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U4- Jahrgang

montag, ir. novemver <924

GietzenerAilzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Dnid imö Derlag: vrühl'sche Unlverfitälr-Vuch- und 5teindruckerei R. Lange in Sieben. Lchristleitung und Seschäftrftelle: Schnlltraße 7.

Lah»e HR ÄlljC-ycH ffir die Tagesnummer vis |um Nachmittag vorher ohne jedeDerdtndlichkeiL Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mra Dreite öril>ch8, auswärts 10 Goldpfennig: für Ne« Klame-Anzcigen v 70ii.m Breite 35 Goldpfennig, Platzvorfchnft 20*, Auf- chlag. - Deranlwortlich ür Politik u. Feuilleton: )r Friedr.Wilh Lange; ür den übrigen Teil: Ernst Vlumfchcin; für den Anzeigenteil: HansBeck, sämtlich in Diesten.

Der Kampf um die Reparationsabgabe.

Der rätselhafte Brief des Generalagenten. Gegen die Sonderbesteuerung

und wirtschaftlichen Systems der OotnictUTiion un­entwegt sesthalte. Er gab aber gleid) zeitig der Hcbetyrugung Ausdruck. baf) eine beut ch .ssisch« 3ufammenaibcit auf allen Wirtschaft-gebreren durchaus möglich fei. Der C&otfdwrter ®arf Q3 r t*d- dorsf-Ranhau sagte in seiner Siwiberang:

Der ©cneralaflent für Reparationszahlungen Gilbert hat an den Reichsfinanzminister Dr. Luther ein Schreiben gerichtet, das. so kurz eS ist. doch nicht allein der Tlebertragung in unser geliebbcS Deutsch, sondern darüber hinaus auch noch eincS langen Kornrnent-ars bedarf, wenn man cs verstehen soll. Einstweilen ist wohl nicht zu viel gesagt, wenn man behauptet, dah die Reichs- regierung es noch nicht ganz richtig verstanden hat und sich ehrl che Mühe gibt, das geheimnis­volle D.ld zu enthüllen, das Herr Gilbert vor ihr errichtet hat. Die Geschichte ist an sich ganz etn- fach: Der Sinn des Londoner Abkommens be­stand darin, baf} der Abfluß des GeldeS auS Deutschland durch das Trans- ferkomitee kontrolliert werden sollte, um zu verhindern, dah zu viel Devisen aus Deutsch' land abslössen und infolgedessen auf Grund der KriegSenifchöd'gungen eines Tages unsere Währung wieder ins Wanken gerät. Des­wegen war bestimmt worben, dah die Gesamt­leistung Deutschlands in einem festen Betrag zusammengefaht werden sollte, auS dem dann die Gegner alle ihre Forderungen zu bestreiten hätten. Rach welcher Schlüsselzahl. daS ging uns nichts an, wir hatten nur die Auf­gabe eine bestimmte Anzahl von Milliarden auf den Tisch des Hauses zu legen.

Weil man sich aber doch sagte, dah der Ad- ertah, dem die deutsche Wirtschaft in den lebten Nähren unterzogen worden ist, zu schwer war, um sofort die Reubildung des Blutes zu er­möglichen, sollte uns eine Atempause be­willigt werden, so dah wir in dem ersten Jahre nur eine Milliarde davon 300 Millionen auf Grurck» der internationalen Anleihe zu zahlen hätten, im zweiten Jahr noch nicht _biel mehr. 11 ab zwar waren von uns diese Beträge an das Reparationskomitee und seine Organe abzu­führen. _ L

Richt lange dauerte es, dah England sich eine Extrawurst briet und d i e 26prozenttge Abgabe auf Grund des Recovery- Aet toteber einführte, und unmittelbar darauf ist Frankreich diesem guten Beispiel g'f'Iqt. 2In amtlichen deutschen Stell-n wurde dama's -war vers cheri, das sei im Grunde ziemlich g eichgi liig, bedeute eigentlich nur eine etwas tomp.izie t? Umrechnung, denn d es: 26 Pro^ würde, von der deutschen Regierung dm deutschen Sxpor'etren vergütet und der de itschea Rrgi-r-mz wie c bei der Begleichung brr Jah.rszahlungen a n - gerechnet Ganz so lagen nun fre lich d e Dinge nicht, es blieb auch zu beYn en d. in dieser Sorderabgabe eine Schik.in: lag d c d.n deutschen Erpert mit einer Extrafteuer bc- lasten sollte, die zum minde'ler als mor.ili che Boylott wirren konnte, weil sie nicht nur den deutschen Eiporteur, sanden auch dm aus­ländischen Importeur deutscher Waren zu c ner deppttten Duchfähr.mg zwing dir z->d in umständl ch war und infolge!):f ::i de, Wett­bewerb fr m'cr Industr en erl ichterte Die eige t liche Absicht der Cn-länd:r und nrch ihnen der Franzosen war nat rrl ch. dies: De- sm aas den de -llchen Waren erst einmal in die Hand zu betommen, sich also von dem Transfer­agenten unabhängig zu machen und es ihm d nn zu überlassen wie ernt dem Re t der deutschen Z rhl ng n fert g w rde i ko.nie Der ganze Stoh richt l sich als) les ab in seinen Wirkrmgcn unmilte b r gegen das Lon­doner Gutachten de Rewäsnt:ner der ganzen Londoner Systems d rf e i es s ch al o nicht gefallen lassen, dr.h ihn i c Ausbau ihrer Cig.nifation auf diese Weise ? chla^en wurde.

Das hat Owen Boung denn auch sehr ra'ch begriffen und als der erste Prowst Deutschlands nach Paris ging hat er gleichzeitig von sich aus sehr scharfe Verwahrung gegm tu An­sichten der s a i chen Regi r ng ei gc'e t. Ob der jetzt bekannt gewordene Bi;iet des General­agenten in de.selben Linie liegt das ist z'nächst noch nicht gena t festz-.stellen Aus ihm ergibt sich nur dah an sich der deutschen Regierung das Recht bestritten wird, s rnerhin die deutschen Exporteure zu entschädi­gen. dieses Rech' steht dem Generalagen­ten für Reparationszahlungen ?u der bis auf weitere Ent sch idungen vom Transferkomitee cu- mäch.iat ist. Zahl rngen auf Grund der 26prozen- tigen Abgabe zu leisten.

Die ic.itfd): Regierung ist also fetzt aus­geschaltet Oer einzelne E Porteur hat es m i t dem Reparationsagenten zu tun. wo­durch seine ta'tische Lage zwllsellvs nicht verbes­sert wird. Zudem wird auch auZd nlcklich erflärt. dah diese Zahlungen nur bis auf weiteres erfolgen sollen; sie können demnach jeden Tag ein­gestellt werd.n. a if Grund ei ter doppelten Mög­lichkeit. Entweder di' fr mden Regierungen ver­zichten a f diese Sond rsteuer oder die deutschen Exporteure müssen di: Abgab? ausihrereige- nen Tasche zahlen, was so gut tri: die Ver­nichtung der ganzen deutschen Aus­fuhr bedeutet dami: gl ich' ikig aber auch den Londoner Plan illusorisch macht.

Wie sich das der Generalagent Vorst llt, dar­über schweigt er sich aus. Man erhält aber vielleicht einen Anhaltspunkt, wenn man sich vergegenwärtigt, dah gerade im Augenblick die Handelsvertrags - Verhandlungen Deutschlands mit Frankreich und mit Eng-

der deutschen Ausfuhr?

land in ein kritisches Stadium getreten sind, weil Deutschland mit allem Rachdruck die Be­seitigung der 26proz. Abgab: verlangt. Der Bries des Generalagenten kann eine moralische Unterstützung der französischen Unterhändler be­deuten. Wir wollen das vorläufig noch nicht annehmen, können es auch nicht glauben, denn darüber muh sich bas Transf-r'omi'.ee klar frin. dah eine Vorwegnahme d:s vierten Teiles aller aus dem Ausland? stammenden Devisen gleichzeitig eine Verminderung der gan­zen deutschen Kriegsentschädigung um mindestens ein Viertel bebrütet und dah dann nicht daran zu denken ist, die Kriegsenlschädi- gung auch nur annähernd in den Grenzen des Londoner Pakts zu halten, wenn nicht gleich­zeitig der eben erst mühsam aufgebauten deut­schen Währung der Boden entzogen werden soll. Die Auslegung des Schreibens.

Berlin, 15. Rvv. (Wolff) Der General- agent für die Reparativns-ahlang,n. S. Parker Gilbert, hat in der Angel g:nhei her Repara­tion R^coverh Act an Dr. Luther ein Schreiben gerichtet. Wie wir von unterrichtete: Seile cr- faL en, hat diese: Brief den Zweck, festzustelleu dah der Generalagent für die Reparations­zahlungen und das Transferkomitee das alleinige Recht haben, di? Verwendung undAbyebung von Geldern aus der Annnilät nach dem Sachverständigeaplan ?u regdn und zu kontrollieren, und dah dementsprechend

Deutschland nicht schlechthin auf dir Annuität nach dem Sachdersländig:npla>? die Beträge kreditiert erhält, welch: in Großbritannien oder Frankreich auf Grund der Reparation Recoderh Act erho­ben werden. Die Annuität soll bielmehr nach An­sicht des Generalagenten für die Reparations­zahlungen und des Transferkomitees nur mit dem­jenigen Gesamtbeträge für die Einlösung der Gut­scheine bllastet werden, welcher von dem General­agenten für diesen Zweck zur Setfügung gestellt wird.

An dem bisherigen Dersahren der Bezahlung der deutschen Exporteure durch die Friedensvertrags­abrechnungsstelle tritt keine Aendemng ein. Die Fliedensvertragsabrechiungsstrlle wird jedoch Zahlungen nur dann vornehmen, toenn und soweit der ©cncraLigent für bi: Reparationszahlungen der Friedensv:rt'a;Labr'chnurgrstelle Mittel zur Verfügung stellt. Das wird bis auf weiteres g:-

Eine optimistischere Auslegung erführt der Bries Gilberts in folgender Mriounq der T?le- g:ar( en-ilnicn. Es beißt dort: Wie wir von gut u .llerricht.ter amerikanischer Sie erfahren, le.utet daZ Schreiben b^ Generalagenten, ob­gleich nominell an den deutschen Reichsfinanz­minister gerichtet, nichts anderes als einen An­griff gegen die Methode der engli­schen und französischen Regierungen. Ter Schritt Gilberts würde auch in hrrvorragen- tei Weise di: deutschen Handcl^vertragsverhand- lungen mit den versch.ebcn n Ländern die jetzt im Gange sind, und die Autorität des Dawes- Planes beeinflussen. Der Brief d^ General­agenten wird als

erster Vorstoß gegen die unrechtmäßige Besteue­rung der deutschen Ausfuhr

angesehen. Es steht auf"er Zweifel, drh die Maß- nahme Gilberts -ur Beteiligung aller Schwierig­keiten, die der Durchführung des Dawes-Planes entgegen stehen, beitragen wird. Gilderis Brief wäre insofern bedeutungsvoll, als er das allei­nige Recht des Reparationsagenten in einer seiner wichtigsten Funktionen bestätigt. Die Erklärung wird als das beste Mittel ange­sehen. um eine mögliche Krisis abzuwenden. Der D iri Gilberts spricht sch'iehlich England. Frank­reich und allen anderen Rationen bi? De echllgung ab. die 26prozentige Ausfuhrabrabe zu erheben und somit die Rechte des GenercttzahlungS- agenten zu kürzen.

Dor «'nem Konflikt FrankreichsmitdemGeneral- agenten.

Paris, 16. Rov. (TU.) Der Bries des Generalagenten für die Reparationszahlungen, Parker Gilbert, an den Reichsfinanzminister Dr. Luther hat hier beträchtliches Auf­sehen erregt und bildet in amtlichen Krisen den Gegenstand lebhafter Auseinandersetzungen. Auf eine Anfrage am Quai d'Orsay wurde dem Vertreter derTelegravhen-Union" mitgeteilt, tah sich die französische Re^irrung durch die S ellungnahme des R^arQtions.zahlungsagenten nicht beeinflussen lassen wird und es auch a b l e h n e. die Erhebung der 26vrozentigen Aus­fuhrabgabe. die systematisch fortgesetzt werden soll, mit dem Abschluß eines deutsch- franchllschen H-andelsvert 3*e3 in De b.ndung zu bringen. Die Mögllchkeit eines Konfliktes -wischen der französischen Regemng und dem T:ansferausschu''se ist damit in unmittelbare Rähe gerückt. 3n einem solchen Falle^te das im Daweegu'achten vor-e^hene Schiedsgericht in Tätigkeit treten. Att französischer Seite besteht aber die Ab icht, nut die Entschei­dung der ReparationSkommission gelten zu lassen, und unar mit der Bearündung,

bah es sich bei bet Recovery Act um eine poli­tische, aus dem Dersailler Dertiag refultiercnbe Mas-nähme handele

Englisches Erstaunen.

Paris. 16 Rov. (TU.) 3n London hat der 'Brief Gilberts gröhtes Aufsehen er­regt. 3.ne ungenannte Persönlichkeit hat der ^Evon ng Rews' erklärt, wenn bi? Melbmg sich bestät gte, sei das ge amte Londoner Ab'ommen bedroht (?). 3n offiziellen englischen Kreisen erlläri man erst einmal eine Bestätigung abwarten zu wollen.

Der deutsch-rufsifche Handelsvertrag.

Begin« der Moskauer TZcrhandltttrgen.

DaS deutsche Volk weist, was Ihm der in Freund­schaft freigchaltene Weg nach dem Osten bedeutr' und ist entschlossen, ihn zu betreten, incht a. Bittsteller und nicht als Eindringling, sondern als aufrichtiger F^-eund. um gemeinsam mi* den Völ­kern der Sowjetunion aufzubauen. waZ durch den Äiieg zerstört wurde. Wenn Rußland Deutschland Hilst und Deutschland Rußland unterstützt, so be­reutet das Selbsthilfe Die heute beginnen­den Verhandlu7»gen sind eine wich'ize Etappe auf dem Wege, dieses Ziel zu erreichen. Ent- schlossen, unter gegenseitig.r Achtung der berech­tigten Interessen des anderen Teiles xu ver­handeln, in der klaren Erkenntnis, dost jedes Land das Recht besitzt, sein Wirtschaftssystem nach eigenem Ermessen aufzubauen, gehen wir an die Arbett.

Am Feeitag veranstaltrie Tschitscherin zu Ehren der deutschen Delegation ein Abend­essen, an dem d e deutsche Bolschaft und die Fiirltirnäre des Kommrss.rriatZ für auS'värtige Angelegci heilen te ln ihmm Di- Ä'nfcien\ mir > voraussichtlich 2 Monate taueni De> tschland wünscht, w c verlautet, vor allen iie ÄlariieUung der Verhältnisse der Sowiet-egie^mg zu der Tätigkeit der brutschen Industrie­gesellschaften in Transkaukasien worauf es e:ft an dir Fest st Ihm i b?S T rte bei lünft gen Handelsv ri ge? b rintrete i wirb.

Moskau, 16. Rov. (Wolsf) Bei der Er- öffnungssitzung der beutsch-ruisischen Hanbelsver- IragSverhandlungen betonte Vollskommiss.ir Krassin, dah die Sowjetregierung an dem Grundsatz des AuhenhanbelsmonopalS als der wesentlichsten Sähe Stüh: des politischen

Das Ende der Regie.

Mainz 17. Rov. (T 11.) Die cfsj;ieNelieber- gab: de: Rcziebahn an die Deutsche Rerchsbahn- gesellschait erfolgte ordnungSgemäh in der Rächt von Samstag auf Sonntag. Die Bureaus der Reichsbahndirettion Mainz, die wah­rend des Regiebetriebes nach D a r m ft a b t ver­legt wurden, sind gröhtenteils wieder hier im Eisenbahn-Direktionsgebttide in der Käiserstrahe untergebracht. Der Rest folgt voraussichtlich Ende dieser Woche, sobald di: von der Regie zur Ab­wicklung der Uebergak e noch belegten Räume frei geworden siad. Der Sih dec Generaldirek­tion der Regie bleibt zunächst noch in der Oberrealschule, di: weiter beschlagnahmt bleibt 3n den Bureaus wird von den Rc?giebeamten eifrig gepackt Man sieht viele von ihnen mit ihrem Gepäck das Gebäude verlassen Das Strastenbild zwischen Bahnhof und Diiektionsgeb'iude wird von dem Aus-uge der Regie beherrscht. Miliiäclast- wagen schaffen das Rkobiliar und Gepäck zum Bahnhof.

Auf dem Bahnhof selbst herrscht Hochbetrieb. Für gestern Warrn fünf Erirazüge vorgesehen, um die Beamten und ihre Familien nach Frankreich zurückzubrkngen.

Bereits seit Samötag mittag erfolgte der Ver­kauf der Fahrkarten bei der Regiebahn nicht mehr gegen Franken, sondern gegen deutsches Geld. Der Fahrplan der Regie bleit vorläufig bestehen. Man toilf bis zum 1. Dezember einen neuen Fahrplan e'?iführen, der den Zustand vor dem Beginn der R-gie wieder Herstellen soll. Das Fahrpersonal :-uf den Zügen ist bereits seit einigen Tagen durchweg deutsch. Auch aus den Reparatur- und Betriebswerlstät en sind die fran­zösischen und belgischen Arbeiter vollständig herausgezogen worden. 2100 deutsche Angestellte, die während des pa'siven Wi­derstandes in den Dienst der Regie ge­treten waren, gehen auf französisch: Aufforderung hin nach Frankreich, wo sie zum Teil in Fabriken unterg b acht werden. Ein kleiner Teil geht in die Kolonien.

lieber den Bestand der Dahnen wer­den die Untersuchungen der Reichsbahngesell­schaft erst weiteres ergeben.

Die Reichsbahnaesellschaft hätte verlangt, baß eine Regelung über den Austausch von Bestands- Nachweisen fco-genommen werden sollte. Die Re­gie hätte eS jedoch abgelehnt, mit den Beamten der beut'di?n Reichsbahn irgendwelche lieber* gabeverhandlungen dorzunehmen, und zwar begründete sie ihre Ablehnung da­mit, dah sie für Störungen und Beschädigungen im Eisenbahnverkehr nicht verantwor.lich gemacht werden könne, da sie die Eisenbahnen bei Beginn des passiven Widerstandes so übernommen habe, wie sie jetzt seien. An diesem Zeit­punkt seien schon umfangreiche Zerstö­rungen vorhanden gewesen. Di: größten Zer­störungen habe sie. die Regie, sofort toicber aus­gebessert, wie sie zu einer geordneten Durch­führung deS Betriebes notwendig gewesen seien. Im übrigen hat die Regie währeno ihrer Herr­schaft im Ruhrgebiet an den Dahnen Raub­bau getrieben. Anschaffungen, Ausbesserungen und Instandsetzungen wurden von ihr nicht vorgenommen, da sie von vornherein wußte, daß sie eines Tages toerbe sang- unb klanglos abziehen müssen.

Die Uebergabe der rheinischen Bahnen. Köln. 17. Rov. ($11) D'e Uebergad: der rheinischen Bahnen hat in der Rächt tom Sams­tag auf Sonntag statt gefunden. Die deutschen Dörnten haben um 12 Uhr nachs ihren Dienst angetreten. Soweit b sh:r zu übersehen irt ist die liebergab: ohne j:d: Schwierigkei'.en erfolgt. In Aachen desinbet sich die Bahnhofs­halle die schon vor der Besetzung reparatur­

bedürftig war. in sehr schlechtem Zustand. In Bonn war das Rcgiepersonal bereits feit zwei bis drei Wochen allmählich verringert wor­den, so bah zuletzt nur noch ein Rotbetrieb stattsand. Die Regie gestattete nicht, dah die deutschen Beamten vor 12 Uhr xur Einarbeituna ihren Dienst aufnahmen. Trotzdem wickelte sich der Zugverkehr pünllich ab. Auch in Trier vollzog sich die lieber gäbe reibungslos wenn auch die Schwierigkeiten groß waren, da daS gesamte Scyienennetz des DirektivnSbezirks in den Händ-en der Regie lag. 3m allgemeinen kann gesagt werden, dah der Fahrplan einstwellen nach dem alten aufrecht erhalten bleibt.

Sehr störend wird empfunden, daß die Morse­apparate zum Teil derschwunden, teilweise demv- liert sind.

Di: Regie hat allem Anschein nach den .ekephoni- schm und telegraphischen Zugm''ldedienst nicht ausgeübt. Wahrscheinlich ist darin die Ursache für die nicht unerhebliche Zahl von Unglücks- fällen zu erblicken. Obwohl daS Regiepersonal bereits vollständ g ablransporliert ist, und nur noch einige höher: Beamte zur Ucbergabe hier anwesend sind, geht die Freimachung unb Rückgabe von Wohnungen nur sehr lang­sam vvnstatten. Die beutfdy? Dehörbe hat an bet Grenze des besetzten Gebiets eine Reihe von alten Lokomotiven unb einen neuen Wagenpark zurückgestellt, bie allmählich in dm D:rk<chc ein- bezogen werden. Cs fällt auf, daß die DureauS zum Teil in sehr unsauberem Zustand zurückgegeben worden sind, so dah der gestrige erste Tag in der Hauptsache zu RetnigungS- arbeiten benutzt werben muhte.

Die Ucbergabe der Bahnen des Frankfurter Bezirks.

Frankfurt a. M.. 17. Rov. ($.11.) Dit Heb ergäbe der von ber Regle betriebenen, tm Eisenbahn-Direktionsbezirk Frankfurt a. M. gelegenen Strecken ist bereits vormittags 8 Uhr glatt und ordnungsmäßig erfolgt. Auch daS grobe Instandsehungswerk. daS bis zur Be­setzung durch die Franzosen von der Reichsbahn als Musterwerk geführt wurde, ist wieder i n deutsche Verwaltung übergegangen. Di' Reichsbahndirektion Frankfurt a M hat be­reits Anweisung erlassen, die zum Betrieb des Werkes notwendigen Arbeiter einzustellen Ein­zelheiten über den Zustand der Dahnen usw. kön­nen zur Stunde iwch nicht gegefcn werden

Unsere wirtschafts­politische Ausgabe.

Eine Ncdc

des NeichsfinanzmtnisterS Hamm.

München, 17. Rov. (TU.) 3m Rahmen der Tagung des Dayerifchen DeamtenbundeS sprach in Anwesenheit des Ministerpräsidenten Dr. Held unb der Vertreter der verschiedenen Ministerien der Reichswirtschaftsminister Hamm über die wirtschaftspolitische Lage. Er erinnerte daran, dah heute vor einem Jahr die Renten- mark in Wirksamkeit trat und führte aus, es gäbe kein Wunder ber Rentcnmark, daS Wunder sei ber Wille, Ordnung au schaffen und die Kralt unseres Volkes, die Zeit und die Opfer dieses Orhnung5f<f)-'ffen8 zu überstehen. Die Steuern, die eing-führt wer­den muhten, seien bewußt brutal, roh und un­gerecht gewesen, aber stärker als Ger chtigkeit dem einzelnen gegenüber liege bie Rvtwen - digkeit der Erhaltung des Gebens des ganzen Volkes. Die Dawe«aes-?tze seien kein Ende, sondern ein Anfang ein Meilen­stein auf dem Wege ber wirtschaftlichen Ge­sundung.

Wenn Deutschland bezahlen solle, dann müsse man ihm den Eintritt in bie Weltwirtschaft frei-