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Erregung geriet, beherrschte stundenlang diese ganze vielgestaltige Schauspielerschar, so wie ein Meister des Geigenspiels sein Instrument beherrscht. Die ganze Zeit, während deren das Spiel geprobt wurde, wurde zugleich die Szene aufgebaut. Das riesige Theater wurde nach und nach in eine Kathedrale verwandelt, und während die Darsteller übten, hämmerten die Arbeiter. Es schien zuzeiten, als wenn ein Wettstreit zwischen ihnen bestände, ein Rönnen, das die Darsteller gewannen, denn die waren früher bereit, als die Kathedralen.... Als Reinhardt im Herbst vorigen Jahres nach Amerika fuhr, zwei oder drei Monate, bevor die Vorstellung begann, hatte er noch keine Darstellerin für die zweite weibliche Hauptrolle, die Rönne, die sich aus Reue über die Genüsse der Welt ins Kloster flüchtet, und an deren Stelle im Leben das Bild der Madonna tritt. Auf dem Schiff bemerkte er eine junge Amerikanerin, die mit ihrer Familie reiste, und sofort rief er aus: „Das ist die Ronn!" Erkundigungen ergaben, daß die, junge Dame Mist Rosamund Pinchot war, die" Richte des bekannten Gouverneurs von Pennsyl- vanien, und dah sie noch niemals auf einer Bühne gestanden hatte, ja dah selbst der Gedanke, als Schauspielerin aufzutreten, ihr noch nie gekommen war. Reinhardt aber lieh sich nicht abschrecken; er suchte die Bekanntschaft ihrer Mutter, die zunächst glaubte, er mache sich mit seinem Vorschlag einen schlechten Scherz. Es schien abenteuerlich, einem gänzlich unerfahrenen Mädchen die schwierigste Rolle bei der gröhten Aufführung anzuvertrauen, die Reuhork je gesehen. Aber das untrügliche Auge des Kenners täuschte sich nicht; er setzte die Verwirklichung seiner Idee durch, und mit dem gröhten Erfola."
Samstag, 21. Juni MH
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
Zweites Blatt
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3n einer Zeit, wo in allen Ländern der Welt die Krise der Demokratie ein offenes Geheimnis ist, wird anß die Demokratie als das Reueste und Beste angepriesen; in einer Zeit, wo in allen Staaten die starke Zentcalgewalt triumphiert, legt bei uns der Parlamentarismus, d. fr. die Richt-Regierung. 3n einer Zeit, wo die Aufklärung überwunden wird und neue religiöse Werte zur Herrschaft kommen, triumphieren bei uns die extremen Aufklärer des 18. und 19. Jahrhunderts; in einer Epoche, die offensichtlich vom Individua- lismus nichts mehr wissen will, in einem Zeitalter des Llniversalismus siegen extreme Individualisten und wundern sich, dah die Jugend bei alledem stumm und feindlich bleibt.
Rein, die deutsche Demokratie kam zu spät, von ihr geht Verwesungsgeruch aus, und deshalb weirdet sich die Jugend von ihr ab.
Lind ihr gröhtes Unglück ist: dah sie gerade in D e u t s ch l a n d zum Siege kam, in dem Lande Kants, der die Aufklärung überwand, in dem Lande, das die romantische Schule hervorbrachte,
neben dem Muttertiere an und darin bringe man das Kalb unter. Diese Vorrichtung hat sich nach dem übereinstimmenden Urteil erfahrener Landwirte vorzüglich bewährt. Die Muttertiere b^i:ge man dann noch geraume Zeit vor dem Kalben hinaus, lasse sie auch draußen abkalben und bringe sie erst dann in den Stall. Man gebe keinerlei Kraftfutter, sondern viel Strohhäcksel mit Kleie, Möhren, Runkeln usw., und die Jungtiere werden vom Durchfall verschont bleiben. Tritt er aber auf, wo alles dies versäumt war, da füttere man sofort wie oben angeraten, gebe dem Kalb sofort einen Trank von Haferschleim, gemischt mit einer Abkochung von Baldrian, Eichenrinde, Heidelbeeren, Isländ. Moos, Tormentillwurzel, Salbei, Wermut und Wiesenknöterich zu gleichen Teilen gemischt; man kann das Gemisch aber auch fressen lassen. Auherdem lege man dem Tiere eine warme Binde um den Leib und mache ihm in schweren Fällen, was ganz sicher Hilst, Dampspackungen. Zu dem Zweck lege man ihm eine wollene Decke um den Leib, tauche ein leinenes Laken in kochendes Wasser, wringe es rasch aus, lege es gut anschliehend um und noch eine wollene Decke darüber und wechsele halbstündlich drei- bis viermal. Rachher decke man gut zu. Ja schweren Fällen gebe man noch kleine Kltzstiere von obiger Abkochung mit etwas Stärke angerührt, und man Hilst dem Tiere sicher, sicherer als mit allen marktschreierischen Mitteln, die nur viel Geld kosten.
Schützt die Obstbäume vor den Vögeln!
Wahrend der jetzt einsehenden Obstreife stellen sich auch häusig in sehr großen Scharen die Sperlinge und andere beerenstessende Vögel ein und beginnen eine unliebsame Dorernte. Während die Vögel vojn den nieberen Sträuchern durch Scheuchen leichter zu vertreiben sind, steht man ihrem Treiben auf den Obstbäumen hilfloser gegenüber. Da hat es sich als besonders zweckmäßig ' erwiesen, an möglichst hochgelegenen Zweigen durch Schnur zusammengebundene Stücke von Spiegelglas anzubringen. Das Blitzen in der Sonne und das Klirren im Winde können die kleinen
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Massen schließlich nur durch die Diktatur gerettet werden Lunten.
Bismarck ist es gewesen, der neben dem Zentrum und den Sozialisten auch den deutschen Demokraten das Stigma der „Reichsfeindschaft" aufgedrückt hat, der sie verächtlich machte, bekämpfte, mit immer neuen Mitteln sie herabzudrücken sich bemühte und ihr Schicksal für lange Zeit hinaus durch die große Wendung von 1878/79 besiegelte, als er seine neukonservative innere Politik begann und die stärksten wirtschaftlichen Mächte: die Landwirtschaft und die Industrie, in seine Gefolgschaft zwang. Seitdem war die deutsche Demokratie die Partei der verärgerten kleinen Leute, zu denen noch weltfremde Idealisten kamen.
Das dritte Unglück für die deutsche Demv- kratte war dann der zu frühe Tod Kaiser Friedrichs. Es ist immer ungesund für ein Staatswesen, wenn eine ganze Generation einfach ausfällt, wenn auf den Großvater sofort der Enkel und nicht der Sohn folgt. Jedes System, auch ein genial gehandhabtes, leidet an Einseitigkeiten, wird starr und hart und unterbindet neue Lebenswerte. Es wäre höchstwahrscheinlich besser gewesen, wenn Kaiser Friedrich und seine Gesinnungsgenossen ihre Ideen hätten erproben, den deutschen Liberalismus mit dem attpreuhischen Konservatismus hätten in Verbindung bringen können. Denn damals hatten diese Gedanken noch Leben und Bedeutung. Run aber kam sofort die dritte Generation ans Ruder, mit allen Fehlern einer schwächeren, die von der ersten die Stärken nur äußerlich absehen kann.
Das vierte Unglück für die Demokratie war ihr vollständiger Sieg im Jahre 1918 — aber ein Sieg als Folge des furchtbaren deutschen Zusammenbruchs, an dem sie selber mit schuldig war. Denn der von der Demokratie aller drei jetzt vorhandenen Richtungen — Fortschritt, Zentrum, Sozialisten — im währenden Weltkrieg erzwungene Umbau, besser LImsturz der deutschen Verfassung, diese fortwährenden Angriffe gegen die monarchische Autorität mußten den Staatswagen notwendig an den Rand des Abgrundes schieben. Es liegt eine Tragik in diesem Siege der deutschen Demokratie, der nur durch den Sieg der Feinde über das ganze deutsche Volk herbeigeführt werden konnte. Lind dieser Sieg auf der ganzen Linie im Oktober und im Rovember 1918 war zugleich der entscheidende Wendepunkt für das Schicksal der Demokratie und für das Verhältnis der Jugend zu ihr.
Tenn jetzt, nach dem Zusammenbruch des Reiches, hatte die Demokratie der Jugend nichts zu bieten. Freihett? Wo war sie trotz der Verfassung des Herrn Preutz angesichts der Versklavung Deutschlands durch das Versailler Diktat? Die Republik? Für die Franzosen von 1792/93 war sie das Ergebnis des Sieges über ganz Europa und deshalb, weil mit dem nationalen Stolz verknüpft, unerschütterlich — trotz Bonaparte und (Bourbonen. Für die deutsche Jugend? Ein RichtsI Denn es war keine Heldentat, sie zu schaffen! War dafür Blut geflossen? Hatte die Idee der Republik etwas Begeisterndes? War sie nicht einfach die Frucht des Zusammenbruches? Hätte die deutsche Demokratie alle Richtungen, hätte die junge Republik Helden hervorgebracht, die dem Versailler Diktat widerstrebten und zum Kampf aufriefen, anstatt die Waffen zu strecken und Herrn Wilson mehr zu glauben, als den eigenen Generalen — die Jugend hinge der Demokratie an. Aber sie brachte keine Helden hervor, sie konnte keine Legende schaffen! Das ist von den demokratischen Parteiführern früh erkannt worden, man fabrizierte eine Legende, man nahm die alten Farben der deutschen Burschenschaft an und wagte es, die Herren Preuh und Scheidemann in geisttg-seelische Verwandtschaft zu all den Märtyrern für deutsche Einheit iunb Freiheit zu bringen, die ihr Leben für ihre Idee gewagt hatten. Aber konnte man von alten parlamentarischen Routiniers und Schiebern überhaupt erwarten, daß sie, vollständig überaltet, wie sie waren, die Jugend gewinnen könnten? Waren sie nicht in Wahrheit die schlimmsten Reaktionäre? Sprachen sie nicht die Sprache des 19. Jahrhunderts: der Aufklärung, der Religionsfeindschaft, der Skepsis, des Individualismus der „ Freiheit" — während die Jugend im 20. Jahrhundert steht (seit 1914) und statt der Aufklärung den Glauben wie statt Skepsis Religion, statt Individualismus die Ganzheit, die Gemeinschaft?
Waren und sind die deutschen Demokraten nicht vielleicht doch Reaktionäre, und ist die Jugend, die von ihnen nichts wissen will, Trägerin des wahren Fortschritts, der wirklichen Moderne?
Es ist, wenn man so will, Das letzte und entscheidende Linglück der deutschen Demokratie, daß ihr Sieg diel zu spät kam!
ein neues Ideal, um die Ausgleichung zwischen eigenem und llassischem Wesen. „Es ist groß, was er getan hat, aber vielleicht liegt das Größere in dem, was er überwunden hat. Die Resultate seines Lebens sind kaum so interessant wie der Weg, auf dem er sie gewonnen." In Satz und Gegensatz, in bet Gegenüberstellung von schlagenden Beispielen erhellt Wölfflin der „Klassischen Kunst" tiefsten Wesenskern, sie vor allem mit der Frührenaissance kontrastierend. Lind die
1 'e Methode der anschaulichen Lieberzeugung Gegenüberstellung weist Wölfflin bahnbrechendes Werk, „Kunstgeschichtliche Grundbegriffe". Das Problem der „Stilentwicklung in der neueren Kunst" auf. Wie kein anderes Werk dieses Gelehrten, ja wie wöhl kein anderes einer historischen Disziplin der letzten Jahrzehnte haben die „Kunstgeschichtlichen Grundbegriffe" anregend und neue Forschungswege bahnend gewirkt. Sie haben der Kunstwissenschaft, die als die jüngste in dem Kreise der historischen Schwestern noch immer eine bescheidene, unfreie Rolle gespielt hat, eine Führerstellung gesichert, indem auch andere Wissensgebiete, wie Geschichte und Litevaturge- schichte, die Grundlinien ihrer Forschungsmethode von ihr entlehnten. Freilich birgt die scheinbar so bestechend einfache Einordnung des ganzen Entwicklungsprozesses unter fünf Begriffspaare die Gefahr der Lleberspannung, des schematischen Zwanges in sich, der niemals ihr Schöpfer, wohl aber geistesarme Rachahmer nur allzu leicht zum Opfer fallen. Aus Vorlesungen geboren, tragen die „Kunsthistvrischen Grundbegriffe" das Zeichen lebendigster Durchdringung, vereint mit einer sprachlich bis ins Letzte durchgemeihelten Dar- stellungsform, die jede von Wölfflins Schriften, । von seinen Frühwerken bis zu dem vorläusig letz- | ten Büchlein „Das Erklären von Kunstwerken".
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Heinrich Wölfflin.
3u seinem HO. Geburtstag, dem 21. Juni.
.Die Kunstgeschichte naxb Aufgaben behandeln, 6a6 ist mein Vermächtnis. So überliefert uns Jakob Durckhardts genialster Schüler, Heinrich Wölfflin, ein Wort seines großen Lehrers. Lind keiner wird wie Wölfflin dieses Willens Vollstrecker und Erfüller.
Don dem Lehrstuhl in Basel, wo er seines Meisters Rachfvlger geworden, in den überfüllten Hörfälen Berlins und Münchens streute er die leimliäftige Saat, die zualeich in seinen Schriften, und von dem Frühwerk „Renaissance und Barock" bis zu den „Kunstgeschichtlichen Grundbegriffen" lebendigste Gestalt gewonnen. Lind wenn er in jener Würdigung Durckhardts, die zu dem Schönsten gefrört, was über den tDeifcn Einsiedler von <3t. Alban geschrieben worden ist, es als die eigentliche Mission des Kunsthistorikers im Sinne Durckhardts bezeichnet, immer nur Querschnitte zu machen, so weiß er selbst sie mit scharfem Blick und sicherer Hand stets dort zu ziehen, wo sie b,ie innerste Cefre,t8ftruftur bloß legen. Rie- mals beugt er sich unter die tyrannische Forderung nach ermüdender Vollständigkeit des Materials. Wie ihm die wahre Aufgabe des Kunst- forfchers erst bann erhebt, wenn ber Denkmäler- bestand völlig geordnet, die Tatsachenforschung ihre Arbeit vollendet hat, so interessiert ihn an bem Einzelfall stets nur das Typische, ins Llniver- Jdte Emporragende. In diesem Sinn beleuchtet er im „Renaissance und Barock" an einzelnen charakteristischen Bauwerken Roms den innersten Gegensatz zweier einander ablösender Kunstan- schauungen; in diesem Sinn weitet sich ihm das Problem ber „Kunst Albrecht Dürers" zu bem großen Ringen seiner Zeit, zu dem Kampf um
Jugend und Demokratie.
Don Dr. W. Schüßler, o. Professor der Geschichte an der Llniversttät Rostock.
Wenn man die Aeuherungen der dernokra- tifchen Presse verfolgt, wird man immer wieder auf die bewegliche Klage stoßen, daß die deutsche intellektuelle Jugend, die in den Jahren 1815 bis 1848 und noch später so begeistert für die „Freiheit" eingetreten sei, sich jetzt so kläglich für die Reaktion" begeistere; ja, es wird nicht verstanden, dah junge Leute sich so bewußt von ber demokratischen „Zeitströmung" fernhallen können, während doch sonst die Jugend immer so „mo- iiem" sei. Dieses Thema wird in immer neuen Wendungen abgehandelt und beweist deutlicher als alles andere, daß die deutsche — was etwas anderes ist als die sonstige europäische — Demokratie sich in einer schweren Krisis befindet. Denn jene Klagen sind nichts anderes als der Kampf um die Jugend, den jede geistige und politische Partei führen muß, wenn sie sich nicht selbst ausgeben will; und daß dieser Kampf so matt und lahm geführt wird, zeigt die Schwäche ber deutschen Demokratie.
Diese Erscheinung, daß die Jugend in ihrer übergroßen Mehrhett von ber Demokratie, von ber „ Freiheit" und anderen Dingen nichts wisien will, ist in der Tat erstaunlich, und es verlohnt nicht, sich in ganz großen Zügen die Gründe für diese Erscheinung klarzumachen. Dabei muh man vorausschicken, dah die Jugend in ber ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gegenüber den herrschenden Gewalten durchaus die Trägerin des flauen, des Fortschritts war. Das 19. Jahrhundert rang das 18. schliehlich nieder. Lind jetzt? Ist die Jugend, wenn sie die neue deutsche Demokratie ablefrnt, wirklich „reaktionär", ist sie wahrhaftig die Geistesverwandte Metternichs und Kamptz' und ihrer Schergen? Oder sollte es sich vielleicht gerade umgekehrt verhalten, ist vielleicht die deutsche Demokratie und ihre Presse reaktionär, und ist die Jugend, wie sie es immer war und sein wird, für den „Fortschritt", für die Zukunft? Die Antwort auf diese Frage ist uns vielleicht möglich, wenn wir uns die Gründe für die Gegensätze zwischen der Jugend und der deutschen Demokratie /largemacht haben.
Es ist kein Zweifel, daß das 19. Jahrhundert, im großen gesehen, nicht nur das Zeitalter des Rationalismus, sondern auch der Demokratie war. Lleberall erringen die Völler Anteil an der Regierung, überall in Mittel- und Westeuropa wird das Recht der Völler auf die Mitbestimmung an ihrem Schicksal mehr ober weniger anerkannt. In West- und Südeuropa hübet sich der demokratische Staat immer folgerichtiger aus; nur in Mitteleuropa hat die Demokratie nicht siegen können, sondern hat mit den alten monarchischen Gewalten Kompromisse schlie- hen müssen. Wenn wir die Entwicklung der deutschen Demokratie fett 1848 überblicken, ntüffen wir gestehen, daß kaum eine andere Bewegung so viel Linglück oder Pech gehabt hat, wie die demokratische in Deutschland. Es begann schon ,1848. Die Tatsache, daß Liberalismus und Demokratie nicht imstande waren, die Massen za gewinnen, die vielmehr überwiegend unpolitisch und königstreu blieben, die Tatsache ferner, dah diese ganze Bewegung nicht einen bedeutenden Führer hervorbrachte, daß schliehllch die ganze 48er Bewegung trotz alles hohen Idealismus versandete, well ihre Träger keine Politiker waren, ist das erste große Linglück der deutschen Demokratie.
Das zweite heißt Bismarck. Riemals war der Sieg ber westlichen liberal-demokratischen Ideen näher als im Jahre 1862, als König Wilhelm infolge des Militärkonflittes abdanken und die preußische Krone seinem Sohne, dem Gemahl per englischen Prinzessin, übertragen wollte. Es erscheint fast tote ein Wunder, daß es Bismarck gelang, in der allerletzten Stunde das alte Ansehen der preußischen Krone und ihre Macht wiederherzustellen und über alle Erwartungen hinaus neu ^u befestigen. Der Sieg auf den Schlachtfeldern begründete die konstttulionelle Monarchie in Deutschland, die Bismarck so eifrig und zutzleich so sorgenvoll verteidigt hat; denn er wußte, was kommen muhte, wenn der Entwicklung nach links hin nicht Halt geboten wurde; fer erkannte zwar den „humanen Liberalismus" seiner liberal-demokratischen Gegner an, aber er warnte sie eindringlich „den Staatswagen an den Rand des Abgrundes" zu schieben, dessen Last auch sie schließlich zermalmen würde, wie es den Girondisten gegangen sei. Lind in den Gedanken Und Erinnerungen spricht er ja aus, was wir erlebt haben: daß die antimonarchische Entwicklung schließlich auf das Riveau der sozialen Republik herabsinke, von der die enttäuschten
Mittel zur Unkrautbekämpfung auf dem Acker.
Mit den Regenfällen des Frühfommers wird sich jetzt das üppig schießende Linkraut dem Landwirt wieder unangenehm bemerkbar machen. Besonders Hederich und A ck e r f e n f scheinen eine schier unausrottbare Plage zu sein. Die Benutzung der speziellen Iätemaschinen allein genügt da nicht. Dagegen hat man beobachtet, daß bei dem Anbau von Hackfrüchten bei gleichzeitiger intensiver Bearbeitung des Bodens das Linkraut immer mehr zurückgeht. Doch soll man diese Methode nur dann anwenden, wenn genügend Arbeitskräfte zur Verfügung stehen, da sie sich sonst sehr teuer stellt. Als direkte Mittel zur Bekämpfung des Hederichs werden Kalkstick- stoffdünger und Eisenvitriol empfohlen. Sie sollen zu der Zeit angewandt werden, wenn der Hederich vier bis sechs Blätter zeigt. Kalk- ftickstoff hat dabei den Vorteil, daß er gleichzeitig als Düngemittel wirkt. Die Bekämpfung geschieht durch einfaches Ausstreuen auf den von Linkraut verseuchten Feldern. Für einen Morgen sind etwa fünfzig, bis sechzig Pfund feinpulverisierter Kalkstickstosf zu verwenden. Die Wirkung tritt schon nach einigen Tagen ein. Gegenüber dem Gebrauch von Eisenvitriol hat das Kalkstickstoffverfahren den Vorteil, dah man dazu nicht besonderer Maschinen bedarf. Andererseits hat man festgestellt, dah das Getreide dadurch vielfach gelbe ober rote Spitzen bekommt. Doch erholt es sich auch schnell toieber und steht nach ungefähr zwei Wochen rein unb voll ba. Wirksamer erscheint bann fast noch bie Bekämpfung des Lln- krauts durch Eisenvitriol, wozu in größeren Betrieben allerdings bie Anschaffung von besonderen fahrbaren Sprihmafchinen nötig ist. In lleineren Wirtschaften benutzt man am besten Handsprihen. Die richtige Mischung der Lösung erzielt man in einem Verhältnis von 15 bis 20 Kilogramm Eisenvitriol auf 100 Liter Wasser. Der richtige Zeitpunkt für die Anwendung sowohl des Kalkstickstoffs als des Eisenvitriols ist bei sonnigem, windstillem Wetter gegeben. Wenn Regen zu erwarten ist, ist davon abzusehen. 3m übrigen richtet sich bie Wahl zwischen den hier beschriebenen Mitteln zur Llnkrautbekämpfung ganz nach bet Verbreitung bieser gelbplagen unb den schon gemachten Erfahrungen.
Naturgemäße Behandlung des Kälberdurchfalls.
Der Durchfall ber Kälber ist für ben Landwirt unb Viefryalter zu einer wahren Geißel geworden. Der massive Stall, der Stall überhaupt, namentlich bann, wenn er schlecht gelüftet, dumpf, bunfel, feucht, überwärmt ist, bie lieberfütterung der Tiere mit eiweißreichen Futtermitteln, der Mangel an Bewegung, an Licht unb Luft, bas sind die Lirfachen für ben Durchfall der Kälber. Rimmt man bie Tiere dann aper auch noch von ber Mutter unb steckt sie in kalte, sog. Kälber- buchten, dann muß doch ein so zarter Organismus erkranken.
Das Fundament ber Iungviehaufzucht ist bie Wärme und die richtige Haltung und Ernährung des Muttertieres. Liber auch die rauhe Zunge des Muttertieres, mit ber es bas Junge leckt unb massiert, ist für das Kalb notwendig. Allerdings kann dem Kalbe die viele Milch die manche Muttertiere geben, auch nachteilig fein. Lim nun dem Kalbe die Wärme ber Mutter unb die Mutterzunge zu erhalten, ihm aber nicht zu viel Milch zu geben, bringe man kleine Verschlüge ^n^Wahrheit zu einem Kunstwerk über Kunstwerke macht.
Im Verlag von Hugo Schmibt-München ist soeben zum 60. Geburtstage Wölfflins eine Festschrift erschienen, bie als ein Kunstwerk von außergewöhnlichem Wert bezeichnet werben muß. Was von Freunben jinb Schülern des Meisters auf den mehr als 300 Seiten des Buches, verschönt durch 132 Abbildungen, als „Beiträge zur Kunst- und Geistesgeschichte" davgeboten wird, erhebt sich in so ungewöhnlichem Maße als graphisches und geistiges Kunstwerk über den Rahmen des Lieblichen, dah eine besondere unb ausführliche Würdigung geboten scheint.
Unter Reinhards Regie in Nenyork.
Die englische Aristokratin Lady Diana Duff Cooper, die für bie schönste Frau Englands gilt, hat als Madonna in dem von Reinhardt in Reuhork inszenierten Mysterienspiel „Das Mirakel" das größte Aufsehen erregt unb viel zu bem großen Erfolg bieser Vorstellung beigetragen. Sie veröffentlicht jetzt im „Daily Expreß" ihre Erinnerungen an ihre Schauspielerzeit in Amerika unb erzählt babei allerlei von Reinhardts Regie. „Der führenbe Genius bei ben ununterbrochenen Proben," schreibt sie, war Max Reinhardt. Er war ber Quell ber Begeisterung, ber bie 600 Darsteller ben ganzen Qlbenb hindurch frisch unb leistungsfähig erhielt. Lim ein Werk von fo großem Ausmaß tzu inszenieren, muß ber Regisseur mehr ein Oberbefehlshaber sein, ein Stratege ber Bühne, ber große Massen zu bewegen weiß. Alle Eigenschaften für eine Derartige Leistung brachte Reinhardt mit. Der untersetzte fleine Mann, ber mit einer angenehmen Stimme sprach unb niemals in Zorn ober
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die erste große Gegenbewegung gegen bie Aufklärung, in dem Londe Bismarcks, dessen große Lehre von der stolzen Selbstbehauptung des Staates nach außen hin als dem höchsten Gut unverlierbar ist, in dem Lande, das feiner als irgendein anderes eine neue Zeit unb neues geistiges unb politisches Werden begreift. Lind die Iug.nd dieses Landes fühlt instinktiv, dah die deutsche Demokratie nichts zu bieten hat; die Jugend will Bejahung statt Verneinung: sie will statt der Internattonale ben nationalen Staat, statt der Freiheit Bindung, statt Individualismus Gemeinschaft, statt Friedseligkeit Heldentum, statt Ausllärung Religion— kurz, statt der alten Schlagworte neue Ideen, statt Reaktion den wahren Fortschritt, sie will nicht Vermorschtes, sondern Leben, statt Phiasm- schwall die Tat, — das ist der Gegensatz zwischen der greisenhaften deutschen und halbdeutschen Demokratie und der neuen Jugend. Kann jemand zweifeln, wer siegen wird?


