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popfchecktonto.
grantturt t. M. 11686.
Blatt
174. Jahrgang
Samstag, 13. Dezember 1924
General-Anzeiger für Oberhessen
Druck und Verlag. VrLhl'sch« UmverfltSls-vuch- und Stelnörudcrd H. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstraße 7.
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Die Militärkontrolle.
Was die Kontrollkommission berichtet.
Vari«, 12. Dez. (211.) Der ,Olcut)orf He- ralb erfährt au6 Berlin über den Stand der Interalliierten Militärkontrolle folgend« angeblich authentische Angaben:
Die Interalliierte Militärkonttolle wird am 1. März zu Ende gehen. Ein AuSschußdes Völkerbundes werde die Kontrollkommission ersehen. Diese sei in ihrem Bericht au dem Schluß gelangt, daß die Abrüstung Deutschlands im großen und ganzen durchgcführt ist. Immerhin mache die Kommission einige D e • anstandungcn und behaupte beispielsweise, daß in verschiedenen Gegenden Deutschlands große Mengen vonHandwassenver- st e ck t seien. Ohne der deutschen Regierung einen direkten Borwurf darüber zu machen, werde die Kommission darauf hindrängcn daß eine scharfe Rote an Deutschland abgesandt werde. Der Bericht enthalte außerdem die Forderung nach einer Reorganisation der Polizei, die künftig in kleine Verbände eingeteilt und der Verwaltung der einzelnen Gemeinden unterstellt werden solle. Die Kommission verlange weiter dteOessnung der militärischen Archive zur einwandfreien Feststellung des Standes der deutschen Rüstungen bei der Kriegsbeendtgung sowie Schleifung der Küstenbefestigungen.
Inzwischen ist, wie der „Qltatin“ meldet, gestern abend im Ministerium des Auswärtigen
ein Bericht der Kontrollkommission eingelaufen. Es handelt sich nicht um den Schlußbericht. Der „Matin"-Bericht ist offenbar offiziös inspiriert. Die franzöftsche Regierung scheint cs für richtig gehalten zu haben, den maßlosen Hebertreibungen der Presse über die Ergebnislosigkeit der Militärlontrvlle in Deutschland enlgegenzutreten. Die Dvtschasterkon- ferenz, so meint das Blatt, werde ohne Zweifel feststellen, daß Deutschland die sämtlichen militärischen Klauseln des Versailler Vertrages erfüllt habe und vorläufig kein Grund vor- liege, die Desehung im 'Meinland irgendwie abzuändern.
Im übrigen verzeichnet das Blatt folgende Mitteilung eines höheren französischen OfftzierS. Aus die Frage: Trifft eS zu, daß Deutschland rüstet und sein Generalstab bereit ist, einen neuen Krieg zu unternehmen? antwortete der Offizier: Rein, und abermals nein! Wir haben in Deutschland seit Einsetzung der Kontrollkommissionen ca. 87 003 Maschinengewehre, 33 000 Kanonen und 5 Millionen Gewehre zerst 5 rt. DaS Reich besitzt weder Artillerie noch Flugzeuge. Beides kann nicht im Handumdrehen her- gestellt werben, besonders, wenn man überwacht wird. Unser Land kann völlig unbesorgt sein. Deutschlond hat seine Verpflichtungen nicht vollständig erfüllt, das steht ohne Zweifel fest. Doch rechtfertigt seine mili.ärische Leistungsfähigkeit auch nicht die geringste Beunruhigung. Man darf sich nicht einschläfern, aber vor allem auch nicht in Unruhe versetzen lassen. -Der Bericht d.r inte all ierten Kontroll vmmisfion wird die Feststellung enthalten, daß Deutschland keine der von der Dotschasterkonferenz am 29. September 1922 anfgcste.llen Kategorien erfüllt habe. Andererseits steht es fest, so meint der „Matin", daß d.e Herstellung von Gewehren und Munitionsmatcrial seit 1923 fortgesetzt wurde, obwohl nicht der Beweis dalür erbracht werden könnte, daß die Bestimmungen des Versailler Vertrages überschritten worden seien.
Bedenklich sei der Umstand, daß d i e deutsche Polizei in Stärke von 100 000 Mann demselben Kommando wie die Reichswehr, d. h. dem Befehle des Generals v. Seeckt unterstellt fei, der von einem allzu tätigen und zahlreichen General st ab umgeben sei. Die Abtrennung der Polizei von der Armee sei von den Verbündeten zu wiederholten Malen verlangt, aber von der deutschen Regierung nie ausgeführt worden. Deutschland habe seine Verpflichtungen nicht sämtlich erfüllt und sei in der Lage, schnell 500 000 Mann auf die Beine zu bringen. Dagegen sei es nicht imstande, diese Armee mit dem notwendigen Kriegsmaterial auszustatten.
Um die Räumung der Kölner Jone.
London, 12. Dez. (TU.) Der diplomatische Korrespondent des .Daily Telegraph" meldet, boS der Bericht der Militärkontrollkommisfwn eine Verzögerung von vier bis fünf weiteren Wochen erleiden würde. Die Gründe dafür wären nicht klar. In der Meldung wird angedeutet, daß die Inspektion noch nicht beendet und der Hauprdelegierte Englands bei der Kommission gegenwärtig in London wäre. Weiler wird darauf hingewiesen, daß jedes Hinausschieben der Berichterstattung über den 10. Januar hinaus die größten Schwierigkeiten rechtlicher Art für die RäumungSsrage Hervorrufen könnte. Infolgedessen würden wahrscheinlich von London Anstrengungen gemacht werden, die Berichterstattung der Kontrollkommission zu beschleunigen und einen baldigen Meinungsaustausch zwischen den Alliierten zu ermöglichen. Cs sei von größter Bedeutung, daß bei der Räumung der ersten Zone keine Unregelmäßigkeiten vorkämen, damit die Rechte jder Signgtgrmächte des Friedensvertrases bei
der zweiten und dritten Zone nicht in Frage gestellt würden.
Der Neichsrvehrminister gegen denRüstungsschwindel
Berlin, 13. Dez. (Lok.-Anz.) Reichswehr- ministcr Dr. G e h l e r hat dem B rlin'r Bert.eter der Kopenhagener Ze>tung „Sozialdemokraten" über Deutschlands angebliche Richterfüllung der Abrüstungsbestimmungen eine Unterredung gewährt, dem Rachstehendes entnommen sei: Wir haben das schwere Opfer gebracht, unsere Waffen zu zerschlagen und unter Heer auf hunderttausend Mann zu verringern, eine Zahl, die nicht einmal mit Sicherheit ausreicht, die Aufgaben zu lösen, die der Versailler Vertrag der bewaffneten Macht zuweist. Was über angebliche Rüstungen Deutschlands verbreitet wird, gehört in das Reich der Fabel. Was bedeutet dagegen die verschwindend geringe Menge von Waffen, die nachträglich gefunden sind? Was bedeutet sie auch gegen die g e w a l t i g e R ü st u n g, die Frankreich trägt? Richts!
Verborgene Waffen können nur aus militärischen Beständen entwendet worden seien, als irach dem Umsturz der Bürgerkrieg in Deutschland geschürt wurde oder drohte. Daß sic fast restlos wieder erlangt sind, ist kein schlechtes
Zeichen für die Gesundung Deutschland- und für die Autorität ferner Derwaitung. Herr Läsion sagt, der geographische und geschichtliche Dienst des Großen Gcncra'ftabs wurde durch andere Ministerien weitergeführt. Damit meint er anscheinend die Landesvermessung. Soll Deutschland verboten sein, Kataster seines Grund und Bodens anzulegen? Irgend welche Beziehungen zwischen der Polizei und dem Heer bestehen nicht, scho i deZwegen nicht, weil das Heer dem Reich, die Po.izei aber den Ländern und Gemeinden untersteht.
Die Präsidenten der Investigationskommissionen.
Berlin. 12. Dez. (TU.) Die gegenwärtige Völkerbundstagung bestimmte die Präsidentschaft der Inveftigationskommiffi nen (Milltärkontrolt- lommission). Wie an zuständiger Stelle verlautet, sollen die Präsidentschaft für Deutschland von Frankreich, für Oesterreich von Italien, für Ungarn von England und für Bulgarien von Schweden übernommen werden. Die Veröffentlichung dürfte erst erfolgen, wenn eine Eini - gung über die P e r s o n e n f r a g e erzielt ist. Man will den Eindruck Hervorrufen, daß nicht die Staaten-, sondern die P e r f o n e n f r a g c bei Ernennung der Präsidenten der Investigations- kommission maßgebend ist.
Die Parteiführer beim Reichskanzler.
Am Montag Rücktritt des Kabinetts.
Berlin. 12. Dezember. (TU.) Reichskanzler Marx empfing heute vormittag 11 Uhr die Führer der Koalitionsparteien des alten Reichstages. Don derDeutschenDolkspar- t e i waren die Abg. Scholz und Curtius. vom Zentrum Stegerwald, Spahn und Becker-Arnsberg erschienen. Von der Deutschen Demokratischen Partei erschienen Koch und Erkelenz. Der Reichskanzler setzte seinen Standpunkt Über die Regierungsneubildung auseinander. Wie anzunehmen ist, hat er sich in dem Sinne der dem Vertreter des „Hamburger Fremdenblattes" gewährte Unterredung geäußert. Der Reichskanzler empfing dann um 4 Uhr die Führer derD e u t s ch- nationalen Dolkspartei, den Grafen Westarp. Hergt, Schiele und den gegenwärtigen Parteivorfitzenden Dr. Winkler. An den Besprechungen nahm Rcichsaußenminister Dr. S t r e f e - mann teil. Der Kanzler berichtete über die Ka- binettssihung, in der der Rüätritt der Reichsregierung beschlossen wurde. Er wies im besonderen auf den Standpunkt der Deutschen Volks- Partei hin, die ein W e i t e r b e st e h e n der gegenwärtigen Koalition für unzweckmäßig halte und ihrem Wunsch auf Regierungserweiterung durch di« Deutschnationalen Ausdruck gab. Der Kanzler teilte mit, daß der Rücktritt der Reichsregierung nunmehr endgültig für Montag nächster Woche beschlossen sei. — Dann nahm Reichsauhenminister Dr. Stresemann das Wort zu Aus ührungen über die Räumungsfrage und die handelspolitische Lage. Kurz nach 5 Uhr wurden die Besprechungen beendet. Am Samstag wird der Reichskanzler die Führer der sozialdemokratischen Par- t e i empfangen.
Das preußische Zentrum Für (Erweiterung der (drohen Koalition durch die Dentschuattonalen.
Berlin, 13. Dez. Wie die TU. erfährt, bat die Zentrumsfraktion des Preußischen Landtages gemeinsam mit den in Berlin weilenden Rmchstagsabg^ordneten in Anwesenheit d?s Reichskanzlers und des Rcichsminr'ters Dr. Sofie über die parlamentarische Lage und die Stellungnahme des Zentrums beraten. Rachdem der Kanzler über seinen Standpunkt referiert hatte, wurde nach einer kurzen Aussprache zur preußischen Regierungsfrage eine Entschließung angenommen, in der zum Ausdruck gebracht wird, daß die Fraktion keinerlei Anlaß sähe, an den Verhältnissen in Preußen etwas zu ändern. Die Fraktion sei weiter der Auffassung, daß die Wahlen den Willen be5 preußischen Volkes bekundet haben, an der großen Koalition und der Volksgemeinschaft festzuhalten. Zu erftreben ist die Volksgemeinschaft, d. h. der Anschluß der Deutschnarionalen an die große Koalition. Voraussetzung hierfür ist selbstverständlich, daß die deutschnationale Landtagsfraktion nicht Bedingungen für ihre Teilnahme stellt, deren Erfüllung von vornherein ausgeschlossen ist.
Drei Gegenwartsforderungen der Liberalen Vereinigung.
Berlin. 12. Dez. (TU.) Die nach dem Austritt einiger Persönlichkeiten aus der Demokratischen Partei gegründete Liberale Vereinigung erläßt einen Aufruf, in dem sie il a. feststellt. daß die Auflösung des Reichstages und die Reuwahlen ihren Zweck nicht erreicht hätten. Die Parteiverhältnisse hätten sich durch die Zuspitzung der Gegensätze noch zumSchliwmerenaewandelt. Die betten
liberalen Parteien hatten unter sich die schärfsten Kämpfe ausgefochten und fie in der gehässigsten Form geführt. Weite Schichten unseres Volkes wären der Ueberzeugung, daß, wenn es so weitergehe, das liberale Bürgertum zur Aussichtslosigkeit verurteilt sei. Die Liberale Vereinigung sei keine neue Partei, aber eine Erneuerung des Liberalismus. Ihr Endziel sei die Schaffung der liberalen Einheit. Als nächste Aufgabe stellt sie drei Forderungen auf:
1. Die Bestimmung der Verfassung, daß der Reichspräsident den Reichskanzler ernennt und daß der Reichskanzler die Minister vorschlägt, mit denen er vor den Reichstag treten will, darf nicht zur bloßen Form- vorfchrift herabgewürdigt werden.
2. Umgestaltung des Wahlrechts, die von den liberalen Parteien unverzüglich in der Richtung der Abkehr von dem starren und unpersönlichen Derhältniswahlrccht, der Heraufsetzung des Wahlalters, der Verminderung der Abgeordnetenzahl und der Reurege- lung des Diätenwesens erledigt werden sollte.
3. Reuordnung der Geschäftsführung des Reichstages in dem Sinne, daß der Umfang der Verhandlungen, insb sond.re Etatsberatungen, kontingentiert und begrenzt, dis Zahl der Interpellationen und Anfragen eingeschränkt und das Plenum durch Abgabe geeigneter Geschäfte an die Ausschüsse entlastet werde.
Beratungen der Parteien.
Berlin, 12. Dez. (TU.) Die aus 12 Abgeordneten bestehende Parteileitung der Deutschnationalen Volkspartet hatte unter dem Vorsitz Dr. Winklers heute vormittag von 10 bis 1 Uhr eine Besprechung, in der die durch den Ausfall der Wahlen entstandene Lage beraten wurde. Im übrigen bewahrt man in der Deutschnationalen Volkspartei allen Fragen der bevorstehenden Regierungsneubildung gegenüber eine abwartende Haltung. Wann die Reichstagsfraktion der Zentrumspartei, deren Beschlüsse für die Regierungsbildung am wichtigsten sind, zusammenkommt, steht noch nicht fest. Voraussichtlich wird das am Mittwoch der Fall fein.
Aus dem Steuerprogramm der Reichsregierung.
Berlin, 13. Dez. (Z. 11.) Heber die (Neuregelung der Einkommensteuer ufw. weiß die „Dosfifche Zeitung" etwa folgendes zu melden: Cs wird ein Ueberleistungsgefey geschaffen. das unter bestimmten Voraus etzungen jedem Steu rzahler das Recht zugesteht, um iteilweise) Rückerstattungen der S.euern einzukommen. Dies kommt in Frage bei gänzlich oder teilweisen Stillegungen, Verlustprei^en und sonstigen Verlusten. Da Friedensverhältnifse noch nicht möglich find, werden die Vorauszahlungen weiter- hin gefordert, jedoch in vierteljährliche umgewandelt, wobei die Handhabung individuell fein soll, da der Staat zur Zeit i m Besitz sicherer Einnahmen ist. Für Beseitigung der Ungleichheiten aus der Vermögenssteuer-Verordnung wird ein Berertungsge'etz per 31. Dez. 1924 gefchaf en. Die Umsatzsteuer wird baldmöglichst auf 1 Proz. ermäßigt werden. Ueoer die etwaigen Kommunalzufchlage auf die verschiedenen Steuern sind die Debatten noch nicht abgeschlossen.
Regierungskrise.
Die Wahlen hatten die Frage zu Haren, ob eine Verbreiterung der RegierungSbasiö möglich wäre, oder ein Kurswechsel der Wi le des Volles sei. Das Ergebnis der Wahlen l)jl für Beibehaltung des Kurses der Regierung Marx-Stresemann entschieden. Die Wcima rer Koalition, deren Rückkehr die L.n'e als Folge eines Wahlsieges erhofft hatte, würde auch im neuen Reichstag irot) der Zu nähme der Sozialdemokratie eine M nderhetts- rcgierung sein, die auf noch schwächeren Füßen stände als das augenblicklich amtierende Kabinett der bürgerlichen Milte. Eine dritte Kanzlerschaft Dr. Wirths bl.ibt also dem deutschen Volke erspart. Die Linkspresse hat sieb daher auch von der Erörterung dieser a p;i r aussichtslosen Kombination abgewandt und u.. so eifriger die Große Koalition von Hermann Maller bis Sttesemann propagiert Mit erstaunlicher Eile vergaß man auf der Linken, daß sie den Wahlkampf mit einer Erbitterung ohnegleichen gerade gegen di: Deutsche Volkspartei, die „ewige Kr senmache- rin", den „Vorspann der 5),ut; lational^n' geführt hatte und nahm sie sans .a,un jetzt für die Wiedererweckung der Großen Koalition in Anspruch.
Ein Beschluß des Volkspartei - lichen Parteivorstandes veriarb di - sen Kombinalionötheoretck.rn erfreulich schn.il das Konzept und führte sogleich die notwendige Klärung herbei. Der Part.ivorstand will die vor den Wahlen verfolgte Linie wieder aufnehmen, also der Regierung durch Hereinnahme der Deutschnatioiralen eine breite parlamenlarische B .s.S schaffen, ob mit oder ohne Demokraten ist nach den neuen Mehrheitsverhältnissen zu einer Frage zweiten Ranges geworden, mit der sich in der Hauptsache das Zenttum befassen wird. Etnc einseitige Koalitton mit den Sozialdemokraten kommt für die Volkspartei nach wie vor nicht in Frage. Dieser Beschluß hatte zur direkten. Folge, daß das Reichskabinett sich einmütig entschloß, dem Reichspräsident-sn seine De misston anzubleten, die dieser nach einer Besprechung mit dem Reichskanzler für Anfang nächster Woche annahm. Für den Zeitpunkt der RückrrittS.rilarung sprachen roo ,1 vor allem außenpolitische Grunde mit, die e: Dr. Sttesemann wünschenswert erscheinen ließen, möglichst bald eine aktionsfähige Regierung zu bilden. Daß dann doch, offenbar auf Bestreben des Reichskanzlers, die Demission auf die kommende Woche verschoben wurde, geschah vermutlich aus dem Wursche heraus, für die Verhandlungen der Parteien einen möglichst weilen Spielraum zu lassen und die Dauer eines bloßen Geschäftsministeriums aus ein Minimum zu beschränken.
Es ist jetzt nur zu hoffen, daß die Parteien bei den in den nächsten Tagen beginnenden Verhandlungen sich von rein sachlichen Gesichtspunkten l.iten lassen, alle kleinlichen Divergenzen beiseite stellen und alles hm, um mit größter Beschleunigung ein neues Kabinett auf die Beine zu stellen, denn bereits Anfang Oanuar wird die neue Reichsregierung vor außcnvolistfchen Entscheidungen von größter Wichtigkeit stehen. Ein paar Sttch- toorte: Kölner Zone, Militarkenttol e deutsch- französischer Handelsvertrag — s Kten genügen, allen Verantwortiichen die Bedeutung einer raschen Beendigung der RegierungSkri b in ihrer ganzen Schwere vor Aug n zu fi hren
Rachdem die Volkspartei sich einer „G o ßen Koalitton" mit aller Eindeutigkit versagt hat, bleiben noch zwei Mög'ichkeiten, vor denen die eine, die Wirth-Koal.tton, auch bereits von ihren Anhängern ii das Reich der Theorie verwiesen ist. Bleibt also noch die Bildung einer rein bürgerlichen Regierung, und hier in erster Linie wieder die Frage nach der Beteiligung der Demokraten und des Pen-- ttums. Die Demokraten haben den W hl- kampf mit der Parole „Gegen den Bürgerblock" geführt, sie scheiden also für ein nach rechts erweitertes Kabinett aus. Das Zentrum dagegen hat es im Wahlkampf ängstlich vermieden, sich nach irgendeiner Seite hin sest- zulegen. lind auch jetzt sind die Aeußerun^en feiner Presse zur R gierung fr se so v rs chttg zuwartend und g"h imnisvoll. daß man das erheiternde Schauspiel erlebt daß die gleichen Zitate aus der „Germania", dem Berliner Zenttumsorgan, oder aus 're- rhein sch n Zentra mSpresse, die von dem krattschen Ze tunzen als Zeugnisse gegen den Bürgerblock ged.utet werden, von der Rechten für ihre Anschauungen ins Fcld g führt werd n Die Fr kli-ns- sitzung der Zenttumsvartei dürfte wohl i fern possierlichen Rätselraten ein rasches Eide bereiten, vermutlich nicht ohne daß s h nter verschlossenen Türen — dadurch unt.rsche.det sich das Zentrum klugerweise seit jeher von anderen Parteien — zu lebhaften Auseinandersetzungen kommen wird. Denn in d"n linksstehenden Zenttumskreifen, Richtung Wirth,


