Nr. ZOO Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberyeßen)
Samstag, 2 \ Dezember 1921
Römisches Gastspiel des Völkerbunds.
Don unserem römischen Korrespondenten. Palazzo Doria, Mitte Dezember.
Die Bühne.
Don Mussolini zu Sir Eric D r u m - Mond ist ein sehr weiter Weg. Solche Entfernungen aber überbrückt die mit Recht so beliebte italienische Gentilezza m t Leichtigkeit 2llso brauchte es nur einer kleinen Anfrage im Palazzo Chigi, der Residenz des starken Mannes, um den Palazzo Doria zugewiesen zu erhalten als Residenz für den weniger muskulösen. aber praktischen Völker bund. Beide Palazzi liegen am Corso, der für das Gastspiel der Lega ausgewählte t't sogar einer der schönsten, die es auf ter Welt gißt. Und atm ein UebrigeS zu tun, öffnete man ihr die Prunkräume des ersten Stockwerkes, stellte märchenhaft prächtige Carabinieri auf jeden Treppenabsatz, einen goldsttoyenden, mit Dreimaster und Heroldsstab ausgerüsteten, riesigen Deibel, wie die Schweizer sagen, in das Hauptportal und den Konferenztisch gerade unter den Thron. Unter den Thron im Thronsaal. Rom läht sich nicht lumpen. Die Auffahrt der Genfer Tippmamsellchen war ein Ereignis. Denn siche, besagter Ausdruck grenzt an eine Onjurie. Es sind Damen. Don erlesener Eleganz.
Platz fürs Volk!
Der Zuschauerraum erinnerte an Genua, an das luxuriöse Pressehaus, das dort für die grohe Konferenz eingerichtet worden war. Ro e Teppiche und wenig Aschenbecher. Kostbare Gemälde, aber unendlich viel mehr und viel berühmtere als dort. Schreibtische. Sekretariat. Telegraph und schallsichere Telephonkabinen. Alles extta eingebaut, mitten in die vornehme Flucht der goldstrvycnden Säle. Räume, aus denen ständiges Maschineng. wehrf euer herausknatterte — bis am Büfett die erste Tee- taffe klirrte. Also vorher schnell noch eingedrungen. Bei Sir Eric Drummond, das Schönste am ganz?n Völkerbund! Bubiköpfe, nackte Arme, kniefreie Beine, den Rest bekleidet die Schreibmaschine. And das tippt und wippt und knattert und schnattert und schleudert aus kleinen Rotationsmaschinen Formulare über Formulare, was sage ich! — weltbedeutende Dokumente heraus! Die Original- reden der Männer vom Konferenztisch drüben unterm Thron im Thronsaal, man denke! Roch warm gehen sie in die Hände der Preßmeute über.
Dann fliegen die Federn und Kabinentüren : Basel! Herr T. für Frankfurt! Man hat sogar einen direkten Draht mit Berlin hergestellt. Die Deutschen sind tief gerührt.
Dis die erste Teetasje klirrt. Dann treffen wir uns alle friedlich am Büfett, Delegierte, Journalisten. Schreibdamen, und knabbern Konfekt. And interviewen und gewähren Anterredungcn. And lächeln. Wo wäre das Theater, in dem das Büfett nichts kostet und dennoch so meisterhaft inzwischen auf der Bühne gespielt wird? ES sind infolgedessen auch viele Zuschauer da, die, wie seinerzeit in Genua, eigentlich mit der Presse nichts zu tun haben. Flor di flöte sogar, ein blühender Damenslor.
Das Schauspiel.
ES heißt: Wie mache ich Polittk? And spielt Infolgedessen Mat vor der breitesten Zuschauerschaft, handelt aber hinter den Kulissen. And wie dort gehandelt wird!
Rach vorne hin ist alles Sähe und Lle- benswürdigkeit Die kleine Zeichnern neben mir hat Gelegenheit, die großen Männer unter dem Thronhimmel Kopf für Kopf und Blatt für Blatt in ihr gutbezahltes Skizzenbuch zu reflektieren. ES ist ja überhaupt alles am Völkerbund gut bezahlt, vom Generalsekretär mit seinen jährlichen dreihunderttausend Goldfranken, wenn ich nicht irre, herunter bis zum schneidigen Türsteher. Daher findet die Lega viel Zulauf. Anter den Anwärtern gibt eS nicht Wenige, die sich zudem für Polittkcr Haltern Anter uns. wie gesagt, lächelt alles. Es war diesmal nicht einer im Palazzo Doria, der den Ernst bis über die Teetasse hinaus- getrieben hätte. Ich kenne Sonderberichterstat- "Wanzenwunder der
Christnacht.
Don Ernst Edgar ReimördeS. (Rachdruck verboten.)
Die Rächt, in der die Zwölften beginnen, die unseren heidnischen Vorjahren hochye.uge Zeit, hat im VollSglauben stets eine große Rolle gespielt. Da sollen nament.tch in der Pflanzenwelt um die MitternachtSstund allerlei Wunder geschehen, Blumen unter EiS und Schnee hervorsprießen und Bäume Blüten und Früchte hervorbringen. Dieser Aoerglarioe mag seinen Ursprung darin haben, daß um die Weihnachtszeit die Bluten der Christrose, Christwurz, Wendewurz oder auch RieSwurz (Hellcborus Niger) genannt, aus dem Schnee hervorleuchten. Während die Blume im Der- den mir in Gärten wächst, kommt sie in den Bergwäldern Süddeutsch a ids häufig wild vor. Sie stand schon im Mittelalter in hohem Ansehen, man glaubte, sie besitze die F-h gkell, böse Geister zu bannen und Krankh.tten, namentlich die Pest zu heilen. We.l sie in heiliger Zett erblühte, hielt man sie selbst für hellia. — Die aus der Legendengeschichte hervorgeht, hat bt2 heilige Hildegard die Pflanze bereits im 12. Jahrhundert Christwurz genannt. _ Ruch die Grüne RieSwurz (HelleboruS hin
ter, die sagten Komödie und schrieben dann einen würdevollen Lobgesang auf den durchaus ehrenwerten Völkerbund. Chamberlain vom Scheitel bis ,yir Sohle.
Die üblich, sah das Programm drei bis vier Dutzend brennende Fragen vor, von deren Erledigung die Wohlfahrt der Menschh ii abhing. Kinderschuh, Opium, Hyg ene. Der Höhepunkt wurde, wie immer, von ber allgemeine n Abrüstung gebildet und glänzend überwunden. Die Herren der neuen und be seren Welt haben es darin zu einer erschütte n- ben Akrobatik gebracht, indem sie dem Welt- kampfziel der Entente getreu aif die ordinäre Geheimdiplomatie verzichten und solche D.nge lieber hinter den Kulissen behandeln. 31 P r i - vatsiyungen, um den terminuS technlcus zu gebrauchen. 3n einer solchen wurde denn auch das famose Genfer Protokoll beerdigt, worauf Herr Chamberlain unter großen Ehrungen abreiste.
Halt, um eS nicht zu vergessen: eS standen auch Danzig und das L.eid des Saa rgebt e t S auf dem Programm. Be.deS gi ig kurz und schmerzlos vorüber. Die flel.ie Zeichnerin erfaßte den ftanzösischen Präsidenten deS, wie die deutsche Propaganda behauptet, germanischen Saargebietes, kriegte B r la n ö an seinen etwas altmodischen Schnurrbartspiyen zu packen und nicht entschlüpfte ihr das englische Monokel neben dem bewegungslosen Frack aus dem Reiche der aufgehenden Sonne. Dazwischen gingen Schriftstticke von Hand zu Hand. Die deutschen Herren verloren sich in dem interessierten Damenflor und das ist selbswcr- ständlich der einzige Grund, weshalb sie nicht eingeladen wurden, auch etwas zu der für sie nicht ganz gleichgültigen Sache zu sagen. Cn wenigen Minuten war alles erledigt. W.e das Genfer Protokoll. Es muß doch auch für nächstes 3 ahr Derhandlungsstvff übrig bleiben.
3m Hinausgehen hörte ich einen 3tallener sich empören: „Wer für diesen Völkerbund eintritt, der muß entweder sehr naiv oder ge- schäftStüchtig sein! GS gibt kein Drittes!"
Der Mann hat zweifellos unrecht. ES g i b t ein Drittes. ES gibt Menschen, die schon 'glücklich sind, wenn sie in einem glänzenden Schauspiel eine Statistenrolle sp elen dürfen. And wenn sie dafür bezahlen müssen.
Hinter den Kulissen.
Der Mann hat ferner deshalb unrecht, well er den Wett der Kulissen nicht zu schätzen weiß. Die Völkerbundskulissen haben doch wahrlich in Rom ihre Schuldigkeit getan. Wie waren andernfalls die Besuche all der Staatsmänner in diesen Tagen bei Mussolini ausgefallen? Geheimdiplomatie? 3a, um H mmels- wlllen, soll man etwa die heikelsten Dinge über die Straße schreien: Köln! Ruhr! Aegypten! Marokko! Albanien! Petroleum!
Rein, hinter dem pompösen Thronhimmel ging das alles viel glatter vom Stapel. Der biedere deutsche Parteientumult half dabei wacker mit. Kaum kam die Rachrlcht, als Folge des AnschwellenS der Sozialdemokraten sei eine Linksregierung zu erwarten, was tote Schmierseife wirkte, da fielen alle Hemmungen. Man drückte den 3ournalisten im Palazzo Doria Blätter In die Hand, auf denen die 5 Forderungen Frankreichs an England hübsch nach Rummern verzeichnet standen und ebenso offenherzig die Antwotten Chamberlains.
Also gut, wir verschieben die Räumung Kölns bis zur Räumung des Ruhrgebiets, wenn ihr unseren Standpunkt bezüglich des Genfer Protokolls unierstützt. Frank- reich unterstützte ihn. Freie Hand am Rhein gegen freie Hand In Aegypten! Gemacht. Wenn nun Spanien aus Marokko herausg hm soll:e, bann - hier sprang nun leider 3 t al len mit Kompensa- ttonSforderungen ein.
Die Leichtigkeit, mit der solcherart über Rhein und Mittelmeer einschließlich diesbezüglicher Vetträge hinweggesprungen wurde, verblüffte freilich sogar in den Dandelgängcn deS Palazzo Doria. Eine Dichttäumung Kölns b - Deutete doch beispielsweise, meinte ein — Engländer, einen Bruch des Versailler Vertrags. Run, wozu gibt eS einen dl.ek- ten Draht, wenn nicht zur Verabreichung von
diS) steht nach altem Volksglauben mir der Christnacht in Verbindung; wer eine kranke Kuh hat. muß die Wurzel der Pflanze nachts mit in die 3 Christmessen nehmen und dem Tier 3 Tage nacheiTlander morgens 3 kleine Stücke im Rainen der Dreieinigkeit zu fte fen geben. Dieser Brauch war früher in Schlraben toeit verbreitet. — Von einem besonderen Rim- bus umgeben war schon vor 3ahrhundetten Die 3cttchorose, jene seltsame Pflanze, welche, selbst wenn sie lange Zeit trocken gelegen hat, im Wasser schnell zum Leben erwacht. Das Voll legte ihr die Eigenschaft bei, daß sie mir in der Christnacht erblühe. Der Legende nach soll sie unter den Schratten Marias aus Der Erde hervorgeschossen sein. 3n einigen Gegenden Graubündens ist eS heute noch Sitte, das Erblühen der Iettchorose, auch wohl Weth- nachtsrose genannt, in der Helligen Rächt zu erwarten. Di: trockene Zwiebel steht inmitten brennender Lichter in einem Gefäß m.t Wafler auf dem Tisch. Erschließt sie während der Rächt ihre Blüten, so ist die Freude im Hause groß. - Born Hopfen heißt es in Westfalen und Hannover, daß er um 12 Ahr in der Christnacht plötzlich zu grünen beginne und aus Eis und Schnee htrvorschiehe, bann aber schnell wieder verschwinde. — Das zauberhafte Farnkraut, dem mancherlei Aberglaube-.anhafte i, bekommt in der Helligen Dacht Bluten,
BeiuhigungSp.llcn? Die Pille kam. Die französische Presse konnte ans bester Quelle berichten, daß Deutschland laut Bericht der Kon- ttvllkommission den Entwaffnungsvorschriften nicht nach gekommen t|t, im Gegenteil, folgl.ch der Räumungsparagraph nicht in Kraft treten kann.
Tentenzlüge oder nicht, die Rachrlcht tat ihre Schuldigkeit. M.ndeftenS zunächst einmal für die Dauer der römischen Konferenz.
So wurde gehandelt hinter den Kulissen. So macht man Politik. Es war wieder einmal ein artiges Schauspiel.
In Gast in Frankreich?
Von unserem C-Korrespondenten. Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.
Paris, 16. Dez.
Die Reichsregierung hat, wie gemeldet, die Einladung der französischen Reg crung zur Tellnahme des deutschen Kunstgewerbes an der für das Frühjahr nächsten 3ahres in Paris geplanten Weltausstellung für angewandte Kunst in einem verbindlichen Dank schrei den „aus finanziellen und technischen Gründen" abgelehnt.
Die Franzosen, denen man solchergestalt die kalte Schulter gezeigt hat, werden die Gründe unseres Verzichtes auf eine Beschickung ihres Kunst-WcltjahrmarkteS vollkommen zu würdigen verstehen: sie wissen ja, obwohl sie zu Heyzwecken Immer wieder behaupten, daß wir Geld in Hülle und Fülle haben und daß wir eben leben, statt unsere KttegSschulden zu bezahlen, am besten, tote vollkommen sie und ausgebeutelt haben; sie werden sich daher nicht darüber wundern, daß der ReichSsinanzmlnl- fter, als er lange vor dem Gintreffen der Einladung befragt wurde, wieviel Geld er für den Fall, daß wir nach Paris eingeladen werden sollten, für die würdige Ausstattung der deutschen Ausstellung zur Verfügung stellen könne, nur eine Summe nennen konnte, die kaum ausgereicht hätte, um die Vorarbeiten für die Ausstellung zu leisten. Daß sie Zeter und Mordlo geschricen hätten über den schlechten Willen Deutschlands zur Erfüllung ferner Kriegsverpflichtungen, wenn wir, etwa durch den Bau eines eigenen Pavillons, einer deutschen Kunstgewerbeschau in Paris den des deutschen Reiches und der deutschen Kunst würdigen Rahmen geschaffen hätten, wissen sie auch — kurz und gut: die finanziellen Gründe, die wir für die Ablehnung der Einladung abgegeben haben, müssen ihnen einleuchten.
Erst recht aber müssen ihnen die technischen Gründe für unsere Ablehnung einleuchten. denn in diesem Punkt sagt ihnen untere Ablehnung nur das, was ihnen ihr schlechtes Gewissen schon längst gesagt hat. Während sie nämlich anderen Rationen die Einladung schon vor länger als 3ahreSfrlst haben zugchen lassen, während sie sogar Sowie tr uh land schon Ende CFt?ber ober Anfang Rovember mit einer Einladung bedacht haben, übermittelten sie uns die E nladung erst vor ungefähr einer Woche, nachdem sie gesehen hatten, wie der Hase bei den Handelsvertrags- Verhandlungen lief. Run weiß man aber in Frankreich ganz genau, daß es keiner Ration möglich ist, den Wettbewerb auf einer Weltausstellung in der kurzen Frist von rund vier Monaten vorzubereiten und zu organisieren, am allerwenigsten uns. dir wir infolge unserer völligen Verarmung über einen nennenswerten Vorrat an kunstgewerblichen Gütern höh ren Wertes nicht mehr verfügen, die wir alles, womit wir in Wettbewerb mit dem Kunstge- werbe anderer Länder treten könnten, neu schaffen müßten. Unsere kunstg werblichen Magazine sind leer, Aufträge auf Ausstattung öffentlicher Bauten und kichihec Gebäude, auf Schaffung pompöser Schi f.einrich- tungen, wie sie, um nur em Beispiel zu nennen, ein Künstler wie Bruno Paul früher In so mustergültiger Weise entwarf, werden nicht mehr gegeben. Wo sollten also unsere Kunst- getoertetteibenten die M.ttel für die Herstellung der Ausstellungsgegenstände nehmen? And selbst toenn ihnen dafür Vorschüsse gegeben würden — von Mäzenen etwa, denn
mit deren H.lfe man einst jedes Schloß öffnen und verborgene Schätze entdecken zu können glaubte. — 3n Dieder-Oesterreich sagen die Landleute, daß in der Christnacht das Gemüse hn Keller zu wachsen beginne; wie von den Weinbergen des Engadin die Sage berichtet, daß sie in der GebuttSstunde d-eS HeUandS plötzlich grünen und blühen. Dasselbe sagt man vom Flieder in den Gatten des QbcrharzeS. — An den Dornensttauch, der in der heiligen Dacht Blüten treiben soll, knüpft sich eine hübsche Sage: well er unschuldig daran war, daß aus seinen Zweigen die Krone Chttsti gewunden wurde, segnete ihn dieser und seitdem trägt er Rosen. Wenn zur Weihnachts- zeit das Chttstkind über die Erde ©autelt, rühtt es mit der Hand an den kahlen Strauch, dem dann leuchtende Blüten entspringen. Wer solche findet, ist begnadet, er bleibt vor Krankheiten und anderem Hebel bewahrt. — Sehr alt ist der Glaube, daß in der Christnacht die Bäume Blüten, ja sogar Frücht tragen; in Chroniken des Mittelalters fintet man zahlreiche Falle verzeichnet. Dom Apfelbaum heißt es, er habe aus Freude darüber, daß eine Evastochter den Erlöser zur Well gebracht, b Der Stunde der Geburt 3efu zu blühen begonnen. Diese Sage knüpft an das Pa-adieS und den Sünbenfafl an. — Bischof Nikolaus von Bamberg erzählt in einem Bericht aus
das Reich hat nichts — so würde es ihnen ar der Zelt für die Schaffung einer unserem kunstgewerblichen Können entsprechenden Ausstellung fehlen. Für Die große Brüsseler Ausstellung standen uns nicht weniger als P 3ahre zur Verfügung, und für Paris soll en wir unseren Wettbewerb m etwa vier Mona:cn vorbereiten? Die guten Franzosen haben, als sie uns jetzt erst die Einladung schickten, natürlich sehr wohl gewußt, daß uns das nicht möglich fein werde, und tue Einladung sollte wohl auch bloß eine schöne Ge st e des Herrn H e r r t o t sein. ES ist doch nicht gut anzunehmen, daß die Franzosen ernstlich Daran gedacht haben. ihrem Ku.istgewerbe dl: gefürchtete deutsche Konkurrenz auf dem HalS zu laden.
A propoS, Herr Herriot! Der hat uns ja schon einmal zu einer Ausstellung eingeladen, nämlich im 3ahre des Anh. ilS 1914. als er noch Bürgermeister von Lyon war. Wir haben mit dieser Ausstellung von Lyon und den fran- zösischen Gastgebern die trübften Erfahrungen machen müssen. Als der Krieg ausbrach. b c » schlagnahmten die französischen Behörden. deren freundlicher Einladung wir gefolgt waren, das Eigentum Ihrer deutschen Gäste, unersetzliche Stücke aus den Goethe-Museen in Frankfurt a. M. und in Weimar, und als der Krieg vorüber toar. weigerten sie sich, das beschlagnahmte Gut wieder herauszugeben. Da verlangten sie von uns, daß wir eS zurückkaufen sollten. Als wir es nicht wollten, brach ein Brand in dem Depot aus, in dem unsere Ausstellungsgegenstände aufbewahrt tourten und am Ende bekamen wir, nachdem sich Deuttale ins Mittel gelegt hatten, nur noch d l e Trümmer unseres Ausstellungsgutes zurück. Bismarck hat einmal die Franzosen „Rothäute In Lackstlefeln" genannt. Die Rothautspuren schrecken, und jene Lyoner Spuren warm nicht die einzigen: mußte nicht die Le tung des Pariser Salons eine deutsche Plastik, welche die Völkerversöhnungsidee barftJlte, aus dem Ausstellungsraum entfernen lassen, weil der Pöbel Im Zylinderhut gegen das deutsche Kunstwerk demonsttiette?
Also, kurz und gut: Den Franzosen wird es ganz willkommen sein, daß aus der Teilnahme der Deutschen an ihrer Pariser Ausstellung nichts geworden ist, und da; uns das willkommen ist, brauchen wir nicht erst zu sagen. Wir hätten nur gewünscht, daß unsere Regierung auch für eine Ablehnung der Einladung zur ftanzösisckien Elektrizi- tät S-AuSstellung in Grenoble technische und finanzielle Gründe gefunden hätte, aber an dieser Ausstellung werten wir teil- nehmen — ein Trost für Jene Kreise, über deren würdelose Haltung gegenüber Frankreich und deren exzessiven Pazifismus sogar in demokratischen Kundgebungen geklagt toorten ist. Daß Angehörige dieser Kreise sich bei französischen Stellen In Berlin um eine Einladung Deutschlands zur Pariser Kunstausstellung mehr eifrig als würd:g bemüht haben, unter dem Vorgeben, daß eine Ausschließung Deutschlands bei den Wahlen von ter „nationalistischen Reaktion" ausgebeutet werten würde, weiß man, und jetzt hört man diese Leute Stein und Dein über die Ableh» nung jammern!
Unter normalen Umständen wäre ja allerdings eine Vertretung teS deutschen Kunstgewerbes auf dem Pariser Kunstw.ltmarkt fthr erwünscht, aber die Verhältnisse sind noch lange nicht normal, und so. wie sie nun leider einmal sind, darf man nicht bloß mU Dem Maßstab des materiellen 3nteresseS messen, sondern es muh für uns das ideelle Moment ter nationalen Würde das ausschlaggebende fein. Solange die Franzosen im Ruhrgebiet sitzen, solange sie an ter Absicht fest- halten, über ten vertragsmäßigen RäumungS- termin hinaus in der Kölner Zone zu bleiben, solange haben wir und unser Kunstgewerbe In Baris nichts zu suchen, und wir tun besser, unsere Rolljalousien vor den Franzosen herunterzulassen.
Doch dafür hat man In den Kreisen der deutschen Franzosenfteunte und der exzessiven Pazifisten wohl kein Verständnis.
dem 3ahre 1426 von zwei Apfelbäumen, die im 3ahre vorher am Christfest Blüten und Früchte hrrvorgebracht haben sollen; er nennt sogar einen Zeugen dafür. — 143) hat man angeblich in ter Rähe von Dürnberg Weihnachten einen blühenden Apfel >aum gesehen — Beim Flecken Trebur In Hessen soll ein Apfelbaum gestanden haben, ter alljährlich Ir ter Christnacht Aepfel von ter Größe einet Bohne trug. Proben davon überbrachte mar dem Landgrafen Georg II., ter sie als eine Seltenhell anderen Fürsten und Herren ?eWe Aehnllche Fälle sind aus Gräfenberg bei Dürnberg, Würzburg usw. üb rllefert worden. Aus dem 12. 3ahrhuntett wird auch von einem blühenden Kirschbaum berichtet. — Karl 1. von England und seiner Gemahlin wurde an jedem Christfest ein Zweig von einem blühenden Weißdornbusch des KlofterfriedhteS rvi G a° stonbury überreicht, einem Ableger des Strauchs, der angeblich aus dem dürren Stab: entstanden sein soll, welchm 3oseph von Ari- mathia am Abend vor der Geäutt 3esu in die Erde steckte und der am nächsten Morgen ganz mit weißen Blüten bedeckt wir 3n der unruhvollen Zeit unter Cromwell ist dann der wunderbare Weißdorn vernichtet worden.


