Nr. M Zwettes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen)Dienstag, (5. Juli (92g
Vererbung und Raffenhqgiene.
Von ^rofeßor Dr. Huntemüller.
Schon vor dem Kriege hat die deutsche Go sellschaft für Russenhygiene ihre warnende Stimme erhoben und Sus die große Gefahr hingewiesen, hie der Zukunft des deutschen Volkes droht und die nur abgewendet werden kann, wenn es ohne Verzug und mit der größten Energie daran geht, seine innere und äußere Politik, sowie sein ganzes Leben im rassenhygienischen Sinne umzug.statt n. Denn infolge der zunehmenden Industrialisierung und der damit verbundenen Zusammenballung der Dolksmassen in den Industriezentren und Städten ist dec größere Teil unseres Volles von den natürlichen Lebensbedingungen losgelöst worden. Die materialistische Lebensauffas.u g. Gonorrhoe und Syphilis haben eine so weitgehende Beschränkung der Geburtenzahl h rbeigeführt, daß die städtischen Familien durchschnittlich in etwa drei Generationen dem Aussierlen verfallen. Die außerhäusliche Berufstätigkeit d r Frau und die späte Heirat der Männer in den höheren Verusen sind mit der Aufzucht einer größeren Zahl von Kindern unvereinbar und schließen so gerade die besten Erbanlagen von der Fortpflanzung aus. Der Geburtenausfall war daher schon vor dem Kriege katastrophal und wurde nur verdeckt durch leine steigende Abnahme dec Sterbefälle.
Der Krieg hat etwa 1,82 Millionen deutsche Männern, und zwar die Auslese des Volkes, dahingerafft, uns einen Geburtenausfall von etwa 3,6 Millionen gebracht und unseren Rachwuchs, die Zukunft unseres Volkes, durch Hungerblockade und Dalutaelend in seiner körperlichen und seelischen Widerstandskraft schwer geschädigt. Die Gefahr für den Fortbestand unseres Volkes ist daher bedenklich näher gerückt und auch weiteren Äieiicn offenbar geworden. Den Forderungen der Rapen- Hygiene wird daher jetzt steigendes Interesse entgegengebracht. Dem hat der Verlag von H. F. Lehmann, München Rechnung getragen und einen .Grundriß der menschlichen Erblich- keitslehreundRassenhygiene" herausgegeben, der von dem bekannten Vererbungsforscher Erwin Daur, dem Anthropologen Eugen Fischer und dem Rassenhygieniker Fritz Lentz bearbeitet ist.
Das Werk, das zuerst 1921 erschien, ist 1923 in zweiter, vermehrter und verbesserter Auslage herausgekommen (Preis 20 Mk). Der I. Band (geh. 9 Mk, geb. 11,50 Mk.) behandelt die menschliche Erblichkeitslehre und enthält 112 Tex abbil- dungen, 1 Karte und 8 Tafeln mit 48 Ra s.bil- dern. Band II (geh. 7 Mk., geb. 9 53 Mk.) umfaßt die menschliche Auslese und Rassenhyg ene.
Wenn wir diese Dinge verstehen wollen, so müssen wir uns zunächst etwas näher mit der Vererbungsfrage beschäftigen. Obwohl die m der e Vererbungslehre erst zu Veginn die.es Jahrhunderts neu erstanden ist, gestaltet sie uns doch einen sehr tiefen Einblick in dieses wich.ige Gebiet.
Die Grundlage der Vererbungslehre bildet das Mendelsche Gesetz, das der Augustinerpater Gregor Mendel um die Mitte des vorigen Jahrhunderts bei seinen Pflanzen-Tastardirrungsrer- Sn gefunden hat. Kreuzen wir eine r in we ß-
>nde Pflanze mit einer rein rotblühenden, so erhalten wir rosablühenöe Dastardpflanzen. Wenn wir nun diese Bastarde sich wieder unter- einander befruchten lassen, so erhalten wir eine (Nachkommenschaft, die aus dreierlei verschi d nen Individuen besteht; ein Teil wird weißblühend, ein Teil rosa und ein dritter rot ausfallen, und zwar im Verhältnis von 1:2:1, d. h. von 100 Pflanzen werden etwa 25 weiß, 50 rosa und 25 25 rot sein. Die auf diese Weise gewonnenen wei- ßen Pflanzen geben unter sich befruchtet wieder eine rein weiße Rachkommenschaft, die roten sind ebenfalls konstant, man nennt sie daher reinerbig (homozygot). Die rosablühenden Pflanzen verhalten sich aber genau wie der erste Bastard, d. h. sie spalten wieder auf in ein Viertel weiße, zwei Viertel rosa und ein Viertel rote Rachkommen, man nennt sie daher spalterbig (heterozygot). Die Klärung dieser Erscheinung gibt die zuerst von Mendel aufgestellte, heute zur Gewißheit gewordene Hhpotese, daß jeder derartige Bastard zweierlei Arten von Geschlechtszellen bildet, nämlich 50 Proz. väterliche und 50 Proz. mütterliche.
Bezeichnen wir, um die Verschiede ahnt zum Ausdruck zu bringen, die Geschlechtszellen der Weißen Rasse mit A, die der roten Rasse mit a, so erhalten wir bei dec Vereinigung zweier Geschlechtszellen der weißblühenden Pflanze AA, ter vockilühenden aa. Kreuzen wir nun eine weiße AA Pflanze mit einer roten aa, indem wir eine Weiße Pflanze mit dem Pollen der rotblühenden befruchten, so geschieht dies in dec Weise, daß sich eine weibliche Geschlechtszelle A mit einer männlichen a vereinigt; wir erhalten dann einen
Bastard mit der Bezeichnung Aa ober aA, der rosa blüht. Soweit ist an dem nichts besonderes, um so auffälliger ist, wie wir schon sahen, das Verhalten der Rachkommenschaft eines solchen Bastardes. Dies erklärt sich daraus, daß die beiden verschiedenen Arten — A u. a — von Geschlechtszellen sich in vier verschiedenen Weisen bereinigen können:
Aa -s- Aa kann beider Vereinigung 1. AA, 2. Aa, 3. aA und 4 aa geben. Wirerhalt n also etwa Vi AA oder w.ißblühende, 1/4 Aa und 1/4 a \ gleich 2/4 rosa blühende und 1/4 aa oder rotblühende Pflanzen.
Es ist möglich gewesen, auf Grund dec Theorie nun auch das Resultat von weiteren Versuchen vorherzusagen und sv die Theorie zu p ü- fen. Derartige klare Bastardierungs-Ergebnisse lassen sich aber nur mit reinen Rassen gewinnen; auch werden die Verhältnisse oft durch Zu am- menkoppelung mehrerer Eigenschaften in de: Erbanlage, auf die ich in dieser kurzen Zusammenstellung nicht näher eingehen kann, weit rerwidel- 1er, so daß die Vererbung von Rasenunterschieden beim Menschen nicht immer so klar und.durchsichtig ist wie bei den Pflanzenversuchen.
Wir haben es ja bei unseren Kulturtwlkern nicht mit einer reinrassigen Bevölkerung zu tun. Unter Volk versteht man nach Eug Fischer cir.e Gruppe von Menschen, die durch gemeinsame Kulturgüter vereinigt werden, deren wicht.gstes die Sprache ist, während Rassen Träger gleicher Erbanlage sind.
Trotzdem oder vielmehr gerade deswegen ist es von großer Wichtigkeit, die verschiedenen Rassen, aus denen sich ein Kulturvolk zusammenseht, ihre körperlichen und seelischen Eigenschaften, ihre Herkunft und ihre Verbreitung in der Bevölkerung uff. zu erforschen. Mit Recht wird daher neuerdings der Rassenfrage auch bä uns größere 2'uf- merksamk. it ge chenkt. Dies z igt sich wohl am beste 1 darin, daß die Rassenkunde des deutschen Volkes, mit einem Anhing. Rass.n- kunde des jüdischen Volkes von Hans F. K. Günther (Verlag I. F. Lehmann, Münch n, 5. Aufl. 1924, 514 Seiten, in Ganzleinen geb. 11 Mk., in Halbleder 14 Mk.), die zum ersten Male eine Gesamtdarstellung der ra sigei Verhältnisse innerhalb des deutschen Volkstums g.bt, in drei Jahren fünf Auflagen erlebte.
Rach Günther sind an der Bildung unserer heutigen Bevölkerung hauptsächlich vi r rer,chie- dene Rassen beteiligt, die nordische, we ische (n e- 'diterrane), ostische (alpine) und dinariuch. Ihre körperlichen Merkmale, ihre seelische 1 Cigensch f en und ihre Verteilung über das deutsche coprach- gebiet, ferner älmwettseinflüsse, Vererbungserscheinungen usw. werden näher gesch ldert
Das gut ausgestattete Tuch, das Li.se Ausführungen an 14 Karten und über 500 Rasseköpfen veranschaulicht, ist allgemeinverstä dl ch geschrieben und wird allen denen, die der Raswn- frage Interesse entgegenbringen, viel Auf.lä.u g und Anregung geben. Es wäre sehe zu w nschen, daß die Gefahr, die unserem Volkstum beon.es durch das Armwerden an nordischem Blute ..roßt, weiteren Kreisen zum Bewußtsein käme und besonders bei unserer gebildeten Jugend Wiee hall fände, die zu Führern des Volkes berufen ist.
Sie sollte sich auch mehr als bisher mit der wissenschaftlichen Vere bungsl hre b.schäf.i en, denn das Mendelsche Gesetz fmLet auch seine Betätigung durch die moderne mikrobiologische Forschung. Mit Hilfe des Mikwk.pes ist es nämlich möglich, die DefruchtungSvorgänge In dec Geschlechtszelle näher zu studieren.
Ebenso wie die Pflanzen entstehen auch die tierischen Organismen und der Mensch durch Vereinigung einer väterlichen und mütterlichen Geschlechtszelle. Ei und Samenzelle bestehen, wie alle anderen Körperzellen, aus Protoplasma und Kern. Im Kern treten zur Zeit der Befruchtung kleine, bandartige Gebilde auf, welche die von den Forschern zu ihrer besseren Sichtbarmachung benutzten Farbstoffe stark aufnehm n un> dah r den Ramen Chromosomen führen. Sie sind die Träger der Erbmasse.
Für jede Organismenart ist die Zahl der Chromosomen festliegend; sv hat z. D. der Mensch in seinen Zellkernen 24 Chromosomen, der Pferdespulwurm (Ascaris megalocephale), dessen Eier häufig zu Befruchtungsversuchen benutzt werden, nur zwei. Das reife Ei besitzt nur die Hälfte .der Kernfäden und bekommt bei der Befruchtung die andere Hälfte von der männlichen Eizelle, dem Spermatozoon, so daß die befruchtete Zelle zur Hälfte mütterliche, zur Hälfte väterliche Chromosomen und zugleich Erbmasse enthält. Die einzelnen Chromosomen haben häufig verschiedene Formen, so daß man die zusammengehörenden Chromosomen ganz gut erkennen kann. Die mehrzelligen Wesen entstehen aus dieser älrzelle durch
dem
Wilhelm von Scholz.
Zum 50. Geburtstag des Dichters (15. Juli 1924). Don Dr. Ernst Altendorff.
Auf nächtlichem Wege sieht Wilhelm von Scholz in einem seiner Gedichte sich selbst. In schwarzer Pracht umgibt ihn rings das schwere Schweigen des Waldes. Da fühlt er, wie das, was tn ihm kämpfte und litt, sich plötzlich, loslöst von ihm und mit dem Atem der Rächt ver- flattect. „älnd stiller meine Schritte hallten wie cänes fremden Freundes Tritt."
Gin ander Mal wandert der Dichter durch, trüben Herbsttag. Schattenlos im Grau geht er dahin. Da fühlt er den Weg, den er zieht, sich tn sein eigenes Leben verwandeln, tn t™ er groß ward.
Daß ich der Wandrer bin,
Kunst Deine lyrischen, epischen und dramatischen Schöpfungen tragen in gleicher W.ise das Zechen des Meisters. Daneben hat er aber auch in mancherlei anderem Schriftwerk Bedeut'am.'s ge- leistet. Im „Bodensee" hat ec die Schanhetten dieses F eckchens Erde geschildert, und in wertvollen Abhandlungen hat er den Ratfein des Menschenlebens und den Gesetzen der Dichtung nachgesonnen.
In seiner Lyrik ist Scholz voll von tiefen Gedanken und stark in verhaltener Selbstbeftn- nun« Das scheinbar Einfache wird vieldeutig. Jeder Weg führt in das schattenverdunkelte Gestrüpp unbekannter Gesine. Edel ist die Form dieser Gedichte, sie strebt zu klassischer Reinheit. Scholz fußt bewußt aus über!ie^ungsg^ müßet Versgebuna. Dies gilt für die rein lynche Sammlung „Dec Spie^l wie für die ins Epische hinüberspielenden „Balladen und Ko.ngs- marchen . Streben nach gezügelter Form beseelt den Dichter dort, wo er für die Buhne schufst. Eindrucksvoll hat er in seinen „Gedanken zum Drama" sich «toer Richtung tannt, die wir - wenn derartige Schulbegriffe auch immer grob bleiben — als.»^Efck bezeichnen dürfen. Scholz geht auf H^bel zurück, und dieser wieder führt zur Antike. Der Ratuoa lismus wollte die Wiedergabe der Wlrkllchkelt. Ihm gegenüber fordert Scholz, daß das Drama hohe Ideen verkörpere. Richt die zum letzten durchgeführte Seelenzersaserung.soll mehr gelten. Die „ausschweifende Psychologie hat abzutreten. Der Wille des Menschen, der sich an einer gegebenen Schicksalslage erprobt, ist wieder in fern Recht einzusetzen. Damit steigt die Tragödie in ihrem Wert über alle anderen Gattungen des Dramas empor. In ihr hat die Gestaltung von Charakteren zurückzu treten; tm Vordergrund
der diesen Weg gegangen, sind Worte, die verklangen, und haben keinen Sinn.
So wird dem Dichter das eigene Leben fremd, das fremde aber nahe und verwandt. Richts steht dem ewig Fragenden fest. 2Xrige, die eben noch mit klaren Umrißen in den Hör- front schnitten, verschwimmen mit einem Mute inmitten rätselnder Schütten Geftalteii aus einer anderen Welt recken sich auf, duster und drohend. Alles, was uns umgibt ist von dein Stofs, dec Träume bildet. Was wir Wirklichkeit nennen, tft — mag es noch so schön sein — 'vergänglich, ein Hauch, tm Winde.
Auf solchem Hintergrund dec Weltausfassung hat Wilhelm von Scholz geschaffen Der Fünf »iajährige darf mit Stolz auf die sommerliche fernte blicken, die dem Gereiften geheim- gebracht wird. Viele Seiten zeigt des Dichters Werk. Scholz beherrscht aite Gattungen seiner
fortgesetzte Zweiteilung; jede Dochterzelle erhält wieder die gleiche Anzahl väterlicher und mütterlicher Chromosomen. Die älrgeschlechtszelle, die bei der ersten Teilung entsteht, spaltet nur bei den ersten Teilungen Korperzellen ab, um später nur noch Geschlechtszellen hervorzubringen. Sie überträgt sv in ununterbrochener Reihe de Erbmasse (Keimplasma oder Idioplasma). Demgegenüber bezeichnet man die Gesamtheit dec übr.gen Köiperzellen als Soma. Dieses verfällt, nachdem das Idioplasma seinen Fortbestand durch Abgabe von Geschlechtszellen in anderen Einzelwesen sichergestellt hat, dem Tode oder dec Auflösung.
Der Mensch erhält also von värerlicher und mütterlicher Seite je die Hälfte der Erbanlagen, überträgt diese aber keineswegs in demselben Verhältnis auf seine Kinder, so daß diese je Vu von Großvater und Großmutter väterlicher- und mütterlicherseits erhalten, sondern bei der Reifung des Eies oder des Samenfadens, die in einer Verkleinerung (Reduktion) der 24 Chromosomen, die dem Menschen zustehen, auf die Hälfte besteht, bleibt es dem Zufall überlassen, wieviel von den 12 verschiedenen Kernfäden aus dec väterlichen oder mütterlichen Erbmasse stammen. Der Enkel wird also mehr oder weniger dem Großvater gleichen.
Ferner treten nicht alle Eigenschaften, die in der Erbanlage vorhanden sind, zutage, da sie von anderen, die stärker ausgeprägt sind (dominieren), verdeckt sein können. Diese rezessiven Anlagen können aber zur Dominanz kominen, wenn sie sowohl in der väterlichen wie mütterlichen Erbmasse vorhanden sind. Bei Verwandtenehen, in deren Familien irgendwelche vererbbaren Leiden oder Mißbildungen bestehen, kaum man häufig derartige Te- o.achtungen nrache.i. Bei Le Gatten sind gesunv.aber von ihren Kindern wird das eine oder das andere, auf das die Anlage zufällig von Vater und Mutter gleichzei.ig übertragen wurde, von dem Familienübel ergriffen. Es sollen daher besonders unter Verwandten mit erblicher Belastung, auch wenn sie selbst gesund sind, keine Ehen geschlossen werden.
Ebenso wie Krankheiten und Mißbildungen werden aber auch körperliche und geistige Anlagen vererbt. Ob diese Anlagen aber in die Erscheinung treten und zur vollen Entwicklung kommen, hängt von den Einflüssen der älrnwett ab, hierher gehören Klima, Wohnung, Ernährung, Hebung, Krankheit uff., die je nachdem günstig oder ungünstig auf die Entwicklung der Erbanlagen em» wirken können.
Wir haben es also in der Hand, durch äußere Einwirkung die ererbten Eigenschaften tm günstigen Sinne zu beeinflussen, und es ist die Aufgabe einer gesunden Bevölkerungspolitik, nach dieser Richtung hin einzuwirken, nämlich die guten Anlagen zur Entwicklung zu bringen und die schlechten nach Möglichkeit zu unterdrücken.
In besonderem Maße bedarf unser Rachwuchs unsere Fürsorge, um die Schäden der Kriegs- und Rachkriegszeit wieder zum Verschwinden zu bringen. In einer kleinen Zusammenstellung: Körperliche Erziehung und Schulhygiene (Jedermanns Bücherei, Ferdinand Hirt, Breslau 1924) habe ich die Maßnahmen kurz dargelegt, die notwendig sind, um unsere Jugend zu gesunden, kräftigen Menschen heranwachsen zu lassen. Aber eine Beruhigung dürfen wir haben. Eine Vererbung erworbener Eigenschaften findet nicht statt; daher wird auch die Hungerblockade entgegen der Meinung englischer Menschenfreunde, keinen Einfluß auf die Erbmasse ausüben und zur dauernden Entartung des deutschen Volkes führen können.
Aus körperlich und geistig Minderwertigen, denen die guten Erbanlagen fehlen, werden wir jedoch keine vollwertigen Volksgenossen machen können, wenn hier auch die individuelle Erziehung eine gewisse Besserung herbeisühren kann. Es muß daher Sorge getragen werden, daß derartige minderwertige Erbanlagen nicht zur Fortpflanzung kommen.
Dagegen muß gesunden und tüchtigen Volksgenossen die Möglichkeit zur Aufzucht einer zahlreichen Kinderschar gegeben werden. Richt nur der Ausmerzung der Minderwertigen und der Hebung der Qualität, sondern insonderheit auch der Quantität unseres Rachwuchses müssen die raffen» hygienischen Maßnahmen dienen, denn für eine Volksgemeinschaft besteht der Spruch zu recht: Das größte Glück, der größten Zahl! D ie deutsche GesellschaftfürRassenhygiene fordert daher in ihren Leitsätzen, die in der Delegiertenversammlung in Jena am 6. und 7. Juni 1914 angenommen wurden, zur Sicherstellung eines nach Zahl und Tüchtigkeit ausreichenden Rachwuchfes:
1. Erhöhte Förderung der inneren Kolonisation mit Regelung des Erbrechtes im Sinne der Schaffung kinderreicher Familien.
2. Wirtschaftliche Förderung von kinderreichen Familien durch Gewährung von wesentlichen Er
stehen die Kämpfe, die zwischen Lebensmächten und Weltanschauungen ausgesochten werden.
Im Trauerspiel Merotz hat Scholz' seinen Forderungen entsprochen. Schon die zeitliche und räumliche Ferne entrücken das Stück der anunheiligen Wirklichkeit. In einem Reich des vorgeschichtlichen Asien kämpft die Partei der Priester gegen den Anhang des Königs. Schließlich werden die Vertreter des göttttd^ Rechts von den Anbetern dec irdischen Macht besiegt. Die m dieser Tragödie Handelnden müssen mit ihrem sichtbaren Kamps das unsichtbare Ringen der über dem Einzelmenschen waltenden Mächte gestalten.
In feinen anderen Dramen hat Scholz selbst die neuklassischen Sortierungen mehr oder weniger sallen gelassen. Das mittelalterliche Spiel vom „Juden von Konstanz" und der mystische „Wettlauf mit dem Schatten" haben ihren Siegeszug auch über Deutschlands Grenzen hinaas angetreten. Don durchaus unklassischer, absichtlicher Formlosigkeit ist die Komödie der Auferstehungen: „Vertauschte Seelen". Ein Zauberer tm Morgenland vermag Seelen von einem Leib tn den anderen wandern zu lassen. Gr verschuldet damit die tollsten Verwechslungen. Aber der Dichter läßt sich durch den verführerischen Stoff nicht ewa zu platter Situationskomik herabziehen. Er gibt uns vielmehr tiefste Erkenntnis mit jenem Humor, dem das Tränlein am Augenwinkel hängt. Die Seele des Sllaven bleibt auch im Leibe des Königs niedrig und gemem, dieser aber glänzt noch in des Bettlers Gewand als Träger einer Krone.
Die Rovellen und Erzählungen von Scholz kennzeichnen sich schon durch die Titel, unteq denen sie zusammengefaßt sind. „Das Zwischen- reich" führt zu den Dingen zwischen Himmel und Grde. von tonen unsere Schulweisheit sich nichts
ziehungsbeiträgen an eheliche Mütter bzw. überlebende Väter und Berücksichtigung der Kinder- zahl bei der Besoldung der Beamten und Angestellten.
3. Beseitigung der für viele männlichen Beruft bestehenden Erschwerung der Eheschließung, soweit es eben tunlich ist.
4. Erhöhung der Alkohol, Tabak- und Luxus- steuern sowie eine Wehrpflichtersatzsteuer für die in Punkt 3 genannten Zwecke.
5. Gesetzliche Regelung des Vorgehens in solchen Fällen, wo Unterbrechung der Schwangerschaft oder älnfruchtbarmachung ärztlich geboten erscheint.
6. Bekämpfung aller die Fortpflanzungsfähigkeit bedrohenden Schädlichkeiten, insbesondere der Gonnorrhoe und der Syphilis, der Tuberkulose, des Alkoholismus, dec gewerblichen Vergiftungen und der Derussschädlichkeiten für die erwerbstätige Frau.
7. Obligatorischer Austausch von Gesundheits« zeugnissen vor der Eheschließ ing.
8. Aussehen großer Preise für ausgezeichnete Kunstwerke (Romane, Dramen, bildende Kunst), in denen das Mutterideal, der Familiensinn und einfaches Leben verherrlicht werden.
9. Erweckung einer opferbereiten nationalen Gesinnung und des Pflichtgefühls gegenüber den fömmen ben Geschlechtern, kraftvolle Erziehung der Jugend in diesem Sinne.
Die Deutsche Gesellschaft für Rassenhhgrene richtet an alle, die sich von der Richtigkeit der vorstehenden Leitsätze überzeugt haben, die dringende Bitte, ausdauernd und tatkräftig mit ihr an der Gewinnung immer weiterer Kreise nutza- arbeiten, damit die gesetzliche Einführung mb Durchführung der notwendigen Maßregeln erreicht werde, bevor es zu spät ist.
Der Sih der Gesellschaft ist München, Vorsitzender ist Geheimrat Prof. v. Gruber; Anmeldungen sind an den Schriftführer, Verleger I. F. Lehmann, München, Paul-Heyse-Str. 26. zu richten.
Wirtschaft.
)( Detriebseinschränkungen in Hirzenhain. Infolge der schlechten wirtschaftlichen Lage kam es bei den Eisenwerken in Hirzenhain zu Betriebseinschränkungen. Einer größeren Anzahl von Arbeitern wurde gekündigt, in einer Anzahl von Betrieben wurde Kurzarbeit eingeführt.
* Der Verband der Erwerbs - und Wirtschaftsgenvssenschaften für die Provinzen Starkenburg und Ober- hessen hielt in Darmstadt seine Ee eralver- sammlung ab. Der Vvrsitzerde, Verbands Zrr.tor Cubtoig Habicht, teilte in seinem Geschäftsbericht u. a. mit. daß der Verband zur Zeit aus 11 Genossenschaften mit beschräaltw, 5 Genossenschaften mit unbeschränkter Haftpflicht und 5 Warengenossenschaften bestehe 2<usgeschieden sei der Bankverein in Dieburg der sich m eine Aktiengesellschaft umgewandelt habe Geh Zust fr- rat Dr. Alberti hielt einen Vortrag über den „Wiederaufbaü der Genossenschaften" und Direktor Ra.iß über „Aufwertung und Goldmarkbilanzen". Direktor Habicht bat, von seiner Wiederwahl Abstand zu nehmen, da au'ß:n wurde Direktor Otto Paesch zum Verbands.irekwr gewählt und zu seinen Stellvertretern Georg Wei - l e r und Ludwig R a i ß bestimmt Die nächste Tagung findet in Babenhausen statt.
* Erleichterung für das Ruhrgebiet. Die Ermäßigung der Ruhrkohlenpreise um 20 Prozent hat es dem Reichsverkehrsminister ermöglicht, zur Erleichterung der bedräng en Lage des besetzten Gebietes und in der Hauptsache beä Ruhrbergbaues eine Tarifermäßigung tm Verkehr mit dem besetzten Gebiet einzuführen, die tn ihrer Auswirkung der Allgemeinheit zugute kommt. Im Wechselverkehr zwischen der Regie, dem un-
Dcn Kleinsten das Beste! — füllte stets bet Wahlsvrnch jeder jungen Mutter fein. Für Sä g- ltnge, ober auch für gröbere Kinder, ist die Frage der täglichen Kost eine Lebensfrage. In der Wahl der richtigen Nahrung muh die Mutter ganz sicher gehen, tvenn sie ihr Kind in Gesundheit heranwachsen sehen will. Sie wird also gut tun, gleich zu einem wissenschaftlich anerkannten, seit Jahrzehnten be- währten Kindernährmittel zu greifen, wie es unstreitig Nestle'S Kitideriuehl ist. Nestle's Ninderinehl enthält die für den kindlichen Organismus wichtigsten und wertvollsten Nährstoffe — unverfälschte Alven» milch, Weizenrnc-bl, Rohrzucker, Maltose und Blta- mtne — in denkbar glücklicher Zusammensetzung, sowie vorzüglicher VerdauungS- und Geuuhsorm. Neitle'S Kindermehl ist in allen Apotheken und Drogerien usw. für 2JL 1,50 pro Ortginaldose erhältlich. Illustrierte Broschüre kostenlos und um verbindlich durch „Linda"-Gesellschaft m. b. ■&, 8 1 - 9*11 V\ 57.
träumen läßt. Okkulte Erscheinungen werden gestaltet und philosophisch vertieft. „Die älnwirk- lichen" halten sich mehr im Diesseits aus. Doch auch diese Sammlung weißc daß all unser Leben Traum ist. Scholz vermag es, jedes Ding und jedes Erlebnis — sei es auch nvch> so belanglos'— ?um Sinnbild voll Bedeutung zu steigern. Seine Feder, die schwer und gedankenbelastet ihre Zeichen schreibt, kann doch auch mit bestrickender Leichtigkeit dahinjagen. Denn ihr Herr ist ein Meister des geistreichen Zwiegesprächs und jener Tänze, die an Abgründen vorüberlachen.
In feiner selbstzuchtübeuden, formstrengen und gedankentiefen Art ist Wilhelm von Scholz inmitten unserer seelisch zerrässenen Zeit einer, dessen Werk für viele ein ragendes Mal der inneren Einkehr werden wird.
Das Wilhelm von Scholz-Buch^ eine Auswahl des Gesumtw.rls zum 50. GeburiS- tag des Dichters, 320 Seiten, HaBlcinen 3,60 Mk
Der Stuttgarter Verlag Walter Hä decke hat unter dem Titel „Das Wilhelm von Scholz- Buch" eine Auswahl aus den Werken Wilhelms von Scholz herausgegeben, dke die, welche nach wertvoller, aber doch billig zu erwerbender getstt- ger Rahrung hungern, mit tiefer Befitedigung erfüllen wird. Dieses Buch, zugleich als Iubi- läumsgabe des Verlags zum 50. Gebu ts ag des Dichters gedacht, gibt einen Breiten Querschnitt durch ben großen Reichtum und die Allseittg- feit dcs Scholzschen Schrifttums
Von allen ßiteraturgatlunc.en sind au schlußreiche Stücke zum Abdruck gekommen. S.nen besonderen Reiz erhält das 320 Seiten starke Werk durch die Veröffentlichung des zw.iten Kapitels eines im Entstehen begriffenen Romans und einet bisher in dieser Gestatt nicht zugänglichen Selbst» Biographie


