Oer Alte auf Topper.
Vornan von Hann- o d n Zvbeltih.
67. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Drauf hat er noch in ben Zsuhstall hlnein- leuchwn lassen. Uni) toic er in den langen, leeren Raum siehi, geht daS Geschimpfe wieder los. „5lann einer mit Pferden alletnc wirtschaften? Wie soll ich sie durchfuttern? Wo sollen die Kühe Herkommen? Ist alles Katzendreck und Spiegelfechterei! Mach', das) du in die Klappe kommst, Marzanke! Ihr Bolt Hadis gut. habt höchstens Läuse auf • dem Kopf, unsereiner aber Hai die Sorge drin. Das ist schlimmer. Weih Gott!"
Brummelnd ist der Alte ins Belt gekrochen, brummelnd am Morgen wieder aufgeftanken. Nqch der Morgensuppe aber ging er doch wieder in den Stall, lieh die Gäule herauSführen und taxierte sie mit Kennemugen. Wie er so steht und erwägt: ,Den Schimmel behält das Dominium. den Brannen kriegt der Lahdauer Strafe,’ da kommt der liebe Gast vorüber mit dem Rotkopf.
„tBohblih. ihr seid aber früh zuwege!"
„Wir find in den Dachs bergen gewesen, gnädiger Herr." meint der (Sajctan Grvlich „Ich wollt' mit doch das Refugium anschann für Schweden- und Moskowiterzeilen- Da hat die Demvifeile nrid) freundlichst begleitet und geführt. Hatten eÄ gestern abend schon verabredet. '
DaS Iüngferlein macht sich davon, der Regimentsprediger aber bleib! bei den Pferden stehen und fängt auch an zu kritisieren. „Der Schimmel da ist gebrannt worden —"
.Seh' mal einer an,' denkt der Gestrenge, .kennt sich der Mann nicht allein mit dem Wort Gottes aus, sondern auch mit Däulern, und hat
noch dazu recht.' Subei kommen sie aber fo sachte ins Streiten hinein und dann wieder zum Frieden, und am Ende geht der Caietan mit dem gnädigen Herrn und drei Knechten und drei Pferden ins Dors.
„Dreie, gnädiger Herr ? Stund im Röntg- lichen Reskript nicht von zweien, so auf die Bauern entfallen sollten?"
„Was weih der Röntg davon? Da muh ich besser wissen, was not tut. Oder versteh« Ihr mehr von der Sache?" schnaubt der QUte. Uni) ärgert sich ein wenig. Auch darüber, dah er den jungen Mann nicht per Er tituliert, wie ehedem den guten friedevollen Püttner A.x-r der Monsieur da Hal bei aller Bescheidenheit so etwas Besonderes, Aufrechtes, hält auf sich Das will estimiert sein.
,©ar nichts versteh' ich davon I" sagt er seht. Ich freu' mich ja nur, dah der gnädige Herr dem Dort vier Pferdebeine mehr -uwenden wollen."
Da knurrt der Gestrenge wieder: „ileterfd)ätjt mich nicht. Herr. Ist vielleicht nur. weil ich einen Fresser weniger an der Strippe haben will. Weih so nicht, wovon die wohl satt werden sollen. Daran ober denkt solch grober Souverän in Berlin nicht, dah Pferde fressen trollen."
„Nun — das dürst' der alte Fritz am End' doch in drei Kriegen gelernt haben."
,Ach der!' möcht der Alte Tagen. Unterbrüdt es aber, sieht den jungen Mann nur so von der Seite an; halb spöttisch, hZlb verweisend. Find't ihn ein weniges vorlaut und hat doch fein? Freude an ihm
So gehen sie erst zum Lahbauer. Der schlägt dic Hände über dem Stopf zusammen, als es heiht: „Du den Braunen schickt dir unser gnädiger König. Pfleg' den Gaul gut und halt'
ihn in Ehren!" WM des gnObtgm Herrn Noa- schob küssen, doch der wehrt ab: „Hast mir nichts zu danken! Hörst iricht? Der Stömg schickt dir Den Gaul!"
Dann kommen sie zu Bürde und dann zu Kramm, unb überall ist's ixtifeltr?. Bloh dah der Bürde, der manchnurl ein freches Nlaulwerk bat, meint: „Wovon soll ich anw* Suber futtern, gnädiger Herr?" Da hätf er beinahe eine Maulschelle besehen, denn dein Alton sah die Rechte hocket Aber der Gast fiel schnell ein: „Kvssat, dein Gaul wird's gut fein, tvenn du ihn erst mal eine Woche ober zwei auf die Weid? schickst. Hat rechts vorn noch eine dicke Sehne. Denk', war wchl bei Torgau mit und vielleicht schon bei Rv schach. und der alte Zielen und der Seyd- lih haben die Gäuler nicht geschont. Wenns galt“
Der Bürde ift'Dabei um die Maulschelle gekommen. Qlber brauste'' fragt der Gestrenge, wieder ein weniges spöttisch: „Woher habt Ihr denn Die .Kenntnis, Herr?"
„Könnt' sagen, gnädiger Herr, au» dem Feldlager. Ist aber doch anders. Mein 'Baler selig bat ein kleines Stadtgütchen gehabt in Havelberg, und da hab' ich mich von klein auf getummelt. Manchmal vielleicht mehr als gut war, so dah mich der Babel in die Sicchtschule zurückbringen mußte. Dis bann mit den besseren Jahren die Ix'sseve Einsicht tarn und die Liebe zu den Büchern."
„Die Bücher allein tun's nicht."
„Gewistlich nicht. Der Meinung bin ich auch. Die Natu- bringt gut gerecht Gold, heistfs im Blumengarten vom alten Christoph Lehmann."
„Ja ja! Bloh mit dem Golde, da Haverts." meint der Gestrenge und stelzt dem Bishos aU. Unb brummelt weiter. „Das Luder, der ötirbc, ■jer-rr - ...... ■■
W seine Maulschelle Dreh ve^ -.ent 'Ti sHWW übiigen# das mit der Weid ist nscht |o dumm Ich will dem Marzanl <*brib sagen."
De« ganzen Tag über boi ’ ich der vSafctan Grvlich fast gar nicht sehen la'1 a 9ab in ban kleinen Pfarrhaus und ?rbnd.. manchmal Der- unmbert, manchmal kopfschii ttei-'b, den Bücher- im Hast, den der Fnedsertiae onfgestapelt, fotalU ihn die Russen tx'rtchvnt yic irmc Wilid dachte beim Antiquar in Frunksurt rmiges iMfär zu erlösen, und half mit der Tochter die verstaubten Schweinsledernen U>ilzen Auch am Abend lieh sich der Gast nur kurz sehen, bat um ein Acht und schrieb an einem Verzeichnis. Mit dem Fvrt- gehen schien eis nicht mehr eilig zu haben.
Am nächsten Bormittag aber stand er bei dem Gestrengen vor dem 5>aufe und bat, vd er mit aus» Feld gehen könne vielleicht auch bis Spiegrlbeig hinunter, um sich das dortige Kkrch- lein anzusehen
Wie sie so stehen und sprechen und sich der schönen Eonne freuen, kommt plötzlich Räderrasseln und Hufschlag von der Dorfstrah her, und gleich brauf fährt ein ^igdwagen scharf um die Ecke
„Straf' mich dieser unb jener!" ruft Der Alte „Da ist ja der 'Boden! Gevatter, siebt man dich wirklich mal. Meint' schon, da st Du Topper unb die Zabeltitz ganz vergessen bätt’ft!**
Der Land tat wälzt sich schtzx-r aus dem Wagen, prüftet und pustet und lacht, dah ihm her dicke Bauch wackelt. „Gevatter, man traut sich nicht her zu dir. Urbi et orbi ist ja bekannt, wie du nxtterft und fluchst Da mag kein« mit dir Ktrfchen essen.' Hat aber Den Zabeltitz^schvu beim Wickel und küstt ihn rechts und links auf die Backen.
(Fortsetzung folgt.)
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so sang vor sechsunddreißig Jahren das rostige Wiener Volk überall, im Prater, imWienerWald, in Hernals, in Orützing, beim .Heurigen Wein’, kurz wo sich nur .Fesche Weana Mad’la’ und „Buam" zusammenfanden.
O goldenes Wien - o goldene Zeit - wie bist du fern, wie bist du weit. — Es war damals, als man noch, ob arm, ob reich, ob hoch, oh niedrig, gemütlich beisammensaß und keiner fragte .wer ist du- - wo sich noch lustig der Aristokrat, der Fürst mit seinen .Weanern" vergnügte, ja wo selbst ein Kronprinz, ein Thronfolger seinem Herzen freien Laut ließ - es verschenkte an eine MaryVetsera, der jüngstenTochter d. verstorbenen Österreich. Gesandten in Konstantinopel - noch ein halbes Kind, doch von großer Schönheit, von unendlichem Liebreiz und seltener Herzensgüte.
Es war im Juli 1888
als an einem sonnigen Morgen im herrlich. Schönbrunner Park auf einer bemooste» steinernen Bank sich 2 Menschenkinder eng umschlungen hielten und sich heiße, zärtliche Worte der Liebe zuflüsterten und sich gelobten: „Wo du hingehst - dorthin gehe ioh auch - Dein Schicksal soll auch das meine sein - Dein Im Leben - Dein im Tode. Es war nicht lange danach — im Herzen des Wienerwaldes — Jagdschloß Mayerling
dort fand man eines morgens dic Baronesse Mary Vetsera tot — neben ihr erschossen den kaiserlichen Sohn - Kronprinz Rudolf.
An einem bleigrauen Februartage flatterten schwarze Fahnen wie ungeheure Schlangen lm eisigen Winde. - Zu vielen Tausenden stand, trotz kalter Winterstürme das Wiener Volk auf dem weiten Schloßplatz und sah starr und unverwandt, zum Tode betrübt, nach dem Portal — es wollte Zeuge sein, wie sein zukünftiger Herrscher, den es über alles liebte, begraben wurde. Mitten im Wiener Wald, auf dem stillen Friedhof des Dorfes Heiligen kreuz, rankt wilder Efeu um einen verwitterten Grabstein: nWie eine Blume sproBt der Mensch — und wird gebrochen“ so lautet die Inschrift. -Viele gehen vorüber - wenige aber wissen es - unter diesem Stein bleichen und modern die Gebeine der Baronesse Mary Vetsera — der letzten Liebe des Kronprinzen Rudolf von Oesterreich. - Das Wiener Volk aber, es wollte lange nicht glauben, daß Kronprinz Rudolf tot war.
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