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«in Roman aus dem 21. Jahrhundert von HanS Dominik.

H. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Die weiteren schlechten Nachrichten aus dem Ilital hatte Toghon-Khan beinahe erroartet. Dah der General von Bülow hier in der Linie des Lelekdamnres einen scharfen Widerstand leisten würde, war für den alten Mongoleirfeldherrn eine Selbstverständlichkeit. Deshalb hatte er ja seine Kerntruppen dort angesetzt. Aber die Stärke des Widerstandes überraschte ihn.

Die Berichte, soweit sie bisher Vorlagen, meldeten ungeheuere Verluste der Angreifer. Wenn Bülow seinerzeit Georg Isenbrandt gegen­über von einem Thermopylen gesprochen hatte, das er hier errichten wolle, so bewiesen diese! Meldungen, cvie ernst er seine Worte gemeint hatte. Auch die Truppen, welche die chinesische Heeresleitung zur Umgehung der Telekstelluna angesetzt hatte, fomen nur Schritt für Schritt und unter schcversten Opfern vorwärts. Ein Forcieren des Durchbruches an dieser Stelle würde in jedem Falle ungeheueve Verluste erfordern und im Er­folg zweifelhaft bleiben.

Der grvhe Erfolg muhte im Irtyschchale ge­sucht werden. Die breite dsungarische Pforte er­laubte es, viel stärkere Kräfte vor^uwerfeu. Waren sie hier erst eimmrl bis zum Siedlecland durchs gedrungen, wo eine freie Entfaltung der Front möglich wurde, dann war die Iliflellung der Gegner so im Rücken bedroht, dah sie unhalt­bar wurde.

Aus dieser Desamtlage ergab eS sich, den Vormarsch durch das Irthschtal mit größter Schnelligkeit und stärksten Straften zu betreiben. Noch am Abend dieses Tages ergingen die Be­fehle nach allen Seiten, und im Laufe der Nacht begab sich der Regent mit seinem Stabe von Khami nach der dsaugarischen Grenze. Hier er­reichten ihn am frühen Morgen des 10. Juli die Meldungen, das) seine Spi?,en ben Gebirgs­zug zwischen Hfl Kamenogorsk und Artatsk gegen schwachen feindlichen Widerstand genommen hätten. Wo einst einhunderlvierzehn Kosa'en un­ter dem General Licharew den Feinden wider­standen und ein Bvllwerk gegen die gelbe Flut errichteten, da waren die so viel stärkeren $ru4>= Pen der E. S. C. jetzt fast kampflos gewichen.

Das strategisch? Spiel sch eu gewvunen. Weit offen stand das Dölkertor, durch welches sich seit Tausenden von Jahren die asiatischen Stämme nach Westen ergossen hatten.

Als die Sonne über die Bergkämme des Altai heraufkam, slaird Toghon-Khan allein am Ufer des Irthsch, den die Mongolen Kara Erthis nennen. Sinnend schaute er den gen Westen strö­menden Wellen des jungen Flusses nach. Hinter ihm war das Land sicher. Die ungünstigen Nach­richten von der Südfront wurden durch die Mel­dungen wettgemacht, dah die Luftgeschwadec in seinem Rücken teils niedergekämp.t, teils ver­trieben seien.

Vorwärts ging es mit der Sonne. Er brauchte nur seinem Schatten zu folgen. Kaum hundert Schritte vor ihm lag der Grenzgraben. Er wandte sich um und- winkte sein Pferd herbet

VorwärtsI Nach ein paar Sähen hielt er am Grenzgraben. 3n diesem Augenblick loderten

links und rechts von feinem Wege mächtige Schei­terhaufen auf, die seine Getreuen aus umge- flüraten Grenzpfählen errichtet hatten. Mit einem stolzen Lächeln quittierte der Regent die Hul­digung.

Ein Spomstoh! Sein Roh sprang in einem mächtigen Satz über den Graben. Ein Ruck In den Zügeln, das Pferd stand wie aus Erz gegossen.

Er war auf erobertem Boden. Von allen Seiten u mb raufte ihn der Jubel der vorüber- ziehenden Truppen.

Toghon-Khan sah starr auf seinem Pferde. Die schwarzen Glutaugen weit offen nach Westen gerichtet. Der Ring an feiner Linken schien zu glühen. Seine Sinne wanderten.

Aus den Truppen, die da neben ihm in mtbemfler Ausrüstung vorwärts chasteten, wur­den die .Krieger der goldenen Horde, wie sie der grctze Dschiugis-Khau vor acht Jahrhunderten nach Westen geführt hatte.

Er sah sie Vorwärtsstürmen. Er sah sie die weiten Steppen Dorderasiens überschwemmen. Er sah, wie die uralten Königreiche unter ihren Tritten zusammenbrachen. Er sah, wie sie ihre Rosse an den blauen Wassern des Helles Pontes h'äntten, wie sie die Donau stromaufwärts zogen, über das Valkangebirge gingen . . . und bis'In das Herz Europas stieben.

Ihm nach!

Seine Spvven fließen gegen die Flanken sei­nes Pserdes.

Wütend stürzte das edle Tier vorwärts. Erst nach einer Weile brachte er es in seine Gewalt zu rück. Er war erwacht.

Sein Auge überflog eine Abteilung marschie­render Artillerie. Sein Auge hing an den glitzern­

den Rohren. Die Geschütze waren von chtnefrschE» Äonflrutteuren gebaut. Ihre Leistungen waren von einer bisher unbekannten Grötz«, und et wusste, dah Europa dergleichen nicht hatte. Die Artillerie war feine alte Waffe. Die Batterien dort neben ihm. . . waren sie nicht auch sein eigenes Wert? Wie würde diese neue Waffe den weihen Gegner treffen?

Ein kalter, frischer Wind fuhr ihm über bat Antlitz. Er hob den Helm und badete feine heißen Schläfen in dem erquickenden Luftzug.

'Vorwärts! Vorwärts! . . . Ihm nach!

Er beugte den Kopf über seine Linke Wu rotes Feuer erglänzte der Ring des DschingiS« Khan in den Strahlen der Morgensonne. Seine Lippen berührten das Gold. Ein Schauer rann durch feinen Körper.

Wetteifernd mit den Fluten deS Irthsch, strömten die mongolischen Myriaden an fernen Ufern westwärts. Meile um Mecke gewannen sie, bis die Gebirge zurückwichen und der Fluh sich zum See weitete. Jetzt strömten auch die Massen auseinander. Die niedere Gebirgskette quer vor ihnen war das letzte Hindernis.

Die Sonne war hoher gekommen. Doch her kühle Morgenwind hatte sich auch um die Mittags­zeit nicht gelegt. Im Gegenteil. Er war von Stunde zu Stunde kälter geworden.

Jetzt ging eine seltsame Veränderung des Himmels vor sich. Die Sonne verschwend hinter einem grauen Dunstschleier. Gin eisiger 'Lustftrvw aus Nordwesten kam den Marschierenden ent­gegen. Welk und schwarz, wie verbrannt, hing das saftige Julilaub an Bäumen und Sträuchern (Fortsetzung folgt)

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