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mit der Keule zu Leibe gegangen fein. 3n der jün­geren Altsteinzeit findet man kenn Speere mit Geweih- und Knochenspihen. auch mit außer­ordentlich fein und dünn gearbeiteten scharfen Feuersteinspiyen. 3m Rahkampf wurden Knochen­dolche verwendet. und als indirekte Waffe diente der Grabstock, mit dem der diluviale Jäger die wichtigen Fallgruben anlegte. Dogen und Pfeile waren unbekannt: sie sind erst eine viel spätere Erfindung. Als wirksame Abwehrwaffe gegen die riesigen Tiere, die ihn bedrohten, benutzte der Ur- mansch das Feuer, das es ihm allein ermöglichte, sich in dem furchtbaren Ringen ums Dasein zu behaupten. Die Menschheit, die damals in kleinen Horden auftrat und ein ruheloses Wanderleben führte, muhte sich im harten Kampf seiner Feinde erwehren .

Unter den Tieren, die gejagt wurden, spielt das Kleinwild eine geringe Rolle. Fischerei wurde überhaupt nicht getrieben; als Grund für diese merkwürdige Erscheinung möchte Schuster eine dem Urmenschen anhaftende Wasserscheu an» nehmen, die ihm vielleicht von den affenähn­lichen Dorfahren vererbt wurde Dogelknochen sind auch so gut wie gar nicht in der Hinterlassen­schatt des Rcanderialers angetrvsien worden Ihm fehlten die Waffen wie Wurf Hölzer oder Schleu­dern. die gegen die schnellen F ieger wirksam ge­wesen wären. Dazu kommt als Grundgesetz der ältesten Jagd das derRentabilität"; man suchte möglichst viel Fleisch als Deute zu erhalten und bevorzugte daher das Großwild. Unter den Klein­

säugern ist allein der Diber von dem Altstetn- zeitmenschen gejagt worden, da er dessen Lebens­gewohnheiten genau kannte und mit einem Speer oder einer Keule, ja mit geschickten Steinwürfen das schwerfällige Tier Kriegen formte. Unter dem mittleren Großwild ist der Där das beliebteste Iagdtier, nicht der riesige Höhlertbär, dem man höchstens durch Ausräuchem seiner Wohnung beikommen formte, sondern der braune Där, dessen Knochen z. D. in dem Fundort von Taubach mit über 21 Prozent vertreten sind. Zum Kampf Mann gegen Mann" war auch der braune Dar der Urzeit wohl zu stark unb wild, und so mag man ihm mit Fanggruben ein Ende bereitet haben. Der Urstier erscheint ziemlich selten als Jagdbeute, weil er für den kleinen Reandertaler ein zu be­drohlicher Gegner war. In der jüngeren Altstein­zeit wird der Jäger öfters den ahnungslos wei­denden Difon von Hirnen beschlichen haben, wie wir es auf einer Knochenzeichnung der Zeit sehen. Elch und Riesenhirsch, die eine grobe Wehrkraft besahen, sind ebenfalls recht spärlich unter der Jagdbeute der Urzeit vertreten, etwas häufiger das Wildschwein und in der jüngeren Altsteinzeit ziemlich häutig das Wildpferd. Der Reandertaler war wegen seiner Plump heft und noch gering ent­wickelten Intelligenz nicht zur Sleppenjagd geeig­net. aber die späteren »riflig höher stehenden und körperlich gewandteren Menschenrassen stellten dem Pferd eifrig nach, das allmählich zur beliebtesten Jagdbeute wurde. So fand man am Fuße des Felsens von Svlutre die Refte von etwa 10000

Pferden. In einer noch späteren Epoche wird dann das Renntiei am meisten gejagt. Der älteste 3äger aber stellte hauptsächlich den größten und fleifchreichsten Tieren nach, weil ihm diese am leichtesten die Wahrung boten. Er erlegte in Fall­gruben den Waldelciantcn. dessen Ueberreffe sich sehr zahlreich finden, das Mammut und das RaS- horn. Rur diese Tiere mit ihrer gewaltigen Fleischmaffe lohnten die mühsame Anlegung der großen Gruben und den Einsatz des Lebens, der auch dann noch mit der Erlegung der Tiere ver­bunden war.

Hohe Preise für Napoleon-Briefe.

Die interessante Sammlung von Autographen Rapoleons und aus der Zeit der französischen Revolution, die dem Desitz des verstorbenen Lord Crawford entstammt, ergab bei der Ver­steigerung in London im ganzen gegen 2600 Pfund. Den höchsten Preis erzielte dieOde" Andre Ch 6 niers zur Erinnerung an Charlotte Cordah. deren Handschrift 175 Pfund brachte. Die verhältnismähig seltenen Briefe aus der Frühzeit Rapoleons wurden mit 37 bis 41 Pfund das Stück bezahlt. Ein Schreiben Rapo­leons als Brigadegeneral vom 24. Juli 1795 brachte es auf 48 Pfund, ein Dries ÄelfonS auf 22 Pfund. 8 Driefe und Dokumente, die sich auf den Prozeh des sranzöfischen Revolutions- Helden Fouquier T i n v i l l e beziehen, wurden für 72 Pfund zugeschlagen.

dr.294 Zweites Slatt

Sletzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Außenpolitische Umschau.

Don Professor Dr. Otto Hoetzfch. M. d. R.

Die deutschen Wahlen haben zunächst den festen Willen des deutschen Volkes gezeigt, die Ordnung aufrechtzuhalten; es hat d e ex­tremen Parteien rechts und links abgefchütlelt. Immerhin sind 2,7 Millionen kommunistische Stimmen mit 45 Abgeordneten geblieben, an sich keine allzu grobe Gefahr, aber ein Zeichen, wie lebendig noch der Kommunismus ist, der seine Wurzeln In Deutschland vornehmlich auÄ bet Gewaltpolitik der Franzosen hat ziehen können.

Man stellt auf bet Linken jubelnd und mit der Zustimmung bet entsprechenden Auslands­stimmen fest, bab bie Wahlen keine Mehrheit gegen bie Republik und keine Mchrheit gegen den Dawes-Plan gebracht hätten Das ist auch kein Wunder! Denn wider der Dawes» Plan noch die Republik sind überhaupt Streit­gegenstand beS Wahlkampfes gcwcs n Auch für bie Gegner beS Londoner Protokolls stand fest, buh es heute bie rechtliche Bindung der deutlchen Außenpolitik barstelli und bab leine Deränderung, Detbefs.tung, Re­vision bie nächste Pflicht sei. Dementsprechend hat baS Lvnbvnet Protokoll im Wchlkamps eine Kampfrvlle nicht gespielt. Gb.msowenig bie Re­publik unb ihre Dersasfung, bie von der Linken als Gegenstand beS Partcikampfes hereingezogen wurde, bie die Rechte wahrhaftig nicht liebt, beten Deränderung aber bie Rechte nur auf bem gesetzmäßigen Wege anstrebt. So war auch bie Verfassung, die niemand bebrobt, kein Gegenstand beS Wahsk.impfes. Der Wahl­kamps war rein innenpol t sch. Er drehte sich um den Gegensatz von rechts und links iin Innern unb er hat eine erhebliche Verstärkung der auf den Dürgerblock und gegen die Sozialdemo­kratie gerichteten Elemente gebracht. Er hat er­freulich gezeigt, bab das deutsch.' Volk zu einem groben Teile nicht gewillt ist, sich feine Meh heit und Regierungesorm durch Wünsche aus dem Ausland verschieben zu lassen. Außenpoliti ch bedeutet weder er noch sein Ergehn.s e ne Er­schütterung der Lage, wie sie nun einmal ist.

Währenddem sprachen Chamberlain unb Herrioi mit einander. Durch ihr G sprach ging das Streben, bie Entente zwischen Frankreich und England so sehr we möglich zu beteiligen und zu diesem Zwecke nicht nur die europäischen, sondern auch die außereuro­päischen J agen hercinzuziehen unb sich üb r blefe zu Di-rftanbigen. DiS ist vorläus g auch ge­lungen. England und Frankreich wollen in R o rb- a f r 11 a unb Im Orient verständnisvoll zu­sammenarbeiten. F ankreich mit freier Hind in Rorbafrika, aber unter D rückficht gung ber englischen Interessen in Gibraltar, England mit freier Hand in Aegypten, beide möglichst reibungslos zusammenarbeitend in Syrien, Palästl na. Angora. D ide orientieren sich über Ihre Verhandlungen mit Rublanb und nehmen in Aussicht bie Verstäub gung gegen den Bolschewismus in den ISlamlandern.

England schiebt die Ratifikation des Gen­fer Abrüstungsprotokolls, bas von Frankreich unb 16 Staaten schon angenommen ist, noch hinaus. So wird diese Frage erst Im März Welter erörtert werden, daher verliert die Völker- bundSverhandlung in Rom erheblich an Interesse. Aber lehr nachdrücklich trat Chamberlain für den Völkerbund ein.

Zuletzt. Die Verständigung über Militärkontrolle und Räumuntz der Kölner Zone. Man wartet den endgültigen Derlcht der Internationalen Kommission ab unb will ihn prüfen. Man will erst danach die Kölner Zone so räumen, bab Ruhrgebiet und Kölner Ge­biet g l e i ch m ä b i g geräumt werden, wozu vielleicht Herriot den Termin der Räumung des Ruhrgebiets noch etwas vorausnimmt. Dahinter laufen bann weiter Besprechungen über Genfer Protokoll ober Garantievertrag für Frankreich, alleS aber auf einer sehr ins Weite weisenden Linie, weil Chamberlain alle diese Dinge mit den selbständigen Kolonien unb im gefamtbriti- scheu Reichsinterefse behandeln will.

DaS ist überhaupt ber durchgehende Zug: Die noch energischere Vertretung der Reichs- Politik, die auch in der Thronrede des 9. Dez. nachdrücklich betont wird unb, wie dort auch in Aussicht gestellt, Vorzugszölle für Güter aus anderen Teilen des Reiches in erweiterter Form vorsieht. Diese Ankündigung berührt un­mittelbar auch Deutschland, weil in dem Handelsvertrag zwischen England und Deutsch­land ausdrücklich die Freiheit für diese DeichSzollinteressen Vorbehalten ist.

Wenn also jetzt eine neueRegierungin Deutschland an bie nächsten Aufgaben: Lon­doner Protokoll, Handelsverträge, Militärkon- vention und Völkerbund geht, so steht sie einer doch sehr geschlossenen Front zwi­schen England und Frankreich gegen­über. Ein Bündnis mit Frankreich in Form einer Militärkonvention lehnt Chamberlain ebenso ab.

wie fein Vorgänger; et wird England nicht in das französische System derRegionalverträge" hereinziehen lassen. Soweit also wie ^u der Bil­dung eines gemeinsamen Lagers, wie seinerzeit mit den Abreden zwilchen Grey unb Cambou und im Kriege, geht die englische Politik heute be­stimmt nicht, kann sie nicht gehen wegen ihres Verhältnisses zu Amerika unb ihrer über bie ganze Erbe sich hinerstreckenden Sorgen. Aber gerade deshalb hält das konservative Kabinett, hält auch Chamberlain, der von einer Vorliebe für eine ober die andere Ration ganz frei ist, die Linie mit Frankreich so fest, wie das aus seinen ersten Berührungen mit Herriot hervor­trat. Das bedeutet für Herriot naturgemäß eine kräftige Unterstützung, unb bas erforbert von Deutschlanb eine sehr sorgfältige unb vorurteils­freie Einschätzung ber Europa-politischen Lage, vor die bie neue deutsche Regierung gestellt ist.

Diese kann nach unterer ileberAcuqunn nur bie ber bürgerlichen Kräfte sein für bie bie Mehrheit ja vollständig ausreich- Rur sie ist in ber gegenwärtigen Lage fähig unb ge­eignet, geschlossen unb fest, positiv unb mit natio­nalem Rückgrat, an Stelle einer demokratischen pazifistischen Illusionspolitik, bie nationale Realpolitik durchzusühren, die Deutschlanb jetzt dringenber braucht als je!

Der Botschafterwechsel in Washington.

Der provisorischen Besetzung des Washing­toner DotschafterpostenS durch den Krupp-Direktor Herrn Dr. W l e d f e k b t ist nunmehr nach zwei­einhalb Jahren bie endgültige Regelung g-folgt: ber Staatssekretär Im Auswärtigen Amt, F r h r. v. M a l tz a h n, wird in wenigen Wochen seinen Einzug in das Botschaftsgebäude In ber Massa­chusetts Avenue halten. Die diplomatische Um­gruppierung sollte eigentlich schon im F ühjahr vorgenommen werden. Herr Dr. Wiedfeldt hatte damals bereits einen Vertrag mit den Krupp- Werken in ber Tasche, auf Bitten des Berliner Auswärtigen Amtes ist er aber noch ein weiteres halbes Jahr in den Bereinigten Staaten geblie­ben. Als Herr Wiedfeldt bie diplomatische Ber- j tretung des Deutschen Reiches in ber amerikani­schen Bundeshauptstadt übernahm, fand er noch eine allgemein Deutschland wenig freundliche Stim­mung vor. Seiner)rung der Amtsgeschätte ist es zuzuschreiben, baß zuerst aus den amt­lichen amerikanischen Stellen die deutsch-feindliche Stimmung wich. In die Zeit seiner Tätigkeit fiel ber Abschluß eines Handelsvertrages, ihm gelang es auch, bie Frage des deutschen Eigen­tums, das während des Krieges in Amerika be­schlagnahmt wurde, einer zufriedenstellenden Re­gelung entgegenzuführen. Durch bie Ernennung Malhahns hat das seit Monaten anhaltende Rätselraten über die Rachfolgeschaft Wiedselbts sein Ende gefunden. Cs ist zu wünschen, bah es ihm gelingt, das freundschaftliche Verhältnis zwi­schen den beiden Rationen nach allen Richtungen hin auszubauen.

Großbritannien öffnet die Archive bis zum Jahre 1878.

Kürzlich ersuchten einige hervorragende bri­tische Historiker bas Auswärtige Amt in London, daß bie britischen Archive und insbesondere der Teil, der sich auf die Periode unmittelbar vor Kriegsausbruch te .icfjt ber Oerf nt- lichkeit zugänglich gemacht werden, ßiaatefelre är Chamberlain anerkennt in einem Schreiben an Doktor Seton-Watson die Schwierigke ten, welche die alten Vorschriften über Veröffent­lichung der britischen Staatsarchive ber objek­tiven historischen Forschung bereiten. Ramsay Macdonald hätte bereits Instruktionen ge­geben. die den Intentionen der Gesuchstellen: im allgemeinen entgeg?nfommen, und deshalb bleibe ihm nichts anderes übrig, als diese In­struktionen zu bestätigen. Die Staatsarchive waren den Historikern nur bis zum Jahre 1860 zugänglich. Diese Zeit werde jetzt bis 1878 ausgedehnt und es fei Hoffnung vorhanden, daß die Archive ber übrigen Ministerien ebenfalls für diesen Zeitabschnitt zugänglich ge­macht werden. Weitere Mahrahmen werden er­folgen, sobald die Zustimmung der Do­minions gesichert erscheint. Einige Dominion- haben sch bereits günst'n geäufprt. Eine Ver­öffentlichung ro Dr efschaf en.nelch: die allgcme.ne europäische Lage, die zum Kriege geführt hat. betreffen, wird der bekannte Verlag Govch & Temperley im Ramen des Auswärti­gen Amtes berauegeben. Chamberlain ho ft. daß diese Publikation in der allernächsten Zeit er­scheinen wird. Schließlich spricht Chamberlain seine Bereitwilligkeit aus. auch weiterhin die historische Forschung durch Zugänglichmachung von Staatsarchiven zu unterstützen.

Aus Stabt unb Canb.

Gießen, den 12. Dezember 1924.

Lehr geehrte Redakion.

Mei Bruder, der sich Kallche Dadder Söhnior nenne tut. hott mich gebede Ihne ze schreiwe. deh er aach krank is un soll aich Ihne mitbeile, wovon er hott schreiwe wolle, er maant. deh aich doch ebbes besser mit de Fedder umgehe tät Also Kallche Dadder Söhnior hott sich vcrlalH. weil er oam vorigte Sunntaag bis um ec ilbr in der Schulschtroh geftanne hott un däi neuste Wahlergäbnisse an der Exbcdition schtudiert hott. Bei dem Rechne und Zusammeschtelle der viele Zahle un Zifsere is es cm ganz blümerant) im Kopp gewordc un owedruff hott er noch ganz faale Fcuß krieht. däi aach nett durch e Baar Berdelchc aus 'm Fenticlche aagetoärmt konnte wern un so hott er noch dis zum annern Morgc im Bett gefröre un geschlabbert un aach der Kamillethee. den fei Kadrinche gebraut hott, hott so gut wäi nix gebatt. Er feggt die Woahl hättn zu sehr uffgeregt un aach däi Daddeie, bene er nett sör Hanau fei Schlimme gegewe hätt. llcberbaubt des gucke oam Fenster von der Ex- bedition in der Schulstrooh is nett Icddermanns Sach. Rewe mir hott aaner gefchtanne un hott sich die Schtimmc nouiert un aach von owe bis unne zelamme gezoge un do is er uff däi Zoahl von 375 844 Schtimmc allaans aus der Schtadt Gieße gctommc. sei Rewemann könnt aach nett besser addiere, er kroag nor 5299 eraus. Der aane wollt ganz richtig gerechnet Howe, der ärmere aber aach, es tarn zu cm llaanc Wortwechsel, der mit der Aasicht oun cm Dritte:Ihr seid alle zwaa Dommköbb" sei End sand.

Als aich mich oam Sunndag früh gerat) noch emoal im Bett erumdrehe wollt, fing gerat) däi Musik an zu bloose. Ru. denk aich. hunn mer beim Kermes in Gäihe obber Fassenacht odder gar schoo des Dornfest, ich riß bcs Fenster uff un frug den am Eck von der Dreihäusergass' stehende Schutzmann, woas des zu bedeute hätt. ^Reichstoagswoahl" war däi Antwort. Woas? Reichstoagswoahl mit Musik, des hott mer in Gaiße noch nett erlebt. Wenns so weiter gieht. wird in de Wahllokäler aach noch getanzt un Schobbe gepetzt. So gege drei sein aich wehle gange un hunn mit em Zimmermannsblauschtifft e besonnerscht dick Kreuz uff de Woahlzeddel ge- schriwe, uff welche, des werd nett verrate, denn- däi Dreihäu'ergäiser wi.fe ihr Woahlge^eimniß zu hüte. Der Andrang an bc Doahlurn war so stark, bah mer Dol neck schtche mußt wäi vor Ioahrn vor em Worschtladc. Hinner mir koam c Zraa an de Reih, in der aane Hand de Schümm-- zeddel. in der annere e Schboarkafsebuch.Herr Woahlvorschtehcr," feggt fe, wäi de Zeddel in de Urn verschwunne war,aich hunn siewe Kreuz - eher druff geschriwe, weil siewe Daddeie ver- schbroche hawc. deh fc Hibbedeke und Schboar- bicher ufftoerte wollte, häi es mei Schboar- bichelche mit väirhonnert Moark Eilaa, aich mecht bitte, deh fe mer des glci ufftoerte.Ja liebe Frau," feggt der Dorfchtehcr.so rasch geht des nett, däi annere Daddeie hatoe aach de Ufftoer* tung verschbroche un wenn fe alle ihr Der- schbreche haale, dann werde ©äi aach uff geteert ehnder nett. IterigenS is Ihr Woahlzcddel un­giftig, denn es berf nor aa Krcuzchc druff schteh." So," feggt die Fraa. .bann gerne fe mer en annern mit de Bad bei, däi aach teerklich uff­toerte tut .DeS geht aach nett," feggt de Dor- schleher,fe misse sich etoe gedulde, nemmc fe ihr Bichchelche nur Widder mit Haarn un warte fe bis de ilfftoertung im Aazcicher schtieht"

Aich hunn aach e Schboarkassebuch un mcchtS gern uffgetoert wisse, deshalb mecht ich Säi, geehrter Herr Redakdör, bitte beför ze sorge, deß baal e mol im Aazeiger zu lese is, daß däi Schboarer, Klaarentner un Hibbedehkegläubiger schlatts 15 Prozent mindestens 75 Prozent kriehe womit ich herzlich grüße

Ihr

Schosch aus der Dreihäusergass.

Liewer quder Zeidungsonkel.

Wer die Woal hatt, hatt die Gteahl, hatt mei Dadder gefagb unn ich hab gesagd. gell Dadder. du meinsd di Kättche Waal aus der Linnegah. die wo neidig ihm mann geschmifse hatt? Dummer Dub hatt mei Dadder gesagd. ich mein di wähle, w. a. h. I. e.. doß de so sache ferwexelfb. deh fi^imt bloß so deiner schlächde odrografie. sonht dähdsde wisse, wos sv e Wahl ih. deh ih e gwohl for mensch emr Vieh. Wer wisse will, woh er for e schlächder tert ih. der braachd sich blos alh kanndidad usfschdelle ze lohe, do krichd ers gesochd. unn do heihd es. guckd emol do. ihr leud. dem sei dreckig Wäsch, den, so en kerl wolld ihr wähle?, ich dähd mich schäme, so wah ze duh. wihd ihr. dem sei linner- wägelche! unn. wie er drei johr alb war. bem fei Unnerhös'cher. unn alleweil, hier ihr leud, beguckd euch emol bem fei sackbichchelche. mer wolle es emol for alle brave leud fautoer Wäsche!

Samstag, 13. Dezember 1924

Wähld mer so cn kandibabd? Awwer die Wohle sinn Dcritotocr unn bo misse sich etzenb Di ^cud allmälig bra getoebne. bi warheib ze Heern. Fluch- bläbber hawwe meifdendeils kein werd nett. Aw- wer gebauerb hott mich doch c jeder buchdrukker der so fache hott drukke misse unn Dci ZeidungS- onkel. in dem seiner Dchdubb hott noch bie Wahlnachd um drei uhr deh lichd gebrennb. denn da hab ichs noch geseh. wie ich in die pell- kahnabbebek gclaafc btnn. um for bi mubber ballbriabnbrobbc zc hole, weil se sich in so ncr teahlscrsammlung wo btos borchenanner gckrischc worrn ih, so avd> ussgeregd hott. Ich hob bloS gebenfb, so c redackdötzr unn sei Gehilfe, bi wisse nii som achdschdunnedag. di howtoc noch e achd- schdunnenachb de bei gemachd. Iwwerhaubb unn so. toi wärsch bann, waim mer fo e achdschbunne- nachd innfuhm dähbe. 'Deh wär doch Widder emol ebbes neues! Kall, hott bo mei mnbber geruse. hör uff mit berc bolidick unn sag so tooh nett öffendlich. denn be tocißd nett, tooh boh for folge hawwe kennd unn euch mannSleid bähd's fielleichd basse, wann ihr die achdschdunnenachd im w rtshauh zubringe tönnb unn mir toeibS« leub sähe allaa dehaam. Do werd nif drauß!

Seid friedlich hobb ich bo gesagd, unn cS iS c goddesglick, doß bi Woahl vorriwwer. ihm daß du. liewer Zeibungsonke! Widder Dci nachd- ruh hosd unn aach Sei Gehilfe unn mer wolle unh etzenb all uff's Chriskinnche freue, besonners arotocr aach die, wo bißher so fiel gwahl gc- habbd hawwe.

Dci Kallche auh der zozzelSgaß.

Die Weihnachlsbärime.

Mit einem Male ist mir so weihnachtlich zu- mute geworden, als ich dieser Tage bie ersten Weihnachtsbäume sah. Sie standen an denselben Ecken, wo sie jedes Jahr gestanden haben.

Anwiftkürlich bleibt man einen Augenblick stehen und sieht sich die grüne Pracht an, die aus dem Walde hereingekommen ist, um un­sere Stadt weihnachtlich zu machen. Wo mag die Heimat di.ser 'Säume gewesen seinl Sind sie grob geworden in einer Schonung am Hange fünfter Höhenzüge? Wuchsen sie auf steilen Der- £en aus kleinen, mühsam gepflanzten Tännlein empor? Oder haben sie sich gar selbst angc- pflanzt, wie das fo häufig ist?

Ich möchte dabei gewefen fein, alS sie geholt wurden! Da fährt der Wagen in den Wald: auf ganz schmalen, gras überwachs cnen Wegen, über die sonst nur Reh und Hase, Eichhörn­chen und Fuchs hinhuschen, höchstens einmal ein paar Raturfreundc, in den stillen Anblick der Waldeinsamkeit versunken, wo aber sonst kein anderer Laut zu hören ist als das Pfeisen des Windes in den hohen Tannen, das Schreien des HäherS aus den kahlen Daumwipfeln, das Gur­ren der wilden Tauben auS dem Grunde der be­nachbarten Waldschlucht. Der Förster geht mit einer kleinen Axt voran, zeichnet die Däume, die herauS sollen, ruft den nachfolgenden Hauern etwas zu; sie sehen chre Axt an, die kleinen grünen Pyramiden ftünen nieber, werden zum Wagen geschleift, verladen und kommen in die Stadt.

Dielleicht ist es auch besser, man sieht bai nicht, eS ist ja doch nur so eine Art Massen­sterben unter ben hoffnungsvollen Däumchen. Die bad Licht lieben, tote wir auch. Rur der Gedanke, daß sie den Kindern in der Stadt toeihnachkliche Freude machen sollen, läßt dieses rauhe Handwerk in dem Strahlenglanze einet angenehmen Notwendigkeit erscheinen. Würde man sonst nicht sagen es ist schade, daß bie Däumchen fo früh dahin müssenI

Run stehen sie bei uns. Täglich geht man daran vorbei, sucht wohl mit ben Dlicken unter ihnen, ob ein geeigneter babei ist, wird von ben Kindern gefragt, toarm man ben Daum kaufen soll unb wartet noch. Manche lieben ihren Daum früh zu kaufen, sie glauben, bah ba bie schönsten zuerst auf ben Markt kommen; sie zahlen lieber einen höheren Preis unb freuen sich dann an dem Desitz des hübschen Stämmchens, das sie in den Garten hinausstellen, bamlt die Radeln nicht abfallen. Andere wieder haben die Erfahrung gemacht, daß man fein Däumchen am besten in der letzten Stunde kaust, weil es dann am billigsten ist; freilich darf man dann nicht mehr so sehr mit ber Schönheit und dorn graben Wuchs des einzelnen Exemplars rechnen; man muß dann einfach nehmen, waS übrig ge­blieben ist.

Ist es nicht ein traulicher Oebanfe, ein schönes Gefühl, daß es Tannenbäumchen zu lau­fen gibt, an denen amHeiligen Abend" fröh­liche Kerzen unsere Christtteude bestrahlen werben? H.

* D i e ersten G o l b stücke im Ver­kehr. Gestern vormittag sind bei ber Dank des "Berliner Kassenvereins 3003 Mark in Gold in Zwanzigmarlftückcn zur Einzahlung gefa gt. bie im weiteren Verlaus to.cber durch Auszahlungen

Die älteste Jagd.

Die schönen Wintertage, bie wir jetzt durch- leben, erhöhen dem Jäger die Freude anJeinem Handwerk, dem er sich in dieser Achresz^l mit besonderem Eifer hingek^n. darf ®ie ?ur edlen Weidmannskanft ist ja den Menschen t ei eingeboren, denn die Sagt) gehört zu bea -Ur- beschäft gungen der Menschhnt. und schon m ber älrzeit widmete sich der Mann diesem aben­teuerreichen und gefährlichen Kampf um die Ra^ rung. während er das friedliche ©tnfommeln von Früchten und Deeren der Frau überlief). Wo totr in ber älrgeschichte auf die ältesten Spuren mensch­lichen Daseins stoßen, da sinden wir auch 'chon primitive Formen der Jagd, und von vieler Jagd des Ältst einzcitmenschen gibt Dr Erich Schuster in seinem soeben bei QUejranber Sünder in Weimar erschienenen Duch'Die Alt­steinzeit" ein anschauliches Dild. Seine Darstel­lung beruht hauptsächlich auf den großartigen vorgeschichtlichen Funden von Sühenborn, von Taubach unb Ehringsdorf, die im Weimarer Museum Aufstellung gefunden haben unb gerade für dieses Gebiet das wich.igste wissenschaftsiche Material liefern. Die Waffen, mit denen der Llleste Mensch der sog. Reandertaler, den Tieren nachstellte waren bie denkbar primitivsten. Wir haben uns als Hauptjagdwaffe Hokzspeere vor­zustellen, die mit Feuerstc ngcraten zugefpitzt und km Feuer noch besonders gehärtet wurden. Da­neben mag der Altsteinzeitmensch bem Tier auch