Ausgabe 
20.8.1924
 
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to. 195 Zwettes Blatt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger M Gderheßen) Mittwoch, 20. August ß)24

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Die Erwerbung von Kiautschou.

Q3on Professor Dr. Gustav Roloff.

Qtctkn dem nahen Orient gehörte schon zwei Sahrzehate vor dem Weltkriege der ferne Osten zu Sen Schauplätzen, wo sich die wichtigsten Mächte begegneten. Ja, das Bild war hier noch bunter als 7 ort: wenn im türkischen Gebiet nur die europäischen Nlächie einander Einfluh und 2tr= bcttsgclegenhttt streitig machten, so traten hier noch Japan und die Vereinigten Staaten hinzu. Chu a war der grvf>e Kampfpl-rtz; die ehren, wie Deutschland und die Vereinigen Staaten, be:- tra'en in hren Begehnugeir zum Reiche der Mitte lange Zeit nur wirtschaftliche Interessen, die an­dern waren durch territoriale Erwerbungen zu­gleich seine Nachbarn geworden. Es too daher von groher Bedeutung als sich Deutschland in Schantung fest letzte und dadurch dir politischen wie militärischen Verhältnisse erheblich beein« flutzte. Von europäischen Mächten waren zunächst derart Ruh land und England, zwischen bereu Machtsphareir ja der neue Besitz Deutschlands tag; es war daher von höchster Wichtigkeit, wie diese beiden Mächte, von Leven Beziehungen zu­einander und zu Deutschland die deutsche Politik ja überhaupt im wesentlichen bestimmt wurde, dem neuen Mitbewerber gegen übertraten. In Deutschland hegte die öffentliche Meinung im all­gemeinen leinen Zweifel, dah England, mit d m man wirtschaftlich rivalisierte und manche Drfe- venzen in Afrika hatte ich erinnere nur an den Einfall in Transvaal und die Krügerdepefche Hindernisse zu bereiten suche, dah es aber angesichts des deutsch-russischen Einverständnisses die deutsche Niederlassung wohl oder übel dulden müsse. Diese Borstellung ging gründlich in die Irre. Schon seit einigen Jahren konnte man an her Hand der Bücher von Hammann und einiger wenig beachteter anderer Zeugnis e wahr chein!ich machen, dah nicht England, sondern Nu hl and der Gegner der deutschen Pachtung gewesen ist, und heute läht sich auf Grund der soeben beröff:n'* lichten Akten des Austo: ringen Amtes der Nach­weis mit völliger Sicherheit führen. Es ist ein hechst interessantes Kapitel aus der Vorgeschichte des Krieges.

Die Besitznahme der Ducht von Kiantschon im Herbst 1897 entsprang nicht einer plötzlichen Eingebung im Anschluß an die Süh lesorderung für die Ermordung katirolischer Mi'fionare. son­dern war jahrelang vorher durch di? politischm und militärischen Instanzen des Deutschen Deiches reiflich erwogen worden. Längst hatte man die Notwendigkeit erkannt, den stetig wachsende i 5'a del sowie die Deutschen in China Kaufleute wie Missionare be^er als bisher zu stützen, war doch die Intervention im japanisch-chin-Ii ch^n Kricg? (1895 ) wesentlich durch den Wun! ß mit« beeinsluht worden, von China als G«g!»nieistung für die Nettung Liaotangs die Abtretung eines Hafens zur Anlegung einer Flv'.tenftattvn zu er­halten Die Hoffnung ging nicht in Erfüllung. Nuhland und Frankreich, Deutschlands Interven­tion sgenossen, vermochten, begünstigt durch ihre Stellung auf dem ostasiatischen Kontinent, die chinesische Negierung zu neuen wertvollen Kon­zessionen in ihrer bisherigen Jnteoeseasphäre zu nötigen: Deutschland ging leer aus und halte sich nur die Abneigung Japans ^gezogen. Man gab aber die Hoffnung nicht auf und zog Erkundigun­gen über allerlei Plätze wie Kiautschou, Tschusan, Sam sah, Amoy cm, schliehlich konnte allein Kiau- tfchvu in Betracht kommen, da die andern frem­den Interessensphären zu nah? lagen. Es handelte sich nun darum, eine Gelegenheit zur Bentznatzme Herdeizuführen. Einer einfachen gewaltsamen Be sel.ung widerstrebte das Auswärtige Amt; der chinesische Eee?-olldir?ktor Detring, ein geborener Deutscher unb Natgeber Li chung Tichangs, des einfluhreichsten Peking?r Politikers empfnh d in- genb eine friedliche Erwerbung, weil eine gewalt­same die ohnehin wankenden chinesischen Verhält­nisse noch mehr erschüttern und Deutschland mit der chinesischen Negierung zum Schaden des deut­schen Handels verfeinden werd?. Eine friedliche im Einverständnis mit der chinesischen Negierung durch Kauf oder Pachtung werde dagegen Deutsch­land als Bundesgenvs'en Chinas erscheinen lasen Nur im Notfälle sollte daher die Erwerbung als Repressalie für irgendeine chinesische Rechtsver­letzung vollzogen werden.

In den Verhandlungen mit den Mächten über diese Frage ergab sich bn d. Latz Rußland Schwie­rigkeiten nrachen werde, obgleich Lee Zar persön­lich dem Kaiser wie dem Reichskanzler Fürst Hohenlohe gegenüber die Notwe idigkeit einer deutschen Flvttenstatxon in Ostasien anerkannt hatte (1895). Die lussische Presse sprach sich leb- . haft gegen eine solche Möglichkeit aus, und die

Vagabundierende Ströme.

Wenn heute ein Dichter für feinen Charlatan- heldeit noch ein neues, recht schönes Schlagwort wissen wollte, so wäre ihm die fachmännische Be­zeichnungvagabundierende" Ströme zur Beach- ach'ung zu empfehlen, die ja durch ihren roman­tischen Klang schon an sich etwas Theatralisches bat Aber- doch ist es mit vagabundierenden Strö­men wie mit allen technischen Vorgängen von praktischer Bedeutung eine wichtig? Sach?. Wie andere Vagabunden haben die cl ktrischen manch reizvolle Eigenschaften Ab?r sie haben allerdings auch Neigungen bedenklichster Art. zum Beispiel die, in fremdes Eigentum einzudringen und aller­lei Wertvolles zu entwmden. Will man das ilntoefen dieser Band? bekitigen und dazu haben die Ingenieure natürlicherweise die Pflicht und glücklicherweise auch ausroichmde Mittel , so wird man zuerst feftftellen müssen, wo die Ge­sellen Herkommen und wo fi? hingehen. Der Kr^ minalist geht in gewissem Sinne immer historisch vor. Die ersten Meldungen von bedenklichen Ta­ten der vagabundierenden Ströme kommen aus Amerika, als dort, nachdem durch die Versuch? von Werner Siemens in Berlin die Möglichkeit elektrischer Eisenbahnen nachgewiesen war. die Straßenbahnen anfingen, sich einer neuen Be­triebsweise in gröberem Matzstab zu bedienen. Dabei wandte man das System der Stromzulei- tung zum "Fahrzeug an, das darin besteh!, dah man über der Bahn einen kräftigen Hartkupfer-- Lraht ausspannt, ihn mit dem einen Pol der Dynamomaschinen im Kraftwerk verbindet und von ihm durch eine Rolle oder einen Bügel den Strom an das Fahr.eug abg b , während als zweite Leitung die Fahrschienen unter Vermitt­lung der Laufräder dienen. Diese Art dec Strom- , Versorgung bewährte sich an sich ganz ausgezeich-

Regierung suchte, wie Staatssekretär Marschall durch Li Hung Tschang erfuhr, die deutsche "Pvli- ttt in Peking zu verdächtigen, um China jedes Entgegenkommen gegen die deutschen Wünsche zu verleiden «Juni 1696). Aus England tarnen da­gegen bessere Nachrichten. ES wurde eine deutsch? Erwerbung in Ostasien ohne jede Eifersucht sei e i, sagte Lord Salisbury dem Grafen Hatzfeldt, lieh aber den Wunsch nach einer äivmpenia>tivn für England durchblicken (Mai 1897). Ruh and er­reichte einstweilen durch seinen Widerstand, dah China in der Tat das deutsche Begehren auf äleberlaffimg eines Hafens ableh ite, obgleich Deuts^and geltend machte, dah cs an der Er­haltung des chinesischen Reiches wirtschastlich a.tzs höchste interessiert sei, und dah es nur im Besitze einer Flvttensvation wirksam für Chinas Inte­grität eirrtreten könne. Indessen hoffte man über die chinesische Weigerung hinwegzartomme i, ah; Ruhland allmählich mit sich neben lieb: Bei Ge legenhrit eines Kaiserbesuchs in Petersburg ver­zichtete der Zar auf die eigene Erwerbung der Bucht von Kiautschou und versprach 'ogor feine Hilfe für ihnen älebengang in deutschen Delitz, schon damit England nicht Hand auf dieselbe lege, sagte Gnaf Munaview, der Minister des Auswärtigen (August 1897).

Auf Grund diesen Verabredung mit Ruh­land wurde in Derlin der Entschluh gefaht, die Kiantschoubucht im Laufe des Winters, zunächst für eine bestimmte Frist, zu besetzen, aber ehe man dazu schneiten konnte, wurde die Situation plötzlich durch die Ermordung zweier deutschen Missionare in Schantung verändert (Anf. Aov. 1897). Der Kaiser war tief empört; er sah in diesem Verbrochen einen Beweis für die geringe Achtung, in den Deutschland wegen seiner vor­sichtigen und jede Gewalt ablehnenden Politik bei den Chinesen stand und hielt es für geboten, die Gelegenheit zu einer gründlichen Wendung zu benutzen: jetzt sollte den Chine e.i durch ge­hörige Repressalien Furcht vor Deutsch.a ein- geflöht und Kiautschou nicht mir vorübergehend, sondern sogleich dauernd besetzt werden Wieder­um setzte man sich loyaler Weise zuerst mit Rußland auseinander, dessen Machtsphör? ja Kiautschou am nächsten tag In einem persönlichen Telegramm teilte der Kaiser dem Zaren die Ab­sicht mit und empfing die Antwort, dah Ruh­land keinerlei Rechte an Kiautschou besähe und somit auch nichts darüber zu bestimmen habe. (7. November 1897).

Diesem Bescheid? und den frühere'. Abma­chungen von Petersburg entsprechend rechnete d e deutsch? Negierung auf wohlwollende Neutralität Nutzlands und lieh die Weisung an das ostasta­tische Geschwader ergehen, nach Kiautschou auf- zu brechen, aber unmittelbar daraus enthüllter die Nüssen ihr wahres Gesicht: im krassen Wider­spruch zu allem Vvrang gangenen kündigt: Graf Muraview ebenfalls De tzung Kiaut cho. s durch eine russische Flottenabteilung an und forderte in drohendem Tone Achtung vor angeblichen älte­ren (Rechten Ruhlands auf Kiautschou, die er mit einem vvrüberg<ch?nden Aufenthalt russtsche Kriegsschiffe in der Bucht während des Winters 1895 96 begründete (8. November) Ja, er droh e mir Intervention zwischen Deutschland und CH. a und bemühte sich zugleich im Verein mV Frank­reich, wie der deutsche Gesandte in Peking sehr bald erfuhr, China zur Ablehnung der deuischnr Territorialforderung zu bestimmen. D u stich er kannte man in Berlin, dah Nuhland selbst nach dem Besitze Kiautschous strebte. Aus allem sprach dieselbe russische äleberh bung und älnzuverlässig« teil, über die schon Fürst Bismarck so oft bitter geklagt hatte.

So ungerechtfertigt der russische Widersprach toar, so erhoben sich im Auswärtigen Amr doch Bedenken, den Platz ggen den ausdrückliche i Wi­derspruch des gefährlichen Nachbarn, zu besetzen; man erwog schon die ^Möglichkeit, nach einem anderen Hafen zu suchen. Hier hat nun der Kr.i'e-r entscheidend eing griffen. Er setzte durch, dah die maritimen Dvrberei urgen zur Beschlagnahm Kiautschous weiter betrieben wurden, und iah gleichzeitig mit Ruhland und England Fühlung genommen wurde: vielleicht wollen die Rus e 1 mi ihrer Opposition nur eine Konzession von feiten Deutschlands erpressen, und wenn es gelang, Eng­lands Einwilligung ober wohlwollende Neutra lität zu erhalten, so lieh sich der an Ruhland zu zahlend? Preis gewiß erheblich heaabsetzen oder gar vermeiden. Diese Takiik bewährte sich. Wenig? Tage, nachdem Kiautschou durch das deufch? Ge chwader bf t worden war (14. No­vember), sagte Lvrd Salisbury dem drut'chen Do - schafter.dah er vorläufig keinen denkbaren Gr>md seh?, weshalb England gegen, die drttch Fest­setzung an einem Punkt der chinesischen Küste Bedenken erhoben sollte " (17. Novbr.). Je toei er nach Norden dieser Punkt gelegen sei, desto we-

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niger habe England einzuwerchen: Kia'llichoa, außerhalb der englischen Jnteres errsphare gel.j.ea, erfüllte diese Bedingung vvrtrefil.ch Salisduiy? Entgegenkommen begreift sich leicht Er besorgte, eine englische Abwtt'uirg werde eine . irge Der- ftänbigung zwischen Rutztand unb Deut ch'.and zur Folge haben, die ihm weder für den nahen noch den fernen Osten erwünscht fein konnte, j? mehr er dagegen in dieser englische Interest.n nicht schädigenden Frage Deutschland unterstützt?, de o eher toar eine Spannung zwischen den beiden ,,r. ° hen Kontinentalmächte r zu erwarten. So gedekt gegen England wies der Reichskanzler internste.' und würdiger Sprache die russischen Ansprü rc unter Berufung auf die früheren ostiziel.e i Aeu )e- rungen Rutzlarrds ab, lieh aber du. daß ach russische Schiffe in der bequemen Bucht nebe i den deutschen überwinterten, solange sie sich nicht einen anderen Winterhafen im Gelben Me?r ein gerichtet hätten (21. Novbr ). »Die Russen können ia da so lange liegen und ankern, bis fi? schwär; ober gelb stoerden. Das kann uns aber nicht h n- dern, dort eine Kvhlenstation und Docks zu er­bauen, schrieb der Kaiser an den Fürsten Hohen- lobe.

Angesichts der deutschen Entschlossenheit und der Deutschland günstigen rechstich.n unb politi­schen Lag? tojg'c Ruhla .d einen offenen Wider­stand nicht mehr, aber 'insgeheim setzte es Len Kampf fort Wiederum ermahnte es, unterstützt durch das allezeit gehorsame Frankreich, die Chi­nesen, die deutschen Forderungrn zu verwerfen, da Deutschland durch die allgemeine Lage bald gezwungen werden würde, seine Truppen aus Schantung zurückzuziehen, und bewirkte dadurch, daß eie chiires. R^ierung in der Tat sich mit ie.n Begehren an Deutschland hwcrnwagte t K au- tschou zu räumen, eh? sie sich auf irgendeine Sühne für die Ermordung der Missionare - Bestrafung der Mörder und schuldigen Behörden u dgl. einlassen könne. Die Antwort auf dieses von Hohenlohe alsunverschämt bezeich et? An innen war die stärkere Festsetzung in Kiautschou, und nun begann auch Rußland einzulenken (End? No­vember). Die Opposition Englands gegen Deut ch land, auf die Nkuvaview gerechnet hatte, blieb aus, und der Lohn, den er sich von China für seine guten Ratschläge gegen Deutschland aus­bedingen wollte, wurde ihm nicht gewäh t. Wie der deutsche Gesandte in Peking erfuhr hatte Wrtzland als Preis für seine Hilfe gegen D.uttch- land die Heberlaffung aller Bergwer e und Ei e.i- bahabauten in den nördlichen chinesischen Pro­vinzen sowie di? ausschliehliche Anstellung ruf.- scher Instrukteure für das Heer gefordert. Also unter der t)Ikaske der Freundschaft reilrngt? Ruh- lanb die Einräumung einer wirtschaftliche i und po­litischen Herrenstellung in Peking: wie besche den war dagegen Deutschland, das ein minimales Pachtgebiet forderte und im übrigen nicht an die Souveränität Chinas zu rühren gesonnen war.

Aber mochte Nuhland auch feine offene Op '« sitivn fallen lassen, Steine sucht? es der deutschen Politik doch immer wieder in den Weg zu toerf.n. Es suggerierte den Chinesen den Plan, den Deut­schen anstatt Kiautschous Samsah anzubieten, in der Hoffnung, Deutschland und England, das Samsah -,u seinen Sphären rechnete, zu entzweien, und zugleich suchte es Japans Feindschaft gegen die Niederlassung der Deutschen in Ostasien zu erwecken, um ungestört die Hand auf Nordch na und Korea legen zu können. Auch diese Intrige erfuhr und vereitelte Deutschland, indem es jeden Gedanken an Samsah abwies und Japan zu ver­stehen gab, dah es jetzt den japanischen Ausdeh- nungsbestr?bungen auf dem Festland? n ch mehr wie vor zwei Jgh^en entgegen treten werd?. Na­türlich bewirkten alle solche Winkelzüg-, dah China die Erledigung der deutschen Forverungen hin- ausfchvb, inbeffen alle Drehu?gen und Wendungen blieb:n schließlich nutzlos, namentlich da euch ein Versuch, englische Hilf? zu gewinnen, fehlschlug, und wie bekannt, muhle China den Vertrag über die Verpach'ung Kiautschous auf 9) Jahr? am 4. Januar 1898 unterzeichnen. Selbst dies? Ta - fache schreckte Nuhland noch nicht von to?it:ren Störungsdermchen ab. Es such e Deutschland -u bestimmen, in seinem neuen Hasen nach russischem Muster den fremden Handel auszuschliehen: wie­derum in der Absicht, Gegensätz? zwischen Dmtsch- land und England hervvrzurufen De itfchland betrat diesen gefährlichen Weg nicht, lieh viel­mehr die englische Negierung wissen, da'') es sei­ner wirtschaftlichen Heber!ieferung entsprechend im nrohen nutzeremropäischen W?ltver.rhr sich denselben freiheitlichen Grundsätzen anschlietzen werde, welchen England so groh> Erfolge re.« dankt" stAnf. Januar 1898). Das Prinzip der offenen Tür, dem Deutschland in seiner Kol>n a'- pvlitit 'im öln'erschied von Frankreich und Nutz­land huldigte, war auch die Grundlag? für seine Politik in Ostasien. Regierung und öffentliche

net: nur b?m einen älmstand halt? man zunächst zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt, dah näml ch die Echienenrückleitung in den Erdboden vhre weiteres eing?b?ttei war, und dah der Erstboren gerade wie die Schienen m der Lage ist, eie'» Irische Ströme fvrtzuleilen Wenn man scl>vn te erwarten müssen, dah sich das die Schienen um­gebende Erdreich elektrisch voll äugen w rste, tv kam noch erschwerend hinzu, dah die Schienen kein unmittelbar zufammenhängendes Ganz? bil­den, sondern aus Stücken zusammengesetzt und an den f©genannten Stöhen leditzlich durch Lache i verschraubt sind. Die'e Stöhe bildeten aber St?l- len von crhBlich gering?r Leitsstihigk.it als die übrigen Gleisteile und erh chlen daher den Wider­stand der Schienenrückleimng br.rächtlich Die Folge war, dah das AustretettVagabundierender Ströme" in das Erdreich, besonders an den S ö hen begünstigt wurde. Mit dem ersten Schritt vom Weg begannen sich nun di? schlechten Eigen­schaften der vagabundierenden Ströme zu zeigen. Zunächst beobachtete man die bei solchen Volk nicht verwunderliche Neigung zu grobem -Unfug. Die vagabundierenden Ströme suchen fremde Lei­tungen auf. in die fte eindrangen, zum Beispiel Fernsprechleitungen, zu denen ihnen die im Tele­phonbetrieb früher überall üblichen Erdplatten Eingang verschafften; sie warfen die Klappen des Ikrmittlungsamts heraus, störten durch unerträg­liches Mitplappern die Gespräche usw. Diesem ilntoefen wurde dadurch gesteuert, dah man die in Frage kommenden Erdplatten aus dem Be­reich der Dahnen entfernte. Down machten sich vagabundierenden Ströme in der Weise unbeliebt, dah sie die Gelehrten in den physikalischen Labo­ratorien durch allerlei auf ihren magnetischen Eigenschaften beruhend? Wirkungen belästigten. Hier half man sich teilweise durch Veränderung der Instrumente, die marr so bauen lernte, dah

die Fernwirkungen des elektrischen Bummle volls ihren gegenüber wirkungslos wurden. Aber ej blieb noch ein? grob? Schwierigkeit: die vagabun­dierenden Ströme stehen un'er der Einwirkung eines mächtig zwingenden H:imw.hs: es treibt fi? mit unwiderstehlicher Gewalt, zur Stromquelle auf dem am besten leitenden und kürzeste i Weg zurückzukehren; sind sie einmal aus den Schienen herausgedrängt, fo suchen sie sich den nächsten metallischen Leiter, der sie ein Stück weiter zur Stromquelle hin mitnehmen kann, und solch? Lei­ter bieten sich ihnen im Strahengrund in den dort liegenden reifchi.»denen Rohrnetzen, auch w)hl in der Blciumhällung der Kobeln von T le- graph?nleifung?n, Lichlleikungen usw ilnb hi.r- bei tritt der Hong zum Stilen hervor Wenn man in feuchtes Erdreich zwei Me allkärper e n- bettet und den einen mit dem einen, den anderen mit dem anderen Pol einer elektrischen Strom­quelle verbindet, so geh', der Strom von dem einen Metallkörper zur Erde und von dec Erd? zum andern Metallkörper über; dabei werden beide Metallkörper verändert, der eine wird teil­weise ausgelöst und das aufgelöste Mater.al w.rd vom Strom zum andern Körper transportiert und auf ihm niedergeschlagen Man nennt diesen Vorgang Elektrolyse. Welcher von den beiden Körpern angegriffen wird, das hangt in dem Fall lediglich von der Stromrichtung ab. Nun ist es klar, dah, wenn die vagabundierenden Ströme eine solche Richtung hoben, dah sie Me­tall von den Röhren stehlen und zu den Schienen befördern, eine sehr gtohe Gefahr besteht, dah unter Umständen durch Rohrbrüche, die eintreten, wenn die Rohrwandungen durch den andauernden Angriff genügend geschwächt sind, schwere Unfälle herbeigefuhrt werden. Hier handelt es sich also um eine sehr ernste Frage. Als die ersten Beobach­tungen über Rohranfressungen aus Amerika her

Meinung in England sprachen sich infolgedefs n durchaus sympathisch übe: bi? lib?ra(ei Eittr.ch- tungen in Kiauttchott ans, während sie in ter Besetzung Port Arthurs durch Ratzland (IS. De- zemder 1L97; ..eine ernst? stcchhr filr bei Wett­lande l und damit euch für den englische.! Handel" erblickten. Diese Ha'. ung Engllnnds toat für Deutschland w.rivr,! g? ?'. Nutzland to:.- qenen Japan: Nutzl.wd m?tz. die ülnmöglichkri crlcn- nen, aus diesem Anlatz Zwiett^ach zwi'chen Deutschland und England zu säen und Oai,an war nach Bülows >strtest ohie Anleh.ung r»n England nicht imstande, Leuttchland enlgegcn.-u» treten, womit bei dem unruh gen Ehrgeize bet Japaner immerhin h>tie gere<h..et werden mästen.

So hat also i ie Be i na .mc Kiautichm? nicht die Fäden zwischen. Nuhland und Deutschland, sondern zwischen Deutschland und Eng a id ing c g,3?gcn und die üble Wirkung d.r Trai.sraalange- legenheit vom Jahre 1S96 zum Teil wieder auf­gehoben. So deutlich halte sich die wirtsch.ift- lich? Zntcresseng.mfinfchaf t Englands und Deuts lands in Ostasien h?rausgestellt, datz jetzt sogar eine Periode intimer Verhandlung? > übe. die Herbeiführung eines aligemeinenZuiammengeI>ens, ja eines deutsch-engliscyen Bündnisse, etnsetzen tonnte. Diese sollten allerdings ecnxnfen, dah noch viele ungelöste Fragen zwischen be.d.m Mäch- ten bestanden.

Wirtschaft.

Bom Wcltgetrcidemarkt.

Die amtliche kanadische Weisenernte-Sta­ttsti k liegt nunmehr vor. Danach wird aus den hauptsächlichsten Provinzen ein Gesamtertrag von 259 Millionen Bus Hel gegen 448 Millionen Dushel 1923 verzeichnet. Also ein Fehlbetrag von 200 Millionen Dushel, der auf die Ausfuhr und auf die ganze Gestaltung des Weltgetreidemark­tes eine recht erhebliche Nolle spielen wird. Die vorhandenen Nest Vorräte können demgegenüber kaum einen Ausgleich bieten. Auch der Mehr­ertrag der Vereinigten Staaten in der Höhe von 29 Millionen Dushel spielt dem ia- nadischen Fehlbetrag gegenüber ebenfalls keine Nolle, so dah mit einer allgemeinen Er­höhung der Preise am Weltgetreidemarkte unbedingt zu rechnen ist.

Die Erntemeldungen aus Europa lauten ver­schieden. Italien schätzt einen Minderertrag von 2025 Proz., Frankreich dürste höch­stens eine Mittelernte aufzuweisen haben, wäh­rend die Ernte in England einigermaßen be­friedigend erscheint. Auch im ö ft ließen Eu­ropa hat die lllngunst des Wetters zeitweilig erheblichen Schaden an gerichtet.

Alle diese Tatsachen trugen in der ver­gangenen Woche zu einer Erhöhung der Weizenpreise auch in Berlin bei. Eine (Steigerung von 185 auf 200 Ml. toar zu vev- zeichnen, das außer dem oben erwähnten Tav- sachen nach den Exportbedarf und dem Knapp- toerben der alten Weizenvorräte zu zu schreiben ist. In Roggen hielt sich die Steigerung zwi­schen 2 und 3 Ml., da der Exportbedarf durch niedrigere amerikanische und argentinische Preise etwas herabgedrückt wurde und auch das Roggen- mehlgefchäft zeitweise stockte. Das beste Geschäft hatte Gerste, die nach dem In- und Auslande gefragt toar, zu verzeichnen. Dies trifft nament­lich für Wintergerste mit einer Steigerung von 153162 auf 159160, aber auch für Sommer- gerfte mit einer Erhöhung von 173183 auf 200 bis 210 zu. Die Aufkauftätigkeit des Auslandes führte auch zu größeren Einkäufen der Braue­reien, die sich bereits beklagen, daß das Ausland die besten Vorräte toegkauste und eine Ausfuhr­einschränkung für Gerste verlangten

''Erhöhung der Reichseinnahmen. Die Einnahmen des Reiches aus Steuern. Zöllen und Abgaben betragen nach dem soeben veröffentlichten endgültigen Ausweis im Juli 583,14 Millionen Marl gegen 472,19 Millionen Mark im Juni. Die Jutteiunahmen sind also gegenüber dem Vormonat um 110,95 Millionen Mark gestiegen.

'Der hessische Weinbau gegen den deutsch-spanischen Hades s-v e rt,.og. 5er Lairdtagsabg Schrei ber h tt beim Land­tag folgenden Antrag eingebracht: Di? Regierung wird ersucht, mit allem Nachdruck im Reichstag gegen die Ratifikation des dmtsch spanische i Han­delsvertrages sich ei rzusthen, da dessen Vollzug den völligen Ruin des oh -ehin in seiner Existenz gefährdeten hessischen Weinbaues b.-siegeln müsse. In Aarweiler hat eine start 'besuch e Protest­versammlung der rheinischen Winzer in der gleichen Sache stattgefunden.

bekannt wurden, war man in der Tat sehr be­sorgt; indessen ergab sich sehr bald die Möglich­keit, den Metalldieben das Handwerk mit Erfolg zu legen. Vor allem sah man sofort ein, daß besser als sonst etwas die möglichste Verhinderung oder Einschränkung des Austritts vagabundieren­der Ströme aus den Schienen fein mußte. Waren keine Diebe da, so konnte auch nicht gestohlen wer­den. Infolgedessen machte man den Widerstand der Schienenrückleitung durch sorgfältige Behand­lung der Schienenstöße und Anbringung gut lei­tender äleberbrüdungen so gering wie möglich. Weiter ordnete man besondere Kabel und Ma­schinen an, die eine Art von Absaugung des Stro­mes ermöglichen, und dann fanden sich auch noch andere Hilfsmittel, deren Erörterung hier zu weit führen würde. Ernstliche Schwierigkeiten durch va­gabundierende Ström? sind jedoch nicht vorgekom­men; vereinzel e Beschädigungen von Röhren wur­den allerdings beobachtet, waren aber immer nur auf kleine Stellen beschränkt. Immerhin muß aber natürlich doch dauernd aufgepaßt werden, und dafür ist bestens gesorgt. Das Kapital der vagabundierenden Ströme gibt also das Beispiel dafür, daß unfern Ingenieuren die verantwortliche Sorge für Vorgänge auferlegt werden muß, von denen die Allgemeinheit bei der Ausnützung der ihr gebotenen technischen Errungenschaften kaum etwas ahnt. Es lehrt weiter für fein Teil, daß lediglich gewissenhaftes Beobachten aller Vor­kommnisse durch den Sachverständigen die Sicher­heit eines technischen Betriebes ausmacht. Daß man vagabundierende Ströme nicht durch Gesetz verbieten oder vom grünen Tisch aus bekämpfen kann, ist selbstverständlich; solche Maßregeln wür­den zu dem Erfolg des Hausherrn führen, der im Finstern die Katzen verscheuchen wollte und dabei die Wirtschaft zerstörte.Blinder Eifer scha­det nurl" Dr, W. K.