Aus der Provinz.
Landkreis Gießen.
«t. D e U e r n, 15. Aov. Die Bürgermeisterei läßt augenblicklich durch Arbeitslose die G e - meinde-Ob st bäume ausputzen und Klebgürtel anlegen. Es ist zu hoffen, daß die Arbeitslosen auch zum Ausbessern verschiedener Wege in unmittelbarer Aähe des Ortes verwandt werden: diese Wege, wie z. B. in der „Honbach", sind bei nassem Wetter grundlos: es ist eine Q u a l für die Zugtiere, beladene Wagen auf solchen Wegen ziehen zu müssen.
Kreis Friedberg.
vw. Butzbach, 15. Aov Die erste Sitzung der neuen Ctadtverordneten-Ber- s a m m s u n g fand gestern unter Leitung des Kretsdirektors Gebhardt - Friedberg statt, den der se'.th.rge Bürgermeister Kohler begrüßte und dem Kreis ferneres Wohlergehen wünschte. Kreisdtrektor Gebhardt betonte in seiner Ansprache, daß das wachsende Butzbach Stid'eord- nung erhalten habe und mit Hilfe seiner <3 adt- verc-rdnetenv-rsanrmlung gewih Ersprießliche i zum Wohte der Bürgerschaft auch in Zukrmfc leisten werde. Darauf hieß er durch Handschlag de für 3 Zähre gewählten Stadtverordneten ce orei, nach bestem Wissen und Gewissen ihres Amtes zum Wohle der Stadt zu walten. Aur in d-ie'em Simre fei ihre Aufgabe aufzufassen, Politik aber gehöre nicht aufs Rathaus. Sodann wurde Dr. Schmidt mit Stimmenmehrheit zum Borfitzenden bei dem Ausschreiben und der Wahl dos neuen De ru fsbürgerMeisters gewä -lt. Bis zum Eintritt desselbm besorgt der seitherige Bürgermeister Köhler dte Geschäfte des Bürgermeisteramtes. — Gestern verstarb der in der hefigen Bürgerschaft hochgeschätzte Be eran aus den Kriegen von 1866 und 1870/71, Bauunternehmer Louis Koch feit, im 80. Lebensjahre. Er war ein ebenso unrichtiger als tüchtiger Meister, der den Grund zu dcm angesehenen hiesigen Baugeschäft lege, das sein ihm n-ch verbliebener Sohn weiter ausbou'e und in gleichem ©time fort führt. Ein zweiter Sohn fiel als Feld- arzt iim Weltkriege, der ihm auch einen Schwiegersohn raubte.
.4 Dad-Aauheim, 14. Avv. Mit der Aotläge der Beamtenschaft befaßte sich eine sehr gut besuchte Versammlung des hiesigen Beamtenvereins, die unter Leitung des Vorsitzenden. Lehrer P o r t h, sütttfand. Einstimmig wurde folgende Entschließung angenommen und an den deutschen Beamten band und an das hessische Landeskartell weitergegeben: „Trotz des seit Monaten verheißenen Preisabbaues steigert sich die Teuerung aller Lebensmittel, der Kleidungsstücke und der Bedarfsgegenstände von Tag zu Tag, so dah sich die Ä o t l a g e der Beamtenschaft stetig verschärft und besonders bei den unteren Gruppen bereits die äußerste Grenze erreicht hat, indem ihnen die ausreichenden Mittel zu einer erträglichen Lebensführung fehlen. Angesichts dessen weichet sich das Ortskartell der Beamten zu Dad-Aauheim an den Vorstand des DDD. mit der dringenden Ditte, alles aufzubieten, um diese unhaltbaren Zustände zu beseitigen, aber auch alles daran zu setzen, daß die D«untenschaft nicht wieder mit einem De- svldungsdiftat überrascht wird, indem ihr mit einer prozentualen Aufbesserung der Bezüge gedient werden soll, wodurch daS Anrecht vom Juni noch vergrößert wird. Mit großem Aach- druck soll auch dahin gewirkt werden, daß ein einheitliches Beamten recht möglichst bald erscheint und das in Erfüllung geht was die Artikel 128, 13§ und 130 der Reichs Verfassung dem Beamt en- ttpn zufichern, komme nun ein Beamtenräte- oder edt Deamtenvertretungs ->esetz, wenn es nur das Mitbestimmungsrecht vo.sieht. Aach unserem Dafürhalten genügen sieben Besoldungsgruppen. Wir ersuchen deshalb dringend, auf eine ent- sprechende Verringerung der Zahl der bisherigen Gruppen nach Mözl.chkeit hinzuwirken. Der Vorstand des hessischen Landeskartllls der Beamten wird gebeten, für die vierteljährliche Vorauszahlung der Gehälter in Reich, Staat und Gemeinde einzutreten." — Der Turnverein 1860 veranstaltete eine gut besuchte Mitgliederversammlung in seinem Vereins Hause. 3m Mittelpunkt der Veranstaltung stand ein aus- führl.cher Ber cht des zweiten Dors tzenden, Lehrer O ß w a l d , über den Deutschen Turntag in Würzburg und über den Dorsihendentag des Turngaues Hessen, der kürzlich in Gießen statt-
Seltfame Mtterroochen.
Roman von Arnold Fredericks.
48. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Las rote Glas, das über der Lampe be;cft gt war, entfernte sie nicht — sie dachte, es wäre besser, es zu lassen. Es waren überall herum Lichter, zwi chen w.lchen das ihre k -um bemerkt tooroen wäre -Ab.r Rot war auffällig rer^ächig — verkündete Gefahr, und te wa ich klar darüber, daß sie in großer Gefahr schreibe.
Zuerst sandte ste das Wort „Hilfe" hinaus. Wäre der Empfänger ein Freund, so würde er, wie sie annahm, zu.rst fragen, wo sie sei, well' dies ja für Stapleton und fvt e Freunde d.e all.r- wichtigste Aach richt war, die sie geben konn.e.
S llte cs anderer,eits von einem der Räuber aufgenommen werden, so würde e£ nicht nach dem Ort fragen, wo sie war, sondern nach dem Grund.
Aengstlich besorgt, sie könnte sich irren, entzifferte sie die Frage, die langsam in der nächtlichen Ferne aufblUlc: Wer dort?
Mit z'tt:rnde.r Fi g ri buchstabierte sie ih e Antwort hinaus, die Adrr.sr, der sie die Wor.e „Kommt ra ch" hinzusügte. Als sie dir Antwvck „Komme sofort" erhielt, fühlte sie wieder einen Hoffnungsschimmer, dah der Knabe ge c:tet werden könne. Dann kam die Frage nach ihrem Aamen, den sie ungeduldig gib.
Hastig entzündete sie eine Kerze, die auf dem Lisch stand, darn sann sie auf ein Mittel, um dem Schwarz bärtigen und sei en Ge osen a n Eindringen in das Zimmer zu verhindern, fal.s sie vor dem Eintreffen der Hilfe zurückrämen. Eines konnte sie natürlich ui: die Türe verste'le«.
Aber außer dem Ti ch und dem leichter S fo war nichts da, w'nrit sie cs mit Erfolg hätte tun lönmen La fiel ihr Dlicc auf den große, Ken aur aus Gips. Es war eine Figur, wie man sie in Kunstgalerien sehen kann. Sie stund auf einer etwa fünfzehn /Zentimeter dicken Gipsplatte, de wiederum auf einer dünnen Holzutte.la-^e ruhe Die Figur war wenigstens füif Fuß hxh — ein Pferd mit menschlichem Oberkorfer und K Pi.
Wenn sie dicse Sta'ue vor die Tür brin e.r würde fo konnte sie noch mit Hilfe vvn Tisch
fand. 3n einer einstimmig angenommenen Entschließung wurde Bootest erhoben gegen die beabsichtigte Auf Hebung bez. Beschränkung der Fahrpreisermäßigung zugunsten der Jugendpflege. Beschlossen wurde ferner, die Turnhalle in den Wochen vor der Wahl ohne Ausnahme allen politischen Parteien für ^rsammlungen zur Verfügung zu stellen, vorausgesetzt, daß rechtzeitige Anmeldung erfolgt.
sf. Friedberg, 15. Aov. Zum Besten des Roten Kreuzes aus Anlaß seiner 60- jährigen Jubelfeier fand gestern eine Aufführung von Hebbels erg.e ftnder, fünfaktiger Tragöde. „Genoveva", statt. Es darf wohl als ein Wagnis betrachtet werden, ein derartiges, groß angelegtes Werk auf einer Liebhaberbühne zur Darstellung zu bringen, jedoch es kann mit Genugtuung fest- gestellt werden, daß selbst die hochgespanntesten Erwartungen übertroffen wurden. Friedberg verfügt über eine Anzahl schauspielerischer Kräfte, denen gegenüber das Wort „Dilettant" wohl nicht mehr zutreffend sein dürfte, das bewies u. a. schon im Frühjahr die Aufführung von Goethes llrfauft die noch in lebhafter Erinnerung ist. Säm liche Retten waren g st beseht, H r- vorragendes aber leisteten die Darsteller der beiden Hauptrollen (Genoveva, Frau Kloos, und Golo, Herr Bitsch). Der Erfolg war ein ganz ausgezeichneter, fo daß auf allgemeinen Wunsch am Dienstag nochmals eine Wiederholung statt- finden wird. Die Direktion von „Groh-Friedberg" hat in dankenswerter Weise den neuhergerichteten Theatersaal zur Verfügung gestellt, so daß auch der äußere Rahmen ein würdiger war. Infolge des starken Besuches wird auch der finanzielle Erfolg ein befriedigender fein.
Kreis Alsfeld.
* Mücke, 15. Aov. Eine Versammlung von Eisenbahnern (Beamte und AB iter) der Strecke Rödgen bis Durg^ und A edrr-Gemünden, die hier stattfand, beschäftigte sich mit den Gehaltsfragen. 3n einer Entschließung heißt es u. a.: Die Versammelten nehmen mit Entrüstung davon Kenntnis, dah die Regierung, trotzdem sie die Berechtigung der Lohn- und Ge- haltsforderung anerfennt, es ablehnt, die Löhne und Gehälter entsprechend der vorgeschrittenen Teuerung zu erhöhen. Trotz der Preissenkungs- crftion, trotz der Reduzierung der äilmsatzsteuer, der Frachttarife, der Kohlenpreise usw. ist die seit sieben Wochen festzustellende Anschwellung der Preise nicht zum Stillstand, geschweige denn 8um Rückgang gekommen. Die Versammlung erblickt als älrsache der gegenwärtigen Pceiswelle einerseits die Kapitalnot der produzierenden Wirtschaft und die damit verbundene notwendig Sardene Aufnahme in- und ausländischen kkapitals zu ganz enormen Wucherzinsen und andererseits die trotz des Konsurniückgannes seit Kriegsbeginn sestzustell.nrde V rnneh uag alter der Kreise, d.e vorn Verkehr des Produkts zwischen Produzent und Konsument leben. Die Verlamm- lung wirft dann der Reg erung vor, dah sie das Bestehen jener pve streibenden Faktoren nicht nur nicht hindere, sondern durch eine verkehrte Preis- senkungsattion noch begünft ge. Der ganze Prozeß der Wiedergewinnung der durch die Inflation zerstörten Kapiialveserven unserer Wirtschaft solle auf Kosten der Arbeitnehmerschaft vor sich gehen. Dagegen mühten die Gewerkschaften entschieden Stellung nehmen und die gegenwärtige Lohn- unb Gehaltsbewegung zum günstigen Abschluß bringen.
v. Alsfeld, 15. Aov. Die Turnhalle ist durch den Anbau eines großen Dü h- nenraumes erheblich erweitert, auch ist die vorhandene Galerie ausgebaut worden. Die neue Heizungsanlage ist größtenteils cingetrofien und wird gegenwärtig gelegt Erne Reihe von Wahlversammlungen hat bereits in der neuherge ächteten Turnhalle ftattgcfunScn; auch hat das Kiao seinen Detrneb wieder eröffnet. In aller Kürze wird der Raum dem Schulturnen wieder zur Verfügung gestellt werden können. — Die hiesige Landwirtschaftliche Wtnterschule hat am 10. Aovember ihren Unterricht begonnen. Der Besuch der Schule ist in diesem Jahre außerordentlich stark. Auch die htesige Gewerbeschule weist wiederum eme erhebliche Desuchszifser auf.
Hefsen-Nafsau.
dH. Rodheim a. d. B, 16. Aov. Heute, Sonntag, ist der neue Fahrplan der Diebe rtalbahn in Kraft g tre en, der f ir Sonntag, Dienstag und Freitag einen Spä tzug vorsieht. Aach Gießen fährt e. ab
und Sofa den Räubern für kurze Z it das Eindringen verweh.en — sie hoffte, lange genug, bis die Polizei eintrefsen würde, ehe i.-nen der Einbruch gelu igen war.
Es war fraglich, ob sie das Ding rücken könnte, was auf ie i ersten Dl ick um g ich schien älnd doch hatte vtell icht der Sockel Rollen. Sie sprang auf die Figur zu und stemmte sich mit aller Kraft dagegen.
Sie brauchte nur eteen Augenblick, um zu merken, dah es ihr nicht möglich wäre, sie zu bewegen: aber als sie den Kopf nahe daran hatte, hörte sie etwas, das sie mit heißer F eude erfüllte.
Cs war das leite Jammern des Kindes, de' - selbe weinerliche Ton, den sie von Zeil zu Zeit vernommen hatte solange sie in Zimmer war.
Manchmal schien er von to?i? her zu tcmmen; dann wieder ganz aus der Aähe, wie toerm er irgendwo aus der Luft um sie her tarne.
Blitzartig erkannte i', daß das Ki tö in dem hohlen Innern der Statue verborgen sein mu ,te Es schien ihr so einfach, so selbstverständlich, daß sie sich wunderte, nicht früher darauf geLmmen zu sein.
Ihren Verbuch, die Tür zu verrammeln, gab sie auf und suchte fieberhaft nach einer Sehnung in dem Givsguß, durch welche das Kind bineingelangt war.
Aach kurzem Suchen hatte sie sie gefunden. Die ganze S.ite war aus dem Köre er des P erdes herausgefägt worden- durch zwei Längsschni: en, wovon einer dem Rücten, der andere dem Baach entlang zog, und zweien in der Schul er und in der Flaute Starke Leinenstreifen, die am Bauche des Pferdes angeftebi waren und durch der u - teren Schnitt liefen, dienten als Schorn ere und waren von oben aus nicht sichtbar.
Sie zwängte einen Mo elfte'' rach el sen sie vom Tische nahm, in den oberen Quer ch'it. und klappte den Anschnitt aus der Sei e des P erdes nach Niuhen--im Innern der Figur lag tat
sächlich auf einer Art Lager, das -eus einer alten Decke hergerichtet wa, der vermißte So n Stapletons.
Der Knabe, der augenscheinlich bis vor kurzem geschlafen batte, sah bestürzt zu ihr auf. i Es waren nun mehr als zwei Wochen, daß er
Rod heim a. D. D. abends 8.49 uaD zurück, von Gießxm alb 10.10. Damit ist einem alten Bedürfnis der Bevölkerung des Biebertales Rechnung getragen worden. Le der stel.t dieses Unternehmen der Beb.rtalbahn nur einen Vers uch dar: falls die Züge nicht durchschrntllich vvn 25 Passagieren b.nrht werd n, sollen sie als unrentabel wieder aus dem F ch/plan gestrichen Werben. Ihre Dauer wäre vielleicht eher garantiert, wenn man in Gießen b.i der Festsetzung jeglicher Veranstaltungen, seien es Konzerte oder Vorträge, in der Hauptsache bie Sage berücksichtigen wollte, an denen dieser Abendzug der Diebertalbahn verkehrst. Dadurch wäre dem Bewohnern des Dieb.rtales Gelegenheit geboten, diese Veranstaltungen ohne Mühe zu besuchen, und zum andern würde dam.t das Unternehmen der Diebertalb..hn unterstützt. — E.ne weitere Aeae- rung im Del rieb der Biebertalbahn ist die Ausgabe von Fahrscheinheften zu je zehn Karlen, durch d.e sich die einfache Fahrt von Redheim nach Gießen um 10 Pf. verb.l.igt.
S. Frankfurt a. M., 15. Aov. Dte Industrie- und - Handelskammer Frankfurt hat im Aamen des Verbandes Hessen- Aassautscher Industrie- und Handelskammern in einer ausführlichen Eingabe an den preußischen Finanzmimster die Aufhebung der Hauszinssteuer, soweit sie für bebaute gewerbliche Grundstücke erhoben wird, beantragt. Sie ist in einer Eingabe davon ausgegangen, daß die Aufwertungsgrenze zwischen 15 und 20 Prozent liegen werde und daß dementsprechend der Geld- entwertungsgewnn bei Hypoth keusch ul nern nicht höher besteuert werden dürfe als bei Obligationsschuldnern. Die Freistellung der gewerblichen Grundstücke wird deshalb gefordert, weil die Bestimmungen der dritten Steuemotverordnung Har erkennen lassen, daß <vn eine Einbeziehung der gewerblichen Grundstücke nicht gedacht sei, und aus A Äußerungen des Reichs;inanzministers gehe ebenfalls hervor, daß sich die aus dieser Steuer geschaffenen Steuermöglichkeiten nur auf Wohn- grundstücke beziehen dürsten. Außerdem fei die Haus/iussteuer bei der ilebertaftung mit anderen Steuern |ür gewerbliche Bettiebe wirtschaftlich nicht tragbar. — Auf dem Sachsenhäuser Ufer Zwischen Stadtwald und Eisenbahndamm hat sich im Laupe von drei Jahrzehnten das städtische Krankenhaus sowohl in räumlicher, wie in sozialer und wissenschaftlicher Beziehung zu einem der ersten ganz Deutschlands weiterentwickelt. Das städtische Krankenhaus bildet mit seinen 2300 verpflegten Personen eine Stadt für sich, die in 12 Kliniken mit 101 Krankenstationen eingeteilt ist. In der Chirurgischen Klinik, die unter Leitung von Prof. Schmieden steht, werden jährlich über 2003 Operationen ausgeführt. Eine besondere wissenschaftliche Bedeutung kommt dem Pathologischen Institut unter Poof. Fischer zu. — S' oi)Dem die Stadt Frankfurt den grüßten Seil der Aktien der Gasgesellschaft besitzt, halben zwischen Stadt und Gesellschaft schon immer einige Spannringe n bestanden, dte jetzt bei einer von der Gesellschaft geplanten Ermäßigung des Gaspreises von 21 auf 16 Pfennig pro Kubikmeter erneut zum Vorschein tarnen. Die Gesellschaft wollte das Risiko einer so starken Preisermäßigung als gemrscht-wirtschaftliches Unternehmen nicht allein tragen und harte dte Forderung gestellt, daß die Stadt von der ifyrl zustehenden Konzessivnsabgabe einen Teil beitrage. Die Stadt hat diese Forderung aber abgelehnt. Ebenso hat der Magistrat die Einführung einer Grundgebühr in Form von Zählermieten abgelehnt, bei Denen die guten Verbraucher fast nichts hätten zu zahlen brauchen. Aach Ablehnung aller ihrer Vorschläge teilt jetzt dir Gas - gesell schäft mit, daß sie erst neue Tarife ausarbeiten muß und daß die angekündigte Ermäßigung des Preises nicht in Kraft treten tonn. — Der FrankfurterStraßen- bahntarif ist mit seiner vielfachen Einteilung nach Strecken und Stunden so kompliziert, daß sich oft die Schaffner selbst nicht mit der Berechnung zurechtsinden. Um dies in Zukunft zu vermeiden, beschäftigt man sich augenblicklich in der Verkehrsdeputatton mit der Einführung eines Seil- streckentarifs. Diese Teilstrecken sollen bann in Zukunft nur 10 Pfennig kosten, um wenigstens hier zum Friedenspreis zurückzukehren.
F r a n k f u r t a. M., 16. Aov. '(WTB.) Wegen Mordverdachts ist hier der 24jährige Karl Z e i ß aus Kassel verhaftet worden, der im Verdacht steht, feinen Wandergenossen
Goebel zwischen Fechenheim und Hanau De* raubt und in den Main geworfen zu haben. Zeiß stellte sich der Polizei und gab an, daß es sich um einen Unglücksfall handle, der aus einem Streit entsprungen sei.
Großes Schöffengericht
Gießen, 12. Aov. Der Schreibgehilfe beim Kreis amt Büdingen Heinrich Zimmermann hatte, um sich einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, einen Iagowaffenpaß und zwei Legitimationstarten fälschlich angeerhgt, d. h. mit den Unterschriften der zur A sstellung ron Urkunden befugten Beamten versehen und das Geld dafür eingesteckt. Wegen Fälschung öffentlicher Urfunben und Betrugs wurde er zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. •
Gegen die Ehefrau des Lehrers G. in Usenborn und den Hüttenarbeiter Ios^ O. aus Gelnhaar wurde wegen Beihilfe zum Versuch Der Abtreibung verhandelt. Sie Tat wurde begangen an einem jungen Mädchen, das,, mit Dem Bruder der Frau G. em Verhältnis hatte, um den Bruder der G. vor Alimentenzahlungen zu bewahren. Die Velluche waren erfolg os Während O. mangels .ausreichenden Beweises, daß er Kenntnis von Dem Zustand des Mädchens gehabt hatte, freigesprochen werden mußte, erhielt die G. eine Strafe von 1 MonatGefängnis
Wirtschaft.
Lebensversicherung und Kotnmnnalanleihen.
Vor kurzem wurde mitgeteilt, daß einzelne süddeutsche Städte sich auf ch e Pflichten gegenüber ihren alten Anlllh g.äub gern besinnea uab ihre Anleihen aufwerten wollen. Genannt wurden namenllich Stuttgart und Frankfurt a. M. Demgegenüber hat der Reichsbrnkprä i'ent Dr. Schacht in der Sitzung des Zen ra.laus chUiseZ der Reichsbank am 19. Oktober 1924 es als höchst bedenklich bezeichnet, wenn Die Kommunen auf eigene Faust Schuldenaufwertungen vor ehmen, dte das Reich als Ganzes sich unter dem Zwange der Aot vertagen mü/fe.
Damit ist eine für die Lebensversicherung wichtige Frage zur ©rört'ru-g gestellt. Di> An- sp^lliche aus Lebensver iche ung vert ägei körnen nur ins w it aufg h> rt t tret en, els das ih en gegenüb rstehende Perm-gen Der Ver'icherün is- untern.hmungen eine Aufwertung e iäfyrt. Dieses Vermögen besteht nach den frühe ei gesetzlichen Anlagen? r.chriften rur cus mün ei i .,erm Werten, d. h au; Hypothe.'e r Pfan) .rief-m u iD öffentlichen Anleiher, insoe on ere Kommun lm- lehen geben. Von allen D:e, n Werten werden als Hypotheken nicht zu erh.il en waren, muß en die Lebensverficherungsunterrehmungen, um sich innerhalb der glleßlichen Arllagev rlchrif'ea zu halten, viel Kommunalanleihen erwerben und auch den Städten gegen einfache Schuld'cheine Da.- lehne geben. Von allen die en Werten werden nach der Dritten St-uernotverordnung nur die Hypotheken zu 15 Prozent aufgewertet. Bei den Pfandbriefen richtet sich die Au Wertung mui) Den auf sie entfallenden, die Seilungsmasse b;t= denden Hypoth ken, ©ru d chulden u w und w rd nur einen geringen Betrag ergeben. Bei den öffentlichen Anleihen ein,chließ ich Ler Konrn'une'ft anleihen findet bis auf weiteres gar kei e Aufwertung statt. Infolged f en wertzen d e Lebensversicherungen bei den bisherigen Vorschriften Der Dritten Cteuernotveror>nu"g nur eine sehr geringe Auswertung erhallen. Soweit sich b.sh.r Berechnungen haben Musftellen l-i> sen, wird die Aufwertungsquote nur 3—4 Proz nt der Prä- rnienreferve betragen, vielleicht sogar noch hinter diesem Satze zuruckbleiben. Hier urch ze g! sich. Wie ungerecht Die Bestimmungen der Dritten Steuernotverordnung über Die Aich'auf Wertung der Kommrv-alanll? h n sied. Die Dritte Sl uer- notveroronung bestimmt, daß jü isti ch1 Persv en des öffentlichen Rechts als Ain ernehmer wirtschaftlicher Betriebe ih e Schulvor chreibun en auszuwerten haben. Die S äste h ben i >re Anleihen fast durchgängig für werben e QI lagen, wie Wasserw rte, Gasanstalt, Elektrizitätswerke und Strahenbo^hrven aufgenammer In tei Anleihen ist dies aber nicht vusdrückllch gesagt, und deshalb verweigern die Städte d.e QbifWertung, trotzdem die wirtschaftlichen Voraussetzungen dafür gegeben sind. Die den Gemeinden von Den Lebe- sv.r icherungsunternehmungen ge en Schuld-
i um.......
seinen Eltern entführt worden war, daß er, von fremden Männern ei ge chüchtert, von einem O t zum andern gebracht wurde. Er war gewohnt, lllnerwartetes, Sch eckeirerregwdes zu s hen u d es war ein v rschüchterles Ee,ichtchen, Da3 Grace flehend an'ah, als sie sich darüber b?ugte.
2n ihrer Freute üder die Entdeckung des Jungen vergaß sie l ie Gefahr, in Der s e schweifte. Es war so unertea tet, so überraschend gekommen Wenn sie nur mit dem Kinde sliehen könnte, mehr wollte sie ja nicht, lllnd zwischen ihr und der Freih.'tt lag ja nur eine einfache Tür, und doch schien es, als sollte sie nicht hi ausgelangen.
Sie nahen daS Kind au 3 seinem Versteck und stellte es auf den Boden, dann hob sie ra ch das schwere Stück Gips an sei.en Platz zurück. Sie überlegte, daß die Räuber wenn ie zurücll'amm, wenigstens nicht f cf ort sehen Durften, daß ihr Gefangener nicht mehr da war.
Eie wußte, daß da; Versteck nur vorübergehend war — ein Mittel, um daZ Kind den Tag über außer Sicht zu bringen, falls älnbe- rufene das Zimmer betreten sollten. S)b ll) die Räuber wieder da wären, würden sie gewiß den Knaben anderswo nut und sicher verbergen.
Wiederum ging" iie zur Tür und rüttelte fest Daran; mit aller Kraft riß sie am Knopf ohne das geringste Ergeb ris. Das Schloß war offenbar stark und die Tür fest — sie gab nicht nach, trotzdem sie mit ihr:m ganzen Gew chc d .ran rifi.;
Hier war keine Hoffirung, zu entwllchcn. Dann dachte sie wieder art daS Fenster. Sie sah einen Augenblick in dir Du ckelheit hinaus. Der Erdboden' lag zehn Meter tiefer. Aiernand war ?,u sehen. Wie wollte sie ohae Sell mit Dem Kinde ,brn uterfemmen ? Es war ein Ding der lllnmöglichkeit.
Es war klar: sie mußte warten. Vielleicht vxtr die Hilfe, die sie von ihre t Freunde r oder Der Polizei erwartete, seh'- b-ald Da; sicher!.ch könnte sie aus irgendeine Art die Räuber bis dahin aushalten.
Plötzlich bemerkte sie, dah der Augenblick gekommen war. Sie h' rte die H austür lei e zu - gehen und auf Der Treppe ertönten Fußtritte. Wer war es — die Polizei oder Die Räub-e ? aie I< ren, sagte ihr eine innere Stimme, Dena Die Polizei wäre in ihoer Eile, das Kind zu be
kommen, zweifellos in einem Kraftwagen in größter Geschwindigkeit angelangt.
Die Ankömmlinge stiege i die Treppe gemächlich herauf, als ob sie keinerlei Angst hätten. Grace hörte sie auf dem ersten Absatz kurz hallen, dann kamen sie dte zweite Treppe herauf. Es stand für sie außer Frage, daß fip mitten im Zimmer stehend Deren Entritt erwarten wurde.
Erst im letzten Augenblick ftoh sie mit Dem Knaben in Den Schrank. Sie trat hinein, hielt die Hand des Kindrs, in Der ihren und zog die Tür eben zu, als die zwei Männer das Zimmer betraten, lllnterwegs hatte sie vasch dte Kerze au&gebtaten.
Es waren dieselben beiden Männer, die heute hier geweserr waren —_ der schwarzbärtige, jetzt ohne Bart, und Der Künstler, Durand. Sie sah es sofort als dieser die Kerze angesteckt hatte. Sie wunderte sich, daß es ihm nicht auffiel, dah der Docht noch warm war. Offenbar war es ihm entgangen, denn sie setzten sich> auf St ahle steckten Zigaretten an und begannen zu verhandeln.
„Jetzt können wir ruhig reden," sagte Du» rand. „Wie ging's?"
„Ich erhielt das Geld, gab das blaue Zeichen und rechnete, jetzt Halbwegs Brüssel zu sein. Was ist das für ein lllnsinn mit dem roten Licht?"
„Es ist kein ilnftnn, versichere ich dir. Ich sah es mit meinen eigenen Augen, es war tot- sicher rot!“
„Dann muh sich Francois geirrt haben, oder er ist eingesperrt Worten — zweifellos letzteres. Jetzt fragt es sich, was wir tun wollen? Ich denke, wir sollten so rasch wie möglich aus Par s hinaus. Hier sind wir nicht sicher." Er sah erregt um sich.
„Warum nicht? Du gabst doch Stapleton diese Adresse nicht an? Oder?"
„Aein, natürlich nicht."
„Dann sehe ich nicht ein, warum wir mcht sicher wären. Aiemand weiß, daß das Kind hier ist."
»Also willst du es ihm nicht übergrbsn?'
„Aoch nicht. Zuerst muh ich herausfinden, was mit Francois lo3 ist."
„Laß ihn selbst für sich Jörgen!c
(Fortsetzung folgt.)
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