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sich jedoch in den Grenzen hallen, die Staat und Staatszweck ihr setzten. Waffenvrganifationen, gleich welcher Art, werde er im Lande n i ch t d u l d e n. Schlieh- lich bat der Ministerpräsident, ihm Vertrauen entgegenzubringen und mit ihm zusammenzu-- arbeiten gegen die Elemente, welche gegen den Staat arbeiteten.

Kommunistisches-

Wieder ein Hochverratsprozeft.

Königsberg, 16. Juli. (Wolff.) Unter dem Vorsitz des Senatspräsidenten beim Reichs­gericht, Riedner, begann heute vormittag vor dem Staatsgerichtshof die auf vier Tage berechnete Verhandlung gegen deir K v m - munistischLN Landwirt Kalcher und zehn Genossen, die nach der Anklage 1923 unternommen haben sollen, in hochverräte­rischer Weise die Re ichs ve r fa s s u n g gewaltsam zu ändern. Bei allen kommt ouch ein Vergehen gegen das Gesetz zum Schutze der Republik und bei einigen ein Vergehen gegen das Eprengstoffgeseh und schwerer Diebstahl in Frage.

Verhaftung einesAktivisten" in London.

Rach einer Meldung aus London verhaftete die dortige Polizei einen deutschen Kom­munisten namens Aso(?), der ohne Ein- ' eiseerlaubnis sich in England aufhielt. Der Ver­haftete gab zu, daß er an den Hamburger Kom- nunisteuunruhen im Oktober vor. Hs. beteiligt gewesen und aus Deutschland geflohen sei, weil er wegen Waffengebrauchs gegen einen Polizisten verfolgt worden sei.

Toller in Berlin.

Rach einem Drahtbericht aus Berlin ist der Nus der Festungsanstalt Riederschönefeld ent­lassene Toller aus Bayern ausgewiesen und über die bayrische Grenze abgeschoben worden. Er will seinen bauernben Aufenthalt in Berlin nehmen.

Neue Kämpfe in Indien.

London, 16. Juli. (Wolff.) Reuter meldet aus Simla: Rach den neuesten Rachrichten hal­ben gestern dieKämpfezwischen denHin- dus und den Muselmanen wieder be­gonnen. Die Ursache soll darin liegen, daß die Hindus daran verhindert worden seien, ge­legentlich des Bakrid- Festes, ihrem Rilus ent­sprechend, eine Kuh bei der Prozession durch die Stadt zu führen. Die Hindus konzentrierten sich auf der Ostseite von Saddar Bazaar. während die Mohammedaner die Westseite besetzten. Als der Kampf kaum begonnen hatte, griff die Polizei mit Panzerwagen ein. Die wenigen Lader, die noch geöffnet waren, wurden in aller Eile geschlossen. Bei den gestrigen Zusammenstößen zwischen Hindus und Muselmanen find sechs Personen getötet und über hundert v§,r letzt worden.

Hessischer Landtag-

Darmstadt, 16. Huli.

Die beiden letzten Sihungstage waren der Beratung von Polizei-undHustizfragen gewidmet. Wir erhalten darüber folgenden Be­richt unserer Darmstädter Redaktion:

3n der Dienstogsitzung, der Minister von Brentano als Regierungsvertreter beiwohnte, spendete Abg. Widmann (Soz.) der Polizei im Ramen der S.P.D. hohes Lob. Das Kapitel Gendarmeriedirektion mit seinen 6 Beamten könnte ganz unter den Abbau fallen.

'Abg. Dingeldey (D. Vp.) kommt auf die Lhrfrage seiner Partei über die Stellenbesehung b£t der Polizei zu sprechen. Die rechtlich und. schlich begründeten Wünsche der Polizei mühten erfüllt werden, doch hätten Reichsgesetze und an- dsre Bestimmungen hier Grenzen gezogen. Die Einstufungen wären in vielem nicht den Forde­rungen der Billigkeit gerecht geworden. Wenn ein Beamter Opfer seines Berufes würde, so mühte die Familie versorgt sein. Das Polizeibe- amtengesetz sei verabschiedet worden, aber es fehl­en noch die Aussührungsbestimmungen, die bald erlassen werden möchten, es liege kein Grund vor für eine weitere Verzögerung Seine Pariei wider­setze sich aufs schärfste gegen eine Politisierung der Polizei. 2m Bereich der Polizeiverwaltung wären im Laufe der letzten Jahre rein politische Ernennun-gen vorgenommen worden. Die Er­fahrungen mit diesen Persönlichkeiten rechtfertig­ten die Bedenken gegen sie. Gegenüber der Ani­mosität gegen die Polizei affigiere die einzigen Abbauvorschläge der Sozialdemokratie mühte das Ministerium den Standpuntt völliger Hn» Parteilichkeit vertreten.

Abg. Kindt (Dntl.) bemerkt, mehrere höhere Beamten hätten von ihren Posten weichen müssen, um Sozialdemokraten Platz zu machen. Die vom Gesetz vorgesehenen Spruchkammern seien immer noch nicht eingerichtet worden.

Abg. Reiber (Dem.) verlangt, dah die Angelegenheit des Kriminalkommissars Weber in Darmstadt, die der Mordprozeh zutage gefördert hat, klargelegt werde.

Rach einer Pause richtete Abg. Schreiber (Dem.) eine Anfrage wegen der Rückkehr der Ausgewiesenen an die Regierung.

Staatspräsident Ulrich erklärt, es seien vielfach übertriebene Ziffern in der Preffe ge­nannt worden. Die letzte Zulassungsliste stamme vom 26. Juni. Insgesamt seien bis jetzt von 7500 Ausgewiesenen aus Hessen 50 Proz. Reichs­angestellte, 7 Proz. der freien Berufe und 12 Prv?ent der hessischen Staats- und Komnrunal- beamten wieder zugelassen worden. Die Hoff­nung auf weitere Zulassungen sei vorläufig ge­ring, vielleicht dah nach der Londoner Konferenz ein schnelleres Tempo einsehe.

Der Präsident teilt einen Antrag Dingel- dey mit, 50 Stellen der Schutzpolizei, die aufge­hoben worden sind, wieder einzurichten.

Abg. Frau Roth (Komm.) lehnt die Zu­stimmung ihrer Partei zum Pvlizeietat ab.

Abg. Widmann (Soz.) verteidigt unter Ausfällen gegen die Rechte des Hauses die Er­nennungen bei der Polizei. Als

2i.bg Kindt (Dill.) das Wort erhält, verlassen die Sozialdemokraten geschlossen den Saal.

Rach weiterer Diskussion, wahrend der die Sozialdemokraten wieder den Saal verlassen hat­ten als der Abg. Kindt sprach, verteidigt der Minister des Innern die Polizei gegen ver­schiedene Angriffe aus dem Hause Früher habe die Polizeivrgcmisation wohl versucht, Ginfluh zu gewinnen, doch sei jetzt diese Zeit vorbei.

Hierauf werden die Kapitel gegen bte Stim­men der Kommunisten angenommen. Die Anträge werden für erledigt erklärt. Dem Antrag Dingel- l

deh, 50 Stellen vet der wcyutzpolizei wieder ein­zurichten, wenn das Reichs 9 Zehntel der Kosten trägt, wird zugestimmt.

Die Verhandlungen werden nachmittags bet Kap. Ministerium der Justiz usw. aufgenommen.

Abg. Schreiber (Dem.) wendet sich gegen die Neuordnung des Gerichtswesens, insbesondere gegen die neuen erweiterten Schöffengerichte. Der Redner erörtert dann eine Reihe von Rechtsfragen. Das Verhältnis zwischen Richtertum und Repu­blik in Hessen werde immer schwieriger.

Abg Sturmfels (Soz.) wünscht andere Mahstäbe angelegt bei der Auswahl der Richter. Der Redner übt dann an verschiedenen richterlichen Art eilen Kritik, ebenso am Strafvollzug und an der Reform der Gerichtsorganisation.

Abg Ruh (Ztr.) schlieht sich im wesentlichen der Kritik des Vorredners an. Der Wucher müsse chärser bekämpft werden.

Abg. Dr. Greiner (Komm.) unterbreitet dem Hause einen Antrag auf Begnadigung po­litischer Verbrecher, rückständige Geldbußen ujw. öllten erlassen toerben.

Am 6 Ahr werden die Verhandlungen abge­brochen.

*

In der heutigen Sitzung wurde in Anwesen­heit des Staatspräsidenten A l r i ch und des Mi­nisters von Brentano die Beratung des Hu - t i z e t a t s fortgesetzt.

2lbg. Dr. Osann (D. Vp.) erklärt, die Ge- ehgebung sei unklarer geworden; wir haben jetzt die Einzelrichter, es ist keine Berufung gegen deren Arteile möglich. Durch die Reuordnang des Gerichtswesens sind die Angeklagten wesent­lich benachteiligt worden; das Gericht ist jetzt im Gegensatz zu früher souverän, Beweisaufnah­men zuzulassen. Die Machtbefugnisse der Ge­richte, aber auch die der Staatsanwaltschaft sind erweitert worden, und zwar erheblich. Der Red­ner erörtert dann Fragen der richterlichen Be­tätigung und beklagt, dah an manchen Gerichten die Richter nicht genügende beschäftigt sind, wäh- renb an anderen wieder eine Aeberlastung der Richter besteht. Der Redner wendet sich dann u. a. gegen den Antrag der Kommunisten, die politischen Verbrecher zu begnadigen.

Abg. Dr. Werner (Dntl.) meint, der Marn» Monismus dürfe nicht auf die Prozesse übergreifen, es müsse auch der minderbemittelten Bevölkerung die Möglichkeit geboten werden, ihr Recht zu inden. Von Klassenjustiz rede man nur, wenn ein Parteiangehöriger verurteilt werde. Die baye­rischen Volksgerichte seien eine urdemokratische Einrichtung, sie hätten allerdings Arteile gefällt, die gewissen Kreisen nicht paftten, es dürfe aber auch nicht vergessen werden, dah der Staats» gerichtshvf zum Schuhe der Republik besteht, der nur aus linksgerichteten Persönlichkeiten zusam­mengesetzt sei.

Abg. Frau Roth (Komm.) kritisiert ver- chiedene Fälle des Strafvollzugs und der Recht- prechung.

Hustizminifter von Brentano warnt vor Verallgemeinerungen; Tausende von Arteilen seien unanfechtbar. Die Vorwürfe der Klassenjustiz seien zurückzuweisen. Eure Besserung der Rechtspflege ettrartet der Minister von dem Aufhören des überreichen Segens von Gesetzen und Verord­nungen des Reiches, der Länder und der Ge­meinden.

Die Aussprache wird hierauf geschlossen und das Kapitel angenommen. Ferner stimmt das Haus Anträgen des 2Ibg. Dr. Osann zu, auf die Reichsregierung einzuwirken, dah im Wege der ordentlichen Gesetzgebung die Bestimmungen der Verordnung über Gerichtsverfassung und Strafrechtspflege vom 4. Han. 1924 dahin geän­dert werden, dah die Beschränkungen der Beweis­aufnahme wieder beseitigt werden. Ein weiterer Antrag will, dah die Regierung beim Reich ihren Einfluß geltend macht, dah eine Veränderung von Rechtsgarantien unter allen Amständen vermie­den und weitere grundsätzliche Reformen nur im Wege der ordentlichen Gesevgebung durchgeführt werden. In einem dritten Antrag wird'die Re­gierung ersucht, die Behändigungsgebühren der Gerichtsdiener von jetzt 5 Pf. auf den Friedons- say von 20 Pf. zu erhöhen. Weiter wird ein Antrag Sturmfels angenommen, dah die Ver­ordnung über die Gerichtsverfassung und die Strafrechtspflege aufgehoben und durch ein or­dentliches Gesetz erseht wird. Zu dem Anträge Greiner-Roth über die Amnestie politischer Verbrecher usw. beschließt das Haus mit knapper Mehrheit Aeberweisung an den Gesehgebungs- ausschuh.

Die Kapitel 101 bis 107 werden ohne Debatte angenommen.

Rach einer Pause teilt der Präsident mit, dah heüte noch der Staatshaushalt beendet wer­den soll. Die Beratungen werden sodann bei Kap. 38 (Kirchen) wieder auf genommen.

Abg. Dr. Greiner (Komm.) ist gegen jede Bewilligung von Geldern für die Kirche.

Das Haus bewilligt für die staatlich aner­kannten Religionsgemeinden 336 423 Mk. Anträge von sozialistischer und kommumstischer Seite wer­den abg e lehnt.

Zu dem Kap. Volksschulen liegt ein Antrag Brauer (Dbd.) vor, den Fortbildungs- schulunterricht im Sommer auf dem Lande aus­fallen zu lassen; es wird namentlich abgestimmt. 17 Stimmen sind dafür, 39 dagegen, der Antrag ist somit abgelehnt. Ein Antrag Glaser (Bbd.), den Fortbildungsschulunterricht während der Dauer der Wirtschaftskrise auszusehen, wird m namentlicher Abstimmung mit 38 Stimmen gegen 18 Stimmen abgelehnt. Ein Antrag Ruh (Ztr.) will die Aussehung des Fortbildungsschulunter­richtes auf dem Lande während des Restes die­ses Sommers; er wird in namentlicher Absttm- mung mit 35 gegen 20 Stimmen angenommen.

Ministerialdirektor 11 r ft a b t erklärt, dah die Regierung bereit sei, dem Anträge zu entsprechen, doch solle dies kein Präzedenzfall für das nächste Hahr sein.

Auf der Tagesordnung steht jetzt das Fi- nanzgeseh für das Rechnungsjahr 1924.

Abg. Dr. Osann (D. Vp.) gibt eine Er­klärung ab, dah seine Partei dieses Gesetz ab­lehnt, weil ihren Wünschen und Anträgen über Ersparungen und Stellendesehungen nicht ge­nügend Rechnung getragen sei.

Abg. Brau e r (Bbd.) gibt im Ramen sei­ner Partei eine ähnliche Erklärung ab.

Das Finanzgeseh wird sodann in erster und zweiter Lesung gegen die Stimmen der Deut­schen Vollspartei, des Bauernbundes und der Deutschnationalen angenommen.

Die erste Lesung des Staatshaushaltes ist damit beendet.

Es werden noch einige kleinere Vorlagen er­ledigt und um l3/i Ahr die Sitzung geschlossen. Rächste Sitzung Donnerstag. Fortsetzung der Be­ratungen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 17. Huli 1924.

Gestatten" !

Ich stand kürzliche in einer benachbarten Groh? stadt auf der Elektrischen, die bis auf den letzten Platz gefüllt war. Keiner stieg aus, aber dafür wollten noch viele herein. ,

Lassen Sie doch das Drängen, mein Herr, rief der verzweifelnde Schaffner einem unge­stümen Jüngling zu.Sie sehen doch, dah es nicht mehr geht!" f _ ,, ,

Der Hüngling dachte über diesen Fall aber anders. Er faßte mit beiden Fäusten die blank­gescheuerten Messinggriffe, warf sich mitten In den zusammengepserchten Knäuel Prustender Fahr­gäste hinein, machte sich! mit den Ellenbogen Platz und preßte sich so dicht an meine Br ist, Daß ich kaum Atem holen konnte.

Dabei machte er eine kleine Verbeugung mit dem Kopf und näselte:Gestatten!"

Ich war wütend, meine Rachbarn axiren wütend, wir waren alle wütend.

.Aber erlauben Sie einmal; sehen Sie denn nicht, daß hier absolut fein Rkensch mehr herein kann?" Der Hüngling hielt es nicht einmal ür nötig hinzublicken; er btteS den Zigaretten­rauch mit aller Kraft von sich

Wir suchten hilfeflehend einer des andern Augen; wir fühlten uns machtlos. Er rauchte eelenvergnügt seine Zigarette weiter. Auf solche Lummdreistigkeit war ernsach keiner gefaßt ge­wesen.

Heder machte sich! sein» Gedanken. Der eine dachte an seine eigene Jugend, hörte väterliche Ermahnungen in seinen Ohren klingen und ward traurig über die Verderbtheit vieler jugendlicher Zeitgenossen; ein anderer fürchtete für seine Lack» chuhe und wagte gar nicht mehr fest auszu­treten; der Dritte wunderte sich darüber, daß doch noch ein Stehplatz vorhanden gewesen war; der Vierte dachte: Egoismus ist doch! die einzige Lebensphilosophie, die man hoben kann man ah ihren Gesichtern an, daß sie der Fall alle beschäftigte, aber zu sagen wagte keiner etwas mehr.

Bei einer der nächsten Haltestellen zog der bewunderte" Lebenskünstler kurz den Hut, ar­beitete sich bis zum Trittbrett vor, sprang ab, zog wieder den Hut und näselte:Gestatten!" And damit war er in der Menge verschwunden.

Alles atmete auf; jeder fühlte seine Lebens­geister zurückkehren. Einer räusperte sich; em anderer sagte nur:So'n Flegel!" Ein Dritter wagte:Man hätte dem Olwel einmal den Stand­punkt klarmachen sollen."Man riskiert ja nur, protestierte ein ganz alter Herr,daß einem sv'n Gelbschnabel über den Mund fährt, ich danke .

So trösteten sie sich alle. Ich aber dachte bei mir: Das WörtchenGestatten!" hat sie in Schach! gehalten. Sie Men sich durch diese alberne leere Form übertölpeln und leg­ten eine solche Rücksicht an Den Tag, so feige waren sie. And hernach jammern sie über die unerzogene Hugend. Soll man sich da überhaupt noch wundern?! k

Es geschah uns eigentlich schon recht!

Herabsetzung der Steuer-Verzugszuschläge.

Der Reichsminister der Finanzen hat eine Verordnung über Verzugszuschläge er­lassen, die demnächst imReichsanzeiger" und imReichsgesetzblatt" veröffentlicht wird. Durch die Verordnung werden die Ver­zugszuschläge, die bei nicht rechtzeiti­ger Zahlung von Einkommens-, Kör­per s ch a s t s - und Vermögens st euer erhoben werden, mit Wirkung ab 20. Juli herabgesetzt. Rach der zweiten Steuernotverordnung war für jeden auf den Zeitpunkt der Fälligkeit folgenden angefange­nen halben Monat ein Zuschlag von 5 vom Hundert des rückständigen Steuerbetrages zu zahlen. Diese Vorschrift entsprach den Ver- hältnissen beim Erlaß der zweiten Steuernot­verordnung, die vor allem bestrebt war, die Wiederkehr des unerfreulichen Zustandes des vorigen Jahres, daß einzelne Steuerpflich­tige aus der Nichtzahlung ihrer Steuerschulden wirtschaftliche Vorteile zu Lasten des Reiches ziehen konnten, zu verhindern. In der zweiten Steuernotverordnung war aber bereits dem Reichsminister der Finanzen die Ermächtigung erteilt worden, den Satz der Verzugszuschläge zu ändern. Von dieser Ermächtigung hat der Minister nunmehr Gebrauch gemacht. Künftig soll der Zuschlag für jeden angefange­fangenen halben Monat 2 v. H. des Rückstandes betragen. Hm übrigen sind die für die Verzugszuschläge geltenden Bestim­mungen nicht geändert worden. Insbesondere gilt auch fernerhin die Bestimmung, daß die Verzugszuschläge nicht erhoben werden, wenn innerhalb der auf den Zeitpunkt der Fällig­keit folgenden Woche gezahlt wird (die soge­nannte Schonfrist). Diese Schonfrist gilt jedoch nicht für die Abführung der Lohnsteuerbeträge durch die Arbeitgeber.

Giestener Wochenmarktpreise am 17. Juli (Händlerpreise).

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter Pfd. 1,801,90 Mk., Käse, Psd. 50 bis 60 Pf., Eier Stück 13 Pf., Wirsing, Pfd. 30 Pf., gelbe Rüben Pfd. 20 Pf., rote Rüben Pfd. 15 Pf., Dohnen Pfd. 3040 Pf., Blumenkohl Stück 30-100 Pf., Salat Stück 5 Pf., Salatgurken Stück 5080 Pf., Ober-Kohlrabi Pfd. 10 Pf., Erbsen Pfd. 20 Pf., Tomaten Pfd. 80 Pf., Zwie­beln Pfd. 20 Pf., Kartoffeln, neue, Psd. 71/? Pf., Himbeeren Pfd. 70 Pf., Kirfchen Pfd. 30 bis 35 Pf., Ginmachkirschen Psd. 4045 Pf., Heidelbeeren Psd. 3540 Pf., Stachelbeeren 30 Pf., Johannisbeeren Pfd. 35 Pf.

* Mehrere G etoitter, die gestern abend über unsere Stadt zogen, brachten recht ergiebige Regenfälle, die namentlich den Hackfrüchten sehr zustatten kamen. Das Getreide hat sich hier und da unter der Einwirkung des Regens etwas ge­

legt, fönst ist uns aver von Schäden des Wetters nichts bekannt geworden. Erfreulicherweise hat sich als angenehme Folgewirkung der Entladungen eine Abkühlung der in den letzten Tagen geradezu tropischen Temperatur eingestellt.

** Fahrpreisermäßigung für Studenten. Schülerferienkarten sollen an Stu­dierende bei Beginn und am Schluß des Se­mesters nur 3 Tage vor bis 3 Tage nach dem im Anträge bezeichneten Reisetage ausgegeben werden. Läßt sich die gestellte Frist aus be­stimmten Gründen, wie eigener Erkrankung, Todesfall naher Angehöriger usw., nicht em= halten, so kann die Vergünstigung ausnahms­weise auch später im Erstattungswege gewährt werden. Neuerdings ist das Verfahren auch zu­gelassen, wenn Studierende zum Abschluß wis­senschaftlicher Arbeiten über den Semesterschluß hinaus am Hochschulorte bleiben müssen. Die Verlängerungsursache soll bann allerdings'church die Bescheinigung eines Dozenten belegt werden.

** Gestohlene Flugpost marken Eine größere Menge von Fugpostmarken za 300 Pfennig ist in der Reichsdruckerei entwen­det und an verschiedenen Orten in den Handel gebracht worden. Der Druck war fehlerhaft oder sie hatten einen auffällig verschieden breiten Durch lochangsrand. Sie waren deshalb zur Ver­nichtung bestimmt. Die Postämter fintf'angecDie» fen, auf die Flagpostmarken zu 300 Pf. ihr be­sonderes Augenmerk za richten. Personen, die irgendwie verdruckte oder mit auffällig verschie­den breitem Durchlochungsrand versehene Fug- postmarken zu 300 Pf. umtauschen wollen, wer­den polizeilich fest gestellt.

-** Im Oberhessischen Kun st ver- ein ist die Ausstellung Frqnkfurter Künstler um einige Tage verlängert worden; sie wird am Sonntag, 20. Huli, von 111 Ahr zum letzten Male zur Besichtigung geöffnet sein.

RDV. Wieder Fahrkartenautoma­ten. Anlängst ist über die Wiederaufstellung von Warenautomaten auf den Bahnhöfen berichtet worden. Hetzt sollen auch wieder Fahrkartenau­tomaten aufgestellt werden, da sich eine Entla­stung der Schalter als notwendig erweist. Probe­weise ist ein solcher auf dem Potsdamer Ring- bahnhvf in Berlin bereits wieder im Betrieb. Gegen Einwurf eines Rentenzehnpfennig- und eines Rentensünfpfennigstückes druckt und spendet dieser Automat eine Fahrkarte dritter Klasse für den Stadt- und Ringbahnverkehr. Eingeworfene eiserne Zehn- und Fünfpfennigstücke gibt der Automat jedoch i)hne Karte zurück.

Wettervoraussage

für Freitag.

Roch wollig, wieder wärmer, bei südlichen bis westlichen Winden meist trocken.

Der hohe Druck über Mittel >uropa hat sich unter Verflachung ostwärts verzogen, während das nördliche Fallgebiet seit gestern bis nach Süddeutfchland vorgedrungen ist. Doch! ist das Druckgefälle zunächst gering. Die eingetretene ge­ringe Abkühlung hält nicht an. Bei steigenden Temperaturen werden erneute Gewitterneigungen, stärkere Bewölkung, auch vereinzelt. Aiederschläge eintreten.

Boruotizen.

Tage skatender fürDonnerstag. Gießener Theolvgenschaft, 8V4 Ahr in der Reuen Aula: Vortrag Er. Exzellenz Dr. Michaelis: Deutschlands Aufgabe und Zuttmst". Vortrag über China von bet Missionarin Wegerle, 8V2 Ahr im Vereinshaus, Löberstraße. Rundfunk- Haus, Löberstraße, 8V2 Ahr: Heiterer Abend. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:The Kid" und Taras Dulba".

Aus dem Stadttheater^ Bureau wird uns geschrieben: Ansere Thea­terbesucher erinnern sich gewiß noch der famo­sen, unter dem TitelMenagerie" zusammen­gefaßten Einakter von Curt Götz, die vor zwei Jahren mit starkem Erfolg hier aufgeführt worden sind. Von demselben Verfasser ist nun eine neue Komödie erschienen,Der Lam­penschirm", die am Dienstag, 22. Huli. hier gegeben wird. Der Verfasser nennt das neue WerkKein Stück in 3 Akten", denn es soll dem Zuschauer ja eben durch die Auffüh­rung erst ad oculoS demonstriert werden, wie eine Komödie entsteht. Es findet nur diese ein­malige Aufführung des Werkes, das für den Winterspielplan nicht vorgesehen ist, statt. (Siehe Anzeige.)

Abonnements-Konzerte der Reichswehrkapelle. Man schreibt uns: In­folge dienstlicher Verhinderung der Kapelle un­serer Reichswehr muhte das 6. Abonnements­konzert auf Freitag, 18. Huli, verlegt werden. Dieses Konzert bietet ganz besondere Anziehungs­kraft, da außer der geschickt aufgestellten Vor­tragsfolge, die aus Opern von Wagner, Weber, d'Albert usw. besteht, zum Schluß das große SchlachtenpotpourriErinnerung an die ruhm­reichen Kriegsjahre von 1870/71" von Saro unter Mitwirkung der Spielleute des Bataillons zur Aufführung kommen wird.

Kreis Schotten.

Aus dem Vogelsberg, 16. Juli. In den Kreisen Schotten, Lauterbach und Alsfeld sind in letzter Zeit wiederholt Fälle von seuchenhasten Gehirn- und Rücken­marksleiden beiPferden feftgeftellt wor­den. Antersuchungen haben einwandfrei ergeben, dah es sich um die sog. Dornasche Krankheit handelt.

Kreis Büdingen.

* Grund-Schwalheim, 16. Juli. Deik kurzem ist unsere Gemeinde von Anter-Widders- heiin losgegliedert und eine selbständige Gemeinde geworden. Zum Bürgermei­ster wurde Otto Spengler gewählt.

Starkenburg und Rheinhessen.

* Darmstadt, 16. Juli. Die Stadtver­ordnetenversammlung hat gestern mit ber Beratung des städtischen Voran­schlags begonnen, die in einer weiteren Sitzung am Donnerstag erledigt werden soll. Der Gesamt- sthlbetvag im städt. Haushalt beläuft sich auf rund IVi Millionen Mark, wovon 410 000 Mk. ungedeckt sind. Zur Zeit unterhandelt die Stadt wegen einer Ausländsanleihe; die Mittel hieraus sollen in erster Linie für bte Erbauung von mehreren Häuserblocks verwendet werden, die mehrere hundert Wohnungen ent-