Nr. 215 Swettes Blatt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Freitag, 12. September 1924
schönste ^mc des Hofes küssen. Aber er gerät dadurch in eine sehr bedenkliche Loge, denn jeder Ritter fordert, dost man seine Dome für tie schönste erkläre, und der unglückliche Kaß-- spender zieht sich durch jed? Wahl den Hast der Genossen zu -Zu so furchtbaren Konflikten führte die Jagd noch dem weisten Hirsch, dost sie streng verboten wurde Aus Dem „Ueberland- jagen" entwickelte sich b;e höfische Parforce-Jagb. und eine besondere Ausbildung erhielt die Falkenbeize, über deren Methode Kaiser Friedrich II. ein eingehendes Buch geschrieben hat.
Kunst und Wissenschaft.
Photographie des Krebses im lebenden Körper.
*21 ad) einem Bericht der „Umschau" soll es den Aerzlen Dr. A. Koharesf und L. Wehl gelungen sein, Kr^sgeschwülste im lebenden Körper zu photographieren. Sie entnehmen zu diesem Zweck dem Körper eine kleine Blutmenge und gewinnen aus dieser dos Serum. Diesem wird eiry? geringe Dosis Radiumemanation beigegeben, donir der Stoff dem Körper wieder ein verleibt. Die Emanation häuft sich innerhalb des Körpers vor allem do an, wo sich rasch wachsende Gewebe finden. Da bösartige Geschwülste, wie der Krebs, sehr rasch wachsen, so sind sie Ansammlungsorte für die Emanation Photographisch: Aufnahmen, die einige Zeit nach der Injektion gemacht werden, zeigen die Orte besonders starker Emanations- Häufung und ermöglichen dadurch, die Lage krebsartiger Geschwülste im Körper zu bestimmen.
Der Kampf um den deutschen Nhem.
Die Räumung des linken Rheinufers. — Frankreichs Verlangen nach der „natürlichen Grenze".
Don Dr. Ernst M ü l l e r - Meiningen, ehern, bahr. Justizminister, Richter am Obersten Landgericht München.
Der zweitausendjährige Kampf um den deutschen Rhein hat in dem Ringen des Weltkrieges seine jüngste typische Periode entrollt. Was Frankreich nicht mit den Waffen fast der ganzen Welt und durch Aushungerung des deutscher Dolkes erreichte, will es mit Hilfe des schmählichsten aller Friedensdiktate und seiner sadistt- schen, mit Absicht unklaren und unmöglichen Leistungen erreichen: Der Rhein soll die „natürliche Grenze" zwischen Frankreich und
dern sich mit einer Fülle von Verlegen heits- sprüchen aus der Affäre zu ziehen verlacht. Ja, er ist so weit gegangen — was sein Freund Brailsford im „Daily Herold" bestätigt —. Herriot auch hier den Steigbügel zu halten und zu sagen, dast die englischen Truppen am 10. Januar 1925 die Kölner Zone nicht verlassen werden: Richt bloß wegen der guten Beziehungen zu der deutschen Zivilbevölkerung in Köln, - sondern auf die Gefahr hin, dost Frankreich aus
nicht, warum es nicht geschah, nehme selbstverständlich an, dah eS reiflich erwogene waren, die mich aber von der Anregung der Frage in der Qeslentlichkeit nicht obzubringen txrin gen. Denn mehr noch als die S ch u l d s r a g e wird diese Frage der Räumung des linken Rheinusers die Welt in Aufregung erhalten: Es besteht der Derdocht, dast Frankreich all das, was es jetzt scheinbar konzediert - es ist vorläufig in der Hauptsache nur eine nichtslagcnde Wort- leistung ohne wirkliche Garantie gegen Mistbrauch . mit zu dem Zwecke betreibt, um so sicherer der Vernunft und ihrer Vertragstreue bezüglich des Rheinlandes ein Schnippchen zu schlügen: Die französische Armee fühlt sich in ihrem unerhörten Lut is, in diesem herrlichen „Krieg im Frieden" in den rheinischen Quartieren so wohl, dast es auch einer ehrlichen französischen Regierung vielleicht nicht möglich ist. fxe wieder
Deutschland l unb bleiben Die ganze Ruhr- Assäre, der .11 französisch, c Truppen mitten im sogenanni „Frieden" wegen nicht gelieferten Holzes uii Zohlen, soll nur eine Kulisse fern, um desto sicherer den Rhein zu behalten. Ist die deuts. Industrie im rheinisch-westfälischen Boxland, des Rheins zertrümmert obed in fester Kontrolle^, dann lästt sich das Ziel der Rheingrenze um so leichter dauernd erhalten.
Diese hervorragend geschickte Räuber- taktik Frankreichs zeigt bereits ihre deutlichen Erfolge: An Stelle der aggressiven deutschen Taktik gegenüber dem Versailler Schanddiktat spricht heute jedermann nur noch von der „Ruhr- Räumung" nicht mehr von der Revision oder Beseitigung des Littates von *919: Die Reichs- regierring unb mit ihr fast du getarnte deutsche Presse beruft sich aus Schritt m.> Tritt auf den Versailler Vertrag. Aus A,,.'riffspofttion sind tr-ir in die vollendete Verteidigungsstel- lung durch die frevelhafte, verbrecherischeRahr- Affäre vom 9. Januar 1923 gedrängt worden. Deutschland scheint jetzt beinahe froh zu fern, wenn es den Boden des sogenannten Vertrages unter sich hat unb sich' damit gegen die fortgesetzten Rechtsbrüche des französischen Regimes verteidigen kann Es ist an der Zeit, dast sich dieser ganzen unseligen Rückwärts-Gnt wicklung das deutsche Volk einmal, bewustt wird.
Dabei wagt man anscheinend die für die Zukunft des Reiches bedeutsamsten Fragen nicht mehr offen auszurollen. Aas Sorgen es könnten neue Gewalttaten Frankreichs die Antwort sein. Das gilt in erster Linie von der Grundfrage, ob die Frist von 15 Jahren für b 1 e Besetzung des linken Rhein ufers in Art. 428 des Versailler Vertrages, die „vom Inkrafttreten" des Versailler Vertrages an gerechnet werden soll, heute überhaupt schon läuft. Frankreich — PoiizcarH wie Herriot — steht bekanntlich auf dein Standpunkte, die Frist habe überhaupt noch gar nicht zu laufen begonnen, da der Vertrag nicht erfüllt sei! Diese ungeheuerliche Auslegung einer Haren Vertragsbestimmung bedeutet natürlich nichts anderes als die dauernde Wegnahme des linken Rheinufers, die Erreichung des Ziels des ganzen französischen Dolkes, die Erfüllung des Traumes aller französischen ^Patrioten" seit der grosten französischen Revolution, ja seit Ludwig XIV.: Es bestehl nicht der geringstc Beweis, dast Herriot von diesen allgemeinen Linie der traditionellen Politik Frankreichs abweicht: Er weist nur geschickter als Po in ca re, Millerand, Tardreust und Genossen den aufgeklärten Mann „des neuen Geistes" den er wiederum weniger von der deutschen „Demokratie" fordert, zu mimen.
Hervorragende englische Politiker haben die Größe der Gefahr aus dieser Auslegung des Versailler Diktates erkannt. So hat der frühere englische Premierminister As quith m der Sitzung des englischen Unterhauses vom 14. I 1I1 1924 die von Der französischen Auffassung „total abweichende" englische Qlleinung vertreten und die englische Regierung auf die eminente Gefahr der französifchen Stellungnahme hingewtesen.
Er hat in Ucbercinftimmung damit verlangt, Last England nach seiner Dertragspflicht am 10. Januar 1925 nach Ablarkf der fünfjährigen Frist gemäß Art. 429 die Kölner Zone ver lästt und die volle' Souveränität Deutschlands dort wiederherstellt.
Und in der Sitzung vom 6. Augast 1924 — also während der Londoner Konferenz — hat der ehemalige Premierminister Lloyd George dieselbe Frage von neuem aufgerollt. Er hat die französische Behauptung, dast die Besah angsfrt st von 15 Jahren noch nicht zu laufen begonnen habe, direkt einen „nicht stren g ehrenhaften Weg" („not strictly honourable way") genannt unb von neuem, wie Asquith, an den Minister- präsibenten bie Anfrage geslellt, was die englische Regierung dieser gefährlichen Meinungs- disserenz gegenüber zu tun gedenke. Der jetzige Premier M a c d 0 n a l d hat — (trotz ober wegen seiner pazifistischen Gesinnung, oder wegen seiner Sorge vor dem dräuenden Poincars?) — die wiederholten Anfragen nicht beantwortet, son
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diesem Präjubize für feine hochgefährliche Auslegung der Art. 428 unb 429 bas Recht auf ewige Okkupation des linken Rheinufers herlellet, denn der größte Esel findet doch, — auch ohne bie meisterhafte, hergebrachte französische Ra- bilistik - einen Grund, über „nicht pünktliche Erfüllung" irgendeiner Bestimmung jenes fadistifch-ungeheuerlichen Diktates von 1919 zu prozessieren! Ich meine, unsere bisherigen Erfahrungen mit dem lothringischen Advokaten und seinen Kniffen sollten die deutsche Reichsregie- iimg überzeugt haben, dah wir noch eine schwere Leidenszeit bis zum 15. August 1925 durchzumachen haben, bis wir die Ruhr wirklich geräumt sehen werden!
Diese jüngsten Vorgänge im englischen Unterhaus e aber hätten meines Erachtens allen Beteiligten, in erster Linie natürlich der deutschen Delegation, die Verpflichtung auferlegt, über diese wichtigste Frage der deutschen. ja der europäischen Politik und Zukunft volle Klarheit zu fordern. Ich kenne die Gründe
hevauszubringen. — es sei denn, dast die ganze Welt sich beizeiten energisch gegen den klaren Länderraub auflehnt. Hier ist auch für England -die Achillesferse. Es ist charatteristisch, dah eine Reihe grober englischer Zeitungen, darunter sogar Macdonalds Leibjournalist Drailsford im „Daily Heiald", die Gefahr bereits wittern und Mac- donald warnen. Die deutsche Reichsregierung hat aber die heilige Pflicht, rascheste ns, ohne jeden taktischen Verzug dafür zu sorgen, dah jede Brunn en Vergiftung über den Ablauf der 15-, 10= unb 5jährigen Fristen bet Art. 428 unb 429 des Versailler Vertrages verhindert wird: Sie 'würbe sich später der schwersten persönlichen Verantwortung aussehen, wenn sie diese Klarstellung — einer der wichtigsten Bestimmungen des Versailler Diktates — vielleicht aus irgendwelchen taktischen Gründen verzögern würde. Das „Aprös nous le belüge“ könnte in diesem Falle den Untergang des Deutschen Reiches bedeuten! Denn ohne den Rhein kann kein Deutsches Reich auf die Dauer bestehen I Darüber ist in
Deutschland ohne Unterschied der Parteistellung mit der Regierung das ganze Voll einig.
Das Ergebnis der Berner Konferenz.
Eitel Freude herrscht . in des „13 o r» w ä rt S" Hallen: „W afhingtontnirb r a ti fixiert!“ verkündet das sozialdemokratische Blatt frohlockend und singt dem Neun- und Zehnstundentag, zu dem Deutschland unter dem Drucke der furchtbaren Wirtschaftsnot wieder zurückgekshrl ift, bereits einen tonenden Grabgesang. Und was gibt Anlaß ztt diesen Ausbruch der Freude? Das Ergebnis der Konferenz der Arbeitsminister Deutschlands. Frankreichs. Belgiens und Großbritanniens. die dieser Tage in der schweizerischen Hauptstadt Bern stattgefunden batten. Besieht man sich dieses 'Resultat etwas genauer, so will es uns scheinen, als wenn dadurch die Wiedereinführung des Achtstundentages, die der „Vorwärts" bereits gesichert sieht, doch noch nicht so unbedingt garantiert wird. Die versammelten Minister haben nämlich es als „erwünscht" bezeichnet, zu einer brauchbaren internationalen Anwendung des Achtstundentages zu gelangen. ES wurde sestge- stellt, dah „in den meisten Punkten" ihre Auffassungen übereinstimmten, also nicht etwa in allen. Die Konferenz schloß „unter dem allgemeinen Eindruck", daß es möglich sein werde, zu einer gemeinsamen Ratifizierung des Washingtoner Aebereinkommens zu gelangen. 3n diesem Berner Konzert der hauptsächlichen sozialen Dirigenten der -Welt wurde also noch recht viel Zukunftsmusik gc^ boten. Ein Wörtchen mitzusprechen, haben vor allem die Parlamente, in Deutschland also der Reichstag, ob er einer allgemeinen Einführung des dogmatischen Achtstundentages ohne diä Möglichkeit von Ausnahmen zusttm- men. wird, halten wir nicht nur für ziemlich unwahrscheinlich, sondern beinahe für ausgeschlossen. Die Erfahrungen, die das deutsche Volk mit dieser „Errungenschaft" der Revoluttvn hat machen müssen, sind denn doch etwas allzu trübe. Eine internationale Regelung der Arbeitszeitfrage müßte überdies jedem der auch nur einige volkswirtschaftliche Kenntnisse hat. deshalb unzweckmäßig erscheinen, weil die natürlichen Voraussetzunge n in den einzelnen Ländern denn doch allzu verschieden sind. Selbst gesetzt den Fall, daß Amerika. England und Frankreich restlos zum Achtstundentag übergehen, wie sollen wir in Deutschland konkurrenzfähig mit unserer Arbeit bleiben oder sogar überhaupt erst wieder w e r d e n? Uns fehlt der natürliche Reichtum dieser Länder oder ihrer Kolonien, wir sind ein auSgesogenes und verarmtes Volk, das, so bitter sich diese Wahrheit anhört, nun einmal gezwungen ist, mehr zu arbeiten als die' übrige Welt, wenn wir leben wollen. Von der Svzialdemokratte. die ihren Dogmenglauben nicht abstreifen kann, ist keim Einsicht zu erwarten. Um so mehr sollten di< Bürgerlichen und die nichtsozia- lj st i f chen A r be i te r sich hüten, den oben- geschilderten „VorwärtS"-3ubelhhmnen beizu- sttrnmen. Die Spuren bitterer Erfahrung schrecken . . .
Sozialbemokratie unb Zollvorlage.
In den Sozialistischen Monatsheften unternimmt Max Cohen einen mutigen Vorstoß gegen die Stellung der großen Mehrheit seiner Parteifreunde zur Schuhzollfrage. Er wundert sich, daß bie sozialistischen Arbeiter, die, wenn es auf den Schuh einer Industrie ankommt, längst gelernt hätten, als Produzenten zu denken, die Agrarzölle lediglich vom Verbraucherstand aus beurteilten. Hier spiele der politische Gegensatz zwischen Stadt unb Land eine verhängnisvolle Rolle. Cohen seht sich dann mit den Einwänden . der Schuhzollgegner recht geschickt auseinander. Ihre Lehre, daß man den Verbrauch grundsätzlich an der billigsten Quelle decken, die Nahrungsmittel also dort beschaffen müsse, wo die natürlichen Produktionsbedingungen bie günstigsten sind, wäre wohl zutreffend, wenn wir eine durchorganisierte Weltwirtschaft hätten, von der aber seien wir weit entfernt, und man brauche nur an die Möglichkeit eines Krieges zu denken, der Deutschland gar nicht einmal unmittelbar in Mitleidenschaft ziehen müßte, umdieGefahrfürun.sere Ernäh-
wiederDeutfchezumMerwurde
„Es lebe, was auf Erden stolziert in grüner Tracht, die Wälder unb die Felder, der Jäger und die Jagd!" Diese Verse Wilhelm Müllers Hingen jetzt wieder hell und heiter durch die herbstliche Ratur, da die Anhänger des edlen Waidmannswerkes nach Herzenslust sich der Jagd widmen können. So weit wir die Geschichte der Deutschen zurückverfplge' können, ist ihnen bie Liebe zum Waidwerk tief eingewurzelt, aber es beinirftc freilich einer langen Entwicklung, bevor sich der deutsche Mensch aus dem Fallensteller und Wildabschlachter, der auf der Nahrungssuche und in der Rotwehr gegen Raubtiere zum Jager geworden war, sich zu dem maßvollen und gesitteten Kenner der Wcismannsregeln entwickelte, der aus der Jagd eine Kunst und einen Sport machte. Den alten Germanen, den echten Söhnen deS Waldes, in deren trotzigen 2Iugen schon Ta° citus die Freude am Kamps mit allem Getier aufleuchten sah ttxir das frisch: fröhliche Jagen eine der wichtigsten Be'chäftigungen. Der Reichtum ihrer unendlichen Jagdgründe inachte ihnen das Erlegen der Tiere leicht. Freilich mit Dar, Wolf und Eber matzte er auf Leben und Tod kämpfen, und die ihn gemäße Art des Jagens dieser Tiere war bei- offene Kampf, in dem er mit dem Speere ccm Raubzeug furchtlos entgegentrat. Bald aber gewöhnte er sich daran, manche Tiere mit Hunden zu hetzen, und der uralte Brauch des Legens von Fallgruben und Schlingen dauerte noi) lange fort. Schon früh
jagte der Germane nicht einzeln: wir wissen von Vereinen keltischer Jäger, und auch die Deutschen hatten vor der Völkerwanderung ihre geheiligten Jagdbrüderschaften, die unter dem Schutze des Gottes standen und altüberlieferte Bräuche sorgsam befolgten. Elch. Renn i r. Auer- ochs und Wisent waren die edelste Deute, während Luchs und Fuchs. Dachs und Otter, dazu Gevögel aller Art dem durchs Waldesdickicht streifenden Germanen alltäglich -um Opfer fielen. Freilich, weidmännisch in unserem Sinne waren die Jagden der alten Germanen noch nicht: man schonte weder Aller noch Geschlecht des Wildes und vernichtete es das ganze Jahr hindurch. Der jchortmätzige Genuß an der Jagd selbst, der e:ft den Jäger macht, und den die verfeinerte t Römer damals empfanden, war dem germani'che^ Markgenossen fremd. Das Jagen war ihn eine gute Vorbereitung für fein eigentliches Lebenswerk, den Krieg, befreite ihn von lästigen Raubtieren und bot daneben Wildpret. Felle und Geweihe, diente zur Rahrung und Kleidung.
Der erste Jäger aus reiner Pallivn. der uns aus den deutschen Quellen enigeqentritt, ist Karl der Große. Der Sänger Anglibert hat uns eine kaiserliche Jagd beschrieben. Da tritt Karl, den einfachen Goldreif ums Haupt, unter den Schwarm der Jagdspiehe tragenden Knaben und Jägerburschen, die die halsgcfe: selten Hande unb Bracken halten. Die Hunde werden von den Ketten gelöst, nachdem sich am Waldessaum das ganze (Ktgdheer versammelt: sie rasen durchs Hol; und spüren einen Eber auf; mit lau‘em Getöse
stürmen die Männer nach. Endlich stelle?, die Hun!^ das wilde Tier; der König als der schnellste stößt ihm das Eisen in die borstig e Brust, und dann stieben alle wieder auseinander, neuem Wilde nach. Abends aber vereinen sie sich in goldgeschmückten rMgdielten zu frohem Mahl, unb bann ruhen die Müden im grünen Wald, bis in der Rlorgenfrühe der Hvnrruf zu neuen Taten weckt . . Die Jagdleidenschaft, die nunmehr unter den Deutschen erwachte, griff bald um sich, ergriff sogar die Geistlichen, die sich nicht an die 'kirchlichen Verbote kehrten, sondern mit Hund unb Hatz durch Wald und Feld sprengten. In der Zeit des Minnegesangs und des Rittcrdi.nstes ist die Jagd zum gesellschaftlichen Hauptspvrt geworden. „Wenn jemand ein echter Edelmann werden will," so heißt es in dem „Tugendbuch" des Agrivpa. „so muß er zunächst ein Jäger werden, denn darin sind alle Grundsätze und Grundbegriffe des Adels enthalte.!." Atmet das Ribelungenlied noch etwas von der freien Waldeslust und ungeschlachten Derbheit der altdeutschen Waidgenossen. so entfaltet sich vor uns in den großen höfischen Epen das reichste Bild der vornehmen Jägerei im 12. und 13. Jahrhundert. Run erst ist der Deutsche zum eigentlichen Jäger geworden. Rach ganz beftimmten Gesetzen wisd der Hirsch gehetzt, und höchst schwierig ist es. das erlegte Tier zu zerteilen, zu „zerwirken". Die Hetzjagd im freien Revier ist am bei: hielten; uaß edelste Wild ist der Hirsch, unb die vornehmste Jagd wieder gilt dem weiß e n Hirsch. W.r ibn erlest, dem stehl das Rech zu bie


