Wer diese Kätzchen mir nach Hause schleppt und sie nach kurzer Zeit doch wegwirft, versündigt sich an der Schönheit der Natur und gcfährixt außerdem das Leben der fleißigen Honig träger.
'".Das Radfahrfest des Deutschen Radfah rbundeS — Gau Lahn —, verbunden mit dem silbernen VereinS-Iubi- läum des hiesigen Radclub „Germania", findet vom 5. bis 7. Juli dank dem Entgegenkommen der Stadtverwaltung, auf dem Oswalds- garten statt. Die Fest-Ausschüsse sind schon seit einiger Zeit rüstig an der Arbeit, um das Fest unserer Stadt würdig auszugestalten. Die bedeutendsten Radfahrvereine des großen Deutschen RadfahrbundeS haben, wie man uns mitteilt, ihr Erscheinen bereits zugesagt, so bah unsere Mitbürger alle Arten des Rad- fahrsportes in höchster Vollendung zu sehen bekommen dürften.
’• Ernennung. Der bisherige Verwalter der Prov.-Pflegeanstalt. Oberinspektor Z u n g h erselbst, ist durch Beschluß des Provinzkalaus- schusses zum Direktor ernannt worden.
Land?rcis Gictzen.
d Lich. 15. April. Der Gemeinderat genehmigte in seiner gestrigen Sitzung einen von der Landgestütsbirektion in Darmstadt vorgelegten Vertragsentwurf, wonach der hessische Staat für jeden während der Deckzeit deS Jahre« 1924 in der hiesigen G e st ü t S st a t i o n aufgefteüten Hengst an MietzinS 30 Mk. und für Stellung eines Zimmers nebst Einrichtung für den Wärter 40 Mk. an die Stadtkasse bezahlt. Außerdem bleibt der Stadt der sich von den Landgestütsbeschälern ergebende Dung unentgeltlich überlassen. , — Das Pachtgeld für das den Vauxitwcrkcn in Gießen überlassene W a l d g e l ä n d e im Kleinhäuserberg zur Aus- bettung des Dauxitvorkommens wurde ab 1.April 1923 pro Morgen auf jährlich 96 Mk. festgesetzt. — Die Gebühren für die von au-wärts beige- triebenen Schafe zur städtischen Herde wurden für ein Schaf auf 5 Mk. und für ein Lamm auf 2.50 Mk. für das Jahr 1924 festgesetzt. — Der Abgabepreis für das an das Amtsgericht und AmtsgerichtSgefängniö gelieferte Brennholz touruc auf 10 Mk. für einen Raummeter B -chenlch ithol, und 6 Mk. für einen Raummeter KlesernknüppeHolz festgesetzt. — Rach einem früheren Gerne nderatsb schl ß jo lte die Butzbacher Straße an ihrem westlichen Ende einseitig mft Kugelakazien bepflanzt werden. Der Gemeinderat hält er aber für zweckmäßig, an Stelle der Kugelakazien rot blühenden W e iß- d o r n zu verwenden und die Arbeit im kommenden Herbst zur Ausführung zu bringen. — Da der im vorigen Jahr gekaufte Simmentaler Bulle sich als zuchtuntauglich erwiesen hat, wurde dem Verkauf desselben zu 44,20 Mk. je Zentner Lebendgewicht zugestimmt und auf Antrag von ca. 84 Tierhaltern beschlossen, einen rotbunten Friesenbullen neu zu beschaffen -- Ein Baugesuch der Firma K. Köhler in Lich zur Errichtung eines neuen Lagerhauses in der Bahnhofstraße wurde nicht beanstandet. — Der Gemeinderat erhielt davon Kenntnis, daß nach einer mündlichen Mitteilung des Forstamtes Lich die F ö r st e r st e l l e Lich II infolge des Beamtenabbaues nicht neu beseht wird. Der Großhäuserberg soll der Försterei Langsdorf und der übrige Teil der Försterei Lich I gugctcllt werden. — Auf ein Gesuch des Schneidermeisters Georg Beyer, ihm den Bauplatz in der Mittelgasse für dauernd zu über- lassen, wurde beschlossen, dem Gesuchsteller eine letztmalige Frist zur Bebauung dieses Platzes mit einem Wohnhaus bis zum 31. Dezember d. 3. zu gewähren. — Dem Karl Heinrich Fuhr dahier wurde auf sein Gesuch hier ein IVz Meter breiter Geländestrelfen am Wall zu 2,50'Mk. pro Quadratmeter käuflich überlassen. Durch diesen Geländezuschnitt hofft der Gesuchsteller einen genügend großen Platz zur Errichtung einer Verkaufs- und Ausstellungshalle für landwirtschaftliche Maschinen zu erhalten. — Die Zahl der Bauluftigen, die Antrag auf Bewilligung eines Darlehns auS öffentlichen Mitteln gestellt haben, beträgt 24.
Kreis Friedberg.
rm. Friedberg. 16. April. Die gestrigen Verhandlungen über die M i l ch Preisfestsetzung, die in Frankfurt zwischen den Vertretern des Bauernbundes und der Stadt Frankfurt bezw. der MilchversorgungS- Aktiengesellschaft geführt wurden, haben keine Einigung gebracht. Die Landwirte gaben die Erklärung ab: »Wir erkennen die Dik
tatur der Milchversorgungs-2DiengeIeU.schafr in Frankfurt a. M. nicht an, sind aber zu weiteren Verbandlungen bereit." In der Begründung wurde gesagt, daß selbst die Vertreter der Städte anerkannt hätten, daß das Vorgehen der Milch- verjolgunaS-'Mticngesellschast nicht richtig sei. Trotzdem beharre dre Gesellschaft auf ihrem Diktat.
* Butzbach. 16. April. Wegen Lohn- differenzen ve r w e i g r r te n die Arbeiter der Firma A. I. Tröster die Fortführung der Akkordarbeit. Da cS zu keiner Verständigung kam, hat dann die Firma die g esam te Belegschaft ausgesperrt. Der Be-° trieb ruht zurzeit.
Kreis Schotten.
* Freienseen, 16. April. Unsere Gemeinde beabsichtigt, im S e e n b a ch eine Stauanlage zur Gewinnung etned DadeplaheS zu enichlen. Die Pläne und Beschreibungen liegen zur Zeit auf der Bürgermeisterei aus.
Kreis Lauterbach.
Lauterbach, 16. April. Einbrecher haben nachts dem hiesigen Eisenbahn-Güterschuppen einen Besuch abgestattet. Sie öffneten fast sämtliche Kisten und Kasten, wurden bei ihrer „Arbeit" aber gestört und ergriffen unter Zurücklassung eines Revolvers die Flucht. Eine Lieberficht Über den Umfang des entwendeten Gutes kvnnto noch nicht gewonnen werden.
Krci- Wetzlar.
A Dutenhofen, 16. April. Der Apo-' theker Julius Klug aus Düsseldorf stürzte 300 Meter von der hiesigen Station entfernt aus dem Personenzug, der Gießen 10,14 Ahr abends verläßt. Er wurde von Streckenarbeitern bewußtlos in einer großen Blutlache liegend aufgefunden und zum Bahnhof gebracht. Der Verunglückte war auf einen Hausen Steine gefallen und hatte am Kopf schwere Verletzungen davongetragen. Der hiesige Arzt brachte dem Manne die erste ärztliche Hilfe und verbrachte ihn dann in die Gießener Klinik.
Hessen-Nassau.
Frankfurt a. M., 16. April. (Wolff.) In einem Hause der Darmstädter Landstraße sind gestern abend zwei kleinere Kinder beim Spielen mit einem Feuerzeug verbrannt. Die Eltern, die die beiden Kinder hatten allein lassen und einschließen müssen, fanden sie bei ihrer Rückkehr als völlig verkohlte Leichen auf.
fpd. Frankfurt a. M., 16. April. Die Diebstähle seltener exotischer Vögel in den verschiedensten Zoologischen Gärten, u. a. auch in Frankfurt, sind jetzt zum Teil ausgeklärt. Dir Ermittlungen führten auf die Spur eines jungen Mannes, der diese Diebstahle ohne Zweifel im Um^er reifen gewerbsmäßig betreibt. In Berlin erschien er in Dogel- fctnblungen und bot Papageien und Silber- fasanen 5um Kauf an. Er hatte stets einen Pappkarton bei sich, der für zwei Vögel eingerichtet war. und erzählte, er sei erst kürzlich von einen Auslandsreise zu Schiff in Hamburg angekommen, habe eine Anzahl ausländischer Vögel mitgebracht und müsse sie jetzt aus Rot verkaufen. In einigen Füllen ist es ihm geglückt. Papageien bis zu 300 Mark das Stück zu veräußern. Ein Karton, den der Verkäufer in einem Geschäft zurück ließ, stammt aus Bonn a. Rh. — Die Ehefrau Dockweiler versuchte am Dienstag nachmittag in ihrer Wohnung, Vogelsberger Straße 33, die auf einem Gestell vor dem F mster liegende Wäsche hereinzuholen. Sie bekam dabei das älcbergewicht und stürzte vom vierten Stockwerk in den gepflasterten Hof. Die Frau kam mit schweren inneren und äußeren Verletzungen in daS Dürgerhospital. wo sie kurz nach der Einlieferung verstarb. — Aus einem Klei der lager in der Gutleutstraße entwendeten Einbrecher eine erhebliche Anzahl Anzüge — Bei einem Einbruch in das SchuhverkaufS- geschäft von Emanuel in der Stolhestnaße fielen den Dieben mehr als 100 Paar Schuhe in die Hände. — Schließlich wurde in der Tauenhiensiraß-e in den Äachmittagsstunden eine Wohnung nahezuausgeplündert.
Dermifchres.
Gin Fischerboot aus See in die Tiefe gezogen.
Berlin, 16. April. Einer Blättermeldung auS Stettin zufolge, geriet das Retz eines Fischerbootes auf der Höhe von Stolpmünde
tn Vie Schraube ctne6 vvrüderfahrenven Dampfers. Das Doot wurde dadurch in d ie Tiefe gezogen. Don der Besatzung deS Bootes wurde nur ein Fischer gerettet Die beiden anderen Fischer und ein Bankbeamter, der das Fischen zum Vergnügen mitmachte, sind ertr unten.
ÄZ. Barthel-Gedächtsnis- Ausstellung.
Größte Schlichtheit in der Wahl der Motive und der Ausdrucksmittel ist der Grundzug dieser Ausstellung, zu der Freundesband eine sorgfältige Auswahl von Werken deS kürzlich verstorbenen Malers W. Barthel zusammengestellt hat. Dine Schlichtheit, die öfters in ihrer Selbstbeschränkung der künstlerischen Wirkung zu schaden scheint, die sicher manches Mal das Vordringen zu feinsten Stimmungswerten anfänglich erschwert. Aber gerade darin liegt ein eigener Reiz: bei längerem Aufenthalt zwischen diesen Bildern wird dem verweilenden Betrachter immer wieder Reues geboten.
W. Barthel (1869 bis 1924) war Schüler von E. Ducker, Düsseldorf. Don ihm hat er zweifellos stärkste OkemfluHung erfahren. Ducker, ein Livländer, der in Petersburg studierte, wird 1812 der Rachfolger Oswald Achenbachs als Lehrer in Düsseldorf. Er gehört zu der Generation von Malern, die in bewußtem Gegensatz zur äußerlichem und, auch in der reinen Landschaft, anel- dotenlüsternen Stimmungökunst der 50cc Jahre deS vorigen Jahrhunderts auf eine einfachere, charaktervollere und bestimmtere Art sich besonnen. Man wendet sich Motiven der einheimischen Landschaft zu, im Gegensatz etwa zu O. Achenbach, der die italienische Landschaft in Verbindung mit reifeerinnerungshaft anetdot scher Staffage als Gegenstand seiner sarbigreichen. anspruchsvollen aber inhaltsleeren Salvirschmuckstücke bevorzugt. Dücker malt mit Vorliebe Flachlcrndschasten, E?e- küsten, Waldinnenbllder. Der klare Aufbau, die architektonische Gliederung des dargestellten Raumes wird zum Ausgangspunkt der Wirkung, die nicht mehr in erster Linie geräuschvolle Farbeffekte erstrebt, sondern harmonische Befriedigung durch die äleberfichtlichkeit geordneten Raumes. Darin liegt die zeitgeschichtliche Bedeutung dieser Haltung. Barthel steht starkstens in dieser Tradition. äkberall bei ihm führen Wege iij Kurven oder Geraden ins Bild, oder Flußläuse und Bäche müssen denselben Dienst tun und den Raum Verliesen und gliedern, Bäume, einzeln oder zu Gruppen zusammengeslellt, betonen die Bewegung, unterstreichen oder hemmen sie. Zweigdächer über Waldwegen bieten Durchblicke, Architektur oder Hügel schließen Raum ab oder bilden Mittel- punkte der (&tocgung. Die Schneelandschaften führen mit der Folge ihrer Flächen in die Tiefe. Bezeichnend ist auch, daß Barthel sein Bestes in Vorfrühlings- und Winterlandschaften gibt. Hier wirkt ber einzelne Baum als laubloses Gerüst und die einfache Folge klarer Flächen am stärksten. Die Farbigkeit als solche tritt mehr zurück. Sie hat natürlich ihren Anteil am Eindruck, aber das Wesentliche bleibt die Gestaltung des Raumes. Diese Einstellung farm bis an die Grenze der Gefahr führen, wenn nämlich das Bild cm sich so sehr als räumliche Wirklichkeit gefaßt wird, daß auch der Rahmen als solcher als starker Posten in der künstlerischen Wirkung erscheint. Dann darf, tote auf einigen Bildern, eine Fläche einfach an ihn heran sich totlaufen. Reben den Bildern der eben angeteutoten Art stehen die anderen, bei denen mehr eine rein farbliche Wirkung angestrebt ist, an Rachdruck und Bedeutung in zlveiter Linie.
Barthel war kein Sucher neuer Werte und Wege. Er hat sich auch nicht mit den künstlerische Fragen, die in den letzten Jahrzehnten seines Lebens die Welt bewegten, in keinem Werk auSeinanderg | cht. Er w-ol te n'cht mehr ge en, als er hatte und mehr sein, als er war. Seme Bilder sind Zeugnisse eines einfachen Menschen mit feinem und zartem, aber tiefem Raturgefühl, älnd das ist nicht wenig. W.
Kunst und Wissenschaft.
Die Darmstädter Intendautenkrife.
Darmstadt, 16. April. (Eigene Meldung.) Die Intendantenfrage des Hess. Landestheaters hat sich ganz zerschlagen: Dr. Hörth in Berlin bat abgelehnt. 2 Heater direkter Reubeck in Rostock wird seinen Posten nur verlassen, toerm ihm die hessische Regierung einen längeren Vertrag mit Pensionsberechtigung zugesteht, wozu aber wenig Reigung voryanden ist. Gerüchte nennen jetzt als Kandidaten für den Intendantenposten Direktionsrat Dr. Sander und Inten- danzrat Baumeister, die dem Landestheater
angeboren; von Auswärtigen wird Der weiter des Königsberger Theaters, Rosenheim, genannt. Da die Intendantenkrise letzt schon monatelang dauert, und die AnstelttmgSoeryältnilse unsicher werden, haben bereits mehrere Vertreter. deS ersten Rollenfaches Engagements an auswärtigen Bühnen angenommen. Wenn d:e Intcndantcnsrage nicht bald gelöst wird, löst sich wahrscheinlich daS ganze Theaterensemble auf.
Kirche und Schule.
X Wies eck, 15. April. Auf dem Gebiet der Kirchenmusik erhält unsere 1 Gemeinde mit Beginn dieses Iubiläumsjabres bes ränge* lischen Gesangbuchs eine weue.e V ic’.'erung durch die Gründung einer Eh 0 rschul Ihre Leitung liegt in den bewährten Häne<i ron Lehrer Schneider, einem geborenen 'Ibiefedcr. Sie setzt sich zusammen aus den besten c ungern der oberen und mittleren Klassen und hot" die Ausgabe, die gottesdienstlichen Lieber vorzuüben, bei der Einführung neuer Melodien zr Helsen und in mehrstimmigem Gesang die üotieSbienftc zu verschönen Am Bußtag lang sie zum ersten Mal zwei Ehöre. Es war eine Freude, die Hingabe der Jugend an ihre neue, schöne Sache zu sehen.
Gerichtssaal.
* Friedberg, 16. April. Der Veritzende des Mieter Vereins Friedberg, Schriftsetzer K. Bauer, hatte im Juni v. I. in einer Anzeige im »OberHess. Anz." die M eter Friedbergs aufgeforbert, den Bekanntrnachiumen deS Bürgermc iflcrS über die M i etfestsehung für den Monat Juli nicht nachzukommen. Der Bürgermeister der Stadt Friedberg, -jertreten durch den Beigeordneten Leuchtgen«, stellte nach vergeblichen Versuchen, (Bauer zur Zurücknahme seiner Aufforderung zu bestimmen, Stvaf- anttag gegen Bauer wegen Verstoßes gegen Paragraph 110 St.-G.-D. Gestern fand am hiesigen Amtsgericht die Verhandlung statt, in der Dauer zu 5 0 Mark Geldstrafe, im Un- einbringlichkeitsfalle zu fünf Tagen Haft und zur Tragung der Kosten dös DersahrenS verurteilt wurde.
Kirchliche Nachrichten.
Isr. Religionsgemeinde. Gottesd.i. 6. Stznagvge (Sud-Anl.). SamStag, den 19. und Sonntag, den 20. April. Passahfest. Samstag. Dorabd. 7.00, morg. 8.30, Predigt, nachm. 4.00. Sonntag. Dorabd. 8.15, morg. 8.30, Predigt, abds. 7.45 u. 8.15.
3fr. Religion^gefellschaft. Freitag morg. 6.00,. Samstag, den 19. April u. Sonntag, den 20. Apr'ck. Passah-Fest. 1. Tag: Dorabd. 7.00, morg. 8.00, Pred. nachm. 4.00. 2. Tag: Dorabd. 8.15, morg. 8.00, nachm. 4.00, Festesausgang 8.15. — Woche ugo'ctes- dienst: Morgens 6.30, abds. 6.30.
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