertrag habe auch schon bisher die stete Verschlechterung der deutsch-russischen Beziehungen nicht zu verhindern vermocht, ebensowenig die Annäherung Rußlands an Frankreich Der Vertrag sei also für Deutsch­land gefährlich und nutzlos.

Für diese Auffassung wurde Freiherr von Marschall noch vor Aebernahme seines Amtes unter dem Stacttssekretariate des Grafen Herbert von Bismarck gewonnen, so daß er geradezu er­klärt», das Amt nicht übernehmen zu körmen, wenn das Dertragsverhältnis zu Rußland ver­längert würde. Der Reichskanzler von Caprivi müßte sich zu derselben Ansicht bekennen, wenn die Wissenden des Auswärtigen Am.es, die bis­herigen Mitarbeiter Bismarcks, cs sagten.

Es galt mm noch den Kaiser Herumzukriegen, der bisher entschieden für die Verlängerung des Rückversicherungsvertrages gewesen war. Zu die-

Die Schneckenplage und ihre Bekämpfung.

Zugleich Beantwortung zahlreicher Fragen.

Der nasse Herbst des vergangenen und die anhaltende Rässe des gegenwärtigen Sommers haben die Vermehrung der Racktschnecken, denn um diese handelt es sich hauptsächlich in einer Weise begünstigt, daß sie zur Landplage werden. Wenn das Wetter nicht bald wieder normal wird, kann man in dieser Hinsicht für die Herbstsaaten fürchten. Die Besorgnis kommt auch in den zahlreichen, aus allen Kreisen der Landwirtschaft und des Gartenbaues uns zu- gehenden Anfragen nach Mitteln zur Bekämpfung der Schädlinge zum Ausdruck. Wir müssen leider bedauern, ein Radikalmittel gegen das Ungeziefer nicht angeben zu können. Auch chemische Fabri­ken, die sich hauptsächlich mit der Herstellung von Schädlingsmitteln befassen, antworteten auswei­chend. Deshalb formen wir nur auf die schon wiederholt von uns empfohlenen Methoden ver­weisen, die im Bestreuen der weidenden Tiere mit Salz (Viehsalz, Koch'alz, Kali) oder mit ge­pulvertem Aehkalk, Aufstellen von schlechtem D er und Kleie in flachen Gefäßen, Wegsangen des Rachts bei Laternenlicht, Fangen unter aus ge­legten Dachziegeln und Dvettstücken sowie Ein- treiben von Enten bestehen. Dei der ungeheuren Vermehrung eine Ackerschnecke kann es auf eine halbe Million Rachkommen im Laufe eines Sommers bringen sind alle diese Mittel so gut wie zwecklos, wenn eine Zuwanderung von Rach- bargrunbflüden möglich ist. Die sprichwörtliche Langsamkeit der Schnecke ist dabei kein Hindernis.

Es läßt sich kaum vermeiden, daß durch grü­nes Gemüse, Kartoffeln, Fallobst usw Shnecken in die Keller verschleppt werden, die dann, wenn sie genügend Rahrung finden, sich in den dunklen Räumen, wo kein Sonnenstrahl sie stört und sie außerdem gegen die Unbilden der Witterung geschützt sind, ins Ungemessene vermehren. Das ist ganz besonders dann der Fall, wenn das unverputzte Kellermauerwerl ihr en in seinen Fugen und Ritzen die erwünschten Schlupfwinkel bietet Hier fühlt sich sowohl die eigentliche Kellerschnecke, Limax maximus, wie auch die gewöhnliche Ackerschnecke, Limax agristts, am wohlsten. Durch Benagen und Verschmutzen aller Vor­räte uni> Speisen Birnen sie mehr als lästig werden Wo dieses Hebet sich eingestellt hat, sollte man nicht säumen, alle Kellerräume, auch die der Mitbewohner, vollständig auszuräumen, die Wandflächen zu verputzen, bzw. alle Ritzen und Fugen zu verstreichen und dann mit Kalk zu weißen Gleichzeitig muh das Holzwerk und besonders Ber Fußboden mit starker Salzlösung abgewaschen und der zahlreichen Eier teeren, jede Spur von Schmutz daraus entfernt und erst dann wieder bezogen werden, wenn die Räume ge­nügend auSgetrocknet und durchlüftet sind.

Etwas vom Futterkalk.

Wie unbedingt notwendig und erforderlich der wesentliche Kalkgehalt in der Zusammen­setzung des Futters, welches wir unseren Tieren (vor allem den Schweinen) verabreichen, ist, mag

fern Zwecke wurde der deutsche Botschafter in St. Petersburg, General von Schweinitz, herbei­ge holt Als er in Berlin erschien, wußten ihn Graf Derchem und Holstein von der Unverein­barkeit des Rückversicherungsverttages mit den bestehenden Bündnissen, namenllich unter Vor­legung des rumänischen Vertrages, den er bisher nicht kannte, zu überzeugen. 2lls der Kaiser ec- fuhr, daß nunmehr auch Schweinitz umgestimml sei, erklärte er: »Run, dann geht es nicht, so leid es mir tut

Damit war der Rückversicherungsvertrag auf deutscher Seite erledigt

aus folgendem ersichtlich sein: Mache ich M jüngst in meinem Schweinestall die Entdeckung, daß die Wände (während des Winters gekalkt!) über Rächt Löcher bekommen haben, Löcher von der Größe eines Schweinekopfes und just so hoch, daß ein Sc^oein in aufrechter Stellung bequem heran reichen kann. Ranu? Was ist denn das? Zu allem Ueberfluß habe ich denn auch bald das Vergnügen, zu sehen, wie die Schweine, nach dem Fressen allerdings, sich bemühen, an den Löchern weiter zu knabbern, was mich unwill- kürlich zu der Frage veranlaßt: Warum tun die Viecher das? Die Antwort ist bald gefunden. Mangel an Kalk ist es! Mangel an Kall im Futter I Weiter nichts. (Oder sind Derufsgen offen etwa anderer Meinung?) Man weiß, daß im Schweinefutter (so man eben alter Gepflogen­heit gemäß füttert: Kartoffeln, Schrot, Molkerei­abfälle, Haus- und Küchenabfälle, im Sommer Grünzeug, das Ganze mäßig warm) folgendes Stoffe enthalten sind: Wasser, Eiweiß, Kohle­hydrate und andere. Meistens aber tehlt der Kalk. Dieser muß natürlich ersetzt werden. Das geschieht in der volllommensten Weise dadurch, indem wir unserm Futter sogenannten Futter- lalk beimischen, was sich m der Regel vor­züglich bewährt hat. Sch gebe jetzt meinen Schweinen je einen Teelöffel voll ins Futter. Der Erfolg steht noch aus. Sedoch bin ich der festen Ueberzeugung, daß der Kalk seine Wir­kung nicht verfehlen wird Wir wissen: Kalk fördert den Appetit. Er gibt dem Körper eine feste Konstitutton. Er verhütet Knochenweiche und gewährt bessere Ausnutzung des Futters.

S. L. in C.

IRoggenbüngung.

Für unfere Hauptbrotfrucht, den Roggen, ist im Durchschnitt eine Düngung mit 600 Kilo Kainit, 203 Kilo Thomasmehl, Superphosphat oder Rhe- naniaphosphat und 150 Kilo schw f.lsaures Am­moniak pro Hektar als ausreichend zu bezeichnen. Svllen sich die Kosten einer solchen 'gung be­zahlt machen, so ist heule ein Mehrertrag von 5600 Kilo Körner pro Hektar erforderlich Vor dem Kriege kostete die entsprechende Düngung je nach den Rvggenpreisen 4500 Kilo Körner, also ungefähr ebensoviel. Ueberall, wo es damals rentabel war, den Roggen au düngen, ist dies auch heute noch der Fall. Welche gu en Gewin e man von der Anwendung der Dvlldüngung zu Roggen erwarten kann, ist aus zahlreichen Ver­suchen von Prof. Wagner-Darmstadt zu ersehen, bei welchen die Dolldüngung zu Roggen unter durchschnittlichen Verhältnisfen eiten Mebrert.ag von 10,9 Doppelzentner pro Hektar bewirkte.

Fragekasten.

Frage 43: Seit einer Reihe von Sahren beobachte ich, daß die Z Wetschen an meh­reren Bäumen meines Gartens nicht blau wer­den, sondern auch nach ein getretener Reife rot bleiben (wir sagen »fuchsig"). Die Bäume stehen frei und sonnig, und der Boden ist gut. Kann man vielleicht durch Düngung dem Hebel abhelfen?

Antwort: Das Fuchsigcoerden der Zwet- schen ist bei übermäßiger Tragbarkeit und sonnens armem Herbst nicht selten. Es rührt bann daher,

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Landwirtschaft und Gartenbau.

zu. Wie bei dem politisch zerklüfteten.Griechen­volk der Gedanke der Einheit durch die Kampf- spiele lebendig erhalten wurde, so sollten auch nach Wagners ursprünglicher Meinung die Day- veuther Festspiele der Einhettsidee des deut- chen Volkes dienen. Etwas von dem Streben, ür das deutsche Volk ein Rationaltheater zu chaffen wie es im 18. Sahrhundert wirksam war, hat auch in dem Bayreuther Theater seinen Ausdruck gefunden. Wenn auch Wagner diesen Vergleich ablehnte, aber mit Bewußtsein hat er ein nationales Werk ins Leben rufen wollen, und daß auch heute noch an dieser Sdee fest- gehalten wird, bewies eine große Fahne in den Farben Schwarz-Weiß--Rot, die vom Feftsptel- haus herabgrüßte.

Da die Zahl der Festbesucher viel zu groß war, als daß sie in dem anmutigen Städtchen Bayreuth untergebracht werden konnte, so wohn­ten viele in Rachbarorten, und zwar meilenweit entfernt, um dann in Automobilen das Theater aufzusuchen. Trotz der grvßstädttschrn Häufrng von Beförderungsmitteln aller Art vollzog sich die Verkehrsregetung glatt Ausländer waren sr> gut wie gar nicht vertreten; nur sehr selten drang in den Pausen einmal aus dem Publikum em nichldeutscher Laut ans Ohr. Es sind das alles erfreuliche Feststellungen, die nicht unwesentlich waren für das äußere Bild der Bayreuther Festtage; hinzu kam noch, daß trotz der ver­lockenden Gelegenheit, die Fremden auszubeuten, der Lebensunterhalt in Bayreuth ungewöhnlich

billig war, denn die Prerse coaren durchweg nied­riger als im Westen und Rorden Deutschlands.

An nicht wenigen großen Theatern hat man heutzutage Gelegenheit, guten Vorstellungen der Wagnerschen Musikdramen beizuwohnen, aber trohalledem sind die Aufführungen in Bayreuth ein künstlerisches Erlebnis. Richt allein bewirkt dies die Weihe des Ortes, d. h. der nach den Sdeen Wagners geschaffene Bau, der auch heute noch in mancher Beziehung mustergüllig und vor­bildlich ist, sondern es sind vor allem die Auffüh­rungen selbst, die diese Sttmmung Hervorrufen. Tue Wiedergabe der Schöpfungen Wagners ist von einer solchen vollendeten Form, wie sie von anderen Theatern in gleicher Weise nicht ge­boten werden kann. Selbstverständlich bleibt dabet der eine oder der andere Wunsch unerfüllt, aber im ganzen genommen sind die Bayreuther Fest­spiele unnachahmlich. Keine Bühne mit ständig wechselndem Spielplan kann in dieser Weise die Kunst Wagners pflegen. Sn der Gesamtwirkung waren wohl am nachhaltigsten und eindringlichsten dieMeistersinger" und künstlerisch am aus­geglichensten der zweite Aufzug derGötterdäm­merung". Was hier Orchester, Solisten, Chor und Bühnenausstattung boten, war als Gesamttunst- werk so überragend, daß, wer es genießen durfte, es als dauernden Schah der Erinnerung bewahren wird. Bei Einzelheiten können wir uns in dieser Betrachtung nicht aufhalten, obgleich die Ge­legenheit dazu verlockt. Rur sei erwähnt, daß die Bühnenausstattung Züge des Veralteten und

äleberlebten an sich trägt Die naturalistischen Dekorationen sind in den größeren Thea lern den plastischen und mehr andeutenden oder stilisierten in mannigfachen Formen und Abwandlungen dieser Ideen gewichen. Hier hat die Dühnen- kunst sehr entscheidende Entwicklungen gerade in den letzten Jahrzehnten erfahren. Für Bayreuth gilt es nun, das Bühnenbild mehr dem Zeit­geschmack anzupassen, ohne dabei dem romantischen Grundcharatter der Werte Wagners untreu zu werden. Manches an der Bühnenkunst unserer Tage ist zweifellos vergänglich und wird neuen Entwicklungen unterliegen; manches ist aber auch von bleibendem Wert. Daß ein Wald, in moderner Weise plastisch aufgebaut, lange nicht so schön ist und so stimmungsvoll wirkt wie die alten Deko­rationen, bewies z. D. der zweite Akt des Siegfried". Aus finanziellen Gründen konnte in diesem Jahre eine Reihe von Bühnenbildern nicht erneuert werden; aber sonst bewährte sich die Regie Siegfried Wagners vorzüglich. Ast musikalischem Gebiet sind ja seine Leistungen umstritten, aber als Regisseur offenbart er eine anerkennenswerte Meisterschaft.

Alles in allem waren die Aufführungen in Dahveuth ein Beweis für die Lebenskraft der Werke Wagners und noch über absehbare Zeit hinaus werden die Festspiele ihre bedeutsame Ausnahmestellung im deutschen Kunst leben be­haupten. Emil Lehre.