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Montag, H. Apm 1924

Erstes Blatt

IH- Layrgan^

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Vrvck md Verlag: vrühl'sche Universilatr-Vuch- und Stemdruüerei R. Lange in Gießen. Sdjriftldhntg und Geschäfisstelle: Zchulffraße 7.

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Nr. 89

Erscheint täglich, auher Sonn- und Feiertags, mit d. Somstagsbeilage: GietzenerFamilienb lotter

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Die Kreditkrise der deutschen Wirtschaft.

3m Laufe der letzten Tage hat sich die Lage des deutschen Geldmarktes in einer für die Gesamtwinfchaft außerordentlich bedroh­lichen Weise verschlechtert. Diese Entwicklung wurde von ernsten Deurteilern der Verhält­nisse schon seit Wochen in Aussicht gestellt, und man muh sich fast wundern, dah diese Kredit­krise nicht schon früher über di« deutsche Wirt­schaft hereingebrochen ist. Letzten Endes ist sie ja doch nichts weiter als eine Folgeerscheinung der furchtbaren Verarmung ganz Deutsch­lands, die wiederum auf die Reparations­leistungen der hinter uns liegenden Jahre und auf die beispiellose Entwertung der Papier­mark zurückzuführen ist. Lieber diese Verar­mung ift seit Jahr und Tag sehr viel geschrie­ben und gesprochen worden. ES zeigt sich aber jetzt, dah man ihr nicht immer dort Rechnung getragen hat, wo es nötig gewesen wäre. Die Ausweise der Rentenbank und der Reichsbank für den 31. März lassen erkennen, dah die für die deutsche Wirtschaft ausgesetzten R e n - -tenmarkkredite nahezu erschöpft sind. Die Reichsbank hat der Wirtschaft im Laufe deS ersten Quartals nahezu 1100 Millionen Rentenmark zur Verfügung gestellt, wovon 300 Millionen aus dem Kreditfonds der Ren­tenbank stammen. Der Rest setzt sich zusammen aus RentenmarkLetra^en, die ursprünglich dem Reiche zur Verfügung gestellt wurden und . auf dem Wege über die Wirtschaft der Reichs- Lank zugeflossen sind. Zur Zeit sind die Mög­lichkeiten für weitere Kreditgewährung durch die Reichsbank nur noch verhältnismäßig ge­ringe. Dementsprechend hat das Zentralnoten- inftihit bereits Maßnahmen getroffen, um die Ansprüche einzudämmen. ES ist zu berücksich­tigen, daß die Reichsbank auher den Renten­markkrediten auch noch Papiermarkausleihun­gen in großem Mahstabe vorgenommen hat, so dah ihr Bestand an Papiermarkwechseln am Quartalsende 671,2 Trillionen Papiermark be­trägt.

Wie sind alle diese Kredite verwendet worden? Hierüber lassen sich schwer ziffern­mäßige Unterlagen beschaffen. Zweifellos sind sowohl die Reichsbank wie die Rentenbank be­müht gewesen, die Kredite so zu verteilen, dah der Produktionsprozeß der Wirtschaft mög- lichst gleichmäßig angekurbelt und in Gang gehalten wurde. Trotz alledem ist aber offen­sichtlich ein großer Teil der ausgeliehenen Be­träge direkt oder indirekt verkonsumiert und nicht der eigentlichen Produktion zugeführt worden. Es wäre verfehlt, hieraus den Kredit- nekMern einen Vorwurf zu machen, denn diese wurden durch die Verhältnisse und nicht zuletzt durch den Staat selbst, gezwungen, sich große Summen auf dem Wege des Kredits zu be­schaffen, die schließlich doch für unproduktive Zwecke ausgegeben werden mußten.

Die Steuern, die im Laufe der ersten drei Monate dieses Jahres fällig wurden, machen bei den meisten Gewerbetreibenden mindestens 8 bis 10 Prozent des Umsatzes aus. Cs waren u. a. zu zahlen: Einkommensteuer (Vorauszahlungen für drei Monate und Ab- schluhzahlung), Vermögenssteuer (Vorauszah­lungen für drei Monate), letzte Rate der Drot- versorgungsabgabe, Gewe.besteuer, Llmsatz- steuer usw. Hierzu treten noch Handelskammer- beiträge und eine ganze Serie von Gemeinde­steuern, wie WvhnungSbauabgabe, Mietzins­steuer usw. AuS dem Ertrag konnten diese Steuern nicht gezahlt werden, da ein solcher in den ersten Monaten deS laufenden Jahres noch kaum vorhanden war. Sie mußten aus der S u b st a n z gezahlt werden. Da man nicht mit Maschinen oder Rohstoffen Steuern bezah­len kann, mußte eben K r e d i t in Anspruch ge­nommen werden. Auch auf andere Weise sind aber diese Kredite ebenfalls dem Konsum zugeführt worden. Man bedenke nur, daß die deutsche Handelsbilanz allein für Monat Fe­bruar dieses Jahres für das unbesetzte Gebiet eine Passivität von 252 Millionen Goldmark aufweist. Da ausländische Kredite nur in ge­ringem Maße zur Verfügung standen und auch der Rückfluh deutscher Auslandsguthaben keine allzugroßen Dimensionen mehr annehmen konnte, da die deutschen Auslandsguthaben größtenteils schon in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres auf ein Minimum zusam­mengeschmolzen sind, so ist auch diese Llnter- bilanz zu einem erheblichen Teile durch In­anspruchnahme inländischer Kreditqiellen ge­deckt worden. Die Anterbilanz ist aber in der Hauptsache durch die Zunahme der Einfuhr solcher Rohstoffe entstanden, die im Onlande verkonsumiert wurden, wie z. D. Textilroh- stoffe, Rohtabak usw.

Man kommt immer wieder zu dem Ergeb­nis, dah Deutschland so stark verarmt ist, daß seine Wirtschaft aus^eigener Kraft weder das Volk ernähren noch die staatlichen Bedürfnisse finanzieren kann. Dies« Tatsache muß man sich

Ein franko-rumänisches Bündnis.

Der Erfolg des rumänischen Königsbesuchs in Paris. Die Spitze gegen Rußland.

Paris, 13. April. (WTD.) DerMa­tt«- schreibt, anscheinend berinfluht, zu der gestrigen Unter, eduug deS rumänischen Außenministers Duka mit Poincare. Diese Unterredung, die sich auf die ganze euro- paischr Lage und die Beziehungen Rumäniens zu Frankreich bezog, würbe wöchvend des vier- zehntägigen Aufenthalts, Len Duka in Paris zu nehmen gederk:, erneuert werden. Ru­mänien sei mit der Tschechoslowakei und E ü d s l a w i e n durch den Vertrag der Klei­nen Entente verbunden, deren Hauptziel ur­sprünglich gewcsrn sei, das Zusammenwirken der drei Länder 511 organisieren für den Fall, daß Ungarn den aus dem Vertrag von Trianon sich ergebenden statuS quo zu ändern suchen sollte. Andererfrits sei Rumänien durch einMilitarabkommen mit Polen verbunden, das die Möglichkeit eines An­griffe- von Sowjetruhland vorsehe. Außerdem habe eine der Mächte der Kleinen Entente, die Tschechoslowakei, mit Frankreich und Polen ein Abkommen ähnlicher Art geschlossen. Auf diese Weise seien die durch den Frieden von 1918 entstan-- denen oder vergrößerten Staaten, je nach den verschiedenen Kombinationen, an Defen­sivabmachungen beteiligt, die nach Maßgabe der geographischer Lage Ungckrn, Sowjetrußland oder Deutschland im Auge hatten. Zwischen Frankreich und Ru­mänien bestehe bis jetzt kein förmliches Bündnis, aber es sei wahrscheinlich, daß in wenigen Tagen «in solches vor­handen sein werde. Frankreich gedenke die­sem Abkommen, dessen Abschluß sich aus der Logik der Tatsachen ergebe, in keiner Weise einen feindseligen Charakter gegenüber Ruß­land zu verleihen. ES wünsche, daß Rußland und Rumänien sich über Desfarabien ver-- stänttZten; aber ob dies« Verständigung durch schlechten Willen Rußland- verhindert werde oder nicht, an der Einheitlichkeit der Auf­fassung, die die europäisch« Politik Frank­reichs bestimme, könne das nichts ändern.

DerTemps" schreibt dazu, ohne das WortBert ag" au^zusprechen- Wenn Frank­reich und Rumänien ihrer Freundschaft einen neuen und dauernden Ausdruck, geben, dann werden sie keines anderen Polittk in ihren be­rechtigten Intere'srn stören. Im Gegenteil: sie v e r m i n d e r n die Gefahr, indem sie ihre Bemühungen für den Frieden Vereinen. Die Verständigung beider Staaten wird in Der-

immer wieder vor Augen halten, wenn man die Feststellungen und Vorschläge der Pariser Sachverständieen-Ausschüsse auf ihre prak­tische Durchführbarkeit hin prüft. Im ersten Quartal 1924 standen der Wirtschaft die Ren­tenmarkkredite zur Verfügung, diese sind zu einem großen Teile tatsächlich verbraucht. Was soll a'so im zweiten Quartal und weiter­hin werden?

Die Mieumverhandlrmgen.

Düsseldorf, 14. April. (Wolff.) Die Verhandlungen der Sechserkommisston mit der Micum, die am Sonntag um 10 Ahr vormittags begannen und bis 51/2 nach­mittags dauerten, wurden durch die bekannte Entscheidung der Repko vom 11. April er­leichtert. Es wurde in wesentlichen Punkten eine Einigung erzielt und es be­steht die Hoffnung, daß die Verhandlungen, die heute vormittag fortgesetzt werden, vor Ablauf deS D rtrageS zu einem Abschluß fuhren. In einem von der Micum veröffent­lichten Communiqu6 wird mitgeteilt, daß die Debatte sich vor allem auf die Sach- lieferungen, auf die Festsetzung desPco- zensatzeS der Kohlensteuer und die Ausfuhrabgabe, sowie die Gültigkeits­dauer deS zur Verhandlung stehenden neuen Abkommens bezogen habe.

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Rach einer Meldung aus Brüssel empfing der belgische Außenminister Huy- m a n s den deutschen Gesandten von Keller und hatte mit ihm eine lange Besprechung über die Micumverträge. Der Ausgang der Bespre­chung berechtigt zu der Annahme, dah die wirt­schaftlichen Abmachungen zu einer neuen Rege­lung gelangen.

Rückkehr von 4000 Rnhrvertriebenen.

Berlin, 13. Ap.il. (P iv.-Tel) Zwischen einer aus F chrern der christlichenGe w e rk - schäften im Ruhrrevier gebilde en Derhand- Ilungskommiftion und den Tesctzungrb höben san­den direkte Verhandlungen übe; die Rückkehr der vertriebenen Deutschen statt. Die Rheinland-

bindrmg mit den vom Präsidenten der Re­publik und vom König Ferdinand erwähnten Abmachungen eine Wohltat für di« ganze Welt sein. Die Welt muß es wissen, daß der Friede fest gesichert und der Krieg für niemandenlohnend" ist. Diese Ankündi­gung richtet sich im Augenblick weniger an die Adresse Deutschlands als Sow- jetrußlands. Aber die'« Sicherung des Friedens durch dir Generalstabe erscheint vie­len Politikern der Linken als ein sehr bedenk­liches Experiment. Soaar imFigaro" wird in einem Artikel t«S Generals Duval oesazt, daß Frankreich durch Abmachungen mit den Staaten der Kleinen Entente Die neue Tür­ke i vernachlässige und sie auf diese Art in das Lager der Nebenbuhler treibe.

Die Haltung Italiens.

Rom, 13. April. (Priv.-Tel.) Der bevor­stehende Abschluß eines französ.sch-rumänischen Bündnisses wird in Italien mit Ruhe b.sprochen. Man ist davon keineswegs überrascht, denn schon aus der Absage des Rombesuches des Königs von Rumänien, der einen peinlichen Ein­druck machte, zog man gewisse Schlüsse.Messa- gcro" stellt d'eses Bünda s dem französisch- tschechoslowakischen Bündn s g g nüber und sagt, daß der Abschluß vermutlich der Furcht vorRußland enftpr nge. d.e immer größer werde. Trotzdem brauche Italien für Ru- mäni"n keine übermäßigen SYm - vathien zu empfinden. »Nuvdo Paese" scheibt, der Friede auf dem Balkan und überhaupt im südöstlichen Europa könne whne di« Macht Italiens und ohne die Mitarbeit Rußlands nicht gesichert werten,

Stampa" äußert, der Besuch des Königs von Rumänien in Paris sei nicht irgendein beliebiges Ereignis. Man denke in diesem Augenblick an den Bankerott des russ.sch-rumän schen Vertrages über Bessarabien, man denke an die kriege­rischen Erklärungen von Sinowjew und an das Mißtrauen, mit dem Moskau b:e Verlängerung des Aufenthalts des rumänischen Generals Flo- resku in Warschau beobachtet habe; man denke endlich an die Meldung von einem gar nicht einmal ganz unwahrscheinlichen rumänisch- japanischen Militärvertrag.

Es sei danach klar, in welcher Richtung sich ein neuer Krieg allein bewegen könne.

Stampa" schl'eßt:Warten w'r ab, wclch einen Epilog der Besuch des Rumänenkön'gs haben wird. Voraussichtlich wird dieser Epilog zum Bruch der italienisch-rumänischen Beziehungen führen." Das©iornal? d'Ita­lia" meint, em franzosisch-rumänllches Bündnis

sei die natürliche Folge der Bündnisse zwischen Frankreich und Polen, Polen und Rumänien, sowie zwischen Frankreich und t):c Tschecho­slowakei. Die europäische Politik sei heute in zweiSystemeg.teilt: in das französische mit Anschluß von Belgien, Polen, Rumän.en und der Tschechoslowakei, und in das deutsch­russische mit Anschluß von Bulgarien und Ungarn.

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Die offiziöse kemalistifche Romagentur ,Ato" kündigt an, daß Bratianu mit einigen rumäni­schen Politikern demnächst nach Angora tont* men werde. Bratianu werde sich auch in Kon­stantinopel aufhalten und am 20. April von Bukarest abreisen.

Französisch-russische Spannung.

Moskau, 13. April. (Rufs. Telegr.-Ag.) Pvincar6 hatte v rsucht, in einem in Kiew spielen­den Prozeß gegen im französischen Solde stehende Spione einzugrellen. Der russische Volkskommissar des Auswärtigen. Tschitscherin, weist nunmehr na­mens der Sowjetregierung in einem Antwort­telegramm an Poincare den Versuch, sich in den Kiewer Prozeß einzumischen, entrüstet zurück, einen Versuch, der den elementarsten Gepflo­genheiten und der Achtung vor der Souveränität eines anderen Staa­tes widerspreche. Auf der heut gen Stufe her inneren und äußeren Macht der Sowjetrepu­bliken werde die Sowjetregierung eine Verletzung ihrer souveränen Rechte keinen Augenblick zulas­sen. Der verbrecherische Charakter der in Kiew Verurteilten sei der französ schen Regierung schor dadurch bekannt, daß sie für den französ schen militärischen Geheimdienst ta< t i g gewesen seien.

Di« französisch« Regrerrmg nehm« ihre eige­nen Spione unter der Maske der Humanität in Schutz.

Diese feindliche Handlung sei nut ein Glied in der Kette der anderen, wie sie die Santtionierung der bessarabischen Annektion und die Verhinderung des Abkommens mit China dar­stellten. Die breiten Massen der Sowjetunion ver­gäßen nicht, welche Leiden und Verwüstungen die französische Intervention verursachte. Das Volk erkenne, dah die französische Regierung zum Llnterschied von anderen Westmächten ihr« feindliche Politik gegenüber den Sowjet­republiken noch heute fortsetze. Die Sow­jetregierung beachte aufmerksam das feindliche Verhalten der französischen Regierung, die Sow- jetregierung fei jedoch überzeugt, daß die über­wiegende M'hrheit des französischen Volkes die französ sche Regierung schließlich^ zwingen werde, einen Weg vernünftiger Verständigung mit den Sowjetrepubliken einzuschlagen.

kommission erteilte nunmehr die te^migung, daß sofort rund 4000 Vertriebene ins Ruhr- revier zurückkehren dürfen. Es handelt sich in erster Linie um solche Dramte oder Arbeiter, deren Angehörige im Ruhrrever zurückblieben oder die eigenes Anwesen besitzen.

Die Wirtschaftslage.

Berlin. 12. April. (WB.) 3m wirtschafts­politischen und f incurzpolltischen Ausschuß des Reichswirtschaftsrates gab Reichs- wirtschaftsminister Hamm einen ftleber- blick über die gegenwärtigen wirtschaftlichen Ver­hältnisse, die er als gespannt und gefahr­voll bezeichnete. Es gelte, gegen die Gefahren der Llebcrgangszeit geeignete Maßnahmen zu er­greifen. 3m Januar bzw. Februar habe die Ein­fuhr die Ausfuhr um 150 bzw. 250 Goldmillionen übertroffen. Die Einfuhr habe besonders inDaum- wolle, Wolle und Häuten, sowie in Fertigerzeug­nissen zugcnommen. Demm svrechend sei auch die Konjunktur im 3nland in der D kleidungsindustrie und im Rahrungsmittelgewerbe gestiegen, wäh­rend in der Eisenindustrie und in anderen für die Ausfuhr arbeitenden 3ndustrien die Konjunktur nicht in gleichem Maße, und die Arbeitslosigkeit nicht in gle chem Umfang zurückgegangen se>. Diese Verbrauchssteigerung br nge schwere G'fahren für die Wirtschaft und die Währung mit sich.

Die Abweßrmaßnahmen ter Regierung gegen die übermäßige Einfuhr f«ien außerordentlich erschwert, folanre Deutschland nicht über die Westgrenze verfuge, über die die Franzosen zaßlreich? Luxuswaren zu ganz außerordent­lich ermäßigten Zollen nach Deutschland be­förderten.

Trotz dieser Schwierigkeiten bestehe aber die Pflicht, daß Deutschland alles Mög iche auf dem ©ebiete der Einfuhr Hemmung tie, kea 3n'ands- verbrcruch in verständige Dahnen lenke und den Lurusverbrauch eindämm«. Zur «Steigerung der Ausfuhr bedürfe es vor allen Dingen de. Sen­kung der Preise und die Regier ng werde weiter für die Herabsetzung der Kvhlerpreise besorgt sein. Die Regierung erwäge toe ter, ob We Umsatzsteuer, die auf die Dauer d.e Wettbewerbsfähigkeit bei der Ausfuhr f t-toe* be­einträchtige. umgll^rrnt werden könne Das gleiche gelte für andere Steuern, besonde.s für die Ein­kommensteuer. Außerdem sollen die Vorberei­tungen für Handelsverträge nad) M g- lkhLit gefördert werden. Für die Allgemein^ck

fei die Verschuldung gegenüber dem Auslande ein ernster Schadeit, auch wenn dadurch bei ein­zelnen 3ndustrien vorübergehend eine günstige Konjunktur entsteht. Die Wirtschaft und das Volk müßten durch Selbstvllchräntung dazu bei­tragen, daß die Schwierigkeiten der Uebeigangd» zeit überwunden werden. 3n der Diskussion er­griff auch der

DeichSbankprasident Dr. Schacht

das Wort, der zunächst an das in der Versamm­lung gefallene Wort an knüpfte, die Rentenmark gelte nur 60 Pfennig. Das sei auch der Fall, genau so wie die Goldmark im Verhältnis zu den Preisen nur 60 Pf. teert sei. Wenn der Wert der Mark anderWare gemessen werde, dann sei die genannte Wendung voll­ständig richtig und beziehe sich nicht nur auf die Rentenmark, sondern auf sämtliche Wäh­rungen. Das Gesamtpreis-nivoau im Be hältnis zur Währung sei in ler g .nzen Welt ein anderes geworden. Die Tatsache, daß man mit der R>. n en- mart im Aus lande nicht dieselbe Ware kaufen kann wie im Inlande, die Differenz betrage etwa 810 Prozent d^s Wertes, müsse man hin­nehmen. denn die Rentenmart sei nur für den inländischen Verkehr bestimmt W nn man, wie das zur Zeit der Fall ifl, Auslands- Verpflichtungen mit Renlemnart äbdecke. dann komme felbftv.rstandlich das Disagio. Lft.' Ren ev= mark werde aber das Disagio nicht behalten, wenn sie nur für inländische Iah'ungen trrto n et werde und wenn genügend andere Zahlungs­mittel vorhanden seien, fei es Expor wäre )der Kredite oder andere Dinge, die Auslandsver- p lichtungen ablös-.n k nnen. Eine dauerh. f e ^Wäh­rung muffe auf geldmetallischer Grundlage be- ruh.m, die nun einmal in der ganzen Welt An­erkennung findet. Dr. Schacht ging dann auf

die Frag« der kurzfristtgen AuSlandskredtte ein, durch deren 3nanspruchnahme auch beit Handel eine große De antwortung treffe. Er glaube, daß in dieser Beziehung sehr erhebllche Fehler gemacht worden seien. Jetzt komme der Augenblick, wo diese kurzfriitiien Kredite zurück- gezahlt werden mußten und daher komme in den letzten Wochen der große -Insturm auf Lei De- visenmarft. Woim die Reparations^rage selbst unter ftl bernahme schwerer Lasten auf die deutsche Wirtschaft einem vernünftigen Ende engegetu geführt werde, werde Las ausländischeKa- pital in überaus starkem Umfange an dem Wwderausbau Deutschlands beteiligt neben. Man werde fftch wundern, arte viele Leute Inter-