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Nr. 40 Drittes Blatt Siebener Anzeiger fSeneral-Anzeiger für Dberhessen)Samstag, 16. zedrnar 1024
Die Stabilisierung der deutschen Valuta.
Von Prof Gustav Lasset. Stttfholm iSchw.l.
$ter TBcrt einer bestehenden stabilen Valuta yttt) durch H« Kaufkrair derselben auf dem !mwr*i THarfi' des Lande» bestimmt Die fort- währende 6tabili1ierung einer solchen Valuta er- trcbcrt nur eine lösche V^rer^ung der Zahlung«- mitresvedorgun i baf> die innere Äauffraft an- tvränbm Weiht 3n diesem Zinne ruht all' der □Bert aas der Knappheit der Zahlungsmittel- periorgvnq Eine besondere .Deckung" der Va- (uta tfl dann nicht ersvrderlich und kann jedensaii» derselben keinen anderen Wert geben, a!» sie schvn infolge der Knappheit der 3ablungi'.rai'J- Versorgung bat. Pine Einlösung der Valuta in anderen Valuten oder in metallifcher Währung kann dabei nur die Vedeutung haben, bah da» Derwerhültni» zwischen der an «ich festen Valuta für jeden Tag genauer al» fonft vielleicht möglich wäre konstant gehalten bleibt
Gin Land. da», wie Deutschland, nach einet gewaltigen Inflation eine Valuta erst zu schaffen hat sieht vor einer in vielen Hinsichten wesentlich 3oberen und schwierigen Aufgabe Die neue Valuta de» Lande» hat noch keine bestimmte Kaufkraft auf dem inneren Madie de« Lande« 3f gilt zuerst derselben eine fotche Kaufkraft zu Der- leihen Die« farm am einfachsten dadurch geschehen, bah man die Valuta an Irgendeine fremde Valuta anfnui'ft, die einen stabilen Wert besitzt 3n diesem Falle beruht also der Wert der neuen Valuta zunächst auf ihrer unmittelbaren Gintv»- barkeit, und also auf der Fundierung, die bleie Ginlö«oarkeit sichert Die iSriabrunq wird allmählich zeigen, wieviel von der neuen Valuta der Innere Markt de« Lande« aufnehmen kann In der Ucbergcmg»zett gilt es. da» Land nich tberflüfllfl. aber auch nicht zu knapp, mit bei neuen Valuta zu versorgen und die« bleib! natürlich ein Oberau« schwierige« Problem. Hai fid aber die neue Valuta vollständig eingebürgert. wird bei einem ‘dien Preisniveau ein bestimmter Zahlungsmittel bedarf hervortreten Wenn barm die 3ablung»miftelooi1oifliinq sich danach richtet, wird die innere Äauffrah der Valuta stabil bleiben, und dann auch die Valuta einen äufieren Wert, der fid nach der inneren Kaufkraft richtet, erhalten Es ist dann natürlich Im allgemeinen zweckmäßig, die einmal beflimmte ®in|b#burfeif der Valuta behübe halten Sine nvt- uendige Bedingung für die Stabilität der Valuta ist die« aber nicht, wenn z Bi die fremde Valuta, in welcher die neue Valuta elnlö»bar v lid. verschlechtert w.rbcn sollte, und ttx-nn In- fr! gebest en die Verbindung mit der fremden Valuta nichtsdestoweniger ihren Wert behaupten und eu-schileßlich die Knappheit der Zahlungsmittel- Versorgung labil gehalten werden
Vei einet Einführung einer nmen Valuta ist Im allgemeinen praktisch notwendig, dieselbe en die alte durch Inflation zerstörte Valuta an- rutTTÜbfen Dabei muh feibstverständlich die In- 'lation der alten Valuta aufgebört haben und allo schon eine gewisse Stabilisierung derselben ringetreten fein. Die neue Valuta ist bann im lk runde genommen keine ganz neue, sondern würde besser al» eine i cf o n fl r u t er t c Valuta bezeichnet werden können Die Betbedaltung der jlten Valuta bietet unter anderem den Vorteil, dast der ungefähre Zablung«mlttelbedars de« Lande» bekannt ist, und bah der Vebars de« Ver- febr# nach dem neuen Zahlungsmittel ohne allzu grobe Störungen burch Umtausch ber alten Zah- mngsmittet gegen die neuen versorgt werden Tarnt.
Wird dagegen die alte Valuta beibehalten, ohne in ein bestimmte« Derhältni« zu ber neuen gefrh t zu werden, so bat da« Land durch die Einführung der neuen Valuta nur zwei ver- f<t i ebene Valuten befommen, wa« eine grobe Verwirrung hervorrusen muh. Vesondcr« ist zu beachten, bah ber Bedarf de« DcrkedrZ nach der neuen Valuta unter solch en Verhältnissen eine unbcllimmtc Gröhe wird, und bah deshalb blc Ausgabe der neuen Valuta durch die Knappheit der ZahlungsmiNelverforgung eine bestimmte Kaufkraft zu geben. In hohem Grade erschwert wird Man soll iebenfall« nicht glauben, bah ber Wert der neuen Valuta, sofern er sich nicht auf eine bi rekte Oinl&«barfcit in einer fremden Da- luta flüht. von einer fortgefenten übermäbigen Dcrforgunq der Dolkstr-irtschaft mit Zahlungsmitteln in ber alten Valuta unberührt bleiben kann
Wenn einmal die neue Valuta cingelübrt ist muh eine bestimmte Knappheit ter Zahlungsmittclverfvrgung a u f re ch terha l ten weiden Die« farni nur durch einen angemessenen Distontfatz geschehen Der Diskonts an muh ein treuer AuSdruck sein sür die wirkliche Zknapp- heit de« Kapitalmärkte« Htm ist ber Kapitalmarkt nach einer langen Inflationszeit gewöhn
lich sehr knapp Die Inflation hat bewirkt, bah die eigentlich- Spartättglri! au'gehön ha', da niemand ^rld-orderung« in änem sich stet» ver- schlechtern>.m Gdd ainaxmneln will Da» bedeutet natürlich »ich« bah t*. reale KapitalbUdung vollständig auf gehört hat Im Gegenteil werden innerhalb der llntrmdnmingrn die Geldgewinne in einer Zeit Den starken Inflationen gewöhnlich unmittelbar in Arcrltzapllal umgewandelt. da» zur örwiterung und besserer Xi«rüftung de» Unternehmen» dient Trenban Ist am 3nbe der In- flaiwnspeiiode die VoUöwinichaft auherordentlich schlecht mit Kapital versorgt eine groste Menge pcn dringenden Kapttalsbcdürfnissim ist zurück- fldret und kann nur langsam in beschränktem Mab« durch die hei 6iabiltlirnin^ ber Valuta ne j erwachende Lpartätigßrit belnrbigt werden. Drshalb ijt der Zinssatz am Gnde einer Ins la- twnsperiobe sehr doch Gme Stabilltät ber Valuta farm bann nur bei entsprechenden Diskont- sä hin aufrechterhalten werden Tie# kann jetzt der l achtet wer den, wenn die Stabilität der öfter- reichlichen und der jtnnlänbilchsii Valuten nur durch Diskontsätze von neun bzw zehn Prozent flcttonnen werden kann Bei bei beginnenden Stabiliheruna der deutschen Valuta tritt jeijt auch eine ungewöhnlichr Kapitalknappheit zutage, und ei ist offenbar, bah eine neue deutsche Valuta nur bei einem sehr hohen Di« kontfatz stabilisiert werden kann. An eine Bank, die für eine solche Valuta verantwortlich ist. werden immer aufervrdentliche Kreditantprüche gestellt die die Bank nicht ohne Gefährdung der Valuta befriedigen kann
Die Kapitalknappheit wirb sehr verschärft, wenn die notwendig. Wiederherstellung vom Gleichgewicht im Staatsbudget eine drückende Be- flrucrung erforderlich macht Die harte Besteuerung macht also einen höheren Diskontsatz not- trendig al» bei mähigerer Besteuerung erforderlich gewesen märe, und bedeutet deshalb ein er- schtr<rende» Moment in den Bestrebungen zur Stabilisierung der Valuta. Durch eine Wegnahme von Griparungen und Kapitalien durch hohe progressive Steuern aus Ginkvmmen und Vermögen muh der Kapitalmarkt stark beeinträchtigt und die ganze DollSwirtschast in ihrer DntWicklung ernst- sich geschädigt werden. Heue Anlagen und Bauten leiden natürlich ganz besonder» unter der KapltalknappbeU Die Folge ist. bah bic Industrien. die aus die Konstruktion von neuem Aeal- kapital eingerichtet sind, fofem ihr innerer Absatz in Frage kommt, ohne Mcfcäftiiunfl sein werden, und bat’ de«halb eine ernste Arbeitslosigkeit in dielen Industrien auskommt.
Vollständig unhaltbar wird natürlich die Lag.-, wenn unter solchen Umständen noch grobe Zahlungen an da« Au«land der Volk»- wirtschast auserlegt werden In Deutschland kann ein Gleichgewicht de« Kapitalmarktes sowieso nur durch hohe Zin»sät>e erreicht werden, da da« Staatsbudget für die nächste Zukunft sehr starke Ansprüche an die Ginkvmmen bei Steuerzahler stellen unb beshall' bic für bic Sntwicklung ber Dollswirtschast notwenbige Kapitalbllbung sehr erschweren muh. Würben dazu Zahlungen für Kriegsentschäbigun gen erforderlich werden, so würde es aller Wahrfchcinlichtzeit nach vollständig unmöglich sein, den deutschen Kapitalmarkt in» Gleichgewicht zu bringen. Dann kann aber auch keine stabile Valuta in Deutschland aufrechterhalten werden.
Deutsche Erneuerung.
Don Rudolf Gucken.
Die Rotwendigkett einer inneren Grneuerung de« deutschen Leben« ist unbestreitbar, ebenso gewih ist. bah keine Verbesserung an einzelnen Punkten Helsen kann, blc erstrebte Grncue.ung muh bis zum Helft en Grunbc gehen. Aber welche Hauvtrichtung hat fic cinzufchlagcn? Unter Äul- turdesitz im Denken. Fühlen unb auch tm Wollen, soweit er mit privaten Zwecken zu tun hat, braucht keinen Vergleich mit ben Leistungen anberer Völker zu scheuen, wohl aber haben wir eine ausgesprochene Schwäche beim Bilben eine« gemeinsamen Willen«, wir vormögen un« nicht tm Hanbeln zusammenzuschlichen, an btefer Stelle Qafft eine bedcillichc Lücke, fic bedroht namentlich unser staatsbürgerlichem Leben, ja sie schädigt ba* Ganze unseres Streben«. Wie weit unsere seelische Vaturanlage, wie weit geschichtiich« Hemmungen da« Der’djulbet haben, da« bleibe hier un- crörtcrl; da« bleibt gewih. bah selbst bie sehr schätzbaren politischen Bestrebungen fett ben Frei- hcit«Mcgm und durch da» g-anze 19 Jahr dun- der! hindurch an« noch nicht da» richtige Ver- hältni« zum Staate unb eine durchgehend« Staats- gesinnung gegeben haben' wa» bavvn vorhanden ist. da« lägt weite Kreis« underüh-r. e» ist ihnen noch nicht zu Fleisch unb Blut geworden, es
wirkt mchl mit der Kraft eine« 3lemrmaren unb SelbstverslL-.dilchen. Der Staat Hieb ben meisten eine Aeb«n«achc, von der sie nur gelegentlich ÄctuitbU nabmtn. man vermengte otl ben Staat mir der jeipciligcn Regierung, und war «neig!, etwaige Mistgnsfe der Legierung dem Staatsganzen aufzubürdan. auch in nationaler
Innung stand ber Deatfchk gegenüber anderen KulturvöÜern zurück, jene Gesinnung war mehr em Erzeugnis hochesUwickcltcr Kultur als ein fester •tn’an des gemetnfamen Mxn»; bah ein in feinen Ärei’cn angesehener sozialistischer Politiker tLrispien' Öffentlich erklären tonntc .Ich kenne km Vaterland, ba» Deutfchland bethl" Dick Verleugnung des eigenen Lande« wäre wohl bei keinem anderen Volk mögiich geweten Tiefe Schwäche und Mattheit ber polinlchen und nationalen Gesinnung muhte auch das Hanbein lähmen. ihm sehltc bic notwendige Konzentration, da» Zusammenstrcbcn der Kräfte, ba» Vermögen Mittel unb Zweck richtig abzuwägen, ben ent- scheidenden Augenblick zu ergreifen, die notwendigen Konfcgucnzen einer eingefchlagcnen Richtung zu ziehen Vlan braucht unser Ergehen während de« Weltkriege» nur näher zu verfolgen um äu sehen, wieviel Schuld jene Art untere* Handeln» am unglücklichen Kriaa*ausgang hatte xtent haben wir ungeheure Verluste crlluen Verluste an Gut und Blut, an gemeinsamem Belln. an Mach! und Wohlstand, aber ba» Schlimmste war, bah weite Kreise bic Ziele preisgeben. welche bi» bahin der Stolz und bic Z reu de der deutschen An waren Treu«, Ehr- furch'.. Zuverläfsigkclt. Pslichtbcwuhtscin. da« Ift das Traurigste, da» einem Volke geschehen kann, den Glaube an bic W«nc bc« Leben» unb bamit die Wcnc selbst zu verlieren, bas ist nicht Hob eine Krise, da» muh zu einer Katastrophe süh ren, wenn es nicht eine überlegene Gegenwirkung findet.
Oinc solche aber stellt sehr entschiedene Forderungen Sie ist unmöglich, wenn mcht eine schassende Mach: ber GcisteSweit unser Streben trägt, es aufrüttelt, eine innere HmtPinMunfl an un» vollzieht: nur fic kann uns «in neue» Leden cinftöhen, ohne solche Steigerungssähigkeit burd) eine un» innewohnende und zugleich überlegene Macht sind wir einem hoffnungslosen Schicksal wehrlos prcisgca^»en. Ratur und Geistesleben zeigten im Wirken eine grundverschiedene Art: in der Ratur herrscht dis fogcnan.ite Trag- heitsgefetz. b. b. ber bewegte Körper bleibt Io lange in bem tnncbibcnben Stande, bis er von aufxn ber eine Dcr.inberung erfährt; im geistigen Leben dagegen wird keineswegs der alte Stand ohne weitere» festgebalten. fonSem er gerät rasch in ein Sinken, wenn nicht neue Krüste ^ugeführt werden, dem gegenüber aber bleiat bic Möglichkeit einer Steigerung, und biete Möglichkeit kann un» stärken und fördern Da» ist das 6-barafte- rifttfdx des Ethischen, dah jeder Entfchluh eine Entscheidung fordert; wo es sich aber um eine Umwälzung Handel!, ba muh das menschliche Unternehmen von ber Macht des schassenden Welt will en» getragen werden, nur er kann in den Seelen unb in den gemeinsamen DerHält- niffen ein geistige« Wunder vollbringen, nur ein darin wurzelnder Glaube kann uns ben Mut verleihen, allen Hemmungen zu trotzen unb auch tm staatlichen unb nationalen Leben neue Ziel« zu erklimmen Dabei genügt nicht bic Aoffnuna einer selbständigen Innerlichkeit, wir müssen auch darüber volle Klarheit besitzen bah un« Menschen eine eigentümliche Welt umsängt, ein« Welt, wo sich aller ding« im Geistigen eine neue ßeben«fhifc offenbart, wo aber diese Stufe auf schwere Hemmungen stöbt unb oft von ihren eigenen Zielen durch Unverstand und Bosh-it weit abgelenkt wird. Das macht unsere Welt zu einer Stätte de» Kampfe«, auch an un» Menschen ergeht die Forderung al» Krieger Gotte« (milites Dci) nach einem Ausdruck der allen Ehrrsten, an jenem Kampfe selbsttätig teilzunehmen und auch unsere Kraft für die höchsten Ziele aufzubieten Diese Gesinnung muh auch ba« politische unb nationale Leben burchb ringen, ohne eine im tiefsten Innern bcgiü tbctc Well- und Leben«anfchauung. ohne ein Ganze» ber Ucberjeugang. bleibt jene« Geben wurzellos unb vermag keine rech'.e Kraft auszuüben Dah unsere Politiker meist ohne eine solche Bearünbung glaubten, ben Staat ausbauen zu können, baS hat nicht geringen Schaden geflthet.
Zu dem Glauben an bic SteigerungSsähigTeit be« geistigen Lebens gesellt sich aber auch ber an die StrigerungSsühigkeit ber deutschen Art. Diese Art hat eine wunderbare Elastizität, nach furchtbaren Erschütterungen hat sic immer wieder den Mut und die Kraft gefunden, neue Wege einzuschlagen und fu verfolgen, wie da» vornehmlich der Drerhigjährigc Krieg augenfällig ertöteten hat. Da» deutsche Leben hat im Verlauf der Zeit viele Wandlunaen erfahren unb sich dabei den verschiedensten Ausgaben gewachsen gefühlt. Ss ist
» V. sehr bemerkenswert, bah das Voll bei d in «in Voll der Techniker und ber Industriellen nerWMbeile ent auch hier grofk Erfolge erzielt bat. Dieter einzigartigen, griffigen Weite dürfen wir auch hrute vertrauen. Warum tonnte nicht eine Leben»- wendung erfolgen welche da« gemeinsame Leden und de?'- CtaategcNinlcn fteigert und dadurch *vm d.ni'.ichen Menschen mehr Männ'.ichteit, mehr Zu larnmensi reden, mehr ethische Kiusi und Wärm« veririh« ? Diele Wenknrng neriangt freilich <i:ir enge Verbindung iwn Mbftänbigfcit ber Indivlbuen und von Unterordnung unter ein . eriegene» Ganzes; nur eine Wechteiwirkung beider lan uriprünglichc» Leden erzeugen unb uns über bic dringende Rot emporheven Sv frrllcr. wir dem Nachen Optimismus unb den iubmenben Pessimismus tatkräftigen unb u«t- । Etlichen Aktivismu « entgegen Dieter tchöpsi f. ibft aus den ungeheuren Hemmungen und Wir- ten die Hoffnung eine« Aufstieg»
Aber auf zwei Hauptforderungen müllen tmr unbedingt bestehe« einmal au« He erhöhende Kraft einer geistigen und staatlichen Gemein- fchaft. Das Hohe Rebenei na nber ber einzelnen Kräfte und fei e» noch fo ausgedehnt, kann nun unb nimmer eine innere Erhöhung und llinwand lung bewirken, eine folche ist an erster Sielte da» üNcrf des un» innewohnenden Geistesleben», nur die Teilnahme daran Linn nur Kräfte unb Werte schaffen, es muh sich bei un» ein Pstngst- u'under vollzieden. Hohe Summierung leistet hie. nicht ba» Msitbest«. - Sobann aber forberi dir gegenwärtige Lage bringend ein« scharfe Schot dung ber Geister. G» allt niche nur bie direkten Gegner deutschen Wesen» zu bekämpfen, c» gilt auch die Matten. Lauen, bte Ja und Vein vermengenden Geister energisch auU«rüttel, unb ihnen einen klaren Spiegel voriuhallen Rur ein Zurück»chen au* den Kem de» deutscher Wesen» lann eine Scheidung vollziehen, weich.- u.imittcibar eine echte Sammlung der Kräst.- bringt, eine solche wirb ihre Hauptausaabe darin sinken. Im Glauben an »Int welthenfchende ctbilch.' Macht auch ben Glauben an ba» beutlche Wesen unb an seine Unverltcrbartctt sestzudalten und Ibn den Seelen clnzuprägen. Halten wle un» an Sck.lelennacher» Wort, bah ba» Werk bet geistigen Schöpfung noch fort bauert. Die Quelle v. s geistigen Geben» ist auch für un« nicht versieg! Unserem Vaterland muffen wir um fo meh. Treue und Giebe erweisen, je mehr ei nicht nur ?rauhen, lonbrm auch Im eigenen Lande ge- schmäht ivirb. An btefer Stelle gibt e« keine Vermittlung zwischen Liebt unb Zom: beut sch ober anlibcutfch, national ober international.
Kunst und Wissenschaft.
Die Leibniz-Au«gabe ber Prcustifchrn Qllo< b«mi« ber Wisfenfchaften
©eil mehr al» 200 Jahren wartet btt grobe Denker Leibniz, bet wohl als der Letzte au» bem Geschlecht ber Polyhlsl rrnr ba« ganze Wüsen ferner Zeit i" feinem Geist unb Werk vereinte, auf ein* wissenschaftliche Gesamtausgabe feiner Schriften. Der Vcrlmer Akabemie ber Wissenschaften, beten Gründer er ist, liegt biete Ausgabe natürlich besonder« am Herzen, unb et würbe daher auf der ersten Versammlung derInternatio- najen Vcrciniaung ber Akabtrnlen zu Pari» 1901 btefer Plan entwickelt, ber mir burch bie Anteilnahme ber verschiedenen Länder unb eine» Stabe» von Gelehrten äu verwirklichen war G« wurde damals bofchlosicn, diesem Philosophen, der der ganzen Welt angehöri, daS feiner toärbtgc Denkmal zu setzen, und die Akabtrnlen von Pari« und Berlin tourbeit mit ber Vorbereitung beauftragt Im Jahre 1913 war man auf deutscher Seite so weit, öa& mit brm Druck begonnen tourbe Aber der Krieg machte Hefen internationalen Versuch zu einer Lerbnlz-Au-gab« zufchanben, und so ipirb jetzt bic Prcuhische Akademie der Wissenschasten seine Schristcn unb Vries« tm Verlag Cito Reichl zu Darmstadt allein her- ausgeb en. Wie wir dem Prospekt zu diesem Monumentalwerk entnehmen, ist die Arbeit von der Berliner Akabemie ununterbrohen sortgesetzt unb auch ba«. was von französischer Seite geleistet war unb nun unzugänglich ist. noch einmal getan worden. Die neue Ausgabe wirb zum erstenmal ben gewaltigen Leibniz-Rachlah von Hannover erschöpsen unb Auil.ih Me Entbeckun- gen giittdlcn. zu benrn jahrrlange« Suchen tn deullchen und fremben BlHiothckea unb Archiven geführt hat. Das ganze Werk ist auf etwa 40 Bände berechnet und wirb nicht nur bie Leibniz-Forschung auf eine ganz neue Grundlage stellen, sondern auch Persönlichkeit unb Lehre biries grohen Mannes, bie ebenso von nationale« tote internationaler Bedeutung unb heute zeit- gemäher -benn je siab. ben Gebilbeten er schlichen.
Pfalzer Leidenszeit.
Ginsimal«. in beinahe schon sagenhast fernen Heilen begann man ein StimmungsbUbcken au« ber bäbrischcu Rbelnpsalz gewöhnlich mit dem Pfälzer Wahlfpruch .Fröhlich Pfalz. Gott er- halt'«" Ach bah sie bald triebrrfommen möchten. diese Zeiten wo man im Pfälzer Reben- paradics an der Haardt wie im Himmel lebte und in Deibe«hcim in der .Kanne" ober Im ttbenüberibonnenen Garten der Winzer- genollenscha«: einen tru aber baren ganzen Schoppen edlen Deidesheimer schon sür eine Mark hebengt erhielt Dast sic ttncbcrfämcn. jene Jröb- lichen .Zeiten du ba« ganze .Wcingcdirg" von ber elläsiischen bi« *ur rbcinbcffil4>cn Grenze herunter <in einziger fubelnber Sang au» cnblo» scheinendem grünen Rebenmeer und unter einem Seimcnhimmcl nrar, wie man ihn erst unten an ber Adria in btefer monatelang ungetrübten, troffenlofcn Bläue wieder antrifft Wcitzt du es noch, mein Hei^z. wie du höher schlugst, al» zum erstenmal hinauf in bie Gdel-Kastanienwal' der ging, bie den ganzen buigcngcfrtnten 2Ibfan ber Haardt zur Rhemebene bedecken ? Wie iachend war bock fo ein Pfälzer Städtchen, wenn an narionnlcn Festtagen die blau weihen Mahnen in ben schmalen alten Gäßchen flatterten!
Frühling in ber Psalz, bas heistt- fi-fi im mUben Lächeln eine» oberitalienischen Frühling» fonnen unb dock da» Bewußtsein haben: bu Hst am Rhein, aus deutscher Erde. Manchmal schon bn Februar, spätesten» aber Mitte Mürz, bedecken sich bie Weinberge am Haardtrande mit Hartweif^e i Diürcnfchleiern. bic weit in die Rhein- «bene hineinleuchtcn. Mele von ben blühenden
Väumen Ichwclgen tn einem ungemein zarten Rosa andere wieder tn einem Sremegrib. ba« an Elfenbein erinnert S» finb die OHanbelbäumc, bte zu Tauknbcn hier bi ben Weinbergen unb tn ben alten Gärten stehen, manchmal in umntttel- barcr Rachbarichasi von Zitronen unb Orangen, di« ebenfalls reifen, ober gar vor alten, schmucken •Eimerbäutern, deren Wände mit Fcigcnspalteren bedeckt flnb.
Unb was ist au« Speyer geworden, dem uralten, kaiserlichen, würdevollen, dellen Dom auf Viele Meilen in der Runde al« ein Wahrzeichen sondergleichen in deutschen Landen sichtbar ist! Zwar war Speyer nie fo lustig wie die Städte tm Weinbaugebiet, ba« bie alte Äaiteritabt nur mit feinen äuherben 21u«läufcr' von Veustabr her erreicht 54 ist schon lange Zeit »um mindesten ebensolche Dierstadt al« WeinstaH. aber man fühlte sich doch immer fc stctz unb frank in Speyer« Mauern. Wohl lag es über den Strafen nie eine leite, ferne Wehmut, wie ein Erinnern an bic Zeit, ba Spencr 'ich mit 2lagsburg mah. 2Lber jene« alte Prächtige Speyer ist dahin, fett JHelac bk schöne Pfalz mit Mord unb Brand überzog und Speyer in Rauch unb Flammen versank. Rur Verhältnismähig Wenig-« hat sich aus biefer Brandlatastivphe erhalten. Aber n>cr konnte je ben überwältigenden Eindruck vergellen, den man in ber Kaisergrust bc« Speyerer Dvm« bat. trenn man burch bie mit Fackeln beleuchteten ©ruftgett-ölbe an ben Särgen vvrübcrichrcitrt, in denen acht deutsche Kaiser schlummern'
Man muh bei bem rauschenden qutUcnbcn Waller des Liegfri^bninnens gewesen lein, must am Lteilabsturz des Trifels geftanben Haden, ben Blick über unermchlichc» Waldgebirge zu fernen
unb nahen Burgen sondern Zahl gerichtet, muh von ber Sbcmburq au« bas llcblichc Rahetal geschaut unb in Bergzabern vom goldenen Traminer getrunken haben, muh in tiefen Kellern der Weirwrtc .probiert unb auf bem .Dürk- heimer Wurstmarkt" ba« Psälzer Dvllstum in feiner ganzen Fröhlichkeit von einst gesehen haben. um auch nur einen Schimmer von bem Glanze zu ernpsinden, ber von Bayern« Pfalz auSstrahte Sic hat Dtef leiben müllen im Laufe ihrer unerhört betrefft en Geschichte Immer aber erstand sic nie ein Phönix au« Afche unb Verwüstung. Da« Psälzer Volk«tum blieb unverändert treu und deuffch. Daher wird die Pfalz nicht ver- dcrbsn Linst wird sie wieder bte .fröhliche Pfalz" fein von ber ber Pfälzer Längerspruch faqi Fröhlicher Sang — feuriger Wein — hoch bu förmige Pfalz am Rhein! Paul Krehfchmar.
Wie Haeckel Geburtstag feierte.
Erne Erinnerung zam 16. Februar 1924
Da am heutigen Tage Li wetten Äreifen be« deutschen Volles de« 90. Geburtstages von Ernst Haeckel gedacht wirb, bürite ei nicht urtinterelfant fein, au« leinen Aufzeichnungen fest zu stellen, wie er früher birien Tag begangen hat Aus lernen ötubentenbrieten enmehmen wir, bah er ben ersten Geburtetag fern vom Ellernbause auf feinem Zimmer in Würzburg verbrachte, au»- nahmsweilc bic Stube aufräumte unb feinen guten Anzug anzog. zum grohen Erstaunen seiner guten Wirtin, bie sich diele» sonderbare Benehmen nicht erklären konnte. Keinen feiner Belamtten hatte er von bem Sreignte unterrichte:, um ber Kneiperei, hie ihm wenig zusagt«, za ein gehen
Da» Jahr baraus feierte er feinen 20. Geburt »tag. indem er auf der Grenze zwischen .Kind und Wann" jene köstliche Büßpredigt für sich selbst niederschrieb, bie tn seinen Iugend- brtefen, .Entwi klungsarichichle einer Iugenb enthalten ist. Mit scharten unb sicheren Schnllten seziert ber junge Mediziner fein eigene« Ich. will! sich zwcifclvvlle», schwanlenb«» Wesen, dn- letlige». egoistische», kindische« unb lächerliche« Treiben vor. das ihn ben wenigen Freunden verleidet bat. .Da» muh von jetzt ab ander« werben!! Du trittst heute Dein 20. Gebcn»ja&r an unb wirst dadurch ein Mann!". Lin Iahe später schreibt er tn seinem ®eburt«tag«briefc an bic geliebten Eltern: .Die Berfasiuna. tn ber ich mich setzt, und zwar konftaiu, beftnbe, ist ein enl- schi ebene- Zustanb von Gesundhett, gegenüber jenen hysterisch eniirnentaten Sunpeleien burch bic ich in den sieben früheren Semestern mtr und anderen ba« Geben verbitterteUnb von jetzt an wird ihm ber Geburtstag immer zu einem Feste heihen Dantes gegen Xlnmtter Ratur, ber er ihre Geheimnisse aHäuschen barl. 1859 schreibt er in überströmender Freude unb Glücklesigkeit feiner Braut von seinen groben Sriolgcn ba er an diesen Tagen nicht weniger als 12 neue Arten von .alierreizenbsten Tierchen" entdeckt hat (3taltenfahrt). 1867 machte er eine Pllgeriahrt von Lrrectse auf ben Kanarischen Inseln nach dem Gipsei be» dortigen Vulkane» Worttagna di fuego, die er mit glühenden Worten ber Vegrtstcrunq in fernen .Berg- und Seefahrten schildert. Auch 1883 ist es feine aröbte Geburtetag«ireube, ben höchsten Berg Ley- um», bat Pebrv-Talla-Galla xu ersteigen, wovon er in feinen .Indischen üeifebriefen*7 erzählt.


