Kr. W Zweiter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhessen)
Die Absetzung des Kalifen.
Don Lic. Dr. D. Paul Kahle, o. 5. Professor der semitischen Philologie an der Rheinischen Falledrich-WilhelmS-Universität, D^nn.
Der Beschluß, durch den die türkische Ratio- »«ldersammlung das Kalifat obschaffte und die Familie Osman,fcc« Landes vcrw.es, hat ziemliches Aussehen Erregt Es ist daher wohl angebracht, wenn wir einmal dem Wesen des Kalifats r.achgehen und fragen, welche Gründe wohl die Türken zu ihrem Schritt veranlagt haben und toddx Folgen er voraussichtlich haben wird.
2lls „Khalifatu-r-rasüli-llähi" d. h. „Stellvertreter des Gesandten GvtteS", nämlich Ma- hammeds, bezeichnete man nach Muhammeds Tode (0.32) die Männer, die an seiner Stelle die Herrschaft über die Gemeinde des Islam ausübten: Sie waren die Führer (3mäm) der muslimischen Gemeinde, und vertraten den Propheten in allen seinen Obliegenheiten, außer der Offenbarung, de natürlich aas den Propheten beschränkt war. Auf die vier ersten Khaltfen, die etwa 30 Jahre lang in Medina, der Stadt des Propheten, residierten und deren Herrschaft man später als die goldne Zett deS Islam ansah, ging die Herrschaft über auf die zur meklanischen Aristokratie gehörige Familie der Omaijaden, die wesentlich weltlich gerichtet waren. Sie huschten in Damaskus und nannten sich Kalifen, w.e ihre Vorgänger, behaupteten Führer der Gemeinde (3mäm) und Fürsten der Gläubigen (emir el-mumenin) zu sein. Die Macht ihres Schwertes verschaffte ihnen 2lnertemtung, und wenn defe von den Frommen auch nur widerwillig ihnen gezollt wurde, so waren sie doch tatsächlich Herrscher über das ganze Gebiet des Islams.
Um die Milte des 8. Hahrh-underiS ging durch eine Revolution die Macht an die Ab oa- s i d e n über, di« den Vorzug einer näheren Verwandtschaft mit dem Propheten hatten. Sie erwählten Bagdad zu ihrer Residenz. Ihr Ausspruch, „Stellvertreter des Proth.ten" zu sein, wurde in weiten Kreisen des IslamS anerkannt, aber auch sie txxxren im wesentlichen weltliche Herrscher und ihre Macht erstreckte sich nie über das ganze Gebiet des ISlams. Die Omaijaden- Herrscher In Spanien nahmen für sich selber den Titel „Stalife" in Anspruch, und feit dem Ende des 10. Jahrhunderts gab es ein drittes Kalifat in Aegypten, das die dort herrschenden Fa t i m i d e n innchll en, webHe Rachlom- men der Tochter deS Propheten, der Fatima, zu sein behaupteten. Die Lehre vom Kal fat, die damals begründet wurde, schuf ein Idcalb ld von dem Kalifen, das hergenommen war von der Zell der 4 ersten Kal'fen, den .rechtgeleiteten-. Las im einzelnen sich den tatsächlichen Machtver- b Kniffen anpaßte. aber als selbstverständlich annahm. dast der Kalife von dem edlen Stamme der Kura'^chiten war, der groben Familie, dem der Prophet, die Omaijaden, die Aobasiden an- gehorten, und dem die Fatimiden anzugehören behaupteten. Rachdem Sultan S a l a d i n von Aegypten dem Fatimiden-Kalifat im Jahre 1171 ein Ende gemacht hatte, stieg das allgemeine Ansehen der Abbasidmkalifen von Bagdad — wenn auch ihre tatsächliche Macht meist gering war, an Ansehen in der muslimischen Welt, die Abba- siden repräsentierten doch in gewisser Hinsicht die Einheit deS an sich in viele Reiche und Herrschaften zerspaltenen Islam, und eS war ein schwerer Schlag für Len ISIam, als im Jahre V58 der Mongolen sturm dem Abbasiden» wlifat von Bagdad ein Ende bereitete.
Die letzten Angehörigen der Dynastie flüchteten sich nach 'Aegypten, wurden von dem berühmten Mamlukensultan D a i b a r s aufgenrnt- men; man liest ihnen den Titel Kalife, ihr E.n- flust. beschräirkte sich aber im wesentlichen darauf, txv- sie cem jeweilgen Mam!ukensultan eine Art Weihe geben durften. Die Mamluken waren gekaufte Sklaven. Es ist begreiflich, dast gerade ihnen eine solche Weihe erstrebenswert erschien. Freilich ist der Anspruch der Abbasidenprinzen In der muslimischen Welt im allgemeinen nicht anerkannt, vielmehr wurden verschiedentlich mächtige islamische Herrscher mit dem Titel Kalis« bezeichnet, so z. D. die Rachkommen des Tschtn- giskhan, ferner die Sultane von Indien — Delhi gilt im 14. Jahrhundert als Sih des Kalifats — auch Timur und sein Sohn, Schah Ruch, wurden von ihren Anhängern als Kalifen angesprochen. In ähnlicher Weise gilt auch der große osmanische Eroberer, Sultan Selim als Kalife. Dast er sich nach der Eroberung -Aegyptens (1517) von dem letzten Abbasiden- Kalifen Mutawakkil die Ansprüche auf das Kalifat habe abtreten lassen, ist eine Legende, wie der russische Islamforscher Darthold nachgewiefen Ult Lediglich auf Grund ihrer wirklichen Macht und auf Grund der Tatsache, dast man sie seit der Eroberung Aegyptens in dm heiligen Städten des Islams, in Mekka und Medina, als Herr
scher anerkannte, wurden Selim und seine Rachfolger nicht nur von den Osmanen, sondern auch von den Arabern als Kalifen anerkannt. Die osmanischen Sultane waren im 16. und 17. Jahrhundert im wesentlichen die Herrscher aller Muslime, unb als solche Kalifen, und wenn ihr Kalifat in manchen muslimischen Ländern, wie z. D. in Buchara, Indien, Marokko, nicht anerkannt war, so wird das mit der weiten Entfernung zwischen der Türkei und diesen Ländern erklärt. SHe Einheit des Kalifats wird auf die Einheit der well- lich«n Macht, die zur Erhaltung der Ordnung notwendig ist, zurückgeführt.
Erst mit dem Rud-rrgaug der türk'schen Macht wird eS anders. Als der osmanische Herrscher an dem Friedensvertrag von Kütschük Kat- nardsche (1774) die Unabhängigkeit des Kl-ans der Krim anerk.n:ren mußte, wurde nach Ian en Verhandlungen darin der Passus ausgenommen: »In religiösen Bräuchen müssen Sie (bte Tataren der Krim) sich als eilwes Glaubens mit den Muslimen in Bezug auf Seine Majestät den Sullan als den Oberkalisen der Muhammedaner nach den Regeln richten, die ihr Gesetz ihnen vvrschretbt. jedoch ohne den geringsten Abbruch für ihre politische und bürgerliche Freih.it." Eine spätere erläuternde Konvention (1779) spricht bann von .dem geistlichen Segen" des Kalifen, anstelle der von Türken gewünschten „Bestätigung". Es ist sicher, dast bei der Schaffung dieser Wendungen europäische Einflüsse wirk,am waren.
Wahrscheinlich har der Armenier Mouradja d'Ohston in dem 1787 ersch enenen 1. Bande seines berühmten „Tableau general de l'empire vthoman" die Theorie von der geistlichen Souveränität des türkischen Sultans als des Rachfolgers der ägyptischen Adbrsiden geschaffen. Diese Theorie dringt durch und wird mit der zunehmenden politischen Schwäche der osmanischen Sultane von diesen mehr und mehr vertreten. Rach der Abschaffung des Sultanats durch die türkische Rationalversammlung hatte daS Kalifat des letzten osmanischen Kalifen Abdulmedschid überhaupt nur noch den Sinn einer geistlichen Oberherrschaft ohne jede politische Macht. Mit diesem Scheinkalifat haben nun die Türken aufgeräumt. Dast der Kalife als geistlicher Herrscher über die MuSlime nichts mehr bedeutete, hatte ja der Weltkrieg zur Genüge gezeigt. Man dcnle an die Enttäuschungen, die der von dem türkischen Sultan-Kalifen verkünde „Heilige Krieg" (dschi- hld) gebracht hat. Der Kalifatsgedanke hotte nach dem Schwinden der weltlichen Macht keine positive Bedeutung mehr. Den äusteren Anlast zur Beseitigung der Einrichtung boten finanzielle Gesichtspunkte. Die Rationaldersammlung hat'« eine gewiss« Einschränkung der Bezüge des Kalifen beschlossen. Wan wollte ihm — wenn ich wohl unterrichtet bin — nur noch etwa 1000 türkische Pfund (d. L etwa 4000 Mt.) pro Tag zubilligen, was eine Reduktion seiner Einnahmen um etwa 100 000 türkische Psund pro Jahr bedeutete. Dies« Rermzierung seines Budgets hatte eine sehr lebhafte Beschwerde des Kalifen an Mustafa Kemal und die Rationalversamm- faing zur Folge. Diese Beschwerde wiederum bewirkte eine erneute Prüfung der ganzen Einrichtung durch die Rationalversammlung. Solange das Kalifat bestand, mußte di« Surfet nicht nur den Kalisen selber, sondern auch die zahlreichen Angehörigen der Familie Osman unterhalten, unb die war allmählich auf 35 männliche Rach- kvmmen nebst ihren Familien angewachsen, da die früher übliche Methode der Ausrottung der Geschwister usw. bei der Th.vichesteigung eines neuen Sultans nicht mehr anwendbar war. Da« Familie Osman, die der Türkei di« berühmten Herrscher geschenkt hatte, war seit Generationen stark degeneriert und verweichlicht. In den ganzen schweren Zeiten, die di« Türkei hatte durchmachen müssen, hatte auch nicht einer aus den zahlreichen Mitgliedern derselben eine Rolle gespielt. Besonders schlecht war man auf Mehmed Vi„ den letzten Sultan, zu sprechen. Man sah in ihm den Verräter, der blost um die Dynastie zu retten im Vertrage zu Sevres eingew.lligt hatte, das» das Land unter fremdes Protektorat gestellt werde. Warum sollte die in ihrem Umfang und ihren Einnahmen stark geschmälerte Türkei, die zur Durchführung ihrer als notwendig erkannten Reformen ihr Geld wirklich gebr-auchen konnte, blost um einer Idee willen, die keine positive Bedeutung mehr hatte, ihr G.ld zur Unterstütung von Leuten hingeben, die keine für die Türkei irgendwie wertvolle Arbeit leisteten! Die Abschaffung des Kalifats bedeutete eine sehr erheb- liche Ersparnis für den türttschen Staat.
Dazu kamen politische Grund«, die letztlich ausschlaggebend waren. In der Rationalversammlung war man sich darüber klar, — und auch Mustafa Kemal teilte diese Ansicht — dast der Kalife in Konstantinopel all den altfanfer- vativen Kreisen eine Stütze werden konnte, di« ein Interesse an dem Fortbestehen der alten Verhältnisse hatten, die gegen die Reformen arbei-
vleWrWWWMn.
Ein Roman auS dem 21. Jahrhundert von HanS Dominik.
Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)
Aus die Kraftquellen folgten die Industriezentren. In sinnlosester Weise wurden hier die Arbeitsmöglichkeiten und Erwerbsquellen für Millionen auf Jahre hinaus ... für immer ... für Europa zerstört.
Europa stand über Rächt da wie ein Fabrikbesitzer, dem eine wichtig« Anlage unversichert bis auf die Fundamente niederbrennt.
Wo die Weisten in fliegender Hast in Südafrika einen bewaffneten Widerstand organi.ierten, würfen sie von den übermächtigen, wohlausgerü- steten schwarzen Massen überwältigt und nieder» gernacht. Einzelheiten von beitialischer Scheust- lichkeit fehlten auch hier nicht.
Die Rachrichten aus Europa gaben wenig Trost. Anscheinend stand man dort den Ereignissen ratlos gegenüber.
Wc immer auf der Welt der Weiste seine Herrschaft au'gerichtet schien sie zu tonnten. «Für fcaS in dieser F.age besonders interessierte Amerika wären die,« Rachrichten mehr als hi r ichend übel gewesen. Der Ab n d des gleichen Tag 's brachte eine Kund«, decen Auswirfu 'gen hr r tu den Staaten noch schlimmer werden sollten.
Die Regierung in Washington versagte der Wahl von Josua Borden zum Gouverneur des Staates Louisiana die Bestätigung. Als Grund gab sie an, dast die sicher nach^wiesenen Hn»
gesehlichkeiten beim Wahlvorgange kein klares Bild über die wirkliche Dolksineinung ergäben.
Wenn auch die Regierung er klugerweise vermieden hatte, sich auf jene so viel angefeinbete Dill zu stützen, so cvar es doch der weisten De- völlerung sofort klar, dast die Gegenpar ei den Regierungsbescheid trotzdem auf die Bill hm- drehen würde. Wie befürchtet, geschah eS. Kaum war der Bescheid bekannt, als im ganzen Gebiet« der Anion eine mastlose Agitation gegen die Regierung und gegen die Weisten aaSbrach. In den Teilen der Union, in denen die farbige Bevölkerung sehr stark war, kam es schnell zu Gewalttätigkeiten.
Roch in der Rächt vom 7. auf den 8. Juli wurden in Rew Orleans alle Regierungsgebäud» von farbigen Kräften besetzt. Im Morgengrauen befand sich die Stadt in den Händen einer schnell errichteten provisorischen Regierung. Die letzten Flugschisfe, die Rew Orleans mit weisten Flüchtlingen in der Richtung nach Rorden oder Rord- osten verliefen, überflogen die Zonen schwerer Kämpfe zwischen Weihen und Farbigen.
Aus Asien her drang am Morgen des 8. Juli eine nm« Schreckenskunde durch dir weihe Welt. Chinesisch« Trappen hatten an verschiedenen Stellen die Grenze übersch -itten. Das Ende Europas schien gekommen. Durch dir schwarzen Aufstände in der ganzen Welt jeder anderen Hilf« beraubt, stand cs allein dem gelben Riesenreiche gegenüber und muhte unterliegen.
Schon in der Rächt zum 8. Juli waren gelbe Luftgeschwader well vorgestohen. Ihre Bomben
teten, welche aus der Türkei einen modernen Staat machen wollten. Das Kalifat konnte eine Gefahr werben für die Republik und die Äon- stitutivn: Mehmed VI. hatte durch seine Konspiration mit den auswärtigen Mächten diese Ge- ahr deutlich werden lassen: Er hatte das Anehen der Dynastie in den Augen des Volle- chwer geschädigt. Hatte er doch zur Zeit der englischen Besetzung der Hauptstadt feierlich die Konstitution für abgeschasft crtlärt, hatte er doch Mustafa Kemal, den Hilden und Führer der neuen Türkei, in Acht und Bann getan. Dewist, das war unter dem Druck der auswärtigen Mächte geschehen. Immerhin zeigte das, was möglich war, was sich ereignen konnte!
Man sieht, dast sehr ernsthafte Erwägungen die Rationalversammlung zur Abschaffung des Kalifats veranlastt haben. Dast c8 Kreise gibt, die gegen diesen Schrill der Rationatverfamm- lung Beten len haben werden, ist sicher. Aber eS ist kaum wahrscheinlich, dast sie bald einen größeren Einfkuh gewmnen werden. Die Ra ft>- naloersammiung, vor allem ihr Führer Mustaa Kemal, erfreuen sich dazu einer viel zu grosten Popularität im Volke. WaS diese für recht halten, das gilt dem Volle ohne weiteres auch für recht.
Gewist ist, tast in der Abschaffung deS Kalifats eine Säkularisierung der Türkei liegt, di« die Durchführung des Ratrvnalstaats mit vol er Gleichberechtigung der nicht-muslimischen Untertanen begünstigt. Andererseits hat man in der Türkei doch wohl auch die Empfindung, dast ein schließlich doch erstrebenswerter Zusarnmen- schlust der islamischen Staaten auf dem Boden völliger Gleichberechtigung eher möglich sein wird nach Beseitigung des Kalifats, da oieS doch immer eine, und zwar nicht nur geistliche, Superiorität zu haben beanspruchte.
Mit der Absetzung deS letzten osmanischen Kalifen durch die türkische Rationalversammlu ig ist der KalifatSgedanke noch nicht erloschen. Mit besonderer Emphase hat sich König Hussein, der Scheits von Mek.a, nunmehr zum Kal fen erklärt. Politisch ist er ziemlich einflustloS, aber für ihn spricht, dast er der Herrscher über Mekka und Medina ist, und dast er sich rühmen kann, aus der Familie des Prophllen abzustammen. Aber ob dies sein Kalifat für die Welt deS ISlams irgend eine tatsächllche Bedeutung erlangen wird, bleibt abzuwarfen. Im Gebiete der Türkei wird er kaum aus irgend welche Zustimmung rechnen können. Für dir Türkei ist er der Hochverräter, der ihr in Zeiten schwerster Rot durch daS Bündnis mit England in den Rücker fiel. Dast etwa für Aegypten dieser Könia von Englands Gnaden als Kalife irgend eine Bedeutung gewinnen wird, ist ebensowenig wahrscheinlich. Dazu ist auch Aegypten heutzutage viel zu sehr nationalistisch eingestellt. Man fühlt sich hier In erster Linie als Aeghpter, nicht als Muslim. Deshalb ist eS auch wenig wahrscheinlich dast man dort für König Fuad !., den Oheim des letzten Khebiwm, den Kalifentitel erstreben wird. Wollte sich der Emir von Afganistan zum Kalifen ertlären, so würde ein wirklich unabhängiger und nicht unbedeutender muslimischer Herrscher den Titel führen. Aber seine Bedeutung für den Islam und sein Einflust mühten doch erheblich wachsen, wenn hier Kalife mehr als ein bloßer Titel sein sollte. Mir scheint. Last der Kalifentitel mir wieder durch einen mächtigen Herrscher zu neuer Bedeutung gebracht werden konnte, dem es gelingt, einen groben Teil der islamischen Völker unter seinem Szepter zu vereinen, und der diesen seinen machtvollen Schatz angedeihen lasten kann Ob ein solcher aber noch einmal zu erwarten ist. kann erst die Zukunft lehren.
Kunst und Wissenschaft.
(Berufung eines deutschen Gelehrten nach Schweden.
Dr. HanS F. K. Günther, der Verfasser der bereits in 5. Auflage erschienenen „Deutschen RassekundL" hat diesen Winter einen Ruf nach psala erhalten, um dort eine Reihe Vorträge über die Rassen Europas vor der naturforschenden Gesellschaft zu halten. Gleichzeitig hat er im Anatomischen Institut einen praktischen Kurs für Schädel- mefsungen gehalten. i
Gastspiel der Mailänder Scala in Deutschland.
Die Mailänder „Scala" wird im Mai unter dem Prctrfwrat der llal'.enischen Regierung eine Gastspielreise durch Deutschland un'.e.ne'jnten. 21'8 ersten Ort werden die ersten Kräfte der „Scala" Rürnbeig besuchen, wo sie von dem rührigen Intendanten Dr. Ioh. Mäurach für ein dreitägiges Gastspiel im Verdis „Rigolctto" und „La Traviata", sowie in Rossinis „Barbier irwn Se- vllla" verpflichtet wurden. '
hatten wichtige Anlagen des Siedlergebietes bis zum Ural hin zerstört. Dis in die Industrieanlagen des älrol waren sie vorgebrochen und hatten fdjtoere Vernichtungen hinter sich zurück- gelassen.
Die Cuftfireitfräfte der Weihen schienen zu schwach und zu machtlos zu sein, denn man horte wenig oder gar nichts von Luftkämpfen. Man wußte wohl, dast das große russische Luftgeschwader die südsibirisch? Grenze verteidigte. Aber man horte kein Wort von Angriffen nach jenem Ziele. Der gelbe Stoß ging glatt nach Westen. In der Luft schienen die Gelben in diesem Kampfe unwidersprochen die Oberhand zu haben. Mit Zagen erwartete man die ersten Rach richten vom Zusammentreffen der Landstrellkräste.
Am Abend deS 7. Juli saßen der General Bülow und Georg Isrnbrandt in dessen Quartier in Wiernh.
Der General gab Bericht.
„Der älcbrrgana von Kaschgar ist für große Truppenmassen unpassierbar. Die Reste des Telek- dammes sind zur Verteidigung auSgebaut. so gut es in der kurzen Zell möglich war. Die Berge zu beiden Srllen sind von unserer Artillerie besetzt. Sin Durckchruch durch das Ilital ist unmöglich Wenn keine Umgebung gelingt, hält dies« Stellung. bis die Verstärkungen heran sind.
Die dsungarische Pforte" — der General machte eine zweifelnde Bewegung —, „sie steht off en 1 Was auf unserer Seite da hinter liegt, ist auf dreihundert Kilometer geräumt. Die Russen haben weder Mann noch Schiff abgegeben.
Die Kompagnielustkräste sind, tote Sie anordneten, in Wierny konzentriert. Abwehrmah- nahmen sind an ben technisch wichtigen Stellen
Samstag, 19. April 1924
Aus Stadt und Land.
Tietz««, ben 19. April 1924.
Wählernot.
Daß die Wahl oft ein« Qual ist, habe ich schon manchesmal bei ben verschiedensten Gelegenheiten meines friedlichen ErbenwallenS er- fahren. Rur «ine Wahl hatte bisher dies« üble Eigenschaft für mich nicht, nämlich die politische Wahl, bei der ich immer ohne Schwanken Äd meiner liebgewvrdenen Partei stand. Ieyt ist daS auch anders geworden, meine ruhige Festigkeit ist dahin, und daran sind di« Agitatoren für die kommende Reichstags Wahl schuld, die mich in eine schone Zwickmühle gebracht haben.
Von dem „Morgenrot ber neuen Zell", tri« gewisse Politiker so schön sagt n, bin ich ee$ nicht begeistert, weil eS die trüben Wolken ü»jc uns auch nicht verscheuchen konnte, und deshalb hatte ich mich eigentlich fdnm entschlossen, tote. er. wie bishrr, meine altgewohnte Partei zu toäblen Aber ich Halle an die Sturmstut der Wählerlisten nicht gedacht, die mich jetzt hin- und herreißi. Ta ich Handwerker bin, hat man mir „klar' gemacht". daß ich nur eine überparteiliche Mittcd standsliste wählen dürfe. Run wohne ich aber zur Miete, und deshalb hat mich ein Mitglied vom Mieterverein nac^>rücklich vor der Rkittelstand-Sliste gewarnt, denn dort würden mir die Hausbesiheri.llLressen vertreten: wenn ich nicht zu den allergrößten Kälbe n g-hären wolle, dte ihre Metzger usw. — so müsse ich die Mieterliste unterstützen. DaS Dahinschw.ndm meiner paar Anlagen in Staatsanleihen und der ^erei*- fall mit einer vor dem Krieg« auSgeliehenen Hypothek machen mich aber auch zu einem Entrechteten, so daß ich, wie Freund Schulze mir einpauken wollte, unbedingt die L i st e d e r E n t- rechteten mll durchbringen müßte: wenn ich nur wüßte, ob die nicht untendrunter!ucch g^ bracht wirb? Meine drei B-'üder. die sämtlich Beamte sind, fordern von mir unter Andrrhung d«S sofortigen Abbruchs aller familiären Beziehungen, ich soll« nur die Deamtenliste wählen, aber natürlich auch die richtig« und nicht tote mein Schwager Thwbald Kä)ebier, her Esel, bei der Landtagswahl in Bayern die falsche. Wenn ich jedoch an meine paar Aecker Kartoffelland denke, so frage ich mich, ob ich nicht bester die Sonderlist« des Dauern- bundev mit meiner Stimme unterstützen muß, denn nur dann habe ich wohl Aussicht auf die besten Preise für die Kartoffeln In meiner von Zweifeln zerrissenen Stimmung t-af ich am Teu'elsluslgärtchrn meinen Freund Lehnann, lern Ich meine Sorgen erzählte. Postwendend strahlte sein Erficht h.-ll auf, triumphieren) zog er das Konzept eines Wahlaufrufs aus der Tasche, den die Partei der Parteilosen in ben nächsten Tagen herausgeben werde: diese Partei müsse ich wählen, Tx-rrn er selber sei Ja Spitzenkandidat^ Ich habe nur kurz kehrt gemacht unb bin davongerannt: nie hätte ich bis dahin es für möglich gehalten, daß mein Busenfreund auch zu den Quälgeistern der Wähler gehört, die. wie neulich ein Agitator so „wunderschön" fagte, jetzt „mit dem Stimmzettel Politik machen". Meine alte Mutter, zu ber es mich in meiner Pein zog, riet mit, doch mal die Karten befragen zu lassen, da bekäme ich vielleicht die richtige Erkenntnis: aber das tat ich nicht, denn ich bin doch ein aufgeklärter Mensch und bann — sie könnten mir womöglich zu den bisherigen noch eine Partei der politischen Analphabeten verkünden. Allen bekannten Kaninchen-, Tauben-, Hunde- und Ziegenzüchtern ging ich sorgsam andern Wege, denn ich hatte das Gefühl, daß sie mir auch mit Wahlvorschlägen ihrer Organisationen auf den Leid rücken konnten, da ich mich doch auch auf diesen Gebieten betätige. Endlich vertraute ich meine Wählernot meiner Frau an und diese erinnerte mich, nachdem ich ihr noch einmal ausdrücklich laut und deutlich Halle sagen müssen, welche Partei ich bisher Immer gewählt, kurz und bünditz an das alte, gute Sprichwort, das auch für diese Wahl gelte: Schuster bleib bei deinem Leisten! ilnb bann sagte sie — weise, wie die Frauen häufig find — noch allerlei von unerhörter Zersplitterung, die durch den Unfug des politischen GrüppchenwesenS herbeigeführt werde, haft nur Große und in ihrer Geschlossenheit Starke etwas ausrichten könnten, auch in der Politik, niemals aber ein kunterbuntes Gemisch von Zwergen, daß die einseitige 3nter- essenjägevei ein älnglück für unser Vaterland sei usw. Ich muß gestehen, diese Worte gehen Mir jetzt immer im Kopse herum, sie imponieren mir durch ihren kraftvollen Gehalt, ilnb ich glaube, sie werden mir auch zum Wegweiser für der Wahltag werden. ÄrititaS.
* «
fpd. Vorsicht, Schwindlers ilntct dem Aamen (Zohann Günther aus Würz
schnell organisiert worden, aber ich überschätze ihre Bedeutung nicht. Das Land ist gegen Luftangriffe so gut wie wehrlos. Die dsungarische Pforte steht offen. Dorf ist der Weg auf dreihundert Kilometer frei."
Georg Isenbrandt nickte.
„Gut . . . sehr gut . . . Herr General. Sie sagten dreihundert Kilometer. . . warum nicht noch etwas weiter?"
„Weil dort die besten Aufnahmestellungen waren I"
Georg Isenbrandt sann einen Augenblick.
„Gut! Es wird auch so gehen. DaS Orenburger Schiff ist gekommen?"
Der General nickte.
„Die liebernabme seiner Ladung wird in einer Stunde beendet sein . . . Herr General I Diese Luftflotte hält sich alarmbereit. Ich vermute, datz in drei Stunden die Zeit, ihren 2luftrag auszuführen, für sie gekommen sein wird."
„Ich staune über die Genauigkeit Ihrer Dach- richten, Herr Isenbrandt!"
Um Isenbvandts Lippen spielte ein dünne- Lächeln.
.Gold wirft auf beiden Seiten gut. Gegen Gift hilft nur Gegengift. Das ist eine alte Regel."
Er brach seine Rede jäh ab und wandte sich der Wand zu, wo plötzlich der automatische Funkenschreiber zu arbeiten begann. Seine Augen überflogen bte Zeichen auf dem heraus quellend«, Papierslleifen.
„Hallo! Die Gelben fliegen ab . . . schon?
. . . llnfere Dispositionen ändern sich Die De- schtoader, die ihre Ladung genommen, fliegen sofort nach ihren Zielen!"
(Fortsetzung folgt.)


