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Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)
Nr. 143 Zweiter Blatt
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Verschwindende Marken.
Der Briefmarkensammler, der fast alltäglich durch He Ausgabe neuer Briefmarken erfreut wird, hat bisweilen auch den Schmerz, daß Briefmarken einzelner Länder für immer verschwinden. Dies ist jeht mit dem kleinen Fürstentum Lichtenstein der Fall, das 12 Jahre seine eigenen Marken ausgegeben hat, nunmehr aver die Schweizer Briefmarken in seinen Postverkehr ei iführt. Bor dein Januar 1912 gab es nar österreich.sche Marken in Lichtenstein, aber dann wurden in der Hauptstadt Vaduz eigene Marlen eingeführt, die ein B.lbn's des regierenden Fürsten Johann trugen. Seit 1918 sind dann zahlreiche neue Lichten- steinsche Marken ausgeg chen worden, so das) es im ganzen mehr als 70 verschiedene Marken g bt. Seit dem Januar 1921 ist der Lichtensteinsche Postverkehr der Schweizer Post übertragen, und es waren daher Marken in Rappen und Franken im -Umlauf, nicht mehr in Heller und Kronen. Diese Marken, Arbeiten des Wiener Künstlers Luigi Casimir, zeigten Ansüchten von Vaduz und Umgegend. Nunmehr werden die noch vorhandenen Mengen dieser Nkarlen eingezogen und durch Schweizer Marken erseht. Lichtensteins Markenherrlichkeit ist damit zu Ende.
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Albaniens beschichte in seinenMarken.
Tie wech^elvollen Schicksale Albaniens seit seiner Befreiung tiom tür.i ch.ni Hoch spiegeln sich sehr bezeichnend wieder in den versa) ebenen Briefmarken, die seitdem aus gegeben wurden und so kann man aus e uer vollständigen Sammlung der albanischen Briefmarken der festen 13 ^h e die Geschichte des Land.s ablesen. (1 in? . ee st en Handlungen der Negierung unter Es'a) Pas a war die Ersetzung der tür.ischen Ma len d irch Marken, die den. doppelköpf g ?n by;an i chen Adler mit der Inschrift „Shsip nick' (A da ien) zeigte. Der erste Jahres ag der albani che> äln= abhängigieit am 28. Qkooemb.r 1913 wu . durch sehr roh gedruckte Erinnerungsmarlen began e i, die an Ort und Stelle hergestellt ward. i. Cer 1. Dezember 1913 war dann der Geburtstag der endgültigen neuen albanischen Maren lie ir Turin hergestellt waren. Sie z ig e . di> Abb l- dung einer Medaille mit d m Bit dch Nationalhelden George Skanderbeg Als am 7. März 1914 Prinz Wilhelm von Wied seine kurze He r- schaft antrat, wurde dieses Ereig iis durch die Ausgabe von 5000 Ser en von Briefmarken gefeiert, die das Datum seiner Thron besteig ung und die Inschrift „Lang lebe der König' trugen Da eine neue Währung in Fran s ct g führt wurde, muhten die Para- und Piasterwerte mit den neuen Worten überdruckt w.rden Die Einnahme von Korina am 19. März 1914 führte dazu, dah
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Die Leidenschaft des Briefmarkensammelns.
Die Flut von neuen Briefmarken, die sich in den letzten Jahren über die Welt ergossen hat, scheint die Leidenschaft des Briefmarien amme ns in einer bisher nicht gekannten Weise ausgestachelt zu haben. Der englische Driefmarkensachverstän- dige W. S. Lincoln sagte darüber in einem Dor- Ivag, dah Tausende von neuen Marken allein im letzten Hahr aus gegeben worden sind, die die Sehnsucht jedes Sammlers bilden und das Geschäft sehr belebt haben. „Alle Wasserzeichen unserer Kolonialmarlen sind re ändert," sügie er hinzu, „und das sind rvm Stan'.pualte des Sammlers aus ebenso viele neue Ausgaben. Dazu kommen aus der letzten Zeit die russischen Erinnerungsmarken an den Tod Lenins, die Marken der französischen Olympischen Spiele, die or echi- schen Marken zur Iah hundertfei .r Bhrcns und die schönen Marken, mit denen die Vereinig en Staaten die Gründung Neuyorks feiern. Dann kommen noch die Sondermarken der Britischen Reichsausstellung, die Pasteur-Marken in Frankreich und die Marlen von Monako, die eine QI i- sicht des Museums für Meersforschung des Fürsten von Qttonato zeigen. Bei der Briesmarer- ausstellung in Brüssel wurde eine Serie von 5 Francs-Marken verkauft, die eine ungewöhi- liche Färbuyg und einen ungewöhnlich breiten Rand haben. Die Sammler waren so begierig, diese Marken zu erwerben, dah manche Leute von 3 Uhr morgens an bis zur Eröffnung der
Das Saargebiet und der Völkerbund.
3n den Mitteilungen der Deutschen Liga für Völkerbund „Völkerbundfragen" behandelt der bekannte Saargrvhindustrielle Hermann Röchling die Frage des Eintritts Deutfchlairds in den Völkerbund. Er weist darauf hin, dah die englische Regierung, aber auch darüber hinaus weite intellektuelle Kreise Englands, den Wunsch zu erkennen gegeßen haben, dah Deutschland dem Völkerbund beitreten möchte. Sie seien der äleberzeugung, dah ein Völkerbund, ohne dah Deutschland, Ruhland und die Vereinigten Staaten ihm angehören, nicht annähernd die Möglichkeiten hat, die sich ihm eröffnen, toerm diese drei Mächte, die zusammen wohl 360 Millionen Menschen repräsentieren, ihm angehörten. Röchling hält sich nicht für berechtigt, der deutschen Regierung oder dem deutschen Volle einen Rat zu erteilen, was es tun soll. Er meint aber, bei der Bear eilung, welche Wege dem beutfden Volke offen stehen, sei es sicher von groher Wichtigkeit, sich ein möglichst objektives Urteil darüber zu bilden, was der DölkerbundDeutschland bietenkann. 3m Saargebiet habe man die G legenh i gehab', die Entwicklung des Völkerbundes gleichsam am eigenen Leibe zu erfahren, habe ihn auch sonst beobachtet und sei also nicht ungeeignet, über
Briefe in Ermangelung von anderen Mar en mit viereckigen Stempeln versehen wurden, die das nationale Wappen und die Zuschrift „Commission de Controle Korea" zeigten. Nach einigen Wochen wurde dieser Stempel durch Marken des Staates Epirus ersetzt. Die Sinn hme von Skutari wu de durch einen Ueberdruck der Skanderbeg-Mallen gefeiert. Die neue Marke, die den „Nkbret" W l- helm in groher Uniform zeigen sollte, wurde zwar in den österrcichi'che.a Slaa sgieher ien h? - gestellt, aber kam infolge seiner Qlbda.kuni nicht zur Ausgabe. Essad Pascha üb rn -h n i ie R:gi - rung uni> gab zu Anfang 1915 Marte r aus, die Ansichten des Skutari Sees und das Tara boschberges zeigten. Dann herrsch.e zwei ch-ahre lang Chaos in Albanien, und erst als die Alliierten in Südalbanien eindrangen u.rb eine unabhängige Republik in Korina errichteten, wurden Astsang 1917 reu - vorläu ige Ma en ousg g b n. Solche provisorische QNa ken erschi n n b n auch 1919 in den Verwaltungen, i ie die Ol li e ten in S u.ari unb Durazzo enicheten. 3n S.uta i würben auch die Qlkarken mit bem Bilde des Fütstea Wi Helm verwend't mi1 ein m ä'ebe druck des albanischen Wappens. Daneb n wurde i d.e Skanderbeg - Marken mit verschi dene, Ucber- bruefen verwendet. Anfang 1922 erschi n ei. c in Wien ged ruckte Ausgabe mit An i 'st n von Berat, Ko.itza, Durazzo und anbereu albanischen Städten, die dann zur Erinnerung an die Eröffnung der gesetzgebenden Versammlung in Ti a a überdruckt wurden. Eigene Mar.en gab b e rerv- lutionäre Regierung von Miridites im Dezember 1921 aus, die aber rasch von bet Republik unter»
Keiner weitschweifigen Widerlegung bedarf auch eine weitere Behauptung Dr. Grautoffs, dah nämlich „nach 1918 keine Elite von Altelsässern nach Deutschland gewandert" sei. Wer einiger- mähen in den Dingen Bescheid weih, dem sind zu vielen Dutzenden die Namen führender Politiker, Verwaltungsmänner, Intellektueller, Lehrer, Geistlicher beider Bekenntnisse usw. bekannt, die ihre Treue zu Deutschland mit dem Opfer der freiwilligen Aufgabe ihrer Heimat bezeugt haben. Es steht einem deutschen Blatte schlecht an, diese Männer und Frauen mit einer Handbewegung abzutun. Was ist denn eigentlich „Elite?"! Der einstige längjährige Straßburger Bürgermeister unb jetzige Oberpräsident in Kassel, Dr. h. c. Rudolf Schwander, der verstorbene silnterstaatssekre- tär Petri, die Theologen A n r i ch und E h r - Hard, dieser Dekan der Strahburger katholisch- theologischen Fakultät, Männer wie der Führer der Opposition gegen Wetterle im elsah-lothringi- schen Landtag, Ministerialdirektor z. D. Dr. h. c. A G o e tz, wie der frühere Landtagsabgeordnets Paul Wolf sind doch auch in den Augen des anspruchvollsten Beobachters ebenso als geistige Elite des elsässischen Volkes anzusprechen wie die mehr als 30 protestantischen altelsässischen Pfarrer, die um ihres Deutschtums willen das Elsah freiwillig verlassen haben, wie die führenden Kräfte der Lehrerschaft. Als Gesamteindruck seines Aufenthalts in Straßburg — das übrige Land hat G. offenbar nicht besucht; er kennt das Elsah auch von früher n i d> t, tote er selber erklärt! — stellt Grau- toff fest: „. . . Ich sage euch die Wahrheit, die ich erlitt, ins Gesicht: Das Elsaß will uns nicht. Die Elsässer sind uns verloren!" (I!) Was es mit einer solchen Behauptung auf sich hat, dürfte aus dem Vorangegangenen bereits deutlich sein; kein Mensch kann derartiges behaupten, da das untrüglichste Kennzeichen, die allseits im November 1918 erwartete Volksabstimmung über die Zugehörigkeit zu Deutschland oder die Rückkehr zu Frankreich oder die Selbständigkeit als neutrale Republik — an die seit Jahrzehnten viele denken — auf Abraten der Wetterlö usw. aus Furcht vor der Dlohstellung der französischen Defreiungs- tiraden unterblieben ist.
Qlber das ist ja gar nicht der Kern der Frage. Woraus es bei der „elsaß-lothringischen Frage" ankommt, das ist: Dars im Zeitalter des Selbstbestimmungsrechts, des Völkerbundes, der Minder- heitenrechte ein Staat wie Frankreich aus macht- politischen, strategischen, und dazu aus zentralistisch-staatlichen Erwägungen heraus einem Volke von anderthalb Millionen anderssprachiger, an« dersstämmiger Menschen ungestraft, ohne Einspruch der Welt seine Vergangenheit, seine Wesensart, sein Selbst rauben? Ist es denkbar, dah eine Minderheit von der geistigen und menschlichen Qualität Her elsässischen und deutsch-lothringischen im französischen Staat vergewaltigt und seelisch verkümmert werden kann, ohne dah das Deutschtum in aller Welt diesen Frevel als Frevel an sich selbst verdammt und vor aller Welt brandmarkt?
Es wäre nicht faßbar, wenn gerade ein deutsches demokratischen Blatt vom Range der „Vos- sischen Zeitung^' solche brutale Machtpolitik etwa rechtfertigen wollte, sei es auch nur dadurch, dah sie dem Brutalen (auf Grund von Beobachtungen, die nicht zum innersten Kern Vordringen) bescheinigen, daß zielstrebige Macht deutsches Volkstum auszurotten vermag. Ihre Ausgabe liegt im Gegenteil darin, sich zum Qlnwalt aller Gepeinigten und silnterdrückten zu machen. Dies aber ganz besonders dcnm, toerm Blut vom eigenen Blute, Fleisch vom eigenen Fleisch überfremdet wird!
statuts vorgenommen wurde, in welcher Weise die Wohlfahrt der Bevölkerung durch die Döllerbundsskommission nicht gesichert, sondern geradezu mit Fähen getreten wurde, wie die Wirtschaft im (Daarg.tuet bestimmungswrdrig nach Westen umgestellt wurde — kurz wie das ganze Gesicht des Saargebietes durch die Verwaltungstätigteit der Völkerbundslommission ein völlig anderes, b. h. französisches Gesicht bekommen hat. Gerade der Hinweis Röchlings auf die Entscheidung des Völkerbundes in der oberschlesischen Frage läßt die Befürchtung aufkommen, dah man die künstlich geschaffenen neuen wirtschaftlichen unb politischen Verhältnisse an bei Saar verwenden will, um die zweifellos fast einstimmig für Deutschland abgegebenen Stimmen des Saargebiets im Jahre 1935 zu ungunften Deutschlands auszulegen. Gewiß kann man mtt Röchling der Hoffnung sein, dah durch das geschlossene und entschlossene Eintreten der Saargebietsbevölkerung mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln für ihre Rechte es gelingen wird, das Schicksal des Saargebietes nach dem Willen der Bevölkerung zu gestalten, das seht jedoch voraus, dah der Völkerbund das wird, was er eigentlich sein soll: ein Hort des Friedens und der Gerechtigkeit! Wenn die Anzeichen der jüngsten Zeit auch andeuten, als vollziehe sich im Völkerbund unter dem Einfluh der Neugestaltung der politischen Verhältnisse in England unb besonders in Frankreich langsam auch eine Entwicklung in dem Sinne des idealen Völkerbundes, so muh man vorläufig bei der Frage des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund diesen zunächst nehmen, wie er ist. Unb der ermuntert gerade nicht zum Beitritt Deutschlands.
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Elsah-Lothringen dem Deutschtum verloren?
Aus Strahburg erhalten wir folgende Zuschrift:
Die französischen Propagandaorgane im Rheinland, das „Echo du Rhin" und das Koblenzer „Nachrichtenblatt" ebenso die dänisc^enten- ttsttsche „Neue Flensburger Zeitung", daneben natürlich die gesamte französische Presse, sie alle geben einen Aufsatz wieder, den ein deutscher Berichterstatter über seine Erfahrungen und Eindmcke auf einer Reise nach Elsah-Lothringen in der Berliner Dossischen Zeitung" veröffentlicht hat.
Dr G r a u t o f f, von dem eine redaktionelle Dornotiz der „Vossischen Zeitung" feststellt, dah er zu den besten deutschen Kennern unserer westlichen Nachbarn gehört", hat im Auftrage des Blattes Frankreich bereist; in einem ersten Aufsatz „Hinter der Front in Frankreich 1924“ hat er einen breiten Raum der Frage gewidmet, wie „die festgefügte Einheit Frankreichs auf Elsah-Lothringen gewirkt hat". Der Artikel kommt zu Ergebnisien, die mit Recht sensationell zu nennen wären. . . . wenn sie zutreffend fein sollten. Sie sind es rn keiner Weise; sie sind aber derart bezeichnend für die falschen Auffassungen, die ein oberflächlicher Beobachter von dem heutigen Elsah haben kann, dah es im allgemeinsten Interesse gelegen ist, den Dingen etwas nachzugehen. Es kann sich hier naturgemäß nicht darum handeln, etwa Punkt für Punkt den Gegenbeweis zu führen. Das würde eine Broschüre oder ein Buch erfordern. Qlber einzelne besonders deutliche Beispiele dafür, dah das Gesamtbild völlig falsch gesehen ist, sollen angeführt werden.
Zunächst aber noch eine Vorbemerkung, die an sich schon stutzig machen muß: Während die französische Presse und die von Frankreich ausgehaltenen Organe in aller Welk großes Triumphgeschrei — und von ihrem Standpunkt aus unbedingt mit Recht — erheben, sind die Blätter, die am ehesten voller Wonne die - Grautoffschen SeflStellungen übernehmen sollten, still und stumm; mit anderen Worten: die gesamte elsaß-lothringische Presse scheint sich geradezu zu genieren, derartig Ungereimtes wiederzugeben.
„Das ganze Straßenbild ist französisch", heißt es von Straßburg; „Französische Ladenschilder, französische Plakate, französische Aufschriften auf den Trambahnen." Das wird kaum jemand bestreiten wollen; es hat aber seinen Grund darin, daß mit polizeilichem Zwang dafür gesorgt wird, daß auch rein äußerlich nichts aus bem Rahmen herausfällt, ben die französischen „Befreier" für die Wirkung auf das Auge für nötig erachten. Aber wie sehr das reine Potemkinsche Dörfer sind, zeigt sich z. B. darin, daß Blätter mit gut französischen Titeln wie „La Republique" oder „Huma- nite“ rein deutsch erscheinen und nicht einmal mehr wie einst in der ersten Zeit die Konzession machen, ben einen oder anderen Artikel in fron« Mischer Sprache zu geben. All das ist pure Aeußerlichkeit, die aber nicht darüber hinweghilft, daß die Sprachenfrage Tag für Tag in der elsässischen wie auch in der innerfranzösischen Presse vehandelt wird. Neun Zehntel der Bevölkerung spricht deutsch, die allergrößte Zahl der Tages- und Zeikschriftenpresie ist deutsch; die älm- gangssprache der breitesten Massen ist elsäsiisch, b. h. deutsche Mundart. „Es gibt kein deutsches Theater, keine deutsche Buchhandlung, keine deutsche Zeitung von Rang", berichtet demgegenüber ®rautoff und fügt hinzu: „Das alles erträgt der Elsässer ohne zu murren. Ich frage mich, woher diese Weisheit stammen kann. Den Tatsachen entspricht sie so wenig, daß gerade dieser Punkt keiner ernstlichen Widerlegung bedarf. Die Presse aller Richtungen verficht das Recht auf die Muttersprache, brandmarkt die älnmenschlichkeit nnb Unvernunft, die in der Aufokttoyierung des Französischen als allein berechtigte Amts-, Gerichts- und älnterrichtssprache in einem durchweg deutschsprachigen Lande liegt, die Geistlichkeil beider Konfessionen, öffentliche Volksversammlungen allerwärts, Resolutionen aus ben verschiebensten Gegenden fordern die Olbkehr von diesem geift- und seelentötenden unwürdigen Sprachenausrottungskrieg. Unb die Kandidaten der Parteien (auch Eingewanderte!) haben wie früher so auch im letzten Wahlkampf versprochen, daß sie das Recht der Muttersprache unbedingt verfechten werden.
„Es gibt keine deutsche Protestlerpartei, sondern nur einzelne Unzufriedene", fährt Grautoff fort. Darf ich an den Berichterstatter die Frage richten, ob ihm bekannt ist, baß Versuche, dem Selbstbestimmungsrecht der einheimischen Bevölkerung zur Anerkennung zu verhelfen, von französischer Seite wiederholt im Keim erstickt worben sind? Daß es eine völlige praktische Unmöglichkeit ist, eine Bewegung zu' organisieren, die die Unzufriedenheit der Bevölkerung, die Enttäuschung, das „Unbehagen" in die auswertbare Form einer Partei ober Vereinigung bringen würde.
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das zu sprechen, was der Völkerbund war, zur Zeit ist und was er sein farm.
Was der Völkerbund war, beweist Röchling mit dem Hinweis auf die Entscheidung des Völkerbundes in der v b e r s ch l e s i s ch e n Frage. Hier habe sich der Geist der Siegerstaaten gezeigt. Röchling weist dann auf einige, wie er es nennt, starke Milderungen der ober schlesischen Losung hin, die offenbar aus dem schlechten Gewissen derer entsprungen seien, die diese Lösung her- beigefühit haben. Nach Röchlings Ansicht ist die schlechte erste Entscheidung später prakijsch in der Hauptsache wieder aufgehoben worden, eine Ansicht, die jedoch nur in sehr beschränktem Maße den Tatsachen entspricht.
In einem weiteren Olbsah behandelt Röchling die Frage, was der Völlerbund z u r Zeit ist. Zu diesem Zwecke gibt er eine eingehende Schilderung der Verhältnisse im Saargebiet, das bekanntlich durch eine Kommission des Völkerbundes verwaltet wird. Er gibt einen kurzen Abriß der Entwicklung der Saarverhältnisse unter bem Völkerbundsregime, weist auf bie ganz einseitige französische Einstellung der Regierungslömmi f.vn hin, auf die Korruptton, die sich durch bie einseitige Auswahl bes sog. Vertreters der Saar- bevolkerung gezeigt haben, und führt bann einige der gröbsten Verletzungen ber Saarstaluisbestim- mungen durch die Döllerbundslommission aus. Unter diesen nennt er an erster Stelle die unberechtigte Anwesenheit französischer Besatzung im Saargebiet, die Mißachtung der einmütigen Forderung der Saargebietsbevölkerung nach einer demokratischen Volksvertretung mit allen parlamentarischen Rechten, erwähnt bie Verhöhnung ber Bevölkerung durch bie Einführung des Gesetzes zum Schuhe der deutschen Republik, angepaßt an die Verhältnisse des Saargebiets mit dem Ziel ber älnterjochung der Bevölkerung unb schließlich bie älnter&inbung ber Freizügigkeit der Bevölkerung burch Eingriffe ber Interalliierten Rheinlanbkommission. Der Verfasser hebt hervor, daß in all den v'elen Fällen des Saargebiets, in denen ber Bevölkerung unrecht geschah, zunächst der Völkerbundsrat Der= sucht hat, burch bie Annahme, es wäre alles nicht fv schlimm, dem Richterspruche aus dem Wege zu gehen. Die Saarbevölkerung habe aber nicht locker gelassen und immer wieder auf bie Mißstände unter Beibringung von Beweisen hinge- wiesen, bis schließlich der Völkerbund, trenn auch in diplomatischen Formen unb mit Schonung bes mächtigen Frankreich, endgültig zu diesen Dingen Stellung nehmen mußte.
Der Aufsatz schließt mit folgenden Betrachtungen: „Für den Idealisten, der alles an dem Maßstabe mißt, was ein idealer Völkerbund leisten müßte, ist es sicherlich noch nicht viel, was das Saarvolk in feinem Kampfe um feine Rechte erreichte, aber für ein Volk, das unter Fremb- herrschaft gestellt ist, ist dies schon unendlich viel. Man bedenke nur, daß im Rheinland 140 000 Leute angewiesen wurden. Im Saargebiet ist dies nur mit ganz wenigen Leuten, und zwar nur mit solchen in ben letzten zwei Jahren riskiert worden, die nur seit ganz kurzem im Saargebiet wöhnen. Trotzdem waren diese Maßnahmen ungerecht und ungeiechtfertigt. Alles in allem muß man sagen, daß das Lr>s ber Bewohner im Saargebiet unter bem Völkerbund sicher nicht zu vergleichen ist mit der Freiheit ber Leute im unbesetzten Deutschland, daß aber andererseits durch bie ständige unb mannhafte Vertretung, welche bie Saarbe- vollerung ihren Rechten gewidmet hat, das Los erträglicher ist als im besetzten Deutschland, in dem mit Ausnahme der englischen Zone absolute Rechtlosigkeit herrscht- Es ist selbstverständlich, daß, wenn die Saarbevölkerung Nachlassen würde in der Verteidigung ihrer lRechte, diese jedenfalls sehr rasch verkümmern würden. Daß dazu Mannesmut, der sich nicht um die persönlichen Folgen kümmert, gehört, ist selbstverständlich Qlber den bringen bie anderen deutschen Stämme auch auf und vielleicht in noch größerem Maße als bie Bewohner des Saargebiets. Der Erfolg ist b)rt leiber bisher mangels einer geeigneten Rechtslage und vor allen Dingen mangels eines geeigneten Gerichtshofes sehr viel geringer gewesen, als bei uns an bei Saar. Urteilt man an ben Erfolgen des Saaigebiets, gemessen an dem, was ein richtiger Völkerbund leisten sollte unb leisten konnte, so sind sie alleidingS sehr klein, denn ein richtiger Völkerbunb sollte für bie Gerechtigkeit folgen, auch in großen Dingen, und dabei sollte der Kampf ums Recht den Vollern nicht so schwer gemacht weiden, wie es bei uns vielleicht geschehen ist."
Im Rahmen eined kurzen Aufsatzes ist es natürlich nicht möglich, an Hand ber bestehenden Verhältnisse ein klares Bild von dem Völkerbund zu zeichnen, wie er wirklich ist. Es müßte z. D. mindestens eingehend hervorgehoben werden, in welcher Weise der Völkerbund bie französische Schulpolitik im Saargebret zuläßt, in welcher Form die Umstellung ber Währung gegen d.e Bestimmungen bes Saar-
Wirtschaft.
Mißliche Lage der oberschlesische« Eisenindnftrie.
Uebei bie Lage in ber Oberschlesischen Eifenindustrie berichtet bas Fachblatt „Industriekurier": Aus der ganzen Linie zeigt sich dasselbe Bild, das die letzten Monate bereits auftoiefen. Anzeichen zur Besserung sind nirgends zu sehen. Der Erzmarkt steht, wie schon seit langem, unter dem Zeichen überaus starken Angebots. Schwedische, spanische, Mittelmeer- und deulfche Erze stehen in großem Umfange zur Verfügung. Dazu gesellt sich jetzt auch noch srrdrussisches und polnisches Erz. Die Aufno hmefähigkeit der Hoch- ofentoerte ist aber sehr gering, da bie prekäre Geldlage zu größter Zurückhaltung bei Neukäufen zwingt und außerdem noch nennenswerte Erzbe- stände vorhanden sind Trotz des starken Angebots sind bie Erzpreise ziemlich fest. Ob der jetzige Preisstand aber noch lange sich wird behaupten können, muß bezweifelt treiben. Das Rvhcisengeschäft ist höchst unbefriedigend. Die zur Zeit bestehende allgemeine Olachsrage nach Roheisen hat eine Steigerung der Aufwertungsbedürftigen Preise nicht herbeigeführt. Französisches unb belgisches Roheisen wird in großen Mengen zu billigem Preise auf ben Markt geworfen. Oberschlesien kann unter diesen Umständen nui starke Verlustpreise erzielen. Der Qlbsatz nach Pvlnisch-Oberschlesien hat wegen der katastrophalen Lage der dortigen Eisenindustrie noch nicht wieder in nennenswertem Umfange ausgenommen werden können. Qluch für Bleche unb Stabeisen hat sich die Lage nicht gebessert. Die erzielbaren Preise decken bie Selbstkosten nicht. Lieferungen an das Ausland erfolgen nur in ganz geringem Umfange, da die erzielbaren Preise ben Walzwerken kein Auskommen lassen. Wit einer Besserung der QlbsatzVerhältnisse ist für bie nächste Zeit nicht zu rechnen. Es wird baher auch nicht möglich sein, die Preise in das richtige Verhältnis zu ben Selbstkosten zu setzen. Qluch für Schmiede-, Preß- und Gußstücke konnten keine befriedigenden Preise erzielt werden. Der Eingang an neuen Aufträgen läßt trotz ber äußerst nichtig gehaltenen Preise sehr zu wünschen übrig, besonders stark mangelt es an Stahlguß-Aufträgen, dc» das Cisenbahnzentialamt mit Bestellungen auf Lolo- motiomaterial unb sonstigem Eisenbahnmaterial weiterhin zurückhält.
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* Eine griechische Ha ndelskammer in Berlin. Wie mehrere Blätter mitteilen, ist in Berlin unter Mitwirkung bes griechische^ Gesandten in Berlin eine griechische Handelskammer gegründet worden. Die Handelslammet wirb in Hamburg, Dresden, Leipzig und Köln Zweigniederlassungen eröffnen.
• Ratinger Metallwerke A-G. in Ratingen. Die Verwaltung dieser zur Becker- Stahlgiuppe gehörenden Gesellschaft hat sich gezwungen gesehen, Antrag auf Stellung unter Geschäftsaufsicht zu stellen Diesem Olntraq ist vom Amtsgericht Qtatingen ftattg.'geben wo ben. Wie man erfährt, ist die Lage des -Unternehmend an sich nicht kritisch. Die Olußenstände übersteigen bei weitem die Derbindlichkei en, nur kommen bie Außenstände sehr schwer herein. Die Schwie-
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drückt wurden. Daneben hatte auch noch Italien eigene Postbureaus im Lande, die italienische Qltaifen ausgaben. Man sieht aTo: Die Bricf- maikenverhältnisse in Albanien si id ebenso vermint und verwickelt wie bie politischen Zustände.
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