Rr.29Z Swettes Blatt Gietzener Anzeiger sSeneral-Anzeiger für Vberhesien)
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Mittwoch, 17. Dezember 1924
Aus dem Reiche der Frau.
Dom Schenken.
Don Eamilla Ielltnek.
On unserer empfindlich gewordenen Zeit darf für das Geschenk nicht mehr gelt n: „Ich gebe, weil du gegeben hast", ebensowenig wie: . Gib, dann werde auch ich dir geben". 5o batten in kindlicher Roheit die Menschen einst gedacht, hatten sogar. Gegengabe erwartend und sordernd, der Gottheit ihre Geschenke dar- gebracht. Soweit wir und aber auch von ihrer Gesinnung entfernt haben, die Opfer, die sie entzündet, können uns doch ein Symbol dessen sein, was wir erstreben. Wir sehen sie vor uns, jene lodernden Opferflammen, die himmelwärts ziehenden Rauchwolken! And um Flammen der Li.be. dein Rauch vergleichbare, aufwärtsstrebende Sehnsucht hat es sich bei dem wahren Geschenk zu handeln, und die eigene Persönltchk.üt in ihren AeuHerungen, ihren Leistungen ist'S, die sich hier dem zu Beschenkenden opfernd darbietet. Von den paar VerSchen, die der Mund des Kindes vor den Eltern stammelt, den Tönen, die die noch ungelenken Finger des Kleinen dem Instrument enllocken bis zur selbständigen reifen Produktton — einem Gedichte, einem Buche, einem Bilde uff. — was kann in diesem Sinn nicht alles Gegenstand eines Geschenks sein! Ruch tu dem Sammeln, dem Aufsuchen liegt eigen« Leistung: „Das Schönste sucht er auf den Fluren, womit er seine Liebe schmückt." Ebenso im Widmen von Zeit, einem sinnigen Rate, einem verzeihenden Händedrucke einem verstehenden Blicke, darin, das) man die Freude des Aeberbringerrs einer guten Botschaft dem anderen abtritt, oder dah man den anderen bittet, etwas zu tun. von dem man ahnt, dah er es gern täte, sich aber dazu nicht entschlichen könne, weil er unserer D l- ligung nicht sicher zu sein meint — in all dem kann der Charak.er eines wahren Geschenks liegen. Auch ist der Zeitpunkt ?.neS Geschenks für seinen Wert von Bed.'utung. und eS da s nicht als psltchtmähige Revanche erscheinen. Auch dem Sch. nken an üblichen Festtag n wird leicht etwas Konventionell S anhaften: dagegen den Moment heraussinden. wo gerade dieses oder jenes erfteuen würde — darin liegt eigene Leistung!
ES macht auch nichts, wenn den Amstän» den Rechnung ttagend, ein paar Blumen einmal nicht selbst gepflückt, oder ein paar Früchte nicht im eigenen Garten grohgezogen, sondern gekauft werden. Solches braucht durchaus nicht aus dem Rahmen des wahren Geschenkes zu fallen. ES muh nur hinter der Vorstellung von des Gebers liebevoller Absicht der Geldwert zurückstehen, und je mehr das der Fall ist, ein um so vvllkommeres Geschenk wird es sein. So kann sogar eine Einladung zu einer gemeinschaftlichen Reise ttotz des gro- hen, möglicherweise in ihr liegenden Geldwertes ein Geschenk im besten Sinne sein. Natürlich nicht dann, wenn es sich für den Einladenden nur um einen bequemen willfährigen Begleiter handelt, sondern wenn er fteudig dazu bereit ist. von dem Gefährten Art und Wesen der Reise mitbestimmen zu lassen, so dah dieser froh überzeugt sein kann, dah seine Gegenwart dem Einlad enXm mit dem Aufgeben eines Teils seiner F e heil n'cht zu teuer erkauft erscheint. Auch die Trennung von einem liebgewordenen Gegenstand ttotz fernes etwaigen Marktwerts oder auch von einem kleinen mühsam zusammcngebrachten Sparpfennig, für den eine Aufmerks rmkeit erstanden wu'de, fällt in die Kategorie der wahren Geschenke.
In dem lieblichen Märchen vom Ruhzweiglein liegt ein tiefer Sinn verborgen. Wünsche nach Perlen und E^e'steinen zu befriedigen, fällt dem Wohlhabend n leiht, dafür wird einfach Geld hingegeb.n. Das Verlangen des jüngsten Töchterleins, der Vater möge ihr auf seiner Reise ein Ruhzwciglein brechen, ist — so bescheiden cd aussicht — das viel schwerer wiegende, es bedingt eine persönliche Leistung, ein Opfer. Etwas von
einem solchen muh in jedem wahren Geschenk enthalten sein. Aber sowohl dies von dem Empfangenden gewußt werden muh. da ja gerade dies ihm erst seinen Wert aufprägt, muh es durch die Freudigkeit, mit der eS dargebracht wird, seines EhnratterS als eines Opfers entkleidet scheinen, soll die beabsicb- ttgte Wirkung sich nicht in ihr Gegenteil verkehren.
In einem Fall fteilich erfährt der Empfänger nichts von dem dargebrachten Opfer, und doch bleibt es ein Gesch nk in des Wortes höchster Bedeutung, wenn nicht nur der Schenkende, sondern das Geschenk selbst für den Empfänger ein Geheimnis bleibt Dem geliebten Freunde eine traurige Tatsache zu v r= heimlichen, indem man deren Folgen auf die eigenen Schultern lädt, das laullose Verzichten auf einen Wunsch, dessen Erfüllung den anderen betrüben könnte, ja ein unaudgeübteö Recht, das man ihm gegenüber hat. zu verschweigen und ihn so vor einer drückenden Last zu bewahren, ober ein Verzeihen, mit dem wir ihn umhüllen, ihn ahnungslos darüber lassend, dah wir um seine Schuld uns gegenüber wissen — das sind sicher Geschenke zartesten, überirdischen Duftes. — Die Ratur dieser Art, dieser wahren Art von Geschenken bringt eö mit sich, dah sie an keinen Stand und an kein Vermögen geknüpft sind, dah ganz ebenso der Untergebene seinen Vorgesetzten, der Arme den Reichen, wie umgekehrt dieser jenen beschenken, oder wie das Synonym sinnig ausdrückt, „bedenken" kann. Vor der Majestät des wahren Geschenks sind alle Menschen gleich.
Und wenn nun bald die WcihnachtSgloäen läuten, seien unsere Seelen ganz besonders bereit, Geschenke solcher Art zu spenden. Kleine Kinder mögen da mit ihrem Iuael über Puppen und Pferde nach wie vor unser Herz erfreuen Für die Erwachsenen aber sei die Ge Innung das allein Entscheide de. In gegen» fettiger Liebe und liebevoll.m G.deirken auch derer, die nicht gerade mit ihnen sind, mogm sie sich um die brennenden Lichter des Christ- baumeS nerfammcln, diesem ho.den Symbol deS IubelworteS: Friede auf E den und den Menschen ein Wohlgefallen!" Und jener verheißene Friede wird auch in ihrem Herzen walten.
Christbaumschmuck.
Von Marie Reuter.
Einen Christbaum herzurichten, so schön und gut man'S kann, ist sicher jeder Mutter sehnlichster Wunsch. Aber wie wenig wirklich schön geschmückte Weihnachtöbnume si ht man in den Hausern. Beim Anblick mancher ist man fast versucht auszurufen: „O. wie schrecllich!" Da sind von ziegelrotem, grellgclbem, blau m Glanzpapier lange Ketten (Oleje) g- schnilten, wovon der Baum förmlich umzogen L't o dah man eher an eine große bunte Papierpuppe, als an chcn grünen Szinnenbaum denk n m iß, und da,zu stecken die Lichier noch m ist sch ef in alten verbogenen Blechlichthaltern drin! Andere B nunc sah ich, die wollten woh' auch hierin zeigen „wer viel hat läßt viel h nv n“, da war's fast eine AuZ'cellurg von tounber» voll glitzernden, funkelnben GlaSfigurm und darüber gleich ehern Sprühregen, ehe Unmenge Gold- und Silberlametta, die herrlich grünen Tannenzweige aber s h man kaum vor all der Diamantwatte, die künstlichen Schnee darstellte! Wenn dann die vielen Lichter brannten hatte der Anblick dieses Kunstwerks etwas m rchmhaft Berückendes — aber es war kein Weihnachtsbaum von dem man sagen konnte: „Wi glänzt er festlich, li b und m.ibl“ — Roch anbre, bk waren über und über mit Zucker- und Schokolabensachen behängt. Marzivanschw.i:e. -Hübner, -S.örche. Ket en von Rosinen und Pflaum.n. zum großen Iubel der kleinen Sühmilulchen. denen natürlich ein solcher Baum am besten gefällt. Ab r sollen wir nicht den Gcschmack unsrer Kinder auch dadurch zu veredeln suchen, dah wir ihnen
einen wirklich schön geschmückten Weihnachtsbaum bescheren? Die fangen wir das an?
Beim Einkauf wollen wir loenigcr auf die Größe des Baumes sehen, als darauf, daß er schön grün und frisch aussieht: und damit er'S auch bleibe, selbst in einem sehr warmen Zimmer und seine Radeln nicht so ba:b streuen, pflanzen wir ihn in einen Steintopf und drücken feuchten Sand hinein, ganz fest, bis oben voll, nur so viel Platz lassend, daß täglich ein kleiner Topf Wasser aufgegossen werden kann. Beim Schmücken machen wir es wie der Maler, der nach jedem Pinselstrich von seinem B.ld zu- rückttitt, um die Wirkung aus der Entfernung zu beurteilen. An die Spitze kommt ein großer goldener Stern, den wir uns selbst aus dem bekannten steifen „Knistergold" schneiden. Kleine rotwangige Aepfel, an dünne, schwarze Fädchen gebunden, dienen dazu, die Aeste gleichmäßig etwas herunterzuziehen. Wo Kn- oer sind, ist's angebracht, einige niedliche Zucker- oder Marzipansächelchen an^ubangen. Sonst aber machen sich schwebende Englein (man bekommt sie in Vereinsbuchhandlungen in größter Auswahl) und transparente Sterne am hübschesten zwischen den dunkelgrünen Zweigen. Einige feine Gold- oder Silberfäden, als Sttahlen von dem obersten Stern ausgehend, vollenden den einfachen Schmuck.
Zuletzt werden die Lichter angebracht. Wir wollen den Baum damit nicht üb.rladen, doch find sie ja das beste und sinnreichst.' an ihm, darum nicht gerade hiermit sparen. Und ganz regelmäßig werden sie angebracht, damit jedes Flammchen möglichst gleichmäßig weit von dem andern entfernt erstrahlt. Aber wie befestigen wir die Lichter? Rur nicht in allen, unschönen Blechiichthaltern! Ein altes, aber leider sehr wenig bekanntes Rezept sollte diesmal in jeder Familie versucht toerben, cd wird sicher jedem gefallen, wegen seiner Einfachheit, Sicherheit und darum, well die Lichter audfeben, als wüchsen sie direkt aus dem Baum heraus. Die Spiye einer Scecknadel (Stahlstecknadeln sind die besten) wird in einem mehrfach zu- jammengcl gten Pavierstückchen mit Daumen und Zeigefinger gefaßt, dasSteckn-adelköpfchen über ein- Lampe oder in die Lichtflamme gehalten, bis cd glühend ist. Dann fassen wir mit der linken Hand das Weihnachtslicht, drücken schnell das glühende Köpfchen unten hinein und halten die Radel noch einige Sekunden, bis das Stearin erkaltet ist und die Radel fest und gerade darin steckt. (Ratür- lich machen wir diese Arbeit nicht erst am Weihnachtsabend, sondern schon am Tage vorher.) Diese Stecknadellichtlein werden nun mit der rechten Hand unten ungefaßt, die linke hält die Stelle des Astes, wo das Licht hinein soll, fest und vorsichtig und vor allem gerade, damit die Stecknadel nicht verbvgen wird, stechen wir die Spitze in den harten Kem des Astes hinein: dies sieht weit hübscher aus, als die bunten Lichthalter und vor allem — es kostet nichts!
Weihnachtssühigkeiten.
Don Clara P r i e ß, Lübeck.
Allmählich wagen sich die alten guten Rezepte der Wcihnachlsbäckereien wieder hervor, nachdem der ..Ersah" unD seine pietätlosen Dürftigkeiten jchrelrng bei unfern Weibnachtsfeiern fühlbar gewesen sind. Doch ist gerade aut diesem Gebiete die Tradition so stark und lebendig, daß wir nicht zu fürchten brauchen, hier dauernd wesentliches einzubüßen. Fast jede Gegend Deutschlands hat ihr Weihnachtsgebäck, ihre besonderen Weihnachtsleckerbissen, die jetzt vielfach im großen hergestellt und weit verschickt werden. Wenn wir im Osten des Vaterlandes ansangen, so liefert Königsberg seinen bekannten Marzipan, der sich von dem ebenso berühmten Lübecker Erzeugnis durch den Früchtebelag unterscheidet. Das politisch verlorene Westpreuhen gibt die Thorner Katharinchen, deren Rezept aus der Zett der Ordensritter stammt. Pommern hat seinen Stettiner Baumkuchen und die Stolper Pfeffernüsse. Vieles und Gutes wird in Schlesien g-backen die berühmten Liegniher Bomben. Iauersche Bienenkörbe, Warmbrunner Gebäck und Warmbrunner Waffeln. Glvgauer Zuckerzeug. Grünberger Karamellen und die schönen Bres
lauer Pfesterkuchen, nicht zu vergessen den berühmten schlesischen Streuselkuchen Brandenburo bringt Gotibufct Baumkuchen. EderSwalder uni Kalauer Spritzkuchen. Potsdam bat altbekanntes seines (Scbud. und >-nch in Groß-Berlin behaupten sich einheimische Tradstionen, obgleich dort natürlich der süß? S? n au-3 dem ganzen Reich zu kaufen ist. 3m Vord Deutschlands sind die Emdener Honigkuchen und Mecklenburger Psesternüsse beliebt, nn back lustig en Mitteldeutschland die Saliwedeier Baumkuchen und die Magdeburger Kranzkuchen. Weiter nach Sübat gibt# Frankfurter Brent en. vor allem die weltberühmten Rürnberger Lebkuchen Dann Heidel- berger Waffeln. Fteibu aer Brezeln und in Schwaben bad Hutzelbroi und die Springerlc in ihren feinen Formen. D.tc- Rheinland bat einige Spezialitäten aus Ho'I' - . rnommen, Io die
Mvt'pen und die am Wloiaustag so beliebten Pfefferkuchenmänner- und Frauen Berühmt sind auch die 2laebener Printen, von denen die Sage geht, daß ihr Teig sieben Jahre lang nngerülxrt stehen müsse, und Mairdelsvelul.niuv in unzähligen verschiedene.> Formen. Sachi.n bat als Spezialität die köstlichen Weihnachtsstollen, die in vielerlei Größen und Preisen weit verschickt werden. Biele dieser Gebäckarten und Formen Haber, eine interessante, alte Geschichte. Manches stammt noch ald altgermanischer Zeit, als man anflng, wertvolle Opfer und Totengaben durch „Gebild- brot" sinnbildlich abzulösen. So ist die Brezel dieRachbilduna eines Armring - g wesen Brazel heißt im althochdeutschen Armspange. Im AnS- bachschen bekommt noch heute jedes Kind zu Weihnachten zwei weiße, mit buntem Zucker- guß bemalte Lebkuchen, den „Reiter" und bl( .Spinnerin". Der Reiter ist Wotan, die Spinnerin Fron Holle. Sehr merkwürdig sind bh weiten Wanderungen und zum Teil noch unerklärten Zusammenhänge dieser uralten Gebäckformen. So fand ich auf einer Ausstellung schwedischer Volkskunst in Stockholm dasselbe Weihnachtsgebäck, daS in meiner rheinischen Heimat als .Reujährchen" am Jahresanfang gebacken wird. Eine vielfach verbreitete Form, bei der der Teig zu Zöpfen geflochten wird, soll ihren Ursprung darin haben, daß man das Opfer des eigenen Haares an die Gottheit durch derartiges Backwerk ablöste. Der Marzipan hat seinen Ramen vom heiligen Markus, und war als .Brot des Markus" im Mittelalter zuerst als Hell- mittel hoch geschäht. So läßt und der Gedanke an unsere Weihnachtssäßlgketten weite Ausblicke tun, örtlich und zeitlich Wir sehen, wie tret unser Volk hier alled ileberlicferte bewahrt hat Möchten friedliche Weihnachtsfeiern in Zukunst weiter dies alles bewahren und Haud und Kindern GuteS spenden.
Praktische Ratschläge.
Pfefferkuchen.
Don Marie Reuter.
Wad hat das Wort doch für einen Klang I — Dor unserem Geiste taucht der helle Lichterbaum auf mit all den Tellern darunter, auf denen als bestes Stück der große Pfefferkuchen mit den Mandelsternen verziert prangt. Den muß jede Hausfrau selbst vorzüglich backen können, well er doch ein Hauptbestandteil des WeihnachtssesteS ist. Er müßte eigentlich im Hause immer vorrätig sein, denn kein anderer Kuchen hält sich so gut. ist so gesund, so wohlschmeckend und wohlfeil. — Wir backen ihn zweimal im Jahre: Einige Wochen vor Wechnachten. der dann 6Id Ost-rn reicht, und zu Ostern, der wieder bid zum Winter vorhalten muß. Frisch gebacken ist er nicht so locker und schön, darum muß man ihn schon ein bis zwei Wochen vor dem Fest fertig haben. Es gibt verschiedene gute Rezepte, — dies ist eins, wonach ich schon seit vielen Jahren backe, weil d r Kuchen Immer gut gerät und sich vorzüglich hält.
Die Bestandteile sind: 2 Pfund Kunsthonig oder echten. 1 Pfund Zucker. 3 Pfund Weizenmehl, 1 4 Pfund süße oder 6—10 bittere Mandeln. 2 Lös el voll feingestohener Pommeranzen- schale 1 Lössel gestoßene Kreidenelken. 1 bid 2 Löffel Zimt, klein wenig geriebener Ingwer, 4 Eier, 4 Teelöffel Potta'che, 2 Teelöffel Hirschhornsalz (beides in 1 Löffel lauwarmen Wasser ausgelöst). Ein Pfund Mehl behält man zum Kneten zurück, äleber das übrige Mehl und die Gewürze wird der aufgekochte Honig und Zucker gebrüht. Ist die Masse etwas abgekühlt, kommt das übrige Mehl. Pottasche. Hirschhornsalz, Eier dcnu, wird V, Stunde geknetet, einen Tag stehen gelassen, bann fingerdick ausgerollt und bei mäßiger Hitze gebacken. Ratürlich kann man von demselben Teig auch Pfeffernüsse machen, die.
„(Es sei denn, dah ihr werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen."
Don E. Dertini.
Ich sah unser junges Kätzlein mitten im Restchen voller Küken sitzen. Es scharrte mit blauen urschulds. ollen Kin^eräugen in das Gewimmel und duldete, daß die kleinen Tierchen spielend nach ihm hackten. — Ich hörte unser jüngstes Kind sagen zu jemand, der unverständlichen Handlungen eines anderen häßliche Beweggründe unterlegte: „Müßt doch nicht gleich das Schlechteste denken." — Dl.se und andere ähnliche Erlebnisse reihten sich aneinander und tauchten ein vorher verschlossenes Gebiet in helles Licht. Die Augen taten sich mir auf, und ich wußte nun, warum es heißt: „So ihr nicht werdet wie die Kinder, so werdet üjr nicht in das Himmelreich kommen." — In jungen G schöpfen — Kindern sowie Tieren — liegt noch die ganze Harmlosigkeit und Arglosigkeit des Paradieses offen zutage, leuchtend, unverborgen. Andeven trauen sie nichts Böses zu. weil sie selbst nodj unberührt sind von dem Gifte, das uns Aeltere olle durchsetzt: Dem Bösen. dem Gemeinen. Ihr Denken, ihr Handeln ist rein, vertrauensvoll, in andern auch nur Gutes vermutend: was wissen sie. die lieblich Himme'srahen, von Sünde? Darum können nur sie. die wie Kinder empfinden, ins Himmelreich kommen.
Was aber bedeutet dies Wort „Himmelreich"? Ist es nicht das Land, von dem es im
Psalm 85 heißt: Güte und Treue werden einander begegnen — und von dem Irsaias sagt: Die Wölfe werden bei den Lämmern wohnen und die Pardel bei den Bojen liegen; ein kleiner Knabe wird Kälber und junge Bären miteinander treiben. — Es ist das Land der völligen Sünd- und Arglosigle t, der Reinhnt. des Vertrauens. Hierher Jörnen nur d e gelangen — es ist ja gar n djt anders möglich — die ihr? Seelen, wie es im Br cfe Petri so tief und schön he ht, „keusch gemacht" haben. In dem Ausdruck liegt nicht nur das F e machen der Seel: von S nnen- lust. sondern viel tiefe- und um allender will der Begriff verstanden werden. Seine Seele keusch machen bedeutet- sie e.nv'i.d.ich machen iü: alle Reizungen 3um Dösen, keine Schadenfreude haben, keinen Gefallen an der Bloh tellung anderer: sondern von innerstem Herzensgrund aus versuchen. alles zum Besten zu kehren, dem andern zu der Befriedigung und Genagtung verhelfen, die man fürs eigene Ich erstrebt. Reinheit der Gesinnung hat tiefsten älrsprung und strahtt hinein in alle Lebensäußerungen, in die Beurteilung andrer Menschen, ihrer Lebensschtcksale und ihren Anscha ungen, man kann fie geradezu kindliche Gesinnung nennen.
Wer wo finden w r sie? Bei wievielen Menschen treffen wir s e an? Wer ist f-ei von Haß. Reid. Schee s cht. S ta enfroude. üiler Rach ebe, unfreund icher Beutte .ung andrer, w s en Herz ist getaucht in den Jungbrunnen kind icher Reinheit? Da w.rd so oft gemurrt, dah bi“ Welt so schlecht ist und das H mmelreich nicht kommen will. Aber ßnd to t selber nicht schuld daran, weil wir bad Himmelreich nicht in unseren eige
nem Herzen tragen? .Werdet wie die Kinder- — so heißt die Forderung. Wenn wir doch Ernst damit machen wollten, alles Hämische. Mißgünstige, alle Lust an kleinlichen Bosheiten Sticheleien, Eitelleitstriumphen, schadenfrohen Empfindungen in uns auszumerzen — ach. daß wir unsere Seelen keusch machten!
Bei dem Blick in junge Kinderaugen. Kinder- herzen, wie s c uns gerade in der Weihnachtszeit im Paradiesesglan-e entgegen leuch.en, steigt auch in uns ein Sehnen nach der Klarheit, Reinheit. llnschuld ihres Himmelreichs in uns auf. Lassen wir diese Sehnsucht stark und mächtig emporwachsen. dann werden jene bölen, dämonischen Stimmen in unserem Innern immer mehr verstummen, und auch in unsre Seelen wird von ferne ein Glan; jenes Himmelreichs fallen, das jenen gehört, die „wie die Kinder" geworden sind.
Ein geschmackvolles Weihnachtsgeschenk.
Erfahrungsgemäß sind die Geschenke sehr willkommen, die der Deguemlichkeit des Empfängers dienen. Was aber vermag dieser mehr zu nützen, als ein weiches, molliged Kissen? Dick unb prall mit Pslan endaunen ge'üHt, stützt es hier in Quadrat scher, länglich-vie'eckiger, oraler oder runder Form den müden Rücken. Dort wieder ist es a's Stuhlk ff en äußerst willkommen. Beim M t'.azssch'äfchen bietet es a's Schlummerrolle für den Racken und, mit Wachstuch oder Sackleinen auf der Hnterfeite abgefüttert, ein molliged Fußttssen für die fleißige Hausfrau
am Rähtisch. Zum Stricken. Sticken ober Häkeln des Bezuges ha', die Haus- oder berufstätige Frau ober Tochter nur wenig Zeit. Da bietet sich ihr in der noch immer seh: modernen Batik« arbeit e ne ausgezeichnete Gelegenheit zur farbigen Musterung vorhandener Stoffe. IedeS waschbare Gewebe Ressel, Leinen, Barchent. Rips, altes, noch derbes Tischzeug, glatte, ungemusterte Bettbezüge und na'.ürltch auch noch vorhandene h-llfardige Seide, ist zu verwenden. Entweder werden die aogepaßten Stücke dazu regelmäßig ober völlig regellos mit Bast, dünnem Bindfaden oder drelliertem Baumwollgarn zu Püfschen und Bauschungen abgebunden oder in gleichmäh ge Fallen geleq1, an bestimmten Stellen ebenfalls fest abgeschnürt. Run taucht man die drei sreigebl ebenen Stoff alten in verschiedenfarbige he ße Lösung en von Eitorol (Drogerie). daraus ba * -anze Stück in leicht gedauertes Es igwa ser und drückt es nchglichst troden heraus. Will man noch e nzelne dunkle Abern auf den in lebhafte Farben getauchten, abgebundsven Stellen erzielen, so umwindet man sie nochntals. ehe man die alte Bindung auf löst, gefällig in Falten geordnet von neuem in versch ebenen Ab ständen mit Schnur und taucht die umwickelten Stücke in dunkelfarbige Cttoeollösungen, wie Braun. Dunkelgrün. Blau. Lila oder Schwarz. Don allen Schnüren befreit, findet man die ein »einen K flcnbe-üge höchst farbenreich ae* mustert man kann sich bei der Wnhl der Farben natürlich auch nach der Zimmereinrrchtuna richten. Die gebatikten Sachen sind balbfeucht von links zu bügeln.


