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Erstes Blatt

U4. Jahrgang

Donnerstag, fl. April

SietzenerAnzeiger

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General-Anzeiger für Oberheßen

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Die deutsche Antwortnote.

Die Beratung der Reparationskoinmisston. Reichskanzler Dr. Marx über die Gutachten.

Berlin, 16. April. (WTD.) Der Ver­treter der deutschen Kriegülastenkommission in Paris hat heute nachmittag der ReparatrvnS- kommission folgende Note übergeben:

Die deutsche Negierung beehrt sich, den Empfang der Note der Reparationskommijsion vom 11. April über die von den Eachverstän- digru erstatteten Gutachten zu bestätigen. Auch die deutsche Regierung sieht in diesem Gutachten eine praktische Grundlage für eine schnelle Lösung des Re­parationsproblems. Sie ist deshalb be­reit, ihre Mitarbeit an den Plänen der Sachverständigen zuzusrchern."

Die Note der ReparatioNskommission vom 11. April lautete folgendermaßen: Die Repa- rationÄommission, die von den Sachverstän- digendertchten Kennttrrs genommen hat, sieht in ihnen eine Grundlage für eine schnelle Lö­sung des Reparationsproblems. Sie ist daher schon jetzt geneigt, innerhalb ihrer Zuständig­keit die Schlußfolgerungen der Sachverstän­digen zu billigen und deren Methode a n - zunehmen. Um die Durchführung des Pro­gramms der Sachverständigen zu erleichtern und zu beschleunigen, beabsichtigt die Repa- rationskommission, den beteiligten Regierun­gen die Schlußfolgerungen der Sachverständi­gen, fowett sie in ihre Zuständigkett fallen, zur Annahme zu empfehlen. Die Re- parationskommission sieht sich jedoch verpflich­tet, ihre Zustimmung und Initiative zurückzu- stellen, bis sich die deutsche Regierung bereit erklärt, an den Plänen der Sachverständigen mitzuarbeiten. Zu diesem Zweck wird sie die deutschen Delegierten oin Donnerstag, den 17. April anhören, wenn die deuflche Re­gierung nicht vorzieht, eine schriftliche Antwort zu geben.

*

Die Reparationskommtssion, die morgen vormittag eine offizielle Sitzung abhalten wird, um sich mit verschiedenen Fragen und besonders mit dem Programm der von Deutschland im Mai auszuführenden Kohlenliefe- rungen auf Reparationskonto zu beschäf­tigen, wird im Lause der Sitzung offiziell von der deutschen Antwort Kenntnis nehmen. Es ist wahrscheinlich, daß die Kommission diese Antwort als befriedigend betrachten wird in Bezug aus die Bedingungen, die die Kommission in ihrer Entscheidung vom 11. April stellte, in der sie bekanntlich die Annahme des 'Berichtes der Sachverständigen durch die Reichsregierung als Borbedingung dafür aufgestellt hat, um die Annahme der Schlußfolgerungen der beiden Ko­mitees den alliierten Regierungen anzuempfehlen. Unter diesen Umständen formte die Reparations- kvmmission den alliierten Regterungen du: Sachverständigenberichte offiziell überge­ben, damit sie so in den Stand gesetzt werden, die Fragen zu prüfen, die sie ausschließlich angehen, wie die Wiederherstellung der wirt­schaftlichen Einheit Deutschlands. Die Reparativnstommission wird ihrerseits diese Dokumente im einzelnen zu prüfen und Abän­derungen vvrzunehmen haben, die sie für nötig erachtet, bevor sie die endgültige Entscheidung trifft.

DerPetit Parisien" berichtet hierzu noch, die Reparattons-Kommiffion werde heute vormittag in offizieller Sitzung zur Erledi­gung der laufenden Angelegenheiten zusam­

mentreten. Wahrscheinlich werden sämtliche Delegierten anwesend sein und sich am Schluß der Sitzung offiziös zusammen­finden, um ihre Eindrücke bezüglich der deut­schen Antwort auszutauschen. Wahrscheinlich würden sie zu der Ansicht gelangen, daß die Form der Antwvtt eine Möglichkeit gebe, den alliierten Regierungen diejenigen Ent­schließungen der Sachverständigen zur An­nahme zu empfehlen, die unter deren Kom­petenz fielen. In einer neuen offiziellen Sit­zung werde dann der Wortlaut der E m p f e h- lung an die alliierten Regierun­gen sor'tgesetzt und höchstwahrscheinlich beschlossen werden, mit der Aufstellung eines den Sachverständigen-Borschlägen entspre­chenden Planes zu beginnen. Wegen der Nähe der Feiertage würden die delegierten sich jedoch wahrscheinlich auf nächste Woche vertagen.

Der Reichskanzler zur deutschen Antwort.

Paris, 17. April. (WTD.) Reichskanzler 5-r. Marx bat dem Berliner Berichterstatter desMatin" eine Unterrebung gewährt. Er er­klärte, die Antwort an die Reparations-Kom­mission bedeutet, daß wir den Grundsätzen zu- stimmen, die zu dem Bericht der Kommission: Dawes geführt haben. Dieser Bericht beruht auf einer tiefgründigen Studie und wir betrachten ihn daher als eine Diskussionsgrundlage. Es versteht sich von selbst, daß eine gewisse Anzahl vrn Punkten aufgeklärt werden muß. Denn wir glauben, gewisse Dunkelheiten und Wider­spräche entdeckt zu haben, so daß wir gegebe­nenfalls Vertreter nach Paris zu entsenden haben, um ein Einvernehmen mit der Reparations-Kommission über die Einzel­heiten des Planes zu präzisieren. Aus die Frage, ob die deutsche Regierung sich die britische Hal­tung zu eigen mache, die ein großer Teil dev öffentlichen Meinung hinsichtlich der Höhe der Annuitäten und über die U n s i ch e rh e i t de r Gesamtschuld habe, antwortete der Kanzler, die Einwendungen schienen ihm nicht unüber­windlich. Wenn die festgesetzten Annuitäten auch hoch! seien, werde man dies bald crfennert. Die Grenze der Zahlungen, die Deutschland zu leisten habe, hänge nicht von seiner Zah­lungsfähigkeit ab, sondern von der Haltung der Gläubiger Deutschlands gegenüber der / deutschen Konkurrenz.

Menn man erkläre, Deutschland könne von 1928 ab 2,5 Milliarden Goldmark zahlen, so könnte diese Zahlung doch nur geleistet werden von dem Ueberschuß der deutsche Produktion. Diese Voraussetzung schließe in sich Tine Ent­wicklung der deutschen Ausfuhr, unter der die neutralen Märkte leiden fönuten. Man könne nicht Voraussagen, ob nicht gewisse neutrale oder alliierte Länder finden würden, daß dieser Ausweg bedrohlich fürihreeigene Industrie sei. Aus diesem Grund sei die so­fortige Festsetzung der deutschen Schuld unerläß­lich. Wir wissen nicht, ob die Reparatwns-Kom- Mission die Absicht hat, eine endgültige Ziffer fest­zusehen. Schon jetzt kann man die Ziffer der deut­schen Gesamtschulo annähernd schätzen, wenn man sich zum Beispiel auf die für die Tilgung der Eisenbahn-Obligationen vorgesehenen Fristen stützt. Er neige/zu der Ansicht, daß die Lösung dieser Frage der Zukunst angehöre. In welchem Maße die Entschließung der Sachverständigen ver­vollständigt oder beschnitten werden müss, dar­

über werden die Erfahrungen entscheiden. Die Sachverständigen hätten erklärt, daß ihre Ent­schließung ein untrennbare# Ganzes bilde und daß man sie in vollem Umfange annehmen ober ab* lehnen müsse. i

Daß sie eine praktische Reparationslöstwg hätten berbringen wollen, müsse man zugeb en, ebenso daß ihre Formeln kern Dogma bet* stellten und daß sie den Notwendigkeiten der

Praxis angepaßt werden könnten.

Aber man müsse auf alle Fälle die Durchführung der in dem Berichte festgesetzten Bedingun­gen verlangen. Deutschland müsse seine wirt­schaftliche, finanzielle undpolitische Hoheit in den besetzten Gebieten tote* dercrlangen. Es müsse wieder in den Besitz feiner Verwaltung und feiner Eisenbahnen treten. Die Begnadigung der politischen Ver­urteilten und die Rückkehr der Ausge­wiesenen werde, wie Deutschland hoffe, eine automatische Folge der neuen Zustände der Dinge sein. Für die deutsche Regierung fei dies eine notwendige m o ralische Forderung. Man könne unmöglich von dem deutschen Dolle die Lasten, die man ihm auferlege, sanktionieren lassen, wenn man ihm keine Gegenleistung dafür biete. Ihm käme es darauf an, daß das Volt sich darüber klar werde, daß seine Opfer einen Zweck hätten, den Zweck, das Rhittn* land und das Ruhrgebiet frei zu machen, eine Befreiung, die kein leeres Wort sein bürfe.

Forderung, daß die militärische Besetz ung aufgehoben werde, erklärte der Reichs­kanzler auf die Frage des Berichterstatters, sei zweifellos verfrüht. Die Besetzung des Ruhrge­bietes habe den Zweck gehabt, ein lokales Pfand auszubeuten. Das Projekt der Sachverstärchigen ziehe jedoch den Ausgleich lokaler Pfan­der gegen Garantien allgemein vor Im Anschluß an diesen Austausch würde dieDe* sehung des Ruhrgebietes ferne Existenzbevöchtiguna mehr haben. Cs erscheine ihm unvermeidlich, daß sich in die rein technische Debatte politische Fragen ^ttlmischten. aber für den Augenblick könne dir deutsche Regierung in dieser Beziehung nicht Stellung nehmen. Die Neutralisier ungs« Pläne, die jetzt veröffentlicht worden seien- der Berichterstatter spielt hier auf englische An­regungen an gaben Anlaß zuernsten Ein- toenbangen. Was die Entmilitarisierung an­lange, so seien sie ja schon im Versailler Vertrag vorgesehen. Die Frage der Sicherheit eil wer» den vereinfacht werden an dem Tage, wo die Reparationsfrage endgültig gelöst sei. Das könne aber nur auf der Grundlage gegenseitigen Vertrauens geschehen. Dieses Ver­trauen dürfe nicht allein in der Beseitigung alter Mißverständnisse bestehen, er wünsche, daß es vielmehr zu einem aktiven Empfinden werde, das imstande sei, die Beziehungen der beiden Länder zu regeln.

Italiens Stellungnahme.

Rom, 16. April. (WTB.) Mirristerpräst- denk Mussolini prüfte mit den italienischen Delegierten der Sachverständigenausschüsse die vorgelegten Bettchte und stellte mit Ge­nugtuung die Anwendung der Grundsätze fest, von denen sich die italienische Polittk in der Repartaionsfrage leiten ließ. Nachdem festge- stellt worden war, daß die Sachverständigen­arbeiten eine geeignete Vorberei­tung der Lösung der Frage darstellen, wurde über die von Italien bei den späteren Verhandlungen einzunehmende Haltung Be­schluß gefaßt.

Das Gebot der Stunde.

Don Professor Dr. Gerhard Budde- Hannover.

Erschütternde Schicksalsschläge haben feit nun­mehr zehn Hahre.i unser deutsches Volk getroffen; auf alt und jung sind sie mit vernichtender Wucht niebergefmift. Mancher Aeliere unter uns, der vor dem Weltttiege sich blühender und viel- versprechrnder Söhne erfreute und in gesicherten wirtschaftlichen Verhältnissen lebte, hat durch den grausamen Krieg die Söhne und infolge des Währungsverfalls der letzten Zett fein ererbtes oder erspartes Vermögen verloren und axinft, ein kinderloser, armer und alter Mann, ver­zweifelnd dun ersehnten Grabe entgegen. ll.id junge Leute, die vor dem Kriege in strotzender Gesundheit dastanden, sind in dem Kriege durch Verwundungen, Entbehrungen, Ueberanstrengun- gen usw. körperlich derart geschädigt worden, daß sie gar nicht mehr oder nur zunf Teil noch arbeitsfähig, deshalb im Vergleich mit den Un­beschädigten und Gesunden nicht konkurrenzfähig und auf die 2lachsicht und das Mitleid ihrer Mit­menschen angewiesen sind. Dabei müssen die so vom Schicksal Heimgesuchten auch noch sehen, daß neben ihnen Menschen leben, denen trotz des Krieges und seiner Folgen alles sich nach Wunsch gestaltet.Der eine muß schmerzliche entbehren, was dem andern in Ueberfluß zufällt; der eine kann alles Vermögen vollauf entfalten und zu­gleich verstärken, der andere wird überall ge- bfmnd und iann sich selbst nicht voll erringen; den einen trägt die Woge, den andern hemmt sie; dem einen schaden alle Irrungen nichts, den anderen bedrücken schwere Folgen; in dem allen spielen kleine Dinge, scheinbare Zufälle, eine große Rolle und entscheiden wichtigste Fragen; von hier aus erscheint der Mensch! als ein Spielball dunkler Mächte". So kennzeichnet Rudolf Eucken in seinem schönen, ernsten und doch! so trostreichen Buche über den Sinn und Wert des Lebens die Ver­schiedenheit der individuellen Geschicke, die in Zeiten schwerster Erschütterungen, wie es die unfrigen sind, ganz besonders kraß in die Er­scheinung zu treten pflegt und die schon seit Hiobs Zeiten die Menschen in ihrem Innersten erregt und zum Grübeln getrieben hat.

In solchen unruhigen und unsicheren Zeiten, in denen nichts mehr fest zu stehen und alles zu wanken scheint, werden, wie es nicht zu ver- wpndern ist, diejenigen, denen diese Zeiten be­sonders arg mllspielen und von denen sie ein Opfer nach dem andern einfordern, leicht mehr unb mehr einem müden Pessimismus in die Arme getrieben, der sich lustlos und verzweifelt vom Leben abwendet, das, um mit Schopenhauer zu reden, nicht die Kosten wert ist, die es verursacht, und der in einer tatlosen ilntergangäfiintniung die Dinge ihren Lauf gehen läßt. Diese pessi­mistische Untergangäftinrmung, von der fein Volk verschont bleibt, hat gegenwärtig ganz besonders unser Volk erfaßt. Ohne den Wert des genialen Werkes von Oswald Spengler über den Unter= Sang des Abendlandes herabzusehen, darf man och behaupten, daß es in kurzer Zeit nicht eine so gewaltige Verbreitung gefunden haben würde, weim es nicht in dem Leserpublikum die entgegen­kommende pessimistische Grundstimmung vorgesun­den hätte. Unb dieser ist es auch zuzuschreiben, daß sich neuerdings weite Kreise unseres Volkes besonders der weltslüchtigen indischen Denkweise zuwenden, die es als den Grundiirtum hinstellt, das Sttcben an diese Welt und dieses Leben zu stellen und die Verneinung des Willens zum Leben als das erstrebenswerte Ziel preist. Hier «scheint j>cr Verzichtals der Weg zum echten Glück, indem er von der Hast und Aufregung, von den Mühen unb Sorgen des Durchschnitts­lebens gründlich befreit. Hier wird die Auf­lösung in ein wesenloses Werden gepredigt, durch die alle Sorgen unb Mühen verschwinden. Sehr mit Recht weist Eucken darauf hin, daß die Emp­findungen, die in dieser Lebensanschauung zum Ausdruck kommen, für unsere gehetzte und zer­rissene Zeit dadurch noch eine ganz besondere Anziehungskraft gewinnen, daß sie sich eng mit künstlerischen Stimmungen verbinden, welche Na- lureinbrücfe in tiefsinnige Symbole des seelischen Lebens verwandeln.

Well diese wettflüchtige pessimistische Lebens­auffassung unter dem schier unerträglichen Druck der Verhältnisse, den der teuflische Vernichtungs- wllle eines grausamen Feindes noch immer mehr zu verstärken sucht, immer weitere unb größere Kreise unseres Volkes zu erfassen droht, wird es auch immer mehr zu einem dringenden Gebot der Stunde, ihrer Verbreitung nut aller Entschieden- hell entgegenzutreten. Denn sie nimmt unserem Volke den Glauben, daß es der Not der Gegen­wart jemals wieder Herr werden könne, und raubt ihm den Mut, alle Kraft daran zu sehen, diese Not zu überwinden; sie verführt es mit einem Worte zur Tatlosigkeit. Diese muß aber notwendig zum Untergang führen. Es gilt des­halb, den immer mehr sinkenden Glauben und Mut zu heben. Den Glauben an eine bessere Zukunft können wir wiedergewinnen, wenn wir in der Geschichte unseres Volles Umschau hatten, die uns zeigt, daß dieses schon oft durch tiefste Abgründe gegangen, aber doch immer wieder durch unverzagten Kampf mit alten sich! entgegen- stellenden Hindernissen zu neuen Höhen empor­geklommen ist. Unb das felsenfeste Vertrauen mit dem große Männer in diesem Kampfe die Füh­rung übernommen, und ohne Zagen trotz aller scheinbar unüberwindlichen Widerstände sich einen , Weg zu neuen Erfolgen gebahnt haben, soll auch in uns ben Mut stählen, mit Einsetzung aller Kräfte ben Kampf mit unserer traurigen gegen­wärtigen Lage aufzunehmen und ihn nicht eher aufsugeben, als bis er zu einem siegreichen Ende geführt ist.

Nur, wenn wir diesen Mut und Glauben ausbringen, dürfen wir auf eine Besserung unserer Lage hoffen. Pessimismus ist ebenso sehr zu ver­werten wie ein vor der Not unb dem Elend der Zell die Augen verschließender und in persön­lichem Behagen, sei es auch feinerer, etwa künst­lerischer oder wissenschaftlicher Art, sein Genüge findender Optimismus. Weder jener Pessimismus noch dieser Optimismus ftmn uns Rettung bringen in unserer Not; in keiner von diesen beiden Lebensanschauungen kann überhaupt das Ganze des deutschen Lebens sein Genüge finden. Dieses bedars vielmehr eines die Not, das Dunkel und das Leid klar sehenden unb vollauf würdigenden, aber von dem unerschütterlichen Glauben, daß wir, wenn wir unsere ganze sittttche Kraft ein­sehen, alle Widerwärtiglei en und allen Hammer überwinden werden, erfüllten ethischen Aitiois- mus, für ben der Mensch nicht ein bloßes Werkzeug der Kultur, sondern ihr eigentlicher ^Schöpfer ist.

An dem Ufer, an dem wir gegenwärtig stehen, droht uns der Untergang. Wie auch die Wasser brausen unb wüten, wir müssen hinüber an das andere Ufer, an dem uns die Rettung winkt. Drum hinein in das Schiff!

Trau dem Glücke, trau den Göttern, Steig trotz Wogendrang und Wettern Kühn wie Cäsar in ben Kahn!

Helfen wir uns selber, dann wird uns auch Gott helfen.Unser schlimmster Feind ist die eigene Verzagtheit, ist der Mangel an Mut und Glauben." Diese zu überwinden, ist das Gebot der Stunde!

Auch das TexLilabkommen verlängert.

Köln, 16. April. (WTD.) Die von der Textilindustrie des besetzten Gebietes mit der Rheinlandkommission erneut geführten Be­sprechungen über eine Verlängerung des Tex- tilabkommenS wurden beendet. Mit ^rücksicht auf die gesamte wirtschaftliche und politische Lage entschloß sich Die Industrie das Ab­kommen auch zu den geforderten schweren Bedingungen zu unterzeich­nen; die Uebernahme der gegen früher er­höhten Lasten erfolgte hauptsächlich unter dem Gesichtspunkt, den Fortgang derEr- zeugung sicherzustellen, um dadurch die Arbeitslosigkeit und die daraus sich ergebenden Folgen für die Arbeitney- mer schaft zu vermeiden.

Veamtengehälter und Wahlen.

Berlin, 16. April. (WB.) Don gewisser Selle werben Gerüchte ausgebreitet, wonach die letzte Gehaltsaufbesserung der Beamten unb Angestellten nursürbieWa'hlzeitbe- stehen bleiben solle. Das Kabinett beabsichtige, nach der Reichstagswahl die Gehälter wieder herabzusehen. Hierbei handett es sich um ein 1 endenziöses Wahlmannöver, das um so unverantwortlicher erscheint, als es geeig­net ist, ohne jede Spur von Berechtigung unnö­tige Unruhen in die Beamten- und Angestellten­kreise zu tragen. Amtlich wird feftgeftellt, daß

die erwähnten Gerüchte völligaus der Luft gegriffen sind. Der Reichsregierung liegt je­der Gedanke an eine Herabsetzung der jetzigen Ge­hälter durchaus fern. Sie ist im Gegenteil nach wie vor entschlossen, der Notlage der Beamten unb Angestellten im öffentlichen Dienst- durch eine weitere Verbesserung der Bezüge abzu­helfen, sobald die Finanzlage des Reiches unb der allgemeinen wirtschaftlichen Derhalsiiisse, ins­besondere die Rücksichten auf die Aufrecht­erhaltung der Währung, an der gerade die Beamtenschaft das allergrößte Interesse hat. dies gestatten wirb.

Der Personalabbau.

Berlin, 17. April. (Priv.-Tel.) Durch ba8 Spo rkvmmissariat sind auf Grund der Personal­abbau Verordnung bis zum 1. April 333000 Be­amte, Angestellte und Arbeiter abgebaut worden. Das sind ungefähr 20 Proz. des G e -- samtpersonalbeflandes des Reiches vom 1. Oktober vorigen Jahres. Die Ersparnisse an personellen Ausgaben, die durch diesen 20)bau erzielt worben sind, belaufen sich auf rund 300 Millionen Goldmark in bar. Das ist, an dem Gesamtaufwand des Reiches bemessen, 4 Pro­zent, an Personalaufwand 10 Prozent. Dazu kommen noch erhebliche Ersparnisse in Sach­ausgabe n, wie z. D. für Miete, Heizung, Licht ufto. Von einer Absicht ter Reichsregierung, auf ben Abbau der noch verbleibenden 5 Prozent der zum Abbau bestimmten 25 Prozent des De- samtpersonalbestandes des Reiches zu verzichten, ist vorläufig noch nichts befarmt. Wie die Blätter melden, besteh! jedoch nach wie vor bei der Reichs- regierung die Entschlossenheit, die Personalabbau-