m. (96 Zwettez Bian Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Der Transatlantik-Flug.
Don James D. Wharton.
II*.
Als mir der führende Ingenieur der Zeppe- linwerke erklärt, daß Z. R. 3 zu klein für einen dauernden transatlantischen Dienst ist, muhte ich lächeln. Der Riesenkreuzer ist nämlich etwa 1/8 engl. Meile lang - genau 660 Fuh — 83 Fuh breit und besitzt einen Rauminhalt von 2 4 00 0 0 0 Kubikfuh. Das Fahrzeug kann 80 Domren, darunter 43 Donnen Auhlast, mit sich sühreir, d. h. dieses Riesengewicht kann das Luftschiff in Form von Passagieren oder Frachtgut befördern. Die 'Besatzung be trägt 24 Personen, darunter ten eigentlichen Leiter, verschiedene Offiziere, Techniker, Seilmacher, Radwvperateure. Küche und Stewards. Für 2 0 Passagiere ist Schlafgelegenheit vor Händen. Die Fahrschnelligkeit beträgt etwa 68 englische Meilen in der Stunde, so daß der ganze Tvansatlanti^lug etwa 70—80 Stunden in An spruch nehmen dürfte.
Wenn das Luftschiff sich in die Luft erhebt, gleicht es einem riesigen Fische,, wobei bte seitlichen Tragflächen den Flossen des Fisches ähnlich sehen, während der silberfarbene Körper gleichfalls stark an einen Fisch erinnert.
Beim ersten Anblick erscheint das Fahrzeug außerordentlich plump, nur wenn man es genau betrachtet oder sich von einem Fachmann die Einzelheiten erklären läßt, bemerkt man, daß bei der ganzen Durchführung doch austerordentliche Rücksicht auf wohlgefällige Form, ja man kann sagen, auf Grazie genommen wurde. Steuerung und mascyrnelle Ausrüstung sind ein modernes Wunder. Einige Vergleiche müssen dies ertäw fern: Das Gewicht des Lustlreuzers entspricht demjenigen eines kleinen Fischkutters, es hat aber einen gröberen Raumiichalt, als der größte Ozeandampfer. Tas ist auch der Punkt, wo die 50011= struttionsschwierigteiten lagen. Jeder Teil des riesigen Fahrzeuges muh auhervrdentlich leicht Und doch ungewöhilich stabil sein. Seine Außrn- bcflctbung ist nicht wie beim Schiffe aus Stahl, sondern aus dünnem Segeltuch, das Rahmenwerk ganz leichtes Aluminium, der Fußboden ist von einem besonders festen und zähen Holz von rächt stärkerer Dicke als einer Zigarrenkiste.
Vom Kopf bis MM Schwanz — um beim Vergleich des Fisches zu bleiben — laust eine Art Rückgrat, ähnlich wie das Grätengerüst beim Fisch, in welchem ein Gang durch das ganze Schiff hin verläuft. An jeder Seite sind große Kanister für Petroleum, Benzin und Wasser angebracht. Kurze Seitengänge führen M ben fünf Maschinenräumen, tx>n denen sich je Mei auf einer Seite und einer am Ende befinden. Selbst wenn das Schiff vollkommen mit Gas gefüllt ist, kann man dasselbe von Anfang bis Eiche durchschreiten, da die 13 Gasbehälter sich nicht bis zu dem Gang, der durch das Rückgrat läuft, erstrecken. Der vordere Teil des Untergestells, das mit dem Hauptstück des Luftschiffes in Verbindung steht, enthält den Führerstand mit den Lenk- und Steuervorrichtungen, bann folgt der Radi)vaum mit einer Radiveinrichtung von einem Wirkungskreise von etwa 3000 englischen Meilen. Die Straft hierzu wird durch einen darüber befindlichen Windmotor erzeugt. Die Stärke der Radi Einrichtung ist so groß, baß bas Schiff bereits mit Amerika in Verbindung treten kann, wenn es noch nicht außer Sicht Europas ist. Hinter dem Radioraum beftnden sich die Gästeräume, die Waschräume, der Speiseraum und die Küchen- anlagen, die mit ihrem elektrischen Ofen, dessen Kraft gleichfalls durch einen mit Windnwtorkvaft betriebenen elektrischen Dynamo erzeugt wird, be- bient wird. Jede der Luxuskabinen ist in der Ausstattung komfortabler als ein»Pullmannwaqen. Hinter den Gästekabinen befinden sich die Schlafräume der Bebienungsmannschast, mit Hängematten ausgestattet. Rachdem nunmehr Amerika sich für den Ausbau seines Luftverkehrswesens durch Luftschiffe entschlossen hat, fragt es sich, wie die Aussichten für einen Handelsbetrieb dieses Beförderungsmittels liegen. Ein Rückblick mag hier Anhaltspunkte geben. In Deutschland wurde bereits vor dem Kriege ein Luftverkehr als praktisch durchführbar angenommen. Bereits im Jahre 1910 bestand in Deutschland eine Gesellschaft, die sich mit dem Betriebe von Luftschiffen befaßte. Von diesem Zeitpunkte an bis zum Kriegsausbruch, mit weichem alle verfügbaren Zeppelins für Militärgebrauch beschlagnu-chmi wurden, hatte dieser Konzern, der fünf Fahrzeuge in Betrieb hatte, folgendes Ergebnis seines Betriebes auf- zuweisen:
Anzahl der Flüge 1588
Dauer der Flüge (Std.) 3167
*) Siehe Ar. 192 des „Gieß. Anz.".
Philosophie im Garten.
Der Garten spiegelt in seiner wechselnden Gestaltung die feinsten Empfindungen und Gefühle, die der Mensch der Aatur gegenüber hegt, denn er will ja in diesem Stück Land, das er mit ferner Persönlichkeit erfüllt, eine 3bealform der Landschaft schaffen, die er am meisten liebt. Aber nicht nur edle Grüble, sondern auch hohe Gedanken sind schon im Garten ausgedrückt worden. Das 17. und 18. Jahrhundert haben ganze naturphilo- svphische Systeme in die Anlage und den Ausbau des Gartens hineingeheimnißt. Solche barocke Gartenphilosophie blieb jedoch Spielerei. Dagegen haben die Japaner, die ernte so wundervolle Gartenkultur besitzen, ihre Weltanschauung wirklich in der Formung der Aatur zum Ausdruck gebracht, freilich eine uns ft em de Weltanschauung, deren Tiefe man aber begreifen muß, um die Schönheit des japanischen Gartens zu erfassen. Der bekannte Gartenfachrnarm Eamillo Schneider behandelte diese eigentümliche Philosophie im Garten der Japaner in einem Aufsatz der „Gartenschönheit", der zugleich durch eine Fülle sehr interessanter Aufnahmen aus japanischen Gärten diese exotische Welt uns nahe bringt. Der Garten ist für den Ostasiaten in erster Linie eine Zufluchtsstätte zu beschaulichem Aachdenken und deshalb mit dem Temperament und der Beschäftigung des Besitzers in Einklang gebracht. Der Garten eines Priesters ober Dichters ist so angelegt, daß sich in ihm der Charakter würdevoller Einsamkeit, Tugendhaftig- keit und Selbstverleugnung ausdrückt; der Garten des Samvrai oder Ritters atmet wieder eine stolze, kriegerische Stimmung. Sv hat die japanische Gartenkunst sich eine Kunstsprache ausgebildet, die tor nicht nur ermöglicht, bestimmte Gefühle aus- jpidrücken, sondern auch Sinnbilder der Sittlich-
Zahl der zurückgclegten Kilometer 172 535 Anzahl der beförderten Passagiere 34 228
Die fünf Luftschiffe, die im Dienste dieses Konzerns ftanben, hatten jedoch keine reguläre Route. Erst nach dem Kriege wurde der erste regelmäßige tägliche Passagierdienst eröffne! Die „Bodensee" vertehrte damals täglich zwischen Friedrichshafen und Berlin, wobei die Re.se etwa 5—8 Stunden dauerte. Der Fahrpreis bet.ug runb 80 Mark, was etwa dem Preise der ersten Klasse Cisenbahnsah-rt zwischen beiden Orten entspricht Die „Bodensee" machte 80 Flüge in 98 Tagen, wobei 18 Tage für ungünstiges Wetter zu rech ea sind, an denen das Schiff in der Halle blieb, sowie für Flüge außerhalb des normalen Programms. Ein Schwesterschiff, die „Aorbsiern", wurde im Jahre 1919 gebaut und sollte gleichfalls dem Verkehr zwischen Berlin und Fr^edffchshafen dienen, es wurde jedoch bald nach der Fertigstellung von der interalliierten Kontoallkvmmi imr beschlagnahmt . Die „Bodensee" wurde als erstes der deutschen Zeppeline an Frankreich abgeliefert, die „Aorbfiern" nach Italien gegeben.
Allgemeine Annahme, daß der Flugzeug» oder Lustschifsahrtvertehr außergewöhirlich teuer ist, ist irrig. Zahlreiche Flugzeuglinien werden h utc in Europa mit großem Gewinn betrieben. Direkte Lustschiffverkehrsliirien bestehen noch nrcht, da bisher nur die Deutschen die Durchführung eines derartigen Verkehrs versucht haben. Die deutschen Luftfchifflinien warfen jedoch, bevor die Alliier en den Verkehr untersagten, einem etwa 30prvzentigen jährlichen Gewinn ab. Fachleute erklärten mir, daß sich eine Luftschiff ftnie im allgemeinen bezal-lt mache, wenn sie in der Lage ist, eine ebenso große Rutz last zu befördern, als sie im Stande ist an Betriebs material mitzu- fühoen. Der „Z. R. 3" hat, wie oben aufgeführt, eine Auhlast von 43 Tonnen und ist in der Lage, etwa 30 Tonnen an Betriebsstoff mit sich zu führen. Aach Abzug aller General- und Betri ebsun kosten ist das Fahrzeug baber in der Lage, noch über 10 Donnen an gemimt bringender Auhlast zu beforbem.
Aach Meinung der Fachleute emrnte man mit entsprechenden Luftschiffen leicht einen zehntägigen Rund-nm-bie- Weltluftverkehr einrichten, wobei die Reifen von Kontinent zu Kontinent im Luftschiffe und die Reisen auf den einzelnen Erdteilen durch anschließende Flugzeuglinien hergestellt werden könntet. Für lange Reisen ist der Luftschiffdienst angenehmer als das Flugzeug, da der Reisende sich leichter gegen schlechtes Wetter schützen kann.
Obwohl der Bau von Luftschiffen in dir Zeppelinwerft mit Ausnahme d:s „ Z. R. 3" unter dem Drucke der interalliierten Kontrollkommission ausgesetzt hat, hat man doch die technischen Studien bei den Werken weitergeführt.
Die Pläne und Berechnungen, die von den Deutschen in langwieriger Arbeit aufgestellt werden, die aber aus der Ungunft der Verhältnisse heraus nie zur Ausführung gelangen konnten, dürften damit nunmehr in die Härckre der Goobtzear-Zeppelin--Eorporativn in Mron, Oh o, übergehen. Verschiedene Mitglieder der Zeppelin- gesellschäst werden sich auch mit nach Amerika begeben, um dort für den neuen Konzern tätig zu sein. Die Zukunftspläne enthalten u. a Ausarbeitungen eines langen -Heberfanbflugeß für Passagiere in Fahrzeugen von doppelter ®rößc des „Z. R. 3", äleberwachung des transaftankischen Dienstes unb Einrichtung eines halbtäglichen Vev- tcbr£ zwischen Aeuyvrt und Chicago. Für diesen Verkehr haben Ingenieure der Zeppelinwerften vor kurzem die Vereinigten Staaten besucht, um die Möglichkeiten für dessen Durchführung zu untersuchen. Das Ergebnis spar äußerst günstig, indem man für den Sommer die Durchführung eines 12 Stundenbiettstes mit 100 Proz. Sicherheit und Regelmäßigkeit und für den Winter einen Prozentsatz von 80—90 Proz. errechnete.
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Friedr ichs Hafen, 20. Aug. (WTD.) Heute vormittag fand die Besichtrgung des für Amerika bestimmten Luftschiffes durch etwa 150 Vertreter der deutschen und auswärtigen Presse statt. Die Füllung des Luftschiffes, mit ber am Montag begonnen worben ist, wird 6 bis 7 Tage dauern. Mitte nächster Woche finden die ersten etwa zweistündigen Probffahrten statt. Von dem Ergebnis dieser Fahrten wird der Termin für die weiter in Aussicht genommenen beiden Fahrten abhängen, nach deren Gelingen die große Probefahrt vorgenommen werden soll, die nach Möglichkeit die großen Städte Deutschlands eventuell auch Schweden berühren wird. Der Weg der Fahrt ist von der Wetterlage abhängig. Aach dieser großen Probefahrt wird das Luftschiff zur äleberführung nach Amerika klar gemacht, die bei günstigem Wetter voraussichtlich Mitte September ftattftnbet.
feit unb Weisheit aufzustellen. Der Garten wird zum Vermittler von Ideen und wirkt auf den Japaner, wie auf uns ein philosophisches Gedicht ober ein ibeales Gemälbe. Die Gartensprache des Japaners verfügt über bte mannigfachsten Aus- brucksmittel. die bei uns eine geringere Rolle spielen. Sv wird großer Wert gelegt auf die Schönheit der Steine, auf die Art der Drücken unb Lauben, auf Pagoden, Laternen usw. Festumris- sene Typen für Gärten haben sich herausgebildet. So gibt es Hügelgärten, Flachgärten, Seegärten, Durchgangsgärten, „Gärten des späten Frühlings, „Gärten für hohen Besuch" usw.
Die einzelnen Gartenarten haben wieder verschiedene Stilformen, in denen sie ausgeführt werden. So unterscheidet man beim Hügelgarten den „Meeresfelsenstll" mit felsigen Szenerien, den „breiten Flußstil" mit Wasserfall, den „Wildbach- fttt“ mit Gebirgsbach unb kleinem Teich, unb die „Seewogen-Szenerie", die die Mündung eines Flusses in einen See darstellt: endlich noch die „Schilfsumpf-Szenerie" mit niedrigen Hügeln und flachen Steinen. Genau festgelegt ftnb auch die einzelnen Steine, die in einem Hügelgarten angebracht werden müssen Da gibt es den .Wächterstein", ber im Gegensatz zu dem weiblichen, dem „Klippenstein", männlich ist. Ganz vorn imMittel- grunb liegt der „Stein der Anbetung", ber wie der Wächter stein in keinem japanffchen Garten fehlen darf. Von diesem Stein aus muß man den besten äleberblick über das Landschaftsbild genießen. Auch der „Stein der vollkommenen Aussicht" ist auf einen älmblick berechnet. Ein anderer Stein heißt ber .Wartestein". Der „Ehrensitzstein" wftd bem bevorzugtesten Gaste angeboten. Der „ Faulenzstein" befindet sich an einem schattigen Platz und lädt zum Träumen ein. Ganz ähnlich ist es mit den wichtigsten Bäumen im japanischen
Die Ruhegehälter der Offiziere.
Der D. O. D. Hessen schreibt uns:
Zu ber Mitteilung über das Dienstalter ber früher bei den Desirlskommandos tätigen Offiziere gibt die „Hessische Landeszettung" vom 16. August 1924 eine Mitteilung, die, damit keine Beunruhigung der betrefjenben Pensionäre eintritt, der Ergänzung bedarf.
In ber bem Pensionsgesetz 06 zugrunde liegenden Desoldungsvorschrift gab es nur einstufige Majors, Oberstleutnants ohne und mit Oberst- leutnantszulage und Regunentslommandeur-Ge- hälter usw. Die Pensionen dieser Gruppen stiegen mit den Jahren. Cs war dabei gleichgültig, wann z. D. ein Offizier die CBatailtond- oder Regimentskommandeur-Pension erdient hatte, zwei bis drei Jahre länger Truppen- oder Bezirckskom- manbeur war. Aach Einführung ber neuen Gehälter mit Stufen unb Gruppen haben sich nun zwischen dem Finanzministerium and bem D. O. B. Streitigkeiten ergeben, die vom R V.-Gericht teils zugunsten der Offiziere, teils zu deren Ungunst en entschieden worden sind. - In der Dienstvang- unb Dienstst sllungsfvage haben die Offiziere nach mehrfachen Obsiegen, wodurch bas Fmanzmini- ftcrium zu neuen einschränkenden Gesehen sich veranlaßt sah, nunmehr einen coieg im 1. Senat des R. D.-Gerichts errungen, so baß diese Frage bem großen Senat überwiesen wird.
Um diese Streitigkeiten aus der Welt za schassen, hat ber D. O. D. 2Inträge bei dem Reichstag gemacht, dieselben gesetzlich zu regeln. Unter anderem:
1. Wiederherstellung des durch bas Ermächtigungsgesetz gestrichenen Rechtszustandes. Auszahlung der Derstümmelungszulage, Kriegszulage, Kampfzuschlages, Tropen- und Seefahrckszillage usw. unbKriegs- witVengelber nach Pens.-Gesetz 06.
2. Wiederherstellung des Rechteanspruches auf Pensionierung nach ber Dienst stelle (unb nicht nach dem Dimrst grab.)
3. Verleihung des Rechtsanspruches an bte Reserve- usw. Offiziere nach Wahl nach R. V. G. ober Pensiynsgefetz 06 pensioniert zu werden, nach denselben Grundsätzen, wie die aftiben Offiziere.
4. Dolle Anrechnung der in einer Etats stelle des Heeres verbrachten Dienstzeit auf Besoldungsdienstalter (Offiziere bei den Bezirkskommandos ufto.).
5. Berechnung der Dienstzeit ber im Kriege — vor allen Dingen bei den Fronttumpstrjppen —wiederverwendetenOftiziere als Fortsrhung der attiven Dienstzeit.
Tie Deutsche Vollspartei, die Deutsch nationale und völkische Partei werden diese Wünsche unterstützen. Die D. V. P. hat sogar zu Punkt 1 einen diesbezüglichen Antrag eingebracht. Die neuen Gehälter sind in den obersten Stufen wesentlich erhöht worden. Man versteht es daher nicht, wenn bei- Finanzminister ausgerechnet bei den Kriegsbeschädigten und im Kriege wiederverwendeten alten Offizieren und Kriegswitwen sparen will.
Vom Fliegerlager auf der Wasserkuppe.
(Von bem Spezialberichterstatter des „Gieß. Anz.) Wasserkuppe, 19. Aug. 1924.
Seit Sonntag herrscht wieder ein unglaubliches Wetter hier oben. Die öffentliche Meinung, im Meßtrupp wenigstens, neigt immer mehr zu ber Ansicht, daran fei die große Zahl der hier versammelten Meteorologen, „Laubfrösche" genannt. schuld. Windgeschwindigkeiten bis über 20 Meter in der Sekunde wechseln ab mit beinahe windstillen Perioden. Dazu wie gewöhnlich Regen und Aebel. Aatürlich tft an fliegen nicht zu denken, und deshalb toirb der Gedanke bereits erwogen, die Dauer des Wettbewerbs zu verlängern. Sonst wäre es u. 11 nicht möglich, alle Preise, die z. T. recht ansehnlich sind, auszufliegen.
Den Weltrekord im Dauer-Segelflug, der eine Zeitlang in französischen Händen war, wurde von Schulz durch seinen glänzenden Flug von 8 Stunden 42 Minuten während des zweiten Deutschen Küstensegelflugs in Rv s - f itte n nach Deutschland zurückgebracht. Wir alle setzen große Hoffnungen auf ihn unb wünschen ihm neue Erfolge im diesjährigen Rhön- Segelftug-Wettbewerb, an bem er natürlich teilnimmt.
Zum ersten Male erscheinen bei bem diesjährigen Rhön-Segelf lug-Wettbewerb Flugzeuge
Garten, die ihre besonderen Aamen und ihre tie- fere Bedeutung haben. Der Hauptbaum, der im Mittelpunkt des Hintergrundes jedes Gartens steht, heißt der „Baum des aufrichtigen Geistes". Für beschauliche Stunden des Aachdenkens ist der „Baum der Einsamkeit" da. Außerdem gibt es den „Baum der untergehenden Sonne", durch den der HinnnelÄxrll beim Untergang besonders schön hindurch leuchtet, den „Baum der Ferne", der einen fernen Wald anbeutet usw. Aus diese Weise entfaltet sich eine ganze Philosophie im japanischen Garten. „Uns erscheinen diese Gartenszene- rien als wunderöolle Ausschnitte der Aatur," sagt der Derfaffer. „Für Japaner bedeuten sie aber weit mehr, älns sind sie, gleich so vielen seiner Gemälde, Raturgedichte voll ergreifenden Stim- nrungsgehalt. Für den Japaner aber besitzen all Sie Raturffvrmen eine ungeheure suggestive Kraft. Sie drücken ihm nicht nur eine Aaturstimmung aus, sondern auch eine individuelle orientalische Seelenstimmung."
Kunst und Politik in Frankreich.
Zu dem bereits viel besprochenen Ausschluß Deutschlands unb Rußlands von der Pariser Kunst gewerbe- Ausstellung nimmt das Organ des Schweizerischen Werkelndes „Das Werk" in beachtenswerten Auslassungen Stellung. „Bekanntlich ftnb zu der Internationalen Kunstgewerbe- Ausstellung 1925 in Paris alle Staaten mit Ausnahme von Deutschland und Rußland eingeladen worden," schreibt der Herausgeber. „Es wäre müßig, über diese Dinge noch Worte zu verlieren; wir wissen ja auch in ber Schweiz zur genüge, wie alle kulturellen, wissenschaftlichen und künstlerischen Fragen zum offiziellen Frankreich immer nur unter dem Gesichtspunkte ber Politik behandelt werden. Die Ausstellung von 1925 ist eine Der-
Donnerstag, 2\. August (924 , timn-unn----—
mit Hilfsmotor. Die Rhön-Segelslug Forschung-^ arbeit war bisher die erste Etappe zum Leichtflugzeug.
Jetzt beginnt in ber Rb 0 n 0 t 2 zweite Etappe. Möge es den bctcii-tr :q Fliegern, jungen wie alten, besch'.eben sein, ne >' deutsche hervorragende Leistungen auch bei diesem Wettbewerb zu erzielen.
Don den Preisen für Segelflüge mit i.nd ohne Motor, hierin der Rhön Y vonnen können, find - .11 ,1 erwähnen: Der groj < Rhön°Scgffpreis 1921 in Höhe von 3000 M'., drei Preise für Fernsegelsluge 1500, 1000 unb 500 Mk., drei Prise für größte Flughöhen (Mindesthöhe über Start 350 Metern ebenfalls von 1500, 1000 und 500 Mk., Zweisiherpreise >011 2000 und 1000 Mk., Leisttingspreise in 5 g ff.r ml 5000 Mk., Preise für größte Flugstrecken bei 1 e - sch irdenen Windgeschwin-digleiten, insgesamt
3000 Mk.
Daneben sind noch eine Anzahl Sonderpreise vorgesehen, barurrter sind za neunen: Die Tidcmannpreise: 400 amerif. Dollar, der Gur • bäty-Preis: 1000 Mk., ber Juhl-Preis: 1563 Zigarren, der 'Wanderpreis des Aero-Klubs von Deutschland: 1 silberner Pokal, der Stadta- Seg<lflug°Preis: 100 amerif. Dollar, der 2In- gernsce-Prffs: 50 holl. Gulden, der (Siemens- Bück, r- Fffselflugprffs: 100 schweb Kronen unb der Kohenbcrg-Hochfchul-WanLerpreis als Ehrenpreis.
Diese genannten Preise sind offen für Segelflugzeuge ohne ober mit plombiertem, Motor. Daneben sind noch folgende Preise für Flugzeuge mit Motor ausgeschrieben: Zwei Dauer-Preise für Einsitzer: 2000 unb 1000 Mk., für Zweisitzer mit Fluggast: 2000 Mk., Zielflug- preise für Einsitzer: 3030, 2030 unb 1000 Mk., für Zweisitzer mit Fluggast: 3000 und 2000 Mk. unb als Höhenpreise: 1500, 1000 und 500 Mk. Außerdem noch folgende Soirderpreife: Prinz- Heinrich-Rhön-Wanbrrpreis ber Lüfte, Klein- flugzeugPreise, Ernst-Hinkel-Preis und ein Zwei- sitzer-Hilfsmotoren-Preis.
Am 24. August soll der Zielflrrg nach Kissin- gen ftaltfinbcn. Hoffentlich macht die Ungunst ber Wetterlage keinen Strich durch diesen Plan. Dis jetzt war sie wenig erfreulich unb scheint auch weiterhin nicht sehr hoffnuirgsvvll werben zu wollen. —
Wider Erwarten hat sich das Wetter heute nachmittag soweit gebrssert, baß einige Starte stattfinden können.
„Margarete" mit Fuchs als Führer und einem Fluggast startet zu einem schönen Fluge.
Schulz hat Pech. Beim ersten Start broch.n beide Flügel ab, und damit scheidet er vorläufig aus, da er keine zweite Maschine da hat und es noch unbestimmt ist, wie lange die Reparatur dauert. Dr. 11. M.
Wirtschaft.
DieEntwicklungdesSchweizerFranken
Im April 1924 hat die Schweizer Regierung eine Anleihe über 30 Millionen Dollar in Amerika abgeschloften. Der Ches des Schweizer Finanzdepartements sprach dabei die Hoffnung aus, baß die Anleihe den Franken toef entlief) heben würde unb daß es gelingen möge, Tim auf ber Höhe von einem Dollar gleich 5 Fr. 60 zu ftabiltfieren. Seine Erwartungen w-urben weit übertroffen. Schon seit Beginn bes Jahres 1924 war der Franken ständig im Steigen begriffen. Der Dollar, der int Januar noch 5,80 Fr. kostete, hat heute bereits einen Stand von 5 Fr. erreicht. Die Anleihe allein hat dieses Wunder nicht vollbringen können. Die Besserung ber Staats f inanzen mag chrerseits mcht unwesentlich dazu beigetragen haben. Entscheidende Bedeutung aber wftd bem ständig zunehmenden Fremden ströme zugeschrieben, der nicht unbedeutende Mengen fremden Kapitals dem Lande zuführt. Das ^weizer Hotelgewerbe, das bedeutendste des Landes, hat es verstanden durch kluges Maßhalten in der Ausnutzung der Konjunktur, indem es sich mit geringem Verdienst abfand, auch den Angehörigen schwachvalutarischer Länder den Aufenthalt in ber Schweiz zu ermöglichen. Trotzdem find die benachbarten Länder, die ohne Ausnahme an ihrer Valuta kranken, im Fremdenverkehr ber Schweiz schwächer vertreten ate vor dem Kriege. Das Hauptkonttngent stellen die Engländer und vor allem die Amerikaner^ die scharenweise die Schweiz bereisen. Denn die Steigerung des Franken macht sich für sie nur in geringem Maße bemerkbar. Auch die Deutschen sind wieder zahlreich in der Schweiz erschienen und werden überall gern gesehen.
Der hohe Stand ber Schweizer Valuta hat aber auch seine Aach teile. Als natürliche Folg« ist der Rückgang des Exportes zu be-
anftaltung des Staates und wird als solche in die Zwangsjacke nationlaer Polittk hineingesteckt. Es klingt beinahe komisch, baß, sich die „Liga für Menschenrechte" der beiden ausgeschlossenen Staaten annahm und ihre Zulafsring forberte, natürlich ohne Erfolg. Hoch erfreulid> aber ist es, daß die Mehlzahl ber französischen Künstler sich biesem Protest ber Liga angeschlossen hat. Schon bei der bekannten, als Kultu'rdvkument unschätzbaren Ruirdsrage der Zeitschrift „L' Amour be l Art" von 1922 waren sie es, die für die Beteiligung Deutschlands eintraten, und neuerdings spricht auch Waldemar George im „Paris-Journal" diese Meinung energisch aus. „Ein ftanzo- sischer Sieg", meint er, „in Abwesenheit Deutschlands, des einzigen Gegners, ber zählt, wäre ein Hohn." Der Ueberblick über den Stand des frarrzö-- sischen Kunstgewerbes, den die genannte Zeitschrift „L' Amour be l'Art" im April publiziert hat, läßt nun freilich einen solchen ftanzösischen Sieg auch in Abwesenheit Deutschlanbs einigermaßen zweifelhaft erscheinen. In dieser unheilvollen Sucht nach Bevormundung der Kunst durch bte Politik aber hat unstreitig die Stadt Straßburg den Vogel abgeschlossen mit der Bestimmung, baß an bem kürzlich eröffneten Wettbewerb für einen Bebauungsplan nur Architekten Frankreichs unb ber bem Völkerbund angehörigen Staaten sich beteiligen dürfen! Man ist in Straßburg doch wahrhaftig nahe genug bei Genf, um zu wissen, baß die Zrrgehörigkeit des Staates zum Völkerbuick) in den meisten Fällen das Resultat rem politischer Schachzüge ist. Gerade der Völlerbund fxil eine Kommission für internationale geistige Zusammenarbeit eingesetzt, ber auch namhafte deutsche und schweizerische Gelehrte angeboren TZtcnuinb wäre berufener als sie, dergleichen ^^ächerlichikeitcn rechtzeitig aus der Welt zu schaffen."


