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Nr. 293 Zweites Blatt Siehener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen)

Raisuli, der Sultan der Berge.

Das Jahr 1924 hat den Spaniern in Marokko neue schwere Verluste gebracht. Die dortigen Verhältnisse sind dem Euro­päer im allgemeinen so fremd, dah eine Schilderung aus dem Munde des Führers der Freiheitvkämpfe, des ge ürchteten R a i» suli, großem Interesse begegnen wird. Die überragende Persönlichkeit dieses Mannes geht aus der Beschreibung seines Lebens, die er einer mutigen Engländerin diktiert hat, hervor. Wir bringen deshalb mit Erlaubnis deS Verlages Ä. F. Koehler einen Ausschnitt aus den in diesen Tagen erscheinenden(Srinnetunge n".

3n Tanger ist es Sommer.

Aaisuli bringt seine Familie in Sicherheit und reitet selbst noch Sinat. Von Stunde zu Stunde wächst die Begeisterung. In den Bergen hat keiner mehr Sinn für Landarbeit und Vieh­zucht. Vaisuli sendet Getreide und Vieh vom seinen Gütern. Ilebecall stehen die Imams (die Priester) aus und reden zum Volk.

,Es ist ein heiliger Krieg und Vaisuli der berufene Leiter. Sein Fuß ist auf eurem Haupt, und ihr müht eure Häupter richten, wohin er will."

Der Scheik der Beni Iusuf ruft seine Leute zusammen. Er spricht vom Krieg. Iedermann eilt zu seiner Fahne. Sie küssen den Brief Vaifulis, sie halten ihn an ihre Augen, sie reihen ihn in ©tudc und streiten sich um diese Festen in dem Glauben, dah jeder von ihnen ein heiliges Amu­lett sei, das vor Gefahren schüstt. Da ist ein Mann, der fürchtet, dah ein anderer ihm diesen Driefsesten fortnimmt. Er schneidet sich mit dem Messer tief in den Arm, verbirgt das Papier-' stückchen In der Wunde und schließt dieselbe nach arabischer Sitte mit Blutegeln. Eine seltsame Sitte und nur für arabische Verven bestimmt!

Der Araber legt die Blutegel über die Wunde, so dah diese mit ihren Kiefern die Wund» ränder zusammenbeihen. Dann schneidet er die Körper der Blutegel ab, aber die Kiefer bleiben geschlossen und halten die Wundränder zusammen, bis diese geheilt sind und die Blutegel allmählich abfollen. Der arabische Wundarzt erklärt dies für besser denn jede Vaht.

Anders ist der Krieg in Marokko als (in Europa. Gegen die Küste hin ist das Land eben, und von dort rückt Sllvestres Heeresmacht lang­sam vor. Vaisuli kann es nicht wagen, ihr - in offener Schlacht gegenüberzutreten. Seine Waffen lUnb anders.

Seine Krieger ermüden den Feind und sprin­gen dann wieder in die Berge zurück, in deren Schluchten sogar ein Flugzeug unbrauchbar ist, und wo ein paar Männer leicht ein ganzes Ve» giment aufzuholten vermögen.

Jeder Stamm hat feinen eigenen Befehls­haber, und unter ihm find wieder kleinere Gruppen. Ieder wirkt für sich allein, aber '.in Wirklichkeit alle nach gemeinsamem Plan.

Vaisuli selbst ist nur von einer kleinen Wache Getreuer umgeben, aber er hat überall Spione in den Städten, die ihm Berichte bringen, und hat Männer bei sich, die trefflich zu reden verstehen, und die er überall tm Lande umherfendet, »um die Begeisterung zu entfachen.

Vaifulis Plan ist, nie dort anzugreifen, wo Kanonen seine eigenen Krieger bedrohen, aber Silvestre dauernd in Furcht zu halten, ihm zu zeigen, dah das ganze Land voller Feinde (ist, und ihn in der Erwartung zu lassen, dah der An­griff dann kam, wenn er am wenigsten auf >ihn vorbereitet war.

Kleinkrieg

Ein Soldat patrouilliert allein auf der Straße zwischen Ceuta und Tetuan. Er sieht nichts als eine Karre, auf der ein paar leers Säcke liegen, und einen alten, halbnackten Mann ohne Waffen, bej, baß Pferd am Zügel führt. Er geht sorglos vorüber, aber zwischen den Säcken liegt ein Soldat der Berge und erschießt deck Soldaten.

Einige Spanier leben auf einer Siedlung und wollen sich nicht eher in den Schutz der Stadt be­geben, bis sie ihr Getreide geerntet.

Eines Morgens treten sie aus ihrem Haus. Es ist nichts draußen verändert. Außer dem Ge- treidehausen neben der Dreschtenne, den sie am Abend vorher noch aufgeschichtet hatten, sehen sie auch jetzt nichts, und die Maultiere stehen ruhig daneben und fressen. Aber wie sich nähern, schie­ßen die Btzrgsoldaten, die sich in der Vacht tn den Getreidehaufen einwühlten, sie nieder.

Am Vio Martin werden Soldaten mitten zwischen ihren Zellen von unsichtbaren Händen erschossen. Ein Lager von Pionieren wird ganz plötzlich zerstört, obgleich die Vorposten auf zwanzig Meilen keinen Feind sehen. In jedem

Kaktusgebüsch liegt ein Dergjäger mit geladenem Gewehr, so dah General Alfau endlich befiehlt, alle Kaktusgebüsche in den Bergen obzuschlagen zu verbrennen, so dah ihr Whang ausfieht wie ein bartloses Gesicht.

Ein paar Männer überfallen eine ganze Stadt. Zwei kleine Abteilungen sind's. Die eine schleißt sich heran und feuert. Unter dem Auf- bliyen ihrer Gewehre springen die andern voran, und wieder knallen die Schüsse. Inzwischen haben die ersten geladen und rennen wieder an den zweiten vorbei. Schuh auf Schuh bald von den einen, bald von den anderen. So stürmen sie durch die Strahen, schießen nieder, wen sie sehen, und sind auf der andern Seite hinaus, ehe die Bürger zu Atem kommen. Seltsam nur Spanier­freunde werden erschossen. Die guten Moslemin aber sind nirgends zu sehen. Sie wurden gewarnt und verblieben in ihren Häusern.

Viemand verrät einen Gastfreund. Einst ist Scheik Mudden, ein Freund Vaifulis, mit zwei feiner Begleiter arg bedrängt. In der Vot schlüp­fen sie durch die Hintertür in das Haus eines Freundes, aber die Polizei ist auf ihrer sSpur und sieht sie oder glaubt sie hineinschlüpfen zu sehen. Wenige Augenblicke später sitzen anschei­nend vier Freunde gemütlich auf dem Diwan. Dor ihnen das kleine Teetischchen. Es sind der Hausherr, ein ehrwürdiger aller Mann, Mudden und seine Begleiter.

Da stürzen die Diener herbei und sind voller Angst.

Sidi, die Polizei hat beide Türen beseht. Ihr seid verloren."

Der Hausherr winkt. Er ist keinen Augenblick verlegen. Man rückt schnell die Diwane von der Wand. Die drei legen sich ganz eng an die Mauer, und man häuft wieder die Kissen davor. Im Augenblick, als die Polizisten hereindringen, sitzt der alte Hausherr würdevoll und vollkommen unbefangen auf einem Berg von Kissen und schlürft seinen Tee. Er blickt verwundert auf:

Was wollt ihr von mir, Bei Allahs"

»Wir müssen dein Haus durchsuchen. Du be­herbergst einen Verräter."

Der Alte lacht überlegen.

Durchsucht mein Haus und schont keinen Winkel. Ihr werdet nur meine Diener finden. Vber wenn ihr gesucht, so versäumt nicht zu mir zu kommen und mit mir den Tee zu trinken."

So geschieht es, und niemand vermutet die Verborgenen unter den Kissen.

Monat um Monat vergeht.

Längst ist Vaisuli wieder in Sinat. MeBerall schreitet der Kleinkrieg fort.

Nirgends gelingt es den Spaniern, etwas Wesentliches zu erreichen. Tausend kleine Gefechte und in den meisten die Bergbewohner die Sieger. Vaisuli ist bald hier und bald dort, ileberall wirkt sein Vame begeisternd. Lleberall jubelt das Volk ihm entgegen.

Vaisuli reitet wieder einmal in Hauen ein.

Da geschieht das letzte.

Plötzlich fällt alles Volk in den Straßen vor ihm auf die Knie und ruft ihm entgegen:

Allah, segne unseren Herrn und Sultan!"

Vaisuli erschrickt. Er überlegt. Einer der ältesten Schells aber tritt ihm entgegen:

Es ist der Wille des ganzen Volks. Sei unser Sultan! Mulai Iusuf ist in den Händen der Franzosen. Wie soll er uns ein gerechter Herr sein? Das ganze Marokko, soweit seine Berge ragen, soweit es in Freiheit lebt,» bittet dich: sei unser Sultan!"

Vaisuli ist tief bewegt.

Er denkt zurück an Sinat, der Knabe izu Füßen des alten Hlema, der Bandit in den Ber­gen jetzt Sullan von Marokko.

Wartet ein wenig, laßt mich nachdenken."

Er geht in fein Zell und verschließt sich vor aller Augen, und draußen harrt das begeisterte Volk.

Allah, segne den Sultan!"

Am nächsten Tage ist eine gewaltige Ver­sammlung endlosen Volkes. Auf dem Marktplatz in Hauen bei dem alten Schloß, in dem vor drei­hundert Iahren schon einer der Ahnherren Rai- sulis wohnte.

Wieder sagen die Schecks.

Der Herr der Gläubigen darf nicht stehen unter dem Ioch der Christen, so ist es geschrie­ben. Vimm den Platz, den leeren Thron und sei Herr über uns!"

Sie legen Teppiche auf die Straßen, die Frauen sehen aus den Fenstern. Sie sprengen kostbare Wohlgerüche über die versammelte Menge. Die Gelehrten der Moschee haben eine Proklamation vorbereitet. Der ganze Marktplatz

Gießener Stadttheater.

Leo Ascher: Hoheit tanzt Walzer.

Diese zwar reichlich sentimentale, aber im ganzen wegen der ansprechenden Melodien immer wieder gern gehörte Operette aus dem Wien Ötr Biedermeierzeit fand auch in der neuen Besetzung unter Ernst Badckows Spielleitung und Aloert Mischels Stabführung lebhaften Beifall. Freilich bekam die gestrige Aufführung noch eine besondere Vote durch das Gastspiel Elisabeth Friedrichs von der Frankfurter Oper. Fräulein Friedrich verfügt über eine schöne, modulationsfähige, auch in den höheren Lagen voll ausllingende Stimm:, die, unterstützt von einem anmut g-sympath fchen Sp.cl. die Partie der Prinzessin stark heraushob. Herr Dadekow konnte es seiner Partnerin zwar stimmlich nicht^gleichtun, fein Spiel erfreute aber wieder durch Temp r^m'nt und Schwung. Fräu­lein Simon bemühte sich am heftigsten, leider aber auch am erfolglosesten um den Diener Dialekt. Die Herren Schreiber alsGoldener Ochsenwirt" und S t a d i als spanischer Kammer­diener verhalfen der komischen Selle zu ihren: Recht. Für den erkrankten Herrn Viedel sang Herr Gräf die Partie des wackeren StramöfL

e.

Anton Bruckner.

Der. Konzertverein w'll im Anschluß an die Drucknerfeiem. die aus Anlaß feines 100. Ge­burtstages in letzter Zeit Dielen*rten stattfanden,

auch seinerseits Bern Andenken des g rosten Meisters huldig n. Vachdem er in Fr ihj h: 1922 seine Mess: in k^-Moll brachte, gl: dis bevor­stehende Konzert vom Montag, 15. D:zember, feinem großen und b:licbteftcn Wer'e, demTe Deum". das der gott^strunkene Me ster nach dem Au-spruch? se n s F: urdes Göllrich den leben Gott g:to bmet, und das sich mehr d nn seine anderen Werke die Welt eronert hat. End: Sep­tember 1E83 b gönn n. sehr cb Brulner. be-eich- nend für fein glaub g s H:rz bere ts im März 1884 also nach fünf Monaten auf d.e n.lLnb:te Partitur O. A. M D. G. (omnia ad majorem Dei gloriam). Die Uraufführung fand im I hre 1886 unter Hans Richters Le tung in Wi n statt, dann folgten München, Hamburg, auch Berlin (unter Siegfried Ochs) und andere Groß­städte. Im Gegensatz zu Regers Pfalm ist das Te Deum" mehr b kannt, aber auch, w e dieser. Der großen Schwier gleiten und starten Inst u- mantalb Setzung halb r g fürchtet und .n Ile n ren Städten selten aufg führt. Wie Reg rs Psalm ist auch dasTe Deu.n" wie die übrigen geist­lichen Werke Bruckn rs der innigste Ausfluß unerschütterlich n Gottvertrauens, feiicS Viaens nach cw gern Glück, den d:r im Leaea so wunder­liche Bauernsohn und in seiner Kunst io geniale Meister in Tönen von entzückender Schönheit ausströmen läßt. Der Text zu dem' Te Deum (lauöamuß) ist der Hymnus, den der B.scho' von Ma land, Ambros us, mt ö m he ligen Augusti­nus zusammen geformt haben soll: ein Preis­gesang auf Goll, von Gebeten unterbrochen. Die große Tonschöpfung ist gewaltig instrumen­tiert, außer dem vielstimmigen Chor noch ein

ist von Fackeln erhellt, und aus jedem Fenster hängt eine Laterne heraus.

Vun tritt der älteste Scheik, ein ehrwürdiger Greis, mit schneeweißem Haar und weihen, wal­lendem Bart in der Mille, verliest den Willen des Dolles und ruft Vaisuli zum Sultan aus. Aber seine Stimme gehl unter in dem Gemurmel des Volles, wie die brandende See jede Stimme verschlingt. Und dann ziehen sie alle in die Moschee. Vaisuli voran, und sie wird so über­füllt von den Würdenträgern der Stämme, daH sic alle die ehrwürdigen Scheils nicht zu fassen vermag. Draußen liegen sie zu Hunderten auf ihren Knien und beugen ihre Stirnen so tief, daß fie den Staub des Bodens berühren.

Ihre Stimmen murmeln, aber die braunen Kleider der Bergbewohner sind in der Dunkelheit nicht mehr zu sehen, und es ist, als ob nicht nur die Schells in der Moschee, sondern als ob weithin die lebendig gewordene Erde, die Berge und Felsen, Allahs Segen erflehten für Vaisuli, den Sultan der Berge.

Aus der Provinz.

Landkreis Gietzcn.

L Wieseck, 12. Dez. Vach der am 1. De­zember durchg f hrlen Vieh zähl ung sind in unserer G meind: folgende Viehbestände vorhan­den: 75 Pferde, 552 Stück Vindoieh, 130 Schafe, 718 Schweine, 519 Ziegen, 296 Gänse, 101 Enten, 3714 Hühner. Denn damit der Friedensstand erreicht fein dürfte, so beweisen diese Zahlen andererseits, wenn man die Größe unseres Ortes berücksichtigt, daß es sich bei uns fast durchweg um landwirtfchoftliche Kleinbetriebe handelt. Bei dem verhältnismäßig niedrigen Schweinebestand ist zu berücksichtigen, daß in den letzten Wochen eine größere Zahl von Fettschweinen zu Haus- schlachtungen Verwendung fand. Vach den Fest­stellungen waren es bis 30. Vovember 438 Stück. Erfreulich ist die Tatsache, daß sich unser Vieh­stand gegenüber den Vorjahren hebt und damit die Ernährung immer mehr sicheraestellt wird. Der Konsum der breitesten Volksschichten und damit der Umsatz der landwirtschaftlichen Be­triebe wäre ein noch größerer, wenn die gegen­wärtig hohen Preise für Fleisch- und Wurst­waren eine Senkung erfahren würden,

Kreis Büdingen.

]![ Vidda. 11. Dez. Am nächsten Sonntag findet hier bekanntlich die Wahl eines neuen Bürgermeisters statt. Die im Zusammen­hang damit schon verschiedentlich angeregte Wahl eines Be r u f s b ü r g e rm e i ste r s scheint bei der Mehrzahl der Gemeindemitglieder. wie auch bei dem Gemeinderat selbst feinen Anklang gesunden zu haben. Das auch mit Recht. Denn für unsere nicht mit Glücksgütern gesegnete Ge­meinde von nur 2100 Seelen bedeutet es einen Unterschied, ob der Bürgermeister aus der Gruppe 9 ober aus der Gruppe 11 ober gar 12 zu befolben ist. Auherbem ist es noch eine große Frage, ob nicht der zu wählende Canbbürger- meifter dem evtl. Berufsbürgermeister inbezug auf Praxis und Verständnis in kleinstädtischen Verhältnissen die Stange hält ober gar noch überlegen ist.

Kreis Schotten.

b. Scholten. 11. Dez. Aus bem Ge­rne i n b e r a t. Die städtische Hunbesteuer wird für 1925 auf 10 Mk. für jeben Hunb fest­gesetzt. Gegen bie hohe st a a 11 i ch e Hundesteuer und deren geplante wellere Erhöhung wirb pro­testiert. Die Tagegelber der Fe 1 dge - schworenen werden auf 5 Mk. pro Tag fest­gesetzt. Einem Hausbesitzer werden einige Meter ftäbt. Geländes zu einem Anbau für den Preis von 35 Mk. pro Quadratmeter abgegeben. Gesuche um Vachlah an Kaufpreisen bei öffentlichen Versteigerungen ober Verpachtungen wurden grundsätzlich abgelepnt. Der Finanzaus­schuß wird ermächtigt, ine eingegangenen Gesuche um Steuernachlaß zu prüfen und zu ent­scheiden. Die neuerbauten Straßen sollen neue Vamen erhalten, auch einige alte Straßen­namen sind verbesserungsbedürftig. Die Bevöl­kerung soll gebeten werden, geeignete Vorschläge zu machen. Die Kanalisation, Wasser­leitung und der Straßenbau in den neu angelegten Straßen sollen weiter durchgeführt werden. Die Gesuche der Deutsch-Amerikanischen Petroleumgefellschaft und ähnlicher Firmen um Genehmigung zur Anlage von Tankstellen werben innerhalb ber Stadt auf den öffentlichen Straßen nicht genehmigt. Den städtischen Holzarbeitern werden bie ftaatl. festgesetz­ten Tarife gezahlt. Die Iuxplähe für bie Märkte 1925, Psingst- unb Sommermarkt, werben im Submis' onsweg ausgeschri b n.

L Schotten, 11. Dez. Frühzeitig rüstet die hiesige Freiwillige Feuerwehr zum 25. O b e r h e s si sch en Feu er w eh r ta g ,

großes Orchester: Streichquiatett, F oten, Oboen, Klar netten. F gotte, Hörner, Trompeten, Po­saunen, Tuba, Pauken und Org?l, und stellt an die Stimmen und deren Ausdauer unb Ürnfam bie allergrößten Anforderung n. Schon ber Char- unisono-Einsah bedeutet einen kraftstrotzend n Höhepunkt und wirkt mit den Tromp t n- und Posaunenklängen geradezu überwältigend. Es folgt das erste GebllTe ergo" in leichtem Anllang an die ^--Moll-Messe und darauf das hymnischeAetema fac mit den scharfen Oktavengängen im Str:ichorch:fter. D eran schlißt sich das zweite GebetS.lloum fac, worauf eine prächt gc Drucknersche Fagein te Domi­num speravl" das Werk machtvoll beendet.

Don russischer Kunst.

In einem vor Iahresfrist erschienenen wunderschön itluftr'erten Aufsatz der bekannten Münchner Monatih fteDie Kun st" (Mona s- hefte für freie und angewandte Kunst. Verlag F. Druckmann. München. 1481) hat Oskar B i e das Wllen der zeitgenöfs fchen ruf'ifchen Kunst tote folgt charakterisiertDie russisch: Malerei schien immer etwas unselbständig und scheint es noch heute. Sie macht: die Moden Europas mit, und auch heute sind alle Stile der gegenwärtigen Generation in ihr vertreten. Der russischen Dich­tung wird niemand bie S lbständ glli: ab'trei.en. Aber auch in der Malerei wird das scharfe Auge den nationalen Ton wohl beobachten, selbst wenn er von den Modeströmungen gedeckt er­scheint. Ein gewisser Archa.smuS. der die Primi­tivitäten liebt, ejt fanft:r. melancholischer Klang, ein Märchenwefen von Unholden und Dämonen!

$rettag, \2. vezemder 1924

ber vorn 18. bis 21. Iuli nächsten Jahre- da­hier ftattfinbel. Aus dem Sllrdtvorstand, der Dürgerschast und der Feuerwehr wurde eine Anzahl Ausschüsse gebildet, Bürgermeister Menzel ist Ehren» und Feftpräsident. AIS Festplatz ist der schön gelegene Bockszahl auf- ersehen, von wo man einen herrlichen Rund­blick auf Stadt unb Umgegend hat. Die Frei­willige Feuerwehr Scholtens ist gut ausgerüstet und kann sich sehen lassen. Wohl totrb die Tagung in üblicher Weise abgehalten werden, man will aber damit zugleich eine Propaganda für ba- Feuerlöschwefen verbinden und zur Gründung freiwilliger Feuerwehren veranlagen. Besonderer Wert wird auf eine Ausstellung von Aus- rüstungsgcgenständen gelegt werden, die zum Teil praktische Anwendung finden sollen, ferner soll eine Festschrift erscheinen, die mehr alS den üblichen Inhalt enthalten wird. Die Bildung von freiwilligen Feuerwehren im Kreise Schotten schreitet fort: neuerdings sind hinzugekommen: Ulrichstein. Wetterfeld, Götzen, zusammen sind es jetzt 10. Die Stadt Schotten steht im nächsten Iahr im Zeichen größerer Veranstaltungen: außer dem Feuerwehrtag finden, soweit bis j<Ht bekannt, statt: 50jähriger Stiftungstag des Kriegerverein-, 400jähriges Sommermarktjubiläum (Festmarkt). Bezirkstierschau der Landwirtfchastskammer, Radsahrerbezirksfest, Psingstmarkt mit Ver­losung usw.

Kreis Lauterbach.

E Lauterbach, 11. Dez. Rege Bau­tätigkeit herrscht im gesamten nordöst­lichen Dogelsberggebiet. In Lauterbach selbst, in den Dörfern des Kreises, überall find nach ber Währungsstabilisierung viele Wohn­häuser in Angriff genommen worben. Zum Teil find sie bereits fertiggeftellt, zum Teil stehen fie noch im Rohbau und harren ber Auspuhung. Wenn auch die errichteten neuen Wohnhäuser, meistens handelt es sich um Ein» unb Zwei­familienhäuser. bei weitem nicht ausreichen, um bie Wohnungsnot zu beseitigen, so haben boch auch viele Orte bes Vogelsberges geradezu ein neues Aussehen erhalten. Besonders wirb man bellen gewahr, wenn man auf ber Eifenbahnstrecke FulbaGießen fährt.

Starkenburg unv Rheinhessen.

Mainz, 11. Dez. (WB.) Dei einem Auto­mob i 1 unsa ll, der sich heute im Vorort Ka - fteII ereignete, wurde ein Schüler getötet Zwei andere wurden schwer, zwei leicht verletzt. Benn Lieberschreiten eines Fahrdammes wurde heute eine Frau von einem Automobil über­fahren und getötet.

Hessen-Nassau.

* Rodheim, a. d. D.. 11. Dez. In den großen Waldungen der preußischen Obersör- slerei Strupbach sind wieder, wie alljährlich, die Holzhauer der Rotte Bieber-Rod- h e i m an der Arbeit. Harte Fäuste sind es, die dort die Axt schwingen. In den Reihen der Wald- gcfellen steht rüstig, wie ein Jüngling, ber Holz­hauer Ludwig Platt IV. aus Robheim, ber am 13. d. Mts. seinen 72. Geburtstag feiert. Wie einst als schmucker 80er Füsilier, so hält er noch heute Schritt unb Tritt mit ben Jun­gen. Währenb des Krieges, als die wehrbaren Holzhauer vor dem Feinde standen, war Platt ein wackerer Kämpfer ber Heimatfrvnt. Das Der« bienstkreuz wurde ihm damals in Anerkennung feiner Pflichterfüllung verliehen. Fleißig uni treu, voll gesunden Humors, wird der Schäfer­platt, wie man ihn nennt, geachtet und geschäht von seinem Meister, von den Vorgesetzten der grünen Farbe, wie von seinen Kameraden. Möge der Wackere noch manche Iahre der Heimat und bem deutschen Walde erhalten bleiben.

bl. Dillenburg, 10. Dez. Die Stadl- verordneten-Dersammlung beschloß in einer dringlichen Sitzung, einen früher gefaßten Be­schluß betr. ©rtoeiterun gsbau befl Krankenhauses aufzuheben und mll den Anliegern des Krankenhauses jetzt in Verhand­lungen zur Lleberlallung von Gelände ein^utreten, da ber vorige Beschluß keine Gewähr für eine gedeihliche Entwicklung ber Stadt Dillenburg biete. Bei Auseinandersetzungen, öle bei einer Geburtstagsfeier zwischen zwei Brü­dern einer hiesigen Familie stattfanden, wollte bie Ehefrau bes einen ©treitenben ben gezogener Revolver in Sicherheit bringen. Hierbei ent« lub si ch bie Waffe unb traf die daneben« stehende Schwiegermutter der Ehefrau der­art, daß fie bald daraus verschied. Die Un­tersuchung ist eingeleitet.

E Hersfeld, 11. Dez. Eine segensreich» Verordnung hat die hiesige Polizeiverwal­tung vor einiger Zeit erlassen. Vach derselben dürfen an den Lohnzahlungstagen, bem Freitag unb ©onnabenb, von mittags 12 Uhr an Spirituosen unb Branntwein in den Gaststätten unb Kaufläben tm Ausschank

bäucr scher Spott unb ftäbt sche Eleganz, eine kult vierte Liebe zum St 1, und ein auigefprvche- nes Organ für alles Dekorative, auch in ben kühnsten Bahnen ber moö men Ornim ntierung, alles baß gibt ber russischen Malerei einen eigenen Akkord unb eine charakter stilche Me­lodie, deren Klima niemals zu verkennen ist. Unb wer sich bann vertieft hat. l ebt diese Malerei mit b'd :lben herzlichen Zune g ang w e bie andere ruff sch? Kunst und wie den un rfchepf- lidjen russischen Menschen. Llnerschopllia) ist das Reservoir ber russischen Malerei, heute wie je. Stiömungen fließen durcheinand r. unb große Dinge liegen im Schoße der Schöpfung..."

Auch heute kommt in ihrem Dezemberheft. aus dessen außerordentlich reichem und schön m Inhall wir im Zusammenhang mit bem oben Gesagten nur diesen einen Teil hervorheben wollen, die Zeitschrift auf das Thema ru'f sche Kunst zurück, indem sie über einen ihrer inter­essantesten Vertreter, Wass l. Schuchajew. in dellen fünfter fchen Aeußerungen die russische Eigenart besonders stark zum Ausdruck kommt, einen ausgezeichnet illustrierten Aussatz bringt, Der tn der Tat, wie uns scheint, e nen höchst lebendigen Ausschn tt aus der ruff fchen Kunst gibt. Es ist eine neue Well, d e sich vor unseren Augen auftut. und man muh der Ze tfchrifk dankbar fein, daß fie bemüht ist, diese Dinge, die uns durch den Krieg so lange Jahre Der» schlossen geblieben und noch heute fast unerreich­bar find, in fo ausgezeichneter Farn zugänglich zu machen.