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ffr. 63. Zweites Blatt

Volksgemeinschaft.

Der Deutschnationalen Korrespondenz entneh­men wir folgende Ausführungen:

Innerlich empfundene Volksgemeinschaft ist unser Ziel. Wir wollen ringen nach den Formen, in denen Arbeit und Kavital sich versöhnt: daß wir sie finden, ist die Voraussetzung für Einheit und Zukunft der Ration. Wir wollen werben für das Bewußtsein inniger Interessengemeinschaft, zu der der furchtbare Druck der Zeit und die Sorge um unseren Bestand Arbeitgeber und Arbeitnehmer mehr denn je verknüvft. Wir wollen aufrufen zu der opferwilligen Arbeitsbereitschakt, zu der jeder Volksgenosse dem Vaterlande gegen­über verpflichtet ist. Auf unserer inneren Ge­schlossenheit. auf der warmherzigen, alle Volks­genossen erfassenden brüderlichen Gesinnung ruht Rettung, Heil und Zukunft der deutschen Volks­gemeinschaft. Wer im Gegensatz zu diesem Geist der Dokksgemeinschaft «""ensüchti-'en Int^e^m- standpunkt vertritt und damit mate- bCen Klasten- kampf führt, ist kein deut>chnationaler Mann. Der durch Krieg, falsche Erfüllunqspolitik und marxi­stische Doktrinen herbeigeführcke Zusammenbruch unserer Wirtschaft verlangt zur Rettung des Vol­kes und Erhaltung seines Lebens äußerste An­spannung und größte Sparsamkeit. Don jedem deutschnattonalen Arbeitgeber erwarten wir ins­besondere, daß er das ihm in die Hand gelegte Unternehmen in sittlicher Verantwortung zum Wohle des Ganzen führt. Im Kampf um die wirtschaftliche Gesundung mutz unser kostbarstes Aationalvermögen, die lebendige Arbeitskraft, vor Ausbeutung und Raubbau bewahrt werden. Un­verbrüchlich steht für uns fest, daß die vater­ländische Arbeit an der Wiederaesundung nur gelingen kann, wenn alle in der Wirtschaft Täti­gen gemeinsam Zusammenwirken und jeder Volk- zersetzende Kamps aufgegeben wird. Am Klassen­kampf ist Deutschland zusammengebrochen, und nie wird mit ihm oder durchs ihn die Wieder- gesundung erfolgen. Er ist der Feind der nationalen Arbeit. Kein Arbeitgeber, kein Ar­beitnehmer ist national, solange er in der Be­tonung des Gegensatzes und im Klassenkampf- gedanken verharrt. Aur im lebendigen Christentum findet unser Volk die aufbauenden und erhalten­den Kräfte, deren es in Staat und Wirtschaft in Schule und Haus bedarf. So schwer auch die Zeiten und so beschränkt die Mittel sein mögen Arbeitgeber und Arbeitnehmer müssen in ver­ständnisvoller Zusammena beit auch heitte den Weg finden, der führen wird aus dem Klassen- kampf durchs die Gemeinschaft aus völkischer und christlicher Grundlage zur Freiheit des Volks.

Die Wohnungs- und Dauland-Frage in Gießen

Wie in allen Städten, so ist auch in Gießen die Wohnungsfrage immer mehr eine der allerdringlichsten Aufgaben der Kommunalpolitik geworden. 1897 Wohnungsuchende waren am 1. Dezember v. Hs. beim städtischen Wohnungs­amt gemeldet, bis zum l.März d. Hs. ist diese Ziffer aus 1948 gestiegen. Demgegenüber stand ein Angebot von 42 neu- und 18 umgebauten Wohnungen im ganzen Jahre 1923, im Februar ds. Hs. kamen nur vier neue Wohnungen zur Vergebung in Betracht. Eindringlicher als Worte legen diese wenigen Ziffern den großen Aotstand dar, unter dem weite Kreise der Bürgerschaft, in unzulänglichen Räumen mit anderen Familien ^usammengedrängt, oder in gesundheitliche höchst schädlichen Gelassen hausend, je länger, je mehr zu leiden haben. Die Stadt und die auch mit Reichsmittesn unterstützten Dauvereine taten bis­her in anerkennenswerter Weise ihr möglichstes zur Bekämpfung des Hebels, aber ein? durch­greifende Lösung konnten sie natürlich nicht er­zielen, weil ihnen dazu die andauernde finanzielle Kraft fehlte und die Gestaltung unserer gesamten Wirtschaftsverhältnisse den Berg der Schwierig­keiten immer unüberwindlicher machte. Es ist auch Völlig verfehlt, alles Heil in dieser Hot nur von der Stadt und den Bauvereinen zu erwarten. Aotwendig ist vielmehr, der privaten Bautätig­keit wieder die Möglichkeit zur umfassenden Be­tätigung auf dem Gebiete der Wohna/rgsprodak- tion zu verschaffen. Dazu ist freilich erforderlich, daß mit der Wohnungszwangswirtschaft Schluß gemacht wird, die neben den allgemeinen Schwie­rigkeiten der Zeit wohl die< meiste Schuld an der heutigen Wohnungsmiserc trägt. Ratursich kann die Wohrungszwangswirtschast nicht so ohne wei­teres zu einem nahen Zeitpunkt außer Kraft ge­setzt Werden: hier ist notwendig, daß im Inter­esse der Mieterschaft das Kündigungsrecht des Hausbesitzers uird auch die Mietpreisbestimmung für eine gewisse Hebergangszeit noch in bestimmte Fesseln gelegt werden, um mancherlei mensch­liche und soziale Anerträglichkeiten hintanzuhal-

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Geschichten Dtm Paul Ehrlich.

Ein ErinnerungsbuchPaul Ehrlich als Mensch und Arbeiter" erscheint soeben zur Crinnerungs- feier an feinen 70. Geburtstag am 14. März aus der Feder seiner langjährigen Sekretärin Martha Marquardt b:i der Deutschen Verlagsanstalt in Stuttgart. Der Entdecker des Salvarfans war eine echte Gelehrtennatur, die, ganz ihrem großen Werk hin gegeben, die Umwelt vergaß. Der welt­abgewandte Forscher war aber zugleich der gütigste Mensch, der die ganze geniale Kraft seines un­endlich arbeitsreichen Lebens zum Wohl der Menschheit einsetzte. Die Verfasserin erzählt uns, wie er von seinem Institutsdiener, demMädchen für alles" Kadereit, bemuttert wurde:Ehrlich gegenüber seine Stellung nie vergessend, spricht Kadereit von ihm gern als demVater". Mache ich ihn aufmerksam, daß Kleinigkeiten an Ehrlichs Kleidung nicht ganz in Ordnung seien, sagt er gutmütig:Ra, da wer'n wir man den Vater jleich wieder in Ordnung bringen." In Ehrlichs Studierzimmer zu Hause wie in seinem Arbeits­zimmer im Laboratorium waren sämtliche Tische, Stühle und Sessel, ja der Fußboden mit Stößen von Akten, Büchern und Zeitschriften bedeckt. Zwischen den Bücherstößen bleiben auf dem Fuß­boden zum Gehen nur schmale Streifen, und da er stets im Studierzimmer frühstücken will, muß täglich ein kleines Tischchen hineingestellt werden. Eines Morgens, beim Hereinbringen des Früh­stücks, stolpert das Mädchen mit dem Tablett, das Tischchen fällt auf Ehrlich, und der Kaffee er­gießt sich auf ihn and die Umgebung. Doll Schreck läuft das Mädchen hinaus. Ehrlich aber sagt nur

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

ten. In dieser Uebergangszeit muß aber die Be­handlung der Wohnungsfrage durch die Wieder­belebung und Förderung der privaten Bautätig­keit so neuorientiert werden, daß die Zcvangs- bewirischaftung zu einem absehbaren Zeitpunkt t>on selbst hinfällig wird.

Dieie grundsätzlich? Reuordnung kann die Stadt Gi.'ßrn selbstverständlich nicht von sich aus vornehmen: allenfalls könnte sie bei den Landes­und R.ichsbehörden auf die Schädlichkeit und Un- haltbarkeit des jetzigen Zustandes mahnend auf­merksam machen. Darüber hinaus dürfte die Stadt jetzt, nach dem Wiedereintritt stabiler DerhältN'sse aber in der Lage sein, zur Delänrrfuir der Gi- ßener Wohnungsnot neue und großzügige Weg- ernzuschlagen. Wir denken da" D an die teil­weise Einsetzung unseres Waldbe­sitzes zum Zwecke der Geldbeschaffung und der Baumaterialgcwinn"ng: in letzterer Hins cht u E. dergestalt, daß das Recht zum nächsten Holz­einschlag gegen sofortige Be eitstellirnq baue.tige Hölzer ausgetauscht wird. direktem Derkeh zwischen einem Großsägewe k und der Stasi! könnte natürlich eine erhebliche Ve.billgung Co Materials erzielt werden, und w..rn man ein vberhessischcs Sägeweck für diese Re -elung ge= toinnen könnte, so würden auch die Frachtkosten nicht allzu stark ins Gewicht fallen. Eine groß­zügige 'Bautätigkeit ist aber vor allem noch, von einer anderen, außerordentlich bede it amen Do bebingung abhängig. von der beschleu«rig en und gründckchm Löiung der B a u l a n d f r a g e. Don dem Gckände, das für die Wohnungsp.o>.iktion schon seit Jahren in Bet rach Lonmi, it bis jetzt verschwindend wenig aufgeschlossen. Die Schwie­rigkeiten der DolkSernäprung in den letzten Hahren und noch mancherlei andere Gesichtspunk' - haben zu einer umfangreichen Heran iehunz 3 Geländes zum Kleingart.nbau und K.einfeldbaa g.führt, und z'var in einem Ausmaß, durch das eine groß onontiorte Baugelandepolitit beein­trächtigt werden mußte. Mit der fol-e.chn.tte.ren Besserung der Deckorqungsverbäckni s? dürst m di fe Gründe an Durchsch.agskrast start eingrb:ißt haben, und man sollte nun nicht mehr

zog m, dir Erch'i -ßung des Geländes in

ärcßem Stil tatkräftig vorzu nehmen. Di-r Ar­beiten könnten zurzeit noch unter sehr günstigen Bedingungen erledigt werden und einem großen Teil der etwa 500 Vollerwerbslosen, die wir immer noch in unserer Stadt zählen, Beschäf­tigung bieten. Auch hinsichtlich der Kostendeckung stehen der Stadt jetzt noch Möglichkeiten zu Ge­bote, die später wohl kaum mehr a i-utreffen sind: da es sich hierbei um gcmeinnü ge Ar^e .en handelt, könnten die Mittel der pro^u.noea Er­werbslosenfürsorge von der Stadt in An pruch genommen unb die städtischen Selbstkosten be­trächtlich herabgemindert tverden. D.ese Kosten­ersparnis wäre um so angenehmer, als die Stadt für die Beschaffung von Wasserleitungs-, Kana- lisations-'usip.-Materialien für die Bnureifmach- ung des Geländes ohnehin sehr bedeutende Sum­men flüssig machen muß, für deren Deckung na­türlich die Straßenanlieger in Form der Bei­träge zu den Straßenbaukosten wieder heranzu- ziehen sin-d. Im Hinblick auf die Finanz- Verhältnisse ist es selbstverständlich nicht möglich, die gewaltige Ausgabe gleich in ihrem vollen Umfang durchrustch en. Rian wird sich einstweilen mit der abschnittsweisen Erle­digung dieser Arbeit bescheiden müssen, immerhin sollte sie da die Stadtverwaltung doch sicher­lich entsprechende Pläne vorbereitet hat über­all da alsbald begonnen v>erden, wo alle Vor­bedingungen erfüllt sind. Bis der erste Dau- abschnitt abgeschlossen ist, werden sich wohl auch die finanziellen und technischen Vorbereitungen zur Inangriffnahme des folgenden Abschnittes erledigen lassen. Wenn man sichi vor Augen hält, daß die Wohnungszwangswirtsch-ast doch die längste Zeit 'bestanden hat und mit ihrem Abbau, auch wenn dieser nur schrittweise erfolgt, eine entsprechende Belebung der privaten Duu- lust zu erwarten ist, so ergibt sich von selbst, daß eine Weitausschauende Kommunalpolitik die Taulandsrage vorher so weit.gelöst haben muß, daß der Daulust das Gelände Bereitet ist. He schneller und je umfassender das geschieht, desto günstiger sind die Aussichten zur Besserung der Verhältnisse auf dem Wohnungsmarkt.

Aber nicht nur die Stadt allein muß sich in dieser Frage in großzügiger Weise neu einstellen, auch die Bürgerschaft selbst, wenigstens soweit sie am Dau- und Wohnungsmarkt direkt interessiert ist, kann und muß hier produktiv Mitarbeiten. Wir haben in unserer Rr. 58 vom Samstag ein interessantes Beispiel aus unserer Rachbarstadt Friedberg berichtet, wo die Handwerker sich zu einer Wohnungsbau-Genossen-chast zrllammenge'chlossen haben mit dem Ziel, durch den Wohnungsbau ihrem Handwerk Arbeit zu verschaffen. Dieses Beispiel sollte von unseren örtlichen Handwerks­organisationen mal ftubiert und seine Durch­führbarkeit auch in unserer Stadt erwogen werden.

I Einer solchrn Genossenschaft könnten vielleicht auch die Wohnungsuchenden als Mitglieder beitreten, um durch' ihre Geldoeihilfe die Bautätigkeit zu fördern und sich auf diese Weise schneller ein crgei.es Heim zu sichern. Ratürlich bestehen auch nach dieser Richtung hin nicht geringe Schwie­rigkeiten : so vor allem die Kapitalarmut des Handwerks, das in der Inflationszeit sehr schfvei gelitten hat, und die verminderte Zahlungskraft der wei tsten Mieterkreise, deren Einkommen meist benfalls sehr erhe'lich ter u jt ist. Aber schließ - ich dürften diese Schwierigkeiten wohl auch nicht unüberwindlich fern, wenn nur mit Tatkraft und Ausdauer an ihre Beseitigung herangegangen vird. Das erste Erfordrr lis ist zun.ichst, daß wir rlle, Stadt und Bürger, die durch die ck flationszeit zwa rgsläuag herbeigrührte Passi- ität auf dem Gebiete der Woh lungsfrage von uns werfen und mit festem Willen zur weit­gehenden Aktivität an dre Bekämpfung oieses Uebels neu Herangehen. Wenn wir nicht endlich alle miteinander mit ganzen Kräften aus oem Sumpf herausstrebrn, werden wir nie wieder tragbaren Boden gewinnen.

Wirtschaft.

Vom Weltqrtr id'markt.

Im Mittelpunkt des Interesses am Pro­duktenmarkt der verfloss me i Woche stand die Erklä ning der russischen Regierung, die Ge­treideausfuhr stark ei.'.schränken oder ganz unter- 'i'b n zu wollen. Im allgemeinen tonnte man schon in den vorhergehenden Wochen ziemlich starke Rückkäufe der russischen Regie-ung bemerken. Im Zusamm" h'nz damit waren auch neue Kon­trakte seit längerer Zeit nicht abgeschlossen, so daß der Einfluß auf die einheimischen Märkte im all­gemeinen ziemlich gering blieb.

Erl i'btert wurde der Produktenve'ckehr durch bte neue d.ngs einge'retene Ermäßigung der Frachttarife, die allerdings noch nicht in dem Maße erfolgt ist, wie es zur Fördern iq und Der- Billigung des Handels zu ischen wäre.

Aus Polen kommt die interessante Meldung, bafj die polnische Regierung einem deutschen Ge- tr idehä dte -Konsortium ein Exportmonopol er­teilt habe. Polens Landwirtschaft litt bereits seit längerer Zeit an einen außerordentlichen Uebsr- fluh an Getreide, und es war im allgemeiner« zu erwarten, daß es den polnischen Landwirten gelingen werde, das anfängliche Sträuben der Regierung zu überwinden.

Auf den deutschen Märkten ist das Getreidegeschäft verhält: ismäßig still geworden, die Preise eher etwas anziehend. Kleinerer Bedarf an Rogg n lag von den Mühlen vor, doch trat Bi'r die Rcichsgetreidestelle mit ziemlich umfang­reichen Abgaben auf. Man spricht davon, daß die R. G. bei ihren Getreidekäusen und -Verkäufen bereits ziemliche Derluste erlitten habe und auch die letzten Verkäufe zum Teil unter dem Ein­kaufspreis erfolgt sind. Für Gerste war wenig Begehr. Kleie wurde dagegen reichlicher gefragt. Im Hafergeschäft bemüht man sich, die Ausfuhr­erlaubnis gehörig auszunuhen, was gerade jetzt nach Aufhören des Frostes und Freiwerden der Wasserwege stark ins Gewicht fällt.

Was die allgemeinen Witterungsverhältnisse betrifft, fo scheinen die Aussichten nicht allzu ungünstig. Die Befürchtungen, daß eine über­wiegende Zahl der Wintersaaten auSgetointert seien, scheint sich nicht in vollem Umfange zu be­stätigen. Die Berichte aus Rorddeutschland aller­dings Hingen nicht allzu optimistisch, während da­gegen in Süddeutschland die Verhältnisse ganz zufriedenstellend sind.

Die Ausfuhr Rordamerikas in der Woche vom 3. bis ca. 10. d. Mts. belief sich auf 678 000 Quarters Weizen. Die Ausfuhr Argen­tiniens hat etwas abgenommen, und zwar von 566 000 auf 455 000 Quarters. Die Gesamteinfuhr Europas an Weizen Betrug in der abgelaufenen Woche 1 470000 Quarters Weizen und Weizenmehl gegen 1 305 000 Quarters in der Vorwoche und 1 380 000 Quarters in der gleichen Zeit des Hahres 1923. Die Lieberschüsse Australiens gelangen auch diesmal wieder in ziemlich starkem Maße auf den Markt und vermehren die Konkurrenz, die die Vereinigten Staaten bereits in Argentinien besitzt. Die Ausfuhr aus Rordamerika und hauptsächlich Canada nach Japan hat bemerkenswerterweise stark nachgelassen.

*

* Abbau der Börsenumsahsteuer. Das Reichsfinanzministeriuim erklärte in e uer Be­sprechung mit dem Zentralverband beS Deutschen Bank- und Dankiergewerbes seine grundsätzliche Bereitwilligkeit zu einem Abbau der Börsenum- sah steuer unter der Voraussetzung, daß die Dank- Provisionen ebenfalls ermäßigt würden. Dies wurde zugesagt.

* D i e englische Kohleneinfuhr über Hamburg. Im Hamburger Hasen sind

zu Kadereit:Hetzt läuft sie auch noch davon, die dumme Gans, statt es wegzuwischen: das gibt doch Flecken auf dem Fußboden" und fährt ohne Frühstück in das Institut." Das gleiche -Bild in dem Arbeitszimmer des Instituts:Aas dem Sofa hat wohl nie ein Mensch ge essen. Seine ganze Sitzfläche ist hoch bepackt mit Büchern, Zeitschriften, Akten usw., so hoch bepackt, daß die Stöße mit der Kante der Rückenlehne fast eine gerade Linie bilden. Das gleiche Schicksal teilt der Schreibtisch, der Dich gegenüber in der Ecke, das Regal unter dem Fenster, die beiden Stühle vor dem großen Regal, so daß in der Tat nur ein einziger Stuhl Ehrlichs eigener frei ist. In dm ersten Hahren muhte, wenn hoher Besuch angesagt war, das Kanapee für den Tag ab ge­räumt werden: dann wurden die ganzen Bücher­stöße von Kadereit unter das Sofa geschoben und am nächsten Tage wieder, genau in der­selben Reihenfolge, daraus gesetzt. Später aber war der Aufbau so mächtig angeschwollen, daß das nicht mehr möglich war." Ein so wunderbares Ge­dächtnis Ehrlich für seine Forschungen besaß, so vergeßlich war er sonst:Er schreibt Post­karten an sich selbst, um Wichtiges nicht zu vergessen, und seine Mrkette trägt einen dicken Knoten, der allerdings nie gelost wird. Wenn auf einem großen Briefumschlag mit einigen Schrift­stücken aus der Berliner 3eit in seinen eigenen charaktervollen Schriftzügen zu lesen steht: zurückzubringen an Pro. >stor Ehrlich, Lützow- st raße 88" und auf einen anderen großen Üim- schlag die Frankfurter Adresse und .Finde.' erhält 10 Mark", so mag das auf Paul Ehrlichs Selbst­erkenntnis hindeuten, gelegentlich ein wichtiges

Schriftstück in der Dahn oder Droschke liegen zu lassen." An Feiertage muh er stets längere Zeit vorher erinnert werden. Am Montag sagt ihm z. B. die Sekretärin:Herr Geheimrat, Donners­tag ist Feiertag." Ohne seine Arbeit zu unter­brechen irgend eine mißfarbene Losung wird gerade über der Flamme eifrig geschüttelt und ohne aufrublicken:Ha, wieso denn?"Himmel-- sahrtstag, Herr Geheimrat." Das Reagenzglas wird eifrig weiter geschüttelt. Ehrlich verfolgt auf­merksam die sich darin abspielenden Vorgänge, und> ganz gedankenverloren sagt er:Wieso denn Himmelfahrt? Eine wunderschöne Reaktion!" Pünktlichkeit gehörte nicht zu seinen starken Sei en. Er hatte stets mit seinen Forschungen zu tun und kn in zur Ausarbeitung seiner Vorträge erst immer In der letzten Minute. Vor seiner Amerikareise 1904 lieh er sich monatelang Besuchern gegenüber damit entschuldigen, daß er seine Vorträge aus- arbeiten müsse. Pros. Hund aus Boston prophezeite aber, er werde sie erst auf dem Dampfer schreiben. Als Hund ihn in Baltimore besucht, eine Stunde vor dem ersten Vortrag, begrüßt ihn Ehrlich mit den Worten:Sie haben mir großes Anrecht getan. Sie sagten, ich würde meine Vorträge auf dem Dampfer ausarbeiten. Das tat ich nicht. Ich bin jetzt dabei den ersten zu schreiben." Rur mit seinen Zigarren war Ehrlich lehr ordentlich. Als er zum ®m?faig des Nobelpreises nach Stock­holm kam, lieh er sich alles Gepäck ruhig ab» nehmen, aber von 2 Zigarrenkisten, die er unter dem Arm trug, wollte er sich nicht trennen: Alles, nur nicht meine Zigarren, wirklich gute Zigarren! Don der so häufigenGeistesabwesen­heit" des Forschers erzählt auch die folgende

Freitag, 14. März 1924

lautIndustriekourier" in ter Zeit vorn 23. Febr. bis 7. März 312 650 Tonnen (vom 9.-22. Febr. 241 210 Tonnen) englischer Kohle eingelaufen.

* Die Bewertung des Betriebs­kapitals bei bei Der mögens steuer 1 9 2 4. Der Zentralverband des Deutscher Groß­handels teilt mit, daß nach den Durchsührungs- ^ immunge für b e Vermögenssteuer 1921 an­statt der Anschaffungs- oder Herstellungspreise LD.n 31.12. vie Vorräte an Rohstoffen, Halb- fab.-tBaten, Fertigfabrikaten sowie Waren mit den Preisen vom 1. April 1924 eingesetzt werden köw uen, wenn biefer Preis niedriger ist.

* Großer Erdölfun bin Hannover. Wie von zuständiger Seite mitgeleilt wird, ist eine Tochtergesellschaft der Deutschen Erdöl A.-G. in der Gegend von Celle (Hannover) mit einer tn Deutschland bisher unerreichten Oelproduktton fündig geworden. Trotzdem zur Sicherung der Produktion die Sonde stark gedrosselt ist und nicht im vollen Ausmaße ihrer Leistungsfähigkeit, die auf ein mehrfaches ihrer augenblicklichen Produkt tion zu schätzen ist, produzieren kann, läßt sich die tägliche Ausbeute mit 300 000 Kilo­gramm annehmen. Die Bedeutung des Fundes wird ersichtlich, wenn man sich klar macht, daß die Produktion dieser einen Boh­rung großer ist als die gesamte übrigc deutsche Produktion und daß bei bei4 Ratur des Lagers eine langdauernde Produktion zu vermuten ist. Das Oel stammt aus der er­heblichen Tiefe von 750 Metern, aus der in Deutschland bisher noch kerne Produktion ge­wonnen wurde. Für die Deutsche Ordöl A.-G. be­deutet die Erschließung des Lagers etwa eine Verdreifachung ihrer Produktion.

* Die Steinkohlenforderung Deutsch-Oberschlesiens im Februar belief sich lautIndustrie-Koarier" bei einer fördertäglichen Leistung von 39 188 Tonnen (Han. 37 978 Tonnen) auf insgesamt 940 510 Tonnen (987 419). Der Absatz innerhalb Deutsch-Ober- schlesiens Betrug 405 566 (518 274) Domren. Rach dem übrigen Deutschland gelangten 517 769 (538 102) Tonnen, nach dem Auslände, und zwar nach Polnisch-Oberschlesien 5323 (4613) Tonnen, nach Deutsch-Oesterreich 648 (0) Tonnen. Der Kohlenbestand betrug am Ende des Berichts- mo^ats 105 426 (79 527) Tonnen, der KvkÄe- stand 29 743 (22 012) Donnen. Die Wagengestel­lung war durchaus regelmäßig. Es wurden ins­gesamt 73 631 Wagen (76 101), arbeitstäglich 3068 (2927) Wagen angefvrdert und gestellt.

* Englische Stimmen über zu hohe deutsche Preise. Rach englischen Berichten haben sich die Preise auf der Leipziger Messe weit höher gestellt, als die anderer konkurrieren­der Länder. Hauptsächlich kommen da gegen­wärtig Frankreich und Belgien in Betracht. Luxuslederwaren werden als 30 v. H. höher als französische bezeichnet. Trotz der Herabsetzung des englischen Zolls auf deutsche Waren für Repa­rationszwecke glaubt man in England nicht, daß bei den gegenwärtigen Preisen für die deutschen Fabrikanten große Aussichten auf englisches Ge­schäft vorhanden sein werden.

* Deuts cherBerzicht auf spanisches Erz. Die deutscherseits unternommenen Demüh-- ungen, erträgliche Absatzbedingungen für die Ein- fuhr deutscher Erzeugnisse nach Spanien zu er­zielen, sind bisher gescheitert. Trotzdem die deut­sche Währung seit vier Monaten stabil ist und die deutschen Preise über Weltmarktpreise liegen, hält die spanische Regierung an der Erhebung eines völlig unberechtigten und untragbaren Valutazuschlags fest. Infolgedessen kommt einer­seits die Ausfuhr deutscher Erzeugnisse nach Spa­nien mehr und mehr zum Erliegen. Andererseits wird die Beschaffung der zum Ankauf spanischei Rohstoffe erforderlichen Peseten immer schwie­riger. Führende deutsche Eisenhüttenkonzerne, die früher ihren spanischen Grzbezug vielfach mit der Lieferung von Maschinen, Apparaten usw. be- zahllen; haben sich nunmehr dazu entschlossen, ihren Erzbezug aus Spanien solange einzustellen, bis die spanische Regierung bereit ist, die deutsche Ausfuhr nach Spanien unter den gleichenBe* bingungen zuzulassen, wie sie anberen Ländern gewährt toerben.

* Konjunkturumschwung in den Vereinigten Staaten? In amerikanischen Handelskieisen beklagt man sich darüber, daß das Geschäft anfängt zurückzugehen. Die Hauptur­fachen sind in den hohen Herstellungskosten und dem Sinken der europäischen Wäh.nngen za suchen, andererseits trägt auch die unsichere po­litische Lage dazu bei. Die Säöffnungen auf eine Herabsetzung der Zölle durch die Anwendung des dehrbaren Tarifs und auf eine daraus fol­gende Derbllligung der Preise sind vergeblich gewesen.

* Die Produktion des Ford-Kon­zerns im Hahre 192 3. Henry Ford hat im Vorjahre 2200000 Kraftwagen aller Art fer­tiggestellt und hofft, im lausenden Hahre die Zahl auf 2 500 000 bis 2 600 000 zu bringen.

Geschichte. Er lieh Versuche mit Ratten machen: als keine Ratten mehr da waren, wollte der Mitarbeiter Mäuse nehmen.Rein, Sie müssen Ratten nehmen," erklärte Ehrlich ungeduldig, denn die haben - Schwänze." Als der andere bescheiden darauf hinwies, daß Mäuse auch Schwänze hätten, dachte Ehrlich nach und sagte dann, eifrig nickend:Ganz recht, Mäuse Baben Schwänze,, eine sehr gute Beobachtung!"

Eugen Diederichs, Kölner Ehrendoktor.

Die philrsophische Fakultät der Universität Köln hat dem Berlagsbuchhändler Eugen Die­derichs in Henain An -rkennung seiner unver- drrssenen und opferfroh n Arbeit für die deutsche Kultur" die Würde eines Dr. Phil. h. c. ver­liehen. Mit vollem Recht wird hier durch die junge Kölner Universität die Lebensarbeit eines Mannes geehrt, der mehr als mancher zünftige Akademiker bestimmend auf das geistige Leben Deutschlands eingewirckt hat, indem er seinen aas kleinsten Anfängen auf gebauten Verlag, immer in uneigennütziger und weitschauender Weise, neuen und zukunftskräftigen Iden und Persönlichkeiten geöffnet hat. Als Mitbegründer desWerkbundes" hat er dem neuen Buchge­werbestil an erster Stelle mit zum Siege ver­halfen. Der Hugendbewegung und der Volks­hochschule hat er als tätiger Freund nahe ge­standen. ülrsprünglich praktischer Landwirt, grün­dete er nach Staaten- und Wanberjah.er seinen Verlag in Florenz, verlegte ihn je Dorf), bald nach Leipzig und endlich, um seiner Thüringer Heimat und der Srabifra des klastischen Deutsch- Tar.b nahe z-a sein, nick ? ?.ri