GletzenerAnzllger (Seneral-Anzelger für Gberhefsen)
r. 2?0 Drittes Blatt
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k Nutzlands Eintritt in den Weltkrieg. i^erEntfchlutz Ruhlands zur Gesamtmobilmachung vom 28. Juli 1914 tj Don Major a. D Gunther Franh. Archivrat im Reichsarchiv.
ReichSarchtvrat Franh ist als ehemaliger Generalstabsosfizier bester Äcn- I ner russischer Heeresfragen. Er besitzt
| eine genaue Kenntnis der russischen
Armee und der russischen Sprache und hat jahrelang alles greifbare russische Originalmaterial durchgearbeitet sowie alle Quellen verfolgt und das Ergebnis seiner Forschungen nunmehr in einem bedeutsamen Buche ..Rußlands Eintritt in den Weltkrieg" nieder» gelegt. das in diesen Tagen bei der Deutschen Berlagsgesellschaft für Politik und Geschichte in Berlin erscheint'). Mit Erlaubnis des Berlages bringen wir aus diesem Buche nachstehend einen besonders interessanten Abschnitt zum Dorabdruck Das Franhsche Buch ist in seiner Gründlichkeit das erste dieser Art. Trotz des hauptsächlich militärischen Charakter- ist es ein Beitrag zur Borgeschichte des Weltkriege- und birgt gleichzeitig den hochaktuellen politischen Wert: eine starke und scharfe Waffe gegen die falsche These von Deutschlands Alleinschuld am Kriege zu sein.
Am 24. Juli 1914. zwischen 11 und 12 Uhr mittags, beschied der Chef des russischen Generalstabes. General Januschkewitsch, den Chef der MobrlrnachungSabtellung, General D o- b r o r o l S k i, zu sich und ersuchte ihn angesichts der ernsten außenpolitischen Lage, ihm in einer Stunde an der Hand deS ausgebreiteten Materials Bortrag über den Stand der Kampfbereitschaft der Armee zu halten, unter Berücksichtigung einer im Bedarfsfälle nur gegen Oesterreich-Ungarn gerichteten T e i l Mobilmachung, jede Deutschland herausfordernde Maßnahme müßte dabei vermieden werden.
Bei diesem Bortrag wurde nun seitens des ChefS der Mobilmachungsabteilung Öen General Januschkewitsch eingeheno über die schve e i Bedenken Bericht erstattet, die auS mrbilmachungS- technifchen und strategischen Gründen gegen eine Teilmobilmachung gegen die Donaumonarchie bestanden, — mit dem Erfolg', daß Januschkewitsch sich über die Gefahren einer Teilmobilmachung durchaus im klaren war. In dein Ministerrat am 24. 3uli, 3 Uhr nachmittags, wurde im Prinzip die Teilmobtlmachimg ge en dte Donaumonarchie sowie die KriegSvorberei- tungsperiode beschlossen Am 25. 3uli Dorrn ittagg wurden im Kronrat diese Beschlüsse gutgeheißen, aber entschieden, die Teilmobilmachung noch nicht zu verkünden, wahrend die DorbieitungSmaßnahrnen. in erster Linie also die Inkraftsetzung der KriegSvor- bcreitungsperiod«, fnfoii zur Durchführung gelangen sollte. . . D s zum 27. Juli lebte der „unheilvolle Gedanke" einer Teilmobilmachung fort. Am 28. Juli fiel der Außenminister mit seiner politischen Uebrrzeugung um und wieS den Generalstabschef auf öte Rotwendigkeit einer Mobilmachung hin: Sasonow war von „dem Gedanken durchdrungen, daß ein allgemeiner Krieg unvermeidlich fei" GS war daS der Tag. an dem der Außenminister die Gewißheit erhalten hatte, daß Frankreich 'einen DündniSpfltchten nachkom-. men würde.
Die vorliegende Abhandlung soll bewußt nicht auf daS politische Gebiet ab^chweifen. Es genügt für diese Darstellung wenn diejeii se militärische Stelle, in deren Hand die Bedienung des so komplizierten Mvbilrnachungsapparales damals lag, uns berichtet, daß der Außenminister bereits seit dem 26. Juli von der Unvermeidlich- keit eines allgemeinen Krieges durchdrungen war und in diesem Sinne Direktiven für die Borbereitung der allgemeinen Mobilmachung gab, — zu einer Zeit, wo er seinen Botschafter in Berlin noch dahin informierte, daß tn Berbindung mit der für den 29. Juli g piair- ten Teilmobilmachung g^gen Oesterreich-Unga n keinerlei aggressive Absichten gegen Deutschland g hegt wirken!
Am Abend des 28. Juli wurden zwei Allerhöchste Befehle zur Unterschrift vorbereitet, einer
•) „Rußlands Eintritt in den Weltkrieg." Der Ausbau der russischen Wehrmacht und ihr | Einsatz bei Kriegsausbruch. Mit Genehmigung I des Reichsarchivs und unter Benutzung amt- | licher Quellen. Bon Gunther Franh. Archivrat | und Mitglied des Reichsarchivs. Major a. D., ehemals im Großen Generalstabe. — Mit zahl- I reichen, bisher unveröffentlichten russischen Doku- | menten, darunter einer Denkschrift des Generals l| Danilow in deutscher Uebertragung, sowie einer I Karte. — Deutsche Berlagsgesellschaft für Politik
und Geschichte m. b. H in Berlin W 8.
sür die Teilmobilmachung in den vier Des-rlen Kiew, Ode'a Mvsk.ru und Kasan und ein zweit er für die Gesamtmobilmachung 3n diesem I^teeen war die Mvbilma u g für alle Gebi .te Les curopäi che.i und a iat f-.e i (Ruf)- larxö (ch e Pr.amurgedi t) ausge prochm
Wir crhalten von G<ne al D o b r o r o l s k i*), in dessen Hü idrn nur die technisch: Ausfü.^r ing der von höherer Stelle gegebenen Befehl- la;, keine Erklärung für Li: sehr rahelie erde Fr g-, warum Teil- und ü'ebamtnu bilmacha. g rvrb r i et wurden. Tie Militärs w l.ten doch aus e k.ä- lichen Gründen die G e f a m t m o b i l m a ch u n g, und ebenso war der 2Iu»Rimini ter feil de n 28. Juli von der Rotwendigkeit der Gesamtmob.l- machung überzeugt, wahrend er im amllichen d - plomatischen Berl.hr noch am 29. mit ter Teil- mab.lmachung operierte! Fühl e man sih v ell^scht der Eiawilligung des Zaren für die Gesamtmobilmachung noch nicht so sicher?
Wir wissen die Gründe nicht und erfahren nur, daß ungefähr um 12 Uhr mittags des 29. Juli wiederum Januschkewit ch nicht der Krieg - Minister, dem General Dobrorolski den vom Zaren unterschriebenen Befehl für die Gesamtmobtlmachung mit ten 3 0. Juli al S 1. Mobilmachungstag zur weiteren Erledigung übergab.
Dieser sehr ausführliche Ukas war für den Senat bestimmt. An dir Armee und an die Grsatz- behörden genügte ein kurzes Telegramm mit einem gesetzlich fest gelegten Wortlaut, das von den drei Ministern des Krieges, der Marine und des Innern unterschrieben sein mußte.
Mit der Einholung der Unterschriften verlor Dobrorolski den Rest des Tages, und aus seiner lebendigen Schilderung dieser Besuche bei den Ministern sehen wir, daß diese drei Männer, die ihren Ramen hergeben und durch ihre Unterschrift den verhängnisvollen Akt sanktionieren muhten, nicht entfernt so kriegslustig waren wie Januschkewitsch und Sasonow. Um 9 Vs Uhr abends waren auf dem Haupttelegraphenamt in Petersburg die Leitungen freigemacht und einige Dutzend Apparate standen bereit, das Mobilmachungstelegramm auf den direften Leitungen bis in die fernsten Gegenden des gewaltigen Reiches hinauszusenden. General Dobrorolski war zu jener Stunde höchster welthistorischer Bedeutung persönlich auf dem Telegraphenamt, um die Absendung selbst zu überwachen. Aber zur Absendung dieses Telegramms kam es nicht. In letzter Minute kam die telephonische Anweisung von Januschkewitsch. die Telegramme anzuhalten. Bald danach überbrachte ein Generalstabs Hauptmann dem General Allerhöchsten Befehl, statt der nunmehr aufgehobenen Gesamtmobilmachuag die Teilmobilmachung anzuvrdnen.
Das Telegramm für die Teilmobilmachung ging daraufhin gegen Mitternacht 29./30. Juli nad> Kasan. Moskau, Kiew und Odessa hinaus, kein Wunder also, daß der Mobilmachungsbefehl, ganz korrekt gedacht, verspätet bei den Truppen einging, für die der 30. Juli schon der erste Mobilmachungstag fein sollte, die mithin einige Stunden für ihre Mobilmachungsarbeiten verloren.
Der Kaiserliche Ukas an den Senat vom 29. Juli ist in seinem Wortlaut bekannt. Bezeichnend für die technischen Schwierigkeiten für eine Trennung vpn Mobilmachung und Teilmobilmachung ist die Tatsache, daß mit der Mobilmachung der Bezirke Kasan und Moskau auch die 5. Kav.-Div. und das 13. Armeekorps automatisch mobil wurden, beide für die deutsche Front bestimmt.
Bestürzt über die neue Wendung der Dinge begab sich General Dobrorolski am 29. abends vom Postamt zu Januschkewitsch und erfuhr von diesem, daß die Aufhebung der Gesamtmobilmachung auf die allereigenste Initiative deS Zaren zurückzufüh en fei; „die Militärs hätten von sich aus alles ge:an, damit eine allgemeine Mobilmachung zustande käme".
Rachdem Sasonow bereits am 28. Juli für die Auffassung der Militärs gewoimen, den Kriegstreibern aber durch den Eingriff des Zaren am 29. Juli abends das Konzept verdarben war. mußten logisch am 30. Juli morgenS erneut die Bemühungen Januschk.w tschs einsehen. Sasonow und den Zaren für die Gesamtmobilmachung zu gewinnen. Da die rem militärisch-mobil- macAngstechnischen Argumente schon ausgespielt waren, führte er nunmehr außenpolitische
•) General Sergei Dobrorolski: Die Mobilmachung der russischen Armee 1914. — Deutsche Berlagsgesellschaft für Politik und Geschichte, Berlin.
Was ist Kurzschluß?
Don Max Fischer.
(Rachdruck verboten.)
Das Wort „Kurzschluß" gehört zu den bekanntesten Worten (ich drücke mich vorsichtig aus und sage „Worten", nicht „Begriffen") aus dem Gebiete der Elektrotechnik, Es ist bei Baien ein schr beliebtes Wort, vielleicht, weil es im Gegen- 'etz zu anderen technischen Ausdrücken so schön deutsch ist Und doch: Was ist eigentlich Kurzschluß? Und wodurch ist er so gefährlich?
Bekanntlich flieht mir der elektrische Strom auf einem Draht zu und auf einem zweiten Draht )irm Elektrizitätswerk zurück, wenn ich ihn z. B. * durch eine Glühlampe fließen lasse. Die Stärke, I in der der Strom flieht, bestimmt nicht etwa das Elettrizitätswerk: Die bestimme ich! Wenn ich nämlich den Strom durch eine fünfzrgkerzige Glühlampe fliehen lasse, so ist die Stromstärke doppelt so gr-vh, wie wenn ich nur eine fünfunö- zvanzigkerzige einschalte. Mit jeder Glühlampe, !die ich mehr einschalte, vergrößere ich die ctrom- stärke in der Zuleitung zu meiner Wohnung, beim wenn ich dem Strom gestatte, durch mehrere Glühlampen zu fließen, wenn ich ihm mehrere Dege öffne, so verkleinere ich den elektrischen Diderstand: davon wird die Stromstärke größer. | Es ist genau wie -boim Wasser: Richt das Wasser- I oerk bestimmt n^‘ , n Wasserverbrauch: er hängt I nur davon ab, wie weit ich den Hahn aufdrehe - vier wieviel Hähne ich aufdreh^
Den bequemsten Weg gebe ich dem Strom nun, wenn ich gar feinen Widerstand zwischen die Zu- und Rückleitung des Stromes einschalte, indem ich die beiden Drähte, _ben vom Werk kommenden und den zu ihm zurückführenden, unmittelbar miteinander verbinde. Infolgedessen wächst nun die Stromstärke gewaltig an, und zwar so stark, daß selbst meine Zimmerleitungen trotz ihrer reichlichen Demellung nicht mehr dick genug sind, um diese ungeheure Stromstärke ohne erhebliche Erwärmung leiten zu Binnen. Sie werden also heiß. Io heiß, daß ihre Isolation verbrennt, und daß schließlich die brennbaren Gegenstände in ihrer Umgebung Feuer fangen.
Wird der Kurzschluh nicht aufrecht er Hal ten, sondern bringt man die beiden Leitungen nur einen Augenblick miteinander in Berührung, so reiht der Strom nicht ab, wenn man dis Drähte ein Stückchen auseinander nimmt, sondern er bildet sich einen Lichtbogen — wie zwischen den Kohlen einer Bogenlampe — und flieht über diesen Lichtbogen murrtet weiter. Run sind aber solche Lichtbogen, namentlich wenn sie zwischen zwei Metallen übergehen, ungemein heih, also ebenfalls für die benachbarten Gegenstände feuer- gefäM^t miJt s^che Kurzschlüsse nicht auswirken können - ihr Eintreten kann durch gute Anlage (Inflation) der Leitungen zwar etn- geschränkt, aber nie mit Sicherheit verhindert werden —, hat man die Sicherungen. Diese belieben meist aus einem dünnen, m reden Lertungs- draht eingefügten Drahtstückchen, das sich beim
Momente in daS Treffen, und zwar die DündniSpflicht gegen Frankreich. Mit feinen Dorstellungen scheint Januschkewitsch Erfolg gehabt zu haben. Degen 11 Uhr vormittags am 30. Jul» ersuchte er den Chef der Mobilmachungsabteilung telephonisch, sich berxit zu hallen, aut telephonischen Anruf gleich nach Mittag zum Bortrag zu ihm zu kommen und alle Dokumente für eine Gesamtmobilmachung im Entwurf vorzubereiten.
Etwa 1 Uh. mittags teilte Sasonow dem General Januschkewitsch — nicht dem Kriegs- minisler Suchomlinow — telephonisch mit, „daß der Zar es in Berbindung mit den letzten Rach- richten aus Berlin für richtig befunden habe, die Gesamtmobilmachung der ganzen Armee und Flotte auszusprechen".
Unmittelbar darauf wurde General D^bro» rolski zu Januschkewit ch gerufen und von d.esem entsprechend informiert.
Es war nunmehr nöt'g, einen ne en Ukas an den Senat für die ErgänzungSmrb lmachung und ein neucS Telegramm für die Mcbilm chung der gesamten Streitmacht zu Lande und zu Wasser mit der Bestimmung d S 31. Juli als 1 Mobil- machungStag abzusenden De Teilmobilmach ng wurde damit aufgehoben. Die von b:r Teilmobilmachung berührten Truppen und Gebiete hatten dadurch al.edings zwei „1. Mobilmachungstage", — em Schönh itsfehler, der un- bedenkl ch in Kauf genommen werden tmnte und weiter feinen Schaden st.fte.e Die Beilegung des 1. Mobilmachungstages vom 30. auf den 31. Juli bei Truppenteilen, die der Teilmobilmachung unterlegen hatten, läßt sich urkundlich in mehreren Fällen nachweism.
Erneut wurden die Unterschriften der drei Minister eingeholt, um 5 Uhr brachte General Dobrorolski das Telegramm auf das Telegraphenamt. um 6 Uhr waren alle Apparate zur Absendung bereit, und wenige Minuten nach 6 Uhr abendS fingen die Apparate an zu arbeiten.
Etwa um 7 Uhr waren von allen Orten, die durch direkte Leitungen mit Petersburg verbunden waren, die Rückmeldungen über richtigen Empfang des Mobilmachungstelegramms eingegangen.
Der Wortlaut deS telegraph schen Mobilmachungsbefehls ist uns urkundlich mohrfach erhalten geblieben. Gr ist überall der gleiche und mußte es auch bestimmungsgemäß s in, da er durch Muster 1 $u § 10 der „Borschr ft für die Einberufung der Reservisten" vorgeschrieben war.
ES ist somit nicht zu leugnen, daß nach dieser durchaus glaubwürdigen Darstellung Do- brorolSki beim Außenminister und General st absches vom 28. Juli ab der Entschluß zur Gesamtmobilmachung bestand, und wir können eS nunmehr als erwiesene historische Tatsache hinnehmen, daß durch die Unterschrift des Zaren — wir wissen nicht genau, wann in der Zeit vom 28. abends bis 29. morgens der Zar unterschrieben hat — bereits am 2 9. Juli vormittags die Gesamtmobilmachung als Regie- rungSakt vom Zaren vollzogen war, zu einer Zeit, wo weder an eine österreichische Gesamtmobilmachung noch an irgendwelche unbefugten und voreiligen Extrablätter des „Lokal- anzeigerS" zu denken war.
Mit dem vom Zaren imterschriebenen Befehl für die Gesamtmobilmachung in der Tasche hat dann Januschkewitsch — nicht Suchomlinow — am 29. Juli sogleich, noch ehe das offizielle Mobilmachungstelegvarnm btnau^gmg, telegraphisch die Armee daraus vorbereitet, daß der 30. Juli als erster Mobilmachungstag der Ge- samtmvbilmachung mit offiziellem Telegramm bc- karntgegeben werden würde,' eine Maßnahme, die zwar etwas gewagt, aber durchaus zweckmäßig, und zu der er befugt war. Auf diese Dorankündigung des offiziellen Mobil» machungstelegrammes, das ja allerdings nachher ausblicb, ist es wohl zurüchuführen, wenn einige Dienststellen, z. B. in Li bau, voreilig Mobil- machungSanvidnungen trafen, wenn der Kommandierende General drs II. Armeekorps in Grodno bereits am 30. Juli einen Befehl für die Gesamtmobilmachung erließ, wenn ferner in Kiew und Moskau die Stäbe verwirrt wurden und, als dort statt der angekündigten Gcsamtmvbilmachung am 30. Juli nur die Teilmobilmachung und einen Tag später doch die Gesamtmobilmachung erfolgte, zwischen Teil- und Ge'amtmvbilmachung begrifflich nicht scharf unterschieden — was übrigens für diese Bezirke praktisch völlig belanglos war —, und die Daten ändern mußten oder auch zu ändern vergaßen.
Wir können uns vorstellen, mit welcher Spannung man in Warschau und Wilna am 30. Juli nach der noch unverbindlichen Dor- ankündigung der Gesamtmobilmachung für den 30. Juli nunmehr auf das offizielle entscheidende Telegramm mit der MobilmachungSerklärung wartete. Kein Wunder, daß der Befehlshaber
Anwachsen der Stromstärke über daS zulässige Maß hinaus, also bei einem Kurzschluh, so stark erwärmt, daß es durchschmilzt, und dadurch die Leitung unterbricht, die Kurzschluhstelle somit ab- schaltet. Die Wirkung des Kurzschlusses wird also aus das kleine Drähtchen beschränft, das so ungeordnet ist, daß eS nichts anzünden tann; gewöhnlich ist es im Porzellankopf eines Sicherungs» stöpfels untergebracht. ScAnilzt es, so kann es dort keinerlei Schaden anrichten. Die Wirkung des Kurzschlusses hört aber natürlich infolge der Unterbrechung sofort auf.
Run ist es freilich störend, wenn eine Sicherung durchgeht. Es kommt daher häufig vor, daß die Sicherungen mit Stecknadeln oder Drahtstückchen überbrückt und so unwirksam gemacht werden. Wer das tut, begeht eine unverzeihliche Unvorsichtigkeit und lädt unter Um- flänben eine schwere Schuld auf sich: denn wenn es nun zu einem Kurzschluß kommt, so wird dieser nicht sofort durch die durchgehende Sicherung unschädlich gemacht, sondern wirkt sich mit allen seinen Folgen aus, die nicht selten im Rieder brennen be£ Hauses oder in ähnlichen schweren Schäden bestehen. Für diese Schäden kann der haftbar gemacht werden, der die Sicherungen außer Wirkung gesetzt hat.
Der Kurzschluß ist, solange die Sicherungen in Ordnung sind, etwas durchaus Harmloses. Aber eben nur, solange die Sicherungen in Ordnung sind. Das sollte sich jedermann hinter die Ohren schreiben, der eine elektrische Anlage be= nicht, um sich vor Schaden zu bewahren!
Samstag, (5. November 1924
deS Militärbezirks Warschau am 80. Juli nach Petersburg die Rückfrage stellte, ob und we4chk Aerderungen denn in der politischen Lage ein- getreten seien. Eine Antwort auf diese Frage ist uns nicht bekannt: wahrscheinlich ist auch keine mehr auS PrtrrSburg gegeben worden, da wenige Stunden fpätei da- offiziell« Telegramm mit der QMnrnrrnobtlmachung6erflärung für den 31. Juli folgte.
Rach dieser Darstellung der Ereignille ist der Befehl für die Desamtmrbilmackmng am 30. Juli von Sasonow telephonifch über Ja nuschle witsch an den Chef der MobilmachungSabicl- lung gelangt. Dom Krieg-Minister ist nicht die Rede. Cin schriftlicher Befehl deS Zaren konnte demnach auch al- Beleg nicht ovrgezeigt werden, als General Dobrorolski die llnierfchnft der drei Minister einholte. Diese gaben vielmehr nur auf Treu und Glauben ibie Unterschrift unter diese- Dokument, da- „den Prolog des großen hiswrischen Drama-" einleitete. — „Das gut geschmiedete, mächtige russische Schwert war bereit- gezogen al- das deutsche noch In der Scheide steckte."
Wirtschaft.
Börse und Geldmarkt.
Die nicht nur von der Börse, sondern von der gesamten Wirtschaft lange berbetg fetxntc Ermäßigung derDörsenumfatzsteue ha In dec vergangenen Woche der Börle einige Anregung gegeben, obwohl Ile erst am 1Z. Rovern er In Kraft tritt und somit die jetzigen Umläijc noch nicht davon profitieren. Wen \ auch die Interessierten Kreise durch das Ausmaß der Er- maß'gung noch keineswegs befftedift worden sind, die demnächstigc Höhe vom Zentralverband de < Banki?rgewerbes in einem Sch ib n an ic< Reichsfinanzminister sogar noch als eine Unfl> heucrlichkeit bezeichnet wird, so muß doch sest- gefteilt werden, daß sie eine wesentlich: Erllich terung bringt, und eS Ist anzun.'hmen. daß die Hoffnungen auf eine Bel.bung des Büs« ge chä - tes und auf eine Heoaiziehung weiterer K elfe nicht ganz unberechtigt sind. Unter bei neu n Sätzen wird es auch möglich sein, einen Apparat wieder aufzuziehen, besten Fehlen außerordentlich störend gewirkt hat, das ist die Arbitrag-. Es muß sich allerdings erst tn der Praxis Herausstellen, ob eine umfang.eiche Arbitrage Ihr. Au - gäbe, kurSvUisgleichend zu wirken. un:cr te i n ,ic i cäten erfüllen tarai. Sicher ist, daß diese das Termingeschäft, auf dellen Wiedeve usüh u g e er- gische Bestrebungen zielen, noch nicht zulassen. Die Frage einer w ttcren Ermäßigu g ter Börsenumsatzsteuer muß dah.r in Fluß Llerncn.
Die Bew gung Zer letzten Woche am Aktienmarkt wurde im wesentlichen von den Großbanken getragen, wobei wohl der Hauptbewet- grunb war einem zunehmenden JMeresle des großen Publikums den Boden zu berei.en. Inwieweit diese Bestrebungen von Erfolg sein wer, den, müssen die nächsten Wochen zeigen. Jedenfalls wird man gut tun, die Hoftim.gen ti dieser Beziehung nicht zu weit zu spannen. Wenn einmal die augenblicklich in Fluß befindlichen Um stellungen durchgeführt sind, wird die KurSgr- ftaltung sich wieder im we entlichen nach der Er- tragssähigkeit der Gesell^chaf:en richten, und wie gering in dieser Beziehung die Aus ich en wenigstens für die nächste Zeit sind, beöari keiner weiteren Ausführung. Richtig ist ja, daß ftcherlich
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Jeöe Höfling eMW! einen merfnoden Wdjein. Betlongen Sie Ditte Btdmleo- ötofDelt.
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Die Entdeckung eines Vermeer.
Jan Dermeer, der Delfter Bermeer zum Unterschied von seinen RamenSvettern genannt, ist bekanntlich heute neben Rembrandt der ge^ suchteste und am höchsten bezahlte holländische Meister, und da sein Werk nur eine sehr beschrankte Zahl von authentischen Arbeiten auf- weist, so ist jeder Zuwachs für Kunstgeschichte und Kunsthandel ein Aussehen erregendes Er- eigniS. Wie englische Blätter melden soll nun em Bristoler Sammler E. W. Savory das seltene Glück gehabt haben, einen echten Dermeer zu entdecken. Er kaufte vor einigen Jahren ein holländische MännerblldniS das stark übermalt war auf einer Londoner Versteigerung. Rachdem die braune Schicht, die die eigentlichen Farben verdeckte. entfernt worden war, kam das Monogramm von Dermeer zutage DaS Bild hat fefyr viel Aehnlichkeit mit dem Damenbildnis Vermeers in der ^Budapester Galerie. Der hervorragende Kenner der holländischen Malerei Hofstede de Groot hat freilich Dermeer die Urheberschaft aberkannt und daS Bild für eine Arbeit des 21 b rian Da n de Beide erMärt. Der Besitzer aber hat jetzt einen sehr seltenen Holzschnitt aufgefunden, der eine getreue Wiedergabe des BckdeS ist und den Ramen Vermeers trägt. Da der Holzschnitt aus dem 18. Jahr» fnrnbert stammt, in dem man die Bilder Vermeers so gering schätzte, daß sie zum großen Teil unter fremden Ramen gingen, so ist eine Fälschung des Holzschnitts ausgeschlossen.


