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Ur. 225 Zweites Blatt

DieUnschuld Frankreichs".

Zur Erinnerung an den 10. Jahrestag der Schlacht an der Marne hielt Herrivt in Meaux eine Rede, die sich im Gegensatz zu seinen von Versöhnung und Frieden triefende, Aussühiungen in Gens vor dem Völkerbund recht kriegerisch und reichlich haßerfüllt ausnahmIch habe die Un­schuld Frankreichs binausgeschrien" rief er in die Versammlung hinein Die Unschuld Frank­reichs! Das klingt verständlich im Munde eines französischen Rationalisten, nimmt sich aber mehr denn eigenartig aus in dem Munde des Sozia­listen imf Pazifisten Herrivt, der Friede, Wahr- heit und Versöhnung erstrebt. DieUnschuld Frankreichs"! Sie erhält eine eigenartige Eha- ralterisierung durch eine Veröffentlichung Viclvr MargueritteS in derEre Rouvelle vvm 28. August 1924. Und zwar machte er seine Aus­führungen aus Grund vonfranzösischen For­schungen einer kleine i Gruppe mutiger Histv» riker", die,da sie nur Diener der Wahrheit sind, als Anwälte der BocheS hingestellt werden".

Doch lassen wir Victor MargueritteS selbst sprechen. Er sagt in dem angeführten Aufsatz u. a.:

Welche Ratio-n hat in den dunklen Juli­lagen 1914 gierst die allgemeine Mobilmachung angcordnct und dadurch den europäischer Krieg unv rmeidsich gemacht? Rußland! Welche Ration aber trieb es mit Absicht, wenn nicht qav offen dazu an? Der Präsident der französischen Republik!

Er darf nicht mit Frankreich verwechselt wer­den, das in seiner breiten Masse ehrlich fried­fertig gesinnt war. Gestern habe ich an dieser Stelle den russischen Echuldanteil klar nahgewie- sen. Es bleib! mir noch übrig, die Schuld Po'm- cares aufzuzeigen . . . .

Untersuchen wir zunächst, von 1912 an, wo Pvincare '^tachfolgcr Eaillaux' wird, tas Zusam­mengehen mit Iswolsky, dir hinterhältige, mac° chiavellislische Arbeit: wie verwandelt man einen Dündn isvert rag, ein Instrument des Friedens, tn ein WerHeug des Krieges? ....

Der große Gedanke deS princaristischen Re­gimes wird ton Iswolsky durch sein Telegramm entschleiert, worin er am 29. Januar Petersburg über seine Unterredung mit dem Reuqewählten unterrichtete. Pvincare erklärte Iswolsky, daß erin feiner Eigenschaft als Präsident der Re­publik jede Möglichkeit habr, direkt die Austen­politik zu beeinflussen. Rach ihn (Poincare) sei es für die. französische Regierung von größter Wichtigkeit, dast die ftanzöißch: öffentliche Mei­nung im voraus darauf vorbereitet werde, an dem Kriege teilzu nehmen, der wegen der Balkan- frage ausbrechen konnte!"

Ein Jahr späte, alarmiert der belgisch: Ge­sandte, Taron Guillaume, offiziell Brüssel am 16. Januar 1914:Poincare, Delcasse, Millerand und ihre Freunde haben die nat onalistische, mili­taristisch: und chauvinistische Politik aufgebracht und fortgesetzt, deren Wiedergeburt wir festgestellt haben. Es ist das eine Gefahr für Europa--

und für Belgien!"

Ei,dlich schlägt in Serajewo die kritische Stunde. Wird unser Lolomotivführrr beim 5; er an- nahen des Zusammenstostes, von Angst gepackt, die Hebel herumreisten? ....

Aber nein, er läuft weg, um persönlich Sas- fanow anzufeuern und den schwankenden Riko- laus anzutrciben, hast Ruhlandf.stb.eiben" soll. (Siche Palsologue, Gruppi, Morhardt, Goutte- noire de Tvury, Montgelas.) Am 23. Juli abends verabschiedete er sich voller Vertrauen von jeinen Komplizen. Tags darauf, am 24. Juli, warder Krieg entschieden", wie wir von General Dobro- rolski erfahren haben, dem Mobilmachungschef des russischen Generalstäbs, derden Weltbrand angezündet hat".....

Am Morgen des 28. Juli bringt nun unser Gesandter Paleologue auf Befehl vom Kreuzer France", der ELsar und sein Glück zurückbrachte, Rußland die königlich: Versicherung (Der Staat bin ich"), dast Frankreick gegebenenfalls entschlos­sen sei, seine Bündnispf lichten zu erfüllen. Dies geschah wahrend der englisch-deutschen Vermitt­lung. Bon feiten Wilhelms wenigstens war sie ehrlich, da er erst in der Rächt vom 30. auf 31. Juli Oesterreich fein: militärische Hilfe verspricht, aber erst nach T:k:nntw:rden der Mobilmachung Rustlands gegen Oesterreich und unter der Be­dingung,nicht leichtsinnig in den Weltbrand hineingerissen zu werden" ....

Las Feuer ist an d:n Herd gelegt. So wur­den wir ohne unf:r Wissen in de, Abgrund ge­trieben. Unter dem Detmantel der Eeh.iindiplo- matic opferte uns ein konstituionell geschTninkter Autokrat seinem Traume ....

Die Mehrzahl der Franzosen glaubt heute noch fest daran dast wir am 2. August 1914 mit einem so schönen Plan in den Krieg gezogen find, weil wir durch den deutschen 'Angriff dazu gezwungen worden seien ....

Seltsame Flitterwochen

Roman von Arnold Fredericks.

1. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

Unsinn. Es ist wkchtig. Die Kosten spielen keine Rolle. Machen Sie Ihre Bedingungen!"

Darum handelt es sich nicht, Herr Hodgman. Ich übe, augenblicklich wenigstens, meinen Beruf nicht mehr aus."

Weist ich." Der Besucher streifte ungedul­dig die Asche von feiner Zigarre und durch­suchte aufgeregt seine Taschen nach einem -Zünd­holz.Das sagte man mir in_ Ihrem Bureau in Reuyork: Sie seien in den Flitterwochen und nicht gerne gestört."

So ist's."

Ich teil/e es Herrn Stapleton mit. Er schickte mich zu Ihnen, um mit Ihnen darüber zu sprechen: er meint, wenn Sie die Ur'ache erfah­ren, ändern Eie vielleicht Ihren Entschluß."

Das ist ganz unmöglich. Ich will mich jetzt um keine Detektiv-Sache zu kümmern haben."

Hodgman rückte nervös auf seinem Stuhl hin und her.Hören Sie, was ich Ihnen zu sagen habe. Herr Duvall. Ich möchte vichL zu Herrn Stapleton zurückkehren, ch,e Ihnen we­nigstens den Fall erklärt zu haben."

Duvall lehnte sich zurück und liebkoste die lange feuchte Rase des Hundes, der sich neben den Stuhl seines Herrn gesetzt hatte.Wem Sie darauf beharren, Herr Hodgman, will ich Sie anhören, aber ich versichere Ihnen, es ist ganz überflüssig."

Ich hoffe das Gegenteil. Der Fall ist sehr

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)

Manmarschierte" im Glauben an die Ver­bindlichkeit der Verträge. Set rüg, plumpe: höch­ster Betrug! Richts verpflichtete uns, als di: Treibereien unseres Präsidenten der Republik, der unsleichtsinnig mit svrtrist . und die Um triebe feiner Trabanten Rene Viviani und Mau­rice Paleologue, deren traurige Rolle nach allen Fälschungen und Unterschlagungen nach 12 Jah­ren im Gelbbuch klar in die Erscheinung tritt.

Und nun das Geständnis aus dem Munde des größten Schuldigen selbst: Am 1. August, um 11 Uhr abends - 7 Stunden nach Bekannt­machung unseres allgemeinen Geste!lungsbe sehles, der, wie heute bekannt ist, in der Ulacht vom 29. auf 30. Juli, ja sogar schon am 29. Juli nachmittags im Ministerrat unmittelbar nach An­kunft Eäfar-Poincares und seines Schattens Vi­viani beschlvlsen wurde bestätigte der Präsi­dent der Republck Iswolsky noch einmal die volle Unterstützung seiner Regierung nach dem deutschen Ultimatum an Rustland und erklärte:

Was die Formalität der Kriegserklärung, zu der das Parlament das Vorrecht habe, an^ belange, so würde, wenn er auch an der Ein­willigung des Parlaments nicht zweifele, es doch vorziehen, dast Deutschland die Jnitiatire dazu ergriffe. Unter anderen Vorteilen würde man dadurch auch nocheine öffentliche Debatte über die Anwendung des Vertrages ver­meiden"."

Warum diese Vorsichtsmaßnahme? Warum diefc späte Furcht vor dem Parlament . . . und vor Frankreich?

Weil - das mußte man damals nicht das sranzösisch-rusfischc Bündnis Frankreich nur für den Fall verpflichtete, daß eine Rdacht des Dreibundes zuerst mobil mache und nach dem abgeänderten, feit 1906 gültigen, geheim geh,l e- neu Wortlaut - nur für den Fall, dast diese Macht Deutschland wäre. «Protokolle des Eene- ralslabs, russisches Blaubuch S. 697 ff.).

Man vergegenwärtige fich die chronologische Reihenfolge der allgemeinen Mobilmachung! Zu­erst erfolgte dis russische Mobilmachung, dann die österreichische, bann die französische und endlich die deutsch:- So sind denn im ©tauben an die Verbindlichkeit der Verträge 1 700 000 Franzosen gefallen. So wurden infolge der Doppelzüngig­keit der hohen Dertragschliester Millionen Lote und Milliarden Ruinen dargebracht dn reiner Verlust für die Menschheit. Das hindert jedoch den ewigen Schwäher, den Advokaten in der roten Robe nicht, immer noch im Ramen des Rechts an den Gräbern der Opfer zu sprechen!"

Tas sagt Victor Margu:rittes in derEre Rouveile" auf Grund französische Forschungen. Davon weist natürlich Herrivt, derFreund des Friedens, der Versöhnung und der Wahrheit", nichts, weist er es wirklich nicht? Jedenfalls ruft er dieUnschuld Frankreichs" hinaus! Wie must bann erst ein schuldiges Frankreich aussehen!

Kreistag bes Kreises Bübingen.

(Eigener Bericht desGiest. Anz.".

* Büdingen, 20. September 1924.

Unter dem Vorsitz des Kreisdirektors Dr. Gähner trat heute im hiesigen Rathaussaal der Kreistag des Kreises Büdingen zu einer Sitzung zusammen, zu der sämtliche Abge­ordneten erschienen waren. Rach beu Begrühung ber Versammlung gedachte der Vorsitzende des vor zwei Tagen verschiedenen Mitglieds Bürgermeister Erk- Ridda.

Vor Eintritt in die Tagesordnung erhielt der frühere Kreisdirektor Werner das Wort. In einer längeren Ansprache verabschiedete er sich von dem Kreistag. Bürgermeister Fendt- Bü­bingen bebauerte bas Scheiben des Kreisbirektors Werner, ber nach Groß-Gerau versetzt ist, im Ra­men aller, unb bankte ihm für die gewährte Unter­stützung.

Bei der Erledigung der Tagesordnung wies der Vorsitzende zu Punkt 3, Wanderhaus­haltungsschule, darauf hin, dast es im ver­gangenen Jahre infolge der Geldentwertung zeit­weilig nicht möglich war, Kurfe abzuhalten. Erft im Herbst, als die Verhältnisse wieder stabiler wurden, konnten noch 3 Kurse abgehatten werden.

Die Genehmigung derKreditüberschrei- tungen imRj. 1923 wurde debattelos erteilt. Der Kreistag gab seine Zustimmung dazu, dast ein Rachtragsvvranschlag für 1923 nicht aufge­stellt wird, und genehmigte die für 1923 von den Gemeinden bereits erhobene nachträgliche Kreis­umlage in Höhe von rund 95 500 Billionen Mk.

Bei der Beratung des Kreiskassen- Voranschlags für 1924 kam es zu einer regen Aussprache. Der Vorsitzende wies darauf hin, dast bei der Aufstellung des Voranschlags die Vorkriegszahlen als Grundlage angenommen worden seien. Die schlechte wirtschaftliche Lage des Kreises habe zu äusterster Sparsamkeit gezwun­gen. 5>ied sei auch schon daraus ersichtlich, dast

der Voranschlag für 1914 mit 450 000 Mk. und der für 1924 mit 398 000 Mk. balanciere. Auch an ber Steuer könne dies noch erfannt werden: während in 1914 eine Kreissteuer von 190 000 Mk. erhoben worden sei, werde dieses Jahr nur eine solche von 170 000 Mk. erforderlich In der Einzelberatung des Voranschlags kam es u. a. zu einer längeren Besprechung des Personalabbaues, die aber schließlich zur unveränderten Annahme der im Doranscblag vorgesehenen Kredite führte. Weiter wurde noch die Frage der Tagegelder der mittleren Daubeamt en erörtert. Die im Voranschlag hierfür vorgesehene Summe von 3000 Mk. würbe auf 2000 Mk. herabgesetzt Auch seine Tagegelber selbst setzte der Kreistag, auf Antrag bes Mitglieds M ä f e r- Wols, herunter. (Zur Rachcchmung empfohlen. D. Red.) Seither wurden die gleichen Ne ge­zahlt, toic sie die Landtags«bgevrdnelen erhalten. Diese betragen 10 Mk. für auswärtige und 8 Mk. für ein heimische 'Abgeordnete. Diese ©ähc wur­den ermässigt aus 8 bzw. 6 Mk. Vei dem Kapitel Wohlfahrtspflege wurden von einzelnen Abgeordneten Anträge auf Erhöhung der vorgesehenen Beträge gestellt. Die An­träge wurden jedoch zurückgezogen, als Regic- rungsrat W o l s darauf hinwies, dast alle Zahlen dieser Rubrik willkürlich angenommen worden feien, da die ganze Wohlfahrtspflege erst neu ge­regelt fei und sich nicht überblicken lasse, wie­weit die Beträge ausreichend seien. Sollte es not­wendig werden, baß der eine ober ber anberc Be­trag überschritten werben müßte, so könne biefe Ucberfdjreitung nachträglich genehmigt werben. Bei ber Besprechung ber Kosten bes Arbeits­nachweises Friebberg-Bübingen wies Kreisausschutzmitglieb Dietz barauf hin, baß bie vom Kreisamt angestrebte Trennung berbet- b e n Kreise unsozial unb für bie Erwerbslosen ungünstig sei. Er bat, von ber Trennung Abstanb zu nehmen. Regierungsrat Wolf führte hierzu aus, baß auf Grunb eines biesbezügl. Kreisaus- fchustbeschlusses bereits ein Antrag auf Trennung bei dem Ministerium gestellt fei, und zwar aus fol­genden Gründen: Der Kreis Bübingen habe jetzt einen ilebcrfchuß von rb. 50 000 Mk. in ber Kasse. Hiervon könnten ohne Beitrage der Arbeitgeber und -nehmer bie Erwerbslosen des Kreises, die etwa 60 Mann, z. Z. betragen, mindestens ein halbes Jahr unterstützt werden. Durch ben An° schluß des Kreises Friedberg jedoch, der bedeutend mehr Erwerbslose habe, konnten seither die Bei­träge von 3 Proz. nicht heruntergcseht werden.

Der Spezialvoranschlag für das Kreis- kinderheim für 1924 wurde unverändert an­genommen.

Im übrigen wurde der Voranschlag, ber bie Erhebung einer Kreis st euer von 1 70 000 Mark vorsieht unb mit 398900 Mk. balanciert, genehmigt.

Bei ber Besprechung des K r e i s st r a ß en- unter Haltungsvoranschlags für 1925 führten insbesondere die Kreistags-Mitglieder aus den Bezirken Ridda und Echzell Klage darüber, baß ihre Straßen in bebcutenb schlechterem Zustanbe seien, als biejeni- gen anberer Bezirke. Sie baten, wenn irgenb mög­lich, auch ihre Bezirke besser zu berücksichtigen. Re­gierungsbaurat Funk führte bazu aus, baß bie Straßen toieber langsam aus ben Zustanb, wie er vor bem Kriege war, gebracht werben sollen. Hier­zu seien jeddch mehrere Jahre nottoenbig. Der Kreisstrahenunterhaltungsvoranschlag würbe als- baim unveränbert angenommen mit ber Maßgabe, baß er nur bann ausgeführt werben barf, wenn bie Straßen Eigentum bes Kreises bleiben. Der Kreistag ist ber Ansicht, baß bie geplante Liebergabe ber Kreisstraßen an die Pro­vinz keinen Vorteil für bie länblichen Bezirke bebeute. Die Provinz würbe bann nur bie Haupt­verkehrsstraßen instanbhaltv lassen unb bie ab­gelegener-: n nicht.

Der Trennung ber Gemarkung Grund- Schwalheim von der Gemeinde Unter« Widders heim als selbständige Gemeinbe wurde zugestimmt.

Sodann wurde noch der § 36 der Kreis­feuerlöschordnung dahin abgeändert, baß für Branbhilfe folgende Vergütungen festgesetzt wurden: 1. für 2 Pferde einschließlich Vergütung ftir den Fuhrmann für eine Zeit bis zu drei Stunden 5 Mk.: 2. für einen Wagen 2 Mk.: 3. die Mannschaften erhalten pro Kopf unb Stunde 25 Pf., jedoch höchstens 2,50 Mk.

Schöffengericht.

Gießen, 17. Sept. Unter Ausschluß der Oeffentlichfeit wurde gegen den Kellner Arth. Kühnlein von Bad-Rau heim wegen Rot- zuchtsversuchs verhandelt. Das Gericht hielt nicht für einwandfrei nachgewiesen, daß der stark an­getrunkene Angeklagte das Mädchen habe ge­brauchen wollen und verurteilte ihn wegen ge-

traurig. Herrn Stapletons einziges Kind ist ihm geraubt worden."

Geraubt?" Mit einem Ruck stand Duvall, jeder Zug seines Gesichtes von beruflicher Reu- gierde angespannt.Wann? Wo?"

In Paris. Das Kabel traf heute früh ein. Einzelheiten weiß ich noch feine. Frau Stapleton hat den Winter im Ausland verbracht. Herr Stapleton, der hier geblieben war, wollte diesen Monat mit ihr zusammen treffen Sie wohnt in ihrem Haus in ber Avenue Kleber in Paris. Das Kind war mir seiner Wärterin spazieren gegangen und ist geraubt worden. Mehr weiß ich nicht."

Wann geschah dies?"

Gestern morgen. Frau Stapleton hat nicht gleich gekabelt, da sie hoffte, der Knabe würde tagsüber miedet aufgefunfcen werden. Ratürlich wünschte sie ihren Gemahl richt unnötig zu be­unruhigen. Zudem scheint ihr der Pvllzeipräfett die bestimmte Zusicherung gegeben zu haben, daß das Kind vor Rächt gefunden würbe. Ties traf nicht ein. Heute früh erhielt Herr Stapleton ein langes Telegramm von seiner Frau, worin sie ihm das Verschwinden des Knaben ntitteilie. Er ist halb verrückt durch den Verlust."

Was will er tun?

Ich weiß es nicht. Er beauftragte mich, Sie sofort zu sprechen. Ich bin sein Sekretär. Sollte ich Sie in Reuyork nicht finden, fo sollte ich hierher fahren. Vor einer Stunde kam ich in Washington an und fuhr sofort heraus. Herr Stapleton meint, wenn jemand feinen Jungen auffinden kann, so find Sie es."

Vermutlich handelt es fich um Erpreffung Lösegeld - "

Höchst wahrscheinlich Cs wird sich um eine sehr hohe Summe handeln. Soviel mir bekannt ist, sind noch keine Rachfvrschungen angestellt. Liese Burschen warten gewöhnlich acht ober vier­zehn Tage, bevor sie ein Nbenszeichen geben, um bie unglücklichen Eltern zur Zahlung bes Lösegeldes gefügiger zu maten."

'Ja. Las ist ber übliche Gang. Eine Ge­meinheit. Hangen ist noch zu mild für solche Schurken."

Das sag' ich auch Ich berrfc, Sie können Herrn Stapletons Gefühle begreifen."

Selbstverftänblich. Er fährt unverzüglich ab, wie ich cinnehme, nicht?"

Das ist bas Schlimmfte, baß er es vor Samstag nicht kann. Morgen ist Donnerstag - drei Tage bis dahin! Es find viele Millionen im Spiel, eine Sache, an deren Durchführung T seit Qltonatcn arbeitet. Ratürlich würde dies für ihn persönlich keine Rolle finden, da es fich um sein Kind handelt, aber er muß an seine Leichäver denken Leute, die ihm ihr Geld anvertraul hsben. Er farm unmöglich vo. Sams­tag gehen. Er bittet Sie, vorausZufuhren Der nächste Dampfer geht morgen früh. Lea könnten Sie benützen. Heute nacht können wir das nähere besprechen. Obschon es anstrengend ist." Er warf einen Blick auf feine Uhr.Jetzt ist es sechs vorbei. Dor dem Schlafwagenzug um Mitter­nacht fährt feiner Herr Staplewn ist einver­standen, daß wir uns einen Crtra^rg leisten. Wenn wir nirs sofort auf den Weg machen, kön­nen wir früh ein Uhr tn Reuyork fein."

Duvall sah in Gedanken stirnrunzelnd das nahe, frischgepflügte Feld und dachte an seine morgige Arbeit. Aber es handelte sich um einen

Montag, 22. September 1924

walt sanier Vornahme unzüchtiger Handlungen zv 6 Monaten Gefängnis.

Das Diensttnäbchen B. Schm, von Vutzbach hatte behauptet, der Kesselschmied H D von dort habe am 15 7. 24 versucht, sie trotz ihres Sträubens zu vergewaltigen Die Verhandlung ergab derartige starke Zweifel an der Glaub­würdigkeit der Schm, daß der Angeklagte frei' gesprochen wurde.

In der Rächt vom 5. zum 6. 3 24 war bei dem Uhrmacher Hamburger in Gebern cinge- br ocheir unb der Laden ausgeraubl morden. Die gestohlenen Sachen tourben im Besitze bes Berg­manns Philipp Mayer von Fraulautern unb des Kausmaims Johann Paulus von Balbach, bie m Frankfurt a. M. bei dem Koch Otto R i e s c r wohnlen, aufgefunben. Beide machten bei ihren verschiedenen Vernehmungen über den Erwerb der Sachen die verschiedensten Angaben, so wollte sie Mayer z. B einmal am 4 3 24 (also vor dem Diebstahl!) in «Saari brücken gekauft haben. Beide reisten unter fal­schen Ramen und sind insbesondere Mayer erheblich vorbestraft. Riefer Hatte von ihneir einen Teil des Erlöses aus dem Berkaus zweier ge­stohlener Uhren als Entschädigung für Ausladen erhalten Aus Grund zahlreicher Indizien hielt das Gericht die Angeklagten für überführt unb verurteilte Mayer zu 3Jahren Zucht­haus, Paulus zu 1 Jahr 3 Monaten Zuchthaus unb Riefer zu 50 Mk. Ge lö­st r a f e anstelle von 5 Tagen Gefängnis

Wirtschaft.

. * Der Bergbau im Lahn- und Din­ge b i c t im August. Auch der Monat Argust brachte für den Absatz von Lahn- Mid Dillerzen Icincrloi Besserung. Fast könnte man sogar von einer Rückwärisentcricklung des Versandes spre- chcir, wenn eine solche überhaupt noch möglich wäre. Tie wiederholten Eingaben und Person lichcn Vorstellungen der Verghiutreibenden hatten schließlich das Ergebnis, daß mit Wirkung vom 20. August ab der Arsnahmetaris 7a für Eisen­erze um 25 Proz. ermäßigt wurde. Diese Maß­nahme der Reichsbahnverwaltung hat alfent- Halbcn tiefste Enttäuschung hinterlassen, denn sie ergibt sich als ein Versuch, mit vollkommen unz r- länglichen Mitteln den Absatz aus bem Heimischen Eisensteinmarkt z,u beleben. Wenn dieses Ziel erreicht werden soll, so kann dies nur durch ein-' wirklich ausreichende Tarifermäßigung geschehen, welche das Wettbewerbsverhältnis der Vorkriegs­zeit gegenüber anderen hochwertigen Erzen, roenn auch bei weitem nicht völlig, so doch einigermaßen annähernd wieder herstellt. Es ist daher uner­läßlich, daß die Ciseirbahnverwaltang den Eisen» stcintaris weiter fenft, um den Eisenerzbergbau vor völligem Erliegen zu bewahren - Bei einer Heineren Zahl von Grubenbetrieben ist die Wiederaufnahme der Arbeit nach Aufhören der tarifvertraglichen Abmachungei, unter wirischaft- lichen Arbeitsbedingungen versucht worden. Die hierzu hinsichtlich der verlängerten Arbeitszett erforderliche behördliche Genehmigung wurde durch die zuständigen Bergrevierb:amten befristet erteilt. Ob aus diesem Wege weiter sortgeschrit- ten werden wird, bleibt noch abzuwarten.

* Eröffnung der Groß-Berliner Tabakmesse. Die Groß Berliner Tabakmesse wurde am Samstag eröffnet. Der Eröffnungs­feier wohnten Vertreter des Staates und der städtischen Behörden, der Presse und andere Ehrengäste bei. Unter ben 300 Ausstellern sind fast alle bekannten Firmen ber Tabakbranche verrieten. Die Leitung ber Messe liegt in ben Händen des Direttors Johannes Wiel. Im Anschluß an die Eröffnungsfeier fand ein Rand­gang durch die Messe statt die durch ben ein­heitlichen geschmackvollen Ausbau der Stände einen wirkungsvollen Anblick bietet. Die Messe ist vom 20. bis 23. September einschl. nur für Tabakmteresfenten geöffnet.

* Stahlwerke Decker A. G. - Willich. Wie dieKöln. Ztg." erfährt, würbe tn bet Gläubigerbeiratsfihung des Vorstandes ber Stahl­werke 'Beeter A. G. in Willich mitgeteilt, daß bw Zustimmung ber erforderlichen Majorität zar Einleitung des Vergleichsverfahrens und za ent» fprechenber Verlängerung der Geschästsaufsicht vorliege. Der Vorstand ist demgemäß beauftragt worden, die Verlängerung ber Gefchäftsaufficht zunächst bis zum 4. Oktober za beantragen, hi- mit bis dahin ber bem Gericht eingeretchte Ver- gleichsvorfchlag fertiggeftellt werden kann.

* De t r i eb sei n f ch ra n ku n gen bei Aug. Thyssen. Infolge Auftragsmangels sieht fich die August-Thyffen-Hütte in Hamborn ver­anlaßt, in 5 Walzstraßen deS Walzwerkes bis aus weiteres zwei Feierschichten einzulegen. (Deleg- schast 12 000 Mann.)

* Berliner Handelsgesellschaft Berlin. Die a. o. G.-V. am 20. September ge­nehmigte die borgetegte Golderöffnungsbilanz auf

Mann, ja einen Freunb, der ihm zu Beginn fei­ner früheren Tätigkeit viel geholfen hatte unb ber ihn um feinen Bei staub bat, wo es um Geben unb Tob ging.

Er war vor eine schwere ßntßßeibung gestellt. Der Gedanke, Grace zu verlassen, stimmte ihn traurig. Sollte er gehen, so würbe sie schon auf bie Arbeit hier acht geben. Er wußte, daß sie mit Hilfe beS Aufsehers und der Leute während feiner kurzen Abwesenheit schon imstande wäre, das Qtotige zu besorgen. Es schien ihm sicher, daß seine Abwesenheit nicht länger als drei biS vier Wochen dauern forme.

Hodgman unterbrach ihn in feinem Grübeln. Wollen Eie gehen, Herr Duvall? Herr Staple­ton ist auf Sie angewiesen. Er hat unbegrenztes Vertrauen zu Ihnen. Er weiß, daß Sie in Paris bahttrn sind -- infolge Ihrer dortigen Tätigkeit. Er ist überzeugt, baß er feinen Jungen zurücker- hält, wenn er die Sache einem CanMmartn über­gibt. In fremde Detektiv: hat er kein Zutrauen. ES liegt ihm am Herzen, baß Ihre Abreise nach Paris sofort stattsinbet. Ich form nicht unver­richteter Dinge heimfahren."

Hodgman sprach infolge seiner Erregung laut unb ernst. So hatte Weber er, noch Duvall be­merkt, baß Grace sich genähert hatte unb im offenen Hausflur stand.

Bevor der Detektiv antworten konnte, fragte Grace unruhigWas gibt es denn, Richard?"

Duvall erhob sich, stellte Hodgman seiner Frau vor und bat sie, Platz zu nehmen. Dann erklärte er ihr in kurzen Worien die Begeben­heiten, die den Besucher hergeführt hatten

(Fortsetzung folga.)