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ar. 91 Zweites Blatt

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(Siebener Anzeiger (Gmerai-Änzeiger für Gveryesfen) Mittwoch, fb. April 1924

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Wird das besetzte Gebiet wirklich frei?

Don $r. Hermann Pachnicke. 1

Die Sachverständigen sind, wie sie selbst er­klären, als Geschäftsleute an ihre Ausgabe heran- gega'.rgen und haben sich lediglich nut der tech­nischen, nicht mit der politischen Seite des Pro­blems besaßt. Insbesondere berührten sie keine Fragen der militärischenDesehung. Ihre Vorschläge beruhen auf der Annahme, daß die wirtschaftliche Tätigkeit durch keine andere fremde Draanrsatrvn als die im Bericht vorgesehene Lleberwachung behindert unb beeinträchtigt acr= Den darf. Die bestehenden Maßnahmen Mühlen rückgängig gemacht oder hinreichend abge° 'chchert werden, sobald Deutschland zur Ausfüh­rung des vorgeschlagenen Planes schreitet, und Dürften nur im Falle einer offenkundigen Versäumnis in der Erfüllung der allseitig angenommenen Bedingungen wieder angewandt werden.

Hierin liegt zwar keine ausdrückliche, aber eine indirekte Mißbilligung der über daS Ruhrgebiet verhängten Gewaltmatzregeln. Die Sachverständigen haben noch mehr getan Sie stellten klar, dah die von ihnen vorgeschlagenen Summen Deutschlands gesamte Verpflich­tungen gegenüber den alliierten und assoziier­ten Mächten umfassen, einschließlich Reparationen, Rückerstattung aller Kosten aller Besahungs- truppen, des Ausgleichsverfahrens bis zur Höhe der Beträge, mit denen die deutsche 3ieg«rung belastet wird, ferner die Kosten der Kyntroll- uiti> äleberwachungskommissionen. ileberntt, wo im Bericht oder in seinen Anlagen von Iahlungen gesprochen wird, sind alle von Deutschland zu zahlenden Kriegskosten darin Inbegriffen, und jede Gattung von Lasten könnte nur auf Kosten einer anderen vergröhert werden. Damit ist ausgesprochen, dah Frankreich die, Besahungs- kosten selbst zu zahlen hat, wenn öS seine Trup­pen an Rhein und Ruhr belassen 'will. Deutsch- land darf über die Summen, di?, es überhaupt zu zahlen hat, hinaus nicht mefyr in Anspruch genommen werden. Darin lieg/., für Frankreich eine Rötigung, die Zahl und öxm Aufwand der Besahungstruppen zu vermindern. Keinesfalls darf die Anwesenheit fremder. Truppen künftig­hin die deutsche Wirtschafts- und Verwaltungs­einheit mehr stören.

Diese Lösung ist den Franzosen äußerst un­bequem. Sie versuchen deshalb, der wirtschaft­lichen Regelung eine poetische gegenübcrzll- stellen, verlangen ein Versprechen der Alliierten, an der Wiederbesetzung des Ruhrge­biets für den Fall tcktlzunehmen, daß Deutsch­land seine Versprechungen nicht halte, möchten auch ein besonderes Regime für die rheinisch­westfälischen Eisenbahnen aufrichten, damit die Verbindungslinie für: die Truppen sichergestellt würden, und suchen endlich bei dieser Gelegen- heit eine Streichun/g ihrer Schulden an England zu erreichen. Die franzöftsche Presse ist instru­iert, für diese Forderungen nach Kräften Stim­mung zu machen.

Inzwischen trat nun freilich ein Ereignis ein, das der ganzen. Angelegenheit eine neue Wen­dung^ gab. Die Reparationskommission stellte sich «Mit 'den Boden der von den Sachverständigen au8gearbeitct«m Vorschläge und beschloß auhrr- dem, am Donnerstag, den 17. April, die deutsche Regierung anzuhörcn, wenn diese nicht eine schrift­liche Antwort bis dahin vorzieht. Der Beschluß wurde einmütig gefaßt, d. h. Poincarg sah sich gezwungen, dem englischen Druck nachzugebcn. Auster der Einstimmigkeit ist an den Krmmissions- bfschlust, die Raschheit bemerkenswert, mit welcher er gefaßt wurde. England will also di: Erledigung beschleunigen qnd folgt auch darin den Sachverständigen, die eine Verzögerung für untunlich erklärt haben, schon weil sich dadurch Voraussetzungen ändern könnten, unter denen ihr Votum abgegeben wurde. Vielleicht hat auch die Absicht dabei mitgewirkt, das Abkommen, noch möglichst vor den deutschen Wahlen zu- ßandczubringen, damit nicht etwa ein neues Reichskcibinelt. wie es durch den Ausgang der Wahlen bedingt sein könnte, wieder alles umstötzt.

Man wird die weiteren Vorgänge in diesem englisch-französischen Kräftespiet mit größter Auf­merksamkeit verfolgen mässen. Davon hingt das Schicksal dett beichten Gebiete ab. Bleibt Eng­land fest, dann lösen sich die Fesseln, dann g?~ toinucn wir die Verfügung über die Steuer- queilen, die Eisenbahn, die innere Verwaltung zurück, die Bevölkerung an Rhein und Ruh'- atmet wieder auf, an die Stelle der Gewalt tritt die Verständigutrg. Die Frage bleibt nur, ob «und wo Frankreich doch wieder anseht, um Ein­flust zu behalten und seine Bedrüciungspolitir sörizuführen.

Roch gibt Poincarö d>as Spiel nicht auf. (5; behauptet, der französische Delegierte hab? einer Vorbehalt gemacht hinsichtlich der Kontrolle und der Garantien. Erst wenn diesem Vorbehalt .n>

Das blaue Band des Ozeans.

Interessante Angaben über die schnellsten Schifte der Welt in den letzten zwei Jahrzehnten enthält die neueste Ausgabe desScienlific Ame­rican". Danach hatten zu Beginn des 20. Jahr­hunderts die deutschen Reedereien das blaue Band des Ozeans inne, und zwar wurde es gemeinsam von dem Dampfer Deutschland und dem Dampfer Kaiser 3$ ti b c I m H- gehalten. Diese Schiffe, die Kolbenmaschinen von 35 000 bis 40 000 P. S. hatten, erreichten eine Durchschnitts- geschwindigleit von 231 Knoten. Die Eunard-Liw: baute dann die Lusitania und die Mauro- tania, um den Atl.-mtic-Rekord zurückzugewäi- nen und rüstete diese Schiffe mit den damals ziem­lich neuen Dampfturbinen aus. Die Schifte er­wiesen sich als voller Erfolg und erhöhten die Durchschnittsgeschwindigkeit um 2 > Seenu ilen, wobei die Mauretania die Reise vor^Oueen^town nach Reuyork in 4 Tagen 10 Stunden und 41 Minuten bei einer Durchschrlittsgeschwuidigkrit von 26,06 Knoten zu rücklegte. Aks Höch'/lleistung wurden <m einem Tag 676 Seemeilen lei einer ,Vu rchschn ittsgeschwindi gleit von 27,04 Knoten erreicht. Hätte das vchiff die Reise Cherbourg nngetreten und den gewöhnlichen Kurs, gesteuert, fo 'hätte es zu der Reise 4 Tage 23 Kunden und 2 Minuten gebraucht, also weniger .rls 5 Tage. Dieser, mit Kohlenfeuerung erzielte Rekord ist nie wieder erreicht worden.

Als die White-Stab-Line sich AX1511 entschloß, 2 neue Dampfer, die Titanic u/tb Olympic, auf Stapel zu legen, ging sie nicht darauf aus.

sprochen sei, könne der jetzige Zustand im be­setzten Gebiet sich ändern. Dis dahin müßten uoch grobe Schwierigkeiten übercun.ea werde i. "^an sieht, Frankreich sperrt sich, so lange es kann. Es will sich die Freigabe des Rußrgcbietes so teuer wie möglich abkaufen lasten. Sogar die Frage dcr Annuitäten wirft es noch auf, welche von den Sachverständigen spatcrcn Zeiten zuge­schoben wurde. Deutscherseits wird man c.llo bei aller Verhandlungsbereitschaft die Hoffnungen nicht allzu hoch fbannen dürfen.

Vernichtung der Mündelwerte durch die dritte Lteuernotverordnmrg.

Ter Kampf um die Rrchtsgültigftit der drit­ten Sleucrnotverordnung und damit um die durch die Ermächtigungsgesetze geschaffenen Rotgesetze geht weiter. Wie vernichtend die Steuern otvcr- vrdnung auf die Mmrdelwerte einwirft, das lenn- zetchnet ein besonders kompetenter Mann, Amts-- gerichtspräsident a. D. Dr. Becker, Dresden, der sich um das Jugendrecht in seinem la rgjah- ligcrt Wirken bleibende Verdienste erworben hat, in der Deutschen Jurisien-Zeitung mit scharfen Worten. Kapitalanlagen, tie Len höchsten Grad von Sicherheit rerbürgen, werden, wie vorn Bür­gerlichen Cesetzbuche von je und von allen deut­schen Reichs- und Landsgesetzen, alsmündel- sichere" bezeichnet. Die Anlage von Mündelgeld soll grundsätzlich nur in solchen Werten zulässig fein. Es ist bekannt, welche ungeheuren Summen auf diese Weisesichergestellt" worden sind. Die 3. Steuernotverordnung habe angesichts der Fi- ranznot durch ein Schünm.r.t r um sich sogar üb:r die durch den Währungsverfall gebotene Auf­wertung der öffentlichen Anleihen hinweggesetzt. Alle Werte seien dieser Verordnung verfallen, für deren Sicherheit sich die öffentlichen Gewalten bisher verbürgt hätten. An t er Hand statistischen Materials zeigt Becker die jetzige völlige Wertlosigkeit der gesamten öffent­lichem Anleihen. Er bezeichnet Liese 3. Steuernvtverordnung als eine gesrhes widrige Mast nähme und erwartet, dah der neue Reichs­tag folgende Sicherheiten verlangt: Alle gesetz­lichen Vorschriften über Zw.rngüanlage von Mün­del-, Stiftungs- und ähnlichen Geldern müßten beseitigt werden. Es sei feiner verantwortlicheir Säelle zuzumuten, die ihr anbertrautc Sicher­stellung fremden Vermögens einem Formalismus zu opfern, dessen sachliche Unrichtigkeit sich er­wiese,'. habe. Alle inländischen Banken mühten bei allen künftigen staatlichen und kommunalen Reu-Emissionen darauf bestehen, dah die älteren Anleihen zu einem bestimmten Prozentsatz bei den Zeichnungen an Zahlungs Statt angenommen werden. Jede Zeichnung auf Reu-Emissionen soll.e von der Volksgesamtheit abgelehnt werden, so­lange die älteren Anleihen nicht im Aufwertungs- Werte die ihnen zukommende Berücksichtigung fin­den. Mag man auch zur 3. Steuemotverordniing stehen wie man wolle, so werden jedenfalls diese nachdrücklichen Worte eines so kompetenten Be­urteilers bei allen denjenigen lauten Widerhast finden, die verantwortlich sind für die Anlegung von Mündelgeld unb Stiftungsgeldern.

Das Ergebnis der hessischen LandwirlschaftskammerWahlen.

(Von uns. Darmstadter Redaktion.)

Die Wahlen zur hessischen Landwirtschafts- tammer, die am 6. April flattfartfcen, können ein erhöhter cs Interesse beanspruchen als frühere Wahlen, Lena sie fielen diesmal in die Zeit einer schweren Krise ter Landwirtschaft: cs ist daher ihr Ausfall nicht ohttc Bedeutung. Auf das Er­gebnis, Las bereits bekanntgegeben ist, konnle man um'omehr gespannt sein, als seit 12 Jahe-rr leine Wahl mehr stattgefünden batte. Dieser selt­same Zustand war in erster Linie durch die Kriegs­jahre verursacht worden, aber auch in der Rach- kriegsz-eit war es nick/ möglich, die Landwirte zur Urne kommen zu lasser, weil bekanntlich die finanziellen Unterlagen, d. h. die Steuerlisten, fehlten, aus Grund deren die Wahllisten ausge­stellt werden konnten, denn die alten Listen waren wegen der starfen Vermögensverschiebungen nicht mehr verwendbar. Ferner muhte nach einer ganz neuen Wahlordnung gewählt werden, die sich auf die Verhältniswahl und das direkte Wahlver fahren grüntet. In der Vork.iegs- zeit, nach den alten Bestimmungen des Land­wirtschaftskammergesetzes. wurden nur die Ver­trauensmänner durch direkte Wahlen bestimmt, während die ProvriizausschußMitglieder und die Länkwirtschastskammermitglietec von d'esen, also indirekt gewählt wurden. Rich der netten Fassung Les Lan.Lwirtschaftslammergcsetzes ist die Dahl- scchigkeit an einen Steuerwert von 3000 Mark gebunden, der in Grund- oder Betriebskapital vorhanden sein mutz: die Kleinsirdler und Klein- gartenbesitzer, deren Interessen die Landwii!- schaftskamrnei- wohl wahrnimmt, haben also lein Wahlrecht. Das passtve Wahlrecht ree nicht aus-

etnen neuen Rekord aufzustellen, sondern legte mehr Wert auf erhöhte Abmessungen und große Cleaanz der Ausstattung der Schifte. Die Längs wurde von 790 Fuß auf 883 Fuß gesteigert und die Wassewocrdrängung auf 53 500 Tons. Mit einer Maschine von 55 000 P. S. legte die Olympic ihrb schnellste Reise in 5 Tagen 12 Stunden und 38 Mimaten zurück, wobei das größte TaAes- pensum 559 Seemeilen und die beste Durchschnitts- geschwindigkeit 23,10 Knoten betrug.

3 3ibrc später stellte tie Heemiurg-Amerika- Linie den Dampfer Imperator in Dienst, Leb als erstes Schiff die Lange von 900 Fuß über* schritt, und bet einem Tiefgang von 39 Fuß eine Wasserverdrängung von 63 090 Tons aufwies. Das Schiff drückte die Zeit für eine Reise ostwärts auf 5 Tage 10 Stunden und 50 Minuten, wobei die Durchschnittsgeschwindigkeit 23,40 Knoten be­trug. Die beste Tagesleistung betrug 577 Seemeilen westwärts bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 23.55 Knoten mit Maschinen von 65000 P. S. Im folgenden Jahre (1914) stellte die Cunard- Line den Dampfer Qlquitania von 901 Fuß Länge und 53 176 Tons Wasserverdrängung in Dienst. Die schnellste Reise dieses Schiffes wurde ostwärts in 5 Tag en 11 Stunden und 28 Minuten zurückgelegt. Die größte Durchichmrtsgeschwindig- teit westwärts betrug bei einer Maschinenlcistung von 62 000 P. S. 24,32 Seemeilen. Im selben Jahre machte der Dampfer Vaterland der Hamburg-Amerika-Linie leine erste Reise nach Reuyork. Bei einer Länge von 950 Fuß und einer Wassewoerdräagung von 64 100 Tons legte das Schiff sllnc schnellste Reise westwärts in 5 Tagen

übenden Landwirte, d. h der ni.Ll natürlichen Personen, ist xin ein Grand- oder Betriebskapital von 10000 Mark geb'm.cn. Auisrd^m beftelxn für die Wahlen zur Landwirtsc^afistammer jetzt Vorschriften, eie Lenen für die poluischcn 'Dahlen ungefähr entsprechen. Die Z.-chl ter unter dos Lan'. w rtschcfttskarnmcrgeso.tz fallevben Terranbe» angehörigen beträgt etwa 120 000. IcLe Provinz ist in 15 Wahlbezirke eingeteiü und diese wieder in 15 Vertrauensmänner- Kreise.

Rach den neuen Bestimruingen des Land- wirtschaftskammergL'etzes hätten eigentlich drei direkte Wahlen flattfinbcn müssen: 1. die der Vertraura.slcutc, 2. tie ter Landwirtschaftskam­me nr.i tu lieter und 3. die der Provinzausschuß-' mitgltcrer. Man hat aber nur für die ersten beiden Wahlverfahret: Las direkte System durch- geflchcb, während di: Mitglieder der Proviwz- wusschüsse in ter alten Weise durch die Ver­trauensmänner bestimmt werden. Cs hat sich also, da die Vertrauensrnännc-r früher schon direkt ge­wählt würben, nur tas Versahren für die Wahl der Lantwirtschastskammeimitgl'eder geändert, d. b. auch dieses ist jetzt direkt. Demnach mußten bei len Wahlen am 6. April zwei Stimmzettel abgegeben werden. Während die Vertrauens­männer, ü>ie bisher, umnittelb.rr zu wählen waren, wurden die Landwirtschaftskammermitglieber nach Listen gewählt. Diese Wahlvorschläge mußten bis spätestens 15. Rbärz bei dem Landeswahlleiter ein gereicht sein und sind auch, der Vorschrift ge- mätz, bekanntgcgeben worden. Es sind die nach­stehenden, nur kurz charakterisierten Vorschläge bei t-en Wählen in die Erscheinung getiekn:

1. Der Hess. Bauernverein, ter die katholische Bauernschaft um sich sammell unt seinen Sih in Heppenheim hat. Sein Wahlvorschlag trug daö KennwortHess. Bauernverein": er galt für die drei Provinzen.

2. Der Hess. Bauernbund, der seine Organi­sation hauptsächlich in Stark"nburq und Ober­hessen ausgebaut hat. Sein Wahlvorschlag trug Lus Kennwort:Hell. f_eaucmi>unir, cr i,l aber nicht für Starkenburg von der Wahlleitung aner­kannt worden, weil er 14 Minuten zu spät einge­reicht worden ist.

3. Kleine und mittlere Dauern: ihre Liste trug dieses Kennwort. In ihren Kreisen sind die politisch mehr pach links siehent en Landwirte zu- sammengefatzt: ihre Organisation haben sie haupt­sächlich in Starkenburg unt Oberhessen.

4. Die Arbeitsgemeinschaft. Die Landwirte, die mit diesem Kennwort hervortraten, stammen hauptsächlich aus ten Kreisen der Siedler. Ihr Verbreitungsgebiet liegt in Obgrhessen und Starkenburg.

x 5. Die Vereinigung der Freien Rhemhessischen Vauernschaft: sie entspricht einer ähnlichen Orga­nisation in der Pfalz.

6. Die Liste Rhellchessrn, an deren Spitze der frühere Vizepräsitent der Landwirtschaftskammer, Oekonomierat Hahn-Heßl)ch flanb.

7. Die Liste Georg Benz XlV Arheilgen, die sich auf Starkenburg erstreckte und Landwirte umfaßte, die dem Bauernbund nah?stehen.

8. Sie ListeGerechtigkeit". Sie umfatzle Landwirte aus der Gegend von Gernsheim, Viebesheini, Crumstadt, Klein-Rvhrheim und Stockstrch-t. Betrachtet man auf der Landkarte diese Gegenden, so ist festzusiellen, daß sie beson­ders in das besetzte Gebiet fallen. Die Lists sollte für Starkenburg gelten. Man darf Wohl dahinter vor allem Mitglieder des Bauernbundes vermuten, die in erster Linie dic Interessen des hier umgrenzten Gebietes vertreten wollen.

Das Wahlergebnis ist zwar noch nicht amt­lich bekannt gegeben worden, doch dürften die vorläufigen Ziffern kaum eine Veränderung er- sahren. In Starkenburg errang die Liste Gerechtigkeit" 10 Sibe, der Bauernverein 4 Sitze und die Liste B tnz-Arhcilgen 1 Sitz. InRHein- Hessen verteilen sich tie Sitze wie folgt: Freie Bauernschaft 12, Bauernverein 1 und die Liste Hahn" 2. In Ober H essen gewannen. der Bauernbund 13 Sitze, der Bauernverein 1 Sih und tie Arbeitsgemeinschaft 1 Sitz.

Bei ter Durchsicht der Wahlvorschlüge und bei einem Vergleich mit der Mitgliederliste der alten Landwirtschaftskammer ergibt sich, Latz tiefe ein völlig neues Aussehen er­hält, denn noch nicht ein Drittel der ehemaligen Mitglieder lehrt wieder irr die Kammer zurück. Aus Starkenburg, soweit sich bis jetzt frststellen läf t, nur ein einziger Abgeordneter. Der rrlen- burgec Bauetnkund, dessen Wahlliste nicht in Wirkiamleib treten konnte, Hütte die Parole aus- gegcbcn, die ListeGerechtigieit" zu wählen, da­her kommt es, daß diese so viele Etimmrn erhielt. Der Bauernbund wilt auch, wie rerlau'at, tic Wahlen an f echten, und zwar, weil di - Aufforderung zum Einreich en von 'Wahllisten früher erfolgt sei, als die dahin lautende gesetz­liche Bestimmung angibt. Die Entscheidung über einen Einspruch hätte tie neugewählle Landwirt- schastsiammer zu fällen.

Eins zeigt tas WahlergVnis sehr deutlich: tic Verhältniswahl (Lifl nwahl) hat sich nickt bewährt. Diese Feststellung ist wohl

zulresfend, wenn man bedenk', daß das große Odenwaldgebiet vHneDertretung qc* E'liebt ist. Von Len 12 Starken bürge r Mitglie- L-crn der Landwirtschaftskammer wohnt ll'incs im OL-enU.'lLgebiet. Wenn also dortige betriebswirt- schailliche tfiagcn im Plenum ter- Kammer zur Sprache kommen, kann kein Oten.räDcr Mitglied Lazu sprechen, llin gcwisscr Ausgleich ist aller- Lings für d-erartige Fehler durch die Mitglied« der Ausschüsse geschaffen, deren Zahl sich auf die drei Provinzen in gleicher Weise verteilt.

Die Wahlen der Mitglieder der Provinz-, a u s s ch ü s s e durch die Vertrauensmänner fin« Len noch in dieser Woche statt. Dann wird die Landwiro'chaslskammer zusammcntreten, was vor­aussichtlich Mitte Mai geschieht, um die Vor­stände der Ausschüsse, sowie die Vorstände und den Präsidenten der Kammer zu wählen.

Heber dic Wahlbeteiligung liegen noch leine abschließenden Ziffern vor. Für Ober Hess en werden 30 Prvz., für Starkenburg 22 Proz. und für Rheinhessen «vermutlich zutreffend) 30 Pro-, genannt. Bei früheren Wahlen übten nur 3 büe 6 Prozent ihr Wahlrecht aus: jetzt also erhedtich mehr als ehemals, aber immer noch ist die Be^ teiligung gering zu nennen.

Wirtschaft.

Zur Entwicklung des ArbeitSmmEteD.

Drei Tendenzen beherrschen zur Zett bet Arbeitsmarkt. Die eine ftl die, daß wegen der Beschneidung der deuftchen Rohsloffgrmndlaae Lurch den Versailler 'Vertrag und durch bte nach­folgenden Creignifte für viele Gewerbe bte Ar­beitsgelegenheit sich verringert Hal, anb daß da­durch ein nicht unerheblicher dauernder Heber- flttß an Arbeitskräften entstanden ist. Diese Tendenz läßt sich besonders im besetzten Gebiet beobachten. Das besetzte Gebiet hcll auch jetzt noch dreimal soviel unterstützte ErwerbSlrse, als Las unbesetzte: charafteristisch ftt, daß in den letzten Wochen in der Rheinprovinz die Besserung der Arbeitsmarktlage in deren unbesetzten Teilen erheblich schärser zum Ausdruck gefangte, alS im besetzten rheinischen Gebiet. Allein im Bergbau sind dort zur Zeit rund 100 000 Bergarbeiter unbeschäftigt und leider auch ohne Aus­sicht auf künftige Beschäftigung: nrft den Fa-> milienangehörigen handelt es sich allein für den Bergbau um 300 000 Personen, eine Zahl, die unter Einbeziehung der Angehörigen anderer Ge­werbe sich mindestetis auf 6-^-700 000 erhöhL. GS rächt sich jetzt, fcafr infolge der seinerzeitigen Ar­beitszeitverkürzung ungefähr 150170 000 Arbei­ter eigentlich vollkommen unnütz dem Bergbau an­geführt wurden: ter größte Teil dieser Perftme» wurde seiner natürlichen Existenz entrissen und aus einen fremden Boden verseht, der fte jetzt nicht mehr ernähren kann.

Die andere Tendenz zeigt sich in der ge­steigerten Bevorzugung der Qualitäts­arbeit. Die stärkere Rachfrage nach Spezial­arbeitern bei allen Gewerbezweigen hängt zu« großen Teil damit zusammen, daß die Unter- nehmer aus der großen Zahl der Arbeitskräfte fick die heften aussuchen wollen. Zum guten Teil kommt die starke Rachfrage ab« auch daher. Laß der Rkangel an guten Facharbeitern so groß ist, daß schon ein ger'mges Anziehen der Rach- srage sich auf dem Qualitätsarbeitsmarft bemerk­bar macht. Leider ist in1 der letzten Zeit die ZaU der guten Facharbeiter durch Ab- und Aus­wanderung stark vermindert worden. Allein bte überseeische Auswanderung hat sich gegenüber der Fricdenszeit auf das 7Sfache vermehrt. Da die Facharbeiter den attivsten und intellegentesten Teil der Arbeiterschaft darstelten, ist anzunehmen, daß die Auswanderung hauptsächlich die Fach­arbeiter ergriffen hat: diese Vermutung wirb auch durch die Berichte verschiedener Arbeits­ämter und Harchelskammern bestätigt. Wir stehen daher vor der Entwicklung, daß die Zahl der qualifizierten Facharbeiter durch Ab- und Aus­wanderung immer geringer wird, wahrend bk? Schar der ungelernten, vielfach auch indolenten Arbeitsftäste der deutschen Wirtschaft zurück- gelaffcn wird. Wenn nicht mirgehend dafür ge­sorgt wird, daß der Rachwuchs an Qualitäts­arbeitern sichergestellt wird, und daß von der

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7 Stunden und 20 Minuten bei einer Durch- scknittsgeschwindigkeit von 24,17 Seemeilen zurück. Die Rekord-Leistung für einen Tag Betrug 617 Knoten, was einer DurchschnittsgescEüvindigteit von 24,92 Knoten gleichtommt.

Cs folgte dann dir M a j e st i c der White- Star-Line, dis ursprünglich als Schwesterschiff des Dampfers Vaterlaird gedacht war. Auf Wunsch der Reederei wurden in den Rumpf das S hiss's noch zwei Spanten ein^efügt und drdurch die Wasserverdrängung auf 64 80j Tons gebrach D-s Schiff erhielt vieselbe.r Maschinen, wir llr der Dampfer Vaterland (jetzt Leviathan) hatte, hat diesen aber an Geschwindigkeit übertroffen und hält jetzt als schnellstes Schift den Well^kord mit 5 Tagen 5 Stunden und 21 Minuten auf der Ost- reise, die mit einer DurchschnittSgsschwindigkeic von 24,76 Knoten zurückgelegt wurde. Die beste Tagesleistung ostwärrs betrug 603 Seemeilen bei einer DurchschnirtsgeschDi.idigkeit von 25,66 Kno­ter.. Die beste Tagesleistung westwärts betrug 609 Sesmeilen. $

Sine Landkarte von Koluwbus.

Dcr Bibliothekar drr Pariser Ratianalbibl'o- thek Ch. dr (i Ponciöre hat in drr Pariser Ata- demie der WissrnschaftLr eine auf der Rational- biblirthck brsindlichr Lant.7artr behantett, bi: mit Christoph Kolumbus und der Entdeckung Amerikas im engsten Zusammenhang steht. Die Karre, die als - portugiesisch und aus dem 15. Iohrhundert stammend im Katalog verzeichnet ist, muß zweifellos schon im 15. Jahrhundert ent­

standen sein, da sie weder die Entdeckung des Kaps der guten Hoffnung im Jahre 14§3 noch tV- Entdeckungen von Kolumbus berücksichtigt. Die italienische Benennung der iapverdischcn Inseln, dis Hervorhebung, daß sie von einem Genuesen entdeckt wurden, die genaue Angabe des Hafens von Genua lassen darauf schließen, daß es sich um keine portugirsischr, sondern um eine italienische und zwar um eine genuesische Karle handelt. Es geht auch au3 drr Karie her­vor, daß ihr Vrrscrtiger, ein Ge.rnell', Gpamen und besonö rs Sevllla lannrr. Man könnte daher annshmem, daß Kolumbus selbst bis Karre ge- schaffen hat, aber Ponciöre glaubt aus r>er» schied, nen Einzelheiten schließen zu lonnrn, daß iie nach den Angaben von Christoph Kolumbus von seinem Bruder Bartholomäus ent­worfen wurde. Daß Kolumbus selbst an der Ka tr einen starken Anteil hat, läßt sich aus der Heb rcinstimmung mit den in seine.' Handschrift überli ferten Rmi-en schließen, die er zu der .Imago naunbi' des sranzösisrhen Kardinals Pierre d'Ailly machte. Rack der Annahme Les Gelehrten haben wir also hier eine Karte vor uns, die die Anschauungc von Kolun'ibus wider­spiegelt, kurz bevor t Amerika en:deckle Das Bild der Erde, das die Karie enthüllt', ist ganz dasselbe wir das seiner Auszeichmjage.i: eine von Ozeanen umschlastene Insel. Kolunrbus Halle schon Kenntnis v>n Grönland, aber der ferne Osten wird von ihm nach den ungewissen Dor- stcllungLn des Ptolemäus unb ander«.- Geo­graphen dargcstellt.