Stettag, 15. August 1924
Gktzeu« Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)
Swettes Blatt
Gröhe Steuerdebatte im Stadtparlament
Ein Zwischenfall und zwei Ordnungsrufe
Lebhafte Redeschlacht
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unb (Sebäutefteuer dankbar sein. Nur die Sonder- gebäutefteuer sei hier so hoch wie in Darmstadt. •Ser Redner erklärt, nach seinem Dafürhalten sei es uiiteg rundet, bei diesen Steuerlasten hier Preise zu verlangen, die höher seien als in Darmstadt.
Stadtv. Mayer (Dem.» erwidert dem Vorredner, wenn man in Darnfttadt Fehler mache, brauche man sie hier doch nicht auch zu begehen. Die bisherigen Steuersätze seien einstimmig, auch vom Stadtv. Mann, angenommen werden Viele Gewerbetreibende hätten zur Bezahlung dieser Steuern Geld bei den Banken geliehen und es bis heute noch nicht zurückzahlen können. Dem Gewerbe müsse jetzt eine Schonung zuteil werden, wenn man es nicht erdrosseln wolle.
Stadtv. Prof. Dr. K ra u s in ü l ler (D. Vp.) erklärt, er stehe sämtlichen Statistiken des Städtv. Mann sehr skeptisch gegenüber. Friedb:rz habe M. in seiner Aufstellung weggelassen, denn dort seien die Sähe niedriger. Wo die „Bauhütte' billiger war, sage Stadtv. Mann auch, toenn sie aber teurer war als ein anderer, dann schweige er 3m übrigen unterstrich auch dieser Redner, daß man das Gewerbe jetzt schonen müsse.
Stadtv. Haupt (Komm.) polemisiert gegen die Sozialdemokraten, denen er u. a. zuruft: „Ihr seid uns sehr alte Bekannte, Ihr habt früher anders gesprochen, als heute." (Heiterkeit rechts.) (Zuruf des Stadtv. Moosdorf (Soz.): „Hast Du wieder einen neuen Befehl von Moskau? Heiterkeit.) Haupt: „Ich bin kein Schmarotzer. Moskau hat in Deutschland nichts zu sagen. (Zuruf von Moosdorf zu Haupt. „Du, das sag' nicht überall, das könnte Dir schlecht bekommen." Heiterkeit.) . ,
Stadtv Am 8;er chtßdirektor Schmahl (Fr. Vergg.) erklärt namens seiner Fraktion, sie werde für -den Antrag des Finanzausschusses stimmen. Dah man hier niedrigere Steuersätze erhebe, sei auf die sparsamere Wirtschaft der Stadt zurück- zuführen. Die gleiche Höhe in der Sondergebaude- steiler sei da ran f zurückz-uführen, dah man hier, einer Forderung des Stadtv. Man n cntsprechend, die Hälfte des Ertrages verbauen wollte, und deshalb auch höher, als ursprünglich beabsichtigt,
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Gewerbesteuer.
Die S tadt Verwaltung beantragt: „Die Stadt Gießen erhebt von den zu monatlichen Vorauszahlungen Verpflichteten als städtische Gewerbesteuer jeweils bis zum 10. der Qllonate August und September 1924 (Schonfrist 1 Woche) den gleichen Betrag, der zu diesen Terminen als staatliche Gewerbesteuer zu entrichten ist. Demgegenüber beantragt der Finanz au s - schu h, als städtische Gewerbesteuer nur 7 0 P r v- zent derjenigen Beträge zu erheben, die an den Staat zu zaihlen sind. ,
Stadtv. Mann erklärt namens der Sozialdemokraten, gegenüber dem Antrag der Stadtverwaltung würden sie Stimmenthaltung üben, sie würden aber gegen den Antrag des Finanzausschusses stimmen.
Stadw. Horn (D. Dp.) hebt hervor, im Finanzausschuh habe man dem 2tn±rag der Verwaltung nicht zwsttmmen formen. Die Steuerlast fei nachgerade unerträglich geworden besonders in der jetzigen geschäftsftillen Zeit. Harchel, Gewerbe und Industrie litten austerordentlich schwer. Deshalb schlage der Finanzaus schuh für die beiden Monate August und September 70 Proz«tt der staatlichen Steuerbeträge vor. Wenn im Oktober bie von der Verwaltung geforderte Liebersicht über die Steuereingänge vorliege und es sich dann zeige, dah die Verwaltung nicht auskommen könne müsse neu Stellung genommen werden. Für diese beiden Monate solle man dem Gewerbe eine gewisse Erleichterung gewAren.
Stadtv. Mann (Soz.) sagt unt«? Hinweis auf eine von ihm angefertigte unb bem Hause übergebene Steuervergleichstabelle, die Gewerbesteuer habe in (Sieben nut die halbe Hohe der Darmstädter Gewerbesteuer und gleichzeitig sei die Teuerungsziffer in Stehen w^enilrch hoher als in Darmstadt. Ebenso sei auch dre Grund- und Gebäudesteuer und die Steuer vom landwirtschaftlich genutzten Gelände in (Sieben geringer aV in Darmstadt. Die Hausbesitzer wurden tem Stadtv Haupt für die Ablehnung der Grund-
uszügen von Blumen« ) »Iburg.
Sonntag, 17- N • Montag u. Diens- 10-1 Uhr. 6317c
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Vortrag:
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poeuhischen Landen zu erwerben, und liest ftch TZ70 in Bochum nieder. Das kleine Landstadtchen .Böckum mit feinen 1400 Einwohnern, bad Oon nun an der Schauplatz seines Ledeas wurde, bot
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dem klug beobachtenden mrd scharf^ satirisch v^- anlagteu Manne gute Gelegenheit, menschliche Schvxichhetten und Schrullen kennenzulernen, und die Schärfe seines Witzes brachte ihm manche älnannehmlichkeiten, die er abn? burch fernen sieghaften Humor überwandt. Eme Frucht solch köstlichen Lachens wurde sein berühmtes konn- sch-es^Epos, dem sich dann noch einige wenigs andere Satiren von geringerer Bedeutung an- sc^ossen.
Kortüm hat außerdem eine ausgebrertete schriftstellerische Tätigkeit entfaltet und uberTheo- lvgie Jurisprudenz, Raturheil künde, Geschichts- und Altertumsforschung, Technologie Oekonomis, Gastronomie und in erster Lime über Medizin geschrieben. Auster zahlreichenAufsatzen, rn den«r CT für die Aufklärung d^ Publikums viel tat erschienen in den 40 Jahren von 1769 bis 1809 zahlreiche Abhandlungen. 1809 gab er eine „Zeit- und Literaturgeschichte der AtMeikanst von ihren ilrfprüngen bis zum heraus die 733 Seiten umfasst und 3700 mÄnzi- X 'Werte behandelt. „Es mutet uns heute saft tote ein Rätsel an,“ sagt der Verfasser. ,, too dieser vielbeschäftigte Praktiker mA die Zett für dergleichen Studien Reichte dxy
seine Praxis von Dortmund rm Osten bis Karnap tm Westen, von Witten im ©üben bis Lünen im Borden, tote uns ein eb^stttls rn der Essener Stadtbibirothek erhaltenes W:uchstuck eines Krankentagebuches von ihm angibt. L^u litt er fett seiner Kindheit an exner Cungent^ kubose, so dah er öfter längere Zett Aussehen mußte." Kortüm war in mam^n Dingen den landläusigen Anschauungen der damaligen Medizin weit voraus. 1779 äußerte er rn seiner
Anweisung, wie man sich vor
Krankheiten bewahren könne, schon seht fortgeschrittene Ansichten. Er forderte u. a.: strenge Säuberte« des Kranken,
Zimmer, besondere Vorsicht mtt den Mallstoffen, Alkohol in mäßigen Mengen und fru^hge ärztliche Behandlung. Warm trat er im Gegen-
nicht übersehen, dah es sich hier um eine sehr mißliche Sonderst euer handelt. Zwar hat die Stellungnahme der bürgerlichen Parteien dem allzu groben Eiltempo der Grafen eine Bremse angelegt, fo dast zunächst noch einmal gewisse Ernnahmen fliesten werden. Aber 110000 Mk. Steuerausfall sind heutzutage nicht so mir nichts dir nichts aus einem anderen Aermel zu schütteln. Wo bleibt denn da überhaupt die Grundlage einer festen Haushaltsführung, wenn man sich von gelegentlichen Stimmungen - die hierbei zweifellos eine sehr grobe Rolle spielten zu so toeittragenten Beschlüssen hin führen lästt? Auf diesen Betrag kann der Etat sicherlich nicht verzichten, und was da nun als Ersah ausgeknobelt werden kann, dürfte einstweilen wohl rcoch allen schleierhaft fein. Der Ausfall ist auf eine Initiative der Sozialdemokratie beschlossen worden, man darf nun wohl auch mit Recht erwarten, dah sie einen brauchbaren und tragbaren Ersah für den Em- uahmeausfall Vorschlägen wird. Der Finanzausschuh wird diese Klärung umgehend herbeiführen müssen und er wird dabei vor allem zu prüfen haben, ob der Antrag technisch überhaupt durchführbar ist. Auf das Ergebnis dieser Beratungen dürfte die Bürgerschaft sehr gespannt sein.
Sitzungsbericht.
Anwesend Oberbürgermeister Keller, Bürgermeister K r e n z i e n , Beigeordneter Kommerzienrat Klingspor und 38 Abgeordnete. Zunächst stehen Steuervorlagen zur Beratung.
Grund- und Gebäude st euer.
obwohl sie ftcuertrci fei. In Darmstadt werde die Bauhütte schon besteuert.
Stadw. Haupt (Komm.) erklärt, er stelle fest, dast Mann Direktor der Bauhütte sei. (Zuruf von Mann: „Unwahrheit".) Haupt fortsah- rend: „Ich könnte noch mehr auf decken, bei passender Gelegenheit werde ich das tun.“ Der Redner polemisiert sodann weiter scharf gegen die Sozialdemokratie, wobei es zu einem
sehr erregten Zwischenfall kommt, als Ha u p 1 der sozialdemokrattschen Fraktion mit erregter Stimme zu ruft: »3hr laßt Eure eigenen Klassengenossen untergehen, Ihr Vagabunden." Stürmische Gegenäu Herungen sind das Echo auf svzialdemoftatischer Seite. Stadtv. Beckmann (Soz.) ruft Haupt sehr erregt zu: „Halunke, Lump, Halunke, frecher Halunke.“ Eine sozial- demokrattsche Stadtverordnete ruft: „schmeisst ihn rauS" Als die Wogen der Erregung sich etwas gelegt haben, erklärt Stadtv. Detters (Soz.): „Etwas derarttges wie jetzt eben ist in unserer Stadtverordneten-Dersammlung noch nie vorgekommen. Hier ist der Anstand bisher immer gewahrt worden. Eine solche Beschimpfung von Haupt beleidigt uns nicht." Zur Sache erklärt ter Redner, toeiten Bevölkerungskreisen gehe es noch schlechter als manchen Gewerbetreibenden.
Oberbürgermeister Keller erteilt dem Stadtv. Haupt einen Ordnungsruf.
Stadw. Movsdvrf (Soz.) betont, er wolle vor der Oefsentlichkeit feflftellen, dah die Vertreter der Sozialdemokratie in diesem Hause ihr ganzes Geben lang nichts weiter getan hätten, als der Allgemeinheit zu dienen und zu helfen Deshalb könne sie ein solcher Vorwurf, wie eben von Haupt, nach keiner Richwng hin treffen. Die Kommunisten mühten eben überall Krach schlagen. Der Bewohnerschaft der Stadt Gießen sei durch die Bauhütte viel Geld erspart worden. Mann sei weder Geschäftsführer noch sonst eltoa^ er selbst sei Vorsitzender des Auflichtsrates der Bauhütte. Im übrigen meint der Redner, der Antrag des Finanzausschusses sei nicht stichhaltig genug
besteuern muhte. . ■
Stadtv. Mann (Soz.) betont, er habe in seiner Aufstellung Städte von gleicher Bedeutung verglichen.
Stadtv. Löber (Dtsch. Dp.) unterstreicht die Berechtigung der Klagen über bie schwere Wirtschaftliche Bedrängnis des Gewerbes aus eigener genauer Kenntnis der Dinge heraus. Die sozialdemokratische Fraftion habe dafür noch kein Verständnis gezeigt. Aus der andern Seite sei aber die „Bauhütte" unterstützt worden. 1923 sei für die Bauhütte eine Eingabe an das Landesfinanzamt gerichtet worden, worin man gesagt habe, sie sei ein gemeinnütziges Institut und arbeite nur für Minderbemittelte: in dieser Eingabe habe man für die „Bauhütte“ Steuerfreiheit verlangt. Jrn Hinblick auf die Eingabe habe das Reichsfinanzamt di e Ba uhü t t e vv n s am t- lidjen Steuern befreit (Lebhaftes HortI Hört! auf den meisten Bänken.) Dabei habe die .Bauhütte" den Rahmen ihres Programms t^r- lassen. Wo sei da das soziale Empfinden der Sozialdemokratie? Wenn diese dem Gewerbe Steuern über Steuern aufhalsen wolle, dann müsse auch die „Bauhütte" Steuern zahlen, und zwar von selber. (Lebhaftes Sehr richtig!) Stadw. Mann rühme, dah die „Bauhütte billiger fei, als die Gewerbetreibenden. Bei der letzt be- ftinnten Sachlage gehöre viel dazu so rtwas auszusprechen. Dem Handwerk falle es sehr schwer, jetzt durchzukommen, und deshalb müfle es geschont "werden. ,, f _.
Stadw. Mann (Soz.): „Verwechseln Sie mich nicht mit der Bauhütte." (Oho-Rufe. Zuruf: Geschäftsführer der Bauhütte." Gegenruf von Mann: „Unwahrheit") Als Beweis für die Gemeinnützigkeit der „Bauhütte" weist der Redner auf die Verzinsungsbeschränkung des Einlagekapitals auf 5 Prozent hin.
Stadtv. Horn (D.Vpi.) hebt ebenfalls her- wor die Bauhütte sei aus ihrem Rahmen heraus- getreten, denn sie beteilige sich an Privatbauten, satz zu vielen anderen Aerzten der Zeit für die Pockenimpfung ein und verfocht 1804 sehr entschieden die Leichenverbrennung im Krematorium. Eine besondere Ehrung wurde ihm 1793 durch die Ernennung zum Kgl. Bergarzt nördlich oer Ruhr zuteil wodurch er einer der ersten Vertrauensärzte ' der Knappschaft wurde. 1816 erhielt er bei seinem 50jährigen Doktorjubiläum denDitel eines Kgl. preußischen Hofrates.
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Als der Kandidat Jobs zur Welt tarn.
Als der Kandidat Jobs das Licht der Welt erblickte, wurde er wenig beachtet, und Die Kritiker zuckten geringschätzig die Achseln über Die tollen Knittelreime, die hier ihr LInwesen trieben. Die „Jobsjade“ machte ihr Gluck unter bem gewöhnlichen Volk, ähnlich wie der Münchhausen", wurde viel übersetzt und auch spater noch hier und da von geruhsamen Feinschmeckern der Dichtung ausgekostet. Die Literaturgeschichte jedoch hat diese burleske Komik lange verachtet ober zum mindesten nicht beachtet. Es war erst notig, dah ein großer Rachfahr diese von Kortüm angeschlagene Saite in vollen Akkorden wetter- klingen lieh und in den Höhen des Huinorszur vollen Entfaltung brachte. Es toar Milhelm Dusch, in dem die niedersächsische Begabung des Bochumer Arztes eine fröhliche und reiche Auf- CTstchung erlebte. Don Buschs Kunst aus haben wir zur Jobsjade eine neue Stellung gewonnen und erst ihre ganze Bedeutung in unserer komischen Literatur erkannt. Der Meister selbst hat tem Dovganger in den »Vipern zur ^jabe gehuldigt, die mit virtuoser Leichtigkeit dieselben , Motive umschreiben. In dem Widmungsgedicht ‘ grüßt er herzlich den Ahnet:
Hier sitz ich auf dem Meilenstein lind schaue froh verwundert, Wie du auf deinem Rötzlein fein, Hertrabst durch das Jahrhundert." i Dankbar empfängt er dir Datzm po-fifchrnGel- die ihm Kvrttrm in seinen „Deckel wirft.
Tie Stadtverwaltung beantragt: „Sur Monate August 1924 und folgende to?rde;i die gleichen Steuersätze erhoben, wie sie rach den Beschlüssen der Stadtverordnetenversammlung vom 20 Juni und 8. Juli 1924 festgesetzt worden sind.“ Stadtv. Haupt erklärt namens der Kvmmum- sten' Wir lehnen die Grund- und Gebäudesieuer grundsätzlich ab, weil aus dem Arbeiter nichts mehr hrrauszuholen ist." Der (Steuerantrag wird hierauf gegen die Stimmen der drei Kommunisten
SonntK «gerii^
Gießen, 14. August 1924. I
Gn Großkampftag im Stadtparlament, bei dem — natürlich bildlich gespto- chen — nicht nur mit Kleinkaliber, sondern auch mtt schwerem Geschütz und einmal mit ganz groben Htinwomben gefochten wurde, das war ein sehr wenig friedlicher Rachklang, den das Haus aus feinen erst vor wenigen Tagen zu Ende gegangenen Fersen fjeitte mitbrachte. Schon der Auftakt zu dieser Sitzung — die in ihrem beschämenden Teil hoffentlich ganz vereinzelt bleiben wird! — war denkwürdig. Der Sihungsbeginn war auf 6 fthr nachmittags anberaumt, aber der Finanz- «ruSschuh, der schon von 5 tlhr an tagte, wurde erst gegen 61/» fertig. Damit war jedoch die Lage nicht geklärt. Es folgten nun erst noch Fraktionssitzungen, dann eine Besprechung der Fraktionsführer mit den Vertretern der Stadtverwaltung und endlich um 7 tthr, mit einstündiger Verspätung. konnte die Sitzung, deren Verlauf ohne QJorbUb in der Geschichte unseres Stadtparla- ments ist, eröffnet werden. Der Kamps drehte sich tmt bie neuen Sätze der städtischen Gewerbe st euer und um einen sozialdemokratischen DringlichkeitSantrag über den Abbau der ftädt ische n Sonder st euer vom bebauten Grundbesitz.
Ebenso hartnäckig wie im Finanzausschuß — »an kann die lange Dauer seiner Sitzung und die svlgenden Fraktivnssitzungen als Beweis hierfür ansehen — wurde alsbald im Plenum der Kampf «m die Gewerbesteuer, und beinahe ebenso heih ging es um die Sondersteuer her. Bon bürger- I sicher Seite wurde bei dem Kamps um die Gewerbesteuer nicht etwa mit allgemeinen Redensarten operiert — wie ein sozialistischer Redner sich ausdrückte — sondern man ging von Tatsachen aus, die in ihrer drückenden Schwere und Traurigkeit ganz offenkundig zutage liegen — wenn man sie nur sehen will! Es taxm tm Ernst von niemand bestritten werden, dah es unserem Gewerbe heut
zutage vielfach bitter schlecht ergeht: einzelne Ausnahmen gelten hier ebensowenig wie die frühe Schwalbe bie auch noch nicht den Sommer macht. Mit Recht wies ein Redner auf die unheimlich bestiegene Zahl der Konkurse Geschäftsaufsichten und die Wechselproteste hin. Äatürlich und leider gibt es auch in den anderen Volksschichten sehr viel Gfend. Dos wurde von der bürgerlichen Seite über teinen Augenblick bestritten, und darum wirkten die sehr einseitigen Aeuherungen des fraglichen Redners der Linken doppelt eigen- artig. Jedenfalls hätte der Redner, ter .sich n» a als Vorsitzender des Aufsichtsrats eines DammtemehmenS vorsteüte, gut daran getan, feine Frontstellung gegen die bürgerliche Seite mtt etwas mehr Vorsicht zu wählen. Oter hat fein Bouunternehmen — um nur ein Beispiel anzufuhren — eine solche Kapitalfülle, dah es «ich sein Auflichtsvatsvorsitzender noch nichts von der allgemeinen Kapitalnvt mit all wren be-
ftanb brachte weiter einen sehr beschämenden! Zwischenfall, für den eine besonders starte Ma»- foflgtett des Kommunisten Haupt veranttwrt- »ch ist Zwar war er durch mehrere Zwischenrufe von der sozialistischen Seite gereizt worden, aber diese allgemein üblichen parlamentarischen Pläickeketen Vinnen seinen hahnebüchenen Hiev vicht in milderem Lichte erscheinen lassen. Dah fein feindlicher Bruder von der anderen Sette b, an sich begreiflicher Erregung in denselben Fehler verfiel, ist natürlich, m gleichem Maye | Lenttchuldbar. Derartige Ausschreittu^en verurteilt mit uns das gesunde politische Anstands- «fühl ter gesamten Bürgerschaft, und es wird ebenfalls mtt an« dem Oberbürgermeister zu- flinnnen, wenn er künftighin hier die Zugel etwas straffer führen wird.
Die Beratung des zweiten Hauptpunktes, ter Von der st euer, ergab einen Beschluß, ten man unter dem Gesichtswinkel der steuerlichen Gevech- . ttafett wohl verstehen kann, den wir aber tm Stgen Augenblick in Anbetracht der Ziffern auf betten Seiten, die die finanzielle Auswirkung ter betten Beschlüsse des Abends darsteNen, als sehr betentlid) bezeichnen müssen, obwohl toir^dabet^
Der Dichter der „Zobfiade".
Zu Kortüms 100. Geburtstag, 15. August.
Der Schöpfer des Kandidaten Jobs, teffen 100 Todestag am 15. August als Er-
traterungäfeier begangen wird, hat dies prac^tge Werk echt deutschen Humors nur fv nebenbei geschaffen, in knappen Stunden der Mtche wahrend ehU an Arbeit überreichen Letens ^w^^ fein Titel lautete, „ter Arzneigelahrtheit Dortor ES Arzt in Bochum", hatte eine gebreitete Praxis durch mehr als ein halbes Versehen und zahlreiche Schriften aus ben ^r- fetoetenften Wissensgebieten verschafft, fo dah ter K^erflche Ertrag f«ttes L^^wettausder spar- lichste in seiner schriftstellerischen Lebem^^ett ift -Ällich alles andere ist vergeflen, wahrend des £tenmt)mu3 Jobs ergötzliche JJbenteuer und Htertche noch lebendig und urwüchsig ersten Tag. Immerhin ist seine ärztliche --atigkett ftr die Charakteri sftk des eigenartigen Mannes vcm Wichttgkett, und es ist daher mtt Dank zu bearühen, das Doktor F. Wagner dem Arzt & in ter „Deuflchen M^zintschen Mochern- schrift" eine eingehendere Betrachtung wtdmetz Kart Arnold Kortüm, ter am 5. Juni l^^^a^ AvothekerSsohn in Mühlheim-Broich geboren toEte tarn mit 18 Jahren auf die danmltge Hm- versttüt Duisburg, too er M^izm sind aus jener Zeit zwei rn latmuischer Sprache Ehrte stattliche Kol leg bände auf der Es- ^^Stadtbiblivthek erhalten, bie Kvrtuin nach Dorträgen seines Lehrers Leidenftost nut gEm Fleth angefertigt hat. Er toar also — ganz anders Wtesein Held — ein sehr strebsamer Swd«tt, ber tm Examen vortrefflich seinen Mam stand. Als fertiger Arzt praktizierte er zunächst rn ferner ging aber dann schon 1766 nach Ber-
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begründet. ,,
Oberbürgermeister Keller erteilt nun auch dem Stadtv. Beckmann wegen seiner Rufe einen Ordnungsruf und gibt zugleich seinem Bedauern über diesen Zwischenfall Ausdruck, ter ihn zwang zum erstenmal feit langen Jahren Ordnungsrufe zu erteilen. Er erklärt weiter, er werte künftig die Geschäftsordnung strenger handhaben.
Stadtv. Seng (Komm.) weist ten Vorwurf, die Kommunisten mühten auf Befehl hier Krach machen, zurück.
Stadtv. Mayer (Dem.) weist zur Beleuchtung ter Rotlage des Gewerbes auf tee zahlreichen Konkurse, Geschäftsaufsichten undWvchfel- protestc bei ter Reichsten! hin. Getoih gebe es hier wie auch in allen anderen Ständen Ausnahmen, denen es gut gehe, aber ter größte Teil ter Gewerbetreibenden stehe denn doch in der Lage, dah hier die schweren Steuern einer Kvnfiskatton gleichLmen. Stadw. Horn (St Dp.) unterstreicht diese Worte.
Stadw. Prof. Dr. KrauSmüller (Dt. Dp.) rät dem Stadtv. Mann, z. D. ©eiter ter Bauhütte doch nicht über sein Postscheckkonto gehen zu lassen, toenn er mit ter Bauhütte so gar nichts zu tun habe. '
Rach toeiterer kurzer Ansprache kommt man zur
Abstimmung.
Der Anttag der Stadtverwaltung wird mit großer Mehrheit abgelehn t und dem Antrag des Finanzausschusses, dte stadt Gewerbesteuer für August und September aus je 70 Proz. ter staatlichen Gewerbesteuerbettage festzusetzen, gegen die Linke des Hauses äuge ft i m m t.
Man beschäftigt sich hieraus mit einem Dring- lichkeitsantrag ter Sozialdemokratie, ter einen Abbau der städtischen Sondersteuer vom bebauten Grundbesitz fordert. Rachtem das Haus dem Gewerbe eine Schonung gewährt habe, solle die städtische Son- tergebäutesteuer in ter gleichen Weise gegenüber ter staatlichen Sondersteuer dieser Art ermähigt werden, wie bie städtische (Setoetbefteuer gegen-
' sitzt so stramm ter Reiter,
Wie lustig wackelt ihm ter Zopf. Zack, zack, so geht es weiter."
Durch Busch und durch die vielen D^ehrer seiner Kunst, die in Kortüms Dichtung ähnliche Züge entdeckten, ist die Jobsjate zu em em klassischen Werk geworden, das viele Reuausgaben erlebte. Auch andere Dichter huldigten nun, fo Otto Julius Dierbaum. Kortüms Dichtung gehört in die große Reihe der Schöpfungen, in denen sich im „Jahrhuiwert der Vernuiflt die rativnalisftschen Geister gegen die tteberschweng- lichteiten ter Empfindsamkeitsperiode wendeten. Kortüm nahm ten Ton des Hinkelgesangs der in der burlesken Ballade auflebte, und verband ihn mit dem Inhalt des komischen Romans zu einer originalen niederdeutsch-derben Form, die ganz sein Eigentum ist. Die glückliche Parodie der
Moritaten", die geschickte Derwendung des grotesken Reims, die Busch von ihm gelernt, die scharfe Beobachtung ter Wirklichkeii. und die Fülle der satirischen Züge, die phantastisch übermütige Erfindung, die ebenso bei Busch auftaucht — all das trug dazu bei, ein Werk aus eiiufe Guh entstehen zu lassen. Die groben und unfertigen Bilder, die Kortüm hinzufügte, passen in ihrer dvastischen Persilflage gut dazu, wenngleich sie nichts mit jener Kunst ter Zeichnung zu tun haben, in der Buschs eigentliche Große liegt. So toirb denn Freund Jobs im Zotteltrapp »weiter, erfreuend und erheiternd, durch unsere trübe Welt ziehen, so tote es Bierbaum in ferner köstlichen Dorrede zu seiner Ausgabe prophezeit.
.Weil ihm nicht weniger als Hans Sachfen Ein eignen Schnabel zum Singen gewachsen. Weil er nicht fang, wie jedermann sung. Das brachte sein Lied so rasch m Schwur^. Ich behaupte getrost: Der Jobs ist nasstsch. Sei et bloß bochumsch oder parnassflch.
Was sich unmariniert so lange frisch erpait. Sei ob es auch klein, neben Großes gestellt.
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